20.04.2026
Der Montag war unser Anreisetag. Alle Teilnehmenden reisten individuell in Brüssel an. Am Abend gab es schon die Möglichkeit, sich bei einem gemeinsamen Abendessen in Kleingruppen zu begegnen.

21.04.2026 – Europäische Erwachsenenbildung im Kontext digitaler Transformation
Der Dienstag war der erste Tag unserer Erasmus+ Mobilität. Wir nutzten die erste Stunde des Programms für ein ausführliches Kennenlernen, Erwartungsabklärung und eine Einführung in das Programm und den Ablauf der nächsten drei Tage.
Danach stand der erste Programmtag unserer Exkursion nach Brüssel im Zeichen der europäischen Perspektive auf Erwachsenenbildung und deren Rolle im Kontext der digitalen Transformation. Mit der European Association for the Education of Adults (EAEA) lernten wir eine zentrale Interessenvertretung kennen, die sich für die Sichtbarkeit und strategische Weiterentwicklung der Erwachsenenbildung auf europäischer Ebene einsetzt. Die Einblicke in aktuelle politische Entwicklungen machten deutlich, dass die strukturelle und finanzielle Absicherung dieses Bildungsbereichs zunehmend unter Druck gerät.


Besonders deutlich wurde dabei die Spannung zwischen einem ganzheitlichen Bildungsverständnis und einer zunehmenden Fokussierung auf arbeitsmarktbezogene Verwertbarkeit. Vor dem Hintergrund digitaler Transformationsprozesse wurde jedoch deutlich, dass Erwachsenenbildung weit über berufliche Qualifizierung hinausgeht und eine zentrale Rolle für gesellschaftliche Teilhabe, Demokratieförderung und individuelle Entwicklung spielt.
Die Auseinandersetzung mit der digitalen Transformation wurde dabei als Querschnittsaufgabe deutlich, die sowohl strukturelle als auch didaktische Veränderungen in der Erwachsenenbildung erfordert.
Im fachlichen Austausch wurde die digitale Transformation als umfassender Veränderungsprozess sichtbar, der sowohl technologische als auch didaktische und organisatorische Dimensionen umfasst. Digitale Kompetenzen wurden als grundlegende Voraussetzung für Teilhabe in allen Lebensbereichen herausgestellt. Gleichzeitig wurde eine wachsende Diskrepanz zwischen Zugang zu digitalen Technologien und deren reflektierter Nutzung deutlich.
Ein praxisnahes Beispiel stellte ein KI-gestütztes Tool zur Erfassung und Sichtbarmachung informell erworbener Kompetenzen dar. Dieses eröffnet neue Möglichkeiten für individualisierte Lernprozesse, Kompetenzanerkennung und Bildungsplanung und verdeutlicht das Potenzial digitaler Anwendungen für die Erwachsenenbildung. In diesem Zusammenhang lernten wir auch den Ansatz AI4AL (Artificial Intelligence for Adult Learning) kennen, der darauf abzielt, non-formal und informell erworbene Kompetenzen systematisch sichtbar zu machen und für Bildungs- und Beschäftigungskontexte nutzbar zu machen.
Der Besuch bei MAKS in der zweiten Tageshälfte zeigte eindrücklich, wie digitale Grundbildung im Quartier niedrigschwellig umgesetzt werden kann. Besonders relevant für unsere Lernziele war die Verbindung von digitaler Kompetenzentwicklung mit sozialer Teilhabe und Vertrauensarbeit in den Communities.

Die Arbeit vor Ort verdeutlichte, dass digitale Transformation nur dann wirksam ist, wenn sie an den Lebensrealitäten der Menschen ansetzt und durch stabile Strukturen unterstützt wird.
Die im MAKS umgesetzten Ansätze verdeutlichen, wie digitale Grundbildung als Teil von sozialer Teilhabe niedrigschwellig und zielgruppenorientiert gestaltet werden kann.

22.04.2026 – Europäische Netzwerke als Treiber digitaler Transformation
Der zweite Tag verdeutlichte die Bedeutung europäischer Netzwerke für die Gestaltung digitaler Transformationsprozesse in der Erwachsenenbildung. Die Lifelong Learning Platform zeigte eindrucksvoll, wie vielfältige Akteure gemeinsam daran arbeiten können, lebenslanges Lernen als grundlegendes Prinzip in Europa zu stärken.
Im Kontext der digitalen Transformation wurde deutlich, dass Bildungsangebote zunehmend flexibel, modular und zielgruppenorientiert gestaltet werden müssen. Ansätze wie Micro-Credentials oder individuelle Lernkonten eröffnen neue Möglichkeiten, um Bildungsbiografien zu strukturieren und sichtbar zu machen.
Der Austausch mit ALLDigital machte deutlich, dass digitale Grundkompetenzen eine zentrale Voraussetzung für gesellschaftliche und wirtschaftliche Teilhabe darstellen. Gleichzeitig wurde die digitale Transformation als sozialer Prozess verstanden, der Fragen von Inklusion, Zugangsgerechtigkeit und digitalem Wohlbefinden einschließt. Besonders relevant für unsere Praxis war die Erkenntnis, dass sowohl Lernende als auch Lehrende kontinuierlich in ihrer digitalen Kompetenzentwicklung unterstützt werden müssen.
Die vorgestellten Projekte zeigten konkrete Ansätze zur Umsetzung barrierearmer und inklusiver digitaler Bildung. Dabei wurde deutlich, dass innovative Lernformate und praxisorientierte Methoden entscheidend sind, um neue Zielgruppen zu erreichen.
Insgesamt wurde deutlich, dass digitale Transformation nicht nur technologische Entwicklungen umfasst, sondern tiefgreifende Auswirkungen auf Lernprozesse, Zugänge zu Bildung und gesellschaftliche Teilhabe hat.
Am Nachmittag besuchten wir das EU-Parlament und trafen dort MEP Delara Burghardt und den Assistenten von MEP Rasmus Andresen. Herr Andresen selbst war leider kurzfristig verhindert.


Der Besuch im Europäischen Parlament ergänzte die Perspektiven des Vormittags um eine politische Dimension. Die Einblicke in Entscheidungsprozesse und Förderstrukturen verdeutlichten, dass die Rahmenbedingungen für digitale Transformation maßgeblich durch politische Prioritätensetzungen beeinflusst werden. Die unsicheren Zukunftsperspektiven für europäische Förderprogramme unterstreichen die Notwendigkeit, den gesellschaftlichen Mehrwert von Erwachsenenbildung – insbesondere im Kontext digitaler Transformation – stärker sichtbar zu machen und aktiv zu vertreten.

Am Abend bot ein gemeinsames Social Dinner in einem Street-Food-Markt die Gelegenheit, die Eindrücke des Tages in informellem Rahmen weiter zu vertiefen. Dieser Rahmen erwies sich als besonders wertvoll für die Vernetzung und Reflexion der gewonnenen Erkenntnisse.


23.04.2026 – Digitale Transformation als Organisationsentwicklungsprozess
Der dritte Tag ermöglichte mit dem Besuch bei Crescendo CVO in Mechelen einen vertieften Einblick in die institutionelle Umsetzung digitaler Transformation. Die Analyse des belgischen Bildungssystems zeigte, wie stark strukturelle Rahmenbedingungen die Ausgestaltung von Erwachsenenbildung beeinflussen.
Besonders gewinnbringend für unsere Lernziele war die systematische Herangehensweise der Einrichtung an digitale Transformationsprozesse. Auf Grundlage einer umfassenden Analyse der Bedarfe und Kompetenzen von Lernenden und Lehrenden wurde eine klare digitale Strategie entwickelt. Die gezielte Auswahl und Implementierung von Tools sowie die begleitende Qualifizierung der Lehrkräfte verdeutlichten, dass digitale Transformation als langfristiger Organisationsentwicklungsprozess verstanden werden muss. Es wurde deutlich, dass eine reflektierte und transparente Nutzung dieser Technologien entscheidend für ihre Akzeptanz ist.
Konkrete Anwendungen, insbesondere im Bereich KI-gestützter Lernangebote, zeigten, wie digitale Technologien zur Individualisierung von Lernprozessen und zur Förderung von Motivation eingesetzt werden können. Ergänzend lernten wir das sogenannte „App Wheel“ kennen, ein praxisorientiertes Instrument zur systematischen Auswahl und Einordnung digitaler Tools für Lehr- und Lernprozesse. Diese unterstützen Lehrkräfte dabei, digitale Anwendungen zielgerichtet und didaktisch sinnvoll in ihre Bildungsangebote zu integrieren.
Es wurde sichtbar, wie Bildungsangebote konsequent an den Bedarfen der Zielgruppen ausgerichtet werden können. Praxisnahe und kreative Ansätze, etwa die stärkere Verlagerung von Lernangeboten in den öffentlichen Raum, eröffnen neue Möglichkeiten, Reichweite und Sichtbarkeit von Erwachsenenbildung zu erhöhen.
Das CVO zeigte exemplarisch, wie digitale Transformation als strategischer Organisationsentwicklungsprozess verstanden und systematisch umgesetzt werden kann.
Insgesamt konnten wir unsere Kompetenzen in der Analyse, Bewertung und Gestaltung digitaler Transformationsprozesse deutlich erweitern. Die gewonnenen Erkenntnisse ermöglichen es uns, strategische Impulse für die Weiterentwicklung der Erwachsenenbildung in unserem Kontext abzuleiten und praxisorientiert umzusetzen.
Die gewonnenen Erkenntnisse stärken unsere Fähigkeit, digitale Transformationsprozesse in der Erwachsenenbildung aktiv mitzugestalten und in unseren jeweiligen Kontexten weiterzuentwickeln.


24.04.2026
Der Freitag war der Abreisetag der Teilnehmenden. An diesem Tag gab es keine weitere gemeinsame Aktivität.




















































































































