Artificial Intelligence Tools for Language Teachers in Florenz

von A. Marin

Vom 20.10. bis 26.10.2025 habe ich in Florenz an der oben genannten englischsprachigen Erasmus+-Fortbildung des Landesverbandes der VHS Schleswig-Holstein teilgenommen. Den Lehrgang hat die „Europass Teacher Academy“ mit Hauptsitz in Florenz durchgeführt.

Ich bin mit der Bahn über München an- und abgereist. Dies hat trotz der bahnüblichen Verspätungen gut geklappt. Eine Bahnanreise ist natürlich aus Umweltgründen zu empfehlen. Sie dauert allerdings ziemlich lange und zieht sich über 2 Tage. Ich fand es jedoch sehr interessant, mit der Bahn unter anderem die Alpen zu durchqueren und die norditalienische Landschaft und die Toskana aus dieser Perspektive kennenzulernen.

Zug München Florenz

Das Wetter war während meiner Fortbildung morgens und abends recht frisch, tagsüber konnte man jedoch meist draußen sitzen. Leider gab es auch 3 Regentage.

Die Teacher Academy liegt direkt in der wunderschönen Innenstadt von Florenz in einem beeindruckenden Gebäude im florentinischen Stil. Die Unterrichtsräume sind meist groß und sehr modern ausgestattet. Nicht so glücklich fand ich, dass wir Teilnehmende in Reihen hintereinander saßen.

Montag, 20. Oktober

Heute um 9:00 Uhr ging es los. Beim Betreten des Gebäudes ist mir sehr positiv aufgefallen, dass wir von unserer Trainerin und den Angestellten ganz besonders freundlich empfangen wurden. Der erste Eindruck ist eben sehr wichtig.

Zunächst stellte sich unsere italienische Trainerin Ester Maria vor: Sie kommt aus Turin, hat Erziehungswissenschaften studiert und an Grundschulen in englischer und italienischer Sprache gearbeitet. Weiterhin hat sie sich auf den Einsatz digitaler Medien spezialisiert.

Wir sind elf Teilnehmende, wobei der Altersdurchschnitt eher höher lag: vier Kroatinnen, eine Lettin, eine Schwedin, eine Französin, eine Bulgarin, eine Deutsche, ein Italiener und ich. Anschließend haben wir uns alle kurz vorgestellt, insbesondere unsere Tätigkeiten: Lediglich 2 Kroatinnen unterrichten an Grundschulen, alle anderen sind in der Erwachsenenbildung oder an Gymnasien tätig und unterrichten dort meist Englisch. Ich fand gut, dass die Mehrheit ältere Schüler bzw. Erwachsene – wie ich – unterrichten, da wir so unsere Erfahrungen austauschen und vergleichen konnten. Wir haben alle unseren eigenen Laptop mitgebracht. Einige hatten schon Künstliche Intelligenz kennengelernt und verwendet. Für mich war dies ein neues Gebiet.

Danach sollte jeder seinen Namen vertikal auf einen Zettel schreiben und für jeden Buchstaben eine auf sich zutreffende Eigenschaft in der Erstsprache notieren. Anschließend wurden diese Zettel verteilt und jeder sollte seinen Zettel wiederfinden. Dadurch kamen wir ins Gespräch und wir sollten anschließend über die fotografische Übersetzungsfunktion von Google, die ich nicht kannte, die Eigenschaften übersetzen lassen. So sprachen wir mit mehreren Personen. Diese Kennenlernübung fand ich sehr gelungen.

Danach ging es um die Begriffe Intelligenz und künstlich: künstlich, weil es z.B. kein selbstständiges Denken ist, sondern Gedanken nur stimuliert werden. Wir definierten den Begriff Algorithmus: Computer analysieren große Datenmengen, lernen daraus, und entwickeln so Muster und lösen Probleme. Künstliche Intelligenz liefert dann ein Ergebnis aufgrund ähnlicher Konstellationen.
Beispiele: Spamfilter und Sprach-/Texterkennung. 

Wir sprachen über Chat GPT: „Generated Pre-trained Transformer“ und diskutierten unsere Erfahrungen.

Dann haben wir einen abstrakten Begriff gezeichnet und diese Zeichnung mit Hilfe des Programms „Animate your Drawing“ in Figuren verwandelt. Dann sollten wir diese Figur erklären. Für Fortgeschrittene eine gute Übung.

Prompts für Bild- und Texterstellung


Dienstag, 21. Oktober


Erste Aufgabe war heute, mit ChatGPT ein Bild zu generieren. Dabei ging es um den Begriff „prompt“, nämlich die Instruktionen, z.B. was auf dem Bild sein soll und was nicht, z.B. Person, Tier oder Objekt, den Zweck, relevante Details, Ton und Stil. Wir haben so mit den „prompts“ ein Bild einer Lehrerin in einem modernen Klassenraum erstellt.
Ich kann mir vorstellen, dies mal auszuprobieren. Dies setzt natürlich voraus, dass Teilnehmende dafür Smartphone oder Laptop nutzen möchten.

Mit ChatGPT erstelltes Bild

Als nächstes sollten wir mit ChatGPT anhand von prompts einen Unterrichtsplan generieren und diesen danach in einen Chart verwandeln, Lehrernotizen hinzufügen und in ein Word-Dokument einfügen. Anschließend machen wir dasselbe mit Gemini, einer weiteren KI-Anwendung.

Gemini ist eher besser für Bilder und ChatGPT besser für Texte.

Wir haben mit Gemini eine sogenannte Deep Research über den Dom von Florenz gemacht. Ich fand erstaunlich, wie detailliert das Ergebnis, nämlich der Text, war.

Dann haben wir mit Chat GPT anhand von prompts eine Geschichte geschrieben: wo und wann sie stattfand, welche Personen usw… Danach haben wir diese mehrfach abgewandelt, z.B. haben wir das Sprachniveau verändert. (z.B. von B2 zu A2). Ich fand erstaunlich, wie gut das Ergebnis war und einen interessanten Ansatz, den man ausprobieren kann.

Zum Schluss gab es heute eine Diskussion über Pros und Cons von künstlicher Intelligenz im Unterricht.

Pros z.B.:
motivierend, neu, sofortiges Feedback, spielerischer Ansatz
Cons z.B.:

Gefahr von Hackern, Datenschutz, Anfälligkeit für Fehler, und zwar auch solche, die man schwer erkennt, einige technische Voraussetzungen nötig.

Mittwoch, 22. Oktober

Zunächst gab es heute eine Konversationsübung: gegenseitig Fragen stellen, die auf Kärtchen standen.

Dann erklärte unserer Trainerin, wie man einen QR-Code generiert, was wir kurz übten.

Danach ging es um Chatbots. Wir entwarfen zunächst eine Definition: „Programm, das mit Menschen mittels künstlicher Intelligenz kommunizieren kann“.

Wir lernten den Chatbot Mizou.com praktisch kennen. Dort kann man mit Lernenden online in Kontakt treten, kommunizieren, Aufgaben stellen und Antworten entgegennehmen. Das ist sicher eine gute Sache, aber ich frage mich, ob man das an Volkshochschulen einsetzen kann: Heterogenität und Motivation der Teilnehmenden, zusätzlicher Aufwand und unterschiedliche technische Voraussetzungen.

Anschließend lernten wir das Programm NotebookLM kennen: Eine PDF-Datei mit einem Text sollte hochgeladen werden und wir haben davon eine Audioversion, eine Mindmap und Karteikarten erstellt.

Letztes Thema heute: Wie kann man auf Bildern und in Texten künstliche Intelligenz erkennen? Anhand eines Quizzes stellten wir fest, dass die Unterscheidung sehr schwer ist.

Übrigens fällt mir auch auf, dass unsere Kursleiterin alle Teilnehmenden sehr gut einbezieht und den Lernstoff gut visualisiert. Ich denke, das ist allgemein sehr wichtig und bestätigt mich auch.

Donnerstag, 23. Oktober

Zunächst gab es heute erneut eine Konversationsübung: nach Körpergröße, Augenfarbe, Schuhgröße usw. in Reihe aufstellen und dies diskutieren. Gute Übung, die man machen kann.

Dann haben wir diskutiert, ob künstliche Intelligenz ein „Mitdesigner“ sein kann, wenn man z.B. eine Präsentation entwirft. Dazu haben wir das KI-Programm „Gamma“ kennengelernt. Wir nutzten dabei prompts wie Umriss, Bilder, Karten und ein YouTube-Video einfügen. Wir haben gelernt, dass man so tatsächlich eine Präsentation erstellen kann.

Nächstes Thema war, mit dem KI-Programm Suno Lieder zu entwerfen. Ich fand erstaunlich, dass dieses Programm selbstständig anhand von prompts gute Lieder schaffen kann. Wir haben jeder ein Lied über unsere Heimatstädte geschaffen und ich fand erstaunlich wie gut die prompts in das Lied eingebaut wurden. Das kann man probieren mit interessierten Teilnehmenden.

mit Sumo erstelltes Lied

Dann haben wir Gamma in Dreiergruppen praktisch angewandt: Unsere Gruppe hatte das Thema „florentinischer mittelalterlicher Fußball“. Wir haben dazu Texte aus dem Internet kopiert und in eine PDF-Datei importiert. Gamma hat dann eine einheitliche gute Version erstellt. Das Ergebnis fand ich erstaunlich gut.

Freitag, 24. Oktober

Heute war erste Aufgabe aus kleinen Gegenständen/buntem Papier etwas zu formen, das unsere Stimmung hinsichtlich des Kurses in dieser Woche widerspiegelt. Dies dauerte ziemlich lang und wir haben die Figuren in das KI-Programm Canvas Magic Studio eingefügt und von ihm interpretieren lassen.

Danach haben wir das Programm „Magic School“ kennengelernt.
Jeder hat damit ein Lied zum Thema Past Simple/Present Perfect geschaffen. Es war beeindruckend, wie gelungen und unterhaltsam das Lied war.

Als Nächstes haben wir mit „Magic School“ eine Textzusammenfassung einer ausführlichen PDF-Datei über den Dom von Florenz erstellt. Danach haben wir mit Magic School Fragen und ein Quiz entwerfen lassen.

Anschließend stellte unsere Trainerin das Programm Diffit vor, mit dem wir ebenso eine PDF-Datei bearbeitet haben und ein Multiple-Choice-Quiz erstellt haben.

Zum Schluss gab es eine Feedback- Runde: Wir waren alle sehr zufrieden, uns aber auch einig, dass die KI-Programme Übung benötigen. Es gab dann ein gemeinsames Foto und die Zertifikate.

Im unmittelbaren Anschluss an den Kurs fand um 14:30 eine Halbtags-Exkursion nach Chianti statt. Wir fuhren mit dem Bus durch die sehr schöne Toskana und besuchten zwei Weingüter. Natürlich gab es auch Weinproben der bekannten Chiantiweine. Hierbei hatten wir auch nochmal Gelegenheiten zu Gesprächen über die Fortbildung, die Arbeit und unsere Eindrücke von Florenz.

Beim Weingut nahe Chianti (Toscana)
Abschlussfoto

Samstag, 25.Oktober

Am Samstag war kein weiterer Ausflug angesetzt. Ich habe daher auf eigene Faust zunächst den großen, überwältigenden Dom von Florenz von außen besichtigt sowie den vorgelagerten imposanten Platz. Anschließend habe ich an einer ausführlichen Live-Führung im Dom in Englisch teilgenommen. Eine solche ist unbedingt zu empfehlen, da man Hintergrundinformationen erhält. Dies hat mich alles sehr beeindruckt.  

Land und Leute

Florenz, die Hauptstadt der Toskana ist eine tolle Stadt. Sie gilt als Geburtsort der Renaissance, hat etwa 360.000 Einwohner und ist bekannt für Kunst, Architektur und Kultur. Es gibt daher viele grandiose Sehenswürdigkeiten, die jedes Jahr Millionen von Touristen anziehen. Obwohl ich dort in der Nebensaison war, musste man bei vielen Sehenswürdigkeiten lange anstehen, z.B. am Eingang zum Dom.

Auffällig fand ich, dass es an den Haltestellen der Busse/Straßenbahnen keine Überdachung (Regen) bzw. Sitzplätze gibt. Wie mir ItalienerInnen sagten, soll so vor allem das historische Stadtbild nicht beeinträchtigt werden. Das Preisniveau schien mir ähnlich wie in Deutschland. Das gilt auch für Wohnraum. Sehr positiv ist mir die Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft der ItalienerInnen aufgefallen, etwa bei Fragen nach dem Weg. Ich habe bemerkt, dass sie – zu Recht – auch stolz auf ihre Stadt sind.

Resümee

Ich habe einen sehr guten Einblick in das für mich neue Gebiet der Künstlichen Intelligenz bekommen, praktisches Wissen für den Unterricht erworben und viele Impulse bekommen.

Auch habe ich gemerkt, wie umfangreich und komplex Künstliche Intelligenz ist.

Ganz besonders gut hat mir die große fachliche Kompetenz und Freundlichkeit unserer Trainerin gefallen. Auch unsere Arbeitsatmosphäre und der nette Umgang untereinander hat mir sehr gut gefallen. Der fachliche Austausch zum Thema mit den Teilnehmenden aus vielen verschiedenen Ländern war für mich sehr interessant. Unterricht aus der Teilnehmendenperspektive war ebenfalls erneut eine aufschlussreiche Erfahrung, da mir bewusst wurde, was man selber gut und nicht so gut macht.

Lediglich einige Aufgaben zogen sich nach meinem Geschmack manchmal etwas zu lange hin.

Außerhalb des Kurses habe ich viele kulturelle Eindrücke von dieser schönen Stadt bekommen und auch einen Einblick in das Leben in Florenz und Italien gewonnen.

Insgesamt war die Fortbildung eine tolle und sehr wertvolle Erfahrung. Daher möchte ich eine Erasmus+-Fortbildung allen Interessierten ausdrücklich empfehlen.

BNE-Hospitation in Madrid, Spanien

Florin Feldmann Mai 2025

Die unten beschriebenen, recht verschiedenen Stationen haben meine BNE-Hospitation bei der Federación Española de Universidades Populares (FEUP), dem spanischen vhs- Dachverband, geprägt.

Die Volkshochschulwelt in Spanien

Der vhs-Bundesverband Federación Española de Universidades Populares (FEUP) hat rund 230 Volkshochschulen als Mitglieder (https://feup.org/web/). Anders als in Zwischenstruktur in Form von Landesverbänden (derer es nur zwei gibt: in Extremadura https://www.aupex.org/   und auf den Kanarischen Inseln https://www.upcanarias.com/) sind die Aufgaben und der Arbeitsalltag des Bundesverbandes gut mit denen von uns als Landesverband SH vergleichbar. Manche sogar sehr offensichtlich: so wie wir eine hervorragende Kooperation mit der Verbraucherzentrale sowie das Treibhausgas-Einspar-Projekt „vhsgoesgreen2“ haben, gibt es dort eine enge Kooperation mit den Energieanbietern, die gemeinsam mit den Volkshochschulen Selbstlernkurse anbieten (https://hemera.feup.org/). 

SDG 4: Ich erfahre spannende Parallelen und Unterschiede zu unserer Arbeit. Der Dachverband publiziert regelmäßig: In diesem Herbst (2025) wird es eine Publikation über die vhs-Aktivitäten im Bereich Ökologische Nachhaltigkeit geben, die dann auch kostenlos auf ihrer Homepage zum Download zur Verfügung steht.

SDG 3: Aktuell haben sie einen starken Fokus auf Einsamkeitsprävention und ich bin gespannt am Ende des Jahres zu erfahren, wie ihre Ansätze angenommen wurden. U.a. wird mit Apotheken und Hausärzten zusammengearbeitet, um mit von Einsamkeit betroffenen Menschen in Kontakt zu kommen.

SDG 8: Berufsbezug ist finanzierungsbedingt das Querschnittsthema durch fast alle vhs-Angebote. Hier ist es sehr spannend zu sehen, wie die Angebote denen unserer Volkshochschulen sehr ähnlich sind, und dann aber zusätzlich diesen Bogen schlagen.

Escuela Feminista Estatal der FEUP: Feministische vhs in Trägerschaft des Dachverbandes

2019 wurde in Valencia die feministische Volkshochschule eröffnet (https://efe.feup.org/), die bundesweit tätig ist.

SDG 5: eine gesamte vhs, die sich der Frauenförderung verschrieben hat. Und ihren Schwerpunkt hierbei vor allem (aber nicht nur) im ländlichen Bereich setzt ist ein hochinteressantes Konzept!

Unter anderem führte sie ein EU-gefördertes Projekt durch, in dem es darum ging, die klassischen Haushaltskompetenzen von Frauen und vor allem Müttern sichtbar zu machen und so auf den Beruf zu übertragen. Wie auch die generellen vhs-Veranstaltungen sind die der EFE ebenfalls mit einem starken Berufsbezug, der gerade im ländlichen Raum oft auch auf Gründung und Selbstständigkeit ausgerichtet ist.

Meeresschutzausstellung Eco del Oceano: Ozeanausstellung fernab von Küstengebieten

Nach dem offiziellen Programm besuche ich noch das Ausstellungshaus einer anderen großen Stiftung, die keinen allgemeinen BNE-Anspruch verfolgt, aber aktuell eine Ozeanausstellung zeigt: https://espacio.fundaciontelefonica.com/evento/ecos-del-oceano/.

Mir fällt erst hier auf, dass ich bisher nur in Meeresausstellungen war, die sich in Küstennähe befinden. Da Madrid genau im Zentrum von Spanien liegt, ist die Küste in alle Richtungen maximal entfernt. Vielleicht wurde auch deshalb ein so sehr atmosphärischer Zugang gewählt.

SDG 14 und SDG 4: Die Ausstellung beginnt mit einer Klangmeditation und hat somit eine rein sinnliche Eröffnung des Themas. Erst langsam werden im Laufe der Ausstellungsräume Informationen eingestreut, bis es zum Abschluss eine sehr hohe Informationsdichte gibt. Also ein sehr BNE-gerechtes Lernen mit allen Sinnen. Eine gute Anregung für Volkshochschulen, auch mal mutig auszuprobieren, die Wissensvermittlung beim Themeneinstieg aus dem Vordergrund zu nehmen, um anderen Zugang zu schaffen.

La Casa Encendida

Etablierter Dritter Ort: Lernräume, Veranstaltungsräume, Bibliothek, Ausstellungen, Aufenthaltsbereiche, Urban Gardening  (https://www.lacasaencendida.es/en).

„Wir demokratisieren die Kultur“, hieß es in der Führung hinter die Kulissen, an der ich teilnehmen durfte. Gemeint ist, dass sie Kultur für alle zugängig und für alle gestaltbar machen. Was auch angesichts der geographischen Lage in der Stadt spannend ist: Dieses Haus liegt genau zwischen einem Museum mit Weltruf (Museo Reina Sofia, in dem u.a. riesige Werke von Picasso zuhause sind) und einem eher armen, migrantisch geprägten Stadtteil (Lavapies), in dem es aktive Stadtteilarbeit betreibt. Spannend waren sowohl das Konzept des Hauses, das extrem gut angenommen wird, als auch einzelne Elemente und Ausstellungen.

Ganz im Sinne von BNE verbindet das Konzept die Dimensionen Gesellschaft, Kultur, Bildung und Umwelt. Mindestens zwei dieser Säulen müssen bei jedem Angebot abgedeckt sein, in der Gesamtsumme müssen alle ausgewogen erkennbar sein.

Gedanken

SDG 4 und SDG 11: Eigentlich führt für Volkshochschulen an dem Konzept der Dritten Orte kein Weg vorbei.

SDG 13 und SDG 15: Könnten Volkshochschulen die Verbindung von Urban Gardening Aktivitäten in SH sein und dadurch die SDGs „Leben an Land“ und „Gesundheit“ noch sichtbarer machen?

SDG 10: Zum einen bekam ich neue, konkrete Anregungen, wie Inklusion an Volkshochschulen realisierbar wäre – wenn denn die Finanzierung einfacher wäre. Zum anderen gab es eine interessante Anregung zur Erreichung und Verbindung von Zielgruppen: Hier werden zum Teil gezielt zwei Zielgruppen in einer Veranstaltung zusammengebracht. Dies mal auszuprobieren und mit dieser Mischung zu arbeiten könnte ein spannender Ansatz sein.

El Maradero

Der ehemalige Schlachthof mit einem Gebäudeensemble von 1924 ist ein riesiges Kulturzentrum mit 3.Ort-Elementen, das laufend weiterentwickelt wird. „Ein offener Kulturort zum Erkunden, Sich-Treffen und Teil-sein“, wie es in der Selbstbeschreibung heißt: https://www.mataderomadrid.org/.

Gedanken

SDG 4, SDG 12, SDG 15 werden hier in das Angebot eines Ortes eingewebt, der in erster Linie Kulturinteressierte anspricht. Auf diese Weise wird auch eine untypischere Zielgruppe für Themen der Ökologischen Nachhaltigkeit erreicht.

Durch die permanente Weiterentwicklung des Ortes wird dieser auch von Personen, die schon oft da waren, als immer wieder neu-interessant erlebt.

Mental Health Awareness for Teachers and Students in Lissabon

von A. Kabuth

Im Rahmen des Erasmus+ Förderprogramms hatte ich die Möglichkeit, an dem Kurs „Mental Health Awareness for Teachers and Students“ der europass teacher academy in Lissabon teilzunehmen. Die Woche war geprägt von spannenden Inhalten, praktischen Übungen und wertvollen Begegnungen. Hier teile ich meine Eindrücke und Erkenntnisse.

Montag – Anreise und erste Eindrücke

Meine Reise nach Lissabon begann mit einer unerwarteten Herausforderung: Mein Anschlussflug von Amsterdam nach Lissabon am Vortag des Kurses fiel wegen eines technischen Defekts ersatzlos aus. So verbrachte ich die Nacht in Amsterdam und konnte erst am Nachmittag des nächsten Tages (- des ersten Kurstages!) weiterfliegen.

Nach der Ankunft führte mich mein Weg direkt zur Metro-Station Aeroporto – und ich wurde überrascht: Die Station ist mit 52 Karikaturen bedeutender Portugiesinnen und Portugiesen des Cartoonisten António Antunes geschmückt, darunter Schriftsteller wie José Saramago und Fernando Pessoa, die Fado-Sängerin Amália Rodrigues und der Fußballstar Eusébio.

Ein besonderes Highlight in den Metro-Zügen sind die feuerroten Sitze, die an den Rückenlehnen und auf den Sitzflächen komplett mit Kork bezogen sind – ein typisch portugiesisches Naturmaterial, da Portugal weltweit führend in der Korkproduktion ist. Die Metro hat in den letzten Jahren alle 13.700 Sitze von Textil- auf Korkbespannung umgerüstet, was den Zügen eine warme und einladende Atmosphäre verleiht. Ein authentischer Einstieg in Lissabon!

Ankunft in Lissabon: Kunst und Kork in der Metro: Karikaturen des Cartoonisten António Antunes in der Station Aeroporto und korkbezogene Sitze in den Zügen.

Dienstag – Emotionale Intelligenz und Naturerfahrung

Mein erster Kurstag (für den Rest der Gruppe schon der zweite) begann mit der Vorstellung der Förde-vhs und meiner Tätigkeit dort.  Die übrigen Teilnehmenden hatten ihre Arbeit schon am Montag vorgestellt. Im Gespräch stellte sich heraus, dass neben Grundschul-Lehrkräften auch zwei Lehrkräfte aus beruflichen Schulen sowie eine weitere vhs-Mitarbeiterin unter den Teilnehmenden war. So kamen wir im Laufe des Kurses immer wieder über die Besonderheiten und Gemeinsamkeiten unserer verschiedenen Zielgruppen in den Austausch.

Anschließend tauchten wir in das Thema emotionale Intelligenz ein. Laut dem World Economic Forum zählt emotionale Intelligenz zu den Top 10 der wichtigsten Jobskills – somit ist sozial-emotionales Lernen im Bildungsbereich zunehmend gefragt. Mit einem Umdenken weg von der Frage „Was stimmt nicht mit dir?“ und hin zu „Was ist dir widerfahren?“ wurde deutlich, wie wichtig das Verständnis für toxischen Stress schon in der Kindheit ist und wie dieser ohne Unterstützung zu großen Schwierigkeiten führen kann. Wir lernten einfache Techniken zum Umgang mit Stress kennen, wie etwa in Stresssituationen dreimal bewusst tief durchzuatmen, bevor man reagiert. Zudem erarbeiteten wir eine Übung zur kognitiven Verhaltenstherapie, bei der man Konfliktsituationen, Gedanken und Emotionen reflektiert und neue, ausgewogenere Denkweisen entwickelt.

Am Nachmittag führte uns eine Exkursion in den botanischen Garten Estufa Fria. Dort arbeiteten wir in Stille an selbstgewählten Orten, um unsere Sinneswahrnehmungen zu schärfen und unseren Emotionen nachzugehen. Besonders interessant erschien mir eine Übung, die Naturbeobachtung mit emotionaler Reflexion verbindet: Jede*r für sich wählt ein natürliches Objekt aus – einen Stein, eine Feder, eine Pflanze… Von einer genauen Beschreibung des gewählten Objekts ausgehend werden Überlegungen zur möglichen Geschichte des Objekts angestellt, über Wechselwirkungen mit der Umgebung: Gibt es Anzeichen von Veränderung, Wachstum, Widerstandsfähigkeit oder Zerbrechlichkeit? Diese Überlegungen führen hin zur Abstraktion: Wäre das Objekt eine Emotion, welche wäre es? Und weiter der Transfer ins Menschliche und Soziale: Wo spüre ich diese Emotion in meinem Körper, wenn ich sie erlebe? An welcher Stelle tritt diese Emotion im Unterricht in Erscheinung? Wie beeinflusst diese Emotion die Schüler*innen oder die Lernumgebung? So kann ein Stein in der Hand Halt geben, eine Pflanze kann für Flexibilität und Wachstum stehen – es entstanden in dieser Übung vielfältige Perspektiven und Gesprächsanlässe. Eine angeleitete Meditation rundete den Tag ab und gab wertvolle Hinweise, wie man Meditationen selbst anleiten kann.

Natürliches Objekt zur Naturbeobachtung und emotionalen Reflexion: verschiedene Blickwinkel auf einen Farn im botanischen Garten Estufa Fria.

Mittwoch – Glaubenssätze und Teambuilding

Am dritten Kurstag stand die Theorie ganz im Zeichen der Frage: Was sind Emotionen? und insbesondere, wie können wir unser Gehirn auf Glück trainieren? Inspiriert von Dalai Lama und Mahatma Gandhi beschäftigten wir uns mit limitierenden Glaubenssätzen, die uns in stressigen oder ängstigenden Situationen oft negativ beeinflussen. Mit praktischen Übungen wie „Trash talkers meet Treasure talkers“ lernten wir, wie negative innere Dialoge (Trash Talk) durch positive, stärkende Gedanken (Treasure Talk) ersetzt werden können.

Den Abschluss des Tages bildete eine Mental-Health-Rallye durch den Garten Jardim Gulbenkian, die Bewegung, Austausch und spielerisches Lernen verband. Angelegt war die App-basierte Rallye als digitale Schnitzeljagd im analogen Raum. In der inspirierenden Umgebung des Gulbenkian-Gartens sollten verschiedene Aufgabentypen in kleinen Teams gemeistert werden: Orte finden, Informationen einholen, schauspielerisch kurze Filme drehen, mit einfachen Materialien Objekte erschaffen und fotografisch dokumentieren.  – Ein willkommener Impuls für die Teamstärkung zwischen den Lernenden.

Mental-Health-Rallye Mission erfüllt: Kreative Selbstportraits aus Naturmaterialien.

Donnerstag – Mental Health am Strand von Carcavelos

Der Strand von Carcavelos bot die perfekte Kulisse für praktische Übungen zur Mental Health: Achtsamkeits-Meditation und Yoga halfen, Körper und Geist zu verbinden und zu entspannen. Hier bekamen die Teilnehmenden auch die Gelegenheit, eigens entwickelte Meditationen anzuleiten. In der darauffolgenden Praxiserfahrung erschufen wir in Kleingruppen Skulpturen der Stärke: Nach einem Austausch über die persönlichen Stärken baut jede Gruppe gemeinsam aus dem eben vorhandenen Material eine Skulptur, die diese Stärken symbolisiert. – Am Strand bot sich der Sand als Baumaterial geradezu an. Die kreative Arbeit förderte den Teamgeist und die Wertschätzung der eigenen Ressourcen.

Anschließend gingen wir in die Planung von Mental-Health-Aktivitäten für den eigenen Unterricht. Die Kleingruppen wurden so zusammengesetzt, dass ähnliche Lehr-/Lernsituationen berücksichtigt wurden, um einen möglichst großen Nutzen zu erzielen.

Achtsamkeits-Meditation und Skulptur der Stärken (Ruhe, Unvollkommenheit) am Strand von Carcavelos

Freitag – Klientenzentrierte Beratung und Resilienz

Der Vormittag startete mit einer angeleiteten Meditation zur Achtsamkeit für den Körper. Danach folgte ein intensives Thema: die klientenzentrierte Beratung nach Carl Rogers. Wir lernten, wie wichtig Authentizität, urteilsfreie Fürsorge und Empathie im Beratungsprozess sind. Eine spannende Übung dazu war das improvisierte Rollenspiel einer Beratungssituation mit vier verschiedenen Rollen: der/die Erzähler*in einer Konfliktsituation, dazu beratend der/die Rationale, der/die Empathische und der/die Motivierende. Die Möglichkeiten und Herausforderungen dieser verschiedenen Aspekte wurden durch die praktische Anwendung in isolierten Rollen besonders spürbar.

Am Nachmittag widmeten wir uns dem Thema Resilienz: Durch eine Stresskartierung analysierten wir persönliche Stressfaktoren und entwickelten gemeinsam Strategien zur Stressreduktion.

Angeregter Austausch im Seminarraum

Samstag – Kultureller Abschluss: Besuch im Gulbenkian Museum für moderne Kunst

Den Abschluss der Woche bildete ein individueller Museumsbesuch im neu eröffneten Centro de Arte Moderna Gulbenkian. Die moderne Architektur und die barrierefreie Gestaltung des Museums machen es zu einem besonders zugänglichen Ort des Lernens.

In der Ausstellung beeindruckten mich besonders die Werke portugiesischer Künstler*innen des 20. und 21. Jahrhunderts wie Paula Rego und Francisco Trêpa. Sie behandeln gesellschaftliche Themen wie Identität, Migration und Ungleichheit, aber auch abstraktere Themen wie Metamorphosen und Wechselwirkungen zwischen verschiedenen Lebensformen. Die Exponatbeschriftungen stellen in leicht verständlicher Sprache (auf Portugiesisch und Englisch) immer wieder Bezüge zur Lebenswelt der Besucher*innen her, offene Fragen laden zum Nachdenken und Diskutieren ein.

Der Besuch regte mich zum Nachdenken an, wie kulturelle Orte stärker in Bildungsangebote integriert werden können, um Lernenden neue Zugänge zu eröffnen und Selbstwirksamkeit zu stärken.

Werke von Paula Rego und Francisco Trêpa und die beeindruckende geschwungene Dachkonstruktion im Außenbereich des Centro de Arte Moderna Gulbenkian

Fazit

Die Woche in Lissabon war eine wertvolle Erfahrung für mich, persönlich und beruflich. Die vielfältigen Methoden und Übungen rund um das Thema Mental Health Awareness bieten zahlreiche Inspirationen, um das Wohlbefinden von Lehrenden und Lernenden im Alltag zu fördern.

Ich freue mich darauf, das Gelernte in meiner Arbeit an der Förde-vhs umzusetzen und dadurch die Bedeutung mentaler Gesundheit in der Bildung weiter zu stärken.

Hospitation zu BNE in Aarhus

22.09.2025 bis 24.09.2025

Teilnehmende: Christian Galonska, Ute Sauerwein-Weber

Montag, den 22.09.2025

Dieser Tag war unser Anreisetag. Nach einer Zugfahrt von Kiel nach Aarhus und dem Check-in in unsere Unterkünfte starteten wir einen ersten Besuch im Dokk1. Wir erkundeten die Lernumgebung, in der wir uns während der nächsten beiden Tage fortbilden würden und organisierten für jeden Tag und jeweils zwei Stunden einen kleinen Arbeitsraum, in dem wir unsere Ergebnisse sammeln und auswerten können.

Dienstag, 23.09.2025

Am ersten Tag unserer Hospitation stand das Dokk1 im Zentrum. Als zentrale Bibliothek und zugleich „Dritter Ort“ für die Stadtgesellschaft verbindet es Bildung, Begegnung und Kultur auf einzigartige Weise. Wir konnten uns einen umfassenden Eindruck von der Architektur, der Funktionsweise und den unterschiedlichen Lern- und Begegnungsräumen verschaffen und haben gezielt nach Anknüpfungspunkten für Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) recherchiert.

Ein Schwerpunkt lag auf der Gestaltung offener und inklusiver Lernräume. Deutlich wurde, dass Barrierefreiheit im Dokk1 nicht als nachträgliche Ergänzung verstanden wird, sondern integraler Bestandteil der Raumgestaltung und des Angebots ist. Offene Flächen, digitale Assistenzsysteme und die Möglichkeit, Räume flexibel zu nutzen, schaffen ein niedrigschwelliges Lernumfeld. Diese Ansätze sind wichtige Impulse für die Volkshochschulen, wie sie Teilhabe für alle Lernenden noch konsequenter verwirklichen können.

Im „Verdensrummet“ erhielten wir Einblicke, wie die SDGs praktisch vermittelt werden: durch Workshops, Ausstellungen und partizipative Formate. Nachhaltigkeitsthemen wie Ressourcenschonung („Reparieren statt neu kaufen“), Upcycling, urbane Begrünung, Biodiversität und lokale Klimaschutzmaßnahmen wurden in alltagsnahen Szenarien erfahrbar gemacht. Wir konnten sehen, wie BNE-Themen durch konkrete, handlungsorientierte Aktivitäten mit hoher Lebensweltrelevanz in die Bildungsarbeit integriert werden.

Zugleich zeigte das Dokk1, wie Future Skills wie Kreativität, Problemlösefähigkeit und digitale Kompetenz in offener Lernumgebung gefördert werden. Kooperationen mit Schulen, Initiativen und lokalen Partnern unterstreichen, wie eng Bildung, Stadtgesellschaft und Arbeitswelt miteinander verbunden sind. Schließlich haben wir Ansätze des Innovationsmanagements kennengelernt: Neue Ideen werden im Dokk1 konsequent getestet und in dauerhafte Strukturen überführt – ein Vorgehen, das wertvolle Impulse für die VHS-Arbeit bietet.

Insgesamt war dieser erste Tag im Dokk1 eine wertvolle Grundlage für unsere weiteren Hospitationen: Wir konnten zentrale Lernziele direkt mit praktischen Eindrücken verknüpfen und konkrete Übertragungsmöglichkeiten für die VHS-Arbeit in Schleswig-Holstein erkennen.

Mittwoch, 24.09.2025

Der zweite Tag führte uns in das DokkX, das als Innovationslabor im Dokk1 angesiedelt ist. DokkX versteht sich als Experimentier- und Lernort, an dem Bürgerinnen und Bürger neue Technologien kennenlernen, erproben und ihre Bedeutung für den Alltag reflektieren können.

Während einer Führung durch die Einrichtung erhielten wir Einblicke in verschiedene Arbeitsprozesse, die direkt an unsere Lernziele anknüpfen. Besonders wichtig war die Vermittlung von Kompetenzen für ein selbstständiges, aktives Leben – Menschen sollen ermutigt werden, Technologien nicht nur zu konsumieren, sondern aktiv zu nutzen und kritisch zu hinterfragen. Dies reicht von Assistenzsystemen für ältere Menschen über digitale Gesundheitsanwendungen bis hin zu innovativen Formen der Kommunikation.

Mit Blick auf die SDGs war erkennbar, dass DokkX technologische Innovation stets mit den Dimensionen soziale Gerechtigkeit, Barrierefreiheit, Teilhabe und ökologische Verantwortung verbindet. So werden z. B. Technologien im Hinblick auf ihre Wirkung auf Umwelt und Nachhaltigkeit bewertet. Dies eröffnet einen integrativen Zugang zu BNE, der sich auch für die Volkshochschulen übertragen lässt.

Wir konnten zudem nachvollziehen, wie im DokkX Future Skills gezielt gefördert werden: Bürgerinnen und Bürger lernen, mit Unsicherheit umzugehen, Neues auszuprobieren und Innovation in ihren Alltag zu integrieren. Besonders die partizipativen Ansätze – Menschen aktiv einzubeziehen und ihre Rückmeldungen in die Weiterentwicklung einzubauen – sind wertvolle Impulse für die Erwachsenenbildung in Schleswig-Holstein.

Auch das Innovationsmanagement des DokkX war für uns von großem Interesse. Neue Projekte entstehen in enger Zusammenarbeit mit Nutzerinnen und Nutzern sowie mit Partnern aus Wissenschaft, Stadt und Wirtschaft. Ideen werden zunächst im geschützten Raum erprobt, angepasst und erst nach erfolgreicher Testphase in die Regelstrukturen überführt. Dieses Vorgehen liefert konkrete Anregungen, wie auch Volkshochschulen Innovationsprozesse gestalten können.

Der zweite Tag machte deutlich, wie BNE, digitale Transformation und gesellschaftliche Teilhabe miteinander verbunden werden können. Das DokkX bietet damit nicht nur technologische, sondern vor allem auch pädagogische und gesellschaftliche Lernimpulse, die wir für die Weiterentwicklung unserer VHS-Arbeit nutzen können.

Am frühen Abend verließen wir Aarhus und fuhren mit einem Koffer voller Inspiration und kreativer Erfahrungen zurück nach Kiel.

The Art of Differentiation: Strategies for Inclusive Classrooms in Rom

Silke Wienecke

Volkshochschule Wedel

ERASMUS Mobilität 9.-13.06.2025

Tag 1, Montag, 09.06.2025

Der Kurs The Art of Differentiation: Strategies for Inclusive Classrooms des Anbieters Infol Education SRLS  in Rom soll eine umfangreiche Auseinandersetzung mit Methoden und Strategien der Inklusion im Unterricht und in der Institution bieten. Fünf Tage mit je vier Unterrichtsstunden sind dafür eingeplant.

Der Kursort befindet sich nicht direkt in der Innenstadt Roms, ist aber mit öffentlichen Verkehrsmitteln gut zu erreichen. Die Anfahrt mit der Metro klappte hervorragend, doch da kein Bus kam, ging ich den restlichen Weg zu Fuß und kam trotz kleiner Verspätung nahezu pünktlich an, als zweite von acht angekündigten Teilnehmerinnen.

Francesco, der Direktor des Instituts, begrüßte uns herzlich und sagte, dass drei Kolleginnen aus Rumänien auch noch das letzte Stück Wegstrecke zu Fuß zurücklegen würden. Insgesamt waren wir am ersten Tag zu sechst, zwei Lehrerinnen einer Berufsschule in Le Mans, Frankreich, sowie drei Lehrerinnen einer Berufsfachschule/Fachhochschule für Elektrotechnik aus Cluj/ Rumänien. Es gab eine einstündige ausführliche Vorstellungsrunde einschließlich der spezifischen Arbeitsbedingungen an den einzelnen Institutionen. Dann wurde Francesco zunehmend unruhig, da die Dozentin, die um 11:00 Uhr das erste Training beginnen sollte, nicht auftauchte. Es gab einen familiären Notfall, weshalb sie voraussichtlich bis mittags nicht zum Unterricht erscheinen könnte. Länderübergreifend war man sich einig, dass das wie im richtigen Leben wäre und eine Situation, wie wir sie alle in unseren eigenen Schulen auch schon erlebt hätten. Die rumänische und die deutsche Fraktion stellten fest, dass ohnehin in ihren Ländern der Pfingstmontag ein Feiertag wäre, überraschenderweise in Italien aber nicht.

Francesco teilte dann einen mehrseitigen umfangreichen Fragebogen über die Erwartungen an den Kurs und die Umsetzung der Ergebnisse an den jeweiligen Arbeitsplätzen aus. Die Ergebnisse dazu wurden jeweils im Plenum diskutiert. Das gab schon einen interessanten Überblick über die jeweiligen äußeren Gegebenheiten, mit denen die einzelnen Institutionen arbeiten müssen.

So unterrichten die Kolleginnen aus Frankreich die Fächer Französisch und Geschichte, aber auch „digital literacy“ in einer staatlichen Schule für Metallurgie, an der trotz einer sehr diversen Schülergruppe wenig Rückhalt für inklusive Lösungsansätze vorhanden sei. Die rumänischen Kolleginnen, allesamt in technischen Fächern tätig, sahen eher Verhaltensauffälligkeiten und Aufmerksamkeitsprobleme bei ihren Studierenden als problematisch an und betonten, dass ihre Schule in dieser Hinsicht aufmerksam wäre und nach Wegen suche, inklusive Strategien umzusetzen. Die Schülerschaft ist dort offenbar weniger heterogen, wobei auch dort eine große Gruppe Flüchtlinge aus der Ukraine neu ins Bildungssystem integriert werden muss.

Die Fragebögen wurden von Francesco gesammelt und an die Kursleiterin weitergeleitet, damit sie für den morgigen Unterrichtstag diese Informationen vorliegen hatte. Wir einigten uns darauf, am morgigen Unterrichtstag zwei entsprechend längere Unterrichtsblöcke einzuplanen, um den Stoff entsprechend behandeln zu können. Francesco beantwortete dann noch Fragen zum weiteren Verlauf des Kurses. Es sind zwei Außentermine/Hospitationen geplant. Darauf bin ich besonders gespannt. Gegen 13.00 Uhr war die Sitzung beendet. Das rumänisch-deutsche „Team Bus“ startete einen neuen Versuch, und diesmal klappte es, der Bus kam, zwar eine halbe Stunde später als laut Fahrplan, aber es war angenehm, den Weg zur Metro in der Mittagshitze nicht zu Fuß laufen zu müssen. Wir werden diese Aktion dann morgen als „Team- Building activity“ vorstellen. Wir haben uns dafür morgen auch um 9.15 an der Metro verabredet, um die Aktivität fortzusetzen.

Tag 2, Dienstag, 10.06.2025

Heute war die Trainerin, Kwanza Dos Santos, dann wie geplant da, und es gab einen fünfstündigen Workshop zu Themen aus der interkulturellen Pädagogik. Kwanza ist selbst italienische Staatsbürgerin, ihre Eltern sind aus Brasilien eingewandert, und sie hat sich aufgrund ihrer eigenen Biografie ausführlich mit Fragen inklusiven Lehrens und Lernens beschäftigt.

Der Workshop umfasste Partner- und Gruppenarbeiten und war gut angeleitet, speziell was assoziatives Arbeiten anging. Beim Zusammenstellen der Charakteristika inklusiven Unterrichts hatte ich dagegen das Gefühl, dass Kwanza sehr klare Vorstellung davon hatte, wie die Ergebnisse aussehen und formuliert werden sollten, das hat mich an einigen Stellen etwas gestört. Der Vollständigkeit halber fasse ich sie aber hier noch einmal zusammen: 

  • Inklusive Pädagogik basiert auf dem Prinzip, dass alle Lernenden – unabhängig von ihren individuellen Voraussetzungen – gemeinsam lernen und gefördert werden sollen.
  • Sie erkennt Vielfalt als Bereicherung und nicht als ein Problem, das beseitigt werden muss.
  • Ein zentrales Ziel inklusiver Pädagogik ist die Teilhabe aller Lernenden am schulischen und gesellschaftlichen Leben.
  • Lehrkräfte passen ihre Methoden, Materialien und Lernumgebungen an die unterschiedlichen Bedürfnisse der Lernenden an.
  • Inklusion bedeutet nicht nur die Integration von Menschen mit Behinderungen, sondern auch die Berücksichtigung sozialer, kultureller und sprachlicher Unterschiede.
  • Die Zusammenarbeit im multiprofessionellen Team ist ein wichtiger Bestandteil inklusiver Arbeit.
  • Inklusive Pädagogik orientiert sich an den Menschenrechten und am Prinzip der Gerechtigkeit im Bildungssystem.
  • Inklusiver Unterricht schafft eine Umgebung, in der sich alle Lernenden sicher, wertgeschätzt und lernfähig fühlen.

Die Ergebnisse aus unseren kleinen Gruppenarbeiten – Übungen zum aktiven Zuhören, Vergleiche der Bildungssysteme im Hinblick auf die Einbürgerungspolitik der jeweiligen Länder, Übungen zu Stereotypen und die anschließende Analyse biografischer Erfahrungen mit Stereotypen waren dagegen sehr interessant. So habe ich heute gelernt, dass das Staatsangehörigkeitsrecht in Italien letztmalig 1992 angepasst wurde. Für in Italien geborene Kinder nicht-italienischer Eltern gilt bis heute, dass sie nur zwischen ihrem 18. und 19. Lebensjahr die italienische Staatsbürgerschaft beantragen können, sie aber dafür auch ununterbrochen in Italien gelebt haben müssen. Ein Schuljahr im Ausland etwa würde diese Anforderung unmöglich machen. Die Kolleginnen aus Rumänien berichteten, dass es seit einigen Jahren starke Einwanderung aus Indien, Nepal, China und Sri Lanka nach Rumänien gebe. Diese Einwanderergruppen würden überwiegend die Jobs ausüben, die die Rumänen nicht (mehr) annehmen würden: subalterne Tätigkeiten, zum Beispiel in Gastronomie, Hotellerie… Da circa 40 % der rumänischen Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter selbst im Ausland arbeiten, lägen viele dieser Jobs ohne die Einwanderer brach.

Es sind Informationen wie diese, die das Erasmus-Programm so interessant machen: globale Entwicklungen, die in unterschiedlicher Weise in einzelnen Ländern ihren Niederschlag finden. 

Zum Thema „Stereotype“ gab es einen TED-Talk der nigerianischen Schriftstellerin Chimamanda Ngozi Adichie, nicht ganz neu, sondern aus dem Jahr 2009, aber nicht weniger aktuell, ein sehr gut ausgewähltes Testimonial über die Erfahrungen mit Stereotypen in beide Richtungen: Erwartungen und Zuschreibungen anderer und die eigenen Projektionen von Wirklichkeit auf andere Personen. Adichie beschrieb darin anschaulich ihre eigene Lesesozialisation, in der sie als Jugendliche ausgiebig klassische englische Literatur las (die ihre eigene Mutter von Studienaufenthalten in Großbritannien mitgebracht hatte) und ihr Blick auf das Land und seine Kultur eine quasi spätromantische Färbung hatte. Mit der Realität konfrontiert erlebte sie einen ungewollten, notwendigen Perspektivenwechsel, um die ihr bekannten, aber in ihrer Zeit verhafteten Themen und Sichtweisen einordnen und als Ausgangspunkt für ihre eigene Realität umwidmen zu können.

Dieser Wechsel der Perspektiven – „the different gaze“ – wurde anschließend in einigen praktischen Übungen erprobt. Zu Grunde lag die Annahme, dass durch Veränderungen der Narrative auch ein Wechsel vorgenommen werden könne. Kwanza stellte dazu Beispiele aus italienischen Lehrbüchern vor, die nach wie vor im Gebrauch seien. Geradezu erschütternd fand ich ein Beispiel aus einem Lesebuch für die dritte Klasse, in dem drei Kinder gefragt wurden, was sie sich für das beginnende Schuljahr wünschen. Ein strahlender blonder Junge antwortete, er würde gern viel draußen spielen. Ein niedliches Mädchen sagte gar nichts, ein dunkelhäutiger Junge in unbeholfenem Italienisch, er möchte gern viel besser Italienisch lernen. Dieses und weitere Beispiele führten zu lebhaften Diskussionen darüber, wie in einer Unterrichtssituation mit einfachsten Mitteln Stereotype in inklusive Ansätze umgewandelt werden könnten. Die französischen Kolleginnen berichteten, dass in Frankreich derzeit viele Lehrbücher sehr kritisch evaluiert und verändert würden. Aus meiner Erfahrung konnte ich ein DaZ-Lehrwerk der neuesten Generation vorstellen, in dem inklusive Ansätze konsequent umgesetzt worden waren. Die durchgehend verwendeten Charaktere sind unterschiedlich angelegt, beispielsweise sitzt ein Protagonist im Rollstuhl, eine weitere Protagonistin ist schon recht alt, es gibt mehrere Personen mit Migrationshintergrund, die ganz unterschiedliche berufliche Tätigkeiten ausüben („Miteinander“, Hueber Verlag, 2024).

Der letzte Teil des Workshops umfasste eine Übersicht über inklusive Sprache, da war inhaltlich wenig Neues dabei, aber interessante linguistische Aspekte gab es auch hier. 

Tag 3, Mittwoch, 11.06.2025

Heute war einer der beiden Unterrichtstage, die für Exkursionen und Außenaktivitäten vorgesehen sind. Die Gruppe besteht nach wie vor aus sechs Personen, die beiden Kolleginnen aus Rumänien, die am Montag noch angekündigt worden waren, konnten kurzfristig nicht am Kurs teilnehmen. Heute war der Treffpunkt die Metro Station Circo Massimo, von dort ging es ein kurzes Stück zu Fuß zum Kulturzentrum „Celio Azurro“.

Der Stadtteil „Celio“ ist nach dem Cäcilienhügel benannt und befindet sich im Zentrum der Stadt, nahe beim Circus Maximus. Trotzdem (wegen der Hanglage) ist es dort eher ruhig und grün – es gibt viele öffentliche Parkanlagen. Und da wunderbares Sommerwetter herrscht, ist der Himmel azurblau. Der Name der Einrichtung wurde bewusst so gewählt, als Wortspiel, das den blauen Himmel („cielo azzurro“) und den blauen Hügel verbindet, der Name ruft Assoziationen wie Weite, Unendlichkeit etc… hervor.

„Celio Azzurro“ geht auf eine private Initiative zurück, die in Deutschland vielleicht mit einem niedrigschwelligen Nachbarschaftszentrum der 1970er Jahre vergleichbar wäre, ein Konzept, an das in Deutschland die heutige stadtpolitische Quartiersplanung wieder anknüpft. Gegründet 1990 mit einem innovativen pädagogischen Konzept ist heute eine durch das Bildungsministerium geförderte Einrichtung, die frühkindliche Bildung bis Erwachsenenbildung anbietet.

Wir wurden von Giorgio, einem Pädagogen, der seit der Gründung dort arbeitet, freundlich begrüßt und herumgeführt. In Italien haben Pfingsten die dreimonatigen Sommerferien begonnen, die Schulen und viele andere Bildungseinrichtungen sind daher geschlossen. Nur eine kleine Gruppe wurde in der Zeit betreut, darum konnten wir auch das Gelände und die Unterrichtsräume ansehen.

Das Konzept basiert auf einer ganzheitlichen Pädagogik, die inklusive Ansätze auf unterschiedliche Generationen/Altersgruppen anwendet. Die Angebote wurden von Anfang an auf die Bedürfnisse von Eltern und Kindern ausgerichtet.  In der Gründungsphase kamen 75% der Teilnehmenden aus Einwandererfamilien, heute sind es ca. 40%.  Umgangssprache ist Italienisch und so werden systematisch auch Italienischunterricht für Migranten, Kochkurse, Yoga und vereinzelt Angebote zur politischen Bildung angeboten. Dabei handelt es sich ausschließlich um kommunalpolitische Themen im Stadtviertel, die meist auf konkrete Problemlösungen abzielen (die Parkplatzsituation zum Beispiel). 

Celio Azzurro bietet also unterschiedliche Bildungsaktivitäten und -wege an, die von einer vielfältigen Gesellschaft (ethnisch, kulturell und generationenübergreifend) geprägt sind.

Ein solcher Ortstermin ermöglicht Einblicke, die nur in der praktischen Arbeit zu gewinnen sind. Eine kritische Anmerkung jedoch: „Inklusion“ umfasst für mich auch Barrierefreiheit oder zumindest das Bewusstsein dafür. Außengelände und Gebäude sind aufgrund der Hanglage für Menschen mit körperlichen Einschränkungen aber kaum oder gar nicht zugänglich, es gibt viele Treppen oder Stufen und keine angepasste Zuwegung.

Unsere Exkursion am dritten Tag endete mit einem gemeinsamen Rundgang durch die Viertel St. Giovanni und Esquilino, das Stadtviertel, das in Richtung des Hauptbahnhofs den höchsten Migrantenanteil der Stadt aufweist. Die Dozentin wies immer wieder auf die Vielfalt hin, die sich im Straßenbild zeige, dies schien ihr sehr wichtig zu sein. Den Abschluss bildete ein Besuch des Marktes „Nuovo Mercato Esquilino“, ein berühmter Markt, der nach langen kommunalpolitischen Verhandlungen vor ca. 15 Jahren aus hygienischen Gründen mit einer riesigen Markthalle umgebaut wurde. Die umgebenden Straßen waren vor allem von asiatischen (Indien, China, südostasiatische Staaten) Cafés, Restaurants und Lebensmittelgeschäften geprägt. Der Markt selbst bot Lebensmittel aus mehreren Kontinenten und es war ein Erlebnis, dort einmal hindurchzuschlendern.

Für morgen ist ein weiterer „Ausflug“ geplant, mehr wurde nicht verraten. Ich bin gespannt!

Tag 4, Donnerstag, 12.06.2025

Heute fand der zweite Außentermin statt. Sehr schön daran: wir trafen uns im Freien, erst an der U-Bahn-Station Hauptbahnhof, um zur Station EUR Palaspor (ein großes Stadium) zu fahren. Von dort war es nur ein kurzer Fußweg zum Parco Centralo del Lago, einem öffentlichen Park. Von den veranschlagten drei Zeitstunden Unterricht war damit schon mehr als eine halbe Stunde vorbei. In den verbleibenden zweieinhalb Stunden führten wir exakt sechs Übungen durch. Das war wenig, zumal für keine der sechs Teilnehmerinnen etwas wirklich Neues dabei war, wie wir uns auf der Rückfahrt mit der Metro gegenseitig bestätigen konnten. Ich will jetzt nicht zu kritisch sein, und es war wie gesagt sehr schön, nicht in einem heißen Klassenzimmer zu sitzen (es waren heute 35°), und es war auch keine vertane Zeit mit den Kolleginnen aus zwei anderen Ländern diese Übungen durchzuführen, aber der Erkenntnisgewinn war sehr überschaubar.

Es handelte sich bei den Übungen um Aufwärm- und Eisbrecher Aktivitäten, wie alle sie selbst in ihrem Unterricht schon durchgeführt haben: den eigenen Namen und damit ein Stück Biografie zu erklären, drei Dinge über sich selbst, von denen eine Aussage nicht zutraf und die erraten werden musste, eigene Stärken und Schwächen zu beschreiben, dann ein „Blindfold Walk“ als vertrauensbildende Maßnahme, ein „Privilege Walk“, anschließend eine kurze Schnitzeljagd, bei der auf dem Handy Fotos von verschiedenen Objekten gemacht werden mussten. Vielleicht waren heute einfach alle etwas erschöpft und träge, aber nicht nur ich habe die Veranstaltung als extrem in die Länge gezogen und wenig inhaltsreich empfunden. Die Inhalte entstanden durch die informellen Gespräche mit den Kolleginnen. Außerdem waren wir mitten in einem römischen Park während der Woche im überraschend heißen Frühsommer, ein schönes Erlebnis, zu beobachten, wie die Römerinnen und Römer, speziell Familien mit kleinen Kindern, sich in einer kleinen grünen Oase mitten in der Großstadt erholen.

Tag 5, Freitag, 13.06.2025

Der fünfte und letzte Tag begann mit einer kurzen Nachlese der Outdoor-Aktivitäten, dem Besuch im Kulturzentrum Celio Azzurro und dem Aktivitäten-Nachmittag im Park gestern. Die Rückmeldungen über Celio Azzurro und den anschließenden Quartiersrundgang waren übereinstimmend sehr positiv. Mit dem gestrigen Nachmittag waren die Teilnehmerinnen wohl alle nicht richtig zufrieden, wir alle brachten unsere Kritik aber sehr vorsichtig vor. Meine Bitte für den letzten Tag war, noch ein paar Impulse zu anderen Aspekten der Inklusion zu bekommen, nicht nur die migrantische Perspektive. Das wurde auch erfüllt, nach einem längeren Exkurs zu den Themen inklusiver Geographie und Geschichte.

Die Unterrichtsform war überwiegend ein Vortrag von Kwanza, immer wieder aufgelockert durch Beispiele und Vergleiche der Situation in unseren jeweiligen Herkunftsländern.

Grundsätzlich ist Inklusive Geographie ein Ansatz, geografische Räume, Phänomene und Prozesse so zu betrachten, dass alle Menschen, unabhängig von ihren Fähigkeiten, Hintergründen oder Lebensumständen, einbezogen werden. Sie legt Wert darauf, Barrieren zu identifizieren und abzubauen, die den Zugang zu geografischem Wissen oder räumlichen Erfahrungen einschränken könnten. Das bedeutet, dass Lehrmaterialien, Karten und Lernmethoden so gestaltet werden, dass sie für alle zugänglich sind, beispielsweise durch taktile Karten für sehbehinderte Menschen oder durch leicht verständliche Sprache.

Inklusive Geographie fördert das Bewusstsein für die Vielfalt der Lebenswelten und die unterschiedlichen Perspektiven, die Menschen auf der Welt haben. Sie betont die Bedeutung von Partizipation und Mitbestimmung in der Raumgestaltung und -planung. Ziel ist es dabei, Diskriminierung und Exklusion zu vermeiden und eine gerechte Verteilung von Ressourcen und Chancen zu fördern. In der Praxis bedeutet das auch, Umwelt- und Raumfragen aus verschiedenen Blickwinkeln zu betrachten, etwa aus der Sicht von marginalisierten Gruppen. Die inklusive Geographie soll dazu beitragen, gesellschaftliche Ungleichheiten sichtbar zu machen und Lösungen zu entwickeln, die alle Menschen einschließen. Sie ist eng verbunden mit Konzepten wie Nachhaltigkeit, Gerechtigkeit und Menschenrechten. Durch den Einsatz moderner Technologien (z. B. Geoinformations-systeme, GIS), können dazu Daten gesammelt und für alle zugänglich gemacht werden. Insgesamt zielt inklusive Geographie darauf ab, das Verständnis für die komplexen Zusammenhänge des menschlichen Lebens auf der Erde zu fördern, ohne bestimmte Gruppen auszuschließen. 

Eng verknüpft mit inklusiver Geographie ist die Kritik an kolonialer und postkolonialer Kategorisierung. Die Bezeichnung „Dritte Welt“ oder „Entwicklungsländer“ beschrieb Kwanza als Beispiel dafür, wie politische Kategorisierung während des kalten Krieges durch die USA die westliche Sichtweise für Jahrzehnte prägte. Die Aufteilung Afrikas durch Kolonialmächte bis hin zum Ziehen von Landesgrenzen mit dem Lineal, völlig ungeachtet der bestehenden Besiedlung durch unterschiedliche Ethnien nannte sie als ein Beispiel dafür, wie geopolitische Fakten geschaffen wurden. Bis heute gehe die Länderbezeichnung Kamerun auf das Portugiesische Wort Camo für „Krabben/Shrimps“ zurück. Der frühere Staat Obervolta hingegen hätte seine Umbenennung in Burkina Faso, ungefähr übersetzbar als „Land der Menschen mit Würde“ aus den zwei meistgesprochenen Sprachen des Landes ausgewählt. Für Ghana war die koloniale Bezeichnung die „Goldküste“, eine ähnliche Bezeichnung hat Cote D‘ Ivoire bis heute. Ein kurzer, aber hochinteressanter Beitrag auf dem YouTube-Kanal „Geography Now“ über Frankreich illustrierte die irgendwie anachronistisch anmutenden französischen Übersee-Départments, Enklaven und „Territoires d’outre-mer“ (TOM). Eine der französischen Kolleginnen hat Familie in New Caledonia und konnte dazu aus eigener Anschauung über die dortigen speziellen Autonomieregelungen berichten.

Inklusive Geschichtsschreibung zielt ebenfalls darauf ab, Geschichte aus vielfältigen Perspektiven zu erzählen und alle gesellschaftlichen Gruppen einzubeziehen. Sie soll traditionelle, oft eurozentrische oder westlich dominierte Narrative ausbalancieren, die bestimmte Gruppen marginalisieren oder ausblenden. Ziel ist es, die Erfahrungen von Minderheiten, Frauen, ethnischen Gruppen, sozialen Schichten und anderen oft übersehenen Akteuren sichtbar zu machen, um die Vielfalt menschlicher Erfahrungen abzubilden. Sie bezieht idealerweise Quellen aus verschiedenen Kulturen und Perspektiven ein, um ein umfassenderes Bild der Vergangenheit zu zeichnen. Dieser Ansatz soll dazu beitragen, Vorurteile abzubauen und die Stimmen von Menschen zu hören, die in traditionellen Geschichtsschreibungen oft fehlen, etwa durch die Einbeziehung von „Oral History“.

Kwanza erläuterte weitere interessante Beispiele aus Italien: so wurden seit 1923 seh- und hörbehinderte Kinder in eigenen Schulen unterrichtet. Dort wurden aber auch Kinder aus Süditalien aufgenommen, die mit regionalen Dialekten (und teilweise Sprachen) aufgewachsen waren und kein Standarditalienisch sprachen. Also gewissermaßen das Gegenteil von Inklusion.

Seit etwa 20 Jahren gibt es in Italien einen nationalen Integrationsplan (Piano di Integrazione degli Stranieri, PEI), der die folgenden Ziele hat:

  1. Sprachliche Integration: Förderung der Italienischkenntnisse, um die Kommunikation im Alltag und im gesellschaftlichen Leben zu erleichtern.
  2. Kulturelle Integration: Vermittlung von Kenntnissen über die italienische Kultur, Werte und gesellschaftliche Normen, um das Verständnis und die Teilhabe zu stärken.
  3. Soziale und rechtliche Integration: Unterstützung bei der Orientierung im Rechtssystem, beim Zugang zu Bildung, Arbeit und sozialen Diensten, um eine erfolgreiche Eingliederung in die Gesellschaft zu gewährleisten.

Derzeit ist ein bildungspolitischer Schwerpunkt die Integration von Kindern mit Beeinträchtigungen oder Behinderungen ins reguläre Schulsystem, indem man ihnen Schulbegleiter zur Seite stellt.

Der letzte Unterrichtsabschnitt diente dazu, dass alle Anwesenden kurz das Bildungssystem ihrer Länder vorstellten. Da außer mir alle an staatlichen Berufsfachschulen mit der Altersgruppe der 16- bis 24-Jährigen tätig sind, lag der Fokus auf dieser Altersgruppe und den Schulformen. Alle stellten für ihre Einrichtungen und sich fest, dass inklusive Pädagogik mindestens schon stark reflektiert würde, dass in vielerlei Hinsicht auch schon Maßnahmen erfolgt wären, da es sich dabei aber um einen fortwährenden Prozess handelt und nicht um einen festzuschreibenden erreichten Zustand, bleiben viele Aufgaben weiter bestehen. Die Veranstaltung endete mit der Austeilung der Teilnahmebescheinigungen und einer allgemeinen Feedbackrunde.

Aus dem Kurs nehme ich eine Reihe neuer Impulse mit und – wie bisher immer bei Erasmus Programmen – wunderbare Gelegenheiten, sich mit Kolleginnen aus anderen Ländern auszutauschen. Diese Erfahrungen sind sehr wertvoll und helfen dabei, den Blick auf Herausforderungen und Problemlösungen zu schärfen. An zwei von 5 Unterrichtstagen fand allerdings nur ein reduziertes bzw. ein den Erwartungen nicht ganz genügendes Programm statt. Eine der französischen Kolleginnen formulierte es als Analogie auf den Gemeinsamen Europäischen Referenzrahmen für Sprachen so: „Wir sind bei Fragen der Inklusion doch schon auf dem B1-B2-Level, und der Kurs war für A1/A2 konzipiert“.

Kulturelle Ressourcen für den Spanischunterricht in Santiago de Compostela

von René Brown, Santiago de Compostela, 21.07.2025 – 25.07.2025

Meine Reise nach Santiago de Compostela in Galicien, Spanien, begann am Samstag, den 19. Juli, von Schwerin aus. Nach einer Zugfahrt und zwei Flügen kam ich am Nachmittag desselben Tages in Galicien an.

Der Kurs fand in der Akademie Iria Flavia statt, die seit mehreren Jahren solche Mobilitäten im Rahmen des Programms Erasmus+-Programm anbietet. Für mich war es das erste Mal, dass ich an diesem Programm teilgenommen habe. Die Akademie zeigte sich von Anfang an äußerst kooperativ, und die Kommunikation sowie der Informationsaustausch waren klar und schnell. Das Gleiche gilt für den Landesverband der Volkshochschulen Schleswig-Holsteins e.V.

Die Organisation meiner Unterkunft übernahm die Akademie, und meine Gastgeberin María empfing mich in ihrer gemütlichen Wohnung in einem zentralen Stadtviertel, ganz in der Nähe der Akademie und des Stadtzentrums.

Ich hatte das Glück, dass mein Kurs genau in die Woche der Feierlichkeiten zu Ehren des
Apostels Jakobus fiel, die vom 16. bis 25. Juli stattfinden, wobei der 24. und 25. die wichtigsten Tage sind. Jeden Abend bot die Stadt kulturelle Programme an verschiedenen Orten sowie zahlreiche Gratis-Konzerte an.

Am Wochenende habe ich diese sehr interessante und touristische Stadt erkundet, die von viel historischer Tradition rund um die Pilgerschaft auf dem Jakobsweg geprägt ist. Die
Freundlichkeit der galicischen Menschen trägt sehr dazu bei, die lokale Kultur kennenzulernen und von einem Kursbesuch in einem Land zu profitieren, in dem die Zielsprache des Unterrichts gesprochen wird.

Der Kurs begann pünktlich am Montag, dem 21. Juli. Wir trafen uns kurz vor 9:00 Uhr, und nach einer Begrüßung stellte uns der Akademieleiter José Luis Clavijo die Lehrer vor und gab uns eine kurze Erklärung zu den organisatorischen Einzelheiten für den Unterricht und die Führungen. Es wurden zwei parallele Gruppen mit Teilnehmern aus Deutschland, Frankreich, Österreich, Italien, der Schweiz, der Slowakei und den Vereinigten Staaten gebildet. Der Lehrer meiner Gruppe für die gesamte Woche war Marcos Suárez.


Direkt danach begannen wir mit dem ersten Modul des Kurses, das sich mit dem Einsatz von Comics und Graphic Novels als didaktische Ressourcen beschäftigte. Es war sehr interessant, diese Materialien unter Beachtung von Aspekten wie Urheberrecht und digitalen Tools zu bearbeiten. Von Beginn an wurde Wert daraufgelegt, Materialien zu gestalten, die leicht an unterschiedliche Lernstufen und Gruppengrößen angepasst werden können.

Zu diesem Zweck wurde unter anderem empfohlen, Bilder von Google herunterzuladen, entweder als Dateien oder als Screenshots, um sie auf der kostenlosen Webseite PDF Escape (https://www.pdfescape.com/) zu bearbeiten. Dort können die Sprechblasen aus den Comics „entleert“ werden, damit die Schüler sie entsprechend ihrer jeweiligen Sprachkenntnisse ausfüllen können.

Wir haben auch das Erstellen eigener Comicstrips mit eigenen Ideen sowie mit den Grafiken, die auf kostenlosen Webseiten wie Pixton, Witty Comics und Makebeliefs angeboten werden, geübt.

https://www.pixton.com/welcome
https://www.wittycomics.com/
https://makebeliefscomix.com/

Außerdem haben wir mit einfacheren Übungen gearbeitet, zum Beispiel indem wir Ausschnitte eines Comics mit Dialogen bereitgestellt haben, damit die Geschichte mithilfe der Bilder und des entsprechenden Wortschatzes in die richtige Reihenfolge gebracht werden kann.

Am Nachmittag, nach der Mittagspause, machten wir eine Stadtführung durch das Zentrum und am Abend gingen die Gruppen gemeinsam essen.

Am Dienstag, den 22., widmeten wir uns der Durchsicht vieler Online-Materialien, insbesondere Werken spanischer Künstler, um die Ressourcen auf der Grundlage der Zielsprache auszurichten. Wir übten interaktive Aufgaben für den Unterricht, die das Beschreiben und den Meinungsaustausch fördern.

Für diesen Zweck haben wir zahlreiche Webseiten verschiedener Museen und spanischer Institutionen besucht, ebenso wie die Kultursektionen von Online-Zeitungen (z.B. El País), sowie verschiedene Instagram-Seiten.


Am Mittwoch, den 23., machten wir virtuelle Besuche in spanischen Museen, bei denen neben den Beschreibungen der verschiedenen Ausstellungsräume auch zahlreiche pädagogische Materialien, die im Jahresverlauf wechseln, verfügbar sind. Anschließend besuchten wir den lokalen Markt, um die typischen Speisen der Region kennenzulernen und zu genießen.

Den Abschluss des Moduls bildeten Besuche im Centro Gallego de Arte Contemporáneo und die Fundación Eugenio Granell (surrealistische Kunst).

Am Nachmittag gingen wir eine kleine Etappe des Jakobswegs (ca. 10 km) von Palas de Rei bis zum Ort O Coto, etwa 60 km von der Stadt entfernt.

Am Donnerstag, den 24., besprachen wir zahlreiche Kurzfilme zu verschiedenen Themen und diskutierten, wie man die Inhalte je nach Niveau, Alter und kulturellem Hintergrund der Schüler einsetzen kann und wie man heikle oder ausschließende Themen vermeidet. Wie in allen vorangegangenen Modulen tauschten wir Ideen zur Umsetzung von Übungen mit den vorgestellten Materialien aus, wobei stets die urheberrechtlichen Einschränkungen beachtet wurden.

Die Quellen für visuelles Material, in diesem Fall die Kurzfilme, sind zahlreich, und es war sehr hilfreich, Informationen über spanischsprachige Seiten zu erhalten, die man im Ausland bzw. in Deutschland nicht immer leicht findet.

Es war auch sehr interessant, die Übungen, die wir im Comic-Modul verwendet haben, für die Nutzung mit Kurzfilmen anzupassen. Um einige Beispiele zu nennen: die Erstellung von Dialogen mit Standbildern; das Beschreiben dessen, was geschehen ist oder geschehen wird, ausgehend von einer bestimmten Aufnahme; die Beschreibung der Geschichte oder der verschiedenen Charaktere aus unterschiedlichen Perspektiven; oder die Verwendung von Lückentexten zur Verstärkung grammatischer Punkte (z. B. Verben, Präpositionen, Adjektive usw.).

Am Nachmittag besuchten wir ein letztes Museum in der Stadt, das Pilgermuseum, und am Abend genossen wir das Feuerwerk zu den lokalen Festlichkeiten.

Am Freitag, den 25. Juli, arbeiteten wir mit Werbung im Bereich Guerilla-Marketing und lernten didaktische Ansätze für Werbeanzeigen kennen. Wir haben auch das Untertiteln von Videos geübt, um interaktive Übungen zu erstellen. Dazu arbeiteten wir mit dem VLC-Player und dem Bearbeitungsprogramm Aegisub (beide kostenlos). Nachdem die technischen Schwierigkeiten beim Installieren eines neuen Programms und dem ersten Umgang damit überwunden waren, führten wir eine praktische Übung mit einem Ausschnitt eines spanischen Werbespots durch.

Wieder einmal halfen uns die während der Woche erlernten verschiedenen Übungen, die Aktivitäten mit diesem neuen Material an die unterschiedlichen Wissensstufen der Schüler anzupassen. Wie zuvor halfen uns die Übungen, die wir während der Woche gelernt hatten, dabei, die Aufgaben mit dem neuen Material an Schüler mit unterschiedlichen Sprachkenntnissen anzupassen.

An diesem Tag endete der Kurs für mich und einen weiteren teilnehmenden Lehrer.

Der Besuch dieses Kurses, der verschiedene Materialien und Themen, Führungen und Ausflüge in der Stadt und Umgebung umfasste, war für mich äußerst wertvoll und bereichernd. Es war ebenso bereichernd, die Möglichkeit zu haben, Erfahrungen und Ideen mit Lehrkräften aus anderen europäischen Ländern auszutauschen, um einen anderen Blick auf die jeweiligen Bildungssysteme zu erhalten – mit ihren Vor- und Nachteilen.

Für mich persönlich war es außerdem besonders wertvoll, bei einer lokalen Familie zu wohnen, was meinen Erasmus-Aufenthalt zu einer rundum positiven Erfahrung gemacht hat – eine, die ich gerne wiederholen und Kollegen in jeder Hinsicht empfehlen würde.

Yoga and Meditation for Educators: Be a Great Teacher, Be Your Best Self in Dublin

7.7.2025 – 12.7.2025

von Silke Seeling

Das Allerbeste und ich finde Wichtigste solch eines Projektes ist die Völkerverbindung und das Verständnis für andere Menschen und Kulturen!

Wir waren 13 Teilnehmer, neben mir noch 2 weitere aus Deutschland: Kassel und Leipzig. Die Spanier und Portugiesen konnten sich sprachlich besonders gut untereinander verständigen. Außerdem gab es noch 3 Teilnehmer aus Italien.

Das Wetter in Dublin war außergewöhnlich warm und trocken.

Der Montagabend war geprägt von vielen neuen Eindrücken: neue Lehrkräfte, eine spannende internationale Gruppe, ein erster Überblick über die Lehrinhalte sowie eine Einführung in die Veranstaltungsräume – und all das auf Englisch.
Auch abseits des Unterrichts gab es viel zu entdecken – insbesondere dabei, sich im neuen Alltag zurechtzufinden.

Am Nachmittag fand dann in den Räumen der Akademie eine kleine Messe mit kulinarischen Köstlichkeiten aus den Heimatländern aller Teilnehmer der Akademie in der Woche statt.

Am Abend gab es dann eine schnelle Stärkung – traditionelles Irish Stew. Auch wenn es nicht ganz meinem Geschmack entsprach, war es eine interessante kulinarische Erfahrung.

Ich hatte das Gefühl, dass sich ab Mittwoch langsam eine gewisse Vertrautheit mit allem einstellte. Die Temperaturen stiegen an, wir konnten die Yogaeinheiten nach draußen verlegen und auch der morgige Schulweg in der noch kühlen Luft war einfach umwerfend, da die Akademie in einer schönen Umgebung liegt.

Abends stand dann Tanzen auf Irisch auf dem Programm, mit circa 20 Personen und einem sehr enthusiastischen Iren.

Bereits nach einer Stunde herrschte eine freundschaftliche Atmosphäre in der Gruppe, alle lachten, trotz der Hitze im Raum.

Die ersten drei Tage des Kurses haben wir viel meditiert, was ich ganz sicher in meine Kurse bei der vhs mitnehmen werde; genauso wie das sogenannte Yin Yoga.

Zwei Praktiken, die viel Ruhe in meinen Unterricht bringen werden und ganz sicher zur Entspannung der Teilnehmer führt.

Unsere Lehrerinnen Susan und Amy haben sehr viel Wert auf Meditation gelegt, um vor den Yogaeinheiten im Raum anzukommen und sich zu entspannen.

Der Atem, die Brücke zwischen ‚Mind‘ und ‚Body‘ kommt durch die Meditation zur Ruhe.

Eine ruhige, tiefe Atmung kann sogar lebensverlängernd wirken: Susan brachte das Beispiel eines schnell hechelnden Hundes, der ja bekanntlich nicht älter als 20 Jahre wird. 

Meditation sollte geübt werden, da es nicht so leicht ist, den unruhigen rastlosen Geist zur Ruhe zu bringen und die Gedanken kommen und gehen zur lassen.

Alles hat Zeit bis nach der Meditation.

Hilfsmittel können z.B. die sogenannte ‚Boxatmung‘ sein, bei der man sich einen Kasten vorstellt mit 4 Stufen zum Einatmen, vier Stufen zum Anhalten des Atems, vier Stufen zum Ausatmen und vier Stufen zum Atem anhalten.

Relativ ausführlich haben wir uns auch mit Yin Yoga beschäftigt.

Yin symbolisiert dabei das schwarze, weibliche Element; Yang das weiße, männliche.

Etwas Yin ist immer im Yang-Element und umgekehrt; symbolisiert durch kleine Punkte in schwarz bzw. weiß. 

Yin und Yang repräsentieren dabei die Dualität, die zwei unterschiedlichen Charaktere in uns, die in Harmonie gebracht werden können und sich gegenseitig ergänzen.

Dabei haben wir fünf Asanas praktiziert: den Meditationssitz, die Herzöffnung mittels einer großen Rolle unter dem Rücken, die Drachenhaltung, den sogenannten Schwan und eine Twisthaltung.

Nicht zu vergessen das sogenannte Shavasana, die Ruhehaltung, die grundsätzlich nach den praktizierten Asanas geübt werden sollte.

Obwohl ich schon lange Yoga praktiziere, war es trotzdem sehr bereichernd, die Yogaeinheiten mit den drei Kriegern, der Berghaltung, dem herabschauenden Hund und der Kobra (um nur einige der praktizierten Asanas zu nennen) von Susan und Amy angeleitet zu bekommen. 

Ab Donnerstag wurden wir auf unsere Abschlussprüfung am Freitag vorbereitet, was auch spannend zu beobachten war, da wir in Gruppen zusammenarbeiteten. Ich fertigte zusammen mit Teilnehmern aus Italien an der Ausarbeitung. In meiner Gruppe trafen unterschiedliche Herangehensweisen aufeinander. Gemeinsam konnten wir eine gelungene Ausarbeitung erstellen. Freitag fand dann nach der Meditation bei herrlichstem Wetter die Präsentation jedes einzelnen statt.

Nach bestandener Prüfung gab es dann die Zertifikate. Susan und Amy haben wohl noch nie so viele Fotos machen müssen.

Hier ein Video von der kleinen Feier, wo dann vor Freude auch noch getanzt wurde. 🙂 

Abends hat sich dann der größte Teil der Gruppe in Amy’s Restaurant zum Essen getroffen.

Habt tausend Dank für alles und, dass ich das erleben durfte!

Art as Therapy: Self-Expression and Special Needs in Art Education in Rom

Teacher Academy Rom, 28.07. – 02.08.2025

von B. Kirsch

Gemeinsam in einer Gruppe von 12 Teilnehmenden (10 weiblich/ 2 männlich) aus verschiedenen europäischen Ländern (3 aus Lettland, 3 aus Spanien, 1 aus Polen, 1 aus Griechenland, 1 aus Kroatien, 1 aus Ungarn, 1 aus Finnland und 1 aus Deutschland) erkundeten wir in einem 5-tägigen Kurs die Möglichkeiten zu obigem Thema. Angeleitet durch intensiven Input, sowie zur praktischen Erprobungen aller vorgestellten Methoden wurden wir von Frau Marianna Paniagoutoudi. Sie stammt aus Griechenland  und lebt in Italien. Der Kurs fand durchgehend auf Englisch statt.

Das Klima und die Kommunikation in der Gruppe war von Anfang an entspannt und freundlich. Die überwiegende Zahl der Kursteilnehmenden unterrichtet in den jeweiligen Heimatländern Kunst in Schulen, an der Universität, im Museum und/ oder bei öffentlichen Trägern wie der Volkshochschule. 

Unsere Gruppe bei der Arbeit

Marianna, unsere Dozentin, unterrichtet auch an der Kunsthochschule in Rom. Sie ist sehr kompetent und konnte mit natürlicher Freundlichkeit sowohl vermitteln, als auch auf Bedürfnisse der Teilnehmenden eingehen und trug damit maßgeblich zu einer guten Stimmung innerhalb der Gruppe bei.

Obwohl aus ganz unterschiedlichen europäischen Ländern mit unterschiedlichen Kulturen und Anforderungen, war die Zusammenarbeit in der Gruppe harmonisch und auf Augenhöhe, auch im Hinblick auf Werte und Nachhaltigkeit und einer offenen Auffassung gegenüber Neuem und Anderem. Insbesondere Letzteres ist für die Auseinandersetzung mit dem Fokus des Kurses sehr wichtig.

Der Kurs „Kunst als Therapie, Selbstausdruck und besondere Bedürfnisse einzelner Zielgruppen im Kunstunterricht“ beschäftigte sich damit, wie Kunst genutzt werden kann, um Menschen zu unterstützen, ihre Gefühle und Gedanken auszudrücken, insbesondere wenn sie sich verhaltensauffällig zeigen, um sie nach Möglichkeit in den Unterricht zu integrieren.

Im Mittelpunkt stand die Idee, dass Kunst eine therapeutische Wirkung haben kann, indem sie Menschen hilft, sich selbst besser kennenzulernen, emotionale Belastungen zu verarbeiten oder soziale Kompetenzen zu stärken. Der Kurs zeigte, wie man Kunst im Unterricht gezielt einsetzen kann, um auf die individuellen Bedürfnisse verschiedener Zielgruppen einzugehen, zum Beispiel Kinder mit besonderen Förderbedürfnissen, Menschen mit Behinderungen oder psychisch belastete Personen. Exemplarisch bezogen wir uns hier auf Kursteilnehmende mit ADHS, Autismus oder Depression. 

Dabei wurden Methoden und Ansätze vermittelt, wie man kreative Prozesse so gestaltet, dass sie unterstützend wirken, ohne den künstlerischen Ausdruck einzuschränken. Es geht also um die Verbindung von Kunst, Therapie und pädagogischer Arbeit, um Menschen in ihrer persönlichen Entwicklung zu fördern und ihnen einen Raum für Selbstentfaltung zu bieten.

Wichtig war hier die Abgrenzung:

Kunst als Therapie bezieht sich auf die Nutzung von kreativen Aktivitäten, wie Malen, Zeichnen oder Basteln, um das Wohlbefinden zu fördern, Stress abzubauen oder einfach Freude zu erleben. Dabei steht die persönliche Erfahrung und der Spaß am kreativen Schaffen im Vordergrund. Es ist oft informell und kann selbstständig oder in Gruppen erfolgen, ohne dass ein speziell ausgebildeter Therapeut beteiligt ist. Kunsttherapie hingegen ist eine professionelle therapeutische Methode, bei der speziell ausgebildete Kunsttherapeutinnen und -therapeuten kreative Prozesse gezielt einsetzen, um psychische, emotionale oder soziale Probleme zu behandeln. Hierbei wird die Kunst aktiv in den therapeutischen Prozess eingebunden, um unbewusste Gefühle, Konflikte oder Verhaltensmuster sichtbar zu machen und zu bearbeiten. Die Kunsttherapie folgt einem therapeutischen Konzept und wird meist in einem geschützten Rahmen durchgeführt. Während Kunst als Therapie eher eine selbstständige, informelle Nutzung von Kreativität zur Förderung des Wohlbefindens ist, ist Kunsttherapie eine professionelle, gezielte Behandlungsmethode, bei der Kunst als Werkzeug in einem therapeutischen Kontext eingesetzt wird. In unserem Kurs ging es um die Einsatzmöglichkeiten im Bereich Kunst als Therapie.

Hierzu einige Beispiele:

Kunsttherapeutische Tools im Unterricht können sehr vielfältige Zielgruppen unterstützen. Neben verhaltensauffälligen Kindern und Jugendlichen in inklusiven Settings profitieren auch Erwachsene erheblich von diesen Methoden, besonders wenn sie Symptome von ADHS, Autismus oder Depression aufweisen.

Diese Methoden bieten einen niederschwelligen Zugang zur Selbsterfahrung und Selbstregulation, indem sie helfen, die oft komplexen und emotional belastenden Themen kreativ auszudrücken.

  • Bei ADHS kann beispielsweise das bewusste, achtsame Zeichnen („Mindful Dooddling“) den Kindern helfen, sich zu fokussieren und zur Ruhe zu kommen.
  • Menschen mit Autismus können von strukturierten, repetitiven Aktivitäten wie der Gestaltung von Mandalas und Zendoodles profitieren, die ihnen ein Gefühl von Sicherheit und Ordnung vermitteln.
  • Bei Depressionen ermöglicht das Arbeiten an Themen wie dem „Garten des Selbst“ den Betroffenen, ihre inneren Ressourcen und verborgenen Kompetenzen zu erkennen und zu aktivieren:
z.B. ‚Garten des Selbst‘ – Blätter, Wurzeln, Blüten und Samen/Triebe repräsentieren die individuelle Gegenwart/Entwicklungsmöglichkeiten des Zeichnenden, Unkraut repräsentiert Behinderungen der Entwicklung.

Diese kunsttherapeutischen Ansätze bieten einen individuell angepassten Zugang, der nicht nur die ästhetische und kreative Auseinandersetzung fördert, sondern auch den emotionalen und sozialen Austausch unterstützt. So trägt der Einsatz dieser Tools im Unterricht dazu bei, einen Raum zu schaffen, in dem sich alle Beteiligten – ob Kinder, Jugendliche oder Erwachsene – auf ihre eigene Art und Weise mit sich selbst und anderen verbinden können.

Eine weitere Wahrnehmungsübung, um die Verbindung zu sich selbst zu fördern, stellte die Erstellung eines privaten ‚SINN‘ – Tagebuchs dar, das sich sowohl täglich der Sinneswahrnehmung ( z.B. Gerüche, visuelle Eindrücke, Geschmack, etc.) als auch dem Sinn einer Aktion ( z.B. Unterricht und dessen Ziel) widmen sollte.

Eine zusätzliche Möglichkeit ergibt sich durch spielerische Paarübungen in Bewegung, bei denen man sich  aufeinander einstellt und so einen Bezug zu sich selbst und durch Empathie einen Bezug zum Gegenüber herstellt:

Zur Abrundung unternahmen wir nach Kursende am letzten Tag (neben dem Besuch vom Museum Barberini am Tag zuvor)  eine dreistündige Wanderung durch den historischen Stadtteil Trastevere mit einer engagierten Führerin, die uns informativ das jüdische Viertel, sowie Kirchen wie St. Cecilia näherbrachte, unter deren Architektur Gewölbe mit alten Wohnsiedlungen zu sehen waren. Diese repräsentierten die damalige, antike, später zugeschüttete Wohnlage. Eine typische Situation für Rom, welche zur Folge hat, dass sich immer wieder neue Ausgrabungsorte ergeben.

Trastevere ,,Underground“ am letzten Tag

In diesem Kurs hatte ich die Möglichkeit, die Bedeutung von Kunst als Werkzeug zum therapeutischen Einsatz  auf dem Weg zum Selbstausdruck kennenzulernen, bzw. auszubauen. Besonders wertvoll war für mich die Erfahrung, auf individuelle Bedürfnisse im Kunstunterricht eingehen zu können und dadurch meine kreativen Fähigkeiten sowie mein Selbstverständnis im Umgang mit auffälligen Zielgruppen weiterentwickeln zu können. Der (Erfahrungs-) Austausch mit Kolleginnen und Kollegen aus verschiedenen europäischen Ländern ist eine sehr wertvolle und verbindende Erfahrung – hier gab es viele Berührungspunkte, Vernetzung ist ein nachhaltiger Effekt. Ich bin gespannt auf die praktische Umsetzung des neu erworbenen Wissens hier vor Ort. 

Unsere Gruppe (nicht ganz vollzählig) am letzten Tag. Im Vordergrund unsere Dozentin Marianna.

Sustainable lifestyles – taking environmental awareness into action in Santa Cruz de Tenerife

von Kirsti Thiessen

Ich komme aus Husum, was direkt neben dem Nationalpark Wattenmeer liegt. Unsere Gegend ist geprägt von Tourismus. Nachhaltigkeit, sowohl ökonomisch als auch ökologisch beschäftigt auch uns als Volkshochschule schon eine ganze Weile. Faire Produkte, faire Arbeits- und Lebensbedingungen, Nachhaltigkeit im Umgang mit der Natur, all das möchten wir auch an unsere Teilnehmenden weitergeben, aber ohne Verbote oder mit dem erhobenen Zeigefinger. Menschen für Ihre Umgebung zu begeistern und zu erklären „warum“, ist das Ziel. Nur was man versteht, kann man lieben, nur was man liebt, will man schützen. Also auf nach Teneriffa zu edu+, wo sehr viele Kurse zu diesem Thema angeboten werden.

Montag, 23.06.2025

Nachhaltigkeit und Outdoor- bzw. non-formal-teaching sind die Schlagworte meiner Mobilität.

Vom Plaza España sind wir zum 6 km entfernten Sandstrand gefahren, um uns dort vor Ort kennenzulernen. Wir sind eine Gruppe von 24 Teilnehmenden aus 6 Ländern. Manche sind Lehrende, andere gehören zu NGOs, denen es vor allem auch um das Thema Nachhaltigkeit geht. Viele der TN sind aus Portugal, sie bilden die größte und auch gemischteste Gruppe. 

Brunnen zur Speicherung von Wasser

Nachdem wir erfahren haben, dass der Sand dort nicht „echt“, sondern von der Sahara in den 70er Jahren dorthin geschifft wurde, fuhren wir über Serpentinen nach oben und auf die andere Seite der Insel. Dort gibt es keinen Sand, nur raue Felsen. Dort haben wir gegessen und danach haben wir im Wald eine Schatzsuche veranstaltet. Zwischendurch haben wir gestoppt, um Waldbaden zu erleben, gelernt, wie das Wasser aufgefangen wird und wie kalt und windig es dort oben ist. Der Schatz war übrigens das Wasser, es kommt durch den Wind als Wolken zu den hohen Bergen und dort bleiben die Wolken hängen. Wir haben erlebt, was es mit der Natur auf Teneriffa macht, denn nur dort und auf Gran Canaria gibt es solch eine vegetative Vielfalt in den Kanaren.

Es gibt 1600 unterirdische Höhlen und 400 Brunnen für die Grundwasserversorgung. Dieses System soll besser geschützt werden, deshalb werden Meerwasser-Entsalzungsanlagen gebaut. Teneriffa hat bisher noch kein Problem mit Wasserknappheit, allerdings muss trotzdem gespart werden. Vor allem wenn viele Touristen auf der Insel sind, die auf 900.000 Einheimische kommen. 7.000.000 Besucher gibt es jedes Jahr. Dieser Entwicklung versuchen NGOs und Politik durch Information und neue Konzepte entgegenzuwirken. 

Dienstag, 24.06.2025

Der heutige Tag startete mit einer Indoor-Session zu non-formalem Lernen. Wir haben zuerst den gestrigen Tag rekapituliert und festgestellt, was wir gelernt haben. Hier war neben Teamwork und dem Kennenlernen an sich, vor allem von dem Ort „Wald“ die Rede, dass Bäume wandern und vernetzt sind, sowohl über als auch unter der Erde, dass das Baden darin eine unglaublich gute Übung ist, um „runterzukommen“ und sich selbst zu spüren.

Die Lernform heißt „TORE“. Wir hatten ein Thema, die Tour war organisiert (Schatzsuche mit Stationen), es muss relevant für die Teilnehmenden sein und der Spaß darf nicht zu kurz kommen – enjoyable. Vor allem muss erklärt werden, warum man etwas wissen muss. Provokation gehört dazu, um Menschen auf bestimmte Themen aufmerksam zu machen. Diese Lernform hat Freeman Tilden für den US National Park Service beschrieben, er selbst war Ranger und Lehrer im Yellow Stone Nationalpark.

Das nächstes Thema war der Unterschied zwischen Gamebased-learning und Gamification. Javier zeigte uns viele Beispiele, wie dadurch erstens auf nachhaltige Themen aufmerksam gemacht werden kann (Wissen über die eigene Umwelt erzeugt Liebe zur Natur, erzeugt Bereitschaft, diese zu schützen). Was passiert also da draußen im Meer mit dem Fisch, wieso beinhaltet er Mikroplastik? Was passiert mit verschmutzten Stränden? Challenges und Spiele, die durchaus mit Aha-Effekten enden (Spiegel in der Schatztruhe auf die Frage, wer kann die Umwelt retten). Außerdem bieten sich solche Aktivitäten auch bei inklusiven Projekten an, da jeder Einzelne auf seine Art Erfolg haben kann und es letztendlich auch immer um das gesamte Team und den Erfolg für das gesamte Team geht.

Nach der Pause waren wir wieder gefordert. Der Unterricht wurde wieder nach draußen verlagert. Nach einem Energizer, der am Ende vier Teams bestimmte, mussten wir verschiedene Fragen beantworten und selbst im Team für alle anderen Teams eine Challenge kreieren.

Mittwoch, 25.06.2025

Heute Morgen ging es für unsere Gruppe in den Teide-Nationalpark. Zuerst erwarteten uns Wolken und Kälte. Wir bekamen einen Überblick über die Vegetationsstufen von Teneriffa. Außerdem lernten wir, dass Pinien durch Waldbrände nicht sterben, sondern das zu Anlass nehmen, neue Samen zu produzieren und vermehrt zu wachsen. An unserem nächsten Halt haben wir erst die einzelnen Kanarischen Inseln gepuzzelt, dann waren wir Vulkane und lernten dadurch in welcher Reihenfolge die Inseln entstanden sind. Es war ein großartiges Bewegungsspiel, welches mir in Erinnerung bleiben wird. Alles fand dann schon über den Wolken statt – faszinierend. Leider musste ich feststellen, dass auch hier die Raucher nicht davor zurückschreckten, ihre Kippen zu verteilen. Ich habe auch gefragt, warum keine Mülltonnen am Aussichtspunkt sind: Diese wurden abgebaut, da die Menschen ihren Müll auch in volle Behälter und daneben geschmissen haben, so nehmen sie ihn mit, das klappt wohl besser – bis auf die Kippen.

Im Nationalpark angekommen lernten wir durch Theater, wie die kleine Spitze auf den Teide gekommen ist. Ein Mythos von vor tausend Jahren besagt, dass im Vulkan ein Monster lebt, welches neidisch darauf ist, dass die Ureinwohner der verschiedenen Königreiche sich am Ende des Sommers trafen und ein großes Fest abhielten. Also stahl es die Sonne. Nun war es am Wind, gegen das Monster zu kämpfen. Dieser schaffte es und zwang das Monster zurück in den Vulkan. Damit es nicht wiederkommt, wurde ein Deckel aufgesetzt.

Natürlich ist heute alles naturwissenschaftlich zu erklären, aber man lernt besser durch eigene Beteiligung. Zum Schluss haben wir noch eine wundervolle Pflanze kennengelernt, welche es nur auf den Kanaren gibt. Sie heißt Kanaren-Natternkopf und ist wunderschön und dient Wildbienen als Nahrungsquelle, denn davon gibt es sogar Honig. Ihr Erscheinungsbild verändert sich, je näher man kommt.

Donnerstag, 26.06.2025

Heute besuchten wir das SOS Kinderdorf in Santa Cruz, es ist sehr weit oben gelegen und man hat einen fantastischen Ausblick. Wir waren aber vor allem wegen des Nachhaltigkeitsaspektes hier.

Das Dorf versucht so autark wie möglich zu sein, so gibt es einen Garten, in dem Gemüse und Obst angebaut werden und Solar auf jedem Dach, darüber wird auch die Warmwasserversorgung gewährleistet. In den Häusern wohnen eine Anzahl von Kindern mit einer ausgebildeten Betreuungsperson. Es gibt einen Wettbewerb zwischen den Häusern, welches am wenigsten Energie verbraucht, der Gewinner erhält etwas, was dann wieder für die Weiterentwicklung des Hauses benutzt werden kann. Wir konnten dann Häuser bewundern, die auf der Öko-Farm mit natürlichen Rohstoffen hergestellt worden sind – immer als Teamarbeit zusammen mit Profis. Unser Gruppenfoto wurde in einem Dom aufgenommen, in dem viel mit autistischen Menschen gearbeitet wird, es ist eine sagenhafte Akustik und die Materialien sind an sich schon beruhigend. Auch Yoga für Menschen mit Down-Syndrom wird dort durchgeführt.

Im Moment wird gerade an einer Wegführung zum Dom mit Gehwegfließen, die dort vor Ort mit natürlichen Materialien hergestellt werden, gearbeitet. Im Sommercamp arbeiten junge Erwachsene aus schwierigen Verhältnissen zusammen mit Freiwilligen aus anderen Ländern zusammen. Sie lernen etwas Substanzielles und wissen, dass sie Teil des Ganzen sind. Sie haben am Ende Werte geschaffen, die andere sich später noch anschauen können.

Sowohl Tonziegel als auch Fliesen werden aus organischem Material hergestellt, wir durften diesen Prozess begleiten. Wir durften bei der Schreinerwerkstatt zuschauen, wie eine neue Art von Schließsystem für Fenster erprobt wurde und haben ein Haus gesehen, welches aus Stroh vermischt mit Tonerde errichtet wurde. Auch hier wurden nur natürliche Materialien verwendet und wir konnten uns anschauen, wie die Füllung, die verputzte Wand und die versiegelte Wand aussah. (Die Technik der Versiegelung mit Öl kennt man aus Marokko, wo die Bäder so versiegelt werden. Fun fact: Die Arbeit des Versiegelns dauert etwas länger, so dass man Zeit hat, miteinander ins Gespräch zu kommen und sich gegenseitig kennenzulernen.

Freitag, 27.06.2025

Zum letzten Mal treffe ich meinen Kurs auf der wunderschönen Insel Teneriffa. Ich habe hier nicht nur einen tollen Kurs, sondern auch eine liebenswerte Insel kennengelernt. Wir treffen uns noch einmal draußen, um auf spielerische Art und Weise etwas aus der Geschichte der Insel zu lernen. 

Bevor die Spanier im Jahr 1492 die Insel annektierten, lebten dort die sogenannten Guanchen. Wir erfuhren, wie die Eroberung vonstattenging. Aufgrund der spanischen Kolonisation überlebten die Guanchen als Ethnie kaum, allerdings ist sie in den heutigen Insulanern immer noch zu ca. 40 Prozent nachzuweisen. Vor allem die Frauen wurden von den Spaniern „integriert“. Heutzutage werden in Ausgrabungen immer wieder Beweise dieser Geschichte gefunden. Im Museum für Geschichte in Santa Cruz wird darüber berichtet.

Nachhaltigen Tourismus auf der Insel zu implementieren ist schwierig. Es gibt eine Reihe von kleinen NGOs, die den Tourismus nachhaltig gestalten wollen, mit fairen Preisen für die nationale Bevölkerung, die oft in der Tourismuswirtschaft arbeitet, zum Beispiel mit Wandertouren auf den Bergen oder in den Wäldern. Eine neue Art des Tourismus ist, dass Menschen kommen und helfen, die Insel (und auch das Meer) zu säubern. Auch hierbei wird mit non-formalen Lernmethoden gearbeitet, z.B. mit Escape-Room-Spielen.

Es war eine ereignisreiche Woche mit einer tollen Gruppe, die in mir einiges bewirkt hat, vor allem hat sie mich zur Selbstreflexion zum Thema Nachhaltigkeit angeregt. Ich habe viele Formen des Outdoor-Lernens kennengelernt, die Einfluss auf unsere Arbeit hier an der vhs Husum haben können.

Ich bin sehr dankbar, dass ich an diesem Erasmus+-Kurs teilnehmen durfte.

Kirsti

Gruppenreise zur digitalen Transformation, Aarhus


Diese Folge des vhscast wurde produziert von Karl Damke. Die verwendete Musik ist : „soulcraft“ by airtone 2024 – Licensed under Creative Commons Attribution Noncommercial (4.0)

Digitale Transformation in der Erwachsenenbildung: Erkenntnisse aus Aarhus
Ergänzung zum Podcast der Erasmus+-Reise (April 2025)

Die viertägige Erasmus+-Reise nach Aarhus im April 2025 hatte ein zentrales Thema: die digitale Transformation in Bildungseinrichtungen. Während der Podcast die Reise atmosphärisch und persönlich einfangen konnte, zeigt dieser Blogeintrag vertiefend auf, welche Impulse und Learnings im Kontext digitaler Bildung, Medienkompetenz und digitaler Infrastruktur besonders prägend waren und dient somit als Impuls, Reflexionshilfe und Orientierung für die weitere Arbeit im Kontext digitaler Erwachsenenbildung.

Tag 1 – FO Aarhus: Digitale Grundbildung als strukturelles Element

Der Auftakt der Reise führte in das FO Aarhus – eine Bildungseinrichtung, die in ihrer Struktur und Zielgruppenarbeit an deutsche Volkshochschulen erinnert, sich aber durch eine explizite Verankerung digitaler Grundbildung als vierte Säule im Gesamtkonzept abhebt. Neben Dänisch, Mathematik und Englisch ist die digitale Bildung ein tragender Bestandteil der Qualifizierungsmaßnahmen für Menschen mit besonderem Unterstützungsbedarf: darunter Menschen mit Behinderung, Geflüchtete, ältere Menschen und Menschen ohne Schulabschluss.

Digitale Grundbildung wird im FO Aarhus nicht als technisches Add-on verstanden, sondern als Schlüsselkompetenz zur gesellschaftlichen Teilhabe. Vermittelt werden medienpädagogische Fähigkeiten, ein reflektierter Umgang mit digitalen Tools, App-Nutzung im Alltag sowie Themen wie Datenschutz und IT-Sicherheit. Besonders erwähnenswert ist der Einsatz sogenannter Medienlotsen, die in der Face-to-Face-Arbeit individuelle Zugänge schaffen – ein Ansatz, der niedrigschwellige Medienkompetenzförderung auf Augenhöhe ermöglicht.

Tag 2 – Dokk1 und DokkX: Öffentliche Räume als Knotenpunkte digitaler Innovation

Der zweite Tag war geprägt vom Besuch des Dokk1 – Skandinaviens größtem öffentlichen Bibliotheks- und Kulturzentrum. Das Dokk1 ist ein Paradebeispiel dafür, wie digitale Transformation mit Bürgernähe, Lebensweltorientierung und kultureller Teilhabe verbunden werden kann. Die Architektur selbst steht sinnbildlich für Offenheit und Interaktion: überall kostenfreies WLAN, Social-Media-Anbindung zur Besucherbeteiligung, barrierefreie Räume und digitale Servicepunkte der Stadt Aarhus.

Besonders inspirierend war das Maker Lab im Dokk1: Ein Raum, in dem kreatives Arbeiten mit neuen Technologien wie 3D-Druckern, Robotik oder Programmierung aktiv gefördert wird – niedrigschwellig, experimentell und partizipativ. Solche Räume ermöglichen es Menschen jeden Alters, sich auf spielerische Weise mit digitalen Technologien vertraut zu machen.

Ein Highlight war auch der Besuch im DokkX, einer Ausstellung zu Wohlfahrtstechnologien im Obergeschoss des Hauses. Hier wurde deutlich, wie digitale Lösungen helfen können, ein selbstbestimmtes Leben – insbesondere für Menschen mit körperlichen Einschränkungen – zu erleichtern. Von Sprachassistenzen bis zu intelligenten Alltagshelfern zeigt das DokkX, wie Inklusion durch Digitalisierung aktiv gefördert werden kann.

Tag 3 – Testrup Højskole und das digitale Gemeinwesen Dänemarks

Am dritten Tag zeigte sich ein ganz anderer Aspekt digitaler Transformation: die bewusste Balance von analogem und digitalem Lernen. Die Testrup Højskole als „freie Akademie“ versteht sich als Ort des Experimentierens und der Persönlichkeitsbildung. Obwohl viele Kurse bewusst auf digitale Reduktion setzen – insbesondere in kreativen Fächern wie Keramik oder Musik –, wird die Kommunikation digital organisiert. Tägliche Versammlungen starten mit digitalen Tools, und die Außendarstellung der Schule über Social Media ist professionell und strategisch ausgerichtet.

Am Nachmittag wurde im Rathaus von Aarhus noch einmal die große Linie sichtbar: Dänemark gilt als globaler Vorreiter der Digitalisierung des öffentlichen Sektors. Beeindruckend sind dabei nicht nur die Zahlen (z. B. 88 % der Bürger haben in den letzten zwölf Monaten digitale Behördendienste genutzt), sondern vor allem die Konsequenz der Umsetzung: Schriftverkehr erfolgt ausschließlich digital, ePayment ist Standard, über 90 digitale Dienstleistungen sind obligatorisch. Diese konsequente Strategie wurde durch eine hervorragende Infrastruktur, digitale Bürgeridentitäten und ein hohes Maß an Vertrauen in staatliche Systeme ermöglicht. Auch das bietet Orientierung für die Erwachsenenbildung: Digitalisierung ist nicht nur eine technische Frage, sondern eine kulturelle und strategische Entscheidung auf systemischer Ebene.

Tag 4 – Den Gamle By: Digitales Lernen im musealen Raum

Der Abschluss der Reise führte ins Freilichtmuseum Den Gamle By, wo die Gruppe eine digitale Rallye mit der App Actionbound absolvierte. Die Nutzung digitaler Tools zur Erschließung historischer Kontexte machte deutlich, wie sinnstiftend Technologie in Lernprozesse eingebettet werden kann. Besonders eindrucksvoll waren interaktive Formate wie sprechende Hologrammfiguren oder multimediale Werkstattszenen. Das Museum nutzt digitale Inszenierung nicht als Gimmick, sondern als integrativen Bestandteil der Wissensvermittlung.

Dabei wurde deutlich, dass Digitalisierung nicht zwangsläufig modernistisch und abstrakt sein muss – sie kann auch emotionale Anknüpfungspunkte schaffen, Geschichte erfahrbar machen und Bildungsräume öffnen, die sowohl analog als auch digital wirken.

Fazit: Impulse für die Volkshochschulwelt

Die Bildungsreise nach Aarhus hat gezeigt: Digitalisierung in der Erwachsenenbildung ist dann besonders wirksam, wenn sie nicht nur als Technologie, sondern als Haltung verstanden wird – als Werkzeug zur Teilhabe, zur Selbstermächtigung und zur inklusiven Bildungsgestaltung. Drei zentrale Erkenntnisse lassen sich festhalten:

1. Digitale Grundbildung als Teilhabe-Instrument

Besonders das FO Aarhus hat verdeutlicht, wie wichtig niedrigschwellige Angebote sind, die verschiedene Zielgruppen befähigen, sich souverän in einer digitalisierten Welt zu bewegen.

2. Infrastruktur und Räume neu denken

Das Dokk1 zeigt, wie öffentliche Räume durch digitale Ausstattung zu dynamischen Lernorten werden – offen, partizipativ und vernetzt.

3. Digitalisierung ist ein kultureller Wandel

In Dänemark zeigt sich: Digitale Transformation gelingt, weil sie strategisch gewollt, 3 konsequent umgesetzt und gesellschaftlich getragen wird. Erwachsenenbildung kann und sollte hier eine aktive Rolle einnehmen – nicht nur vermittelnd, sondern gestaltend.