Malta: Boost your ICT Skills (4)

Boost your ICT Skills: Technology for the classroom – 1 Woche auf Malta

von M.P.

MONTAG: 01.04.2019

Um das Fazit des ersten Tages vorwegzunehmen: Gemessen an dem, was „da draußen“ möglich ist oder möglich zu sein scheint, bin ich eine digitale Analphabetin. Als solche hätte ich mich nie eingeordnet, nutze ich doch mein iPad, mein Smartphone, E-Mail, WhatsApp oder Wikipedia. Dingen wie Facebook, Instagram etc., wo man Dinge posten, teilen oder kommentieren kann, stehe ich jedoch mit Skepsis gegenüber bzw. sehe keinen persönlichen und bislang auch keinen beruflichen Nutzen darin. Ob sich das am Ende des Kurses ändern wird?

So ging es heute los:

Als unser rasend schnell sprechender Kursleiter Mario nach einer sehr kurzen Abfrage, was wir denn beruflich machen würden, uns gleich aufforderte, über unseren Gmail-Account Google Drive zu öffnen, damit er mit uns das Kursprogramm teilen kann, ging es mir genauso, wie vermutlich vielen in unserer vhs Community von Kursleitern und Mitarbeitern. Ich wusste nicht, wie das geht. Dunkel hatte ich eine Ahnung, dass ich tatsächlich eine Gmail-Adresse hatte, aber wie lautete das Passwort? Auf welches Symbol muss ich klicken, damit das Richtige passiert? Kurz und gut. Ich war zunächst überfordert und damit beschäftigt, all das einzurichten. Währenddessen demonstrierte unser schnell sprechender Kursleiter Mario, wie er Google Drive und diverse Gmail-Accounts für berufliche Belange nutzt – als Trainer bei ETI, als Dozent an der Uni, um Texte von Studierenden zu korrigieren und diese könnten in Echtzeit sogar dabei zugucken …. Beeindruckend, sicherlich. Doch was ich im Laufe des Vortrags immer mitdachte, war das Thema „Datensicherheit“. Ein typisch deutscher Einwand? Oder die Frage: Um das zu können, muss die digitale Infrastruktur in unseren Unterrichtsräumen, bei unseren Kursteilnehmer*innen und Dozent*innen deutlich verändert werden. Wie geht das?

Für mich galt an diesem Vormittag jedenfalls: mitgefangen – mitgehangen. Will sagen: Alles, was Google zu bieten hat, habe ich jetzt auf meinem Rechner installiert, sonst könnte ich gleich packen und wieder nach Hause fliegen. Für die folgenden Tage habe ich mir vorgenommen, unvoreingenommen Mario’s Credo zu folgen: „There is nothing wrong with sharing on the internet – it is what you share!“

In die Pause gingen wir dann zwangsweise ein paar Minuten früher. Der Grund: totaler Stromausfall im gesamten Gebäude! Auf einmal war das Smartboard schwarz. Eine Steilvorlage für alle Skeptiker, die lieber Tafel und Kreide bevorzugen. Doch unser schnell sprechender Kursleiter Mario bewies, dass neben allen digitalen Möglichkeiten nach wie vor gilt: Digitale Tools unterstützen den Unterricht, machen das Lernen interessanter und können den Lehrer entlasten. Was sie nicht können ist, Unterrichtsinhalte gut vorzubereiten und zu improvisieren. Das kann nur der Lehrer. Mario konnte es.

Im zweiten Teil des Seminartages erfuhren wir etwas über die CLIL Methode (content language integrated learning) und Bloom’s Taxonomy. Ohne tiefer in die einzelnen Methoden eingestiegen zu sein, sind beide ein (weiterer?) Aufruf dafür, dass Lernen nicht nur das Aneignen von abfragbarem Wissen sein sollte, sondern vielmehr dieses Wissen anzuwenden und auf andere Bereiche zu übertragen.

Sogenannte „Webquests“ sind ein Beispiel, wie dies umgesetzt werden kann. Unsere Aufgabe ist es, einen Webquest bis zum Kursende zu erstellen, Unsere Gruppe besteht aus einer Chinesin, einer Estin und mit mir zwei Deutschen. Ich bin sehr gespannt, wie es morgen weitergeht.

DIENSTAG: 02.04.2019

Heute Morgen bin ich mit meinen zwei Mitbewohnerinnen aus Polen gemeinsam zur Schule gegangen. Vorbei an Vorgärten mit Zitronenbäumen und Pflanzen, die wir nur auf der Fensterbank haben oder aus dem Blumenladen kennen.

Das Wetter? Zu schlecht für die Jahreszeit so die Malteser, doch die Norddeutsche freut sich und ist den grauen Himmel mit Wind gewohnt. Weil es heute Nachmittag zum organisierten Ausflug nach Valletta gehen sollte, hat mir unsere Zimmerwirtin ein Regenschirm mitgegeben. Den braucht man auf Malta eher selten, wie sie meinte.

Im Klassenraum gab es heute ein Extra der unangenehmen Art: Den gesamten Vormittag wurden wir von Presslufthammerlärm begleitet. Ein Geräusch, das überall in den Straßen von St. Julian’s zu hören ist. Es wird gebaut, um weitere Touristen unterzubringen. Der Kontrast zur alten Bausubstanz ist mitunter erschreckend.

 

Im Kurs haben wir heute viel über Wikis erfahren. Als Einstieg diente ein Video auf YouTube:

https://m.youtube.com/watch?v=-dnL00TdmLY

Dann ging es gleich an die praktische Umsetzung des Gesehenen. Wir erstellten ein eigenes Wiki und übten, Fotos, Texte und Videos einzubinden, und zwar so einzubinden, dass auch dem Copyright Rechnung getragen wurde. Der zwischenzeitlich langsamer sprechende Kursleiter Mario beherrscht das aus dem Effeff und ermutigte uns, dass es bei jedem neuen Wiki leichter wird, sich daran zu erinnern, welcher Button aktiviert werden muss. „It is all about linking!“, so sein heutiges Credo.

Bis zur Mittagspause arbeiteten wir an unserem Webquest-Projekt. Es ist manchmal nicht leicht, sich in einer multinationalen Gruppe mit unterschiedlichen Sprachniveaus auf ein Thema zu einigen. Aber wir haben fleißig unsere Ideen in unser „shared file“ niedergeschrieben. Ich bin gespannt, was daraus am Ende entsteht.

Am Nachmittag präsentierte uns Mario die Online-Ressource tes.com. Die wird mitunter hilfreich sein, wenn wir unsere Webquest-Aufgabe weiter gestalten.

Eine gute Abwechslung war der nachmittägliche, von ETI organisierte Ausflug nach Valletta mit Führung durch einen anderen Mario, der uns sagte, dass viele Malteser einen bzw. diesen italienischen Vornamen haben. In gut zwei Stunden haben wir dann die wichtigsten Sehenswürdigkeiten gezeigt und kommentiert bekommen, insbesondere beim neuen, modernen Parlamentsgebäude hielt Mario II nicht mit Kritik zurück. Insbesondere der Blick von den „Lower Barracca Gardens“ auf den Hafen war beeindruckend.

Leider hatten wir keine Zeit mehr, auf eigene Faust die Stadt und vor allem die Seitenstraßen zu erkunden. Auch für St. John’s Co-Cathedral mit dem berühmten Fußboden und dem Caravaggio-Gemälde blieb heute keine Zeit. Es ging mit dem Bus zurück nach St. Julian’s bzw. Pembroke, wo meine Wirtin schon die Lasagne zubereitet hatte.

 

MITTWOCH: 03.04.2019

Blauer Himmel, Sonnenschein! Sofort sieht der Kursort St. Julian’s nicht mehr ganz so aus, als wäre er noch im Winterschlaf.

Wieder gehe ich gemeinsam mit den beiden Kolleginnen aus Polen zu ETI. Da sie auf Malta Englisch lernen sollen, betreiben wir fleißig Kommunikation. „Do you have a pet at home?“ – „Yes, I have two budgies.“

In meinem Kurs nehmen wir uns heute das IWB vor … das interaktive Whiteboard. Mario, an dessen Sprachstil und -duktus wir uns mittlerweile gewöhnt haben, führt uns vor, wie und wozu er die Möglichkeiten, die ein IWB bietet, nutzt. Dabei geht es für ihn nicht darum, diese Technik nur der Technik wegen zu verwenden. Wenn ein Unterrichtsentwurf mit Tafel & Kreide funktioniere und gelinge, brauche man dies nicht auf IWB umstellen. Eine sympathische Einstellung. Wenn aber das IWB Dinge erlaube, durch die die Lerner neue Chancen haben, das Gelernte anzuwenden, dann sei das IWB das, was das SAMR-Modell vorsieht: Substitution (… der Tafel). – Augmentation – Modification – Redefinition. Einfacher auch daran erklärt, was aus einer Kaffeebohne alles entstehen kann.

Was folgte war ein Feuerwerk an Ideen – manche, wie ich finde, auch einem DaZ-Integrationskurs umzusetzen, manche zu sehr aus einer anglophonen Lernwelt stammend.

Skype! Vielleicht ein Interview mit dem Oberbürgermeister von XY im Orientierungskurs?

In der Pause habe ich mir einen Laptop der Schule ausgeliehen. Ich konnte nur mein iPad mitnehmen, das bislang gute Dienste geleistet hat, aber bei allen Dingen, die es mit der rechten Maustaste zu tun gilt, an seine Grenzen kommt. Der Rest des Unterrichtstages galt der Plattform „Kahoot!“. Wir spielten ein Malta-Quiz und es war erstaunlich, wie viel Spaß man beim Lernen haben kann. Denn gelernt haben wir etwas, vor allem durch unsere falschen Antworten, denn so konnte uns Mario schnell auf Englisch und mit einem eben mal auf Google gesuchten Bild erläutern, was die richtige Lösung ist. Alles am IWB im WLAN – die Welt im Klassenzimmer.

Dann war es an uns, selbst neue „Kahoots!“ zu entwerfen. Wieder hieß es zunächst „Sign up with Google“ und schon stand einem die Welt von YouTube & Co. offen. Mein Quiz zu „Flensburg“ bestand aus drei Fragen, die meine Kurskollegin aus China, die gerade in Chemnitz studiert, prima beantworten konnte. Und mit diesem tollen Ergebnis wurden wir in die Freizeit entlassen. Die wir nutzten, um in einem deutsch-schweizerischen Exkursionsteam mit der Fähre von Sliema nach Valletta und von dort wieder mit der Fähre nach Birgu zu fahren. Dort war gestern eine der vielen, vielen Yachten explodiert und gesunken. Die Rauchsäule hatten wir gesehen. Heute präsentierte sich die Stadt, die vor Valletta, der Sitz der Knights of St. John war, wieder friedlich und idyllisch.

 

DONNERSTAG: 04.04.2019

Heute weht mich eine steife Brise vom Mittelmeer zu ETI in die Paceville Avenue. Ebenso frisch startet Mario unsere heutige Lektion: „Using pictures“ – Bilder können in vielerlei Hinsicht den Unterricht bereichern: die Lerner neugierig auf etwas machen, sie auf etwas einstimmen, eine Informationsquelle bieten usw. Ein großartiges Tool, um visuell zu arbeiten ist canva.com. Das, was in kurzer Zeit entsteht, kann man schon als Graphikdesign bezeichnen. Unsere Münder stehen offen, wie einfach es ist – zum Beispiel – einen professionell aussehenden Buchumschlag zu gestalten – oder eine Visitenkarte oder eine Infografik für die Lerngruppe oder ein Tortendiagramm, oder, oder ….

Wer viele Bilder speichern will oder muss, ist bei Google Drive schnell hinsichtlich der kostenlosen Gigabytes am Limit und wird zur Kasse gebeten. Eine Alternative: imgur.com

Im schnellen Tempo ging es weiter und Mario präsentierte uns „WordArt“ bzw. WordClouds. Einmal gezeigt, konnten wir dank der einfachen Menüführung schnell unsere eigenen Wortwolken basteln – die man, nicht nur für die Wortschatzarbeit nutzen kann. Entstanden aus der Idee, Texte statistisch auszuwerten, kann man in WordCloud Texte importieren und erhält eine Info, welche Worte am häufigsten vorkommen. Als Vorbereitung fürs Leseverstehen perfekt. WordClouds haben nicht nur ein unglaubliches kreatives Potential (ab jetzt werden Wandtattoos selbst gemacht), sie sind definitiv für Kursleiter und Teilnehmer schnell zu nutzen. Eine Aufgabe im Orientierungskurs könnte sein: Was ist für euch Deutschland? Die Worte sind schnell eingegeben, bewertet, in eine Form gebracht, ggf. mit einem Bild hinterlegt und schon eindrucksvoll zu präsentieren.

Unsere nächste Lerneinheit beschäftigte sich mit Arbeitsblättern, die man einfach und auf die

Lernergruppe abgestimmt erstellen, ausdrucken, teilen, verlinken .. kann. In Windeseile habe ich ein Kreuzworträtsel „Olympische Städte“ für unser Webquest selben Themas erstellt.

 

Fundstellen für „DIY Printables“ sind:

Puzzlemaker.com

Wordmint.com

Classtools.net

Jigsaw.org

.. und wahrscheinlich noch viele mehr. Noch ein Tipp von Mario: Sobald das Arbeitsblatt erstellt ist, nicht einfach nur auf „Print“ gehen, sondern mit Hilfe eines Snipping-Tools das unausgefüllte Arbeitsblatt „snippen“, kopieren und speichern. Denn: Sobald man nur auf „print“ geht, ist die Datei gelöscht.

Die restliche Unterrichtszeit – die wie immer schnell vergangen ist – probierten wir einfach ganz viel selber aus. Langsam habe ich so viel Info zu Wegen, wie man Fotos, Texte, Grafik etc. teilen, einfügen, ausschneiden, anhängen usw. kann, dass ich gar nicht mehr weiß, wie ich von a) nach b) komme. In der Klasse helfen wir uns gegenseitig. Mario hält sich zurück, lächelt und … hat mit dieser Haltung recht, denn wir lernen tatsächlich am meisten, wenn wir selbst auf die Lösung kommen. Nichtsdestotrotz: Nach so einem geballten Unterrichtstag freute ich mich, nach Valletta fahren zu können, um dort meine Schwester mit ihrer Familie zu treffen, die just von Malta aus eine Kreuzfahrt startet. Viele, viele Kreuzfahrer starten von Malta und es ist sehr beeindruckend, wenn die dicken Pötte den Hafen verlassen. Den besten Blick auf das Auslaufen hat man von der Aussichtsterrasse „Upper Barracca Gardens“.

 

FREITAG: 05.04.2019

Um wie stets mit dem Wetter zu beginnen: Heute ist wohl der ungemütlichste Tag überhaupt. Nieselregen, Wind … und es soll die folgenden Tage so bleiben. Der Blick auf die heimischen Temperaturen versöhnt etwas: dort 7 Grad Celsius, hier wenigstens 16 Grad Celsius.

EVERYONE HAS A STORY! So steht es auf der ersten Seite der Slide-Show, die Mario für uns am letzten Kurstag vorbereitet hat. Die Theorie schüttelt er versiert und mit Überzeugung aus dem Ärmel. Storytelling heißt das Schlagwort auf Neudeutsch. Dahinter verbirgt sich die alte Wahrheit, dass sich die Menschen immer schon Geschichten erzählt bzw. den Erzählern zugehört haben und auf diese Weise lernten – insbesondere in Kulturen oder Zeiten, in denen es keine Schrift gab. Heute gibt es sowohl Schrift als auch das Internet und dort finden sich zahlreiche Tools, mit denen Kursleiter und Teilnehmer mit Hilfe von Geschichten (Sprache) lernen können.

Storybird.com – war bis vor Kurzem noch kostenlos erhältlich. Mittlerweile ist der Geschichtenvogel wohl so erfolgreich, dass die Entwickler noch ein Probeabo (free trial) gewähren, anschließend aber ein kostenpflichtiges Abo erforderlich ist.

Wir haben uns deshalb auf das Portal storyjumper.com konzentriert, was auch überzeugte. Man wählt eine Szene, Figuren, Textfelder und in kurzer Zeit ist so meine Geschichte von einem armen alten Kutter entstanden. Das fertige Produkt und die Arbeitsweise erinnert an die Erstellung eines Fotobuches.

Anspruchsvollere Storys, also Geschichten, die nicht linear erzählt werden, kann man mit twinery.org erstellen. Die Handhabung dieses Tools ist dementsprechend kniffliger, aber mit etwas Übung machbar. Man beginnt eine Geschichte (oder stellt eine Frage, nennt eine Tatsache etc) und programmiert dann so viele Antwortmöglichkeiten, wie man braucht. Selbstverständlich kann man auch hier wieder Bilder, Videos oder Audios einbetten. So sieht die Benutzeroberfläche mit dem Bauplan der Geschichte am Anfang aus.

Und schon war der letzte Programmpunkt der Woche erreicht: Wir präsentierten unsere Webquests. Da wir nur sechs Personen im Kurs waren, gab es nur zwei Präsentationen. Das polnische Team hat ein polnisches Webquest zum Thema „Der Teddybär in der Literatur“ erstellt. Unsere deutsch-estnisch-chinesische Koproduktion trug den Titel „Olympic Records through the Change of Time“.

Im Anschluss berichtete Mario noch über das EU-geförderte Projekt CooL (languages.dk), in das auch ETI involviert ist. Dazu gab es – nach fünf Kurstagen!! – das allererste Handout in Papierform. Die Idee ganz knapp zusammengefasst: Es soll ein Portal entstehen, wo sich alle Lehrenden in allen europäischen Sprachen austauschen können. Außerdem soll nichts Geringeres als ein europäisches Online-Wörterbuch entstehen.

Dann erhielten wir unsere Zertifikate, auf denen eindrucksvoll nachzulesen ist, mit wie vielen einzelnen Themen wir uns beschäftigt hatten. Offen gesagt: Die Fülle von Informationen, Webadressen, Tipps und Hinweisen muss ich zuhause in Ruhe nacharbeiten und einordnen. Nicht alles werde ich umsetzen können, aber mein persönliches Ziel, mit dem ich nach Malta gekommen bin, habe ich erreicht: Ich habe einen sehr umfassenden Einstieg in die Welt der digitalen Medien erhalten und freue mich darauf, ein „Best Of“ an Kursleitende und Kolleg*innen weiterzugeben.

Abgesehen von der fachlichen Bereicherung: Mit dieser Fortbildungsreise ist ein verbliebener weißer Flecken auf meiner europäischen Landkarte bunt geworden. Malte – Douze points. Malta – twelve points. Vielen, vielen Dank an Erasmus+!

 

 

 

 

Paris

von X. Z.

2. April 2018, Montag

Es lohnt sich immer, sich vor einer Reise zu informieren, um sich in der neuen Umgebung zurechtzukommen. Deshalb war mein Flug gestern nach Paris reibungslos und der Weg zur Wohnung, in der ich mich eine Woche aufhalte, auch unproblematisch. Mir gefällt allein die Idee schon besser, dass ich bei einer Pariserin Namens Regine (eine nette alleinlebende Tänzerin) eine Unterkunft habe, statt eines Hotels.

Es ist kein großer Stress, sich in einer Flughafen-Großstadt-Welt zu bewegen, da einiges ähnlich ist. Ich habe gemerkt, dass ich schnell meine Französisch-und Englisch-Kenntnisse aktiviert und genutzt habe, was sicherlich eine Basis für meinen Kursbesuch ist.

Viel von der Stadt habe ich noch nicht gesehen, aber mein Viertel sieht recht ordentlich aus.

Katarina ist unsere Trainerin für diese Woche und hat uns an der Metro Station abgeholt und uns den Weg zum Seminarort über begleitet.  Sie hat zeitnah 2 Kennenlernen-Runden gestartet, die sehr aktiv und interessant waren. Wir sollten uns im Kreis beim Stehen vorstellen, der Nachbar soll alles wiederholen. Das zweite Spiel war ein „teacher date“, das heißt, immer 2 Personen führen ein Gespräch für 5 Minuten und wechseln dann den Gesprächspartner mit 6 gegebenen Fragen oder Themen. Uns wurde damit gezeigt, wie wir Informationen in einer recht entspannten Atmosphäre bekommen und uns aktiv unterhalten. Die 2 Ideen werde ich auch in den Unterricht einführen und ausprobieren.

Die Gruppe der Lernenden ist recht multikulti. 4 Türkische Grundschullehrer, 3 italienische Lehrer, eine finnische Kollegin aus der Erwachsenbildung und ich. Wir nutzen eine gemeinsame Sprache nämlich Englisch.

Theorie gehört immer zum Unterricht. Das Ziel ist, uns klar zu machen, dass die Zeit die Dinge ändert und dass wir Digitalisierung richtig nutzen und verwenden sollen.

Dann haben wir die Zeit intensiv genutzt, um 2 Tools kennenzulernen und zu probieren. Klugerweise hat Katarina sich mit einer Präsentation vorgestellt. Es geht um sie persönlich und ihr Land Kroatien. Danach hat sie uns zum „Spielen“ eingeladen mit Internetzugang. Das Spiel heißt „Kahoot“. Es war ein Quiz über Paris und wir haben lebhaft gespielt und gelacht. Als Schüler praktisch haben wir zum ersten Mal die Gelegenheit gehabt Kahoot kennen zu lernen. Als Lehrer sollen wir demnächst Kahoot auch nutzen. Wir haben Schritt für Schritt gelernt, wie man selber ein Quiz erstellen kann und präsentieren kann. Es war gar nicht schwierig und ganz lustig.

Edmodo ist eine Plattform zwischen Lehrer und Schüler. Man kann Eltern auch dazu einladen. Um Papier oder E-Mails zu reduzieren oder vermeiden, ist es sinnvoll, Nachrichten, Informationen oder Hausaufgaben auf der Plattform mitzuteilen. Die Nutzung ist auch einfach. Es gibt sogar verschiedene Sprachmöglichkeiten. Unsere erste Aufgabe ist als Klasse edmodo zu nutzen, da wir die Präsentationen von Katarina für die ganze Woche auf dieser Plattform zugespielt bekommen. Man kann auch als Nutzer mehrere Klassen errichten und verschiedene Nachrichten hinterlassen. Wie ich als Lehrer dort meine Ressourcen zu teile, habe ich noch nicht rausgefunden, und verbliebt als meine heutige Hausaufgabe. Zuletzt haben wir einen kurzen Film gesehen, wie stark Südkorea in die Digitalisierung investiert hat und darauf Wert legt. Also ein Denkanstoß für uns, zumindest für heute.

3. April 2018, Dienstag

Einen Plus-Punkt bekommt Katarina dafür von mir, dass sie einen durchdachten und abwechslungsreichen Kurs gestaltet.

Durch einen „Eisbrecher“ hat sie uns in Gruppen geteilt. Sie nutzt die Rolle des Dramas. Wir können zuhause unseren Schülern auch Beispiele geben wie Sonne, Meer, Berge und Mond.  Jeder sucht für sich das passende aus und erklärt den Grund. Jeder darf ergänzen, fragen und argumentieren.

Eine Umfrage oder ein Selbsttest wurde in die Runde gestellt, wie intelligent wir sind. Wie können wir unsere Intelligenz wahrnehmen und erkennen und nutzen?

Die Antwort ist wie folgt:

Das aller wichtigste praktische Teil ist animoto. Mit dem Tool kann man Videos erstellen. Uns wurde detailliert und individuell gezeigt und geholfen, wie es geht. In der kurzen Zeit habe ich sogar mit vorhandenen Bildern auf dem Laptop einen kurzes, einfaches aber funktionierendes Video erstellt. Ein gutes Gefühl habe ich. Mit www.ed.ted.com kann ich wiederum einen Unterricht mit einem Video erstellen. Die Schritte sind auch einfach dargestellt.

Das nächste Thema, das richtig Zeit und aktive Nerven gekostet hat, war die Frage: wie sieht eine Traumschule in 10 Jahren aus? Wir haben in 3 Gruppen Bilder gemalt, natürlich mit eigener Interpretation. Sehr interessant war das. Eine Kollegin hat uns ihre Traumschule bei Youtube gezeigt, die fortgeschritten, intakt und vorhanden ist. Faszinierend. Bei Youtube soll man „super Quark“ eingeben.

Zuletzt haben wir uns eine lustiges altes Video mit dem Thema „Debatte“ angeschaut und danach selber eine Diskussion geführt. Eine Frage ist: was ist besser? Lehrer oder Google. Für und Gegen, pro und kontra. Die Punkte wurden ausgelistet und 2 Gruppen verteidigten die Meinungen. Am Ende haben wir die Zusammenfassung:

Nur Google reicht nicht aus zum Lehren oder Lernen, aber Lehrer ohne Google gehen nicht mit der Zeit, und das geht nicht.

Hier füge ich ein Bild dazu, das ich gestern beim Vorbeigehen gemacht habe. Das alte Gebäude steht meiner Wohnung gegenüber und vermittelt mir einen Eindruck, wie die Nacht an der Straße aussieht, ziemlich klassisch, immer noch traditionell und halt ein Stück Großstadt.

4. April 2018, Mittwoch

In der Warm-Up Phase haben wir einige Spiele ausprobiert.

Rollen Wechseln ist ein gutes aber schwieriges Thema. Katarina hat uns eine Frage bzw. eine Szene dargestellt und 3 Kollegen Rollen gegeben. Sie machten spontan ein wunderbares, lustiges aber praxisnahes Thema. Da habe ich mitgelernt, wie sie Bilder und Musik zur Demonstration geschickt benutzt hat.

Die Krawatte war das zweite gute Beispiel, um ein Gespräch in Gang zu halten, ohne Zwang. 2 Gesprächspartner schreiben auf der gebastelten Krawatte ein paar Sätze über sich, gern mit falscher Informationen und suchen dann die richtigen bzw. die falschen Aussagen. In kürzester Zeit haben wir uns nach 2 Tagen noch näher kennengelernt.

Ein Modell wurde uns gezeigt, wie man in Amerika längst die Unterrichtszeiten teilt, dabei man die praktische Zeit zuhause online verbringt. Da sind wir aber skeptisch, ob es einfach einzuführen ist und welche Nachteile es geben könnte. Das passende Lesematerial von Katarina war auch nicht schlecht.

Es heißt auf Englisch“ blended learning“.

Den praktischen Teil des Tages haben wir auch erlebt, wie man ein Blog mit WordPress schreibt. Aber ich habe es festgestellt, dass ich neues Equipment brauche, da mein Laptop und mein Handy nicht so funktioniert haben. Entweder hat mein Browser die Webseite nicht akzeptiert oder war es irre langsam. Die deutschen Kunden müssen für die kostenlose Version bezahlen. Es ist sehr interessant zu erfahren, weil meine Nutzer-Sprache automatisch gewählt wurde und ich bezahlen muss.

Ein paar Bilder füge ich hierzu, wie wir lebendig ein paar Unterrichtsideen schnell ausgedacht haben und präsentiert haben. Es hat mich sehr bereichert und mir riesen Spaß gemacht.

Für die Rest Zeit war ich einfach ein Tourist. Ich habe meine Aufgabe gut erledigt, weil ich so viel gesehen habe, so viel gelaufen bin und richtig reif für die Bettruhe bin. Jetzt gehe ich schlafen, nachdem ich meine Eindrücke von der Stadt kurz festhalte!

5. April 2018, Donnerstag

Als „Eisbrecher“ haben wir ein simples und lustiges Spiel gemacht, das uns in Bewegung gehalten hat, sodass alle aktiv geworden sind. Eine Person fragt im Zentrum eines Kreises, ob eine Aussage zustimmt. Die Zuhörer wechseln Plätze, wenn ja. Schnell mussten alle mal die Rolle übernehmen und alles war im Fluss. Man kann auch dadurch die Meinungen oder Vorlieben der anderen wahrnehmen. Schnell wurden wir wortwörtlich „warm“.

Drama wurde danach in den Kurs eingeführt, die Definition, die Herkunft, die Formen und die Einführung. England hat zuerst Schwerpunkt daraufgelegt, vermutlich wegen Shakespeare.  Jeder Teilnehmer erzählte ein wenig von eigenen Erfahrungen, Kritiken oder Beispielen. Ich muss gestehen, dass unsere Lehrbücher für die Kurse Drama hundertprozentig unterstützt haben. Ich schätze es sehr und habe meine Erfahrung in der Runde gern geteilt.

Die nächste Aufgabe ist, uns in zwei Gruppen zu teilen, vor allem nach Geschlecht. Also zwei Gruppen, da wir 3 männliche Kollegen haben. Die Frauengruppe stellt sich als Männer vor und soll sich über Frauen beschweren. Andersrum haben die männlichen Kollegen die andere Aufgabe.  Wir sind zum Ergebnis gekommen, dass wir das andere Geschlecht gut verstehen können und unsere Rollen wechseln können. Als Ergänzung war ein Video zu sehen, wie ein amerikanischer Professor das Gehirn von Männer und Frauen darstellt. Es ist die Realität.

Ein Thema sollten wir damit bearbeiten, wie wir schüchterne Schüler motivieren, auf der Bühne des Dramas mitzuspielen. Alle „Hüte“ übernommen die jeweiligen Aufgaben und haben aktiv Vorschläge gegeben. Es war interessant und bereichernd die Erfahrungen zu sammeln.

Es ging danach um Gehirn-Hüte, wie wir denken, so wie wir denken. Ein Bild erklärt das Wort gut.

Das heutige große Thema war, Vorteile und Nachteile des jeweiligen Bildungssystems des Landes zu nennen, als Anstößen. Alle erzählten, berichteten eigene Erfahrungen, Informationen und gaben Vorschläge. Eigentlich habe ich den Eindruck, dass wir als Lehrer mit unserem Job als Lehrer schon zufrieden sind, aber nicht mit der Realität, wie die Bildung im Land läuft. Sorgen, Kummer und Verbesserungsvorschläge wurden in den Raum gestellt. Das heißt mit einem Schlusswort: wir lieben unsere Arbeit und wir haben viel zu tun.

6. April 2018, Freitag

Es war das schönste Wetter heute hier seit fast einer Woche, sonnig und mild.

Gut gelaunt haben wir den Tag mit einer Aktivität gestartet. Das Thema war, einen vergangenen Tag hier in Paris zu beschreiben, gern mit Bildern. Einige Kollegen haben die Aufgabe zusammen erledigt, da sie fast immer als Gruppe unterwegs waren. Z.B. haben sie den ersten Tag ausgesucht. 4er Gruppe, ein Mann dabei, war sicherlich interessant. Selkan hat 3 lachende Frauen und einen kleinen weinenden Mann gemalt und meinte damit, dass er viel mitgelaufen ist und die Stadt faszinierend und verwirrend groß ist. Seine Rolle war schwierig zu beschreiben. Ich habe meinen gestrigen Tag beschrieben und meine Erfahrungen mit den Kollegen geteilt. Die Zeit habe ich sinnvoll genutzt und genossen. Lustig fand ich, dass die Kollegen sehr einfallsreich sind und jeder eigene Art und Schwerpunkte hat, zu erzählen.

Die Gruppenarbeit danach war für uns eine ganz neue Erfahrung, wie wir eine Geschichte gemeinsam schreiben, mit einer begrenzten Anzahl von Worten. Wir waren 2 Gruppen, guter Lehrer und böser Lehrer.

Auch wenn die Geschichten zum Schluss bizarr waren, haben wir es festgestellt, dass es um kooperative Zusammenarbeit geht und nicht (wenigstens nicht so sehr) um Logik und Sinn geht.

Trotzdem haben wir interessante Geschichten „erfunden“

Ein Programm namens „zamzar“ kann uns helfen, die Formaten einer Datei zu wechseln, sodass wir mühelos die gewünschten Dateien haben. Zur Probe haben wir Bilder transferiert. Es ging recht einfach, wieder eine gute Idee.

„Instagok“ kann uns zeigen, wer mein Web gelesen hat. Katarina hat uns grob gezeigt, wie es ging. Das Problem war, dass es nicht für jedes Land eine Version gibt. Erfahrungen müsste ich zuhause in Ruhe sammeln.

7. April 2018, Samstag

Das erste Thema mit ICT war webquest. Mit dem Programm kann man Unterrichtsentwürfen suchen, finden und nutzen. Es gibt weltweit schon viele Ressourcen von vielen Lehrer, die Ideen und Pläne online geteilt haben. Zuerst muss man natürlich wissen, was man sucht und dies findet und vielleicht ausprobiert. Immer 5 Schritte vollenden einen Unterricht. Probleme hatten wir eher damit, ob wir unsere Sprachversionen finden. Zum Beispiel habe ich nichts auf Deutsch und chinesisch gefunden. Auf Englisch sind Informationen jede Menge vorhanden. Ein Beispiel war etwas über Herz, wenn man Herz im Unterricht als Thema hat. Auf Englisch habe ich ausprobiert mit „Hands“ und habe „wie man Hände wäscht“ gefunden. Hilfsreich war es schon. Hoffentlich entwickelt sich das Programm rasant weiter.

Socrative ist vergleichbar mit Kahoot. Als Student oder Lehrer kann man sich einloggen. Wir haben zum Beispiel das Konto von Katarina genutzt und zusammen ein Quiz gemacht. Sie hat als Lehrer kontrolliert, wie wir waren. Eine Online-Rückmeldung zum Lerninhalt haben wir auch durchgeführt. Selbstverständlich können wir eigene Antworten geben ohne Muster. Eine ganz neue Perspektive!

Die kooperative und die letzte Arbeit war Inspirationen sammeln, wie wir in den nächsten 6 Monaten Drama in unsere Schulbildung einführen. Überraschend haben wir viel gefunden und gepostet. Die Zeit verging so schnell und wir waren unheimlich aktiv.

Das Produkt sieht so aus:

Heute habe ich noch einen halben Tag für Paris und meinen Aufenthalt. Morgen geht es zurück nach Hause. Ich bin beeindruckt und fasziniert und auch sehr dankbar.