Irland: There is an App for that!

von S. H.

Montag: 29.04.2019

Ich bin froh, dass ich schon ein paar Tage in Dublin hatte um die Stadt schon ein bisschen kennenzulernen bevor heute der Kurs begann.

There’s an app for that! Exploring the best apps for teaching and student learning – so heißt der einwöchige Kurs, den ich hier in Dublin besuche. Schon im Vorfeld war alles sehr gut organisiert. Wir bekamen eine klare Email, wo wir uns wann einzufinden hatten und dazu den genauen Stundenplan für die Woche. Woher diese klare Strukturierung vielleicht kam, ist mir heute im Kurs klar geworden – der Kursleiter ist Deutscher. Der Kurs findet aber natürlich auf Englisch statt.

Unsere Gruppe mit 11 Teilnehmenden ist recht international – 2 Spanierinnen, 1 Türkin und 2 Türken, 2 Österreicherinnen und 4 Deutsche. Dabei sind alle Schularten von der Grundschule bis zum Gymnasium und der vhs vertreten.

Am ersten Tag tauchten natürlich noch einige technische Probleme auf, denn alle waren aufgefordert worden, Laptop und Smartphone mitzubringen für den Unterricht. Der Kursleiter war sehr kompetent und hilfreich bei all den Problemen, hat aber nie seinen Unterricht und seine Ziele für den ersten Tag aus den Augen verloren.

Zunächst haben wir uns einige Tools angesehen und ausprobiert, um Informationen mit anderen zu teilen, als Beispiele OneNote (fürs Sharing braucht man die Online Version https://onedrive.live.com/, Screencast-O-Matic https://screencast-o-matic.com/ und Nearpod  www.nearpod.com.

Auf Nearpod haben wir dann jede/r unsere zu Hause vorbereitete Powerpointpräsentation hochgeladen (das dauerte allerdings insgesamt recht lange) und so der Gruppe uns, unsere Schule und unsere Stadt vorgestellt. Dabei konnte jeder auf dem eigenen Laptop alle Präsentationen sehen und zusätzlich auf dem Smartboard vorn. Abgerundet wurden die Präsentationen durch kleine Aufgaben für die Zuschauer – Quizze, Open-Ended Questions und Lückentexte, die wir selbst im Kurs zu unserer Präsentation hinzugefügt haben.

Mit Wheeldecide https://wheeldecide.com wurde ein Rad gedreht und der/die jeweils nächste Referent/in ermittelt.

Der Kurstag endete mit einem kurzen Überblick über einige Sprachlernapps, z.B. Lyricstraining (Songs und dazu Lückentexte in verschiedenen Schwierigkeitsgraden) https://lyricstraining.com/, Duolingo (gibt’s nur als App) und funeasylearn http://funeasylearn.com.

Der Kursleiter hat die Gruppe sehr kompetent geleitet, konnte auf alle Fragen eingehen und hat uns eine Fülle von Apps vorgestellt, so dass ich mich auf die weiteren Kurstage freue.

 

Dienstag: 30.04.2019

Heute fällt es mir richtig schwer, die einzelnen Programme, die wir ausprobieren, auseinanderzuhalten, da so viel Neues dabei ist.

Begonnen haben wir mit Classroom Management Programmen. Hierbei wies der Kursleiter darauf hin, dass es Sache der Schule bzw. des Bundeslandes sein muss, hier ein einheitliches Programm einzuführen, da sonst besonders Schüler und Eltern überfordert sind, wenn sie jeweils unterschiedliche Programme für jede Lehrkraft benutzen müssen.

Die gängigsten Programme sind wohl: edmodo.com, classroom.google.com und Microsoft Teams aus dem Office 365 Programm https://products.office.com/en-us/microsoft-teams/free.

Dies Thema war mehr für die Teilnehmenden interessant, die an regulären Schulen arbeiten, da die Arbeit mit Klassenarbeiten, Noten und Eltern für mich nicht von Bedeutung ist.

Interessant war für mich die App Office Lens, die es u.a. erlaubt, das Handy als Scanner zu benutzen (erhältlich im Microsoft Store).

Dann haben wir uns intensiv mit den verschiedenen Suchoptionen bei Google beschäftigt und Google Translate ausprobiert, wobei ich sagen muss, dass die Funktion sich in der letzten Zeit stark verbessert hat und gar nicht schlecht abschnitt.

Anschließend haben wir in Sway sway.office.com einen gemeinsamen Blog zum Thema ‚Europäische Essensspezialitäten‘ erstellt. Die Phasen, des Unterrichts, in denen wir selbst aktiv sein konnten und uns austauschen konnten, haben natürlich am meisten Spaß gemacht. Hier der Blog: https://sway.office.com/lSIGNxJREGFrD6gH.

Als Abschluss des Unterrichts haben wir interaktive Bilder mit Genial.ly https://www.genial.ly erstellt und ausgetauscht bzw. gemeinsam betrachtet.

Insgesamt sage ich – ein anstrengender Tag, der sich jedoch für mich auf jeden Fall gelohnt hat. Die Gruppe findet sich zusammen, jeder hilft jedem und es werden gemeinsame Aktivitäten geplant. Es macht Spaß, auch wenn einem am Ende der Kopf brummt vor viel Neuem.

 

Mittwoch: 01.05.2019

Heute habe ich am Ende des Unterrichts gedacht (und gesagt): „Das war ein toller Tag!“

Es ging los mit Augmented Reality; das Programm, das wir verwendet haben, hieß hp reveal https://studio.hpreveal.com/. Uns wurde zunächst am Stadtplan von Dublin das Prinzip vorgeführt, dass nämlich, wenn man das Handy mit der entsprechenden App über den Stadtplan bewegt, an vorgegebenen Stellen Texte, Bilder, Animationen oder Videoclips zu sehen sind. Anschließend haben wir selbst mit dem Programm gearbeitet und einen Gegenstand aus der Realität mit Animationselementen belegt, die zu sehen waren, wenn man mit dem Handy darüberfuhr.

Hieran schloss sich eine rege Diskussion an, erst paarweise, dann im Kurs, wozu man dies im Unterricht verwenden könnte. Die Vorschläge reichten von technischen Anweisungen, physikalischen Abläufen, chemischen Elementen, Geschichtsdaten, Landkarten mit Sehenswürdigkeiten bis zu Texten, denen man Leben einhauchen oder auch einfach Vokabeln hinzufügen kann. Man kann sozusagen aus einem normalen Lehrbuch ein e-book herstellen.

Weiter ging’s mit interaktiven Videos. Wir haben uns mit dem Programm Playposit https://www.playposit.com zunächst ein Video im Student Modus angesehen. Das Video wurde gekürzt und an bestimmten Stellen mit Fragen versehen (wenn eine Frage erschien, stoppte das Video und es ging erst weiter, wenn die Frage beantwortet war). Dann begann wieder der ‚Hands-on‘ Teil für uns. Wir haben uns auf Youtube ein Video ausgewählt, es gekürzt und mit passenden Fragen versehen. Dann haben wir alle Beiträge angeschaut und die Fragen beantwortet. Die Lehrkraft kann dabei sehen, wie lange die Schüler an dem Film gearbeitet haben, ihre Antworten (als richtig oder falsch) und ebenso Statistiken zur Beantwortung der Fragen.

Doch das Beste kam zum Schluss: im Programm Plickers www.plickers.com (auf Safari läuft’s leider nicht, da muss man einen anderen Browser nehmen) antworten die Schüler indem sie Karten mit Codes hochhalten , die die Lehrkraft dann mit dem Handy scannt und auf dem Smartboard erscheint dann die Auswertung, auch wieder mit grafischer Statistik. Wieder haben wir selbst auch damit Aufgaben erstellt und sie durchgespielt.

Dies Programm gefiel vielen von uns am besten, da die Schüler sich hierbei nirgends einloggen müssen. Dies haben wir als störend empfunden bei den Programmen, wo es nötig war. Umgehen kann man es, wenn die Schule entsprechende Logins bereitstellt.

Wir waren selbst einen großen Teil des Unterrichts aktiv und haben gemerkt, wie wichtig das ist, auch wenn es Zeit kostet.

Es war ein herrlich sonniger Tag heute (eine Ausnahme für Dublin), so dass wir die anschließende Stadtführung zu Fuß genossen haben. Ein Lehrer der Schule hat uns durch die Umgebung der Schule geführt und wir haben an vielen Stationen eine Menge über Irland gelernt.

 

Donnerstag: 02.05.2019

Heute haben wir uns noch mit drei weiteren Programmen beschäftigt, Demoübungen angesehen und dann selbst Übungen erstellt.

  1. Learning Apps https://learningapps.org/display?v=pgwfi0us519

In dem Programm gibt es zahlreiche Musterformen, nach denen man interaktive Übungen erstellen kann. Am interessantesten für die meisten von uns war die Vorlage Pferderennen: https://learningapps.org/display?v=pgwfi0us519. Hierbei ist anzumerken, dass nicht bei allen alles funktionierte und es teilweise Serverprobleme gab, wahrscheinlich weil alle in der Gruppe gleichzeitig an dem Programm gearbeitet haben. Woraus wir gelernt haben, dass man bei Online Übungen immer einen Plan B haben sollte. Der Kursleiter wies uns auch darauf hin, dass wir immer die Programme auf genau dem Computer ausprobieren sollten, auf dem sie dann gezeigt werden sollen, um vor Überraschungen geschützt zu sein.

  1. Quizizz https://quizizz.com

Hier kann man sich einzelne Fragen aus vorgefertigten Quizarten zusammenstellen. Es wird hierbei immer angezeigt, welcher Spieler wie viele Punkte hat (die Punkte werden nach Richtigkeit der Antwort und nach Zeit vergeben, und es gab großes Gejohle bei uns, wenn ein Spieler andere überholt hat.

  1.      Kahoot Wenn man hier den Spielcode eingeben möchte (z.B. als Kursteilnehmer) benutzt man die App bzw. verwendet den Link kahoot.it. Wenn man ein Spiel erstellen möchte, geht man zu https://kahoot.com/. Man kann Multiple Choice Fragen mit jeweils vier Antworten erstellen. Jede Antwort wird einem Symbol und einer Farbe zugeordnet. Die Kursteilnehmer sehen die Fragen und möglichen Antworten am Smartboard bzw. auf der Leinwand und haben selbst nur jeweils die vier Symbole/Farben auf ihrem Gerät und wählen das richtige aus.

Im Weiteren haben wir das Prinzip des ‚flipped classroom‘ kennengelernt. Gemeint ist, dass der Schüler den Stoff zu Hause als Video ansieht und im Unterricht dadurch Zeit für Projekte etc. ist. Wir haben ein Video gesehen, in dem das Prinzip in den höchsten Tönen gelobt wurde und dann ein zweites, das Hinweise gab, wie man den auftauchenden Problemen begegnen kann. Denn natürlich tauchen Probleme auf, z. B. dass Schüler aus diversen Gründen das Video nicht angeschaut haben. In der Gruppe gab es einige Vorbehalte, diese Unterrichtsform als alleinseligmachende anzusehen.

Im anschließenden Teil des Tages haben alle im Kurs einen Entwurf für eine Unterrichtsstunde erstellt, die mindestens zwei der in dieser Woche vorgestellten Programme enthalten soll und die wir morgen den anderen vorstellen werden.

Es ist schön, im Anschluss an den doch recht anstrengenden Unterricht ein bisschen durch den nahegelegenen Park oder die Innenstadt zu bummeln, bei Regen oder Sonnenschein im Wechsel und alles zu verarbeiten, was am Tag neu war.

 

Freitag: 03.05.2019

Heute fand ein toller Kurs seinen Abschluss.

Die Präsentation der Unterrichtsstunden aller Teilnehmender füllte den Vormittag aus.

Es war interessant, die anderen in ihrem beruflichen Bereich zu erleben, denn etliche unterrichten andere Fächer als Englisch. Wir bekamen außer Englisch Unterrichtsstunden zu Physik, Sachkunde Eletrizität, Französisch, Geschichte Österreichs und der Türkei vorgestellt. Es war gefordert, dass in allen Unterrichtsentwürfen mindestens zwei der in dieser Woche vorgestellten Programme vorkamen und dass wir erläutern sollten, wie diese Übungen in der Unterricht eingebunden sind. Insgesamt waren dabei Plickers https://www.playposit.com, Kahoot https://kahoot.com/ bzw. kahoot.it und Playposit https://www.playposit.com die beliebtesten  Programme.

Für Wheeldecide https://wheeldecide.com stellte eine Lehrkraft aus Spanien neue interessante Anwendungsmöglichkeiten vor. Sie schrieb verschiedene adverbiale Bestimmungen auf das Rad, zu denen die Schüler korrekte Sätze bilden sollten. Das Rad trifft dann die Auswahl. Dies kann man ebenso mit Vokabeln etc. machen.

Abschließend hat uns der Kursleiter ein Programm vorgestellt, mit dem es möglich ist, alle Programme, die man im Unterricht verwenden will, in eine Tabelle zu stellen, so dass man nur ein Programm zu öffnen braucht, um alle anderen parat zu haben:

Symbaloo https://www.symbaloo.com/

Dann wurden wir mir unseren Zertifikaten verabschiedet.

Morgen gehen wir noch auf eine zum Kurs gehörende Tagestour zu keltischen Orten an der Ostküste Irlands. Darüber werde ich morgen berichten.

 

Samstag: 04.05.2019

Heute waren wir auf einer mit zum Kurs gehörigen Tagestour mit dem Bus. Es gab zwei Touren zur Auswahl und ich habe mich mit 4 anderen für die „Keltische Tour“ entschieden.

Es ging recht früh los bei strahlend blauem Himmel und frostigen Temperaturen in das Herz Irlands zum ersten Stopp „Hill of Uisneach“, einem Ort mit Grashügeln, auf denen früher die irischen Provinzkönige und der Hauptkönig von Irland jedes Jahr im Mai das Fest des Feuers zelebriert haben um den Sommer zu  begrüßen. Genau dieses Fest wird in der modernen Zeit morgen zelebriert und diese Grashügel wurden für ein großes Volksfest morgen vorbereitet. Unser Führer hat uns mit sehr dramatischer Darstellung von den Riten der damaligen Zeit erzählt.

Weiter ging’s zu einer kurzen Wanderung zu den Loughcrew Grabhügeln aus der megalithischen Zeit, die leider wegen Einsturzgefahr des Eingangs nur von außen zu besichtigen waren. Doch die Aussicht von den Hügeln – man konnte nach allen Seiten weit ins Land sehen – war bei klarer Sicht und blauem Himmel ganz toll.

Das Mittagessen haben wir in einem herrlich sonnigen Innenhof genossen und dann ging‘s weiter zum berühmten „Hill of Tara“, dem Ort, an dem die keltischen Könige gekrönt wurden, wieder Grashügel, diesmal als konzentrische Ringe angelegt. Da für die Iren ein langes Wochenende bevorsteht (Montag ist Feiertag) waren am „Hill of Tara“ sher viele Ausflügler, alles war mit Autos vollgeparkt und unser Bus konnte erst nach langer Wartezeit und großer Mühe die Weiterfahrt antreten, was uns für den nächsten Programmpunkt zu spät kommen ließ. Es wäre „Trim Castle“ gewesen, die älteste erhaltene normannische Burg. Stattdessen sind wir durch die Ruinen eines zisterziensischen Klosters spaziert, was ich ebenso genossen habe.

Insgesamt hat mir der Kurs ausnehmend gut gefallen. Der Unterricht war hervorragend und die geführte Tour zu Fuß durch die Umgebung der Schule am Mittwoch nach dem Unterricht und die Tagestour heute (Samstag) haben den Kurs sehr gut abgerundet, so dass wir nicht nur viel Neues gelernt haben, sondern auch mit der irischen Kultur und Geschichte vertraut gemacht wurden. Ich kann nur sagen: „Es war toll!“

 

 

 

 

Malta: Empowerment in ICT Skills

Empowerment in ICT Skills: Making Use of Technology Tools – 1 Woche auf Malta

von R. B.

Sonntag, 8-4-2018

Nach dem red-eyed-flight (Check in um 6:00 Uhr) von Hamburg nach Malta war der Empfang hier eine sehr schöne Entschädigung. Lauwarmer 21° C-Wind wisperte freundlich säuselnd durch die Palmenkronen direkt neben der Landebahn. Ein bisschen Blütenpracht gab’s obendrauf. Der Shuttleservice der hiesigen Schule ist pünktlich gewesen und hat mich umweglos zu meiner Gastfamilie gebracht. Sollte es irgendeinen Schutzheiligen der schleswig-holsteinischen Volkshochschulen geben, so hat er es bei der Auswahl der Unterkunft sehr nett mit mir gemeint. Ein hübsches kleines Stadtrand-Haus in St. Julian’s mit gefühlt 80 Zimmerchen öffnet seine Türen und ich werde von zwei freundlichen und anachronistisch entschleunigten älteren Herrschaften liebevollst in Empfang genommen.

Die Schule ist nur wenige Gehminuten weit weg und liegt einen Steinwurf von der Küste entfernt. Es hätte deutlich schlimmer kommen können.

Was mich neben der Rechtslenkerei hier irritiert, ist die maltesische Sprache. Man hat das Gefühl pausenlos zwischen verschiedensprachigen Radiosendern umherzuspringen. Was allerdings kein Wunder ist, wenn man bedenkt, dass jede Nation, die hier in den letzten Jahrhunderten des Weges kam, die geostrategische Lage des kleinen Inselstaates so attraktiv fand, dass sie sich Malta vorübergehend einverleibte und damit ihren kulturellen und eben auch sprachlichen Stempel aufdrückte.

Ich bin gespannt auf den Kurs (Digitale Lern- und Lehrtools), der morgen früh beginnt. Bis dahin geht’s hier erst mal angenehm analog weiter. Und ziemlich lecker.

Montag, 9-4-2018, 1. Kurstag

5:58 Uhr. Ein Spatz vor meinem Fenster richtet sein Federmegaphon in meine Richtung und liebeszwitschert so laut neben mein Kopfkissen, dass seine Angebetete (Vorbehalt: Es ist noch nicht bewiesen, ob Malteser-Spatzen – bisher nur als Falken bekannt –ihre Weibchen anbeten) sein Liedchen auch noch auf Sizilien hätte hören können.

Ich bin wach. Sehr wach sogar. Aber einen schöneren Wecker hätte es nicht geben können. Schon gar nicht das E-Gedudel aus meinem iPhone.

Ganz Malta scheint bereits auf den Beinen – und Rädern – zu sein. Ich spaziere ein bisschen durch die Felder, sehe viele Katzen umherstreunen und einige Hähne auf Bäumen krähen. Im Gegensatz zu zahlreichem deutschen Gefängnis-Geflügel leben sie hier mit ihren Hühnern herrlich artgerecht.

Um 8:45 Uhr wird in der Sprachschule ETI, mitten in St. Julian’s Party-Viertel eingecheckt. Es ist hektisch, erinnert an Immatrikulationsveranstaltungen von vor 30 Jahren und funktioniert bemerkenswert reibungslos. Unser Coach heißt Roberta, artikuliert sich in einer Geschwindigkeit von rund 160 Km/h und stellt sich als sehr freundlich und kompetent heraus. Die Teilnehmergruppe rekrutiert sich aus 7 Polinnen aus Breslau und außer mir zwei weiteren Deutschen.

Roberta reagiert angemessen zickig auf Teilnehmer, die während des Unterrichts ihren facebook-account bedienen und bringt uns in einem angenehmen Mix aus Know-how, Anekdotischem und beneidenswerter Geduld gegenüber denen, deren Liebe zur Technik so gar nicht erwidert wird, sehr Schönes bei.

 

Bei dem Schönen handelt es sich um ein Wix-Portal. Das klingt deutlich anzüglicher als es ist. Die Wix-Site ist eine kostenlose mit Google eng verbandelt scheinende Online-Software, mit der selbst digitale Analphabeten relativ mühelos eine Website gestalten und ziemlich tricky füllen können. Das kommt mir extrem entgegen. Denn obgleich ich mich als „heavy online user“ einstufen würde, hätte ich eher den Strom abgeschaltet als Programmieren gelernt.

Am Ende des Tages habe ich (wohlgemerkt: ich) eine zumindest funktionell ganz passable MaltaSite gebastelt, für die man in dieser Form vor 10 Jahren noch viel Geld hätte bezahlen müssen.

Ungeachtet dessen lässt sich die Funktionalität der Seite auch als Unterrichtstool (vermutlich) sehr effektiv nutzen. Im Prinzip lässt sich sehr einfach eine gestaltete Cloud realisieren, auf der alle Beteiligten (bspw. Kurs-Teilnehmer) synchronisierten Zugriff auf alle behandelten und nachträglich gelieferten Informationen haben und diese gleichzeitig unter den E-Augen der anderen bearbeiten können. Das ist zwar nicht neu, aber so nun einfacher denn je.

Dienstag, 10-4-2018, 2. Kurstag

Die schlechte Nachricht: Gestern ist ein Doppeldecker-Touristen-Bus auf Malta mit den offensichtlich sehr dicken Ästen eines Baumes kollidiert. 2 Tote, 6 Schwerverletzte und fast 50 Verletzte, die in Krankenhäuser eingeliefert wurden. Die Insel ist schwerst beunruhigt, die „hospitals“ haben die Bevölkerung gebeten, ausschließlich im absoluten Notfall an einen Krankenhausbesuch zu denken. Malta, von dem man sonst nie hört oder liest, ist in den europäischen Top-News.

Die gute Nachricht – und das ist im Vergleich zu dem schrecklichen Unglück nicht zynisch gemeint – mein Kurs bleibt weiter auf erfreulichem Kurs. Wir lernen das Erstellen von Blogs. Auch nix Neues an sich. Für mich jedoch schon. Auch hier lassen sich für Klassen sehr sinnvolle, onlinebasierte, leicht erreichbare Quellen und Tools herstellen. Ob Webblogs nach der Geburt von whats app, instagramm, twitter und Co. noch die Kommunikationsberechtigung besitzen wie noch vor 10 Jahren, als 70 % aller US-Youngster ihren eigenen Blog betrieben, bezweifle ich. Und zwar herzhaft. Unzweifelhaft ist jedoch, dass Blogs als Unterrichtstool nach wie vor sinnvoll sind.

Weit mehr beeindruckt bin ich von Edpuzzle, einem online-tool, mit dem man Videos downloaden und bearbeiten kann. Bspw. in dem man ein beliebiges Video aus dem Netz maßgeschneidert (also im ursprünglichen Wortsinn auf die eigenen Bedürfnisse zu- oder zurechtgeschnitten) mit Stopps versieht und mit zu bearbeitenden (und ebenfalls online kontrollierbaren) Verständnisfragen spickt oder soundfiles überlegt. Klingt alles kompliziert, lässt sich aber beim Erkunden des Programms mühelos und intuitiv nachvollziehen.

Der Kurs wird 10 Minuten früher beendet (was schade ist), weil draußen bereits der Bus für den Ausflug nach Mdina wartet. „Silent City“, wie die Malteser es nennen, ist nicht nur der älteste und geschichtsträchtigste Ort Maltas, sondern vermutlich auch der schönste. Wer mal nach Malta kommen sollte, sollte alles daran setzen Mdina zu erleben. Mdinas Geschichte, Architektur und Atmosphäre reichen aus, um viele Bücher zu füllen.

Der Tag war angenehm ausgefüllt. Ich eingeladen, mir mit meiner Gastfamilie Liverpool gegen Manchester anzusehen. Obgleich ich an Fußball denkbar undeutsch uninteressiert bin, werde ich der Einladung folgen. Sie wurde aufrichtig und mit glänzenden Augen zum Vortrag gebracht.

Mittwoch, 11-4-2018, 3. Kurstag

Liverpool hat 2:1 gewonnen und ist im Halbfinale, in St. Julian’s regnet es und zwei Comicprogramme boykottieren meinen Apple. Doch der Reihe nach. Der Liverpoolsieg hat meine Gastgeber glücklich gemacht. Der Regen hat eine ganze Menge roten nordafrikanischen Wüstensand, den der Wind hierhergetragen hat, auf die Autos gebannt. Es sieht ganz lustig aus, für die Malteser wird Autowaschen heute zum Volkssport.

Und in der Schule geht es heute um Infotainment. Oder: Wie bringt man Neues spannend und spielend rüber? Genau, mit Spielen. Online-Spielen. Roberta stellt uns verschiedene Portale vor, auf denen sich Spiele generieren und konfigurieren lassen. Beispielsweise learningapps.org. Hier kann man einfache Spiele wie Memory, Kreuzworträtsel o. ä. kreieren und mit unterrichtsrelevanten Inhalten füllen. Die Funktionalität ist enorm. Man kann Bilder, Videos, Audios und Texte kombinieren. Zudem lassen sich virtuelle Klassenräume mit Teilnehmern inklusive deren Kontaktdaten erstellen, über die man Einladungen verschickt, den Schülern Bearbeitungstermine setzt und zudem sehr einfach kontrollieren kann wer, wann welche Aufgabe bearbeitet und gelöst hat. Oder nicht.

Die Cartoonprogramme scheinen – wie eingangs angedeutet – nicht Mac-kompatibel zu sein.

Roberta staunt – ich auch. Macht aber nichts, es kommen noch viele weitere Tools auf und zu.

Nach Schulschluss fahre ich mit dem Bus nach Valletta. Der Hauptstadt Maltas und der Kulturhauptstadt Europas 2018. Bisher hatte ich die Malteser als durchwegs zur Freundlichkeit neigende Zeitgenossen wahrgenommen. Aber die Busfahrer unterscheiden sich nur unwesentlich von denen in Berlin. Koddrig, laut und unfreundlich und mit einer Fahrweise ausgestattet, die einen beten lässt.

Dennoch bin ich gut angekommen, habe die Altstadt genossen und mich gefreut hier zu sein.

Die Insel beginnt mir sympathisch zu werden.

Donnerstag, 12-4-2018, 4. Kurstag

Wie erkläre ich Präpositionen anschaulich, schriftlich und gleichzeitig synchron moderierend in einer Video-Datei? Ich hätte es bis heute nicht mal geahnt, aber Roberta kennt ein paar sehr nette Online-Tools, die es möglich machen. Und das sogar ganz einfach. Ich mache ein Video von der Entstehung einer „Pages“-Datei (DOS-User müssen hier mit Word-Dateien arbeiten). Mit zwei roten Würfeln und einem grünen Kreis lassen sich „über – unter –neben – vor – hinter – zwischen“ usw. erschütternd simpel online Darstellen. Das kleine Video, für dessen Herstellung ich nicht mehr als 10 Minuten gebraucht habe, stelle ich in den Klassenblog, so dass alle Teilnehmer Zugriff darauf haben und schicke es ihnen als Hausaufgabe. Supereinfach, supereffektiv. Wenn sie es sich ansehen. Aber das kann ich ja kontrollieren. Online.

Ergänzend dazu lernen wir das Erstellen animierter Diashows kennen und wie man Soundfiles auseinander schneidet, wieder zusammensetzt und anschließend zum Sprechen- und Fühlenlernen (ja: Fühlen) im Sprachenunterricht einsetzt. Obgleich sich mein Mac auch heute wieder entscheidet, mit einigen Programmen keine Freundschaft schließen zu wollen, klappt es mit 95 % aller Übungen einwandfrei. Wer was zum Thema LearningApps wissen möchte, kann sich jederzeit vertrauensvoll an mich wenden.

Den Rest des Tages geht es – diesmal durch die Schule organisiert – wieder nach Valletta. Unser Guide ist wieder fabelhaft. Valletta auch.

Freitag, 13-4-2018, 5. und letzter Kurstag

Freitag, der 13.! Mein letzter Schultag. Eigentlich hat man sich ja sein Leben lang immer und ausgerechnet genau auf den gefreut. Das geht mir heute anders. Schon den Schulweg durch die typisch gelben Straßenzüge St. Julian’s ein letztes Mal zu beschreiten, erfüllt mich mit einem Hauch von Wehmut.

Und dann geht es los. Pünktlich um 9:00 Uhr, wie jeden Morgen. Wir basteln uns Avatare. Ein digitales alter ego, mit dem man gewissermaßen anonym digital kommunizieren und sogar sprechen kann. Dafür gibt es drei Plattformen, auf denen man sich sein digitales Ich konfigurieren kann. Die Vorlagen bieten zahlreiche Möglichkeiten, eigentlich unendlich viele, ich fange an rumzuspielen, verzettele mich und vergeige mein Timing. Letztlich geht aber alles gut und wir beginnen mit unserem Projektfinale.

Klingt pompös, ist aber eigentlich nichts anderes als die Präsentation unserer diversen Arbeiten, die wir sorgfältig und in der Hoffnung, dass sie auch funktionieren, in unsere eigens dafür erstellten Blogs und Websites eingebaut haben. Es sind sehr kreative Entwürfe zu sehen und die fast schon kindliche Fröhlichkeit meiner polnischen Mitstreiterinnen ist ansteckend. Die Unterrichtsatmosphäre bleibt bis zur letzten Minute entspannt und gut. Mein Zertifikat für’s Aneignen diverser ICT-Skills habe ich mir mit ehrlichem Fleiß verdient und nehme es stolz in Empfang.

Nun bleibt natürlich nicht nur die Frage, ob mir das als Teilnehmer und Maltabesucher Spaß gemacht hat, sondern was man mit dem Erlernten daheim anstellt. Es gibt eine Menge Möglichkeiten. Allerdings erfordern sie sehr viel Vorarbeit und „Dranbleiben“, da es kein digitales „Generalwerkzeug“ zum Lernen gibt. Viel einzelne tools müssen von Kurs zu Kurs maßgeschneidert werden. Und letztlich ist die Durchführbarkeit abhängig von der jeweils schulseits bereitstellbaren technischen Infrastruktur. Hinzu kommt die Online-Affinität, die bei älteren Zielgruppen erheblich von der der Jüngeren abweicht. Mir ist derzeit noch nicht ganz klar, ob der Hype um digitales Lernen gerechtfertigt ist, aber die Möglichkeiten, die sich bieten, sind enorm.

Mein Tagesausklang gilt Johannes, dem Täufer sowie Michelangelo Merisi da Caravaggio – kurz Caravaggio genannt – die beide eine nicht ganz unbedeutende Rolle auf Malta gespielt haben.

Damit ist mein Malta-Aufenthalt 2018 so gut wie vorbei.

Mein Fazit: Es hat sich mehr als gelohnt.