Finnland: Migrants‘ course: Let’s use ICT teaching and learning of newly-arrived migrants – Helsinki

von V. H.

 

Sonntag: 12.05.2019

Gleich am Tag der Ankunft habe ich zwei finnische Lehrerinnen getroffen. Die Gespräche haben meine eigenen Erinnerungen als Finnin und meine Gedanken an das Bildungssystem bestätigt. Die Lernenden werden als Individuum behandelt. Sie haben die Möglichkeit, für sich persönlich geeignete Lernmethoden auszusuchen.

Digitales Lernen fordert viel mehr als nur das Herunterladen der Apps. Die Lehrer bereiten die Arbeit zielgerichtet und sorgsam vor. So dass sich das Lernen vom langsamen zum schnellen Lernen bewegt. Das digitale Lernen wird mit haptischen Möglichkeiten ohne die klassischen Lehrbücher zu vergessen, ergänzt. Der Lerner entscheidet mit der Begleitung des Lehrers, mit welchem Material er lernen möchte. Meine erste Frage war, wie leise die Klassen sind. Darauf konnte Heini Syyrilä, vielleicht eine der Spitzenexpertinnen des digitalen und haptischen Lernens, lächelnd antworten, dass nur die Phase der Aufgabenerklärung ruhig sei, ansonsten werde aktiv ausgetauscht und diskutiert. Die Lernatmosphäre sei entspannt und positiv.

Sie betonte aber auch, dass kein digitales Programm ohne das Wiederholen der mündlichen und schriftlichen Fertigkeiten Erfolg bringe.

Nach den ersten inspirierenden Erfahrungen durften wir am Tag des Zusammenkommens der bunten Gruppe, gleich vielleicht eine der spannendsten Innovationen des Landes, die neue Bibliothek „Oodi“ , besichtigen. Es ist Sonntag und wir befinden uns in der Mitte von vielen Menschen, die diesen Bildungsort als eine Art erweitertes Wohnzimmer, Kinderzimmer oder auch als Arbeitszimmer benutzen. Von Eile oder Angespanntheit ist nichts zu spüren. Es ist kaum zu glauben, aber die Bücherregale sind nur schlicht mit Büchern befüllt. Das hängt nicht damit zusammen, dass der Staat die Finanzierung verkürzt hätte, sondern die Finnen waren und sind noch heute aktive Benutzer ihrer Bibliotheken. Das Wort Bibliothek erlebt, aber eine Erweiterung an diesem Ort. Zahlreiche Leseecken und -ebenen laden die Besucher zum Verweilen ein. Erweitert wird das Angebot durch die Möglichkeiten des digitalen Lernens allein, zu zweit oder in größeren Gruppen. Am meisten fällt mir auf, dass das Publikum aus unterschiedlichen Schichten und Herkunftsländern stammt. Jeder scheint diese fast grenzlosen Möglichkeiten zu genießen. Eine ungewöhnlich, aber vor allem sehr weitblickende Variante des Handwerks ist das Angebot, die 3-D-Drucker nutzen zu können, was diesen Ort noch beeindruckender erscheinen lässt. Mit diesen Eindrücken kann ich nur auf die weiteren Tage gespannt sein.

Montag: 13.05.2019

Der Tag begann mit den Besichtigungen in den Werkstätten der Schule. In dem anschließenden Vortrag über das finnische Bildungssystem von Pia Hakkari, haben wir sehr konkret erfahren, worauf es in der finnischen Schule ankommt.

Der Schulalltag basiert auf das gegenseitige Vertrauen, damit ist nicht nur die Interaktion zwischen Lehrern und Schülern gemeint, sondern auch die Eltern werden in den Schulalltag einbezogen. Am Anfang des Schuljahres erhält jeder Schüler einen eigenen Lernplan, der nach Bedarf eventueller Fördermaßnahmen auch ergänzt wird. Inzwischen dürfen Lehrer entscheiden, welche Fördermittel die einzelnen Schüler benötigen.

Es werden auch keine Sprachtests mehr bei den Schülern durchgeführt. Entscheidend ist, dass der Fachlehrer mit einem Sprachlehrer eng kooperiert. Der Unterricht besteht aus einer Kombination von Sprachförderung und fachlichen Fähigkeiten. Die berufliche Bildung nutzt auch eine Großzahl der Erwachsenen. Das Sprachniveau kann durchaus auf dem Niveau A1-A2 sein. Die Aufgaben werden am Anfang des Tages so vorgelegt, dass der Lernende für sich geeignete Aufgaben suchen darf. Auch wie sie lernen, ist den Lernenden überlassen.

Eine der wichtigsten Botschaften des Tages war: „Die Zeitspanne des Lernens ist nicht wichtig, sondern die Fähigkeiten, die vermittelt werden und wir können die Schüler nicht ändern, aber unseren Unterricht.“ Viele der Migranten bringen schon einen Beruf mit sich. Den Beruf können sie oft weiterhin ausüben, sie werden in der Regel einen verkürzten Lehrgang absolvieren und so als Arbeitskraft für den Arbeitsmarkt vorbereitet. Da die Sprachkenntnisse oft am Anfang sehr gering sind oder das benötigte Fachvokabular fehlt, werden sie sehr praxisnah unterrichtet. In diesem Zusammenhang sind gerade digitale Medien eine enorme Hilfe. Die Schüler machen zweimal ein Praktikum. In den Praktikumsberichten entfernt man sich langsam vom reinen Schreiben. Die Berichte dürfen mit Bildern und Videos ergänzt werden. So wird es viel lebendiger für die Schüler und das unterstützt den Lernprozess.

Wie die digitalen Medien eingesetzt werden, haben wir konkret im zweiten Teil des Tages erfahren. Piccollage haben wir eher überflogen, da es sich bei dieser App um ein einfaches Bildbearbeitungsprogramm handelt. Die ersten tieferen Eindrücke konnten wir bei H5P, einem interaktiven Videoprogramm, gewinnen.

Mit der ThingLink-App haben wir die ersten Übungen für unsere eigenen Schüler vorbereiten können. Diese App ermöglicht Bilder mit Stimme und Text zu verbinden. Das hat den Vorteil, dass man den themenspezifischen Unterricht mit einem Fachlehrer vorbereiten kann oder sie ist auch für den allgemeinen Sprachunterricht hervorragend geeignet ist. Durch Fotocollagen wird der gewünschte Lehrstoff konkretisiert.

Als letztes haben wir noch das Padlet-Onlinetool kennengelernt, das die Lernenden prima zusammen mit dem Lehrer benutzen können.

Mit diesen vielfältigen Eindrücken beendeten wir den ersten Lerntag.

 

Dienstag: 14.05.2019

Der Tag begann mit einem lustigen Aufrufen der Namen. Wir hatten uns durch eine App in eine Icon-Figur verwandelt. Das war durch die App teach.dassdojo.com möglich. Diese App eignet sich gut für Grundschüler, aber auch für Erwachsene. Diese App können wir kostenlos herunterladen. Karoliina Mutanen aus Vantaa, hat den Tag mit einem spannenden Spiel begonnen, in dem wir uns noch näher kennenlernen konnten.

Ihre wichtige Botschaft für uns war, dass alle Lehrer Vermittler der Sprache sind. Scaffolding ist eine der wichtigsten Stichwörter, wenn wir Sprachen lernen. Wir bauen schrittweise unseren Lernprozess auf. Um diese Schritte aufzubauen, benötigen wir die Vielfalt der Tools, die wir heute teilweise digital ausprobieren.

Wir müssen uns es auch bewusst machen, um ein akademisches Sprachniveau zu erreichen, braucht der Lernende etwa  5 bis 7 Jahre. In diesem Zusammenhang hat Karoliina uns ein Motto mitgeben:“Good“ news = TIME – All you Need is Time!

Um arbeiten zu können, müssen wir den Schülern vorstellen, was wir an dem Tag vorhaben. Zweitens sollen wir die Inhalte vereinfachen. An dritter Stelle kommt die Wortschatzarbeit durch Visualisierung, Körpersprache oder auch Übersetzung. Zu den Themen können wir Plakate vorbereiten, die wir im Klassenraum aufhängen. Außerdem sollen wir langsam und mit einer vereinfachten Sprache sprechen. Alles was wir sehen, sollten wir auch schriftlich sichtbar machen. Die Reflexion des Unterrichts wird die Einheit beenden. Als Hausaufgabe ist es sinnvoll etwas zu den Hauptthemen zu zeichnen oder eine kleine Zusammenfassung zu schreiben.

Die Lernenden, die in der Freizeit aktiv bleiben, Hobbys haben, lernen die Sprache deutlich schneller. Sie sollten ermutigt werden Deutsch in der Freizeit zu nutzen. Geeignete Quellen sind YouTube, Fernsehen, Musik oder auch Radiosendungen.

Die App ClassDojo.com verbindet die Schüler, Lehrer und die Eltern, diese App könnte man eine Art Intranet nennen. Die Schüler erscheinen nur mit dem Vornamen und bekommen nur ihr eigenes Profil zu sehen, das gilt ebenfalls für die Eltern. Der Vorteil ist, dass die Kommunikation zwischen der Schule und den Eltern transparenter wird. Die Eltern sind beteiligt und wissen, wie die Fortschritte des eigenen Kindes sind. Die Kinder können wiederum das eigene Profil verändern.

Der Lehrer benutzt ein eigenes Konto mit einer Übersicht der Klasse. Diese Übersichten können individualisiert werden. Also gelingt das Klassen-Management mit einfachen und übersichtlichen Schritten.

Quizlet.com erleichtert die Wortschatzarbeit, in dem der Lehrer den Wortschatz bildlich und schriftlich vorbereiten kann. Der Lernende geht über die virtuellen Karteikarten, spielerischen Übungen bis zu einer spannenden Gruppenarbeit. Auch schwierigerer Wortschatz wird deutlich schneller verinnerlicht.

Am Ende des Tages haben wir noch unterschiedliche Google Tools kennengelernt. Diese Tools können für Präsentationen, Quiz, Tests oder auch verschiedene Animationen genutzt werden.

 

Mittwoch: 15.05.2019

Heute durften wir ein interaktives Programm austesten, in dem wir schon vorher überlegt hatten, welches Video sich gut für unseren Unterricht eignen würde. Es stellte sich sehr schnell heraus, dass die Möglichkeiten fast grenzenlos sind. Über www.h5.org ist es möglich selbstkreierte Videos oder auch kurze YouTube-Videos für den Unterricht anzupassen. Jedes Video lässt sich für den jeweiligen Sprachbedarf modifizieren. Diese App eignet sich auch gut für andere Fächer wie Geschichte oder Geografie. Gerade auch auf dem höheren Niveau könnten schwierige Definitionen oder auch Begriffe kinderleicht eingeprägt werden. Im Sprachunterricht kann man vom Grundschulniveau an mit tollen Animationen den Unterricht bereichern.

Nachdem wir diese vielfältigen Aufgaben erledigt und ausgiebig getestet hatten, haben wir unsere Ergebnisse auf die gemeinsame Padlet-Plattform kopiert. So hatten wir noch die Möglichkeit voneinander zu lernen.

Da wir zum Glück ein wenig Zeit hatten, konnten wir die zusätzlichen Funktionen dieser App in aller Ruhe ausprobieren. Es ist unglaublich, wie viel Neues man lernen kann. Das schöne ist, dass man in der Digiwelt nie auslernt. Wie unsere Dozentinnen mehrmals betont haben, braucht man nur Ruhe und viel Geduld beim Entdecken der neuen Möglichkeiten.

Mit Kahoot.it konnten wir selbst austesten wie die Wortschatzarbeit auch wirklich Spaß machen kann. Spielerisch lernt man in Gruppen, in Partnerarbeit oder allein den neuesten Wortschatz. Durch eine Art Karteikarten kann man sein Wissen überprüfen. Diese App kann auch als Vokabeltest dienen. Allerdings ist es sinnvoller die falschen Antworten noch einmal zu wiederholen. So entsteht auch eine positive Lernsituation. Auch durch das positive Bestärken motiviert man die Erwachsenen. In dieser Hinsicht unterscheiden wir uns nicht von den Kindern.

Das Erstellen der Lernkarteien dauert nicht lange und die Bedienung dieser App ist relativ leicht auch, wenn man wenig Erfahrung mit digitalen Medien hat.

 

Donnerstag: 16.05.2019

Heute werden wir vor allem eigene Inhalte kreieren und analysieren. Als erstes haben wir mit flipgrid.com ein Video gedreht. Wir sollten mit einem kurzen Videoclip vorstellen, wie man mit Bildern oder Videos Sprachen lernt. Anschließend schickten wir diese Kurzfilme auf eine gemeinsame Plattform. Diese erschienen auf dem großen Bildschirm in der Klasse. Wir hatten auch die Möglichkeit von unseren Tablets jedes einzelne Video der anderen anzusehen. Ich könnte mir gut vorstellen, dass das Drehen den Schülern viel Spaß macht, denn auch die Lehrer waren wirklich begeistert.

Die Dozentin erklärt uns, wie sie in ihrer Klasse flipgrid eingesetzt hat. In der Schule gab es eine Themenwoche zum Thema „Lesen“. Die Kinder lasen über 200 kleine Bücher. Anschließend haben die Schüler kleine Buchvorstellungen mit Hilfe von flipgrid erstellt. Auch die schüchternen Schüler werden so ermutigt zu sprechen. Möchte jemand nicht gesehen werden, kann er auch Handpuppen als Videofigur benutzen.

In meinem Beispiel habe ich den Berufsschülern eine Aufgabe gestellt. Unter dem folgenden Link finden Sie eine Möglichkeit einen Praktikumsbericht zusammenzustellen: https://flipgrid.com/06c1255a

Vor dem Mittagessen begannen wir unsere Gruppenarbeit mit der App Adobe Spark Video. Unsere Aufgabe war es drei kurze Videos zu drehen und fünf Fotos zu machen. Mit diesen Materialien haben wir die Frage, wie das finnische Ausbildungssystem ist, beantworten können. Diese App eignet sich sehr gut für Schüler, die schon die ersten Erfahrungen mit Filmen gemacht haben.

Da der Schultag durchaus anstrengend ist, verwenden viele Schulen GoNoodle.com. Nach einer kurzen Entspannungsübung sind die Schüler wieder fit für die nächsten Übungen. Es funktioniert, denn unsere Gruppe war ebenfalls nach dieser Entspannung mit Begeisterung dabei.

Anschließend erfahren wir die Vorteile des Programms Bookcreator. Mit der App kann man relativ schnell und übersichtlich ein Album erstellen, eine Geschichte erzählen oder für Berufsschüler könnte sie als Notizbuch dienen z. B. bei einem Praktikum. So wird die Erstellung des Praktikumsberichtes viel mehr Spaß machen, außerdem ist es auch für den Lehrer viel angenehmer zu lesen.

 

Freitag: 17.05.2019

Den 6. und letzten offiziellen Fortbildungstag verbrachten wir am Campus des Vantaa Vocational Collages Varia Aviapolis.

Anssi Salmi führte uns am Anfang des Tages in die Kfz-Werkstatt. Die Schule verfügt über ca. 30 unterschiedliche Fahrzeuge, von alten noch technisch einfacheren Wagen bis zu LKWs und Flugzeuge, die wir auch anschließend in der Flugzeughalle besichtigen durften. Es ist schon beeindruckend, dass überall in der Schule eine angenehme Lernatmosphäre herrscht. Die Zusammenarbeit zwischen den Lehrern und Schülern ist entspannt und der Umgang erscheint untereinander sehr freundlich zu sein.  Diese Einheit hat ca. 500 Schüler.

Pia Kovalainen und Sanna Karayilan bringen fast schon künstlerische Effekte in das Lernen ein. Sie finden, dass abwechslungsreiche Lernorte auch beim Kennenlernen einer neuen Umgebung sehr nützlich sind. Diese Gedanken konnten sie uns auch überzeugend präsentieren, denn sie zeigten uns, wie man die Kamera einfallsreich im Unterricht einsetzen kann.

Die beiden Lehrerinnen begannen mit einem Projekt draußen. Die Gruppe ihrer Migrant*innen fuhr zu einer bekannten Insel, in der sich eine ehemalige Festung von Helsinki „Suomenlinn“ befindet. Zu diesem Projekt konnten sie von der Schule professionelle Kameras ausleihen.

Die Schüler, die noch ein sehr niedriges Sprachniveau hatten, konnten auf diese Weise die neue Umgebung erforschen und für sich entdecken. Dadurch entstanden auch die ersten Gespräche mit den Finnen, die wiederum neugierig nachgefragt haben, warum so viele Fotographen auf der Insel unterwegs seien.

Weiterhin haben sie ein Projekt gestartet in dem sie das Thema „Bild und Grammatik“, behandeln.  Die Schüler bereiten Fotoserien z. B. aus den Werkstätten vor, aus den Serien wurde auch anschließend eine Ausstellung konstruiert. Die Bilder wurden vergrößert und an den Wänden der Schule aufgehängt. Nach der Ausstellung durften die Schüler diese Bilder mit nach Hause nehmen. Interessant fand ich auch in diesem Zusammenhang die Zusammenarbeit mit einer Hochschule. Die wiederum eine Erweiterung des technischen Equipments ermöglicht. Für die beiden war ganz klar, dass die Lernenden durch diese Projekte sehr schnell und natürlich mit der Sprache und der alltäglichen Umgebung konfrontiert werden. Die Lernautonomie und die methodischen Fähigkeiten werden fast unbemerkt, aber nachhaltig gefördert.

Pia hat mit ihren Schülern eine WhatsApp Gruppe gebildet. In diese schicken die Lernenden Bilder, kurze Videos zu einem bestimmten Thema, das sie z. B. als Hausaufgabe oder Unterrichtsthema hatten.

Wir sollten auch ein Video mit unserem Smartphone drehen, in dem wir ein Wort nach unserer Wahl präsentieren sollten.  Unsere Gruppe hat das Wort „neugierig“ für sich ausgesucht. Das Video sollte 15 Sekunden lang sein. Für die Erledigung der Aufgabe hatten wir 20 Minuten Zeit. Der Vorteil dieser Aufgabe ist, dass sie fast überall umgesetzt werden kann. Die Lernenden müssen miteinander planen und sich abstimmen, außerdem macht es auch einen riesigen Spaß. In der Pädagogik kennen wir den Namen Camera-pen-pedagogy, der für diese Art der Aufgaben benutzt wird.

Im zweiten Teil schulten uns Anssi Salmi mit Anna Kapanen mit dem Umgang der virtuellen Welt inklusive der VR-Brille. Diesen Themenbereich erkundeten wir mit der App Seppo.io. In Gruppen hatten wir eine Karte zur Verfügung, in der unsere Stationen in der Schule markiert waren. In der ersten Station testeten wir die viel erwartete virtuelle Brille. Es war beeindruckend sich in eine Werkstatt zu versetzen und sich gefühlt dort zu bewegen. Da die Kfz Schüler kostenfrei den Führerschein in der Schule machen dürfen, gibt es einen Raum mit verschiedenen Simulatoren, die wir austesteten. Zugegeben, die geborene LKW-Fahrerin bin ich auch nicht. Nach 50 Metern hätte ich schon 940 Euro Strafe zahlen müssen, da musste Anssi auch etwas schmunzeln.

In den fünf Tagen in der Schule haben wir eine unglaubliche Menge zur Didaktik und den Methoden mit den digitalen Medien gelernt. Zu Hause muss man diese Stück für Stück einführen. Gerade für die Binnendifferenzierung kann ich auch jetzt je nach meinem Bedarf verschiedene Apps und Tools einsetzen. Sicherlich gibt es heute noch Diskussionen, wie und wer sie im Unterricht benutzen möchte, aber im Jahre 2019 sind diese Methoden nicht mehr vom Unterricht wegzudenken. Zu gerne möchte ich, mein Wissen meinen Kollegen weitergeben und mein eigenes Wissen erweitern. Es hat mich sehr beruhigt, dass unsere Dozentinnen uns auch nach der Fortbildung gesagt haben, dass sie selbst während der Schulung neue Features der App entdeckt haben, obwohl sie diese oft verwenden. Fazit: Wir lernen nie aus!

 

Samstag: 18.05.2019

Nachdem uns auch noch der Sommer ab Donnerstag in Helsinki begrüßt hatte, konnten wir unser Glück mit dieser extrem inspirierenden Schulung nicht fassen. Jenni und Ilpo, die uns auch die Woche durch begleitet haben, präsentierten uns noch einen Standort der Innovation und Entdeckung.

Wir hatten uns mit der restlichen Gruppe, die noch vor Ort war, für 10 Uhr verabredet. Heureka, das Zentrum zum Entdecken und Erforschen, liegt in Vantaa und lädt die Gäste zum selbstständigen Ausprobieren z. B. der eigenen Hirnfunktion oder physikalischen Elementen ein. Wir verbrachten noch die letzten zwei Stunden vor der Abreise dort, um uns auch miteinander auszutauschen. Mit Jenni und Ilpo haben wir über das Bildungssystem Finnlands gesprochen und unsere Eindrücke der vergangenen Woche Revue passieren lassen. Wir waren uns einig, dass in Finnland Schüler viel mehr als Individuen betrachtet und dementsprechend gefördert werden. Wir als Vermittler des Lernprozesses können die Stärken unserer Lernenden fördern und unterstützen.

Diese zahlreichen Möglichkeiten der digitalen Medien können wir als ein festes Standbein unseres Unterrichts einbauen. In den kommenden Wochen sehe ich mich noch beim Austesten der Apps. Also mit Geduld und Ruhe, wie die Finnen es betonten, erreichen wir die besten Ergebnisse. Ich möchte auch als Multiplikator der neuen Medien Lehrkräften und Dozenten bei der Entdeckung der neuen Wege oder damit verbundenen Ängsten helfen.

Making Use of Technology Tools, York

Making Use of Technology Tools – 2 Wochen in York

von S. W.

Vor Kursbeginn hatte ich eine Studienfreundin in Wales besucht, die seit einem Postgraduate-Jahr an der Universität Bangor in einem kleinen Dorf nahe der Kleinstadt Pwllheli lebt und ein gepflegtes dreisprachiges Familienleben führt: die Kinder sind mit Walisisch und Deutsch aufgewachsen und lernen Englisch als Zweitsprache (in diesem Fall Drittsprache) seit der ersten Klasse in der Schule. Es war beeindruckend. In North Wales ist Walisisch nach wie vor die Erstsprache von über 70% der Bevölkerung, und ich hatte in diesen paar Tagen die Gelegenheit, den Gebrauch dieser Sprache in den unterschiedlichsten sozialen Zusammenhängen zu erleben. Fazit: wer in dieser recht abgelegenen Gegend kein Walisisch spricht, wird einen großen Teil des öffentlichen Lebens nicht wahrnehmen können. Sehr spannend auch ein Besuch im Sprachzentrum, vom Konzept her vergleichbar mit einer Heimvolkshochschule. Hier hatte meine Freundin über Jahre immer wieder Kurse besucht, und offenbar ist das ein gutes Unterrichtsprogramm, sie spricht nämlich heute fließend Walisisch. Wer mehr dazu ansehen möchte: www.nantgwrtheyrn.org.

Am 14. April bin ich dann per Bahn von Bangor nach York gereist, und nach der dünnbesiedelten Landschaft in Nordwales kam mir die Stadt äußerst geschäftig vor. Es ist aber auch eine ausnehmend schöne Stadt, und ich freue mich sehr auf die beiden Kurswochen, die vor mir liegen.

 

Montag: 15.04.2019

Heute begann der Kurs „Making Use of Technology Tools“, der überraschenderweise nachmittags stattfindet, und zwar von 13.00-18.00 h. Die Schule York Associates bietet sehr unterschiedliche Kurse an, Schwerpunkte sind Business English und Intercultural Communication, aber es sind auch mehrere Erasmus-plus-Kurse im Angebot. Die Schule befindet sich in einem sehr schönen Gebäude aus dem 18. Jahrhundert in der Altstadt von York, das Ambiente könnte nicht passender sein. Im Kurs sind nur 4 Teilnehmerinnen: eine weitere Deutsche, die in der Erwachsenenbildung arbeitet, eine spanische und eine polnische Englischlehrerin. Die etwas ungewöhnliche Kurszeit ist offenbar der starken Auslastung des Hauses am Vormittag geschuldet, und da wir eine so kleine Gruppe sind, konnte man uns offenbar gut in diesem Zeitfenster unterbringen. Es ergibt sich damit allerdings ein Konflikt mit dem Abendprogramm, das um 17.45h beginnt, aber das lösen wir ganz schnell, indem wir beschließen, die Pausenzeiten sehr kurz zu halten.

Am ersten Abend gibt es eine kleine „reception“, ein Treffen zum Kennenlernen und für die Planung der weiteren Abendprogramme. Die Teilnahme daran ist natürlich freiwillig, aber es gibt ein paar sehr schöne Angebote in dieser Woche, für den nächsten Tag ist eine Führung durch die „Snickets“ geplant, die winzigen Sträßchen im mittelalterlichen Stadtkern (so eine Art „Gängeviertel“ – aber morgen werde ich dazu mehr sagen können) und für Gründonnerstag der Besuch einer musikalischen Andacht im York Minster.

Zum Unterricht heute: Da alle mit ihrem eigenen Laptop arbeiten, gab es von Anfang an viele Aufgaben, die sofort bearbeitet und dann für die anderen jeweils freigeschaltet wurden. Heute ging es zunächst um diverse Google-Anwendungen, wir organisierten uns in einer Google group und verglichen dann, welche Apps wir im Unterricht ständig/häufig/selten/nie verwenden. Sehr interessant fand ich dabei, dass die Richtlinien über Kommunikations- techniken und Datennutzung im Unterricht offenbar sehr unterschiedlich ausgelegt werden: in Deutschland ja sehr streng, während die Kolleginnen aus Polen und Spanien mit ihren Schulklassen über Messenger und ähnliche Dienste kommunizieren. Der Kursleiter, Rick, stellte einige Beispiele vor, um Übungen für den Unterricht zu konzipieren (menti, quests, educaplay) und ließ eine Aufgabe mit Hilfe von snipping tools bearbeiten (eine Zusammenstellung von Bildern, die als Sprechanlass dienen sollen und daher sinnvoll gegenübergestellt werden sollten). Der zweite Teil des Nachmittags war dann dem Erstellen eines Blogs gewidmet, über die gemeinsame Google group (Yorkieit). Das klappte in der Basisausstattung schon recht gut, in den nächsten Tagen werden wir je nach Fortschritt auch komplexere Bestandteile einarbeiten, heute hatten wir uns auf Textbeiträge beschränkt.

 

Dienstag: 16.04.2019

Die Unterrichtszeit am Nachmittag finde ich ein wenig gewöhnungsbedürftig – so richtig viel zu unternehmen ist am Vormittag zwischen 10.00 und 12.30h nicht – Museen machen frühestens um 10.00h auf, und dann ist es auch schon fast wieder Zeit, sich auf den Weg zur Schule zu machen. Dafür habe ich aber den großen Vorteil, dass die Gruppe mit 4 Personen wirklich gut arbeiten kann, wir kommen schnell vorwärts und haben trotzdem viel Zeit zum Ausprobieren. Wir haben heute den größeren Teil des Tages damit verbracht, diverse Apps kennenzulernen, auszuprobieren und zu überlegen, ob und in welcher Weise wir damit im Unterricht arbeiten werden/würden. Konkret ging es um folgende Apps und Aufgaben:

  • Google Maps und Google StreetView: Bearbeiten von Stadtplänen, so dass diese als Grundlage für Aufgaben dienen können: Wegbeschreibungen, Anweisungen, Beschreibung der eigenen Stadt…
  • „Close ups“: Mit dem Handy Fotos von alltäglichen Gegenständen in Nahaufnahme machen, die Fotos in die Gruppe schicken und ein Quiz daraus machen: 3 Fragen dürfen gestellt werden, dann sollte der Gegenstand erraten worden sein
  • Messenger-Dienste (am Beispiel von whatsapp, messenger): wie könnten sie im Unterricht eingesetzt werden (sofern erlaubt)?
  • Memrise, TED, youtube, Twitter, Kahoot… kurze Beschreibungen der jeweiligen Apps und Diskussion darüber, welche Aufgaben damit bearbeitet werden könnten
  • Edmodo als Plattform: von Rick verwaltete Gruppe, in der wir einige Funktionen ausprobieren konnten, wichtiger Aspekt hier die klare Rollentrennung Lehrer/Schüler/Eltern

Wie sich herausstellte, nutzt die polnische Kollegin mit Abstand die meisten Apps im Unterricht oder für die Organisation von Unterrichtsmaterial und den Kontakt mit den Schülern. Die anderen hatten von vielen Apps wohl schon einmal gehört, nutzten sie aber bisher nicht oder kaum. Und dieser Kurs bietet die Möglichkeit, ausgewählte Apps für den Sprachunterricht mit einer gewissen Systematik kennenzulernen: also genau das, was ich seit Jahren an einem arbeitsamen Wochenende einmal machen möchte und seit Jahren nicht schaffe J. Daher würde ich schon heute, am zweiten Tag, sagen, dass sich der Kursbesuch bisher schon gelohnt hat. Besonders gefallen hat mir dabei, dass auch bei dieser logischerweise subjektiven Auswahl immer diskutiert wurde, wofür, für welche Lernanlässe, Zielgruppen etc. einzelne Apps sinnvoll wären. Diese Herangehensweise finde ich sehr sinnvoll. Da wir in der VHS viele der sozialen Medien gar nicht nutzen dürfen, entfallen diese schon einmal, aber ich habe seit gestern schon eine ganze Reihe sinnvoll einzusetzender Apps oder Webseiten kennengelernt oder aktiv angewendet.

Der zweite Teil des Unterrichts war dann dem Thema „Podcasts“ gewidmet, gearbeitet wurde mit Acast und Spreaker, jeweils 2 Kursteilnehmerinnen haben einen kleinen Podcast auf Spreaker produziert, in die Gruppe gestellt und dazu Aufgaben formuliert. Wenn es mir irgendwann gelingt, den Audiofile aus der Google group herauszukopieren, werde ich ihn auch gern für die Dokumentation zur Verfügung stellen – heute abend habe ich das nicht mehr hinbekommen…

In der letzten halben Stunde haben alle individuell auf Blogger an ihrem aktuellen Blogpost gearbeitet, aber ha hatte ich leider ein Problem mit meinem Google Account und flog regelmäßig hinaus, es ist mir bis jetzt noch nicht klar, was das Problem war. Ich habe also vor dem nächsten Unterricht morgen Mittag noch eine Aufgabe nachzuarbeiten. Dieses Blog-Projekt werde ich dann hoffentlich nach Abschluss des Kurses und entsprechender Bearbeitung auch noch einreichen können.

 

Mittwoch: 17.04.2019

Gestern abend gab es eine „Walking tour“ durch die „Snickets, Ginnets, Alleyways and Yards“, das noch aus dem Mittelalter stammende Gewirr von kleinen Gassen und Sträßchen (in vielen dieser Straßennamen hat sich das dänische Wort gate erhalten, etwa in „Low Petergate“). Dazu gab es natürlich auch eine Menge gruseliger Geschichten. Heute vormittag war ich dann mit meinem fünfjährigen Sohn im „Jorvik Viking Centre“, einem Museum, in dem das Leben in der Wikingerstadt York im 9./10. Jahrhundert nachgestellt ist. Das Museum ist eher etwas für Kinder so zwischen 4 und 12 Jahren, aber es ist sehr beeindruckend gemacht. Da hier jetzt Osterferien sind, war die Nachfrage groß, und wir waren bereits morgens um halb zehn dort, um nach sehr kommunikativem Schlangestehen eingelassen zu werden. Man steigt dann in kleine Wägelchen – ein wenig so wie in einer Geisterbahn – und fährt dann durch die Ausstellung. Es gibt Straßenszenen, Handwerker bei der Arbeit, Familien beim Essen … alles durch fast erschreckend lebensechte Puppen dargestellt: sie blinzeln und scheinen einem mit den Augen zu folgen…ein wenig „spooky“ ist das schon…

Als Kontrastprogramm gab es nachmittags im Kurs viele „hands-on“-Aktivitäten, die ich nur kurz zusammenfassen möchte:

  • Tests mit socrative erstellen (am Laptop) und von der Gruppe bearbeiten lassen (alle mittels Handy)
  • Bilder als Sprechanlass: Quellen finden (diverse Möglichkeiten wie flickr, creativecommons,  aber auch Webseiten wie „photo of the day“/Guardian)
  • Lizenzen und Möglichkeiten der Verwertung überprüfen
  • Aufgaben dazu formulieren, z. B. mehrere Bilder, die die eigene Stadt darstellen plus ein Foto, das dort nicht hingehört, die Aufgabe ist dann, das „falsche“ Bild zu identifizieren
  • Ein langer Abschnitt, der sehr viel Spaß gemacht hat: Erstellung eines Comic Strips mittel Storyboardthat. Wenn es mir gelingt, den von mir fabrizierten Comic hier hineinzukopieren: ich bin sehr stolz darauf! Ich könnte nämlich keinen Comic einfach so zeichnen. Dieses Programm ist eine echte Entdeckung. Kann es kaum erwarten, demnächst alles in Comicform festzuhalten! J https://www.storyboardthat.com/de/storyboards/siwi77/lost-comic

Man kann das nicht so leicht erkennen, aber das waren fast 2 Stunden Arbeit…aber es hat allen so viel Spaß gemacht, dass wir alle einen Comic fertiggestellt haben.

  • Abschließend gab es noch etwas Theorie, aber in eigenständiger Recherche: jede recherchierte der folgenden Begriffe und stellte sie in der Gruppe vor:

E-Learning, Blended Learning, Flipped Classroom, Bite-size Learning, Webinar, MOOCS, Gamification sowie Synchronous/Asynchronous Learning.

In gleicher Weise sollte jede als Hausaufgabe einen der Begriffe/Anwendungen

FutureLearn, Adobe Connect, WizIQ und Sakai vorbereiten. Dann gab es noch ein aufregendes Quiz auf Kahoot, und dann war ein langer arbeitsreicher und sehr unterhaltsamer Nachmittag zu Ende. Da das heutige Abendprogramm erst um 19,00h startet, war Unterricht bis 18.00h, das war dann schon recht lang, weil wir eben fast immer am Computer sind.

 

Donnerstag: 18.04.2019

Am Vormittag haben wir eine „Walking Tour“ durch die Altstadt gemacht, ein großer Teil davon über die alte Stadtmauer, auf der man die gesamte Altstadt umrunden kann (ca. 2 Meilen), was sehr beeindruckend ist. Dank der von der Schule organisierten Führung durch die „Snickleways“ komme ich jetzt in der täglich voller werdenden Stadt viel schneller voran, weil ich jetzt eine pfiffige Abkürzung kenne. Übrigens bedauere ich es hier ein wenig, kein Harry-Potter-Fan zu sein (der Hype ist an mir vorbeigegangen), denn York ist DIE Stadt für Harry-Enthusiasten. Ich laufe vermutlich täglich an den tollsten Harry-Potter-Fotomotiven vorbei, ohne sie wahrzunehmen.

Im Kurs haben wir heute wieder verschiedene Anwendungen ausprobiert.

Zuerst coggle.it, eine App, um Mindmaps zu erstellen. Auch das „Snipping Tool“ kam dabei wieder zum Einsatz. Wir hatten die Aufgabe, mittels einer Mindmap die bisher bearbeiteten Anwendungen darzustellen. Ich finde es sehr interessant, wie unterschiedlich gut ich mit den unterschiedlichen Programmen arbeiten kann. Ich hatte z. B. heute mit coggle echte Schwierigkeiten dabei, mich hineinzudenken und war über das stümperhafte Endprodukt ein wenig enttäuscht. Hier ein kleiner Einblick dazu:

https://coggle.it/diagram/XLhpD9Uty0h4ZDVx/t/making-use-of-technology-tools/66afc675b8aa0470b68aeb14cbc7cefca0bc2442fd6b145e043dd6787cd4a328

Das Comic-Programm gestern, das nicht weniger komplex war, fand ich viel intuitiver und konnte es aus dem Stand mit viel Spaß anwenden.

Danach haben wir uns längere Zeit mit TED talks und ed.ted.com beschäftigt, ein Beispielvideo angesehen und Aufgaben dazu erstellt.

Hier ist ein Link dazu (Why do Airlines sell too many flights?): https://ed.ted.com/on/8ay9d7F3#review

Und das brachte uns thematisch zum umfassendsten Unterrichtsblock heute, nämlich dem Bearbeiten von Videos mittels ShortCut oder MovieMaker. In beide Programme muss man sich erst hineinarbeiten, MovieMaker ist weitaus einfacher anzuwenden, ist aber seit einiger Zeit nicht mehr umsonst. Die Aufgaben dazu waren: einen kurzen Clip auszuwählen, eine Sequenz herauszuschneiden und mit Text zu unterlegen. Das ging alles viel einfacher als gedacht, aber man braucht doch eine gewisse Übung dazu, die wir alle nicht hatten, daher dauerte die gesamte Aufgabe recht lange. Es ist auch etwas, das ich selbst für meinen Unterricht eher nicht brauche, aber es ist gut, doch jetzt einen gewissen Eindruck davon zu haben. Ich könnte mir eher vorstellen, mit „Fertigprodukten“ wie den TED talks zu arbeiten und dazu entsprechende Aufgaben zu formulieren. In der kommenden Woche wird „Video editing“ auch auf dem Programm stehen, dann werden wir wohl auch eigene kurze Filmaufnahmen machen und bearbeiten.

Für morgen gab es eine Hausaufgabe, nämlich für die kurze Präsentation eines Unterrichtsplans ein erstes Konzept zu überlegen. Die Präsentation selbst werden wir aber im Unterricht fertigstellen.

 

Freitag: 19.04.2019

Da ich mein privates Kulturprogramm nun immer vormittags vor Kursbeginn erledige, waren wir heute im uns sehr empfohlenen „Castle Museum“, in dem die Stadtgeschichte vor allem der Neuzeit dargestellt wird. Besonders das viktorianische Zeitalter war ein Schwerpunkt, es gibt die Nachbildung einer Straße komplett mit Kutschen, Läden und Wohnhäusern, durch die man spazieren kann, und in dem Museumsmitarbeiter in Kostüm ebenfalls herumspazieren und Fragen beantworten. Das kulturelle Leben der Stadt hat übrigens immer sehr viel mit Schokolade zu tun gehabt: die Firma Rowntree war in York ansässig und hat über viele Jahre nicht nur Schokolade für den britischen Massenmarkt erschwinglich gemacht, sondern auch viele kulturelle Einrichtungen, Parks etc. gefördert. Daran werde ich in Zukunft immer denken, wenn ich ein Kitkat sehe.

Heute war nun schon der letzte Kurstag der ersten Woche, und in unserer Gruppe gab es ab mittags dann schon einen deutlichen Teilnehmerschwund: die Kolleginnen aus Deutschland und Spanien verabschiedeten sich, um zurückzureisen. Ich bin mir immer noch nicht ganz sicher, wie die Unterrichtszeiten hier eigentlich bemessen werden, denn bisher hatten wir jeden Tag leicht variierende Zeiten. Wir beginnen immer um 13.00 Uhr, und dann hatten wir am Montag bis 16.45, am Dienstag bis 17.15h (weil die Abendprogramme gleich anschließend begannen), am Mittwoch und Donnerstag jeweils bis 18.00h und heute bis 16.30h Unterricht. Das Zertifikat weist 21 Unterrichtsstunden pro Woche aus. Da wir in diesem Kurs nur zu viert waren, kamen wir sehr schnell voran. Bei den gemeinsamen Abendveranstaltungen verging dagegen immer ziemlich viel Zeit damit, auf alle zu warten – der Troß setzte sich immer erheblich später in Bewegung als ursprünglich verabredet, und gewartet wurde immer auf das Organisationsteam J.

Die polnische Kollegin und ich setzen den Kurs in der nächsten Woche fort, und da wir heute am Nachmittag nur noch zu zweit waren, haben wir noch sehr intensiv gearbeitet. Folgendes stand zum Abschluß der Woche auf dem Programm:

  • Erstellen einer Website
  • Erstellen und Präsentation eines Unterrichtsplans

Für das Erstellen der Website haben wir WordPress und Wix angesehen und dann jeweils eine eigene Seite mit Wix erstellt. Das hat den größeren Teil des Nachmittags in Anspruch genommen und war vor allem deshalb so zeitintensiv, weil das Übertragen von Fotos auf meinem Rechner nicht richtig klappte, warum, konnte ich noch nicht klären. Jedenfalls handelt es sich noch um ein „Work in Progress“. In der nächsten Woche werde ich vielleicht mit einem anderen Laptop arbeiten, auf dem ich Zugriff auf mehr Fotos habe und sie nicht vom Handy importieren muß. Hier ist der Link dazu: https://silkewienecke77.wixsite.com/my-trip-to-the-uk. Geeignete Fotos werden noch hineingearbeitet. To be continued…

Hier ist der Basisplan für eine Unterrichtseinheit („Lesson Plan“), in dem möglichst viele der Anwendungen vorkommen sollten:

Topic: „The workplace“

Activity What to do? What for?
Warm-up Film „Helpdesk in the middle ages“ Setting the tone
Speaking Use pictures (e.g. Guardian, other sources) to start discussion Logos, companies, landmarks, tools, close-ups…
Speaking Task: find pictures that contrast workplaces: 1950, 1980, 201… Asking questions, describing, clarifying, reporting…
Search online/webquest Facts and figures: employment Describe service-oriented jobs as opposed to industrial, agricultural…
Listening TED talk/podcast

“Changes in the workplace”

Discussion

Prepare questions and have students answer them

Quiz/kahoot Questions drawn from TED lecture Have students answer questions in teams
Wrap-up Back to the “Helpdesk”: service industry as biggest field in modern worklife

Es ist aber, wie es bei einem Unterrichtsplan nun einmal ist, eine Idealvorstellung, die den Praxistest noch nicht bestanden hat. Dennoch war es eine interessante Übung, um den Stoff der ganzen Woche noch einmal zu rekapitulieren.

Kleine Zusammenfassung der ersten Woche: Der Kurs entsprach meinen Erwartungen sehr gut und hat viel Spaß gemacht. Die Arbeit in der kleinen Gruppe war sehr effektiv, dadurch hatte ich das Gefühl, schnell vorwärts zu kommen. Der erste Tag war noch recht anstrengend, aber nachdem ich alle Installationen auf dem Rechner hatte, ging alles viel schneller. Wir haben in dieser Woche sehr viele Themen angesprochen und eine ganze Reihe von Anwendungen auch selbst ausprobieren können. Das ist genau das, was ich gehofft hatte, denn so habe ich endlich die Zeit, systematisch auszuprobieren, was ich selbst im Unterricht nutzen kann und was ich unseren Kursleiter/innen empfehlen könnte.

 

Montag: 22.04.2019

Zu Beginn der zweiten Woche noch ein paar Nachträge über die Ostertage in England:

Von einem Besuch über Ostern noch als Schülerin hatte ich in Erinnerung, daß die Osterfeiertage in England sehr anders verliefen. Karfreitag z. B. ist „Bank Holiday“, aber die meisten Geschäfte haben geöffnet, die Stadt füllte sich in der Karwoche täglich mehr mit Touristen, das Wetter war frühsommerlich warm und die Stimmung ferienhaft. Wir waren am Karfreitag abends zum „Evensong“ im Münster, und der Kontrast zu der Ferienstimmung draußen war sehr groß.

Am Wochenende haben wir zwei Ausflüge gemacht: am Samstag nach Castle Howard (wunderbares Stately House ca. 40 km von York, beide Verfilmungen von Brideshead Revisited wurden dort gedreht), und am Ostersonntag nach Durham. Beides ganz wunderbare Ausflüge, wir haben übrigens einen BritRail-Pass für vier Fahrten innerhalb eines Monats und können damit sehr gut mittlere Distanzen einplanen. Sollte jemand vor der Abreise so wie wir das Problem haben, dass der durch die Deutsche Bahn gebuchte BritRail-Pass bei der DB nicht rechtzeitig bearbeitet geschweige denn in die Post gegeben wurde und daher nicht vor Reisebeginn ankommt: ich kenne jetzt ein sehr gutes, auf Englandreisen spezialisiertes Reisebüro in Hamburg, das die Pässe vorrätig hat und uns ganz schnell helfen konnte. Die Adresse gebe ich gerne weiter!

Nun aber zum Kurs: „Making Use of Technology Tools, Part II“ wird wieder von Rick unterrichtet und hat in dieser Woche 8 Teilnehmer/innen: neben meiner polnischen Kollegin und mir ein weiterer Pole, zwei weitere Deutsche, eine Französin, ein Kroate und eine Irin. Der Unterrichtsraum ist damit bis auf den letzten Platz gefüllte, und es ist schon gleich zu merken, dass wir logischerweise nicht ganz so schnell vorwärtskommen werden wie in der letzten Woche. Das ist ja auch wieder einmal eine sinnvolle Erfahrung aus der Schülerperspektive, dass die Gruppengröße doch unmittelbare Auswirkungen auf den Unterricht hat.

Zuerst gab es eine kurze Vorstellungs- und Kennenlernrunde, bei der wir uns gegenseitig anhand von uns ausgesuchten Fotos interviewten. Dann trafen wir uns virtuell in unserer Google-Group YORKIESIT wieder und widmeten uns zunächst der Anwendung von google forms. Rick hatte einen kurzen Fragebogen vorbereitet, und nachdem den alle beantwortet hatten, konnten wir die Antworten in der Edit-Version einsehen und verschieden Formen der Darstellung vergleichen und auswählen (Tortendiagramm, Säulen etc.). Dann – man ahnte es schon – kam die Aufgabe, auf der Grundlage von google forms ein Quiz zu erstellen, gern auch mit netten Features wie Fotos. Hier mein Beitrag:

https://docs.google.com/forms/d/e/1FAIpQLSdvB5RRVJ8LJwV_QjYMSF9G4z6DyYYhdKdNSudMtR4EyO8VxQ/viewform

Im zweiten Unterrichtsblock ging es um QR-Codes und was man damit im Unterricht so anstellen kann. Erst gab es im Klassenraum verteilt verschiedene Codes, die in einer Art Schnitzeljagd gefunden werden mußten, dann mußten Überschriften und die Beiträge miteinander in Beziehung gesetzt werden. Das Thema war „Festivals“, und je nach Fundstelle und Art der Darstellung gerieten die Beiträge länger oder auch kürzer.

Die nächste Aufgabe hatte als Grundlage einen Stadtplan von York und einige Ergänzungen über Historische Ereignisse dazu, die über den QR-Code abgerufen werden mußten.  Dann haben wir gelernt, selbst einen QR-Code zu generieren und daraus sollte dann von allen eine Aufgabe oder ein Quiz erarbeitet werden. Das wurde dann zeitlich schon recht knapp, aber hier ist mal ein Zwischenergebnis (ich bleibe beim Thema Scarborough und Alan Ayckbourn):

Here you can find out more about my favourite dramatist. Have you seen any of his plays? His humour really is universal, he gets performed round the world.

Have a look at what a famous British actress says about him:

Bei der Formatierung und Verschönerung läßt sich noch etwas machen…Das Thema QR-Codes hat mich aber auf eine Reihe von Ideen gebracht, die wir in der VHS im Unterricht umsetzen könnten, vorausgesetzt, alle Teilnehmer eines Kurses sind bereit dazu, mit ihrem Telefon ins Unterrichtsgeschehen einzugreifen. Das müßte jeweils geklärt werden, aber es wäre wahrscheinlich möglich und dann sehr einfach umsetzbar. Ich freue mich schon darauf, diese Ideen mit einigen Kursleiterinnen durchzusprechen.

 

Dienstag: 23.04.2019

Heute ist ja sowohl Shakespeares als auch Cervantes’ vermuteter Geburtstag, internationaler Tag des Buches und der spanischen Sprache…davon unbenommen haben wir im Kurs weiter an unseren Blogs gearbeitet, und ich freue mich mitteilen zu können, daß das Übertragen der Fotos jetzt prima klappt. Das Blog-Projekt als „work in progress“ kann also weitergehen, hier ist der Link dazu: https://silkewi77.blogspot.com/2019/04/easter-monday-22-april.html

Der Unterricht fand heute von 13.00-17.00 h statt, und es ist doch deutlich zu merken, daß die doppelte Gruppengröße einfach mehr Zeit braucht. Der Unterrichtsraum selbst ist ziemlich klein und mit 9 Personen auch ziemlich voll, und egal, was die jeweilige Aufgabe ist, bei irgendjemandem klappt irgendetwas nicht, und das ist manchmal lustig, manchmal aber auch ärgerlich. In vielen Fällen liegt es daran, daß die Laptops der Teilnehmer auf die jeweiligen Länder eingestellt sind, und die Zugangbedingungen erfordern gelegentlich Umwege, die auch für den Kursleiter nicht immer sofort einsichtig sind. Der Kollege aus Kroatien spricht zwar nur mäßiges Englisch, ist aber von Haus aus Mathematiklehrer und durchschaut die verschiedenen kleinen Hindernisse immer ziemlich schnell, so daß in allen Fällen alle irgendwann auch wieder Anschluß gefunden haben.

Die nächsten 60 Minuten haben wir damit verbracht, verschiedene Lernprogramme mit „Flashcards“ anzuwenden und in unterhaltsame Spielchen umzuwandeln, bzw. das Umwandeln machten die Programme selbsttätig. Vor allem www.cram.com hat gut funktioniert und viel Spaß gemacht, ich habe mit der Kollegin aus Irland zusammengearbeitet und folgende interessanten Wendungen und Bedeutungen aus ihrem Material gelernt:

https://www.cram.com/flashcards/games/jewel/ireland-10654742

Andere Themen, die sich gut mit den „Flashcards“, also Karteikarten, abbilden ließen: Hauptstädte, Redewendungen, ein- oder zweisprachige Vokabelübungen. Sehr unterhaltsam auch die Zuordnung von Tiernamen auf Englisch und Polnisch – man lernt ja immer etwas dazu.

Im nächsten Abschnitt beschäftigten wir uns mit www.lino.it, ein Programm, dem die Idee des „notice boards“/Schwarzen Bretts zugrundliegt, und das sich z. B. auch für Unterrichtspläne nutzen läßt. Wieder konnten die Themen frei gewählt werden, und das Programm fand ich auf Anhieb gut anzuwenden. Aber das wird interessanterweise unterschiedlich empfunden. Folgende Aufgaben waren zu lösen: einen Hintergrund gestalten, eine Begrüßung durch eine „Sticky Note“, einen virtuellen Notizzettel, Verknüpfungen mit jeweils einer Webseite, einem Video sowie Fotos. Während ich das hier schreibe, liest sich das sehr einfach, aber es dauert doch seine Zeit, obwohl die Handhabung sehr intuitiv ist. Ich habe mich heute thematisch auf Shakespeare verlegt, hier ist mein herausragend originelles „notice board“:

http://linoit.com/users/silkewienecke77/canvases/Shakespeare_tryout

Die nächste Übung ließ sich ebenfalls sofort umsetzen und ist schöne Methode für den Sprachunterricht: das Erstellen von „word clouds“ mittels www.wordart.com. Erst haben wir verschiedene Anlässe zusammengetragen, um mit „word clouds“ zu arbeiten, nämlich z. B.

  • Um Vokabeln zu visualisieren und assoziativ zu lernen
  • Um Wortfelder zu entwickeln und zu kategorisieren
  • Um Wortfelder zusammenzutragen
  • Um das Leseverständnis eines gegebenen Textes zu überprüfen
  • „to create a piece of art“

Mögliche Webseiten sind z. B. www.wordcloud.com, www.worditout.com oder www.wordart.com. Wir haben alle mit wordart.com gearbeitet, und hier war vor allem die Funktion, Wörter aus einen vorgegebenen Text zu entnehmen, sehr sinnvoll. Nebenbei hat es auch einen echten kreativen Aspekt, so daß die Ergebnisse auch vorzeigbar waren. Hier der Link zu meinem Beispiel:

https://wordart.com/flguepb7vlwd/hamlet_summary

In der letzten Stunde wurde mit www.prezi.com gearbeitet, das war allerdings aus den oben beschriebenen Gründen der Zugangsvoraussetzungen und aufgrund der Komplexität eine etwas frustrierende Erfahrung. Die Idee, auf diese Weise eine Vorlage für einen Unterrichtsplan zu erstellen (im Hinblick auf die Präsentation eines Unterrichtsplans zum Abschluß des Kurses), war gut, aber die Umsetzung scheiterte an der Schwierigkeit, aus dem Stand ein Thema („Animals“) einerseits „hinunterzubrechen“ und kleinschrittig vorzugehen, während das Programm die Darstellung für bereits vorstrukturierter komplexer Sachverhalte konzipiert ist.  Die Aussage des Kursleiters: „Most of you will hate that programme…“ traf dann irgendwie auch zu. Da heute ab 17.15 h wieder eine Stadtführung stattfinden sollte, vertagten wir uns gegen 17.00 h morgen steht die Aufnahme und Bearbeitung von Videos an sowie „augmented reality“.

 

Mittwoch: 24.04.2019

Die Anwendungen, die wir im Unterricht präsentiert bekommen und dann ausprobieren, werden komplizierter. Heute haben wir daher nur 4 Themen bearbeitet, von denen 3 aber recht zeitaufwendig waren:

Begonnen wurde mit www.answergarden.ch, eine Webseite, mit deren Hilfe ohne größere Vorbereitung „word clouds“ generiert werden können, und zwar dadurch, daß sich mehrere Personen an der Wörtersuche beteiligen. Da das auch über das Smartphone geht, wäre das eine der Übungen, die auch gut in einem VHS-Kurs funktionieren könnte.

Hier ist der Link zu meinem Beitrag: https://answergarden.ch/923317. Ich bin nicht ganz sicher, wie lange dieser Link existieren wird, da wir alle die Seite nur als Gäste ohne Registrierung besucht haben. Die spannende Aufgabenstellung: „Which musical instruments can be found in an orchestra?“, und dann wäre theoretisch Platz für die Nennung sämtlicher Instrumente. Da wir alle unsere Aufgaben dann in die Google group „Yorkiesit“ einstellen, begutachten wir ja auch immer mehrere Lösungen der anderen Kurskolleg/innen, und das finde ich immer ausgesprochen interessant, wie sehr diese thematisch und in den Fällen, in denen es viele Möglichkeiten der Gestaltung gibt, auch in Aufbau und Ausführung variieren.

Der nächste Unterrichtsblock war sehr spannend, es ging um „augmented reality“ im Unterricht. Die Anwendung HP Reveal macht es möglich, „trigger images“ mit zusätzlichen Informationen in Form von weiteren Fotos oder Filmen anzureichern. Dazu mußten erst alle die App installieren – sollte vorher gemacht werden, das hatten aber nicht alle, daher dauerte es etwas, bis alle auf dem gleichen Stand waren. Dann hatte Kursleiter Rick für jede/n zwei Bilder als „trigger images“, vorbereitet, denn, und das finde ich sehr interessant, die „hard copy“ muß analog sein, eine physikalische Einheit, also ein Stück Papier, oder auch etwas anderes, eine kleine Figur etc. Die Aufgabe war nun, sich zu den beiden „trigger images“ jeweils einen Satz auszudenken und diese beiden Sätze dann als Selfie-Video aufzuzeichnen, so daß eine kurze, mehr oder weniger sinnreiche oder lustige Anekdote entsteht. Mein Beispiel (ich schreibe das jetzt gleich auf, denn ich habe den Verdacht, daß das über den Link nicht einsehbar sein wird, dazu später mehr):

Bild Freiheitsstatue: Satz 1 „Everyone knows that the Statue of Liberty has been greeting millions of travellers arriving in the US for many years”.

Bild Zombie: Satz 2 “Only few people know that at night it regularly walks around the neighbourhood as a zombie”.

Beide Kurzvideos dann auf dem Smartphone mit HP Reveal bearbeiten, so daß die “trigger images” mit den Videos verknüpft wurden. Soweit funktionierte alles. Dann mußten alle Teilnehmer sich auf der Plattform gegenseitig als „Follower“ bestätigen, damit alle gegenseitig die „trigger images“ einlesen konnten. Und an diesem Punkt zeigte sich, daß das Programm recht störungsanfällig sein kann – bei einigen funktionierte es trotz wiederholter Versuche einfach nicht, und es war nicht erkennbar, warum. Wie Rick weise kommentierte: „It takes practice and patience“ – da kann ich nur zustimmen. Wenn es funktioniert, macht es richtig Spaß, und wenn man geübt in der Anwendung geübt ist, ist auch die Vorbereitung sicher machbar. Für die Anwendung in der VHS oder der Schule ist aber die gegenseitige Bestätigung als „Follower“ problematisch, weil alle sich über eine eigene Adresse registrieren und dann miteinander die Adressen verknüpfen müssen. Ich fand die Übung sehr beeindruckend, auch wenn es sich eher um eine kurze Demonstration dessen handelte, was alles möglich wäre – auch diese geriet ja schon recht kompliziert.

Der nächste Programmpunkt waren „Infographics“, also die Aufbereitung von Fakten/Aussagen/Präsentationen etc. am Beispiel des Programms www.canva.com. Hier geht es vor allem um die graphische Aufbereitung bestehender Inhalte, z. B. auch für einen Unterrichtsplan und –aktivitäten, und in der Übung haben wir überwiegend auf Beispielmaterial zurückgegriffen, das dann nach Belieben abgewandelt wurde. Das nahm ebenfalls einige Zeit in Anspruch. Was ich persönlich bei der Fülle an Anwendungen schwierig finde, ist die Notwendigkeit, sich in kurzer Zeit immer wieder einigermaßen sinnvolle Inhalte auszudenken, damit man die Übungen zumindest ansatzweise durchexerzieren kann. Manchmal klappt es gut, speziell, wenn man bei einfachen Themen bleibt, manchmal fällt mir aber nichts richtig Passendes ein, es wird zu komplex und daher unbefriedigend, oder ein Thema trägt einfach nicht, das ist dann auch nicht schön. Gelegentlich kommt auch mal eine gute Idee vorbei, das ist wahrscheinlich auch tagesformabhängig, und dann stelle ich immer wieder fest, daß manche Anwendungen intuitiver sind als andere, und nicht alle für alle gleich ansprechend. Canva.com fand ich nicht sehr ansprechend, aber zum Glück hatten wir ja schon zwei Beispiele für die Gestaltung von Unterrichtsplänen.

„Having said that…“: der letzte Unterrichtsblock mit dem Programm Audacity, einem Aufnahm- und Bearbeitungsprogramm für MP3-Files, war für mich ebenfalls nur mäßig erfolgreich. Obwohl die vorherige Installation des Programms problemlos geklappt hatte, funktionierten die Aufnahmen auf meinem Laptop nicht, auch nicht, nachdem wir noch ein externes Mikrofon angeschlossen hatten. Rätselhaft. So habe ich mit einer Kollegin zusammen ein Interview auf ihrem Laptop aufgenommen, mal sehen, was wir morgen damit anfangen und ob ich noch eine eigene Aufnahme auf einem anderen Gerät machen kann. Sinnvoll wäre es sicher, denn morgen wollen wir mit den Aufnahmen noch weiterarbeiten.

Da heute Mittwoch und damit die Hälfte der Kurszeit erreicht ist, kam eine Verwaltungsmitarbeiterin der Schule für eine kurze Feedback-Runde vorbei, was dort im Hause routinemäßig gemacht wird, solange man noch Kurszeit übrighat, um etwas ändern zu können. Es zeigten sich alle recht zufrieden, und das möchte ich an dieser Stelle gern noch einmal bestätigen. Der Kurs bietet die Möglichkeit, aus einer Vielzahl von Möglichkeiten ein paar für die eigenen Zwecke herauszufinden, und das ist genau das, was ich mir erhofft hatte.

 

Donnerstag: 25.04.2019

Mein privates Kulturprogramm am Vormittag war heute eine Führung im York Minster, in dem ich zwar schon zweimal während der Zeit hier zum „Evensong“ war, das ich mir aber heute noch einmal genauer anschauen wollte. Es ist eine wirklich beeindruckende Kirche, die größte Kathedrale in Nordeuropa, die Einschränkung deswegen, weil die Kathedrale von Sevilla angeblich noch ein wenig größer sein soll. Es gab in der Krypta auch eine Ausstellung über die Ausmaße der Vorgänger-Bauwerke an dieser Stelle, und das römische Kastell und die Siedlung Eboracum waren demnach noch viel ausgedehnter, auch einige Reste der normannischen Kathedrale sind dort noch zu sehen. Ich bin froh, daß ich das heute endlich geschafft habe!

Im Kurs haben wir mit einer kleinen Wiederholung der Aufgaben mit HP Reveal begonnen, Rick hatte einige „trigger images“ vorbereitet, die wir individuell einlesen konnten. Dann gab es Zeit, die Beiträge der anderen Kursteilnehmer in der Google group noch einmal anzusehen und anzuhören, speziell die „Audacity“- Produktionen. Das dauerte eine Weile, schwierig war es deswegen, weil das gleichzeitige Abspielen auf mehreren Laptops dem Verständnis nicht nützt. Rick konnte zwar noch zwei Paar Kopfhörer organisieren, dennoch war es ein wenig anstrengend, bis alle wenigstens zwei andere Beiträge angehört hatten.

Das Hauptthema heute war die Arbeit mit Programmen, die Cartoons und Animationen generieren, nämlich www.dvolver.com und www.animaker.com. Dvolver war vergleichsweise einfach, Aufgabe war es, einen kurzen Film in drei Szenen zu entwerfen. „Entwerfen“ ist aber nicht das passende Wort, die Struktur ist nämlich vorgegeben, und es müssen nur die – sehr kurzen – Dialogtexte eingegeben werden. Es gibt eine vorgegebene Auswahl an Szenerie, Figuren, Effekten und Musik, und wenn man für jede Szene die entsprechenden Parameter ausgewählt hat, kann man sich für jede Szene mehr oder weniger sinnvolle oder sinnfreie Texte ausdenken und seinen Figuren in den Mund legen. Bzw. ins Maul, sollte man Braunbären als Protagonisten ausgewählt haben. Die Handhabung ist erfreulich unkompliziert und der Unterhaltungswert extrem hoch. Wenn man also für den Unterricht z. B. Redewendungen üben möchte, hätte man hiermit die Möglichkeit, den Lerneffekt durch alberne Animationsfilmchen zu verstärken, indem man sie den Lernern einfach präsentiert. Man braucht sich auch nicht zu registrieren, das hat aber den Nachteil, daß das Machwerk eventuell einige Stunden später nicht mehr zu finden ist, ich fürchte, ich hätte es noch einmal extra speichern müssen. Der Link führt jedenfalls gerade ins Leere, ich hoffe, ich finde ihn noch wieder.

Ungleich komplexer und damit schwieriger in der Handhabung ist das Programm Animaker, das wir anschließend ausprobiert haben. Es gibt sehr viele Parameter zur Auswahl, und obwohl wir ziemlich genau Ricks Anleitung gefolgt sind und die ersten Schritte parallel gemacht haben, gab es bald an allen Ecken Verzögerungen. Ich hatte als Template eine einfache Liste gewählt, und bis zur zweiten Seite ging alles glatt, aber dann wollte ich Fotos aus meinem Fundus einarbeiten, und das Hochladen dauerte ewig. Bei den anderen war es ähnlich, es verging sehr viel Zeit mit Warten auf das Übertragen von Daten, und letztlich habe ich dann die Animation zwar so halbwegs fertiggestellt, aber nicht mit passenden Fotos von mir, sondern mit Parametern aus dem Programm, die zwar inhaltlich nicht paßten, aber sich immerhin einfügen ließen. Das Ergebnis ist schräg bis sinnbefreit, hat aber dadurch einen gewissen Witz, finde ich. Hier ist der Link dazu:

https://www.youtube.com/watch?v=yGVVg4U75DY

(Ich stelle noch mal ausdrücklich fest: quasi sinnfrei J. Aber Guy Fawkes ist lustig.)

Der letzte Unterrichtsblock waren dann Übungen zum Bearbeiten von Videos mittels ShortCut oder Moviemaker. Das stand in der letzten Woche auch schon auf dem Programm und ich merkte, daß es auch schon deutlich schneller ging als in der letzten Woche.

Morgen sollen alle wieder eine Präsentation vorstellen, und ich habe vor, diesmal keinen Unterrichtsplan anzufertigen, sondern eine Übersicht der in den beiden Unterrichtswochen verwendeten Methoden/Apps/Webseiten. Ziel soll die Beurteilung und Gewichtung sein, ob/wie ich sie selbst anwenden oder Kursleitern als Empfehlung weitergeben kann. Derzeit favorisiertes Medium ist ein „noticeboard“ wie www.canvas.de. Da morgen der letzte Kurstag ist, kündige ich das Endprodukt, wenn vorzeigbar, hiermit schon einmal als morgigen Blog-Beitrag an!

 

Freitag: 26.04.2019

Oh dear, heute ist schon der letzte Kurstag. Time seems to fly, doesn’t it.

Zwei Kursteilnehmer haben sich heute schon verabschiedet, zum Glück fliege ich erst morgen früh nach Hamburg zurück und konnte nach dem Kurs noch einen Abschluß-Stadtbummel machen. Hier möchte ich noch ein interessantes kulturelles Phänomen erwähnen, das ich aufgrund der täglich leicht variierenden Unterrichtszeiten ausgiebig studieren konnte: die Öffnungszeiten der Geschäfte in der Innenstadt, für die ich das Wort „random“ wählen würde.  In der Altstadt gibt viele schöne kleine, unabhängige Läden, es macht wirklich Spaß, dort herumzustöbern. Aber viele Geschäfte schließen bereits um 17.00h, viele um 17.30h, die letzten dann um 18.00h (außer den kleinen Supermärkten, die dann wieder bis Mitternacht geöffnet sind, was natürlich sehr praktisch ist). Nun kann man sich ja darauf einstellen, und z. B. gleich nach 17.00h zu einem besonders netten Fudge-Laden sausen, um dort noch ein par Mitbringsel zu erstehen, denn dieser Laden hatte in den letzten Tagen immer bis 17.30h geöffnet, was sich mit den Unterrichtszeiten überschnitt. Man saust also, ist um 17.15h da, aber: der Laden ist bereits geschlossen, seit 17.00h, wie immer am Freitag, wie sich den Informationen am Eingang entnehmen läßt. Die hatte man bei früherer Betrachtung nicht auf diese geringen, aber folgenreichen Abweichungen hin überprüft, warum auch.  Die Verkäuferin hat gerade abgeschlossen und entschwindet gutgelaunt in den Feierabend, was am Freitag ab 17.00h einen fröhlichen Umtrunk im Kollegen- und Freundeskreis in einem der vielen Pubs bedeutet, die in dieser Zeit allesamt voll besetzt sind. Beim nächsten Mal weiß ich das dann auch!

Zu unserem letzten Unterrichtstag:

Leider habe ich den Link zu meinem äußerst lustigen Filmchen mit den beiden Bären tatsächlich nicht mehr gefunden. Daraus könnte man jetzt lernen, sich für das www.dvolver.com Programm doch richtig einzuloggen. Weil diese Anwendung aber so idiotensicher war, gibt es gute Chancen, das noch einmal zu rekonstruieren.

Dann haben wir uns heute noch länger mit der Verwendung von TED-Talks beschäftigt. Diesmal haben wir – gut vorbereitet durch die gestrigen Übungen mit MovieMaker – einzelne Beiträge bearbeitet, indem wir Fragen unterlegt und Multiple-Choice-Tests dazu entworfen haben. Diese wurden dann wieder in die Gruppe gestellt und konnten von allen eingesehen werden. Auch die Übertragung per QR-Code haben wir dabei noch einmal wiederholt.

Dann gab es Zeit, eine kleine Präsentation vorzustellen, vorzugsweise einen Unterrichtsplan wie letzte Woche. Ich habe aber, entgegen meiner gestrigen Ankündigung, mittels coggle.it eine Synopsis der vorgestellten Programme/Apps/Anwendungen vorgestellt. Der untere Abschnitt der Mindmap umfasst Programme, die ich vermutlich nicht selbst verwenden werde, vieles andere kann ich mir gut vorstellen. Hier ist der Link dazu:

Die Präsentationen von 6 Personen nahmen den Rest der heutigen Unterrichtszeit in Anspruch, und dann war es auch schon Zeit, die Evaluationsbögen auszufüllen und sich voneinander zu verabschieden. Ich habe von dem Kurs sehr profitiert, weil ich vieles im Bereich Digitales Arbeiten/Digitale Medien im Sprachunterricht ausprobieren konnte, wozu im Alltag schlicht die Zeit fehlt. Das Unterrichtsprogramm war sehr gut, und ich habe den Eindruck, einen wirklich guten Überblick bekommen zu haben, mit vielen Gelegenheiten, den Stoff individuell zu vertiefen. Der äußere Rahmen hätte nicht besser sein können, über die Schule kann ich nur Positives berichten, und die Möglichkeit, sich in dieser Form über Erasmus plus weiterzubilden, ist einfach großartig. Vielen Dank dafür!

 

 

Irland: There is an App for that!

von S. H.

Montag: 29.04.2019

Ich bin froh, dass ich schon ein paar Tage in Dublin hatte um die Stadt schon ein bisschen kennenzulernen bevor heute der Kurs begann.

There’s an app for that! Exploring the best apps for teaching and student learning – so heißt der einwöchige Kurs, den ich hier in Dublin besuche. Schon im Vorfeld war alles sehr gut organisiert. Wir bekamen eine klare Email, wo wir uns wann einzufinden hatten und dazu den genauen Stundenplan für die Woche. Woher diese klare Strukturierung vielleicht kam, ist mir heute im Kurs klar geworden – der Kursleiter ist Deutscher. Der Kurs findet aber natürlich auf Englisch statt.

Unsere Gruppe mit 11 Teilnehmenden ist recht international – 2 Spanierinnen, 1 Türkin und 2 Türken, 2 Österreicherinnen und 4 Deutsche. Dabei sind alle Schularten von der Grundschule bis zum Gymnasium und der vhs vertreten.

Am ersten Tag tauchten natürlich noch einige technische Probleme auf, denn alle waren aufgefordert worden, Laptop und Smartphone mitzubringen für den Unterricht. Der Kursleiter war sehr kompetent und hilfreich bei all den Problemen, hat aber nie seinen Unterricht und seine Ziele für den ersten Tag aus den Augen verloren.

Zunächst haben wir uns einige Tools angesehen und ausprobiert, um Informationen mit anderen zu teilen, als Beispiele OneNote (fürs Sharing braucht man die Online Version https://onedrive.live.com/, Screencast-O-Matic https://screencast-o-matic.com/ und Nearpod  www.nearpod.com.

Auf Nearpod haben wir dann jede/r unsere zu Hause vorbereitete Powerpointpräsentation hochgeladen (das dauerte allerdings insgesamt recht lange) und so der Gruppe uns, unsere Schule und unsere Stadt vorgestellt. Dabei konnte jeder auf dem eigenen Laptop alle Präsentationen sehen und zusätzlich auf dem Smartboard vorn. Abgerundet wurden die Präsentationen durch kleine Aufgaben für die Zuschauer – Quizze, Open-Ended Questions und Lückentexte, die wir selbst im Kurs zu unserer Präsentation hinzugefügt haben.

Mit Wheeldecide https://wheeldecide.com wurde ein Rad gedreht und der/die jeweils nächste Referent/in ermittelt.

Der Kurstag endete mit einem kurzen Überblick über einige Sprachlernapps, z.B. Lyricstraining (Songs und dazu Lückentexte in verschiedenen Schwierigkeitsgraden) https://lyricstraining.com/, Duolingo (gibt’s nur als App) und funeasylearn http://funeasylearn.com.

Der Kursleiter hat die Gruppe sehr kompetent geleitet, konnte auf alle Fragen eingehen und hat uns eine Fülle von Apps vorgestellt, so dass ich mich auf die weiteren Kurstage freue.

 

Dienstag: 30.04.2019

Heute fällt es mir richtig schwer, die einzelnen Programme, die wir ausprobieren, auseinanderzuhalten, da so viel Neues dabei ist.

Begonnen haben wir mit Classroom Management Programmen. Hierbei wies der Kursleiter darauf hin, dass es Sache der Schule bzw. des Bundeslandes sein muss, hier ein einheitliches Programm einzuführen, da sonst besonders Schüler und Eltern überfordert sind, wenn sie jeweils unterschiedliche Programme für jede Lehrkraft benutzen müssen.

Die gängigsten Programme sind wohl: edmodo.com, classroom.google.com und Microsoft Teams aus dem Office 365 Programm https://products.office.com/en-us/microsoft-teams/free.

Dies Thema war mehr für die Teilnehmenden interessant, die an regulären Schulen arbeiten, da die Arbeit mit Klassenarbeiten, Noten und Eltern für mich nicht von Bedeutung ist.

Interessant war für mich die App Office Lens, die es u.a. erlaubt, das Handy als Scanner zu benutzen (erhältlich im Microsoft Store).

Dann haben wir uns intensiv mit den verschiedenen Suchoptionen bei Google beschäftigt und Google Translate ausprobiert, wobei ich sagen muss, dass die Funktion sich in der letzten Zeit stark verbessert hat und gar nicht schlecht abschnitt.

Anschließend haben wir in Sway sway.office.com einen gemeinsamen Blog zum Thema ‚Europäische Essensspezialitäten‘ erstellt. Die Phasen, des Unterrichts, in denen wir selbst aktiv sein konnten und uns austauschen konnten, haben natürlich am meisten Spaß gemacht. Hier der Blog: https://sway.office.com/lSIGNxJREGFrD6gH.

Als Abschluss des Unterrichts haben wir interaktive Bilder mit Genial.ly https://www.genial.ly erstellt und ausgetauscht bzw. gemeinsam betrachtet.

Insgesamt sage ich – ein anstrengender Tag, der sich jedoch für mich auf jeden Fall gelohnt hat. Die Gruppe findet sich zusammen, jeder hilft jedem und es werden gemeinsame Aktivitäten geplant. Es macht Spaß, auch wenn einem am Ende der Kopf brummt vor viel Neuem.

 

Mittwoch: 01.05.2019

Heute habe ich am Ende des Unterrichts gedacht (und gesagt): „Das war ein toller Tag!“

Es ging los mit Augmented Reality; das Programm, das wir verwendet haben, hieß hp reveal https://studio.hpreveal.com/. Uns wurde zunächst am Stadtplan von Dublin das Prinzip vorgeführt, dass nämlich, wenn man das Handy mit der entsprechenden App über den Stadtplan bewegt, an vorgegebenen Stellen Texte, Bilder, Animationen oder Videoclips zu sehen sind. Anschließend haben wir selbst mit dem Programm gearbeitet und einen Gegenstand aus der Realität mit Animationselementen belegt, die zu sehen waren, wenn man mit dem Handy darüberfuhr.

Hieran schloss sich eine rege Diskussion an, erst paarweise, dann im Kurs, wozu man dies im Unterricht verwenden könnte. Die Vorschläge reichten von technischen Anweisungen, physikalischen Abläufen, chemischen Elementen, Geschichtsdaten, Landkarten mit Sehenswürdigkeiten bis zu Texten, denen man Leben einhauchen oder auch einfach Vokabeln hinzufügen kann. Man kann sozusagen aus einem normalen Lehrbuch ein e-book herstellen.

Weiter ging’s mit interaktiven Videos. Wir haben uns mit dem Programm Playposit https://www.playposit.com zunächst ein Video im Student Modus angesehen. Das Video wurde gekürzt und an bestimmten Stellen mit Fragen versehen (wenn eine Frage erschien, stoppte das Video und es ging erst weiter, wenn die Frage beantwortet war). Dann begann wieder der ‚Hands-on‘ Teil für uns. Wir haben uns auf Youtube ein Video ausgewählt, es gekürzt und mit passenden Fragen versehen. Dann haben wir alle Beiträge angeschaut und die Fragen beantwortet. Die Lehrkraft kann dabei sehen, wie lange die Schüler an dem Film gearbeitet haben, ihre Antworten (als richtig oder falsch) und ebenso Statistiken zur Beantwortung der Fragen.

Doch das Beste kam zum Schluss: im Programm Plickers www.plickers.com (auf Safari läuft’s leider nicht, da muss man einen anderen Browser nehmen) antworten die Schüler indem sie Karten mit Codes hochhalten , die die Lehrkraft dann mit dem Handy scannt und auf dem Smartboard erscheint dann die Auswertung, auch wieder mit grafischer Statistik. Wieder haben wir selbst auch damit Aufgaben erstellt und sie durchgespielt.

Dies Programm gefiel vielen von uns am besten, da die Schüler sich hierbei nirgends einloggen müssen. Dies haben wir als störend empfunden bei den Programmen, wo es nötig war. Umgehen kann man es, wenn die Schule entsprechende Logins bereitstellt.

Wir waren selbst einen großen Teil des Unterrichts aktiv und haben gemerkt, wie wichtig das ist, auch wenn es Zeit kostet.

Es war ein herrlich sonniger Tag heute (eine Ausnahme für Dublin), so dass wir die anschließende Stadtführung zu Fuß genossen haben. Ein Lehrer der Schule hat uns durch die Umgebung der Schule geführt und wir haben an vielen Stationen eine Menge über Irland gelernt.

 

Donnerstag: 02.05.2019

Heute haben wir uns noch mit drei weiteren Programmen beschäftigt, Demoübungen angesehen und dann selbst Übungen erstellt.

  1. Learning Apps https://learningapps.org/display?v=pgwfi0us519

In dem Programm gibt es zahlreiche Musterformen, nach denen man interaktive Übungen erstellen kann. Am interessantesten für die meisten von uns war die Vorlage Pferderennen: https://learningapps.org/display?v=pgwfi0us519. Hierbei ist anzumerken, dass nicht bei allen alles funktionierte und es teilweise Serverprobleme gab, wahrscheinlich weil alle in der Gruppe gleichzeitig an dem Programm gearbeitet haben. Woraus wir gelernt haben, dass man bei Online Übungen immer einen Plan B haben sollte. Der Kursleiter wies uns auch darauf hin, dass wir immer die Programme auf genau dem Computer ausprobieren sollten, auf dem sie dann gezeigt werden sollen, um vor Überraschungen geschützt zu sein.

  1. Quizizz https://quizizz.com

Hier kann man sich einzelne Fragen aus vorgefertigten Quizarten zusammenstellen. Es wird hierbei immer angezeigt, welcher Spieler wie viele Punkte hat (die Punkte werden nach Richtigkeit der Antwort und nach Zeit vergeben, und es gab großes Gejohle bei uns, wenn ein Spieler andere überholt hat.

  1.      Kahoot Wenn man hier den Spielcode eingeben möchte (z.B. als Kursteilnehmer) benutzt man die App bzw. verwendet den Link kahoot.it. Wenn man ein Spiel erstellen möchte, geht man zu https://kahoot.com/. Man kann Multiple Choice Fragen mit jeweils vier Antworten erstellen. Jede Antwort wird einem Symbol und einer Farbe zugeordnet. Die Kursteilnehmer sehen die Fragen und möglichen Antworten am Smartboard bzw. auf der Leinwand und haben selbst nur jeweils die vier Symbole/Farben auf ihrem Gerät und wählen das richtige aus.

Im Weiteren haben wir das Prinzip des ‚flipped classroom‘ kennengelernt. Gemeint ist, dass der Schüler den Stoff zu Hause als Video ansieht und im Unterricht dadurch Zeit für Projekte etc. ist. Wir haben ein Video gesehen, in dem das Prinzip in den höchsten Tönen gelobt wurde und dann ein zweites, das Hinweise gab, wie man den auftauchenden Problemen begegnen kann. Denn natürlich tauchen Probleme auf, z. B. dass Schüler aus diversen Gründen das Video nicht angeschaut haben. In der Gruppe gab es einige Vorbehalte, diese Unterrichtsform als alleinseligmachende anzusehen.

Im anschließenden Teil des Tages haben alle im Kurs einen Entwurf für eine Unterrichtsstunde erstellt, die mindestens zwei der in dieser Woche vorgestellten Programme enthalten soll und die wir morgen den anderen vorstellen werden.

Es ist schön, im Anschluss an den doch recht anstrengenden Unterricht ein bisschen durch den nahegelegenen Park oder die Innenstadt zu bummeln, bei Regen oder Sonnenschein im Wechsel und alles zu verarbeiten, was am Tag neu war.

 

Freitag: 03.05.2019

Heute fand ein toller Kurs seinen Abschluss.

Die Präsentation der Unterrichtsstunden aller Teilnehmender füllte den Vormittag aus.

Es war interessant, die anderen in ihrem beruflichen Bereich zu erleben, denn etliche unterrichten andere Fächer als Englisch. Wir bekamen außer Englisch Unterrichtsstunden zu Physik, Sachkunde Eletrizität, Französisch, Geschichte Österreichs und der Türkei vorgestellt. Es war gefordert, dass in allen Unterrichtsentwürfen mindestens zwei der in dieser Woche vorgestellten Programme vorkamen und dass wir erläutern sollten, wie diese Übungen in der Unterricht eingebunden sind. Insgesamt waren dabei Plickers https://www.playposit.com, Kahoot https://kahoot.com/ bzw. kahoot.it und Playposit https://www.playposit.com die beliebtesten  Programme.

Für Wheeldecide https://wheeldecide.com stellte eine Lehrkraft aus Spanien neue interessante Anwendungsmöglichkeiten vor. Sie schrieb verschiedene adverbiale Bestimmungen auf das Rad, zu denen die Schüler korrekte Sätze bilden sollten. Das Rad trifft dann die Auswahl. Dies kann man ebenso mit Vokabeln etc. machen.

Abschließend hat uns der Kursleiter ein Programm vorgestellt, mit dem es möglich ist, alle Programme, die man im Unterricht verwenden will, in eine Tabelle zu stellen, so dass man nur ein Programm zu öffnen braucht, um alle anderen parat zu haben:

Symbaloo https://www.symbaloo.com/

Dann wurden wir mir unseren Zertifikaten verabschiedet.

Morgen gehen wir noch auf eine zum Kurs gehörende Tagestour zu keltischen Orten an der Ostküste Irlands. Darüber werde ich morgen berichten.

 

Samstag: 04.05.2019

Heute waren wir auf einer mit zum Kurs gehörigen Tagestour mit dem Bus. Es gab zwei Touren zur Auswahl und ich habe mich mit 4 anderen für die „Keltische Tour“ entschieden.

Es ging recht früh los bei strahlend blauem Himmel und frostigen Temperaturen in das Herz Irlands zum ersten Stopp „Hill of Uisneach“, einem Ort mit Grashügeln, auf denen früher die irischen Provinzkönige und der Hauptkönig von Irland jedes Jahr im Mai das Fest des Feuers zelebriert haben um den Sommer zu  begrüßen. Genau dieses Fest wird in der modernen Zeit morgen zelebriert und diese Grashügel wurden für ein großes Volksfest morgen vorbereitet. Unser Führer hat uns mit sehr dramatischer Darstellung von den Riten der damaligen Zeit erzählt.

Weiter ging’s zu einer kurzen Wanderung zu den Loughcrew Grabhügeln aus der megalithischen Zeit, die leider wegen Einsturzgefahr des Eingangs nur von außen zu besichtigen waren. Doch die Aussicht von den Hügeln – man konnte nach allen Seiten weit ins Land sehen – war bei klarer Sicht und blauem Himmel ganz toll.

Das Mittagessen haben wir in einem herrlich sonnigen Innenhof genossen und dann ging‘s weiter zum berühmten „Hill of Tara“, dem Ort, an dem die keltischen Könige gekrönt wurden, wieder Grashügel, diesmal als konzentrische Ringe angelegt. Da für die Iren ein langes Wochenende bevorsteht (Montag ist Feiertag) waren am „Hill of Tara“ sher viele Ausflügler, alles war mit Autos vollgeparkt und unser Bus konnte erst nach langer Wartezeit und großer Mühe die Weiterfahrt antreten, was uns für den nächsten Programmpunkt zu spät kommen ließ. Es wäre „Trim Castle“ gewesen, die älteste erhaltene normannische Burg. Stattdessen sind wir durch die Ruinen eines zisterziensischen Klosters spaziert, was ich ebenso genossen habe.

Insgesamt hat mir der Kurs ausnehmend gut gefallen. Der Unterricht war hervorragend und die geführte Tour zu Fuß durch die Umgebung der Schule am Mittwoch nach dem Unterricht und die Tagestour heute (Samstag) haben den Kurs sehr gut abgerundet, so dass wir nicht nur viel Neues gelernt haben, sondern auch mit der irischen Kultur und Geschichte vertraut gemacht wurden. Ich kann nur sagen: „Es war toll!“

 

 

 

 

Malta: Boost your ICT Skills Technology in the Classroom – 1 Woche auf Malta(5)

von R. B.

SONNTAG: 31.03.2019

Verdammte Axt. Die, offensichtlich Humor verabscheuende, Sicherheitsbeamtin auf dem Hamburger Flugplatz entdeckt ein Taschenmesser in meinem Rucksack. Als ob ich das absichtlich darin vergessen hätte. Sie knurrt ein bisschen und schickt mich zur Gepäckaufbewahrung. Es ist sechs Uhr morgens, die Uhren wurden letzte Nacht auf Sommerzeit umgestellt und sie ist vermutlich genauso müde wie ich – also sei’s drum. Der Mensch bei der Gepäckaufbewahrung ist auch nicht besser drauf. Aber als ich ihn frage, woher er kommt, taut er auf und erzählt, er sei ein Ukrainer jüdischen Ursprungs und benutzt das schöne alte Wort „Schabracke“. Woher er das kenne, will ich wissen. Von seiner Großmutter – sagt er. Hätte ich mir auch denken können, dass man so was nicht im C1-Kurs lernt.

Auf Malta gelandet, werde ich von meinem Beherberger wie ein heimkehrender Sohn empfangen. Wir fahren nach St. Julian’s, essen, nachdem ich mir endlich kurze Hosen anziehen konnte, ein bisschen Fingerfood unter strahlend blauem Himmel und füttern Lizard-Babys mit Weißbrot. Bis heute war mir völlig unklar, dass Eidechsen Baguette fressen.

Nachmittags gehe ich an die Küste, halte die Füße ins gar nicht mal so kalte Meerwasser und beobachte eine kleine Optimistengruppe, die an riesige Blattschneiderameisen erinnert. Malta ist herrlich.

Morgen geht mein Kurs los und ich bin gespannt, ob sich die Malteser auch in den 1. April schicken.

 

MONTAG: 01.04.2019

Als ich aufwache, nachdem ich mich in der Nacht in ebenso ambosstiefem wie traumlosem Schlaf regeneriert habe, ist alles schon ganz zauberhaft verzwitschert. Und dafür scheinen nicht nur die unendlich vielen Spatzen verantwortlich, sondern auch die gar nicht mal so kleine Voliere der benachbarten Gemüsegärtnerei, in der sich neben Wellensittichen auch Kaninchen, Hühner und kleine Papageien einträchtig den Alltag teilen. Einige Vögel davon bereits brütend. Wie die Kaninchen das Getöse aushalten, ist mir schleierhaft.

Bei ETI an der Küste St. Julian’s geht das Anmelden ganz unaufgeregt vonstatten. Unser Kursleiter heißt Mario, ist ein Energiebündel, eloquenter Presenter und würde gerne mehr sagen, als die Zeit es zulässt. Wenn ich das richtig verstanden habe, ist er in einige europäische Online- Großprojekte involviert, hat 25 Jahre in Deutschland und Polen verbracht (spricht auch fließend polnisch) und ist davon überzeugt, dass das europäische Rumgeeiere beim Thema Urheberupload- rechte auf Dauer Europas Abschied von der digitalen Zukunft und damit von viel wirtschaftlicher Macht bedeutet. Nachvollziehbar auf der einen Seite. Aber es bringt mir die Krake Google weder emotional noch rational einen Millimeter näher.

Unsere Aufgabe heute ist es, ein Webquestprojekt (worunter ich mir erst mal nichts vorstellen kann) zu beginnen, in dem wir Schülern eine Aufgabe stellen, das Gerüst für die Hilfestellung bauen und mit dem Ziel arbeiten, entgegengesetzt zum gewöhnlichen Vermitteln und Abfragen Skills zu wecken, von denen weder wir noch die Schüler etwas ahnen. Das Ganze wirkt gelegentlich etwas unstrukturiert, weil wir uns herrlich in Details verquatschen.

Das beeindruckendste Tool, das ich heute kennenlerne ist visuwords (https://visuwords.com/). Bisher leider nur auf Englisch zu haben, aber auch so sehr faszinierend. Spielerischer kann man Sprache nicht kennenlernen. Die Software dahinter macht mir Angst.

Ungeachtet dessen scheint der Malteser übrigens nichts mit Aprilscherzen zu tun zu haben. Ich empfinde das als angenehm.

 

DIENSTAG: 02.04.2019

Das ist schon witzig, es tröpfelt bzw. nieselt ganz schüchtern, dass es sich noch nicht mal lohnt, einen Regenschirm auszupacken und die Malteser – vor allem die -innen – führen sich auf, als ob es sich um nordfriesischen Landregen ergiebigster Ausgabe handelt. Für jemanden, der seit nunmehr mehr als 25 Jahren in diesem verregneten Norddeutschland wohnt (OK, 2018 war eine Jahrhundertausnahme), ist das nur heiter zu ertragen.

Der Tag verläuft ein bisschen angetrübt. Das hat nicht nur mit dem Wetter zu tun, was die ganze Gegend traurig kontrastarm erscheinen lässt. Es ist auch der Kurs, der heute ein bisschen aus dem Ruder läuft. Die Stimmung ist gut, Mario ist fröhlich, wir auch, aber er absolviert mehr als für die Sache zu brennen. Kann ich verstehen. Routine ist oft der natürliche Feind von Qualität. Mit „tes blendspace“, und „pbworks“ lernen wir zwei schöne Tools kennen, mit denen sich interaktiver Unterricht interessant und kurzweilig gestalten lässt. Zudem erfahren wir, wie man (ohne Urheberrechte zu verletzten) Videos und Bilder in Wikis einbaut und dabei auch noch die Breite von Bildern im selbstgelayouteten Erscheinungsbild maßschneidern kann. Dennoch gehe ich orientierungslos nach Hause. Ich habe nicht mal eine Idee davon, wie wir das Erlernte für unser Projekt nutzen können und sollen. Und schon mal gar nicht: WANN. Wir werden am Ende der Woche sehen, an wem es lag. Meine drei Mitstreiterinnen und ich arbeiten an einem Konzept für unsere Webquest-Aufgabe und kommen langsam aus den Startblöcken.

Am Nachmittag bringt uns ein weiterer Mario als Guide nach Valetta (wahlweise auch Valletta), in die Hauptstadt Maltas. Sie ist und bleibt in ihrer wuchtigen Schönheit beeindruckend. Nur die wuselige Touristenmeute stört. Als Teil von ihr – der Meute – würde ich das natürlich niemals erwähnen. Die Exkursion ist übrigens kursinklusiv.

 

MITTWOCH: 03.04.2019

Es ist 6:00 Uhr. Die Sonne scheint. Alles wird gut, denke ich. Beim Marsch zur Schule sehe ich beim Überqueren der Straße nach links, statt nach rechts – beinahe wär’s das gewesen. Aber die maltesischen Autofahrer sind es gewohnt, dass linkslenkende Touristen hier völlig verplant über die Straßen stolpern und halten geduldig, ohne zu hupen. Unser 3. Kurstag ist ein kurzer. Normalerweise wird der Freitag verkürzt, heute ist es der Mittwoch. Um 12:20 Uhr ist Schluss, deswegen sputet sich Mario. Wir uns auch. Er erklärt sehr anschaulich und begeistert die Vorteile und den Funktionsreichtum interaktiver Whiteboards. Mit ihnen zu arbeiten ermöglicht einen kurzweiligen (aber nicht weniger lehrreichen) und gleichzeitig papierlosen Unterricht. Wer will kann natürlich alles Onlinebasierte dennoch ausgedruckt erhalten. Die Geräte werden zwar kontinuierlich günstiger, in der Königsklasse bleiben sie jedoch teuer, was ein Anschaffungsproblem für viele Schulen darstellen wird. Zumindest wenn es um hohe Stückzahlen geht. Nach der Pause probieren wir uns darin, mit „Kahoot!“ Online-Rätsel zu basteln. Natürlich müssen wir vorher erst selbst welche lösen. Eine Challenge für alle Beteiligten. Ich gewinne eine und merke, wie einfach sich mit diesem Tool Wissen und Begreifen testen lässt. Soweit alles klar. Was das mit unserem Projekt für den letzten Tag zu tun hat, wird uns Mario hoffentlich morgen erklären.

Für den langen Nachmittag plane ich mit zwei Mitschülerinnen einen Ausflug in die „Three Cities“ neben Valletta. Für zügiges Vorankommen mieten wir uns ein Taxi nach Sliema, um von dort die Fähre nach Valletta zu nehmen. Überraschend und tief beeindruckend: Der Fahrer entpuppt sich auf Nachfrage als Jahrgang 1930. Er hat die Bombardierung Maltas als jugendlicher live miterlebt und sehr gehungert. Er trägt keine Brille und hört ausgezeichnet. Wir fühlen uns gut aufgehoben bei ihm.

 

DONNERSTAG: 04.04.2019

Was ich gestern völlig vergaß: Wer von St. Julian’s nach Valetta fahren will, sollte den Bus (Linie 14 oder 16, vermutlich gibt es noch andere Linien) nehmen und in Sliema am Fähranleger aussteigen. Dort besteigt man die halbstündlich (Fahrplan) abfahrende Fähre und genießt während der Fahrt die Aussicht auf Maltas Hauptstadt. Von Valetta aus geht es ebenfalls mit der Fähre weiter auf die benachbarten „Three Cities“. Hier empfiehlt sich der Kauf eines Return-Tickets.

Nun aber zum heutigen Tag. Ich habe mich mit meinen Teamkolleginnen verschworen und Mario todesmutig auf die freitägliche Präsentation und was uns denn da wohl erwartet angesprochen. Und siehe da – reden hilft. Wie meistens im Leben. Wir sollen keine perfekte Webquestseite bauen (dazu wäre es jetzt auch zeitlich ein bisschen knapp geworden), sondernlediglich bisher Hergestelltes sinnvoll in ein Wiki stellen. Ich fühle mich wieder eingenordet und tiefenentspannt. Meine Mitstreiterinnen und ich nehmen darauf hin erst mal einen eklig guten Espresso zu uns, der im „Dolce Sicilia“ – etwa 300 m vom ETI entfernt – ebenso zügig wie reizend serviert wird.

Der Kurstag vergeht wie im Flug. Wir probieren zunächst canva.com aus. Damit lassen sich kreative Factsheets bis hin zu Visitenkarten und farbenprächtigen Kuchendiagrammen erstellen. Es wirkt auf mich wie eine Lightversion von Photoshop – eben nur for free. Als nächstes stürzen wir uns auf wordart.com, ein Tool (damit müsste man sich eigentlich mal 2, 3 Tage ungestört zurückziehen) mit dem sich WordClouds ziemlich lässig generieren lassen. Die lassen sich dann, wie jedes png- oder jpg-Format sehr, sehr einfach bei imgur.com hinterlegen.

Dabei handelt es sich um einen Online-Bildspeicher, der die genannten Formate mit einer URL-Adresse versieht. Die wiederum lässt sich dann nahezu völlig datenspeicherentfettet in alle möglichen Wikis, Blogs, Websites usw. einbetten. Klingt kompliziert, ist aber kinderleicht, wenn man sich vom Menü leiten lässt.

Schließlich kommen wir mit pinterest.com, pearltrees.com, wordmint.com, http://puzzlemaker.discoveryeducation.com/ zu Seiten auf denen sich Lernspiele spielend leicht generieren lassen.

Ich verlasse ETI heute sehr im Reinen mit mir und mit Mario, es handelte sich schlicht um ein Missverständnis, das mich der Orientierung in diesem Kurs verlustig gingen ließ.

Die darauffolgende Exkursion mit dem aus Mdina stammenden anderen Mario nach Mdina war zwar ein bisschen verregnet, nahm der Stadt aber nichts von ihrem Reiz. Morgen ist der letzte Kurstag. Die Zeit rennt hier – glaube ich – noch schneller als in Hamburg.

 

FREITAG: 05.04.2019

Der letzte Tag ist angebrochen. Kaum zu glauben. Die Woche ist so gut wie rum. In der Schule herrscht so was wie fröhliche Wehmut. Es scheint solchen Lernerlebnissen eigen zu sein, dass man in einer unüberschaubaren Heerschar von Menschen und Menschinnen sehr schnell und zielsicher diejenigen kennenlernt, mit denen man dann eine sehr angenehme Zeit verbringt. So ging es mir zumindest.

Mario bringt uns den unschätzbaren Wert digitalen Geschichtenerzählens nah. Storytelling meint er, sei ein vieldimensionales Einwirken auf Lernrezeptoren. Stimmt ja auch. Wird mir eine

Geschichte erzählt, gehe ich eine Beziehung mit dem Erzählenden ein. Und er mit mir. Und mit allen anderen, die zuhören. Wahlweise über storybird.com, storyjumper.com oder plotgenerator.org basteln wir ein digitales Bilder-/Lesebuch. Es funktioniert so ein bisschen wie die Fotoalben, die man sich online zusammenstellt und dann ausdrucken lässt. Es kommen sehr lustige Ergebnisse dabei heraus.

Weiter geht es mit twinery.org , einem Programm, mit dem sich eine digitale wenn-dann-Mechanik erstellen lässt. Leidlich lustig, aber nicht ganz unaufwendig. Es geht dabei darum, von einem gewählten Szenario ausgehend Alternativantworten geben zu können. Beispiel: „Du liest ein Buch und merkst, dass Dein Haus brennt. Du sitzt im 2. Stock. Fliehst Du oder liest Du weiter?“ Wer flieht wird gefragt, ob nach links oder nach rechts usw. Man muss also von Beginn an Entscheidungen treffen. Manchmal rational, manchmal emotional. Wie auch immer, man ist in einer Geschichte drin und redet drüber oder denkt zumindest drüber nach. In der Sprache, die man lernen möchte.

Nach der Mittagspause präsentieren wir unsere Webquests, also die Wikis, die wir über die Woche zusammengestellt haben. Alles läuft sehr entspannt. Und als überzeugter Technikhistoriker kann ich am Beispiel des Stabhochsprungs als olympische Disziplin wunderbar einfach in Wort, Bild und Film darstellen, warum die technische Weiterentwicklung der Stäbe (von Holz zum Fieberglas) gleichzeitig die rasante Entwicklung sportlicher Weltrekorde nach sich zog und zieht. Und Schülern die Aufgabe stellen, diese Behauptung mit selbst recherchierten Dokumenten zu stützen oder zu widerlegen. Alles natürlich online. Mit einem Anflug von Stolz nehmen wir unsere Zertifikate entgegen. Und obgleich es gleich anfangen wird zu schütten, fahre ich nach Valetta und nehme Abschied von diesem großartigen Felsen.

Kleiner Tipp noch zum Thema Mobilität auf Malta: Mit der tallinja app – angeboten vom Betreiber des öffentlichen Nahverkehrs – findet man sich auf der Insel ganz gut zu Recht. Wobei die Abfahrtszeiten Verhandlungssache zu sein scheinen. Ist ein Bus an der Startstation z.B. voll, fährt er ohne Rücksicht auf den Fahrplan los – was ja vernünftig ist, voll ist voll und ist dadurch auch an allen folgenden Haltestellen zu früh oder im Umkehrfall zu spät, auf jeden Fall unpünktlich.

Noch ein Tipp: Beim Überqueren der Straße immer erst nach rechts gucken. Und es gilt: Wer als Fußgänger eine Woche St. Julian’s überlebt, überlebt als Fußgänger überall auf der Welt.

 

SAMSTAG: 06.04.2019

Meine beiden polnischen Mitbewohnerinnen sind bereits seit 6:40 Uhr auf dem Weg Richtung Heimat. Die Lufthansa meint es nett mit mir und hat den Abflug auf 17:05 Uhr terminiert. Ich habe also noch einen halben Tag auf diesem wunderbaren Felsen zur Verfügung.

Meiner deutschen „Mitschülerin“ fiel auf, dass unsere Zertifikate auf 2018 datiert sind. Was für ein Kinderstreich. Mal sehen, ob samstags noch jemand aus der Administration im ETI ist, der aktualisierte Dokumente anfertigen kann.

ETI ist am Wochenende out of order. Vernünftig. Schauen wir mal, wie es weitergeht. Einerseits ist es ja nett, ein Lebensjahr – zumindest schriftlich – rückerstattet zu bekommen, andrerseits ist Bürokratie Bürokratie, Punkt.

Zurück zum Kurs: Es war schön, es war lehrreich, letztlich auch entspannt. Aber ich frage mich ein bisschen, wohin wir eigentlich wollen? Es gibt derzeit, 2019, zwei Worte, die man als Nebelbomben zünden kann. Das eine lautet „Bauhaus“ – alle brennen dafür, ohne wirklich Ahnung zu haben. Das zweite ist „Digitalisierung“, auch hier fangen alle an zu brennen – mit noch weniger Ahnung. Wir haben coole Tools, ohne Frage. Gute Köpfe machen sich seit Jahren Gedanken darüber, wie wir es schaffen, den Anschluss an die bereits erfolgte industrielle Digitalisierung (beispielsweise in China, Rumänien, Russland, USA) nicht zu verpassen. Was ist mit 5G? Aber letztlich scheitert es an der Infrastruktur. Zu langsame WLANs in den Schulen. Die Abwesenheit von IWBs. Zielgruppen, die gar nicht bereit sind, ihre (herrlich) analoge Welt zu verlassen oder aber deutlich IT-fitter sind als ich als Lehrer. Aber ich glaube, es handelt sich lediglich um ein sich selbst bewältigendes Generationenproblem.

Malta macht einem heute die Abreise schwer. 24°C, keine Wolke am Himmel, kein Wind – gleichzeitig aber hoher Wellengang.

Selbst auf dem Flughafen wuseln Tonnen kleiner Blizzards durch den Untergrund. Und die Leute haben Humor – das alles werde ich vermissen.

So jetzt ist aber wirklich Abschluss: Vielen Dank nach Kiel und Wedel (und natürlich nach Brüssel) für das Ermöglichen. „Erasmus+“ war und ist ein Erlebnis und eine Bereicherung. Also nochmals: Habt Dank!

Migrants‘ course: Let’s use ICT in teaching & learning of Newly-Arrived Migrants, Helsinki

von I. G. L.

Tag 1:  Samstag

Helsinki ist für uns Norddeutsche nur ein Sprung über die Ostsee entfernt. Es gibt die Fähre ab Travemünde, ab 03.00 Uhr!!!, oder den Flieger. Ich habe mich für Letzteres entschieden und habe u .a. die Ostsee von oben genossen. Die Landschaft sieht wie im Miniaturwunderland aus.

Dank der praktischen Tipps von Seiten des Veranstalters dieses Kurses konnte ich mich am Flughafen sehr gut zurechtfinden und fand auch sogleich die Fahrkartenautomaten. Uns Teilnehmern wurde empfohlen, ein 7-Tageticket für den Großbereich Helsinki zu lösen, da wir doch recht viel unterwegs wären. Kleiner Tipp für den HVV: Das Tagesticket gilt für 24 Stunden ab Antritt.

In der Vorbereitung zu diesem Kurs wurde eine WhatsApp-Gruppe gebildet, die von Tag zu Tag größer wurde. Außer mir ist eine weitere Deutsche mit von der Partie und wie sich herausstellte, war sie mir gar nicht unbekannt. Denn auch N. durfte bereits mit dem 1. Erasmus+-Programm verreisen und hatte im Blog über ihren Antibes-Aufenthalt geschrieben. Ihr Foto kam mir doch sehr bekannt vor. Wie klein die Welt ist. N. kam kurz nach mir in Helsinki an und so machten wir uns gemeinsam zu unserer Herberge auf, denn, welch Zufall, wir logierten im selben Hostel. Dort trafen wir auf ein weiteres Mitglied unseres Kurses, José aus der Nähe von Toledo.

Gemeinsam unternahmen wir unsere erste Sightseeingtour nach Downtown-Helsinki. Wir wohnten keine 5 Minuten von der S-Bahnhaltestelle Hiekkaharju entfernt und konnten so ganz bequem in die Stadt fahren. Hiekkaharju hat noch einen zweiten Namen, Sandkulla, was für deutsche Zungen sehr viel einfacher auszusprechen ist. Später erfuhren wir, dass der erste Namen Finnisch ist und der zweite Schwedisch. Auch bei den Straßenschildern stehen immer zwei Namen, ganz schön praktisch oder verwirrend.

Helsinki ist ziemlich überschaubar und relativ gut zu Fuß zu erkunden. Nach einem kleinen Rundgang bis zum Dom, über den Senatsplatz und einem Schaufensterbummel ging‘s zurück ins 20rooms in der Hoffnung auf eine ruhige Nacht.

Tag 2: Sonntag

Als erster vorgesehener Programmpunkt unseres Kurses war eine zweistündige Stadttour mit allen Kursteilnehmern geplant. Aber bis 14.00 Uhr wollte ich dann doch nicht warten und machte mich mit meiner deutschen Kollegin früher auf den Weg. Da wir davon ausgehen konnten, dass die Tour zu Fuß sein würde, wollten wir heute mal den ÖPNV ausprobieren. Mit dem Ticket kann man alle verschiedenen Transportmittel nutzen: S-Bahn, Tram, Bus, Metro und die Fähren zu den vorgelagerten Inseln. Die Trams fahren bis zu ihrer angezeigten Endhaltestelle, wechseln dort ihre Nummer und fahren dann auf einer anderen Linie weiter. So kann man relativ viel von der Stadt sehen, unterwegs mal aussteigen und an einer anderen Station wieder einsteigen. Alle Linien fahren irgendwann am Hauptbahnhof vorbei, so dass man nicht verloren gehen kann.

Pünktlich zum vereinbarten Zeitpunkt fanden sich fast alle Gruppenmitglieder vor dem Hauptbahnhof ein. Die Gruppe beteht aus 21 Griechen, 5 Italienerinnen, 1 Spanier, 2 Schwedinnen, 1 Slowakin und 2 Deutschen. Mit drei „Trainern“ von Euneos ging es dann zu einigen Top-Sehenswürdigkeiten und auch zu Kleinoden, die man als normaler Tourist gar nicht sehen würde. Da Finnland und ganz besonders Helsinki für modernes Design bekannt sind, wurde bei dieser Tour auch das Augenmerk auf die Architektur und das Design der unterschiedlichen Viertel gelegt. Die zweisprachigen Straßennamenschilder, von denen einige mit einem weiteren Schild, das ein Tier darstellt, ergänzt wurden, Erker und Friese an den Fassaden, unterschiedlich gestaltete Haustüren, kunstvoll verzierte Decken von Hauseingängen u.v.m. war zu sehen.

Leider konnte keiner der drei „Trainer“ uns erklären, was es mit dem Tierzeichen auf sich hat, sie zieren seit zwei Monaten die Hauswand und ergänzen den Straßennamen, auf Wunsch der Hausbesitzer.

Da Gehen ermüdend war, insbesondere auf Kopfsteinpflaster und dann auch noch bergauf und -ab, waren alle Tourteilnehmer froh, als es dann zur Tramhaltestelle ging, um zum „Old Skiffer“ zu fahren, wo traditionelle finnische Pizza angeboten wurde. Es tat richtig gut, sich im Warmen niederzulassen, denn der Wind, selbst bei strahlendem Sonnenschein, war doch ziemlich kalt und pfiff durch die Straßen.

Soignon Pizza mit Ziegenkäse, Erdbeeren, Ruccola und Pinienkernen – der Renner im „Old Skiffer“.

Morgen treffen wir uns alle in der Berufsschule zum ersten Kurstag. Wir sind sehr gespannt.

Tag 3: Montag

Der Kurs „Migrants’ course: Let’s use ICT in teaching & learning of Newly-Arrived Migrants“ findet in der nahgelegenen Berufsfachschule statt.

Die Berufsschule der Stadt Vantaa hat 5 Standorte, beschult insgesamt 4000 Schüler mit 260 Lehrern. Es gehen sowohl finnische als auch ausländische Schüler jeglichen Alters hierhin. Nach einer kurzen Begrüßung wurde uns das finnische Schulsystem vorgestellt.

Eigentlich unterscheidet es sich nicht so sehr von unserem deutschen Schulsystem, dennoch gibt es einiges Bemerkenswertes: Schulpflicht gibt es nur von 7-16 Jahren, dann haben alle die Sekundarstufe II abgeschlossen. Wer will, kann selbstverständlich weiter zur Schule gehen, um das Abitur zu machen und um zu studieren,  muss aber nicht. Wer eine Ausbildung im Handwerk macht, geht nur an 1-2 Tagen pro Monat zur Berufsschule und bekommt das gleiche Gehalt wie ein Ausgelernter. Für Abiturienten gibt es keinen NC, dafür allerdings Aufnahmetests und Interviews an den Universitäten. Ungefähr 15-20% schaffen es dann an die Unis.
In Finnland gibt es ein landesweites Curriculum, was natürlich zu vergleichbaren Standards und viel Transparenz führt.
Der Erfolg des finnischen Schulsystems liegt darin, dass es für alle gleich ist. Jeder wird da abgeholt, wo er ist, und gemeinsam wird dafür gesorgt, dass man das Ziel erreicht. Dies funktioniert natürlich nur, weil alle drei Komponenten, Schule, Eltern und Schüler,  zusammenarbeiten. Der Leistungsstand der Schüler ist ziemlich hoch, es gibt nur wenige, die Unterstützung bedürfen, die sie dann in separaten Unterrichtsstunden erhalten.

An der Vocational School Vantaa werden Finnen und auch Migranten unterrichtet. Doch bevor diese in den Vorbereitungsklassen (Berufsintegrationsklassen) beschult werden, dauert es oft bis zu 5 Jahren, bis sie in ein Integrationsprogramm aufgenommen werden. Sie leben in einer Erstaufnahmeeinrichtung, werden auf niedrigem Niveau beschult und alphabetisiert, dürfen z. T. sogar arbeiten, um Fuß zu fassen. Mit dem Erreichen eines A1-Niveaus können sie in der Berufsschule aufgenommen werden. Ihre Finnischkenntnisse liegen weit unter B1-Niveau. Sie erhalten 30 UE pro Woche, davon entfallen 12 UE auf den reinen Sprachunterricht, die anderen 18 UE sind Berufsschule auf Finnisch in einem Berufsfeld, das sie auf ihre zukünftige Arbeit vorbereitet bzw. aus dem sie in ihrem Heimatland kommen. Die Beschulung mit 30 UE pro Woche dauert ein Jahr und schließt mit einer B1-Prüfung ab. Aber es werden nicht nur die Sprachkenntnisse geprüft, sondern auch wie ihre Entwicklung im Berufsschulbereich und in ihrem sozialen Umfeld ist. Sollten sie im sprachlichen Bereich ein gutes A2-Niveau erreicht haben, bei den anderen Beurteilungen B1, können sie in die Regelklassen der Berufsschule integriert werden.

In diesen Vorbereitungsklassen haben die Migranten zunächst 2 Monate Unterricht und gehen dann für 4 Wochen in einen Betrieb, wie z. B. einen Kindergarten, ein Krankenhaus, eine Werkstatt. Dort beobachten sie alles und dokumentieren dies mit Fotos auf ihren Smartphones. Zurück in der Schule stellen sie mit dem Programm PicCollage Collagen mit ihren Fotos zusammen und beschriften diese. Durch das Beschriften lernen sie das Benennen der dokumentierten Handlung.

Und dieses Programm PicCollage, als  App bei Google Play Store kostenlos runterzuladen, haben wir als erstes kennengelernt. Bis zum Ende dieser Woche sollen wir alles mit unseren Smartphones fotografieren, was uns auffällt. Und so wird jeder seine ganz persönliche PicCollage erstellen, die dann in der Google+-Gruppe unseres Kurses zusammengeführt werden.

Einen kleinen ersten Eindruck habe ich schon mal zusammengestellt:

 

Tag 4: Dienstag

Heute ging es schon ganz selbstverständlich zur Schule, kein Navi, kein Plan, wir fanden den Weg ganz von alleine. Der Weg zum Klassenzimmer war auch wie zu Schulzeiten. Und plötzlich sind wir wieder Schüler. Es ist doch erstaunlich, dass Verhaltensmuster aus der eigenen, so lange zurückliegenden Schulzeit, plötzlich wieder aufploppen.

Wir mussten bereits online eine kleine Evaluation des ersten Tages abgeben. Ein paar Kritikpunkte, die wohl von mehreren TN kamen, wurden diskutiert und es wurde sich bemüht, an ihnen zu arbeiten. Die Gruppe ist definitiv zu groß, um gemeinsam ein Programm kennenzulernen und auszuprobieren. Gerade für heute, wo wir mit H5P arbeiten sollen und verschiedene Möglichkeiten erproben wollen, ist es doch sehr viel besser, in zwei Gruppen aufgeteilt zu sein.

H5P ist ein Programm, mit dem man viele Möglichkeiten hat, für seine Schüler verschiedenste Aufgaben zu kreieren. Es wurden zwei besonders hervorgehoben, weil beide Trainerinnen auch am liebsten damit arbeiten: Drag and Drop und Video. Es wurde in zwei Gruppen gearbeitet, was wirklich eine Erleichterung war. So waren alle konzentriert bei der Sache und hatten jeweils eine Aufgabe für ihren Bereich kreiert. Am letzten Tag werden alle Ergebnisse in die Google+-Gruppe gesetzt und wir haben dann darauf Zugriff.

Bei so einer internationalen Gruppe fällt erst bei der Arbeit auf, dass die Windows-Oberfläche ja auch in der jeweiligen Landessprache (Griechisch, Spanisch, Italienisch etc.) ist. Nun soll man eine finnische URL, die mehrere „ä“s hat, mit einer griechischen Tastatur schreiben! Auch bei den Italienern und dem Spanier war es nicht so leicht, aber wir wussten uns zu helfen.

Überhaupt war die finnische Sprache so ganz anders als alles, was wir in unserem Alltag zu hören bekommen. Im Schriftbild sorgen Verdopplungen und gar Verdreifachung von Konsonanten, als auch Vokalen, das Anhängen von „i“ oder „y“ oder ganzen Silben zu sehr langen Wörtern, die uns unaussprechbar vorkommen. In der finnischen Sprache gibt es keine Verhältniswörter, dafür werden Endungen angehängt. Damit die Lernenden lange Wörter richtig verstehen oder nachvollziehen können, müssen sie sie erst in ihre Einzelteile zerlegen. Hut ab vor jedem, der diese Sprache lernt. Dafür gibt es in der Grammatik keine Geschlechter und Artikel. Das hat auch einen Vorteil.

Tag 5: Mittwoch

Am heutigen Mittwoch haben wir die Berufsschule Vantaa Aviapolis besucht. Dort sind die Bereiche Flugzeugtechnik, Logistik, Transport ÖVPN (Busfahrer) und Automechatronik untergebracht. Hier kann man z. B. sein Auto in die Werkstatt bringen, um es reparieren zu lassen. Die Berufsschüler haben dann mit „echten Fällen“ zu tun und der Kunde bezahlt weniger als in einer herkömmlichen Werkstatt. Eine win-win-Situation. Drolligerweise wollte der Abteilungsleiter für Automechatronik, der uns geführt hatte, sein eigenes Auto nicht unbedingt dort in die Werkstatt geben.

Einige Lehrer stellten ihre Digi-Tools vor und was sie in ihren Migrantenklassen damit umgesetzt haben. Z. B. war ein Blog mit WordPress erstellt worden. Die TN sollten mit einer Digikamera ihre wichtigsten Eindrücke und Orte in Helsinki fotografisch festhalten und kommentieren.

Dann haben wir selbst weitere Digi Tools kennengelernt: Wir begannen mit Camera Pen Learning.

Dazu wurden wir in Gruppen eingeteilt und erhielten diverse Fotokarten von Picture This. Jedes Gruppenmitglied sollte ein Motiv wählen und erklären, warum er gerade dieses ausgewählt hatte und wie er es im Zusammenhang mit dieser Woche sieht. Dann musste sich auf einen Gruppennamen geeinigt werden. Anschließend erhielten wir die Aufgabe mit unseren Smartphones ein kleines Video zu drehen, nicht länger als 15 – 30 Sekunden. Das Thema für das Video konnten wir uns aus einer vorgegebenen Liste aussuchen:

Schnell wurde in der Gruppe klar, dass entweder „Love of learning“ oder „Curiosity“ das Thema sein sollte. Und da wir gerade eine kleine Tüte mit Kakao-Datteln auf dem Tisch stehen hatten, war die Entscheidung gefallen – „Curiosity“. Nach dem „Drehen“ wurde das Video den anderen Gruppen gezeigt und diese sollten das Thema erraten, was auch immer gelang. Dies war eine nette kleine Aufgabe, die ich bestimmt mal im Unterricht einfließen lassen werde. Jeder der Teilnehmer hat ein Smartphone und Themen gibt es reichlich, die man für diese Übung nehmen kann.

Nach der Mittagspause ging es weiter mit Seppo, einem Onlinespiel, um Lernspiele zu kreieren. Unsere Trainer haben extra für uns ein Spiel kreiert, in welchem wir verschiedene andere Tools kennenlernen sollten, wie FlashCards, Video and Photos, Padlet, AR (Augmented Reality), Animaker, QR-Codes2, Simulators, HTC Vine und 360 Pics, VR (Virtuell Reality) und interactive pictures. Um dem Ganzen einen Wettbewerbscharakter zugeben, war das Spiel auf eine Stunde terminiert. Und natürlich lief nicht alles so, wie es sollte. Plötzlich war das Internet verschwunden oder man hatte das erzielte Zwischenergebnis nicht gespeichert und gesendet, also waren die erzielten Punkte verloren und man musste sich erneut einloggen. Dies klappte dann wiederum auch nicht, weil man sich nicht mehr an die genaue Schreibweise des Gruppennamens erinnerte – also wie im richtigen Leben. Dennoch hat es viel Spaß gemacht und man konnte in einige Tools hineinschnuppern.

Morgen geht es weiter, ich bin sehr gespannt.

Tag 6: Donnerstag

Zum Einstieg in einen weiteren arbeitsreichen Tag wurde uns zunächst das finnische Curriculum vorgestellt. 2014 wurden vom FNBE = Finnish National Board of Education die Richtlinien für ein neues Curriculum erstellt und allen Schulen verbindlich mitgeteilt. Zwei Jahre lang hatten die Lehrer Zeit, an einem für ihre Schule neuen Programm zu arbeiten, das für die nächsten 10 Jahre gültig sein wird. Eine Evaluation findet auch innerhalb der Schule statt.

„We can’t change our students, but we can change our teaching.“

Dieser Satz wurde immer wieder wiederholt, die Lehrer an dieser Berufsschule legen viel Wert darauf, dass dieser Satz beherzigt wird.

Dann lernten wir eine Grundschullehrerin kennen, die ab dem 1. Schultag Digi-Tools in ihrem Unterricht einsetzt. Sie stellte sie uns der Reihe nach vor, einige davon hatten wir bereits am Mittwoch beim Seppo-Spiel kennengelernt.
Gerade im Grundschulbereich oder wenn man Kindergruppen unterrichtet, kann man gut mit classdojo, storybird, bookcreator.com oder powtoon arbeiten.

Diese Tools waren für den größten Teil der Gruppe interessant, da Kollegen von Allgemeinbildenden Schulen an diesem Kurs teilnahmen. Nur die andere deutsche TNin kam von der Uni, wo sie Projekte, ähnlich dem Studienkolleg, organisiert. Ich war die einzige TNin von einer vhs.

Am Nachmittag ging es dann los mit Kahoot!. Um uns einzustimmen, waren wir selber Quizteilnehmer, was allen viel Spaß machte. Wir probierten zunächst ein Quiz und dann ein Jumble. Anschließend sollten wir selber ein Kahoot! erstellen – und mit unseren Kollegen ausprobieren. Super.

Dieses Tool werde ich auf jeden Fall in meinen Unterricht integrieren. Es eignet sich wunderbar als Einstieg/Warming up, Zusammenfassung oder auch als eine andere Art Test bzw. Testvorbereitung im Orientierungskurs. Der Phantasie sind dabei keinerlei Grenzen gesetzt. Es gibt auch viele Kahoot!s, auf die man zurückgreifen kann, doch Vorsicht ist geboten, es kann immer mal ein Fehler darin vorkommen. Man selber sollte sein eigenes Kahoot! auch gut prüfen, bevor man es in die Community stellte.

Da meine Kursteilnehmer im Integrationskurs sehr gerne spielen und gewinnen wollen, wird Kahoot! garantiert der Renner werden.

Tag 7: Freitag

Ich kann es fast gar nicht glauben: Heute ist unser letzter Schulungstag.

Wir wurden in zwei Gruppen eingeteilt, um unsere Präsentationen vorzubereiten. D. h. wir zeigten den anderen Kursteilnehmern die von uns kreierten Digi-Tools auf unserem interaktiven Bild und ließen sie natürlich dabei die Aufgaben lösen. Schnell entstand ein interessiertes Frage- und Antwort-Spiel. Warum hast du gerade dieses Motiv gewählt und warum dieses Icon? Wieso meinst du, dass dieses Video gut zu dieser Aufgabe passt?

Das Schöne an dieser gegenseitigen Präsentation war, dass wir auch mit den Kurskollegen etwas mehr ins Gespräch kamen, die nicht an unserem Gruppentisch mitgearbeitet haben, und so lernte man dann doch noch etwas mehr über den Gesprächspartner.

Kein Kurs ohne Feedback. Dazu wurden die Gruppen wieder neu gemischt und man sollte innerhalb dieser Gruppe sich zu drei Fragen austauschen und evtl. einen gemeinsamen Nenner finden.

  1. Ideas on how you will apply digimethods introduced this week to your own work.
  2. What can you do to promote digital learning and tools in your workplace?
  3. What were the inspirational moments for you in this week?

So unterschiedlich wir doch alle waren, bei der Beantwortung der Fragen und dem für die Trainer so wichtigen Feedback gab es einen einhelligen Grundtenor.
Alle wollen mit Kahoot!, FlashCards und H5P arbeiten, denn Übungen mit diesen Tools lassen sich relativ einfach erstellen, bringen  Abwechslung in den Unterricht  und informieren über den Leistungsstand.
Wir können diese Digi-Tools zu Hause unseren Kollegen zeigen und mit ihnen selbst mal üben/spielen.
Die großen Aha-Momente für jeden von uns waren, „when the digi tools really worked as hoped.“

Und dann kam der große Aha-Moment des Freitags. Ein Mitarbeiter von unserem Veranstalter war gekommen und überreichte uns unter großem Applaus die Zertifikate.  Und damit war der Digi-Kurs dann leider vorbei.

Ich bin als digitales Greenhorn nach Helsinki gekommen und hatte keinerlei Ahnung, was auf mich zukommt. Bisher hatte ich noch keine digitalen Übungen im Unterricht eingeführt. Natürlich liegt das daran, dass ich all diese Plattformen gar nicht kannte, aber auch daran, dass wir an der vhs nicht jeden Kursteilnehmer eines Integrationskurses mit einem Tablet/Laptop ausstatten können bzw.  unsere Kursteilnehmer solch ein Gerät in der Regel nicht besitzen. Sie sind zwar ziemlich fit in der Handhabung ihres Smartphones, aber nur mit solch einem Endgerät zu arbeiten, erscheint mir nicht so sinnvoll. Nichtsdestotrotz wollte ich die verschiedenen Lernplattformen, die das Internet anbietet, kennenlernen.
Im Gegensatz zu Deutschland verfügen die Schulen in Finnland über so viel finanzielle Unterstützung, dass jeder Schüler mit einem Chromebook ausgestattet werden kann und für  keinerlei Lehrmittel bezahlen muss. Die Infrastruktur für schnelles Internet ist im ganzen Schulgebäude optimal (nur ausgesprochen selten kommt es zu kleinen Ausfällen). Und es gibt noch einen weiteren Grund, warum die Lehrer mit den verschiedenen Lehr- und Lernplattformen arbeiten: Für das Erlernen der finnischen Sprache gibt es laut Aussage unserer beiden Trainerinnen nur zwei Lehrwerke und kein weiteres Zusatzmaterial, das von den Verlagen zum Downloaden angeboten wird.
Da sind wir in Deutschland echt im Vorteil. Wie viele Übungen gibt es bei uns, die parallel zu den Büchern im Internet zur Verfügung stehen! Lückentexte, Zuordnungsaufgaben, Audioübungen und Videosequenzen, die mit kleinen Stopps versehen sind, hinter denen sich dann die Aufgaben befinden. Da kann man doch von einem wahren El Dorado bei uns sprechen. Dafür sind die finnischen Lehrer echt fit im Umgang mit all diesen Tools.
Aber nun habe auch ich  gelernt, eine Drag & Drop-Übung, ein interaktives Video, ein Quiz oder ein Jumble (gut für Rechtschreibübungen) zu erstellen. Und ich sitze nicht mehr hilflos vor meinem Computer und frage mich, wie ich das denn bloß hinkriege.

Zum Schluss möchte ich noch das Endergebnis unseres Lernens zeigen. Auf dem ersten Foto sehen wir das Gruppen-ThingLink mit den verschiedenen Icons der Kursteilnehmer. Uns Mitgliedern des virtuellen Klassenzimmers ist es möglich, bei einem Klick auf das entsprechende Icon das interaktive Bild des Kollegen zu öffnen. Dort wiederum kann man durch Klicken auf Icons die einzelnen Übungen/Aufgaben ansehen.

Und hier ist mein interaktives Bild.

Ich habe viel gelernt, habe neue Erfahrungen gemacht und tolle Menschen getroffen.

Tag 8: Samstag

Wie am ersten Tag gab es heute auch noch mal einen kleinen kulturellen Exkurs von Seiten des Veranstalters. Und wieder zum Thema Design.

Mit der Metro ging es zur neuen Aalto-Universität, wo wir die Bibliothek besichtigen konnten. Diese Universität, benannt nach ihrem Architekten Alvar Aalto, liegt im Vorort Espoo und ist ein Zusammenschluss der Technischen Universität Helsinki, der Handelshochschule Helsinki und der Kunsthochschule Helsinki.
Die Bibliothek, das Harald Herlin Learning Centre, wurde 2015 nach den Wünschen der Mitarbeiter und der Studierenden renoviert und nach einem der größten Geldgeber benannt.
Nach einem netten kleinen Empfang im Foyer führte man uns durch die Lesesäle mit den dazu gehörenden Arbeitsplätzen und Nischen.  Im Bestand sind ca. 300.000 Printmedien und 400.0000 Bücher in digitaler Form. Viele Arbeitsplätze haben einen integrierten PC.

Nach ca. 1 ½ Stunden war die kleine Führung beendet und damit auch das Programm von Euneos.

Da ich noch etwas Zeit hatte, bin ich in die Stadt zurückgefahren und habe mir die alte Nationalbibliothek angesehen. Das war architektonisch das komplette Kontrastprogramm: altehrwürdige Mauern, von Carl Ludwig Engel 1840-1846 erbaut, wunderschöne Säulen, Deckengemälde und eine atemberaubende Rotunde.

Damit ist meine interessante Helsinkiwoche viel zu schnell zu Ende gegangen.
Ich bin sehr dankbar dafür, dass ich an diesem Programm teilnehmen durfte und Neues entdecken konnte.