AI for Administrative and Non-Teaching Staff in Florenz

23.03.26-27.03.26

Vom 23. bis 27. März 2026 habe ich im Rahmen von Erasmus+ am Kurs „AI for administrative and non-teaching staff“ in Florenz teilgenommen. Der Kurs richtet sich an Mitarbeitende aus Verwaltung, Organisation und Planung im Bildungsbereich und beschäftigt sich mit der Frage, wie Künstliche Intelligenz sinnvoll und verantwortungsvoll im Arbeitsalltag eingesetzt werden kann.


Am Montagvormittag nutze ich die Gelegenheit, die Stadt zu Fuß zu erkunden. Besonders beeindruckend sind die Piazza del Duomo mit der gewaltigen Kathedrale Santa Maria del Fiore, die Piazza della Signoria mit ihren Skulpturen und historischen Gebäuden sowie die Piazza della Repubblica, einer der lebendigsten Plätze der Stadt. Am Nachmittag beginnt dann der Kurs.

Tag 1: Erste Schritte in die KI-Welt

Der Kurs findet in einem historischen Palazzo in der Altstadt von Florenz statt, nur wenige Gehminuten vom Dom entfernt. Die Gruppe ist klein und international: Drei Teilnehmende kommen aus Dänemark, zwei aus Belgien, eine aus Griechenland und ich aus Deutschland. Geleitet wird der Kurs von Roberta, die brasilianisch-italienische Wurzeln hat und mit viel Erfahrung, Flexibilität und Humor eine offene Lernatmosphäre schafft. Statt langer Vorstellungsrunden steigen wir direkt in das Thema ein. Zum Kennenlernen nennen wir lediglich unseren Namen und unser italienisches Lieblingsessen. Anschließend tauschen wir uns in Kleingruppen darüber aus, welche KI-Tools wir bereits nutzen und welche Herausforderungen uns dabei begegnen.


Besonders angenehm ist, dass Roberta immer wieder kurze aktivierende Übungen einbaut und die meisten Aufgaben in Gruppenarbeit bearbeiten lässt. Dadurch entsteht schnell eine vertrauensvolle Arbeitsatmosphäre.


Nach der Kaffeepause – die wir für einen Cappuccino in der Pasticceria Ricordi gegenüber nutzen – erhalten wir außerdem zahlreiche Tipps zu Florenz, von Restaurants und Gelaterias bis hin zu weniger bekannten Sehenswürdigkeiten.


Inhaltlich beschäftigen wir uns zunächst mit dem sogenannten Prompting. Mithilfe von Lego-Steinen visualisieren wir den Aufbau eines guten Prompts. Eine Tabelle liefert dabei hilfreiche Stichworte für verschiedene Aufgabenstellungen. Anschließend vergleichen wir die Sprachmodelle ChatGPT, Gemini und Copilot anhand identischer, selbst entwickelter Prompts für typische Verwaltungsaufgaben. Danach lassen wir die Systeme ihre eigenen Prompts optimieren und vergleichen erneut die Ergebnisse.


Eine wichtige Erkenntnis des Tages: Nicht das verwendete Tool allein entscheidet über die Qualität der Antworten. Mindestens ebenso wichtig sind die Qualität der Eingabe und die Fähigkeit, Ergebnisse kritisch zu bewerten und weiterzuentwickeln. Für die Arbeit an der Volkshochschule sehe ich hier Potenzial insbesondere bei standardisierten E-Mails, Kursbeschreibungen und anderen wiederkehrenden Textaufgaben.


Als wir den Kursraum am Abend verlassen, ist es bereits dunkel. Der erste Tag macht deutlich, dass die Woche weit mehr werden wird als eine reine Tool-Schulung.

Tag 2: Kontext ist alles

Der Dienstag beginnt um 9 Uhr mit einer kurzen Ankommensrunde. Anschließend erstellen wir auf Basis eines Fotos der Whiteboard-Notizen vom Vortag mit verschiedenen KI-Systemen Mind Maps und vergleichen die Ergebnisse. Dabei zeigt sich erneut, dass identische Aufgabenstellungen keineswegs identische Resultate liefern. Unterschiede entstehen durch Details im Prompt, die Historie des jeweiligen Nutzers und teilweise auch durch zufällige Faktoren.


Mehrere spielerische Übungen verdeutlichen anschließend die Grenzen von KI. Bei einer Variante der „Stillen Post“ erleben wir, wie Informationen auf dem Weg verloren gehen oder verändert werden. In einer weiteren Übung erzählt eine Person von einem emotionalen Thema, während die zuhörende Person keinerlei Reaktion zeigen darf. Die entstehende Unsicherheit macht deutlich, wie wichtig nonverbale Kommunikation für menschliche Interaktion ist. Besonders schön ist die nächste Aufgabe für Zweierteams: Roberta zeigt das berühmte Fresko „Der Zug der Heiligen Drei Könige“ von Benozzo Gozzoli (original im Palazzo Medici Riccardi). Eine Person sieht das Bild und beschreibt es, natürlich ohne den Titel zu nennen, während die andere Person anschließend beurteilt, wie präzise die Beschreibung tatsächlich war. Auch hier wird deutlich, wie schwierig die Vermittlung komplexer Informationen ohne gemeinsamen Kontext sein kann.


Die wichtigste Erkenntnis des Vormittags lautet: KI fehlt vieles von dem, was Menschen als
selbstverständlich voraussetzen – soziale Kompetenzen, kulturelles Hintergrundwissen und die Fähigkeit, Situationen intuitiv einzuordnen.


Nach einem Cappuccino bei Ricordi beschäftigen wir uns mit der Eisenhower-Matrix und
analysieren, welche Aufgaben in unserem Arbeitsalltag besonders viel Zeit beanspruchen. Daraus leiten wir Tätigkeiten ab, die sich für den Einsatz von KI eignen könnten.
Anschließend lernen wir verschiedene Werkzeuge kennen. MagicSchool.ai wird von den meisten Teilnehmenden als wenig relevant für unsere Tätigkeiten eingeschätzt, da die Anwendungen vor allem auf Lehrkräfte ausgerichtet sind.


Deutlich positiver fällt die Bewertung von NotebookLM aus. Das Google-Tool ermöglicht die Analyse und Zusammenfassung selbst ausgewählter Quellen und beschränkt sich bewusst auf diese Informationen. Für viele von uns ist dies das bislang interessanteste Werkzeug des Kurses.


Gerade für die Auswertung umfangreicher Dokumente, Projektunterlagen, itzungsprotokolle oder Förderrichtlinien sehe ich großes Potenzial für die Arbeit an der VHS.


Zum Abschluss testen wir Gamma zur Erstellung von Präsentationen. Die Einschätzungen bleiben gemischt.


Am Nachmittag führt mich ein Spaziergang zunächst durch den Park „Giardino Bardini „und später hinauf zum Piazzale Michelangelo. Von dort bietet sich bei Sonnenuntergang einer der schönsten Blicke über die Dächer von Florenz.

Tag 3: Von der Idee zum Projekt

Der Mittwoch beginnt mit einem Austausch über unsere bisherigen Erlebnisse in Florenz. Danach folgt eine kleine Übung mit Google Lens. Wer findet am schnellsten heraus, wo ein Foto aufgenommen wurde und wer das dargestellte Kunstwerk geschaffen hat?
Anschließend fragt Roberta nach unseren bisherigen Aha-Momenten. Überraschend einig ist sich die Gruppe dabei, dass NotebookLM bislang den größten praktischen Nutzen verspricht.


Im nächsten Themenblock beschäftigen wir uns mit Projektmanagement. Wir definieren zunächst, was ein Projekt eigentlich ist, entwickeln anschließend eigene Projektideen und formulieren konkrete Ziele sowie Meilensteine. Die Ergebnisse werden gemeinsam auf dem Whiteboard festgehalten.


Nach einer verkürzten Kaffeepause – diesmal reicht es nur für einen schnellen Espresso aus dem Automaten – arbeiten wir erstmals mit Claude, dem Sprachmodell von Anthropic. Mithilfe eines Fotos unserer Whiteboard-Notizen und eines einfachen Prompts lassen wir eine Projektstruktur erstellen.


Erneut zeigt sich, wie unterschiedlich KI-Systeme arbeiten. Durch gezieltes Nachfragen und weitere Prompts verbessern wir die Ergebnisse schrittweise, bis sie tatsächlich nutzbar werden. Besonders beeindruckend sind die Übersetzungen in die verschiedenen Muttersprachen der Teilnehmenden.


Ob Dänisch, Deutsch, Französisch oder Griechisch – die Qualität ist durchweg hoch.
Am Nachmittag besuchen wir gemeinsam die Biblioteca delle Oblate, eine öffentliche Bibliothek in einem ehemaligen Kloster. Auf der Dachterrasse mit Blick auf den Dom reflektieren wir den bisherigen Kursverlauf. Die Rückmeldungen fallen einheitlich aus: Wir schätzen vor allem, dass wir nicht oberflächlich durch eine Vielzahl von Tools geführt werden, sondern ausreichend Zeit erhalten, einzelne Anwendungen intensiv zu testen und miteinander zu vergleichen.


Den restlichen Nachmittag geht es wieder bergauf zur Basilica di San Miniato al Monte. Besonders eindrucksvoll ist der alte Friedhof rund um die Kirche, der wie ein erwunschener Garten über der Stadt liegt.

Tag 4: KI im Arbeitsalltag

Am Donnerstag zeigt sich Florenz von einer ungewohnt norddeutschen Seite: Regen, Wind und deutlich kühlere Temperaturen bestimmen den Tag. Im Kursraum ist es dagegen angenehm warm und gemütlich.


Zum Einstieg analysieren wir verschiedene Bilder und diskutieren, ob sie echt oder KI-generiert sind. Dabei wird deutlich, wie schwierig diese Unterscheidung inzwischen geworden ist. Historische Beispiele zeigen zudem, dass Bildmanipulation keineswegs erst mit KI begonnen hat. Neu ist jedoch die Geschwindigkeit und Qualität, mit der heute täuschend echte Inhalte erzeugt werden können.


Der Schwerpunkt des Tages liegt auf dem praktischen Einsatz von KI. Als Reaktion auf unser Feedback erhalten wir Zeit, systematisch zu analysieren, welche wiederkehrenden Aufgaben wir automatisieren oder unterstützen könnten.


Mithilfe vorbereiteter Tabellen erfassen wir typische Tätigkeiten, priorisieren sie und überlegen, welche Werkzeuge sich dafür eignen. Die Ergebnisse sind vielfältig: automatische Erstellung von Protokollen, Umwandlung unstrukturierter Daten in Excel-Tabellen oder die bessere Organisation digitaler Ablagen mit Werkzeugen wie dem AI File Sorter von Microsoft.


Eine interessante Erkenntnis lautet, dass KI nicht nur Aufgaben erledigen kann, sondern auch bei der Auswahl geeigneter KI-Werkzeuge unterstützt. Viele Systeme helfen inzwischen bei der Verbesserung von Prompts oder schlagen passende Anwendungen für bestimmte Aufgaben vor.


Für die VHS erscheint mir insbesondere die Unterstützung bei Dokumentation,
Wissensmanagement und Dateiorganisation interessant.


Im weiteren Verlauf diskutieren wir kritische Fragen: Welche Risiken birgt KI? Welche
Auswirkungen könnte sie auf Arbeitsplätze haben? Welche ethischen Herausforderungen
entstehen durch ihre Nutzung? Die Diskussionen fallen differenziert aus und zeigen, dass
technologische Begeisterung allein nicht ausreicht.


Am Nachmittag besuche ich die Basilica Santo Spirito und später das wundervolle Giunti Odeon, ein historisches Theater und heute Kombination aus Drittem Ort, Buchhandlung und Kino, wo ich den Film „Hamnet“ im englischen Original sehe.

Tag 5: Chancen, Risiken und Verantwortung

Der letzte Kurstag beginnt erst am Nachmittag. Den Vormittag nutze ich für den krönenden
Abschluss meines Aufenthalts: der Besuch des Palazzo Medici Riccardi mit den wunderschönen Fresken in der (erstaunlich kleinen) Cappella dei Magi.


Zum Einstieg in den letzten Kurstag arbeiten wir mit dem Kartenspiel „Dixit“. Mithilfe der
fantasievollen Motive beschreiben wir, wie wir vor Kursbeginn über KI gedacht haben und wie wir die Technologie jetzt einschätzen. Viele berichten von einem Wandel: von Unsicherheit, Skepsis oder Überforderung hin zu größerem Verständnis und mehr Handlungssicherheit.


Im weiteren Verlauf diskutieren wir die Zukunft von Bildung und Schule. Einigkeit besteht darüber, dass Schulen auch in einer von KI geprägten Welt unverzichtbare Orte des sozialen Lernens bleiben werden.


Anschließend beschäftigen wir uns mit den ökologischen Auswirkungen von KI. Besonders der steigende Energiebedarf großer Rechenzentren wird thematisiert. Aus meiner Sicht sollte dabei noch stärker auf den Ressourcenverbrauch der Hardwareproduktion und die Folgen des Rohstoffabbaus eingegangen werden. Diese Aspekte sind vielen Nutzenden kaum bewusst.

Ein weiteres Diskussionsthema sind mögliche Zukunftsszenarien für KI. Die Bandbreite reicht von erheblichen gesellschaftlichen Risiken bis hin zu positiven Entwicklungen durch internationale Regulierung und verantwortungsvollen Einsatz. Unabhängig von den unterschiedlichen Einschätzungen wird deutlich, dass wir die großen Entwicklungen nur begrenzt beeinflussen können, wohl aber unser eigenes Verhalten.


Zum Abschluss formulieren wir persönliche Leitlinien für den Umgang mit KI. Dazu gehören Fragen wie: Kann ich eine Aufgabe selbst mit vertretbarem Aufwand erledigen? Ist der Einsatz von KI wirklich notwendig? Nutze ich das passende Werkzeug? Gehe ich verantwortungsvoll mit Ressourcen um?


Diese Diskussion gehört für mich zu den wertvollsten Bestandteilen des gesamten Kurses, weil sie die technische Perspektive um ethische und gesellschaftliche Aspekte ergänzt.
Nach der Zertifikatsvergabe nehme ich an einem italienischen Kochkurs teil, einer der angebotenen kulturellen Aktivitäten. Die anderen Kulturangebote – eine einverkostungstour oder ein Ausflug in die Region Cinque Terre – finden erst am Samstag statt. Gemeinsam mit Teilnehmenden anderer Erasmus+-Kurse stellen wir frische Pasta her und lernen die Grundlagen einer traditionellen Carbonara kennen. Der Kochabend bietet vor allem die Gelegenheit zum Austausch mit Menschen aus ganz Europa.

Fazit

Der Kurs hat meine Erwartungen übertroffen. Besonders wertvoll war nicht die Vorstellung
möglichst vieler Werkzeuge, sondern die Möglichkeit, ausgewählte Anwendungen intensiv
auszuprobieren, kritisch zu vergleichen und gemeinsam zu reflektieren.


Für meine Arbeit an der Volkshochschule nehme ich vor allem drei Dinge mit: ein besseres
Verständnis dafür, welche Aufgaben sich sinnvoll mit KI unterstützen lassen, konkrete Werkzeuge wie NotebookLM oder Claude, die ich weiter testen möchte, sowie die Erkenntnis, dass ein verantwortungsvoller Umgang mit KI ebenso wichtig ist wie die technische Beherrschung der Werkzeuge.


Ebenso wertvoll war der internationale Austausch. Trotz unterschiedlicher Bildungssysteme standen wir vor sehr ähnlichen Fragen: Welche Aufgaben lassen sich automatisieren? Wo bleiben menschliche Kompetenzen unverzichtbar? Und wie können wir KI so einsetzen, dass sie unsere Arbeit unterstützt, ohne neue Probleme zu schaffen?
Roberta hat den Kurs flexibel an unsere Bedürfnisse angepasst, Fragen aufgegriffen und Inhalte entsprechend weiterentwickelt. Für sie war es der erste Kurs dieser Art – dafür war das Konzept durchdacht und praxisnah.


Die wichtigste Erkenntnis dieser Woche lautet für mich: KI ist kein Ersatz für menschliches Denken, sondern ein Werkzeug. Der Nutzen entsteht nicht durch das Tool selbst, sondern durch die Menschen, die es kritisch, kompetent und verantwortungsvoll einsetzen.


(Bericht mit Unterstützung von KI erstellt)

Game-Based Learning in Action: Designing Engaging Educational Games for the Classroom in Split

Split, 18.- 23. Mai 2026, Lina Edu Teacher Training Course

Die Fortbildung in Split war insgesamt eine sehr bereichernde und positive Erfahrung. Besonders hervorzuheben sind die drei kroatischen Kursleiter, die nicht nur ausgesprochen freundlich und kompetent waren, sondern den Kurs auch in sehr gutem Englisch durchgeführt haben. Die Inhalte wurden überwiegend in Vortragsform vermittelt, was mir persönlich stellenweise etwas zu umfangreich erschien. Dennoch war die Atmosphäre während des gesamten Kurses angenehm und professionell.

Sehr beeindruckt hat mich außerdem der Tagungsort, das „Center of Excellence“. Sowohl die moderne Ausstattung als auch die Organisation vor Ort hinterließen einen hervorragenden Eindruck. Überraschend war für mich zudem zu erfahren, dass Kiel gemeinsam mit Split und Brest Partner in einem trilateralen Wissenschaftsprojekt ist. Dadurch entstand zusätzlich ein interessanter internationaler Bezug.

Die Gruppe der Kursteilnehmer bestand neben mir aus drei weiteren Deutschen, davon eine Teilnehmerin aus Schleswig-Holstein und zwei aus Rheinland-Pfalz. Wir verstanden uns von Anfang an sehr gut, sodass wir auch außerhalb der Unterrichtszeiten viel gemeinsam unternahmen. Nach dem Unterricht trafen wir uns regelmäßig zum Essen oder zu gemeinsamen Freizeitaktivitäten, was die Woche zusätzlich bereichert hat und zu einem sehr angenehmen Gemeinschaftsgefühl beitrug.

Der Unterricht fand täglich von 9.00 bis 14.00 Uhr statt. Obwohl es nur wenige Kaffeepausen gab, empfanden wir dies kaum als belastend, da wir intensiv mit der Entwicklung unseres Spiels beschäftigt waren und häufig so vertieft arbeiteten, dass die Zeit schnell verging. Ziel der Woche war es, in kleinen Lerngruppen ein eigenes Spielkonzept zu entwickeln.

Mein eigenes Projekt war kein Videospiel, dennoch habe ich zahlreiche digitale Werkzeuge genutzt – sowohl zur Vorbereitung als auch während des Kurses selbst. Dazu gehörten unter anderem verschiedene Internetseiten, Canva, PowerPoint und CapCut. Diese digitalen Hilfsmittel unterstützten mich bei der Gestaltung und Präsentation meines selbst entwickelten Grammatik-Kartenspiels.

Auch Split als Fortbildungsort erwies sich als ausgezeichnete Wahl. Die Stadt bietet eine große Auswahl an erschwinglichen Ferienwohnungen, viele davon sogar in unmittelbarer Nähe des Tagungsortes. Darüber hinaus gibt es zahlreiche Möglichkeiten zur Freizeitgestaltung: Strände und Bademöglichkeiten in der Nähe, die sehenswerte Altstadt, preiswerte Ausflugsangebote mit Bus oder Boot sowie viele gute und zugleich günstige Restaurants machten den Aufenthalt besonders angenehm.

Besonders freue ich mich darauf, mein selbst entwickeltes Grammatik-Kartenspiel im Herbst mit meiner neuen Lerngruppe einzusetzen. Außerdem möchte ich unserer Kursleiterin Ivana anschließend eine Rückmeldung zu den Erfahrungen mit dem Spiel geben.

Herzlichen Dank an den LV der vhs in Kiel, dass ich die Möglichkeit hatte, neue Erfahrungen bzgl. Unterricht, Landeskunde und neuen Menschen zu machen!

Cultivating Diversity and Inclusion in Barcelona

Ein Bericht von Egzona Alija

Ich hatte die Gelegenheit, am Kurs „Cultivating Diversity and Inclusion“ in Barcelona teilzunehmen – eine Erfahrung, die mich sowohl fachlich als auch persönlich bereichert hat. Gemeinsam mit Kolleginnen aus Schweden, Belgien, Griechenland und Polen durfte ich eine inspirierende Woche erleben, die geprägt war von offenem Austausch, neuen Perspektiven und wertvollen Impulsen. In einer angenehmen und internationalen Lernatmosphäre konnten wir voneinander lernen, unsere Erfahrungen teilen und gemeinsam Ideen weiterentwickeln. An dem Kurs wollte ich teilnehmen, da das Thema Diversität und Inklusion an unserer Volkshochschule in Rendsburg eine zentrale Rolle spielt. Besonders interessiert hat mich die Frage, wie in anderen europäischen Ländern mit diesem Thema umgegangen wird, welche Ansätze dort verfolgt werden und welche Erfahrungen gemacht wurden. Der internationale Austausch bot hierfür eine wertvolle Gelegenheit, den eigenen Blick zu erweitern und neue Impulse für die eigene Arbeit mitzunehmen.


Der Kurs begann am Montag, den 13.04.2026, mit einer Einführung durch die Dozentin Frau Y. Ojeda. Im Mittelpunkt stand dabei das Thema der menschlichen Pyramiden, der sogenannten „Castells“, die eine bedeutende Rolle in der katalanischen Tradition spielen. Diese beeindruckenden Bauwerke sind jedoch weit mehr als ein kulturelles Symbol – sie veranschaulichen grundlegende Werte, die sich auch in der Rolle einer Lehrkraft widerspiegeln. Um ein Castell stabil und erfolgreich aufzubauen, sind vor allem drei Aspekte entscheidend: Struktur, Ruhe und Solidarität. Jede beteiligte Person trägt Verantwortung für das Gelingen des Ganzen und nur durch Vertrauen und Zusammenarbeit kann der Turm bestehen. Diese Prinzipien lassen sich auch auf den schulischen Kontext übertragen: Auch als Lehrkraft gilt es, eine stabile und unterstützende Gemeinschaft zu schaffen, die den Lernenden Halt gibt. Gerade in herausfordernden Zeiten ist es wichtig die „Struktur“ der Klasse zu bewahren, Ruhe auszustrahlen und Solidarität und Gemeinschaft zu fördern. Am Anschluss an diese Einführung folgte bereits die erste gemeinsame Aktivität, die dem Kennenlernen diente. Dafür wurden wir in drei Gruppen eingeteilt. Unsere Aufgabe bestand darin, Gemeinsamkeiten innerhalb der Gruppe zu finden und diese jeweils auf einzelne Karten festzuhalten- pro Karte eine Gemeinsamkeit. Mit den gesammelten Karten sollten wir anschließend eine Kartenpyramide bauen. Ziel war es, möglichst viele Gemeinsamkeiten zu entdecken, denn je mehr Karten wir hatten, desto höher konnte unsere Pyramide werden. Am Ende gewann die Gruppe mit dem höchsten Turm.


Um ein besseres Verständnis dafür zu entwickeln, in welchen Kontexten wir jeweils arbeiten und mit welchen Zielgruppen wir in unserem beruflichen Alltag zu tun haben, sollte im Vorfeld eine kurze Präsentation vorbereitet werden. Jede Teilnehmerin stellte in einer etwa fünfminütigen Präsentation ihre konkrete Tätigkeit, ihre Einrichtung sowie die jeweilige Zielgruppe vor. Im Anschluss bestand die Möglichkeit, Fragen zu stellen und in einen vertiefenden Austausch zu gehen. Es war besonders spannend zu sehen, wie viele Parallelen es trotz unterschiedlicher Rahmenbedingungen gab- und gleichzeitig, wie vielfältig unsere Arbeitsrealitäten sind. Vertreten waren unterschiedliche Schulformen und -größen, von kleineren Einrichtungen mit etwa 80 Lernenden bis hin zu großen Institutionen mit bis zu 700 Teilnehmenden. Auch die Zielgruppen reichten von Kindesalter bis hin zum Erwachsenalter. Diese Vielfalt eröffnete einen breiten Blick auf unterschiedliche pädagogische Ansätze und Herausforderungen im europäischen Kontext. Der Kurs war für alle besonders im Hinblick auf die Frage wichtig, wie wir besser mit dem Thema Migration umgehen und wie wir SchülerInnen stärker in die Klassengemeinschaft einbinden können, um eine gelungene Integration zu fördern.

Der Dienstag begann mit einer aktivierenden Kennenlernrunde in Form des Spiels „Ich packe meinen Koffer“. In dieser Variante sollte jede Teilnehmerin ihren Namen nennen und sich selbst eine positive Eigenschaft zuschreiben, die mit ihrem Anfangsbuchstaben beginnt. Diese Übung veranschaulichte auf einfache, aber wirkungsvolle Weise, wie sich solche Methoden auch im Unterricht einsetzen lassen. Durch die positive Selbstzuschreibung wird jede*r Einzelne sichtbar und als wertvoller Teil der Gemeinschaft wahrgenommen. Gleichzeitig wird der Fokus bewusst auf Stärken gelegt. Die Aktivität zeigt, wie wichtig es ist, Positivität in den Vordergrund zu stellen und Lernende darin zu bestärken, sich selbst und andere mit einem positiven Blick wahrzunehmen. Wenn Schulen die zentralen Elemente- Wohlbefinden, schülerzentrierte Ansätze und lebenslanges Lernen-umsetzen, schaffen Lehrkräfte unterstützende Lernumgebungen. Dadurch können SchülerInnen in mehrsprachigen Klassenzimmern sich besser am Lernprozess beteiligen und wichtige sozial-emotionale Kompetenzen entwickeln. Wohlbefinden ist ein fester
Bestandteil des europäischen Curriculums und steht im Zentrum des Europäischen
Bildungsraums. Es umfasst und fördert emotionale Selbstregulation, körperliche und psychische Gesundheit und stärkt das Zugehörigkeitsgefühl der Lernenden. Im Anschluss haben wir über die 21st Century Skills gesprochen, die SchülerInnen auf die Anforderungen der modernen Welt vorbereiten. Sie lassen sich in drei Kategorien einteilen:

  • Lernkompetenzen wie kritisches Denken, Problemlösung und Kreativität, die eigenständiges und reflektiertes Lernen ermöglichen
  • Grundlegende und fachübergreifende Kompetenzen wie Lesen, Schreiben, Rechnen, digitale und mediale Fähigkeiten, die ein effektives Verstehen und Kommunizieren von Informationen erlauben.
  • Sozial-emotionale und persönliche Kompetenzen wie Teamarbeit, Kommunikation,
    Anpassungsfähigkeit und Selbstmanagement, die für das Leben, die Arbeit und das
    gesellschaftliche Miteinander wichtig sind.

Folgende sechs Eigenschaften werden einer Lehrkraft des 21. Jahrhunderts zugeschrieben:

  • Flexibilität und Anpassungsfähigkeit, um auf unterschiedliche Lernende, Technologien und Lernumgebungen einzugehen
  • Kollaboration und Vernetzung, um fächerübergreifend zusammenzuarbeiten und Netzwerke aufzubauen
  • kreative Ansätze mit klarer Zielsetzung, damit Lerninhalte nachhaltig verankert werden
  • kulturelle Sensibilität und Inklusivität, um Vielfalt zu schätzen und eine Umgebung zu schaffen, in der sich alle zugehörig fühlen
  • emotionale Intelligenz und Empathie, um Lernende zu unterstützen und ihre Schwierigkeiten frühzeitig zu erkennen
  • KI-Kompetenz, um intelligente Tools gezielt einzusetzen und individuelles Lernen zu fördern

Der Mittwoch begann mit einer Situationssimulation: Jede Teilnehmerin erhielt einen
Papierschnipsel mit einer kurzen Beschreibung, warum sie ihr Heimatland verlassen musste. Anschließend tauschten wir uns untereinander aus und fanden uns in Gruppen zusammen, je nachdem, aus welchen Gründen wir glaubten zusammenzupassen. Dabei entstanden zwei Gruppen: wirtschaftliche Zuwanderer und schutzsuchende Zuwanderer. In der anschließenden Plenumsdiskussion besprachen wir, worauf im Umgang mit zugewanderten Schüler*innen besonders zu achten ist. Aus dieser Diskussion heraus kamen wir auf das „Principal of Universal Learning (UDL)“. Vor dem Hintergrund der unterschiedlichen Lebensrealitäten und Bedürfnisse der SchülerInnen wurde deutlich, wie wichtig es ist, Unterricht so zu gestalten, dass alle Lernenden erreicht werden. Das Konzept zielt darauf ab, Informationen auf verschiedene Weise bereitzustellen, unterschiedliche Materialien zugänglich zu machen und den SchülerInnen zu ermöglichen, ihre Ideen mit vielfältigen Methoden und Werkzeugen auszudrücken. Dadurch können individuelle Voraussetzungen besser berücksichtigt und Chancengleichheit im Lernen gefördert werden.


Am Nachmittag ging es für unsere Gruppe auf die Migratour, ein Projekt, das in mehr als 30
Städten europaweit angeboten wird. Bei der Tour geht es darum, durch Spaziergänge die Vielfalt und den Reichtum unterschiedlicher Kulturen innerhalb der Stadt zu zeigen. Die Tour wird stets von einem Guide mit Zuwanderungsgeschichte durchgeführt. Ziel ist es, die Vielfalt der Kulturen in Barcelona, wo über 300 Sprachen gesprochen werden, erlebbar zu machen, Gemeinschaftsnetzwerke in verschiedenen Stadtteilen zu erkunden und Rassismus und Fremdenfeindlichkeit zu reflektieren. Außerdem sollen Stereotypen und Rassismus abgebaut und Koexsistenz, Toleranz, Resilienz und Inklusion gefördert werden. Auf unserer Tour hatten wir die Möglichkeit verschiedene wichtige Orte für zugewanderte Personen zu besuchen. Sie begann an einem Sprachzentrum und führte weiter zu zwei Werkstätten für Menschen, deren Aufenthaltsstatus noch nicht geklärt ist. Diese Werkstätten bieten den zugewanderten Menschen einen Zufluchtsort, an dem sie zum Beispiel Kleidung und Taschen herstellen und sich kreativ engagieren können. Die Erlöse durch den Verkauf dienen der Finanzierung neuer Nähmaschinen und anderer Ausstattung. Besonders spannend war zu beobachten, auf welche unterschiedliche Weise in verschiedenen europäischen Ländern mit Herausforderungen von Migration und
Integration umgegangen wird.

Der Donnerstag begann mit einer Einführung in die SEE-Think-Wonder-Strategie. Dabei handelt es sich um eine Methode, die Lehrkräfte einsetzen, um das Denken von Lernenden durch die Einsetzung von Kunst und Musik sichtbar zu machen. Diese Denkstrategien sind nicht nur darauf ausgelegt Wissen zu vermitteln, sondern auch, um Ideen zu entwickeln. Denn wenn Denken sichtbar wird, kann es reflektiert, diskutiert und vertieft werden. Als Gruppe hatten wir die Gelegenheit, die See-Think-Wonder-Methode an einem abstrakten Gemälde auszuprobieren. Wir durchliefen dabei drei Phasen: Was fällt uns auf? Was denken wir über das Gesehene? Und welche Fragen kommen uns dazu in den Sinn? Dabei ging es nicht um richtig oder falsch- jede Interpretation war gültig. Wichtig war, tiefer über das Geschehene nachzudenken. Nach dem Austausch im Plenum ging es für uns ins Museu Nacional d’Art de Catalunya, wo wir in zwei Gruppen unterschiedliche Aufgaben bzw. Stationen zum Thema Kulturschock durchlaufen sollten. Bei den Aufgaben ging es darum, Bezüge zwischen unseren eigenen Erfahrungen im Arbeitsalltag und den Gemälden herzustellen. Unsere Ergebnisse haben wir anschließend auf einem Padlet hochgeladen, sodass wir durch Videos und Bilder Einblicke in die Ergebnisse der anderen Gruppe erhalten konnten. Besonders spannend war der Austausch, denn durch die Zusammenarbeit in der Gruppe bekamen wir Einblicke, wie in anderen Ländern mit Themen wir Diversität, Integration und Inklusion umgegangen wird.

Am Freitag reflektierten wir gemeinsam die Ergebnisse unseres Museumsbesuchs. In einer angenehmen Runde tauschten wir uns darüber aus, was es bedeutet, dazuzugehören, und wie man Hindernisse überwinden kann. Der Freitag wurde genutzt, um eine kleine Abschiedszeremonie zu gestalten. In Dreiergruppen erstellten wir mithilfe eines KI-Tools aus den wichtigsten Schlagwörtern der Woche einen eigenen Song, der anschließend über einen Songgenerator abgespielt wurde. Zum Abschluss erhielten wir unsere Zertifikate. Es war ein schöner Moment, um die Woche noch einmal Revue passieren zu lassen.

Am letzten Tag der Erasmus-Reise hatte jede Teilnehmerin die Möglichkeit, an einer Aktivität ihrer Wahl teilzunehmen. Zur Auswahl standen drei Sehenswürdigkeiten: Sant Pau, Casa Amatller und Poble Espanyol. Ich entschied mich für Letzteres. Das Poble Espanyol ist ein Freilichtmuseum, das typische Bauwerke, Plätze und Handwerkskunst aus verschiedenen Regionen Spaniens nachbildet. Dort kann man einen kleinen Überblick über die Vielfalt der spanischen Architektur und Kultur bekommen und gleichzeitig traditionelle Handwerkskunst erleben. Im Anschluss stand noch eine Hop on Hop off Bustour auf dem Programm. Diese Fahrt rundete meinen Aufenthalt in der wunderschönen Stadt perfekt ab. Ich bin dankbar, diese Erfahrung gemacht zu haben. Sowohl die inhaltlichen als auch die kulturellen Eindrücke haben mich nachhaltig geprägt. Es war eine unvergessliche Erfahrung, die mich dazu angeregt hat, das Gelernte in meinen beruflichen Alltag zu integrieren.

Gruppenreise zur digitalen Transformation in Brüssel

20.04.2026

Der Montag war unser Anreisetag. Alle Teilnehmenden reisten individuell in Brüssel an. Am Abend gab es schon die Möglichkeit, sich bei einem gemeinsamen Abendessen in Kleingruppen zu begegnen.

21.04.2026 – Europäische Erwachsenenbildung im Kontext digitaler Transformation

Der Dienstag war der erste Tag unserer Erasmus+ Mobilität. Wir nutzten die erste Stunde des Programms für ein ausführliches Kennenlernen, Erwartungsabklärung und eine Einführung in das Programm und den Ablauf der nächsten drei Tage.

Danach stand der erste Programmtag unserer Exkursion nach Brüssel im Zeichen der europäischen Perspektive auf Erwachsenenbildung und deren Rolle im Kontext der digitalen Transformation. Mit der European Association for the Education of Adults (EAEA) lernten wir eine zentrale Interessenvertretung kennen, die sich für die Sichtbarkeit und strategische Weiterentwicklung der Erwachsenenbildung auf europäischer Ebene einsetzt. Die Einblicke in aktuelle politische Entwicklungen machten deutlich, dass die strukturelle und finanzielle Absicherung dieses Bildungsbereichs zunehmend unter Druck gerät.

Besonders deutlich wurde dabei die Spannung zwischen einem ganzheitlichen Bildungsverständnis und einer zunehmenden Fokussierung auf arbeitsmarktbezogene Verwertbarkeit. Vor dem Hintergrund digitaler Transformationsprozesse wurde jedoch deutlich, dass Erwachsenenbildung weit über berufliche Qualifizierung hinausgeht und eine zentrale Rolle für gesellschaftliche Teilhabe, Demokratieförderung und individuelle Entwicklung spielt.

Die Auseinandersetzung mit der digitalen Transformation wurde dabei als Querschnittsaufgabe deutlich, die sowohl strukturelle als auch didaktische Veränderungen in der Erwachsenenbildung erfordert.

Im fachlichen Austausch wurde die digitale Transformation als umfassender Veränderungsprozess sichtbar, der sowohl technologische als auch didaktische und organisatorische Dimensionen umfasst. Digitale Kompetenzen wurden als grundlegende Voraussetzung für Teilhabe in allen Lebensbereichen herausgestellt. Gleichzeitig wurde eine wachsende Diskrepanz zwischen Zugang zu digitalen Technologien und deren reflektierter Nutzung deutlich.

Ein praxisnahes Beispiel stellte ein KI-gestütztes Tool zur Erfassung und Sichtbarmachung informell erworbener Kompetenzen dar. Dieses eröffnet neue Möglichkeiten für individualisierte Lernprozesse, Kompetenzanerkennung und Bildungsplanung und verdeutlicht das Potenzial digitaler Anwendungen für die Erwachsenenbildung. In diesem Zusammenhang lernten wir auch den Ansatz AI4AL (Artificial Intelligence for Adult Learning) kennen, der darauf abzielt, non-formal und informell erworbene Kompetenzen systematisch sichtbar zu machen und für Bildungs- und Beschäftigungskontexte nutzbar zu machen.

Der Besuch bei MAKS in der zweiten Tageshälfte zeigte eindrücklich, wie digitale Grundbildung im Quartier niedrigschwellig umgesetzt werden kann. Besonders relevant für unsere Lernziele war die Verbindung von digitaler Kompetenzentwicklung mit sozialer Teilhabe und Vertrauensarbeit in den Communities.

Die Arbeit vor Ort verdeutlichte, dass digitale Transformation nur dann wirksam ist, wenn sie an den Lebensrealitäten der Menschen ansetzt und durch stabile Strukturen unterstützt wird.

Die im MAKS umgesetzten Ansätze verdeutlichen, wie digitale Grundbildung als Teil von sozialer Teilhabe niedrigschwellig und zielgruppenorientiert gestaltet werden kann.

22.04.2026 – Europäische Netzwerke als Treiber digitaler Transformation

Der zweite Tag verdeutlichte die Bedeutung europäischer Netzwerke für die Gestaltung digitaler Transformationsprozesse in der Erwachsenenbildung. Die Lifelong Learning Platform zeigte eindrucksvoll, wie vielfältige Akteure gemeinsam daran arbeiten können, lebenslanges Lernen als grundlegendes Prinzip in Europa zu stärken.

Im Kontext der digitalen Transformation wurde deutlich, dass Bildungsangebote zunehmend flexibel, modular und zielgruppenorientiert gestaltet werden müssen. Ansätze wie Micro-Credentials oder individuelle Lernkonten eröffnen neue Möglichkeiten, um Bildungsbiografien zu strukturieren und sichtbar zu machen.

Der Austausch mit ALLDigital machte deutlich, dass digitale Grundkompetenzen eine zentrale Voraussetzung für gesellschaftliche und wirtschaftliche Teilhabe darstellen. Gleichzeitig wurde die digitale Transformation als sozialer Prozess verstanden, der Fragen von Inklusion, Zugangsgerechtigkeit und digitalem Wohlbefinden einschließt. Besonders relevant für unsere Praxis war die Erkenntnis, dass sowohl Lernende als auch Lehrende kontinuierlich in ihrer digitalen Kompetenzentwicklung unterstützt werden müssen.

Die vorgestellten Projekte zeigten konkrete Ansätze zur Umsetzung barrierearmer und inklusiver digitaler Bildung. Dabei wurde deutlich, dass innovative Lernformate und praxisorientierte Methoden entscheidend sind, um neue Zielgruppen zu erreichen.

Insgesamt wurde deutlich, dass digitale Transformation nicht nur technologische Entwicklungen umfasst, sondern tiefgreifende Auswirkungen auf Lernprozesse, Zugänge zu Bildung und gesellschaftliche Teilhabe hat.

Am Nachmittag besuchten wir das EU-Parlament und trafen dort MEP Delara Burghardt und den Assistenten von MEP Rasmus Andresen. Herr Andresen selbst war leider kurzfristig verhindert.

Der Besuch im Europäischen Parlament ergänzte die Perspektiven des Vormittags um eine politische Dimension. Die Einblicke in Entscheidungsprozesse und Förderstrukturen verdeutlichten, dass die Rahmenbedingungen für digitale Transformation maßgeblich durch politische Prioritätensetzungen beeinflusst werden. Die unsicheren Zukunftsperspektiven für europäische Förderprogramme unterstreichen die Notwendigkeit, den gesellschaftlichen Mehrwert von Erwachsenenbildung – insbesondere im Kontext digitaler Transformation – stärker sichtbar zu machen und aktiv zu vertreten.

Am Abend bot ein gemeinsames Social Dinner in einem Street-Food-Markt die Gelegenheit, die Eindrücke des Tages in informellem Rahmen weiter zu vertiefen. Dieser Rahmen erwies sich als besonders wertvoll für die Vernetzung und Reflexion der gewonnenen Erkenntnisse.

23.04.2026 – Digitale Transformation als Organisationsentwicklungsprozess

Der dritte Tag ermöglichte mit dem Besuch bei Crescendo CVO in Mechelen einen vertieften Einblick in die institutionelle Umsetzung digitaler Transformation. Die Analyse des belgischen Bildungssystems zeigte, wie stark strukturelle Rahmenbedingungen die Ausgestaltung von Erwachsenenbildung beeinflussen.

Besonders gewinnbringend für unsere Lernziele war die systematische Herangehensweise der Einrichtung an digitale Transformationsprozesse. Auf Grundlage einer umfassenden Analyse der Bedarfe und Kompetenzen von Lernenden und Lehrenden wurde eine klare digitale Strategie entwickelt. Die gezielte Auswahl und Implementierung von Tools sowie die begleitende Qualifizierung der Lehrkräfte verdeutlichten, dass digitale Transformation als langfristiger Organisationsentwicklungsprozess verstanden werden muss. Es wurde deutlich, dass eine reflektierte und transparente Nutzung dieser Technologien entscheidend für ihre Akzeptanz ist.

Konkrete Anwendungen, insbesondere im Bereich KI-gestützter Lernangebote, zeigten, wie digitale Technologien zur Individualisierung von Lernprozessen und zur Förderung von Motivation eingesetzt werden können. Ergänzend lernten wir das sogenannte „App Wheel“ kennen, ein praxisorientiertes Instrument zur systematischen Auswahl und Einordnung digitaler Tools für Lehr- und Lernprozesse. Diese unterstützen Lehrkräfte dabei, digitale Anwendungen zielgerichtet und didaktisch sinnvoll in ihre Bildungsangebote zu integrieren.

Es wurde sichtbar, wie Bildungsangebote konsequent an den Bedarfen der Zielgruppen ausgerichtet werden können. Praxisnahe und kreative Ansätze, etwa die stärkere Verlagerung von Lernangeboten in den öffentlichen Raum, eröffnen neue Möglichkeiten, Reichweite und Sichtbarkeit von Erwachsenenbildung zu erhöhen.

Das CVO zeigte exemplarisch, wie digitale Transformation als strategischer Organisationsentwicklungsprozess verstanden und systematisch umgesetzt werden kann.

Insgesamt konnten wir unsere Kompetenzen in der Analyse, Bewertung und Gestaltung digitaler Transformationsprozesse deutlich erweitern. Die gewonnenen Erkenntnisse ermöglichen es uns, strategische Impulse für die Weiterentwicklung der Erwachsenenbildung in unserem Kontext abzuleiten und praxisorientiert umzusetzen.

Die gewonnenen Erkenntnisse stärken unsere Fähigkeit, digitale Transformationsprozesse in der Erwachsenenbildung aktiv mitzugestalten und in unseren jeweiligen Kontexten weiterzuentwickeln.

24.04.2026

Der Freitag war der Abreisetag der Teilnehmenden. An diesem Tag gab es keine weitere gemeinsame Aktivität.

AI for School Leadership: Transformative Strategies for a Digital Age auf Malta

von Hannah Sauer, 20.–26.04.2026

Vom 20. bis 26. April 2026 hatte ich die Gelegenheit, im Rahmen des Erasmus+-Programms an einer einwöchigen Fortbildung zum Thema Künstliche Intelligenz im Bildungsbereich auf Malta teilzunehmen. Der Kurs wurde von der Teacher Academy Malta in der Altstadt von Valetta durchgeführt.

Meine Anreise aus Deutschland mit dem Flugzeug verlief reibungslos und bereits beim Ankommen spürte ich die mediterrane Atmosphäre der Insel, Sonnenschein und Meeresluft, aber auch ein sehr hohes Verkehrsaufkommen.

Montag, 20.04.2026: Ankommen und Kennenlernen

Der Kurs begann um 9:00 Uhr im über 400 Jahre alten Gebäude der Teacher Academy in der Altstadt von Valetta mit einer herzlichen Begrüßung durch den Akademieleiter und Kursdozenten Nikolaus Conrad.

In der Vorstellungsrunde lernten wir uns als bunt gemischte Gruppe kennen. Lehrkräfte und Schulleiter aus Spanien, Bulgarien, Portugal, den Niederlanden und Griechenland: Eine echte europäische Mischung, die den Austausch von Anfang an bereicherte.

Nach einer Ice-Breaker-Aktivität, bei der wir unterreinander ins Gespräch kamen, gab uns Herr Conrad einen Überblick über den Wochenplan und die geplanten kulturellen Aktivitäten. Dann ging es direkt ins Thema:

  • Was ist Künstliche Intelligenz?
  • Geschichte und Entwicklung der KI
  • Verschiedene Modelle und Programme
  • Chancen und Gefahren beim Einsatz von KI
  • Die eigene Verantwortung im Umgang mit KI-Tools

Besonders eindrücklich fand ich, wie Herr Conrad die Grundlagen verständlich vermittelte und gleichzeitig Raum für unsere ersten Fragen und Bedenken ließ. Viele von uns hatten bereits auf verschiedenene Art und Weise Berührungspunkte mit ChatGPT oder ähnlichen Tools, aber die systematische Einordnung war für alle hilfreich.

Am Nachmittag stand eine geführte Bustour durch Valletta auf dem Programm. Die Hauptstadt Maltas beeindruckte mich mit ihrer reichen Geschichte, von den Spuren der Johanniter bis hin zur barocken Pracht der Gebäude und der Kathedrale. Abends fand zudem ein Feuerwerksfestival am Hafen statt, welches sehr beeindruckend war und sehr viele Zuschauer anlockte.

Dienstag, 21.04.2026: Prompts, Tools und erste Praxisübungen

Der zweite Tag war intensiv und praxisorientiert. Herr Conrad stellte uns verschiedene KI-Tools und Programme vor, u.a.:

  • Gemini (besonders stark bei Bildern und Recherche)
  • Claude AI (Alternative zu ChatGPT)
  • NotebookLM (für Zusammenfassungen, Mindmaps und Audio-Versionen)

Ein Schwerpunkt lag auf dem Verfassen effektiver Prompts. Wir lernten den Unterschied zwischen einem „guten“ und einem „schlechten“ Prompt kennen und wie entscheidend die Formulierung für die Qualität der Ergebnisse ist. Besonders interessant fand ich die Idee, einen eigenen Prompt Coach zu entwickeln, der auf die spezifischen Bedürfnisse der eigenen Institution, der eigenen Arbeitsweise oder für Lehrer auch  auf den Unterricht abgestimmt ist.

Wir übten praktisch:

  • Prompts für die Erstellung von Podcasts, Präsentationen und Quiz
  • Generierung von Tabellen und Newslettern
  • Systematische Verbesserung der eigenen Prompts

In der anschließenden Diskussion tauschten wir Erfahrungen über Schwierigkeiten aus, zum Beispiel, wenn KI-Tools plausibel klingende, aber faktisch falsche Informationen liefern. Zudem betonte Herr Conrad immer wieder die Bedeutsamkeit alle KI-generierten Informationen kritisch zu betrachten und stets auf deren Sinnhaftigkeit und Wahrheitsgehalt zu hinterfragen.

Der Nachmittag war frei für die individuelle Erkundung von Valletta. Ich schlenderte durch die engen Gassen, vorbei an den bunten Holzbalkonen, und genoss den Blick auf den Grand Harbour.

Mittwoch, 22.04.2026: Ethik, Recht und der EU AI Act

Dieser Tag war geprägt von tiefergehenden Diskussionen zu ethischen und rechtlichen Fragen im Umgang mit KI:

  • Ethische Dimensionen: Wann ist der Einsatz von KI vertretbar? Wo liegen die Grenzen?
  • Der EU AI Act: Chancen, Risiken, Risikolevel und konkrete Beispiele
  • Ländervergleiche innerhalb und außerhalb der EU

Wir diskutierten intensiv über den KI-Einsatz im Unterricht, insbesondere bei Prüfungen und Bewertungen. Welche Verantwortung tragen Lehrkräfte, wenn SchülerInnen KI-generierte Texte einreichen? Wie können wir als Bildungseinrichtungen sinnvolle Regeln aufstellen?

Zudem disktutiereten wir ein Zukunftsszenario, das viel Gesprächsstoff bot: Kann KI eines Tages Lehrkräfte ersetzen? Die Meinungen gingen auseinander, aber einig waren wir uns, dass die menschliche Beziehung sowie Empathie im Lernprozess nicht durch Algorithmen ersetzt werden kann.

Am Nachmittag unternahmen wir eine Exkursion nach Mdina und Rabat. Mdina, die „stille Stadt“, verzaubert mit ihrer verwunschenen und mittelalterlichen Atmosphäre. Die engen Gassen, die hohen Mauern und die Stille sind ein deutlicher Kontrast zum lebhaften Valetta. In Rabat besichtigten wir die Katakomben, ein eindrucksvolles Zeugnis der frühen Geschichte Maltas.

Donnerstag, 23.04.2026: Vom EU AI Act zur Praxis

Aufbauend auf den Vortag vertieften wir die historische Entwicklung der KI und widmeten uns erneut dem EU AI Act. Heute mit Fokus auf Datenschutz und konkrete Umsetzung:

  • Projektplanung zur Auditierung: Wie können Schulen und Bildungseinrichtungen die Regelungen des EU AI Act praktisch umsetzen?
  • Entwicklung von KI-Richtlinien für die eigene Organisation
  • Führungsverantwortung beim KI-Einsatz

Besonders wertvoll fand ich die Diskussion über Trainingsmöglichkeiten für KollegInnen. Wie führt man ein Team an KI heran, das vielleicht skeptisch oder unsicher ist? Herr Conrad gab uns viele praktische Tipps aus seiner eigenen Erfahrung.

Der kulturelle Höhepunkt des Tages war die Besichtigung des Grand Master’s Palace in Valletta. Die prächtigen Räume und die Rüstungskammer erzählen von der Zeit der Johanniter, die Malta über Jahrhunderte prägten. Anschließend unternahmen wir einen langen Spaziergang durch die Altstadt, wo es immer wieder neue Gassen und Fleckchen zu entdecken gab.

Freitag, 24.04.2026: Best Practices und Abschluss

Am letzten Kurstag ging es wiedermals um die praktische Umsetzung des Gelernten:

  • Best-Practice-Beispiele und Tools für die Unterrichtsplanung
  • Einführung von KI in Schulen/im Bildungsbereich: Was brauchen KollegInnen? (Akzeptanz, Training, verbindliche Regelungen)
  • Herausforderungen beim Einsatz von KI für Bewertungen, Prüfungen

In der Abschlussdiskussion reflektierten wir gemeinsam und konnten noch offene Fragen klären.

Das gemeinsame Abschlussessen bot die perfekte Gelegenheit zum Netzwerken. Es gab traditionelle maltesische Küche und ich probierte die typischen Ftira (maltesisches Fladenbrot) sowie eine mediterrane Platte, u.a. mit Ġbejna (lokaler Ziegenkäse).

Artificial Intelligence Tools for Language Teachers in Florenz

von A. Marin

Vom 20.10. bis 26.10.2025 habe ich in Florenz an der oben genannten englischsprachigen Erasmus+-Fortbildung des Landesverbandes der VHS Schleswig-Holstein teilgenommen. Den Lehrgang hat die „Europass Teacher Academy“ mit Hauptsitz in Florenz durchgeführt.

Ich bin mit der Bahn über München an- und abgereist. Dies hat trotz der bahnüblichen Verspätungen gut geklappt. Eine Bahnanreise ist natürlich aus Umweltgründen zu empfehlen. Sie dauert allerdings ziemlich lange und zieht sich über 2 Tage. Ich fand es jedoch sehr interessant, mit der Bahn unter anderem die Alpen zu durchqueren und die norditalienische Landschaft und die Toskana aus dieser Perspektive kennenzulernen.

Zug München Florenz

Das Wetter war während meiner Fortbildung morgens und abends recht frisch, tagsüber konnte man jedoch meist draußen sitzen. Leider gab es auch 3 Regentage.

Die Teacher Academy liegt direkt in der wunderschönen Innenstadt von Florenz in einem beeindruckenden Gebäude im florentinischen Stil. Die Unterrichtsräume sind meist groß und sehr modern ausgestattet. Nicht so glücklich fand ich, dass wir Teilnehmende in Reihen hintereinander saßen.

Montag, 20. Oktober

Heute um 9:00 Uhr ging es los. Beim Betreten des Gebäudes ist mir sehr positiv aufgefallen, dass wir von unserer Trainerin und den Angestellten ganz besonders freundlich empfangen wurden. Der erste Eindruck ist eben sehr wichtig.

Zunächst stellte sich unsere italienische Trainerin Ester Maria vor: Sie kommt aus Turin, hat Erziehungswissenschaften studiert und an Grundschulen in englischer und italienischer Sprache gearbeitet. Weiterhin hat sie sich auf den Einsatz digitaler Medien spezialisiert.

Wir sind elf Teilnehmende, wobei der Altersdurchschnitt eher höher lag: vier Kroatinnen, eine Lettin, eine Schwedin, eine Französin, eine Bulgarin, eine Deutsche, ein Italiener und ich. Anschließend haben wir uns alle kurz vorgestellt, insbesondere unsere Tätigkeiten: Lediglich 2 Kroatinnen unterrichten an Grundschulen, alle anderen sind in der Erwachsenenbildung oder an Gymnasien tätig und unterrichten dort meist Englisch. Ich fand gut, dass die Mehrheit ältere Schüler bzw. Erwachsene – wie ich – unterrichten, da wir so unsere Erfahrungen austauschen und vergleichen konnten. Wir haben alle unseren eigenen Laptop mitgebracht. Einige hatten schon Künstliche Intelligenz kennengelernt und verwendet. Für mich war dies ein neues Gebiet.

Danach sollte jeder seinen Namen vertikal auf einen Zettel schreiben und für jeden Buchstaben eine auf sich zutreffende Eigenschaft in der Erstsprache notieren. Anschließend wurden diese Zettel verteilt und jeder sollte seinen Zettel wiederfinden. Dadurch kamen wir ins Gespräch und wir sollten anschließend über die fotografische Übersetzungsfunktion von Google, die ich nicht kannte, die Eigenschaften übersetzen lassen. So sprachen wir mit mehreren Personen. Diese Kennenlernübung fand ich sehr gelungen.

Danach ging es um die Begriffe Intelligenz und künstlich: künstlich, weil es z.B. kein selbstständiges Denken ist, sondern Gedanken nur stimuliert werden. Wir definierten den Begriff Algorithmus: Computer analysieren große Datenmengen, lernen daraus, und entwickeln so Muster und lösen Probleme. Künstliche Intelligenz liefert dann ein Ergebnis aufgrund ähnlicher Konstellationen.
Beispiele: Spamfilter und Sprach-/Texterkennung. 

Wir sprachen über Chat GPT: „Generated Pre-trained Transformer“ und diskutierten unsere Erfahrungen.

Dann haben wir einen abstrakten Begriff gezeichnet und diese Zeichnung mit Hilfe des Programms „Animate your Drawing“ in Figuren verwandelt. Dann sollten wir diese Figur erklären. Für Fortgeschrittene eine gute Übung.

Prompts für Bild- und Texterstellung


Dienstag, 21. Oktober


Erste Aufgabe war heute, mit ChatGPT ein Bild zu generieren. Dabei ging es um den Begriff „prompt“, nämlich die Instruktionen, z.B. was auf dem Bild sein soll und was nicht, z.B. Person, Tier oder Objekt, den Zweck, relevante Details, Ton und Stil. Wir haben so mit den „prompts“ ein Bild einer Lehrerin in einem modernen Klassenraum erstellt.
Ich kann mir vorstellen, dies mal auszuprobieren. Dies setzt natürlich voraus, dass Teilnehmende dafür Smartphone oder Laptop nutzen möchten.

Mit ChatGPT erstelltes Bild

Als nächstes sollten wir mit ChatGPT anhand von prompts einen Unterrichtsplan generieren und diesen danach in einen Chart verwandeln, Lehrernotizen hinzufügen und in ein Word-Dokument einfügen. Anschließend machen wir dasselbe mit Gemini, einer weiteren KI-Anwendung.

Gemini ist eher besser für Bilder und ChatGPT besser für Texte.

Wir haben mit Gemini eine sogenannte Deep Research über den Dom von Florenz gemacht. Ich fand erstaunlich, wie detailliert das Ergebnis, nämlich der Text, war.

Dann haben wir mit Chat GPT anhand von prompts eine Geschichte geschrieben: wo und wann sie stattfand, welche Personen usw… Danach haben wir diese mehrfach abgewandelt, z.B. haben wir das Sprachniveau verändert (z.B. von B2 zu A2). Ich fand erstaunlich, wie gut das Ergebnis war und einen interessanten Ansatz, den man ausprobieren kann.

Zum Schluss gab es heute eine Diskussion über Pros und Cons von künstlicher Intelligenz im Unterricht.

Pros z.B.: motivierend, neu, sofortiges Feedback, spielerischer Ansatz


Cons z.B.: Gefahr von Hackern, Datenschutz, Anfälligkeit für Fehler, und zwar auch solche, die man schwer erkennt, einige technische Voraussetzungen nötig.

Mittwoch, 22. Oktober

Zunächst gab es heute eine Konversationsübung: gegenseitig Fragen stellen, die auf Kärtchen standen.

Dann erklärte unserer Trainerin, wie man einen QR-Code generiert, was wir kurz übten.

Danach ging es um Chatbots. Wir entwarfen zunächst eine Definition: „Programm, das mit Menschen mittels künstlicher Intelligenz kommunizieren kann“.

Wir lernten den Chatbot Mizou.com praktisch kennen. Dort kann man mit Lernenden online in Kontakt treten, kommunizieren, Aufgaben stellen und Antworten entgegennehmen. Das ist sicher eine gute Sache, aber ich frage mich, ob man das an Volkshochschulen einsetzen kann: Heterogenität und Motivation der Teilnehmenden, zusätzlicher Aufwand und unterschiedliche technische Voraussetzungen.

Anschließend lernten wir das Programm NotebookLM kennen: Eine PDF-Datei mit einem Text sollte hochgeladen werden und wir haben davon eine Audioversion, eine Mindmap und Karteikarten erstellt.

Letztes Thema heute: Wie kann man auf Bildern und in Texten künstliche Intelligenz erkennen? Anhand eines Quizzes stellten wir fest, dass die Unterscheidung sehr schwer ist.

Übrigens fällt mir auch auf, dass unsere Kursleiterin alle Teilnehmenden sehr gut einbezieht und den Lernstoff gut visualisiert. Ich denke, das ist allgemein sehr wichtig und bestätigt mich auch.

Donnerstag, 23. Oktober

Zunächst gab es heute erneut eine Konversationsübung: nach Körpergröße, Augenfarbe, Schuhgröße usw. in Reihe aufstellen und dies diskutieren. Gute Übung, die man machen kann.

Dann haben wir diskutiert, ob künstliche Intelligenz ein „Mitdesigner“ sein kann, wenn man z.B. eine Präsentation entwirft. Dazu haben wir das KI-Programm „Gamma“ kennengelernt. Wir nutzten dabei prompts wie Umriss, Bilder, Karten und ein YouTube-Video einfügen. Wir haben gelernt, dass man so tatsächlich eine Präsentation erstellen kann.

Nächstes Thema war, mit dem KI-Programm Suno Lieder zu entwerfen. Ich fand erstaunlich, dass dieses Programm selbstständig anhand von prompts gute Lieder schaffen kann. Wir haben jeder ein Lied über unsere Heimatstädte geschaffen und ich fand erstaunlich wie gut die prompts in das Lied eingebaut wurden. Das kann man probieren mit interessierten Teilnehmenden.

mit Sumo erstelltes Lied

Dann haben wir Gamma in Dreiergruppen praktisch angewandt: Unsere Gruppe hatte das Thema „florentinischer mittelalterlicher Fußball“. Wir haben dazu Texte aus dem Internet kopiert und in eine PDF-Datei importiert. Gamma hat dann eine einheitliche gute Version erstellt. Das Ergebnis fand ich erstaunlich gut.

Freitag, 24. Oktober

Heute war erste Aufgabe aus kleinen Gegenständen/buntem Papier etwas zu formen, das unsere Stimmung hinsichtlich des Kurses in dieser Woche widerspiegelt. Dies dauerte ziemlich lang und wir haben die Figuren in das KI-Programm Canvas Magic Studio eingefügt und von ihm interpretieren lassen.

Danach haben wir das Programm „Magic School“ kennengelernt.
Jeder hat damit ein Lied zum Thema Past Simple/Present Perfect geschaffen. Es war beeindruckend, wie gelungen und unterhaltsam das Lied war.

Als Nächstes haben wir mit „Magic School“ eine Textzusammenfassung einer ausführlichen PDF-Datei über den Dom von Florenz erstellt. Danach haben wir mit Magic School Fragen und ein Quiz entwerfen lassen.

Anschließend stellte unsere Trainerin das Programm Diffit vor, mit dem wir ebenso eine PDF-Datei bearbeitet haben und ein Multiple-Choice-Quiz erstellt haben.

Zum Schluss gab es eine Feedback- Runde: Wir waren alle sehr zufrieden, uns aber auch einig, dass die KI-Programme Übung benötigen. Es gab dann ein gemeinsames Foto und die Zertifikate.

Im unmittelbaren Anschluss an den Kurs fand um 14:30 eine Halbtags-Exkursion nach Chianti statt. Wir fuhren mit dem Bus durch die sehr schöne Toskana und besuchten zwei Weingüter. Natürlich gab es auch Weinproben der bekannten Chiantiweine. Hierbei hatten wir auch nochmal Gelegenheiten zu Gesprächen über die Fortbildung, die Arbeit und unsere Eindrücke von Florenz.

Beim Weingut nahe Chianti (Toscana)
Abschlussfoto

Samstag, 25.Oktober

Am Samstag war kein weiterer Ausflug angesetzt. Ich habe daher auf eigene Faust zunächst den großen, überwältigenden Dom von Florenz von außen besichtigt sowie den vorgelagerten imposanten Platz. Anschließend habe ich an einer ausführlichen Live-Führung im Dom in Englisch teilgenommen. Eine solche ist unbedingt zu empfehlen, da man Hintergrundinformationen erhält. Dies hat mich alles sehr beeindruckt.  

Land und Leute

Florenz, die Hauptstadt der Toskana ist eine tolle Stadt. Sie gilt als Geburtsort der Renaissance, hat etwa 360.000 Einwohner und ist bekannt für Kunst, Architektur und Kultur. Es gibt daher viele grandiose Sehenswürdigkeiten, die jedes Jahr Millionen von Touristen anziehen. Obwohl ich dort in der Nebensaison war, musste man bei vielen Sehenswürdigkeiten lange anstehen, z.B. am Eingang zum Dom.

Auffällig fand ich, dass es an den Haltestellen der Busse/Straßenbahnen keine Überdachung (Regen) bzw. Sitzplätze gibt. Wie mir ItalienerInnen sagten, soll so vor allem das historische Stadtbild nicht beeinträchtigt werden. Das Preisniveau schien mir ähnlich wie in Deutschland. Das gilt auch für Wohnraum. Sehr positiv ist mir die Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft der ItalienerInnen aufgefallen, etwa bei Fragen nach dem Weg. Ich habe bemerkt, dass sie – zu Recht – auch stolz auf ihre Stadt sind.

Resümee

Ich habe einen sehr guten Einblick in das für mich neue Gebiet der Künstlichen Intelligenz bekommen, praktisches Wissen für den Unterricht erworben und viele Impulse bekommen.

Auch habe ich gemerkt, wie umfangreich und komplex Künstliche Intelligenz ist.

Ganz besonders gut hat mir die große fachliche Kompetenz und Freundlichkeit unserer Trainerin gefallen. Auch unsere Arbeitsatmosphäre und der nette Umgang untereinander hat mir sehr gut gefallen. Der fachliche Austausch zum Thema mit den Teilnehmenden aus vielen verschiedenen Ländern war für mich sehr interessant. Unterricht aus der Teilnehmendenperspektive war ebenfalls erneut eine aufschlussreiche Erfahrung, da mir bewusst wurde, was man selber gut und nicht so gut macht.

Lediglich einige Aufgaben zogen sich nach meinem Geschmack manchmal etwas zu lange hin.

Außerhalb des Kurses habe ich viele kulturelle Eindrücke von dieser schönen Stadt bekommen und auch einen Einblick in das Leben in Florenz und Italien gewonnen.

Insgesamt war die Fortbildung eine tolle und sehr wertvolle Erfahrung. Daher möchte ich eine Erasmus+-Fortbildung allen Interessierten ausdrücklich empfehlen.

BNE-Hospitation in Madrid, Spanien

Florin Feldmann Mai 2025

Die unten beschriebenen, recht verschiedenen Stationen haben meine BNE-Hospitation bei der Federación Española de Universidades Populares (FEUP), dem spanischen vhs- Dachverband, geprägt.

Die Volkshochschulwelt in Spanien

Der vhs-Bundesverband Federación Española de Universidades Populares (FEUP) hat rund 230 Volkshochschulen als Mitglieder (https://feup.org/web/). Anders als in Zwischenstruktur in Form von Landesverbänden (derer es nur zwei gibt: in Extremadura https://www.aupex.org/   und auf den Kanarischen Inseln https://www.upcanarias.com/) sind die Aufgaben und der Arbeitsalltag des Bundesverbandes gut mit denen von uns als Landesverband SH vergleichbar. Manche sogar sehr offensichtlich: so wie wir eine hervorragende Kooperation mit der Verbraucherzentrale sowie das Treibhausgas-Einspar-Projekt „vhsgoesgreen2“ haben, gibt es dort eine enge Kooperation mit den Energieanbietern, die gemeinsam mit den Volkshochschulen Selbstlernkurse anbieten (https://hemera.feup.org/). 

SDG 4: Ich erfahre spannende Parallelen und Unterschiede zu unserer Arbeit. Der Dachverband publiziert regelmäßig: In diesem Herbst (2025) wird es eine Publikation über die vhs-Aktivitäten im Bereich Ökologische Nachhaltigkeit geben, die dann auch kostenlos auf ihrer Homepage zum Download zur Verfügung steht.

SDG 3: Aktuell haben sie einen starken Fokus auf Einsamkeitsprävention und ich bin gespannt am Ende des Jahres zu erfahren, wie ihre Ansätze angenommen wurden. U.a. wird mit Apotheken und Hausärzten zusammengearbeitet, um mit von Einsamkeit betroffenen Menschen in Kontakt zu kommen.

SDG 8: Berufsbezug ist finanzierungsbedingt das Querschnittsthema durch fast alle vhs-Angebote. Hier ist es sehr spannend zu sehen, wie die Angebote denen unserer Volkshochschulen sehr ähnlich sind, und dann aber zusätzlich diesen Bogen schlagen.

Escuela Feminista Estatal der FEUP: Feministische vhs in Trägerschaft des Dachverbandes

2019 wurde in Valencia die feministische Volkshochschule eröffnet (https://efe.feup.org/), die bundesweit tätig ist.

SDG 5: eine gesamte vhs, die sich der Frauenförderung verschrieben hat. Und ihren Schwerpunkt hierbei vor allem (aber nicht nur) im ländlichen Bereich setzt ist ein hochinteressantes Konzept!

Unter anderem führte sie ein EU-gefördertes Projekt durch, in dem es darum ging, die klassischen Haushaltskompetenzen von Frauen und vor allem Müttern sichtbar zu machen und so auf den Beruf zu übertragen. Wie auch die generellen vhs-Veranstaltungen sind die der EFE ebenfalls mit einem starken Berufsbezug, der gerade im ländlichen Raum oft auch auf Gründung und Selbstständigkeit ausgerichtet ist.

Meeresschutzausstellung Eco del Oceano: Ozeanausstellung fernab von Küstengebieten

Nach dem offiziellen Programm besuche ich noch das Ausstellungshaus einer anderen großen Stiftung, die keinen allgemeinen BNE-Anspruch verfolgt, aber aktuell eine Ozeanausstellung zeigt: https://espacio.fundaciontelefonica.com/evento/ecos-del-oceano/.

Mir fällt erst hier auf, dass ich bisher nur in Meeresausstellungen war, die sich in Küstennähe befinden. Da Madrid genau im Zentrum von Spanien liegt, ist die Küste in alle Richtungen maximal entfernt. Vielleicht wurde auch deshalb ein so sehr atmosphärischer Zugang gewählt.

SDG 14 und SDG 4: Die Ausstellung beginnt mit einer Klangmeditation und hat somit eine rein sinnliche Eröffnung des Themas. Erst langsam werden im Laufe der Ausstellungsräume Informationen eingestreut, bis es zum Abschluss eine sehr hohe Informationsdichte gibt. Also ein sehr BNE-gerechtes Lernen mit allen Sinnen. Eine gute Anregung für Volkshochschulen, auch mal mutig auszuprobieren, die Wissensvermittlung beim Themeneinstieg aus dem Vordergrund zu nehmen, um anderen Zugang zu schaffen.

La Casa Encendida

Etablierter Dritter Ort: Lernräume, Veranstaltungsräume, Bibliothek, Ausstellungen, Aufenthaltsbereiche, Urban Gardening  (https://www.lacasaencendida.es/en).

„Wir demokratisieren die Kultur“, hieß es in der Führung hinter die Kulissen, an der ich teilnehmen durfte. Gemeint ist, dass sie Kultur für alle zugängig und für alle gestaltbar machen. Was auch angesichts der geographischen Lage in der Stadt spannend ist: Dieses Haus liegt genau zwischen einem Museum mit Weltruf (Museo Reina Sofia, in dem u.a. riesige Werke von Picasso zuhause sind) und einem eher armen, migrantisch geprägten Stadtteil (Lavapies), in dem es aktive Stadtteilarbeit betreibt. Spannend waren sowohl das Konzept des Hauses, das extrem gut angenommen wird, als auch einzelne Elemente und Ausstellungen.

Ganz im Sinne von BNE verbindet das Konzept die Dimensionen Gesellschaft, Kultur, Bildung und Umwelt. Mindestens zwei dieser Säulen müssen bei jedem Angebot abgedeckt sein, in der Gesamtsumme müssen alle ausgewogen erkennbar sein.

Gedanken

SDG 4 und SDG 11: Eigentlich führt für Volkshochschulen an dem Konzept der Dritten Orte kein Weg vorbei.

SDG 13 und SDG 15: Könnten Volkshochschulen die Verbindung von Urban Gardening Aktivitäten in SH sein und dadurch die SDGs „Leben an Land“ und „Gesundheit“ noch sichtbarer machen?

SDG 10: Zum einen bekam ich neue, konkrete Anregungen, wie Inklusion an Volkshochschulen realisierbar wäre – wenn denn die Finanzierung einfacher wäre. Zum anderen gab es eine interessante Anregung zur Erreichung und Verbindung von Zielgruppen: Hier werden zum Teil gezielt zwei Zielgruppen in einer Veranstaltung zusammengebracht. Dies mal auszuprobieren und mit dieser Mischung zu arbeiten könnte ein spannender Ansatz sein.

El Maradero

Der ehemalige Schlachthof mit einem Gebäudeensemble von 1924 ist ein riesiges Kulturzentrum mit 3.Ort-Elementen, das laufend weiterentwickelt wird. „Ein offener Kulturort zum Erkunden, Sich-Treffen und Teil-sein“, wie es in der Selbstbeschreibung heißt: https://www.mataderomadrid.org/.

Gedanken

SDG 4, SDG 12, SDG 15 werden hier in das Angebot eines Ortes eingewebt, der in erster Linie Kulturinteressierte anspricht. Auf diese Weise wird auch eine untypischere Zielgruppe für Themen der Ökologischen Nachhaltigkeit erreicht.

Durch die permanente Weiterentwicklung des Ortes wird dieser auch von Personen, die schon oft da waren, als immer wieder neu-interessant erlebt.

Mental Health Awareness for Teachers and Students in Lissabon

von A. Kabuth

Im Rahmen des Erasmus+ Förderprogramms hatte ich die Möglichkeit, an dem Kurs „Mental Health Awareness for Teachers and Students“ der europass teacher academy in Lissabon teilzunehmen. Die Woche war geprägt von spannenden Inhalten, praktischen Übungen und wertvollen Begegnungen. Hier teile ich meine Eindrücke und Erkenntnisse.

Montag – Anreise und erste Eindrücke

Meine Reise nach Lissabon begann mit einer unerwarteten Herausforderung: Mein Anschlussflug von Amsterdam nach Lissabon am Vortag des Kurses fiel wegen eines technischen Defekts ersatzlos aus. So verbrachte ich die Nacht in Amsterdam und konnte erst am Nachmittag des nächsten Tages (- des ersten Kurstages!) weiterfliegen.

Nach der Ankunft führte mich mein Weg direkt zur Metro-Station Aeroporto – und ich wurde überrascht: Die Station ist mit 52 Karikaturen bedeutender Portugiesinnen und Portugiesen des Cartoonisten António Antunes geschmückt, darunter Schriftsteller wie José Saramago und Fernando Pessoa, die Fado-Sängerin Amália Rodrigues und der Fußballstar Eusébio.

Ein besonderes Highlight in den Metro-Zügen sind die feuerroten Sitze, die an den Rückenlehnen und auf den Sitzflächen komplett mit Kork bezogen sind – ein typisch portugiesisches Naturmaterial, da Portugal weltweit führend in der Korkproduktion ist. Die Metro hat in den letzten Jahren alle 13.700 Sitze von Textil- auf Korkbespannung umgerüstet, was den Zügen eine warme und einladende Atmosphäre verleiht. Ein authentischer Einstieg in Lissabon!

Ankunft in Lissabon: Kunst und Kork in der Metro: Karikaturen des Cartoonisten António Antunes in der Station Aeroporto und korkbezogene Sitze in den Zügen.

Dienstag – Emotionale Intelligenz und Naturerfahrung

Mein erster Kurstag (für den Rest der Gruppe schon der zweite) begann mit der Vorstellung der Förde-vhs und meiner Tätigkeit dort.  Die übrigen Teilnehmenden hatten ihre Arbeit schon am Montag vorgestellt. Im Gespräch stellte sich heraus, dass neben Grundschul-Lehrkräften auch zwei Lehrkräfte aus beruflichen Schulen sowie eine weitere vhs-Mitarbeiterin unter den Teilnehmenden war. So kamen wir im Laufe des Kurses immer wieder über die Besonderheiten und Gemeinsamkeiten unserer verschiedenen Zielgruppen in den Austausch.

Anschließend tauchten wir in das Thema emotionale Intelligenz ein. Laut dem World Economic Forum zählt emotionale Intelligenz zu den Top 10 der wichtigsten Jobskills – somit ist sozial-emotionales Lernen im Bildungsbereich zunehmend gefragt. Mit einem Umdenken weg von der Frage „Was stimmt nicht mit dir?“ und hin zu „Was ist dir widerfahren?“ wurde deutlich, wie wichtig das Verständnis für toxischen Stress schon in der Kindheit ist und wie dieser ohne Unterstützung zu großen Schwierigkeiten führen kann. Wir lernten einfache Techniken zum Umgang mit Stress kennen, wie etwa in Stresssituationen dreimal bewusst tief durchzuatmen, bevor man reagiert. Zudem erarbeiteten wir eine Übung zur kognitiven Verhaltenstherapie, bei der man Konfliktsituationen, Gedanken und Emotionen reflektiert und neue, ausgewogenere Denkweisen entwickelt.

Am Nachmittag führte uns eine Exkursion in den botanischen Garten Estufa Fria. Dort arbeiteten wir in Stille an selbstgewählten Orten, um unsere Sinneswahrnehmungen zu schärfen und unseren Emotionen nachzugehen. Besonders interessant erschien mir eine Übung, die Naturbeobachtung mit emotionaler Reflexion verbindet: Jede*r für sich wählt ein natürliches Objekt aus – einen Stein, eine Feder, eine Pflanze… Von einer genauen Beschreibung des gewählten Objekts ausgehend werden Überlegungen zur möglichen Geschichte des Objekts angestellt, über Wechselwirkungen mit der Umgebung: Gibt es Anzeichen von Veränderung, Wachstum, Widerstandsfähigkeit oder Zerbrechlichkeit? Diese Überlegungen führen hin zur Abstraktion: Wäre das Objekt eine Emotion, welche wäre es? Und weiter der Transfer ins Menschliche und Soziale: Wo spüre ich diese Emotion in meinem Körper, wenn ich sie erlebe? An welcher Stelle tritt diese Emotion im Unterricht in Erscheinung? Wie beeinflusst diese Emotion die Schüler*innen oder die Lernumgebung? So kann ein Stein in der Hand Halt geben, eine Pflanze kann für Flexibilität und Wachstum stehen – es entstanden in dieser Übung vielfältige Perspektiven und Gesprächsanlässe. Eine angeleitete Meditation rundete den Tag ab und gab wertvolle Hinweise, wie man Meditationen selbst anleiten kann.

Natürliches Objekt zur Naturbeobachtung und emotionalen Reflexion: verschiedene Blickwinkel auf einen Farn im botanischen Garten Estufa Fria.

Mittwoch – Glaubenssätze und Teambuilding

Am dritten Kurstag stand die Theorie ganz im Zeichen der Frage: Was sind Emotionen? und insbesondere, wie können wir unser Gehirn auf Glück trainieren? Inspiriert von Dalai Lama und Mahatma Gandhi beschäftigten wir uns mit limitierenden Glaubenssätzen, die uns in stressigen oder ängstigenden Situationen oft negativ beeinflussen. Mit praktischen Übungen wie „Trash talkers meet Treasure talkers“ lernten wir, wie negative innere Dialoge (Trash Talk) durch positive, stärkende Gedanken (Treasure Talk) ersetzt werden können.

Den Abschluss des Tages bildete eine Mental-Health-Rallye durch den Garten Jardim Gulbenkian, die Bewegung, Austausch und spielerisches Lernen verband. Angelegt war die App-basierte Rallye als digitale Schnitzeljagd im analogen Raum. In der inspirierenden Umgebung des Gulbenkian-Gartens sollten verschiedene Aufgabentypen in kleinen Teams gemeistert werden: Orte finden, Informationen einholen, schauspielerisch kurze Filme drehen, mit einfachen Materialien Objekte erschaffen und fotografisch dokumentieren.  – Ein willkommener Impuls für die Teamstärkung zwischen den Lernenden.

Mental-Health-Rallye Mission erfüllt: Kreative Selbstportraits aus Naturmaterialien.

Donnerstag – Mental Health am Strand von Carcavelos

Der Strand von Carcavelos bot die perfekte Kulisse für praktische Übungen zur Mental Health: Achtsamkeits-Meditation und Yoga halfen, Körper und Geist zu verbinden und zu entspannen. Hier bekamen die Teilnehmenden auch die Gelegenheit, eigens entwickelte Meditationen anzuleiten. In der darauffolgenden Praxiserfahrung erschufen wir in Kleingruppen Skulpturen der Stärke: Nach einem Austausch über die persönlichen Stärken baut jede Gruppe gemeinsam aus dem eben vorhandenen Material eine Skulptur, die diese Stärken symbolisiert. – Am Strand bot sich der Sand als Baumaterial geradezu an. Die kreative Arbeit förderte den Teamgeist und die Wertschätzung der eigenen Ressourcen.

Anschließend gingen wir in die Planung von Mental-Health-Aktivitäten für den eigenen Unterricht. Die Kleingruppen wurden so zusammengesetzt, dass ähnliche Lehr-/Lernsituationen berücksichtigt wurden, um einen möglichst großen Nutzen zu erzielen.

Achtsamkeits-Meditation und Skulptur der Stärken (Ruhe, Unvollkommenheit) am Strand von Carcavelos

Freitag – Klientenzentrierte Beratung und Resilienz

Der Vormittag startete mit einer angeleiteten Meditation zur Achtsamkeit für den Körper. Danach folgte ein intensives Thema: die klientenzentrierte Beratung nach Carl Rogers. Wir lernten, wie wichtig Authentizität, urteilsfreie Fürsorge und Empathie im Beratungsprozess sind. Eine spannende Übung dazu war das improvisierte Rollenspiel einer Beratungssituation mit vier verschiedenen Rollen: der/die Erzähler*in einer Konfliktsituation, dazu beratend der/die Rationale, der/die Empathische und der/die Motivierende. Die Möglichkeiten und Herausforderungen dieser verschiedenen Aspekte wurden durch die praktische Anwendung in isolierten Rollen besonders spürbar.

Am Nachmittag widmeten wir uns dem Thema Resilienz: Durch eine Stresskartierung analysierten wir persönliche Stressfaktoren und entwickelten gemeinsam Strategien zur Stressreduktion.

Angeregter Austausch im Seminarraum

Samstag – Kultureller Abschluss: Besuch im Gulbenkian Museum für moderne Kunst

Den Abschluss der Woche bildete ein individueller Museumsbesuch im neu eröffneten Centro de Arte Moderna Gulbenkian. Die moderne Architektur und die barrierefreie Gestaltung des Museums machen es zu einem besonders zugänglichen Ort des Lernens.

In der Ausstellung beeindruckten mich besonders die Werke portugiesischer Künstler*innen des 20. und 21. Jahrhunderts wie Paula Rego und Francisco Trêpa. Sie behandeln gesellschaftliche Themen wie Identität, Migration und Ungleichheit, aber auch abstraktere Themen wie Metamorphosen und Wechselwirkungen zwischen verschiedenen Lebensformen. Die Exponatbeschriftungen stellen in leicht verständlicher Sprache (auf Portugiesisch und Englisch) immer wieder Bezüge zur Lebenswelt der Besucher*innen her, offene Fragen laden zum Nachdenken und Diskutieren ein.

Der Besuch regte mich zum Nachdenken an, wie kulturelle Orte stärker in Bildungsangebote integriert werden können, um Lernenden neue Zugänge zu eröffnen und Selbstwirksamkeit zu stärken.

Werke von Paula Rego und Francisco Trêpa und die beeindruckende geschwungene Dachkonstruktion im Außenbereich des Centro de Arte Moderna Gulbenkian

Fazit

Die Woche in Lissabon war eine wertvolle Erfahrung für mich, persönlich und beruflich. Die vielfältigen Methoden und Übungen rund um das Thema Mental Health Awareness bieten zahlreiche Inspirationen, um das Wohlbefinden von Lehrenden und Lernenden im Alltag zu fördern.

Ich freue mich darauf, das Gelernte in meiner Arbeit an der Förde-vhs umzusetzen und dadurch die Bedeutung mentaler Gesundheit in der Bildung weiter zu stärken.

Hospitation zu BNE in Aarhus

22.09.2025 bis 24.09.2025

Teilnehmende: Christian Galonska, Ute Sauerwein-Weber

Montag, den 22.09.2025

Dieser Tag war unser Anreisetag. Nach einer Zugfahrt von Kiel nach Aarhus und dem Check-in in unsere Unterkünfte starteten wir einen ersten Besuch im Dokk1. Wir erkundeten die Lernumgebung, in der wir uns während der nächsten beiden Tage fortbilden würden und organisierten für jeden Tag und jeweils zwei Stunden einen kleinen Arbeitsraum, in dem wir unsere Ergebnisse sammeln und auswerten können.

Dienstag, 23.09.2025

Am ersten Tag unserer Hospitation stand das Dokk1 im Zentrum. Als zentrale Bibliothek und zugleich „Dritter Ort“ für die Stadtgesellschaft verbindet es Bildung, Begegnung und Kultur auf einzigartige Weise. Wir konnten uns einen umfassenden Eindruck von der Architektur, der Funktionsweise und den unterschiedlichen Lern- und Begegnungsräumen verschaffen und haben gezielt nach Anknüpfungspunkten für Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) recherchiert.

Ein Schwerpunkt lag auf der Gestaltung offener und inklusiver Lernräume. Deutlich wurde, dass Barrierefreiheit im Dokk1 nicht als nachträgliche Ergänzung verstanden wird, sondern integraler Bestandteil der Raumgestaltung und des Angebots ist. Offene Flächen, digitale Assistenzsysteme und die Möglichkeit, Räume flexibel zu nutzen, schaffen ein niedrigschwelliges Lernumfeld. Diese Ansätze sind wichtige Impulse für die Volkshochschulen, wie sie Teilhabe für alle Lernenden noch konsequenter verwirklichen können.

Im „Verdensrummet“ erhielten wir Einblicke, wie die SDGs praktisch vermittelt werden: durch Workshops, Ausstellungen und partizipative Formate. Nachhaltigkeitsthemen wie Ressourcenschonung („Reparieren statt neu kaufen“), Upcycling, urbane Begrünung, Biodiversität und lokale Klimaschutzmaßnahmen wurden in alltagsnahen Szenarien erfahrbar gemacht. Wir konnten sehen, wie BNE-Themen durch konkrete, handlungsorientierte Aktivitäten mit hoher Lebensweltrelevanz in die Bildungsarbeit integriert werden.

Zugleich zeigte das Dokk1, wie Future Skills wie Kreativität, Problemlösefähigkeit und digitale Kompetenz in offener Lernumgebung gefördert werden. Kooperationen mit Schulen, Initiativen und lokalen Partnern unterstreichen, wie eng Bildung, Stadtgesellschaft und Arbeitswelt miteinander verbunden sind. Schließlich haben wir Ansätze des Innovationsmanagements kennengelernt: Neue Ideen werden im Dokk1 konsequent getestet und in dauerhafte Strukturen überführt – ein Vorgehen, das wertvolle Impulse für die VHS-Arbeit bietet.

Insgesamt war dieser erste Tag im Dokk1 eine wertvolle Grundlage für unsere weiteren Hospitationen: Wir konnten zentrale Lernziele direkt mit praktischen Eindrücken verknüpfen und konkrete Übertragungsmöglichkeiten für die VHS-Arbeit in Schleswig-Holstein erkennen.

Mittwoch, 24.09.2025

Der zweite Tag führte uns in das DokkX, das als Innovationslabor im Dokk1 angesiedelt ist. DokkX versteht sich als Experimentier- und Lernort, an dem Bürgerinnen und Bürger neue Technologien kennenlernen, erproben und ihre Bedeutung für den Alltag reflektieren können.

Während einer Führung durch die Einrichtung erhielten wir Einblicke in verschiedene Arbeitsprozesse, die direkt an unsere Lernziele anknüpfen. Besonders wichtig war die Vermittlung von Kompetenzen für ein selbstständiges, aktives Leben – Menschen sollen ermutigt werden, Technologien nicht nur zu konsumieren, sondern aktiv zu nutzen und kritisch zu hinterfragen. Dies reicht von Assistenzsystemen für ältere Menschen über digitale Gesundheitsanwendungen bis hin zu innovativen Formen der Kommunikation.

Mit Blick auf die SDGs war erkennbar, dass DokkX technologische Innovation stets mit den Dimensionen soziale Gerechtigkeit, Barrierefreiheit, Teilhabe und ökologische Verantwortung verbindet. So werden z. B. Technologien im Hinblick auf ihre Wirkung auf Umwelt und Nachhaltigkeit bewertet. Dies eröffnet einen integrativen Zugang zu BNE, der sich auch für die Volkshochschulen übertragen lässt.

Wir konnten zudem nachvollziehen, wie im DokkX Future Skills gezielt gefördert werden: Bürgerinnen und Bürger lernen, mit Unsicherheit umzugehen, Neues auszuprobieren und Innovation in ihren Alltag zu integrieren. Besonders die partizipativen Ansätze – Menschen aktiv einzubeziehen und ihre Rückmeldungen in die Weiterentwicklung einzubauen – sind wertvolle Impulse für die Erwachsenenbildung in Schleswig-Holstein.

Auch das Innovationsmanagement des DokkX war für uns von großem Interesse. Neue Projekte entstehen in enger Zusammenarbeit mit Nutzerinnen und Nutzern sowie mit Partnern aus Wissenschaft, Stadt und Wirtschaft. Ideen werden zunächst im geschützten Raum erprobt, angepasst und erst nach erfolgreicher Testphase in die Regelstrukturen überführt. Dieses Vorgehen liefert konkrete Anregungen, wie auch Volkshochschulen Innovationsprozesse gestalten können.

Der zweite Tag machte deutlich, wie BNE, digitale Transformation und gesellschaftliche Teilhabe miteinander verbunden werden können. Das DokkX bietet damit nicht nur technologische, sondern vor allem auch pädagogische und gesellschaftliche Lernimpulse, die wir für die Weiterentwicklung unserer VHS-Arbeit nutzen können.

Am frühen Abend verließen wir Aarhus und fuhren mit einem Koffer voller Inspiration und kreativer Erfahrungen zurück nach Kiel.

The Art of Differentiation: Strategies for Inclusive Classrooms in Rom

Silke Wienecke

Volkshochschule Wedel

ERASMUS Mobilität 9.-13.06.2025

Tag 1, Montag, 09.06.2025

Der Kurs The Art of Differentiation: Strategies for Inclusive Classrooms des Anbieters Infol Education SRLS  in Rom soll eine umfangreiche Auseinandersetzung mit Methoden und Strategien der Inklusion im Unterricht und in der Institution bieten. Fünf Tage mit je vier Unterrichtsstunden sind dafür eingeplant.

Der Kursort befindet sich nicht direkt in der Innenstadt Roms, ist aber mit öffentlichen Verkehrsmitteln gut zu erreichen. Die Anfahrt mit der Metro klappte hervorragend, doch da kein Bus kam, ging ich den restlichen Weg zu Fuß und kam trotz kleiner Verspätung nahezu pünktlich an, als zweite von acht angekündigten Teilnehmerinnen.

Francesco, der Direktor des Instituts, begrüßte uns herzlich und sagte, dass drei Kolleginnen aus Rumänien auch noch das letzte Stück Wegstrecke zu Fuß zurücklegen würden. Insgesamt waren wir am ersten Tag zu sechst, zwei Lehrerinnen einer Berufsschule in Le Mans, Frankreich, sowie drei Lehrerinnen einer Berufsfachschule/Fachhochschule für Elektrotechnik aus Cluj/ Rumänien. Es gab eine einstündige ausführliche Vorstellungsrunde einschließlich der spezifischen Arbeitsbedingungen an den einzelnen Institutionen. Dann wurde Francesco zunehmend unruhig, da die Dozentin, die um 11:00 Uhr das erste Training beginnen sollte, nicht auftauchte. Es gab einen familiären Notfall, weshalb sie voraussichtlich bis mittags nicht zum Unterricht erscheinen könnte. Länderübergreifend war man sich einig, dass das wie im richtigen Leben wäre und eine Situation, wie wir sie alle in unseren eigenen Schulen auch schon erlebt hätten. Die rumänische und die deutsche Fraktion stellten fest, dass ohnehin in ihren Ländern der Pfingstmontag ein Feiertag wäre, überraschenderweise in Italien aber nicht.

Francesco teilte dann einen mehrseitigen umfangreichen Fragebogen über die Erwartungen an den Kurs und die Umsetzung der Ergebnisse an den jeweiligen Arbeitsplätzen aus. Die Ergebnisse dazu wurden jeweils im Plenum diskutiert. Das gab schon einen interessanten Überblick über die jeweiligen äußeren Gegebenheiten, mit denen die einzelnen Institutionen arbeiten müssen.

So unterrichten die Kolleginnen aus Frankreich die Fächer Französisch und Geschichte, aber auch „digital literacy“ in einer staatlichen Schule für Metallurgie, an der trotz einer sehr diversen Schülergruppe wenig Rückhalt für inklusive Lösungsansätze vorhanden sei. Die rumänischen Kolleginnen, allesamt in technischen Fächern tätig, sahen eher Verhaltensauffälligkeiten und Aufmerksamkeitsprobleme bei ihren Studierenden als problematisch an und betonten, dass ihre Schule in dieser Hinsicht aufmerksam wäre und nach Wegen suche, inklusive Strategien umzusetzen. Die Schülerschaft ist dort offenbar weniger heterogen, wobei auch dort eine große Gruppe Flüchtlinge aus der Ukraine neu ins Bildungssystem integriert werden muss.

Die Fragebögen wurden von Francesco gesammelt und an die Kursleiterin weitergeleitet, damit sie für den morgigen Unterrichtstag diese Informationen vorliegen hatte. Wir einigten uns darauf, am morgigen Unterrichtstag zwei entsprechend längere Unterrichtsblöcke einzuplanen, um den Stoff entsprechend behandeln zu können. Francesco beantwortete dann noch Fragen zum weiteren Verlauf des Kurses. Es sind zwei Außentermine/Hospitationen geplant. Darauf bin ich besonders gespannt. Gegen 13.00 Uhr war die Sitzung beendet. Das rumänisch-deutsche „Team Bus“ startete einen neuen Versuch, und diesmal klappte es, der Bus kam, zwar eine halbe Stunde später als laut Fahrplan, aber es war angenehm, den Weg zur Metro in der Mittagshitze nicht zu Fuß laufen zu müssen. Wir werden diese Aktion dann morgen als „Team- Building activity“ vorstellen. Wir haben uns dafür morgen auch um 9.15 an der Metro verabredet, um die Aktivität fortzusetzen.

Tag 2, Dienstag, 10.06.2025

Heute war die Trainerin, Kwanza Dos Santos, dann wie geplant da, und es gab einen fünfstündigen Workshop zu Themen aus der interkulturellen Pädagogik. Kwanza ist selbst italienische Staatsbürgerin, ihre Eltern sind aus Brasilien eingewandert, und sie hat sich aufgrund ihrer eigenen Biografie ausführlich mit Fragen inklusiven Lehrens und Lernens beschäftigt.

Der Workshop umfasste Partner- und Gruppenarbeiten und war gut angeleitet, speziell was assoziatives Arbeiten anging. Beim Zusammenstellen der Charakteristika inklusiven Unterrichts hatte ich dagegen das Gefühl, dass Kwanza sehr klare Vorstellung davon hatte, wie die Ergebnisse aussehen und formuliert werden sollten, das hat mich an einigen Stellen etwas gestört. Der Vollständigkeit halber fasse ich sie aber hier noch einmal zusammen: 

  • Inklusive Pädagogik basiert auf dem Prinzip, dass alle Lernenden – unabhängig von ihren individuellen Voraussetzungen – gemeinsam lernen und gefördert werden sollen.
  • Sie erkennt Vielfalt als Bereicherung und nicht als ein Problem, das beseitigt werden muss.
  • Ein zentrales Ziel inklusiver Pädagogik ist die Teilhabe aller Lernenden am schulischen und gesellschaftlichen Leben.
  • Lehrkräfte passen ihre Methoden, Materialien und Lernumgebungen an die unterschiedlichen Bedürfnisse der Lernenden an.
  • Inklusion bedeutet nicht nur die Integration von Menschen mit Behinderungen, sondern auch die Berücksichtigung sozialer, kultureller und sprachlicher Unterschiede.
  • Die Zusammenarbeit im multiprofessionellen Team ist ein wichtiger Bestandteil inklusiver Arbeit.
  • Inklusive Pädagogik orientiert sich an den Menschenrechten und am Prinzip der Gerechtigkeit im Bildungssystem.
  • Inklusiver Unterricht schafft eine Umgebung, in der sich alle Lernenden sicher, wertgeschätzt und lernfähig fühlen.

Die Ergebnisse aus unseren kleinen Gruppenarbeiten – Übungen zum aktiven Zuhören, Vergleiche der Bildungssysteme im Hinblick auf die Einbürgerungspolitik der jeweiligen Länder, Übungen zu Stereotypen und die anschließende Analyse biografischer Erfahrungen mit Stereotypen waren dagegen sehr interessant. So habe ich heute gelernt, dass das Staatsangehörigkeitsrecht in Italien letztmalig 1992 angepasst wurde. Für in Italien geborene Kinder nicht-italienischer Eltern gilt bis heute, dass sie nur zwischen ihrem 18. und 19. Lebensjahr die italienische Staatsbürgerschaft beantragen können, sie aber dafür auch ununterbrochen in Italien gelebt haben müssen. Ein Schuljahr im Ausland etwa würde diese Anforderung unmöglich machen. Die Kolleginnen aus Rumänien berichteten, dass es seit einigen Jahren starke Einwanderung aus Indien, Nepal, China und Sri Lanka nach Rumänien gebe. Diese Einwanderergruppen würden überwiegend die Jobs ausüben, die die Rumänen nicht (mehr) annehmen würden: subalterne Tätigkeiten, zum Beispiel in Gastronomie, Hotellerie… Da circa 40 % der rumänischen Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter selbst im Ausland arbeiten, lägen viele dieser Jobs ohne die Einwanderer brach.

Es sind Informationen wie diese, die das Erasmus-Programm so interessant machen: globale Entwicklungen, die in unterschiedlicher Weise in einzelnen Ländern ihren Niederschlag finden. 

Zum Thema „Stereotype“ gab es einen TED-Talk der nigerianischen Schriftstellerin Chimamanda Ngozi Adichie, nicht ganz neu, sondern aus dem Jahr 2009, aber nicht weniger aktuell, ein sehr gut ausgewähltes Testimonial über die Erfahrungen mit Stereotypen in beide Richtungen: Erwartungen und Zuschreibungen anderer und die eigenen Projektionen von Wirklichkeit auf andere Personen. Adichie beschrieb darin anschaulich ihre eigene Lesesozialisation, in der sie als Jugendliche ausgiebig klassische englische Literatur las (die ihre eigene Mutter von Studienaufenthalten in Großbritannien mitgebracht hatte) und ihr Blick auf das Land und seine Kultur eine quasi spätromantische Färbung hatte. Mit der Realität konfrontiert erlebte sie einen ungewollten, notwendigen Perspektivenwechsel, um die ihr bekannten, aber in ihrer Zeit verhafteten Themen und Sichtweisen einordnen und als Ausgangspunkt für ihre eigene Realität umwidmen zu können.

Dieser Wechsel der Perspektiven – „the different gaze“ – wurde anschließend in einigen praktischen Übungen erprobt. Zu Grunde lag die Annahme, dass durch Veränderungen der Narrative auch ein Wechsel vorgenommen werden könne. Kwanza stellte dazu Beispiele aus italienischen Lehrbüchern vor, die nach wie vor im Gebrauch seien. Geradezu erschütternd fand ich ein Beispiel aus einem Lesebuch für die dritte Klasse, in dem drei Kinder gefragt wurden, was sie sich für das beginnende Schuljahr wünschen. Ein strahlender blonder Junge antwortete, er würde gern viel draußen spielen. Ein niedliches Mädchen sagte gar nichts, ein dunkelhäutiger Junge in unbeholfenem Italienisch, er möchte gern viel besser Italienisch lernen. Dieses und weitere Beispiele führten zu lebhaften Diskussionen darüber, wie in einer Unterrichtssituation mit einfachsten Mitteln Stereotype in inklusive Ansätze umgewandelt werden könnten. Die französischen Kolleginnen berichteten, dass in Frankreich derzeit viele Lehrbücher sehr kritisch evaluiert und verändert würden. Aus meiner Erfahrung konnte ich ein DaZ-Lehrwerk der neuesten Generation vorstellen, in dem inklusive Ansätze konsequent umgesetzt worden waren. Die durchgehend verwendeten Charaktere sind unterschiedlich angelegt, beispielsweise sitzt ein Protagonist im Rollstuhl, eine weitere Protagonistin ist schon recht alt, es gibt mehrere Personen mit Migrationshintergrund, die ganz unterschiedliche berufliche Tätigkeiten ausüben („Miteinander“, Hueber Verlag, 2024).

Der letzte Teil des Workshops umfasste eine Übersicht über inklusive Sprache, da war inhaltlich wenig Neues dabei, aber interessante linguistische Aspekte gab es auch hier. 

Tag 3, Mittwoch, 11.06.2025

Heute war einer der beiden Unterrichtstage, die für Exkursionen und Außenaktivitäten vorgesehen sind. Die Gruppe besteht nach wie vor aus sechs Personen, die beiden Kolleginnen aus Rumänien, die am Montag noch angekündigt worden waren, konnten kurzfristig nicht am Kurs teilnehmen. Heute war der Treffpunkt die Metro Station Circo Massimo, von dort ging es ein kurzes Stück zu Fuß zum Kulturzentrum „Celio Azurro“.

Der Stadtteil „Celio“ ist nach dem Cäcilienhügel benannt und befindet sich im Zentrum der Stadt, nahe beim Circus Maximus. Trotzdem (wegen der Hanglage) ist es dort eher ruhig und grün – es gibt viele öffentliche Parkanlagen. Und da wunderbares Sommerwetter herrscht, ist der Himmel azurblau. Der Name der Einrichtung wurde bewusst so gewählt, als Wortspiel, das den blauen Himmel („cielo azzurro“) und den blauen Hügel verbindet, der Name ruft Assoziationen wie Weite, Unendlichkeit etc… hervor.

„Celio Azzurro“ geht auf eine private Initiative zurück, die in Deutschland vielleicht mit einem niedrigschwelligen Nachbarschaftszentrum der 1970er Jahre vergleichbar wäre, ein Konzept, an das in Deutschland die heutige stadtpolitische Quartiersplanung wieder anknüpft. Gegründet 1990 mit einem innovativen pädagogischen Konzept ist heute eine durch das Bildungsministerium geförderte Einrichtung, die frühkindliche Bildung bis Erwachsenenbildung anbietet.

Wir wurden von Giorgio, einem Pädagogen, der seit der Gründung dort arbeitet, freundlich begrüßt und herumgeführt. In Italien haben Pfingsten die dreimonatigen Sommerferien begonnen, die Schulen und viele andere Bildungseinrichtungen sind daher geschlossen. Nur eine kleine Gruppe wurde in der Zeit betreut, darum konnten wir auch das Gelände und die Unterrichtsräume ansehen.

Das Konzept basiert auf einer ganzheitlichen Pädagogik, die inklusive Ansätze auf unterschiedliche Generationen/Altersgruppen anwendet. Die Angebote wurden von Anfang an auf die Bedürfnisse von Eltern und Kindern ausgerichtet.  In der Gründungsphase kamen 75% der Teilnehmenden aus Einwandererfamilien, heute sind es ca. 40%.  Umgangssprache ist Italienisch und so werden systematisch auch Italienischunterricht für Migranten, Kochkurse, Yoga und vereinzelt Angebote zur politischen Bildung angeboten. Dabei handelt es sich ausschließlich um kommunalpolitische Themen im Stadtviertel, die meist auf konkrete Problemlösungen abzielen (die Parkplatzsituation zum Beispiel). 

Celio Azzurro bietet also unterschiedliche Bildungsaktivitäten und -wege an, die von einer vielfältigen Gesellschaft (ethnisch, kulturell und generationenübergreifend) geprägt sind.

Ein solcher Ortstermin ermöglicht Einblicke, die nur in der praktischen Arbeit zu gewinnen sind. Eine kritische Anmerkung jedoch: „Inklusion“ umfasst für mich auch Barrierefreiheit oder zumindest das Bewusstsein dafür. Außengelände und Gebäude sind aufgrund der Hanglage für Menschen mit körperlichen Einschränkungen aber kaum oder gar nicht zugänglich, es gibt viele Treppen oder Stufen und keine angepasste Zuwegung.

Unsere Exkursion am dritten Tag endete mit einem gemeinsamen Rundgang durch die Viertel St. Giovanni und Esquilino, das Stadtviertel, das in Richtung des Hauptbahnhofs den höchsten Migrantenanteil der Stadt aufweist. Die Dozentin wies immer wieder auf die Vielfalt hin, die sich im Straßenbild zeige, dies schien ihr sehr wichtig zu sein. Den Abschluss bildete ein Besuch des Marktes „Nuovo Mercato Esquilino“, ein berühmter Markt, der nach langen kommunalpolitischen Verhandlungen vor ca. 15 Jahren aus hygienischen Gründen mit einer riesigen Markthalle umgebaut wurde. Die umgebenden Straßen waren vor allem von asiatischen (Indien, China, südostasiatische Staaten) Cafés, Restaurants und Lebensmittelgeschäften geprägt. Der Markt selbst bot Lebensmittel aus mehreren Kontinenten und es war ein Erlebnis, dort einmal hindurchzuschlendern.

Für morgen ist ein weiterer „Ausflug“ geplant, mehr wurde nicht verraten. Ich bin gespannt!

Tag 4, Donnerstag, 12.06.2025

Heute fand der zweite Außentermin statt. Sehr schön daran: wir trafen uns im Freien, erst an der U-Bahn-Station Hauptbahnhof, um zur Station EUR Palaspor (ein großes Stadium) zu fahren. Von dort war es nur ein kurzer Fußweg zum Parco Centralo del Lago, einem öffentlichen Park. Von den veranschlagten drei Zeitstunden Unterricht war damit schon mehr als eine halbe Stunde vorbei. In den verbleibenden zweieinhalb Stunden führten wir exakt sechs Übungen durch. Das war wenig, zumal für keine der sechs Teilnehmerinnen etwas wirklich Neues dabei war, wie wir uns auf der Rückfahrt mit der Metro gegenseitig bestätigen konnten. Ich will jetzt nicht zu kritisch sein, und es war wie gesagt sehr schön, nicht in einem heißen Klassenzimmer zu sitzen (es waren heute 35°), und es war auch keine vertane Zeit mit den Kolleginnen aus zwei anderen Ländern diese Übungen durchzuführen, aber der Erkenntnisgewinn war sehr überschaubar.

Es handelte sich bei den Übungen um Aufwärm- und Eisbrecher Aktivitäten, wie alle sie selbst in ihrem Unterricht schon durchgeführt haben: den eigenen Namen und damit ein Stück Biografie zu erklären, drei Dinge über sich selbst, von denen eine Aussage nicht zutraf und die erraten werden musste, eigene Stärken und Schwächen zu beschreiben, dann ein „Blindfold Walk“ als vertrauensbildende Maßnahme, ein „Privilege Walk“, anschließend eine kurze Schnitzeljagd, bei der auf dem Handy Fotos von verschiedenen Objekten gemacht werden mussten. Vielleicht waren heute einfach alle etwas erschöpft und träge, aber nicht nur ich habe die Veranstaltung als extrem in die Länge gezogen und wenig inhaltsreich empfunden. Die Inhalte entstanden durch die informellen Gespräche mit den Kolleginnen. Außerdem waren wir mitten in einem römischen Park während der Woche im überraschend heißen Frühsommer, ein schönes Erlebnis, zu beobachten, wie die Römerinnen und Römer, speziell Familien mit kleinen Kindern, sich in einer kleinen grünen Oase mitten in der Großstadt erholen.

Tag 5, Freitag, 13.06.2025

Der fünfte und letzte Tag begann mit einer kurzen Nachlese der Outdoor-Aktivitäten, dem Besuch im Kulturzentrum Celio Azzurro und dem Aktivitäten-Nachmittag im Park gestern. Die Rückmeldungen über Celio Azzurro und den anschließenden Quartiersrundgang waren übereinstimmend sehr positiv. Mit dem gestrigen Nachmittag waren die Teilnehmerinnen wohl alle nicht richtig zufrieden, wir alle brachten unsere Kritik aber sehr vorsichtig vor. Meine Bitte für den letzten Tag war, noch ein paar Impulse zu anderen Aspekten der Inklusion zu bekommen, nicht nur die migrantische Perspektive. Das wurde auch erfüllt, nach einem längeren Exkurs zu den Themen inklusiver Geographie und Geschichte.

Die Unterrichtsform war überwiegend ein Vortrag von Kwanza, immer wieder aufgelockert durch Beispiele und Vergleiche der Situation in unseren jeweiligen Herkunftsländern.

Grundsätzlich ist Inklusive Geographie ein Ansatz, geografische Räume, Phänomene und Prozesse so zu betrachten, dass alle Menschen, unabhängig von ihren Fähigkeiten, Hintergründen oder Lebensumständen, einbezogen werden. Sie legt Wert darauf, Barrieren zu identifizieren und abzubauen, die den Zugang zu geografischem Wissen oder räumlichen Erfahrungen einschränken könnten. Das bedeutet, dass Lehrmaterialien, Karten und Lernmethoden so gestaltet werden, dass sie für alle zugänglich sind, beispielsweise durch taktile Karten für sehbehinderte Menschen oder durch leicht verständliche Sprache.

Inklusive Geographie fördert das Bewusstsein für die Vielfalt der Lebenswelten und die unterschiedlichen Perspektiven, die Menschen auf der Welt haben. Sie betont die Bedeutung von Partizipation und Mitbestimmung in der Raumgestaltung und -planung. Ziel ist es dabei, Diskriminierung und Exklusion zu vermeiden und eine gerechte Verteilung von Ressourcen und Chancen zu fördern. In der Praxis bedeutet das auch, Umwelt- und Raumfragen aus verschiedenen Blickwinkeln zu betrachten, etwa aus der Sicht von marginalisierten Gruppen. Die inklusive Geographie soll dazu beitragen, gesellschaftliche Ungleichheiten sichtbar zu machen und Lösungen zu entwickeln, die alle Menschen einschließen. Sie ist eng verbunden mit Konzepten wie Nachhaltigkeit, Gerechtigkeit und Menschenrechten. Durch den Einsatz moderner Technologien (z. B. Geoinformations-systeme, GIS), können dazu Daten gesammelt und für alle zugänglich gemacht werden. Insgesamt zielt inklusive Geographie darauf ab, das Verständnis für die komplexen Zusammenhänge des menschlichen Lebens auf der Erde zu fördern, ohne bestimmte Gruppen auszuschließen. 

Eng verknüpft mit inklusiver Geographie ist die Kritik an kolonialer und postkolonialer Kategorisierung. Die Bezeichnung „Dritte Welt“ oder „Entwicklungsländer“ beschrieb Kwanza als Beispiel dafür, wie politische Kategorisierung während des kalten Krieges durch die USA die westliche Sichtweise für Jahrzehnte prägte. Die Aufteilung Afrikas durch Kolonialmächte bis hin zum Ziehen von Landesgrenzen mit dem Lineal, völlig ungeachtet der bestehenden Besiedlung durch unterschiedliche Ethnien nannte sie als ein Beispiel dafür, wie geopolitische Fakten geschaffen wurden. Bis heute gehe die Länderbezeichnung Kamerun auf das Portugiesische Wort Camo für „Krabben/Shrimps“ zurück. Der frühere Staat Obervolta hingegen hätte seine Umbenennung in Burkina Faso, ungefähr übersetzbar als „Land der Menschen mit Würde“ aus den zwei meistgesprochenen Sprachen des Landes ausgewählt. Für Ghana war die koloniale Bezeichnung die „Goldküste“, eine ähnliche Bezeichnung hat Cote D‘ Ivoire bis heute. Ein kurzer, aber hochinteressanter Beitrag auf dem YouTube-Kanal „Geography Now“ über Frankreich illustrierte die irgendwie anachronistisch anmutenden französischen Übersee-Départments, Enklaven und „Territoires d’outre-mer“ (TOM). Eine der französischen Kolleginnen hat Familie in New Caledonia und konnte dazu aus eigener Anschauung über die dortigen speziellen Autonomieregelungen berichten.

Inklusive Geschichtsschreibung zielt ebenfalls darauf ab, Geschichte aus vielfältigen Perspektiven zu erzählen und alle gesellschaftlichen Gruppen einzubeziehen. Sie soll traditionelle, oft eurozentrische oder westlich dominierte Narrative ausbalancieren, die bestimmte Gruppen marginalisieren oder ausblenden. Ziel ist es, die Erfahrungen von Minderheiten, Frauen, ethnischen Gruppen, sozialen Schichten und anderen oft übersehenen Akteuren sichtbar zu machen, um die Vielfalt menschlicher Erfahrungen abzubilden. Sie bezieht idealerweise Quellen aus verschiedenen Kulturen und Perspektiven ein, um ein umfassenderes Bild der Vergangenheit zu zeichnen. Dieser Ansatz soll dazu beitragen, Vorurteile abzubauen und die Stimmen von Menschen zu hören, die in traditionellen Geschichtsschreibungen oft fehlen, etwa durch die Einbeziehung von „Oral History“.

Kwanza erläuterte weitere interessante Beispiele aus Italien: so wurden seit 1923 seh- und hörbehinderte Kinder in eigenen Schulen unterrichtet. Dort wurden aber auch Kinder aus Süditalien aufgenommen, die mit regionalen Dialekten (und teilweise Sprachen) aufgewachsen waren und kein Standarditalienisch sprachen. Also gewissermaßen das Gegenteil von Inklusion.

Seit etwa 20 Jahren gibt es in Italien einen nationalen Integrationsplan (Piano di Integrazione degli Stranieri, PEI), der die folgenden Ziele hat:

  1. Sprachliche Integration: Förderung der Italienischkenntnisse, um die Kommunikation im Alltag und im gesellschaftlichen Leben zu erleichtern.
  2. Kulturelle Integration: Vermittlung von Kenntnissen über die italienische Kultur, Werte und gesellschaftliche Normen, um das Verständnis und die Teilhabe zu stärken.
  3. Soziale und rechtliche Integration: Unterstützung bei der Orientierung im Rechtssystem, beim Zugang zu Bildung, Arbeit und sozialen Diensten, um eine erfolgreiche Eingliederung in die Gesellschaft zu gewährleisten.

Derzeit ist ein bildungspolitischer Schwerpunkt die Integration von Kindern mit Beeinträchtigungen oder Behinderungen ins reguläre Schulsystem, indem man ihnen Schulbegleiter zur Seite stellt.

Der letzte Unterrichtsabschnitt diente dazu, dass alle Anwesenden kurz das Bildungssystem ihrer Länder vorstellten. Da außer mir alle an staatlichen Berufsfachschulen mit der Altersgruppe der 16- bis 24-Jährigen tätig sind, lag der Fokus auf dieser Altersgruppe und den Schulformen. Alle stellten für ihre Einrichtungen und sich fest, dass inklusive Pädagogik mindestens schon stark reflektiert würde, dass in vielerlei Hinsicht auch schon Maßnahmen erfolgt wären, da es sich dabei aber um einen fortwährenden Prozess handelt und nicht um einen festzuschreibenden erreichten Zustand, bleiben viele Aufgaben weiter bestehen. Die Veranstaltung endete mit der Austeilung der Teilnahmebescheinigungen und einer allgemeinen Feedbackrunde.

Aus dem Kurs nehme ich eine Reihe neuer Impulse mit und – wie bisher immer bei Erasmus Programmen – wunderbare Gelegenheiten, sich mit Kolleginnen aus anderen Ländern auszutauschen. Diese Erfahrungen sind sehr wertvoll und helfen dabei, den Blick auf Herausforderungen und Problemlösungen zu schärfen. An zwei von 5 Unterrichtstagen fand allerdings nur ein reduziertes bzw. ein den Erwartungen nicht ganz genügendes Programm statt. Eine der französischen Kolleginnen formulierte es als Analogie auf den Gemeinsamen Europäischen Referenzrahmen für Sprachen so: „Wir sind bei Fragen der Inklusion doch schon auf dem B1-B2-Level, und der Kurs war für A1/A2 konzipiert“.