How Digital Tools can help running your School, Madrid

Lerntagebuch Madrid, 04.– 10. Februar 2024

Die vhs Husum schickt zwei Kugelschreiber auf Erasmus-Reise. Mit ihnen unterwegs zwei Kolleginnen, die sich eine Woche lang mit dem Thema Digitalisierung auseinandersetzen. Durch Input im Kurs „How digital tools can help running your school“ wollen wir uns die Zeit nehmen, uns mit anderen zu dem Thema auszutauschen und gemeinsam überlegen, wie wir die Digitalisierung weiter voranbringen können.

Reisetag 0

Die Anreise mit Bahn und Flugzeug klappt ohne Hindernisse.

Wir landen um 18.50 Uhr in Madrid und fliegen Anfang Februar tatsächlich in die Abenddämmerung hinein. Nach den dunklen norddeutschen Wintertagen eine echte Wohltat. Für den Transfer zum Hotel nutzen wir die Metro. Schnell zeigt sich, wie riesig diese Stadt ist: Gelandet in Terminal 4 sind wir nach 2 Metro-Stationen erst bei Terminal 1-3 angelangt… Madrid hat ungefähr so viele Einwohner wie ganz Litauen, lernen wir am nächsten Tag von zwei litauischen Kursteilnehmerinnen.

Tag 1

Der „Arbeitsweg“ in dieser Woche ist kurz: Der Kursort ist nur 3 Minuten vom Hotel entfernt.

Im Raum treffen wir auf vier weitere Teilnehmende: Lehrer*innen aus Litauen, Zypern und den Niederlanden. Die 7. im Bunde ist noch mit verloren gegangenem Gepäck beschäftigt.

Die Zeit im Kurs vergeht schnell mit Vorstellungs- und Kennenlernrunden, einem Blick auf das Programm, einer Vorstellung von Sehenswürdigkeiten der Stadt und Präsentationen der Teilnehmenden und ihrer Schulen. Den Rest des Tages lassen wir uns bei Sonnenschein und angenehmen 14 Grad durch die Stadt treiben – auch das wieder ein willkommener Kontrast zum nassgrauen Wetter daheim. Der Weg führt unsere Kugelschreiber unter anderem am königlichen Palast vorbei.

Tag 2

Der Kurs ist nun vollzählig und um den kroatischen Erfahrungsschatz ergänzt. Wir bekommen einen Eindruck von der School Management Software Additio, Open EduCat und Google Workspace for Education. An keiner der hier vertretenen Schulen wäre aus Datenschutzgründen die Nutzung von Google erlaubt. Auf die Bedürfnisse einer Volkshochschule sind die Programme alle nicht ausgelegt – da sind wir mit Kufer SQL und der vhs.cloud aber auch gut aufgestellt. Wir müssen die vielen Möglichkeiten, die sowohl Kufer, wie auch die cloud bieten, nur (noch) besser nutzen. Durch eine SWOT (Stärken-Schwächen)-Analyse unserer Einrichtungen mit dem Fokus auf Digitalisierung kommen wir in den Austausch und es wird deutlich: Alle stehen an unterschiedlichen Ausgangspunkten, aber die digitale Transformation ist überall eine große Herausforderung!

Auf dem Weg zum Museo del Prado stoppen wir in einer Kirche – und siehe da: Auch hier wurde schon digitalisiert 🙂

Bei Tapas lassen wir den Tag ausklingen.

 

Tag 3

An diesem Kurstag diskutieren wir nach einem kurzen Input, wie man die in der SWOT-Analyse identifizierten Schwächen der Organisation in Stärken umwandeln kann. Die Idee dahinter: Was in einem Kontext Schwächen sind, können in einem anderen Stärken sein! Wir befassen uns auch mit unterschiedlichen Führungsstilen nach D. Goleman, die beim Change Management wichtig sind.

Schließlich lernen wir noch die digitalen Projektmanagement Tools Trello und TeamGantt kennen. In Gruppen wählen wir eins aus und beginnen, damit zu arbeiten. Dabei geraten wir so sehr in den Flow, dass wir unsere Gedanken im Anschluss in einem Café weiterspinnen 🙂

Am späten Nachmittag treffen wir uns wieder an der Schule und machen uns auf zu unserer Cultural Activity: eine geführte Tour durch Malasana, einer zentralen urigen Gegend mit vielen Geschäften im Retro-Stil, jungem Publikum, Cafés und Bars. Im Laden Popland werden wir in die 80er zurückgeworfen und im Keller einer Kneipe entdecken wir eine Beach Bar.

Tag 4

Zuerst sprachen wir über die Vor- und Nachteile von Teamwork und wie man herausfinden kann, wer für welche Rolle am besten geeignet ist. Danach haben wir SoftSkills behandelt, im Allgemeinen und welche SoftSkills für das Projekt Management essenziell sind.

Wir lernten noch weitere Präsentations- und Kommunikations-Apps kennen, hier zum Beispiel Canva und Notion, die beide sehr vielseitig sind und von uns ausprobiert werden konnten.

Kritisches Denken und Problemlösung war weitere Themen, außerdem haben wir gelernt, was Kreativitätskiller sind und unsere eigene Kreativität getestet. „Out of the Box“-Denken ist dafür unerlässlich.

Am Abend ging es für die meisten von uns noch zu einem kulturellen Moment. Eine angesagte Flamenco-Show, welche die Wurzeln dieses ausdrucksstarken Tanzes beleuchtet, stand auf dem Programm. Es war eine absolut kurzweilige, mitreißende kleine Show (es waren nur ca. 50 -60 Leute in der fast ausverkauften Show in einem kleinen Kellergewölbe). Die Emotionen der Tänzer*innen und des Sängers konnte man nicht nur sehen, sondern spüren.

 

Tag 5

Am Anfang des letzten Tages standen für uns noch Umfragen und Evaluationen auf dem Programm. Wir sprachen darüber, wie die Arbeit der Lehrer *innen in den verschiedenen Ländern evaluiert wird und welche digitalen Möglichkeiten dafür zur Verfügung stehen. Auch hier haben wir neue Sachen lernen und ausprobieren können. Es gibt in fast allen der vorgestellten Apps, unter andern Surveymonkey und Surveyplanet, vorgefertigte Fragen, die man auf die eigenen Bedürfnisse anpassen kann. Das erscheint für vielerlei Prozesse interessant sein zu können.

Um die eigene Institution generell zu überprüfen und herauszufinden, inwieweit Digitalisierung in der Schule schon umgesetzt wurde und / oder woran es denn krankt, bietet die EU mit ihrem Tool „SELFIE EU“ eine durchaus fein definierte Möglichkeit, eine IST-Analyse anzufertigen, bei der sowohl Management, Lehrende und auch TN (hier vor allem Schüler*innen) gefragt werden. Dies ist auch für Erwachsenenbildung anwendbar. Zur Verfügung gestellt wird das Ganze von der European Education Area: https://education.ec.europa.eu/de/selfie bzw. https://selfieptk.eu

Am Ende stellten alle Teilnehmer*innen noch die jeweiligen Ergebnisse vor, an denen sie während der Woche gearbeitet haben, und wir bekamen unsere Zertifikate ausgehändigt.

Fazit zum Kurs

Insgesamt hatten wir uns inhaltlich mehr von dem Kurs versprochen. Die Ausrichtung war eher auf Unterrichtsgestaltung als – wie der Titel erwarten ließ – auf die Digitalisierung einer Bildungseinrichtung. Nichtsdestotrotz haben wir Ideen entwickelt und mitgenommen und natürlich durch den fachlichen wie auch privaten Austausch viel von Europa gelernt und unseren Horizont erweitert. Und zu einem nicht unerheblichen Teil geht es ja bei Erasmus genau darum.

Ein abschließendes Highlight war am Samstag noch der Besuch des Museums Reina Sofia, in dem u.a. Picassos Guernica zu sehen ist. Hier steht dann auch mal das Bild und nicht der Kugelschreiber im Fokus 🙂

Vielen Dank für dieses bereichernde Erasmus+ Woche!

„Wie alle anderen!“ – Lernende aus Grundbildungskursen fahren nach Florenz

Sonntag, 24.09.23

Endlich der Tag, auf den alle hingefiebert haben: Abflug nach Italien (Mailand) und der Beginn einer außergewöhnlichen Zeit in Florenz!

Zunächst hieß es jedoch, mitten in der Nacht aufzustehen und rechtzeitig den Flughafen in Hamburg zu erreichen. Die Anfahrtswege waren zum Teil recht weit (Rendsburg, Oldenburg in Holstein…) und nicht alle Teilnehmenden konnten von uns Begleiterinnen im Auto mitgenommen werden. Letztendlich haben es aber alle geschafft, auch wenn es kurze Zeit so aussah, als hätten wir schon im Vorwege die ersten verloren…

Für manche war es der erste Flug, dementsprechend groß war die Aufregung. Aber es war ein ruhiger Flug mit toller Aussicht auf die vorüberziehende Landschaft unter uns und wir sind pünktlich in Mailand / Bergamo gelandet. Weiter ging es mit einem Shuttle nach Mailand hinein, wo wir uns vor der Weiterfahrt mit dem Zug nach Florenz in einer echt italienischen Eisdiele ausgiebig gestärkt haben.

Assistenz am Mailänder Flughafen

Die Zugfahrt verlief wie im Fluge und die Teilnehmenden der drei Regionalstellen begannen langsam, sich untereinander kennenzulernen.

Schließlich war es so weit: Ankunft in Florenz! Nachdem wir uns aus dem Gewusel im Bahnhof herausgekämpft hatten, warteten einige auf ein Taxi, während sich andere bei herrlichstem Sommerwetter zu Fuß auf den Weg ins Hotel machten.

Nach einer Ruhepause im Hotel war es dringend an der Zeit, etwas zu essen, denn alle hatten nach der langen Reise großen Hunger. Donatella hatte in einem kleinen Restaurant einen großen Tisch für uns alle reserviert und nachdem wir uns gemeinsam mit der italienischen Speisekarte auseinandergesetzt hatten, haben wir himmlisch gespeist!

Vieles auf der Speisekarte war unbekannt, was uns aber nicht davon abgehalten hat, das ein oder andere auszuprobieren – alle waren von diesen neuen kulinarischen Erfahrungen begeistert!

So rollten wir also mehr, als dass wir gingen, zum Hotel zurück und schliefen alle satt und zufrieden nach einem langen Tag voller neuer Eindrücke ein.

Montag, 25.09.23

Heute ging es richtig los – der erste Tag an der Universität!

Nach einem typisch italienischen Frühstück (Weißbrot, Butter, Marmelade und Kaffee) ging es zu Fuß bei schönstem Sonnenschein zur Universität zum ersten Unterricht.

Dort trafen wir zum ersten Mal auf die Teilnehmenden aus Vorpommern.

Nach der herzlichen Begrüßung durch die Leiterin der Universität ‚Centro Linguistico di Ateno‘ Professorin Annick Farina lernten wir unsere Italienischdozentin Elisabetta kennen – und schon ging es los mit der ersten Italienischstunde! Wie sagt man ‚Ich heiße…‘ auf Italienisch? Was bedeutet ‚Sono tedesco‘? Alles sehr verwirrend, aber nach zwei Stunden konnten schon die ersten Sätze auf Italienisch gesprochen werden!

Nach einer kleinen Verschnaufpause ging es weiter mit der Deutschdozentin Valerie. Sie gab uns einen kleinen Überblick über die Sehenswürdigkeiten der Stadt Florenz und bereitete somit die Rallye am Nachmittag vor.

Die Rallye, die Donatella und Cornelia akribisch vorbereitet hatten, führte die Teilnehmenden in kleinen Gruppen zu den wichtigsten und schönsten Sehenswürdigkeiten Florenz‘. An jeder Station hatten sie Aufgaben zu beantworten. Dies war eine große Herausforderung, denn die Aufgaben mussten gelesen und schriftlich beantwortet werden. Die Teilnehmenden halfen sich gegenseitig und so wurden alle Aufgaben von allen Gruppen bestens gelöst!

Die Rallye endete in der alten Apotheke ‚Antica Farmacia di Santo Maria Novella‘, die neben z.B. dem Dom und der Ponte Vecchio, ein echtes Highlight war. Nicht nur ‚alte‘ Düfte gab es dort zu erschnuppern, sondern auch z.B. eine besondere Videoinstallation zu bestaunen.

Stadtrallye Ponte Vecchio
Stadtrallye Apotheke – Videoinstallation

Nach so viel Lernen, Erkunden, Laufen und Eindrücke sammeln haben wir den Abend mit einem feinen Essen ausklingen lassen.

Dienstag, 26.09.23

Nach dem Frühstück ging es wie jeden Morgen zum Centro linguistico.

In der ersten Unterrichtseinheit gab es Raum für Reflexion, Austausch und Fotos des vorherigen Tages. Die Teilnehmer schrieben ihre Gedanken zum Montag auf, was ihnen besonders gefallen hatte oder aufgefallen war. In der zweiten Stunde folgte der Italienischunterricht mit Elisabetta. Es wurden verschiedene Arten der Begrüßung vom Vortag wiederholt und gelernt zu sagen, woher man kommt.

Im Unterricht

Bei Valerie wurde das Bestellen geübt, die verschiedenen Bezeichnungen der Getränke gelernt und direkt im Anschluss in die Praxis umgesetzt, und zwar auf der Dachterrasse des Archäologischen Museums, wo es ein Café gibt, von dem aus man einen wunderbaren Blick über einen Teil der Stadt hat. (Bild Café) Alle Teilnehmer bestellten sich selbst auf Italienisch ein Getränk und genossen diesen schönen Ort. Für viele Teilnehmer war es eine neue Erfahrung, das Gelernte sofort umsetzen zu können und ein Resultat zu erzielen. Italien rückte dadurch ein ganzes Stück näher.

Am Nachmittag sollte eigentlich das Archäologische Museum besucht werden, aber leider hatte es geschlossen. So wurde dieser Besuch verschoben und stattdessen ging es auf die andere Seite des Flusses hinauf zur Piazzale di Michelangelo, von aus man einen wunderschönen Blick über die ganze Stadt hat, die vom Dom und dem mittelalterlichen Rathaus beherrscht wird.

Piazzale Michelangelo

Der Aufstieg war etwas beschwerlich, sodass sich eine Teilnehmerin entschied, zusammen mit Cornelia unten zu bleiben. Treffpunkt danach war die Piazza di Santa Croce, einer der schönsten Plätze von Florenz, mit der gleichnamigen Kirche, deren Atmosphäre wir eine ganze Weile genossen und wo die ersten Souvenirs erstanden wurden. Zum Ausklang des Tages ging es ins Kellergewölbe einer Pizzeria, wo alle eine besonders leckere Pizza aßen.

Mittwoch, 27.09.23

Wie schon am Dienstag galt die erste Stunde der Reflexion, dem Austausch und der Fotoaufbereitung. Danach lernten die Teilnehmer die Namen von Lebensmitteln auf Italienisch. Im dritten Teil des Unterrichts führte die Dozentin Valerie uns auf einen Markt, wo sie uns verschiedene italienische Spezialitäten erklärte und es die Möglichkeit gab, mit einem Obst- und Gemüsehändler zu sprechen.

Am Ende gab es ganz spontan an einem der Stände für alle ein Menü aus drei Gängen, das der Chef für uns zusammenstellte. Jeder bekam so viel Nachschlag, wie er wollte. Das war beeindruckend.

Danach ging es zu Fuß zur Bushaltestelle, von wo aus wir mit dem Bus nach Settignano fahren wollten, einem kleinen Dorf an den Toren von Florenz. Im dortigen Gemeindezentrum, der casa del popolo („Volkshaus“) hatten wir bei Rosalba einen Kochkurs gebucht. Wir wurden sehr herzlich empfangen. Die Teilnehmer wurden in drei Gruppen eingeteilt, von denen jede für ein bis zwei Gänge zuständig war. Alle Teilnehmer bekamen eine Küchenschürze und ein Kopftuch, das sie behalten durften. Danach ging es an die Arbeit. Es wurde Gemüse geschnitten und gedünstet, Bruschetta (Brote mit verschiedenem Belag) vorbereitet, Fleischbällchen geformt und ein Nachtisch aus Obst zubereitet. Während die eine Gruppe schuftete, konnten die anderen die Gärten der Villa Gamberaia besichtigen, der am anderen Ende des Dorfes lag.

Als alles fertig war, wurde ein großer Tisch im Hinterhof des Gemeindezentrums gedeckt, und zusammen mit Rosalba, unserer Chefköchin, wurde das sehr leckere, selbst zubereitete Abendessen verzehrt. Alle waren satt und zufrieden. Rosalba war überrascht, wie gut alle kochen konnten. Spät am Abend nahmen wir den Bus, der uns in unglaublicher Geschwindigkeit zurück nach Florenz brachte.

In der Küche beim Kochen

Donnerstag, 28.09.23

Der Unterricht am Morgen war an diesem Tag etwas kürzer, weil ein längerer Ausflug anstand. Bei Elisabetta lernten die Teilnehmer auf Italienisch zu zählen, und Valerie erzählte uns viele interessante Aspekte über die Toskana, zum Beispiel, dass die meisten italienischen Städte im Mittelalter Stadtmauern hatten, von denen aber die wenigsten erhalten sind. Lucca ist eine der ganz wenigen Städte, die noch eine komplette Stadtmauer haben. Wir sollten die Möglichkeit haben, sie uns anzuschauen.

Für den Ausflug gab es zwei Optionen: Lucca mit seiner Altstadt und Stadtmauer oder Livorno am Meer. Die meisten Teilnehmer entschieden sich für Lucca, zwei fuhren mit Sabine nach Livorno. Während die drei vor allem das schöne Wetter am Meer ausnutzten, haben die anderen Lucca unsicher gemacht, die Stadt besichtigt, geshoppt, Eis gegessen, Kaffee getrunken u.v.m. Zunächst gab es noch eine kleine Aufregung im Zug. Wenn man die Fahrkarten am Automaten kauft, muss man sie am Bahnhof abstempeln. Ohne den Stempel mit Datum und Uhrzeit ist die Fahrkarte ungültig. Da wir noch auf die Gruppe aus Vorpommern warten mussten, wurde die Zeit immer knapper und es reichte nicht mehr, alle Fahrkarten abzustempeln. Donatella ist mutig am nächsten Halt ausgestiegen, um den Rest noch zu stempeln.

Ein Teilnehmer ist alleine auf den Torre Guinigi gestiegen. Als es oben sehr eng und voll wurde, sagte er ‚Scusi‘ (Entschuldigen Sie!) und die Leute machten ihm Platz. Das war für ihn eine wichtige Erfahrung. Er konnte etwas auf Italienisch sagen und bekam daraufhin die erwünschte Reaktion.

Eine weitere Attraktion war die Fahrt mit einem Tandem auf der Stadtmauer einmal um die ganze Stadt herum. Treffpunkt zum Abendessen war das ehemalige Amphitheater der Stadt, das heute ein wunderschöner ovaler Platz mit mittelalterlichen Häusern ist. Nach einem weiteren guten Abendessen ging es zu Fuß zurück durch das nächtliche Lucca zum Bahnhof und dann mit dem Zug zurück nach Florenz.

Im Unterricht
Auf der Stadtmauer von Lucca

Freitag, 29.09.23

Der letzte Tag in Florenz. Wie an jedem Morgen war die erste Stunde der Reflexion über den Vortag gewidmet. Bei Elisabetta hörten wir ein italienisches Lied. Valerie erzählte uns viel über wichtige Sehenswürdigkeiten in Florenz wie z.B. den Dom. Eine Schülerin hatte eine Dankesrede vorbereitet, woraufhin Tränen flossen. Alle waren sichtlich ergriffen. Im Anschluss sollte es im Hof des Sprachenzentrums eine kleine Abschiedsfeier geben. In Wirklichkeit war ein riesiges Buffet mit vielen leckeren Speisen aufgebaut. Aber vorher bedankten wir uns bei den italienischen Dozentinnen, der Leiterin Professorin Annick Farina und den Universitätsmitarbeiterinnen für ihr großartiges Engagement, ihre Offenheit, solch ein Projekt zu wagen, und ihre unglaublich freundliche Aufnahme. Es wurden Geschenke ausgetauscht. Wir hatten Lübecker Marzipan und VHS-Anhänger mitgebracht und bekamen alle eine Flasche mit der Aufschrift des Sprachenzentrums.

Abschied

Für den Nachmittag hatten wir Eintrittskarten für den Dom, um nicht in einer langen Schlange anstehen zu müssen und, wer wollte, konnte den Turm des Doms besteigen, was mit 414 Stufen eine recht beschwerliche Angelegenheit war.

Danach gab es eine Kutschfahrt bzw. die Fahrt mit einem elektrischen Golf-Cart durch die Stadt. Der Rest der Zeit bis zum Abendessen stand zur freien Verfügung. Alle waren sich einig, dass allen das Restaurant am ersten Abend am besten gefallen hatte, sodass wir dort die Reise ausklingen lassen wollten. Noch einmal konnten wir die leckeren toskanischen Spezialitäten genießen, wie z.B. das Bistecca fiorentina, ein sehr großes und dickes Stück Rindfleisch, das fast roh gegessen wird und das vor allem beim männlichen Teil der Teilnehmer großen Anklang fand.

Kutschfahrt
Golf-Cart

Samstag, 30.09.23

Tag der Rückreise. Bevor es zum Bahnhof ging, musste noch der Besuch im Archäologischen Museum nachgeholt werden. Die Teilnehmer hatten die Aufgabe, bestimmte Ausstellungsstücke zu suchen und Fragen dazu zu beantworten. Dazu hatten wir eine Museumsrallye erstellt. Alle waren mit Begeisterung dabei und schauten sich auch andere Exponate an. Ein Highlight war die „Tavoletta marsiliana“, eine Steintafel mit einem der ersten lateinischen Alphabete, noch von rechts nach links geschrieben, leider nur sehr klein. Hier schloss sich der Bogen unserer Reise.

Danach ging es kurz zurück zum b&b, um die Koffer abzuholen. Die Nonnen vom b&b hatten für uns vier Taxis bestellt, von denen nach einigem Warten nur zwei kamen. Der zweite Taxisfahrer war sehr freundlich und lud alle Koffer in sein Taxi, sodass wir unbeschwert zu Fuß zum Bahnhof gehen konnten. Diese Flexibilität zu sehen, aus der Not eine Tugend zu machen, war eine gute Erfahrung.

Innenhof b&b

Von Florenz ging es dann mit dem Zug nach Mailand, wo wir einen längeren Aufenthalt hatten, den wir für ein letztes gemeinsames Mittagessen in einem sizilianischen Restaurant nutzten. Die Teller gefielen einem Teilnehmer so sehr, dass er die Besitzerin überredete, ihm einen zu schenken. Auch das eine spontane gelungene Situation. Danach wieder mit dem Shuttle-Bus zum Flughafen Bergamo und von dort mit einem Direktflug nach Hamburg. Da eine Teilnehmerin starke Schmerzen hatte, wurde für sie die Assistenz beim Einsteigen organisiert. Am Hamburger Flughafen trennten sich dann unsere Wege. Alle waren spät in der Nacht zu Hause.

Fazit

Es war eine sehr gelungene Reise, die bei allen Teilnehmern einen starken Eindruck hinterlassen hat.

Für die meisten von ihnen waren viele Erfahrungen vollkommen neu.

Wirklich beachtlich war, wie gut sie mit all diesen neuen Eindrücken zurechtgekommen sind. Sie waren allem gegenüber aufgeschlossen und interessiert. Sie haben mit den italienischen Dozentinnen und den Nonnen vom b&b ohne Probleme kommuniziert und haben sich in der Stadt ohne Schwierigkeiten bewegt. Sie haben beim Essen viele Gerichte probiert, die sie nicht kannten.

Sie haben, z.B. auf der Stadt- und der Museumsrallye und beim Kochkurs, in Gruppenarbeit Aufgaben gemeinsam gemeistert. In kurzer Zeit ist eine Gruppe entstanden, die gegenseitig auf sich achtete.

Es ist uns offenbar gelungen, eine Atmosphäre zu schaffen, in der sie sich sicher fühlen und so offen gegenüber Neuem sein konnten. Sie haben erlebt, dass sie mehr können, als sie sich selbst vorgestellt hatten. Sie haben an der Reise sehr aktiv teilgenommen, und das ist vielleicht eine der besten Formen von Teilhabe. Das Gelernte konnte oft direkt in die Praxis umgesetzt werden, wodurch es als positiv empfunden wird.

Ein Teilnehmer sagte, dass es die beste Zeit seines Lebens gewesen sei.

Ausblick

Die Reise hat sehr deutlich gezeigt, dass es wichtig ist, über die reine Alphabetisierungsarbeit hinaus Anlässe für lebensweltliche Erfahrung zu schaffen. Dass sich hier Menschen begegnet sind, die sich normalerweise wahrscheinlich nicht begegnet wären, war eine der wichtigen Erfahrungen, und zwar für beide Seiten, sowohl für die Teilnehmer als auch für die italienischen Dozentinnen und für uns als Organisatorinnen. Noch mehr Möglichkeiten, über den geschützten Rahmen der Alphabetisierung hinaus schauen zu können, müssten in Zukunft geschaffen werden.

Ein weiterer Aspekt, den die Teilnehmer hier ganz direkt erfahren haben und der oft negativ besetzt ist, ist die Selbstwirksamkeit. Sie waren dem fremden Land nicht hilflos ausgeliefert, eine Situation, die sie allzu oft schon erlebt haben. Das ist eine wesentliche Erfahrung im Leben.

All diesen Aspekten sollte in Zukunft in der Alphabetisierungsarbeit mehr Aufmerksamkeit gewidmet werden. Deshalb hoffen wir, diese oder eine ähnliche Reise in Zukunft wiederholen bzw. fortsetzen zu können.

Moin Malmö! Lernende aus Grunbildungskurse reisen nach Schweden

Moin Malmö!

Eine Erasmus+ Lernmobilität nach Schweden von der Regionalstelle Alphabetisierung der vhs Husum und vom Grundbildungszentrum der Förde-vhs Kiel Anfang des Jahres 2023 klingelte bei Martina Vanicek im Grundbildungszentrum in Kiel das Telefon: Ascan Dieffenbach von der Regionalstelle für Alphabetisierung in Husum erzählt von seinem Plan, mit Kursteilnehmenden aus dem Bereich Grundbildung über das Programm Erasmus+ nach Malmö zu fahren, um dort die Kvarnby Folkhögskola zu besuchen, zu der bereits eine Kooperation bestehe. „Und in unserem vhs-Bulli haben wir noch Platz …!“. Das ließen sich die Kieler*innen nicht zweimal sagen – und so war eine Reisegruppe von acht Teilnehmenden gegründet: Je zwei Kursteilnehmende und je zwei Kurs-/Projektleitungen aus Husum und Kiel. Ein Planungstreffen fand Anfang März statt, zu dem Ascan nach Malmö reiste, um mit Henning Süssner Rubin, dem Rektor der Kvarnby Folkhögskola, und der online dazu geschalteten Martina ein Programm für die Lernmobilität zu erarbeiten. Das Programm sollte verschiedene Lernmöglichkeiten bieten, eine Auseinandersetzung mit kulturellen Aspekten sowie einen Einblick in das schwedische Sozialsystem und das System der Erwachsenenbildung ermöglichen. Mit tatkräftiger Unterstützung der Kolleginnen Jana Behrens und Julia Francke vom Landesverband der Volkshochschulen Schleswig-Holstein wurden individuelle Lernvereinbarungen ausgearbeitet und alle Formalitäten geklärt – und dann hieß es nur noch Koffer packen!

Dienstag, 2. Mai 2023

  Um 8:03 Uhr setzt sich der Zug von Kiel nach Schleswig in Bewegung. Die Kieler Gruppe: Doris, Floriona, Patrick und Martina (v.l.n.r.) ist gutgelaunt an Bord.     Und es gibt bereits eine erste Lektion in digitaler Kompetenz: Floriona erklärt ihrer Lehrerin Doris, wie Instagram funktioniert.   Um kurz vor 9 Uhr kommen wir in Schleswig an, wo uns die Husumer Gruppe schon am Bahnhof erwartet. Eine kurze Begrüßung zwischen den Husumern und den Kieler*innen, dann schnell im Bahnhofskiosk mit Proviant eingedeckt und los geht es im blauen Bulli der vhs Husum Richtung Norden.

Unsere Reisegruppe ist komplett:

Patrick, Patrick, Doris, Floriona, Jochen, Florian, Ascan und Martina (v.l.n.r.) – das Abenteuer kann beginnen!

Gleich hinter der Grenze zu Dänemark starten wir ein kleines Schweden-Quiz, das alle drei Gruppen, eingeteilt nach den Sitzbänken, mit Bravour meistern: Schweden ist zwar der Fläche nach größer als Deutschland, aber es leben dort 10-mal weniger Menschen pro Quadratkilometer. Der schwedische König heißt nicht Horst Helmut sondern Carl Gustaf und seine Königin Silvia ist in Deutschland geboren, genau gesagt in Heidelberg. Volvo ist eine schwedische Automarke und „Köttbullar“ sind keine Gummibärchen, sondern die typisch schwedischen Hackfleischbällchen…

Bei einer Pause an einer Raststätte in Dänemark schauen wir uns die Reiseroute an. Zwei lange Brücken liegen noch vor uns.

Danach sprechen wir darüber, was wir von Schweden bereits wissen und was wir mit Schweden verbinden.

Und wir sammeln Fragen, die wir unseren Gastgeber*innen der Kvarnby Folkhögskola stellen wollen. Die Stimmung ist super!

  Um 13.15 Uhr sind wir dann bereits im Hotel im Malmö angekommen und beziehen unsere schönen Hotelzimmer. Um 14 Uhr treffen wir uns bereits wieder in der Hotellobby und starten einen Stadtrundgang mit dem Schulleiter Henning Süssner Rubin als Stadtführer. Praktischerweise ist Henning in Deutschland geboren, so dass es mit der Verständigung ganz einfach ist. Henning nimmt sich den ganzen Nachmittag für uns Zeit, um uns die schönsten Stellen der Malmöer Altstadt zu zeigen. Malmö ist viel größer als Husum und sogar größer als Kiel. Es ist die drittgrößte Stadt Schwedens und war früher sogar für 8 Monate Hauptstadt! Die Sonne strahlt vom blauen Himmel als wir die Altstadt erkunden. Wir sehen, wo früher die Stadtmauer stand und bewundern das schöne alte Rathaus (Bild oben), besuchen die wunderschöne St. Petri Kirche (unten) und essen Hamburger von einem echten schwedischen Burgerladen auf den Stufen eines Denkmals von einem der vielen schwedischen Könige, die alle Carl hießen. Nach 3 Stunden Stadtrundgang bringt uns Henning zum Hotel zurück und nach einer kleinen Pause starten wir ins Abendprogramm und suchen uns ein Restaurant. Manche essen eine „Planka“, ein typisch schwedisches Gericht mit Kartoffelbrei. Gestärkt vom Essen besprechen wir, was wir alles erlebt haben. Der letzte Programmpunkt des Tages, ist das Tagebuchschreiben. Was hat uns heute am besten gefallen? Auf dem Rückweg plündern wir noch die Naschibar eines Supermarktes. Das gibt es so in Deutschland nicht! Dank der Rechen-App von Patrick wissen wir, dass wir jeden Preis ungefähr durch 10 teilen müssen, um Schwedische Kronen in Euro umzurechnen. Und die Naschibar taucht dann auch später unter anderem in der Whatsapp-Story einer der Kursteilnehmenden auf… Um 21:30 Uhr geht ein wundervoller erster Tag zu Ende. Godnatt, Malmö!

Mittwoch, 3. Mai 2023

Um 8 Uhr sind wir zum Frühstück verabredet und schauen erst einmal, was es alles an Leckereien am Frühstücksbuffet gibt, wo die Teller und das Besteck zu finden sind usw. Nach dem Frühstück holt uns Henning im Hotel ab und wir lernen, dass in Schweden die Zebrastreifen „ungefähr das gleiche bedeuten, wie in Deutschland: Du darfst keine Menschen überfahren!“, sagt Henning ;-). Auf dem Weg in den Malmöer Stadtteil Rosengård, erfahren wir, warum der schwedische „National- und Fußballheld“ Zlatan Ibrahimović, der in Rosengård aufgewachsen ist, in seiner Heimatstadt Malmö nicht besonders beliebt ist: Er hat sich nicht nett über seinen Heimatfußballverein geäußert. Das kommt in Malmö nicht besonders gut an. Es wurde sogar eine Statue von Zlatan einige Male verunstaltet – mit einer Plastiktüte über dem Kopf und einer Klobrille über dem Arm, so dass sie abgebaut werden musste. Aber es gibt auf einem der Häuser noch ein Bildnis von ihm, wie man auf dem Foto im Hintergrund sehen kann. Der Stadtteil Rosengård sieht aus wie der Kieler Stadtteil Mettenhof. Hier wohnen sehr viele Menschen, die aus einem anderen Land nach Schweden gekommen sind, z.B, auf der Flucht vor Krieg. Nach diesem kleinen Abstecher geht es endlich in die Kvarnby Folkhögskola. „Kvarnby“ bedeutet „Mühlendorf“. Wir bekommen eine Führung und erfahren bei einem Kaffee alles, was es über die Folkhögskola zu wissen gibt und wie sie organisiert ist.   Anders als in Deutschland gehört die Folkhögskola nicht zur Stadtverwaltung wie in Kiel und ist auch kein eingetragener Verein wie in Husum, sondern sie ist als eine Kooperative zwischen 180 Eignern organisiert. Davon sind 40 Vereine und Institutionen. Alle Kurse sind kostenlos und werden vom schwedischen Staat finanziert! In Malmö gibt es sieben verschiedene Volkshochschulen! Das liegt daran, dass jede Schule ihr eigenes Profil hat, also eine Auswahl an Bildungsbereichen und Themen, die man dort lernen kann. In Kvarnby gibt es die Bildungsbereiche: Schwedisch, Schulabschluss, die ästhetische Linie für Comiczeichner*innen und Autor*innen und eine politische Linie. Die Schule hat drei Standorte. Wir sind jetzt in einem, der etwas außerhalb von Malmö liegt und einen wunderschönen Garten hat, in dem es sogar Bienenstöcke gibt. Im Schulgebäude gibt es viele schöne Ecken und Nischen zum Lesen und Lernen. Außerdem hat der Bildungsbereich für Schriftstellerei ein eigenes kleines Literaturhaus. Aus dem Kurs sind schon einige berühmte Schriftsteller*innen hervorgegangen, z.B. Jonas Hassen Khemiri, der schon viele Preise gewonnen hat, und dessen Werke auch ins Deutsche übersetzt wurden und sehr erfolgreich sind. In der Schule gibt es ein Café, das Café „Plugghästen“, in dem Menschen mit Behinderungen ihren Arbeitsplatz haben, ähnlich wie auf einem Außenarbeitsplatz einer Werkstatt für Menschen mit Behinderungen in Deutschland. Wie das genau organisiert ist, werden wir noch am Donnerstag erfahren. Wir bekommen auch gleich eine typisch schwedische Kostprobe aus dem Café: Frischgebackenes Knäckebrot – sehr lecker! Wir lernen das Café-Team kennen, das bereits unser Mittagsessen vorbereitet, und erfahren, welche Aufgaben zur Arbeit im Café gehören: das Kochen, die Arbeit an der Kasse und mit den Kunden sowie der Abwasch. Das Mittagessen, das wir später serviert bekommen, war sehr lecker und gesund, wie auch später auf Whatsapp zu lesen ist 🙂 Und dann nimmt sich Henning die Zeit, um alle unsere Fragen zu beantworten, die wir gestern auf der Hinfahrt gesammelt haben: Frage: Was darf der König? Antwort: Wie in Deutschland ist Schweden eine Demokratie, das heißt, eine vom Volk gewählte Regierung trifft die wichtigen Entscheidungen. Die Gesetze erlässt der Reichstag. Der König ist zwar laut Verfassung das Staatsoberhaupt, aber er nimmt eher feierliche Aufgaben wahr, etwas vergleichbar mit dem Bundespräsidenten in Deutschland. Außerdem ist er „immun“, das bedeutet z.B. wenn er zu schnell Auto fährt, verliert er nicht seinen Führerschein. Nach Carl Gustaf wird seine Tochter Viktoria die nächste Königin. Frage: Gibt es in Schweden auch Bundesländer? Antwort: In Schweden gibt es keine Bundesländer, sondern Schweden ist zentral regiert. Aber es gibt Regionen und Kommunen, die den deutschen Kreisen und Städten entsprechen. „Skåne“ ist der Regierungsbezirk, in dem Malmö liegt. Frage: Was ist „typisch schwedisch“? Antwort: In Schweden sind alle sehr höflich und legen darauf auch großen Wert. Zum Beispiel bedankt man sich ständig für alles Mögliche. Und man gibt in einer Gruppe von Menschen zur Begrüßung immer allen einzeln die Hand. Außerdem ist es typisch schwedisch, dass sich alle mit Du und mit Vornamen ansprechen. Frage: Wie Fußball-begeistert ist Schweden? Antwort: Sehr! Die Stadien sind oft voll – allerdings auch, weil sie so klein sind. 22 500 Menschen passen in das Stadion von Malmö, dessen Mannschaft in der 1. Liga spielt. Frage: Wie ist das mit dem Alkohol in Schweden? Antwort: Der Alkohol ist sehr teuer. Jedes Getränk mit über 3,5, Prozent Alkoholgehalt wird in besonderen Geschäften, die „Systembolaget“ heißen, verkauft und nicht im Supermarkt. Hier darf man Bier in einem Restaurant erst trinken, wenn man 18 Jahre alt ist, aber um Alkohol in einem Systembolaget kaufen zu dürfen, muss man 20 Jahre alt sein. Jugendliche dürfen also eigentlich keinen Alkohol trinken, aber es gibt Erwachsene, die Jugendlichen Alkohol kaufen, die sich dann betrinken. In Schweden trinkt man mehr Schnaps als Deutschland, wo man eher Bier trinkt. Die strengen Regeln gibt es, weil früher die Menschen im Alltag oft betrunken waren. Um 13:30 Uhr geht es los zu einem anderen Standort von Kvarnby, wo wir bereits von der Lehrerin Agnes zum Schwedisch-Unterricht erwartet werden. Da Agnes kein Deutsch spricht, geht es gleich los auf Schwedisch. Das klappt besser als gedacht. Wir bekommen von Agnes oft ein „mycket bra!“ zu hören – und was sich für uns immer anhört wie das deutsche Wort „Mücke“ bedeutet auf Schwedisch „Sehr gut!“, wie wir schnell verstehen. Wir lernen, dass das O im Schwedischen aussieht wie ein A mit einem Kringel: Å. Und das U wird wie ein Ü ausgesprochen. Es dauert eine Stunde und wir alle können uns mit Namen vorstellen, sagen, wo wir wohnen und welche Farbe unsere Kleidung hat. Außerdem heißt in Schweden das Bier „Öl“…. Es entstehen die ersten kleinen Unterhaltungen. Toll! Dann werden wir eingeladen zu einer typisch schwedischen „Fika“, einer schwedischen Kaffeepause mit den typischen Zimtschnecken.   Und plötzlich kommt Henning mit tollen Kvarnby-Fleecejacken um die Ecke, die wir geschenkt bekommen. Und wir sagen: Tack så mycket! Zurück mit dem Bulli Richtung Hotel, probieren wir aus, ob der Bulli ins Parkhaus passt: Er passt! Als nächster Punkt auf unserem Programm steht: Shopping! Gemeinsam mit Henning spazieren („promenerar“) wir ins Einkaufszentrum „Triangel“ und teilen uns auf, um shoppen zu gehen. Dabei machen wir die Erfahrung, dass in manchen Geschäften kein schwedisches Bargeld angenommen wird, weil alle nur mit Bank-Karte bezahlen! Mit unseren Einkaufstüten ziehen wir weiter in ein Restaurant, denn mittlerweile ist Abendbrotzeit. Wir kehren ein im „Ölkaffeet“ und wir wissen nun dank Agnes, dass das „Bier-Café“ bedeutet und die Stammkneipe des hiesigen Fußballvereins ist – mit Fernsehern, wohin man auch blickt. Für unsere fußballbegeisterte Gruppe genau das Richtige! Der Abend klingt aus wieder mit den typischen „Planka“ (lecker!), schwedischem Bier (nicht so lecker) und sehr schönen Gesprächen mit Henning, Agnes und der Tochter einer Kollegin aus Husum, die in Malmö lebt, sowie ihren Freunden, so dass wir eine lustige Truppe von 13 Personen waren. Wir haben heute so viel über Schweden erfahren, dass der Kopf schwirrt, als wir um 24 Uhr wieder im Hotel sind. Ein toller Tag! Tack så mycket, lieber Henning und liebe Agnes und das ganze Küchenteam von Kvarnby!

Donnerstag, 4. Mai 2023

Ein neuer sonniger Tag startet wieder mit einem leckeren Frühstück am Hotelbuffet. Weil der Tag gestern voller Termine war und wir es nicht geschafft haben, treffen wir uns heute um 9.00 Uhr in der Hotellobby, um Tagebuch für den gestrigen Tag zu schreiben. Was war gestern besonders toll?   Danach holt uns wieder Henning ab und wir spazieren zum Schlosspark. Dort ist es sehr schön mit Gänsefamilie, viel Wasser, grünen Wiesen, einer Windmühle und schönen Blumen.   Wir legen einen Zwischenstopp in der Stadtbücherei ein, die in Schweden für alle Menschen kostenlos ist. Anders als in Deutschland, wo man eine Jahresgebühr bezahlen muss, um Bücher und andere Medien ausleihen zu können – was Henning uns erst gar nicht glauben will! Es gibt sehr viele Bücher in „Lättläst“ (siehe Bild links), das schwedische Wort für Leichte bzw. Einfache Sprache.     Danach besuchen wir das Technische Museum. Das ist ein toller Ort, wo es viel zum Anschauen und zum selbst ausprobieren gibt. Wir bestaunen alte Fahrräder, Flugzeuge und Autos.       Eine Etage höher können wir sehr viele Experimente selber machen. Zum Beispiel gibt es eine Wärmebildkamera (links), auf der wir klar sehen können, wer von uns eine kalte Nase hat, die ist dann nämlich dunkel! Außerdem gibt es eine Umfrage, mit vielen Fragen zu einer nachhaltigen Zukunft. Henning übersetzt uns, so dass wir mitmachen können und wieder etwas Neues über die schwedische Kultur und den Umweltschutz lernen. Zum Beispiel, dass es vielen Schweden bei Ihrer Art zu wohnen am wichtigsten ist, in der Nähe ihrer Familie zu wohnen. Das ist ihnen wichtiger, als in einer großen oder modernen Wohnung zu wohnen. Wir überlegen, ob das vielleicht daran liegen könnte, dass Schweden ein so großes Land ist mit weiten Entfernungen. Wir sind alle total begeistert und danach sehr hungrig! Also zurück in den Schlosspark, wo es in einem Biergarten endlich das klassische schwedisch Essen gibt: Köttbullar! Wir nutzen die Gelegenheit, um Postkarten zu schreiben. Gestärkt machen wir uns danach zu Fuß auf den Weg zum Strand, wo es ein wunderschönes Meerwasserbad mit Sauna gibt, das über einen Steg erreichbar ist. Von dort aus sehen wir auch den „Turning Torso“, mit 190 Metern Höhe der höchste Wolkenkratzer Schwedens und ein modernes Wahrzeichen von Malmö. Da wir gerade mal 12 Grad haben, traut sich niemand von uns ins Wasser, aber wie gut, dass die Husumer extra ihren Fußball mitgebracht haben, so dass wir einen entspannten Nachmittag am Strand mit einem Freundschaftsspiel Husum-Kiel im Dünensand erleben. Ein sehr entspannter Nachmittag geht zu Ende und wir fahren mit den Öffentlichen Verkehrs-mitteln zurück in die Innenstadt. An der Bushaltestelle hören wir plötzlich eine Stimme, die ansagt, wann welcher Bus als nächstes fährt. Eine Schwedin zeigt uns einen Knopf an der Haltestelle auf dem „Info“ steht. Wenn man darauf drückt, werden die aktuellen Abfahrtzeiten genannt. Das finden wir toll! Zum Beispiel für Menschen, denen das Lesen schwer fällt oder die nicht gut sehen können. Nach einer kurzen Verschnaufpause im Hotel treffen wir uns wieder und gehen zum Abendessen in eine Pizzeria. Eine von uns traut sich an exotische Pizza mit Curry und Banane – und die ist wohl super lecker, wie auch später auf Whatsapp zu lesen ist… Es ist ein toller Abend, an dem wir viel quatschen und sogar Geheimnisse miteinander austauschen (welche, werden natürlich nicht verraten). Und man merkt: Husumer und Kieler*innen sind zu einer echten Gruppe zusammengewachsen. Alle würden gerne noch länger bleiben, doch gleichzeitig freuen wir uns auch alle wieder auf zu Hause. Ein weiterer toller Tag geht zu Ende.  

Freitag 5.Mai

Nach dem letzten Mal Frühstücksbuffet gehen alle noch einmal schnell um die Ecke in einen Supermarkt, um Mitbringsel zu kaufen. Dann checken wir aus dem Hotel aus und werden erneut von Henning abgeholt. Heute steht ein ganz besonderer Programmpunkt an, den man als normale Tourist*innen nicht erleben kann: Die Stadtverwaltung von Malmö öffnet uns die Türen und wir bekommen einen exklusiven Einblick in das schwedische Sozial- und Bildungssystem. Wir werden schon von Lisa und Lena erwartet, die uns ganz „typisch schwedisch“ zur Begrüßung allen die Hand reichen und uns sofort duzen. Die beiden arbeiten in dem Bereich, der Menschen mit einer Behinderung dabei unterstützt, eine passende Arbeitsstelle zu finden. Das System ist anders organisiert als in Deutschland: In Schweden gibt es keine Werkstatt für Menschen mit Behinderungen (WfbM), aber man hat ein Recht auf „Tägliche Aktivitäten“. Tägliche Aktivitäten kommen in Frage, wenn man keinen Job findet auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt und keine Ausbildung machen kann. Sie sind keine Pflicht, sondern ein Recht. Man macht die Tätigkeit freiwillig, um eine sinnvolle Beschäftigung zu haben. Man bekommt auch keinen Lohn, sondern man bekommt sein Geld von der staatlichen Krankenkasse. Je nachdem, was man sich als Beschäftigung wünscht, kann man verschiedene Sachen ausprobieren und darf sich dann entscheiden. Aber auch hier ist das Ziel, aus der Aktivität herauszukommen und lieber einen richtigen Job zu finden, weil man dann auch mehr Geld verdient. So ist es auch in Deutschland. Im Malmö gibt es 75 verschiedene Arbeitsbereiche, an denen 900 Menschen tätig sind. Das war wirklich interessant! Und nun heißt es Abschied nehmen von Henning und von Malmö. „Hejdå, Henning!” Wir fahren mit dem Auto nach Lund, einer schönen schwedischen Stadt, etwa eine halbe Autostunde von Malmö entfernt. Dort besichtigen wir den berühmten Dom und besuchen die Markthalle. Leider ist das Wetter heute so kalt und windig, dass wir uns nach einem Mittagessen schnell wieder auf dem Weg zum Auto machen und unsere Heimreise antreten. Wir nutzen die gemeinsame Zeit, um noch einmal zusammenzutragen, was wir alles erlebt und gelernt haben und was in Schweden anders ist, als in Deutschland: – es gibt in jedem Restaurant immer Wasser umsonst – Kaffee kann man sich immer nachnehmen – Alle bezahlen mit Karte, es gibt sogar Geschäfte, die kein Bargeld annehmen. – Malmö ist größer als Husum und als Kiel – Es gibt keine getrennten Toiletten, das ist toll für Transmenschen! – Das Toilettenpapier ist nur einlagig – Alle duzen sich und sprechen sich mit Vornamen an, auch auf dem Amt – Es gibt mehr bunte Farbe bei Gebäuden und Parkbänken – Die Bücherei kostet kein Geld – Der „Öl“-Preis (also der Preis für das Bier 😉 ändert sich im Laufe des Tages – Alkohol kann man nur in besonderen Geschäften kaufen – Es gibt Gamingbars – Es gibt weniger Erwachsene, denen das Lesen und Schreiben schwer fällt, ungefähr nur halb so viele wie in Deutschland – Es gibt König und Königin – Es gibt viele Fernseher in den Kneipen und Restaurants – Es gibt Pizza mit Banane, Ananas und Curry Und was waren unsere Highlights der gesamten Reise? – Patrick (Husum) und Florian: Der Schwedisch-Unterricht – Patrick (Kiel): Wie freundlich wir in Hennings Schule empfangen wurden – Floriona: „Planka“ mit Lachs und das gemeinsam Essen mit der ganzen Gruppe – Doris: Wie gut die Gruppe zusammengepasst hat. – Jochen: Der Schwedisch-Kurs – Ascan: Dass die Gruppe so gut zusammen funktioniert hat – Martina: Der Abend in der Pizzeria mit dem Austauschen von Geheimnissen. Kaum fahren wir über die deutsche Grenze, fängt es an zu regnen. Die Reise klingt aus mit dem Erzählen von ein paar Witzen und lautem Lachen. In Schleswig werden die Kieler*innen wieder am Bahnhof abgesetzt und fahren mit dem Zug zurück nach Kiel. Wir alle sind um so viele Eindrücke, Erlebnisse, Erfahrungen, leckeres Essen und sehr nette neue Bekanntschaften reicher!     Wir sagen: Tack så Mycket, ERASMUS+!        

Climate Change and Global Citizenship Education, Gent

Erasmus+-Fortbildung in Gent Ende August/Anfang September 2023

Thema: Climate Change and Global Citizenship  Education

von A. Marin

Vom 28.08. bis 02.09 2023 habe ich in Gent an der oben genannten englischsprachigen Erasmus+-Fortbildung des Landesverbandes der VHS Schleswig-Holstein teilgenommen. Der Lehrgang wurde von der „Europass Teacher Academy“ mit Hauptsitz in Florenz durchgeführt.

Ich bin mit der Bahn über Aachen und Brüssel an- und abgereist. Dies ist auch zu empfehlen und passt natürlich zum Thema der Fortbildung. Dies hat trotz der bahnüblichen Verspätungen gut geklappt.

Das Wetter war während meiner Fortbildung recht frisch, aber sonnig mit Temperaturen um die 20 Grad. Es gab lediglich einen Regentag. Anfang September wurde es dann bekanntlich extrem heiss mit Temperaturen von über 30 Grad.

Die Teacher Academy liegt am Rande des Stadtzentrums und ist mit der extrem sauberen und modernen Straßenbahn oder Bussen von allen Stadteilen sehr gut und schnell zu erreichen. Auffällig fand ich, dass Tickets (fast) nur noch mit Kreditkarte bezahlt werden können.

Das Gebäude der Teacher Academy ist recht neu und die Unterrichtsräume sind groß und sehr modern ausgestattet.

Eingang zur Teacher Academy

Montag, 28. August 

Heute um 9:00 Uhr ging es los. Beim Betreten des Gebäudes ist mir sehr positiv aufgefallen, dass wir TN von den Angestellten und unserem Trainer ganz besonders freundlich empfangen wurden. Der erste Eindruck ist eben sehr wichtig.

Wir sind 11 Teilnehmende. Zunächst hat sich unser Trainer Serge vorgestellt. Er ist Belgier und kommt aus Gent. Serge hat Philosophie studiert und 33 Jahre für ein weltweit tätiges Bildungsinstitut gearbeitet. Seit ein paar Jahren arbeitet er als Coach für Berufsorientierung an Gymnasien und Berufsschulen.

Unser Trainer, Serge

Unsere Gruppe besteht aus sieben ItalienerInnen, einer Portugiesin, einer Irin, einem Deutschen und mir. Die ItalienerInnen unterrichten alle an demselben Gymnasium in Palermo/Sizilien unterschiedliche Fächer in Klassen von bis zu 20 SchülerInnen.

Die Portugiesin kommt aus Porto und die Irin aus der Nähe von Dublin. Beide unterrichten ausschließlich Erwachsene in Englisch auf unterschiedlichen Niveaus. Der deutsche Teilnehmer unterrichtet Studenten in Englisch an der Fachhochschule in Münster.

Ich fand sehr gut, dass auch Teilnehmende aus der Erwachsenenbildung dabei sind. So haben wir auch außerhalb der Fortbildung gelegentlich Erfahrungen ausgetauscht. Leider konnten die ItalienerInnen nicht so gut Englisch, was die Verständigung etwas erschwerte.

Zunächst haben wir uns alle kurz vorgestellt, insbesondere unsere Tätigkeit.

Wir begannen mit dem Thema „Global Citizenship Education“ und diskutierten
in Gruppen, warum heute auf die Nutzung sauberer Energien Wert gelegt
wird. Hierbei arbeiteten wir heraus, dass heute nicht nur Wert auf wirtschaftliche Produktivität gelegt wird, sondern auch auf Menschlichkeit, man denkt an die nächsten Generationen. Dies liegt daran, dass heute mehr Bewusstsein vorhanden ist, dass Energien und Rohstoffe begrenzt sind.

In Gruppenarbeit sollten wir dann Personen benennen, die wir für einen Global Citizen halten. Wir erwähnten und diskutierten divers etwa Nelson Mandela, Franz von Assisi, Umweltminister Habeck und Jane Austen, die besonders gegen Ungleichbehandlung eintrat. Ich fand diese Diskussion interessant.

Danach brachte unser Dozent das Stichwort „Verletzlichkeit“, was der
Ausgangspunkt von Global Citizenship sei und als deren Konsequenz man „care
for the others“ praktizieren solle. Genanntes Beispiel: Jemand kann sich vorübergehend nicht bewegen – dann sollen andere ihn unterstützen. Unser Trainer nannte 3 wichtige Bestandteile von Global Citizenship Education: Verletzlichkeit, care for others und Harmonie.

Nächstes Thema war, wie „gutes Leben“ definiert wird. Unser Trainer nannte die „Alten Griechen“, die Wert auf ein Leben ohne Furcht legten, die Bibel, die ein Leben in der Ewigkeit sieht und dann seit den 90-er Jahren ein Leben im Einklang mit Natur und Umwelt.

Dann haben wir in Gruppen diskutiert, wie man „Harmonie“ in Unterrichtssituationen einbringen kann. Wir nannten insbesondere Augenkontakt, sorgfältiges Zuhören und Toleranz bei anderen Meinungen.

Dienstag, 29. August 2023

Heute ging es zunächst um den Begriff „Zeit“. Wir waren uns einig, dass Zeit sehr wichtig ist, eine Art Geschenk ist und Gelegenheiten für Veränderungen bietet, insbesondere für Aktivitäten bezüglich des Klimawandels.
Zeit sei jedoch nicht umkehrbar. Man müsse sie daher nutzen.

Man müsse gegen die sogenannte schlafende Demokratie aktiv sein und Sorgen deutlich zum Ausdruck bringen. Unser Trainer meinte, dass Nostalgie, Verbitterungen und Ängste hierbei eine große Rolle spielen, die man überwinden müsse, um eine bessere Welt zu erreichen.

Wir sahen exemplarisch ein Video von Obama von 2008,

https://www.youtube.com/watch?v=WYga2qRnY2w, in dem er Hoffnung und Emotionen beim Klimawandel zum Ausdruck bringt, um Menschen zu motivieren.

Climate Change sei eine Aufgabe für mehrere Generationen ist und man müsse schrittweise vorgehen. Unser Trainer meinte, Klimawandel würde zu einer neuen Ordnung führen. Hierbei müsse man die Zeit bestmöglich nutzen und auf die eigenen Kräfte vertrauen.

Dann diskutierten wir den Begriff „offener Mindset“: man müsse neue Dinge ausprobieren und Perspektiven entwickeln, etwa eigene Wahrnehmungen und Aktivitäten (Augenperspektive und globale Perspektive, Bündelung von Aktivitäten) – ein interessanter Ansatz.

Mittwoch, 30.08.2023

Heute ging es zunächst um Mülltrennung. In Belgien, Italien, Portugal und Irland gibt es, anders als in Deutschland, nach wie vor kein Pfandsystem. Es gibt nur Container in bzw. vor Häusern und in Straßen, die Müll trennen. Wir waren uns einig, dass es Aktivtäten geben müsse, das Pfandsystem auch in anderen Ländern einzuführen.

Typische Mülltrennung an Straßen in Gent

Wir besprachen wichtige Eigenschaften eines Global Citizen und nannten Kooperation, gutes Zuhören, Optimismus und eine globalen Perspektive.

Danach diskutierten wir die Definition der UNESCO eines Global Citizen (unesco.org) und die Auswirkungen auf Unterricht/Ausbildung:

Dies war aufschlussreich, auch da man es im Unterricht berücksichtigen kann.

Nächstes Thema waren die 17 Ziele der Vereinten Nationen von 2016 für eine nachhaltige Entwicklung. Dies sind politische Zielsetzungen, die weltweit der Sicherung einer nachhaltigen Entwicklung auf ökonomischer, sozialer und ökologischer Ebene dienen sollen.

Diese 17 Ziele (Ziel 1: keine Armut, Ziel 2: kein Hunger etc.) zählt die UN in der Reihenfolge ihrer Bedeutung auf. Nur die Mitgliedsländer, nicht jedoch die UN selber können entsprechende Gesetze zum Erreichen der Ziele erlassen. Zur Konkretisierung der 17 Ziele hat die UN zusätzlich einen Unterkatalog mit 169 Zielvorgaben entworfen.

Mit unseren Tablets haben wir dabei die o.g. Punkte in Gruppenarbeit „ergoogelt“ – eine interessante Aufgabe.

Die 17 Ziele zur Nachhaltigkeit der UN seit 2016

Dann sollte jeder über eines der 17 Ziele der UN eine kurze Präsentation halten. Ich sprach über das Thema 2 („Kein Hunger“), ebenfalls eine interessante Aufgabe. Danach sollten wir in Vierergruppen ein Projekt für Lernende zu entwickeln, bei dem darum geht, Pessimismus in Bezug auf die Bewältigung des Klimawandels in Optimismus zu verwandeln. Meine Gruppe wählte ein wöchentliches „diary of hope“, in denen Lernende aufschreiben, wie und ob sie ihr Verhalten in Bezug auf den Klimawandel geändert haben, etwa durch eine bessere Mülltrennung, Vermeiden von PKW-Nutzung oder sie andere überzeugt haben, zur Bewältigung des Klimawandels beizutragen. Es konnten auch einfache Dinge sein, wie mit dem Fahrrad zur Arbeit/Schule fahren oder öffentliche Fahrräder zu nutzen. Wir waren uns in unserer Gruppe einig, dass bereits kleine Beiträge helfen, Optimismus zu verbreiten.

Ich fand dieses „diary of hope“ einen guten Ansatz, den ich mir auch im Unterricht vorstellen kann.

Am Nachmittag gab es eine etwa 2-stündige sehr gelungene Stadtführung (walking tour) in Gent, die von einer Trainerin der Teacher Academy geleitet wurde. Sie führte zu vielen interessanten Sehenswürdigkeiten.

Donnerstag, 31.08.

Heute ging es zunächst um „Entrepreneurship“. Dies bedeutet, dass in Europa überall ständig immer mehr Firmen entstehen, die sich etwa mit Recycling oder der Wiederverwendung von Waren nach Ablauf des Haltbarkeitsdatums befassen. Weitere Beispiele hierfür sind soziale Innovationen, wie zum Beispiel Carsharing und stadteigene Mietfahrräder. Beides gibt es auch in Belgien immer mehr. Wir erwähnten und diskutierten, dass es Vergleichbares auch in unseren Ländern gibt und wichtig ist.

Wir haben über die Organisation „Impact Hub“ (impacthub.net) mit Sitz in Wien diskutiert. Wir fanden viele Vorteile dieser Organisation, da sie Unternehmer weltweit zusammenbringt und eine gerechtere und nachhaltige Gesellschaft fördert.

Dann sprachen wir über die Organisation IPCC (Intergovernmental Panel on Climate Change – ipcc.de), die sich mit den Fortschritten bei den 17 Nachhaltigkeitszielen der UN befasst. Sie bündelt den weltweiten Forschungsstand und entwickelt Realisierungs- und Anpassungsstrategien.

Es ging danach generell um Unterricht im 21. Jahrhundert. Unser Trainer definierte ihn als Lernraum, wo Lernende sich sicher fühlen, sich umeinander kümmern, Vertrauen haben und viel selbst gestalten.

Am Schluss gab es ein Teilnehmenden-Feedback zur Fortbildung.

Freitag, 01.09.

Heute haben wir zuvor vorbereitete Präsentationen über unsere Einrichtungen gehalten. Anschließend gab es eine Diskussion, in der wir die Ausführungen mit unseren Ländern verglichen haben.

Die portugiesische Teilnehmerin unterrichtet Erwachsene an der großen Organisation APEFA (non profit) und hier insbesondere nicht gut qualifizierte Erwachsene. Ähnlich wie die Volkshochschulen wird auch dieses Institut staatlich gefördert. Die Gebühren der Teilnehmenden sind äußerst niedrig. Daneben gibt es wie in Deutschland private Institute, deren Gebühren deutlich höher sind.

APEFA (Portugal)

Anschließend sprachen die 7 ItalienerInnen über ihre Schule ISSG Ugudulena in Palermo. Es ist ein Gymnasium, jedoch erst ab 14 Jahre.

Die irische Teilnehmerin berichtete über ihr Institut FET im County Cavan nördlich von Dublin. Dort gibt es ähnlich wie an den Volkshochschulen Kurse für Erwachsene aller Art, Teilzeit, Vollzeit, alle Fächer. Zu unserer Überraschung erfuhren wir, dass diese Kurse für die Teilnehmenden kostenlos sind.

Am Ende sprach noch unser Trainer freundliche Schlussworte und lud uns für denselben

Abend in eine typisch belgische Bar ein, ein wirklich gelungener Ausklang.

Samstag, 02.09.

Die Teacher Academy hat uns für heute eine „City Card Gent“ zur Verfügung gestellt, die uns ermöglichte, interessante Sehenswürdigkeiten kostenlos zu besichtigen. An diesem warmen Sommertag habe ich das bekannte Gravensteenschloss mit einem englischen Audioguide besucht sowie den Belfry Clock Tower, der zum Weltkulturerbe gehört. Beide Sehenswürdigkeiten fand ich sehr interessant und boten einen guten Einblick in die Geschichte von Gent etwa vom 10 Jahrhundert an. Weiterhin habe ich eine geführte Bootsfahrt auf den Flüssen und Kanälen von Gent gemacht – sehr empfehlenswert.

Schloss Gravensteen

 

Belfry Clock Tower

Gent – Nachtaufnahme

Land und Leute

Gent (flämisch Gent, französisch Gand) ist eine sehr schöne mittelgroße Stadt mit 262.000 Einwohnern und vielen Sehenswürdigkeiten. Gent ist sehr belebt und kulturell interessant, international geprägt und sehr sauber. Es gibt recht viele Einwanderer aus aller Welt. Das Preisniveau ist ein wenig höher als in Deutschland. Das gilt auch für Wohnraum. Gent liegt im flämischen Teil Belgiens, wo Niederländisch mit flämischem Akzent gesprochen wird. Jedoch sprechen so gut wie alle Belgier in Flamen gut Englisch.

Die Stadt ist unbedingt eine Reise wert, zumal Ausflüge etwa in die ebenfalls sehr schöne Stadt Brügge sowie natürlich nach Brüssel und an die Küste wegen der geringen Entfernungen leicht möglich sind. Es bestand die Möglichkeit in Hotels oder in einem Airbnb zu übernachten. Letzteres habe ich gemacht. Dies ist eine sehr gute Option, zumal einige mit ihren Hotels nicht so zufrieden waren. Sicher ist es etwas Glück wo man dabei „landet“. In meinem Airbnb hatte ich durch weitere Gespräche einen gewissen Einblick in die flämische Lebensweise/Mentalität. Beide unterscheiden sich nicht so sehr von der deutschen, lediglich wirkten die Belgier auf mich insgesamt etwas entspannter. Besonders positiv ist mir die Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft aufgefallen, etwa bei Fragen nach dem Weg.

Resümee

Ich habe neues Wissen über den Klimawandel und Civil Citizen Education erworben. Dabei ist mir klar geworden, wie komplex, langwierig und delikat das Thema ist. Mir wurde bewusst, dass jeder aufgefordert ist, dazu beizutragen, auch etwa innerhalb der Volkshochschulen. Für meinen Unterricht habe ich einige Impulse bekommen und habe das Thema Klimawandel schon einmal im Rahmen eines laufenden Englischkurses anhand des Hurrikans „Lee“ behandelt.

Die Fortbildung hat mich auch zur Selbstreflektion über den Klimawandel angeregt und über das, was man selber beitragen kann. Besonders gut hat mir unsere Arbeitsatmosphäre und die Freundlichkeit unseres Trainers und der Teilnehmenden untereinander gefallen. Der fachliche Austausch mit den Teilnehmenden aus 4 verschiedenen Ländern war ebenfalls sehr interessant. Unterricht aus der Teilnehmendenperspektive zu erleben war ebenfalls eine aufschlussreiche Erfahrung, da mir bewusst wurde, was man selber gut und nicht so gut macht.

Nicht so gut gefallen hat mir, dass meiner Meinung nach unser Trainer die Themen gelegentlich zu langatmig und zu subjektiv behandelt hat, vor allem die ersten 2 Tage.

Außerhalb des Kurses habe ich viele kulturelle Eindrücke „mitgenommen“ und auch einen Einblick in das Leben in Belgien bekommen.

Insgesamt war die Fortbildung eine tolle und sehr wertvolle Erfahrung.

Daher möchte ich eine Erasmus+-Fortbildung allen Interessierten ausdrücklich empfehlen.

Digitale Transformation: Eine Woche voller Innovationen: Mein Erasmus+ Abenteuer in der Welt der neuen Technologien

Eine Woche voller Innovationen: Mein Erasmus+ Abenteuer in der Welt der neuen Technologien

Liebe Leserinnen und Leser meines Blogs,

vom 22. bis 28. Oktober 2023 fand die von mir mit Spannung erwartete Fortbildungswoche zum Thema digitale Medien im Unterricht in Puerto de la Cruz auf der Kanareninsel Teneriffa statt.

Als Anreisetag habe ich den 20.10.2023 gewählt, um mich vor allem mit dem Nordwesten der Insel vertraut zu machen. Der 5-stündige Hinflug verläuft weitgehend problemlos, ein Passagier wird nach der Landung auf dem Flughafen im Süden der Insel (TFS) wegen Rauchens in der Bordtoilette von der Guardia Civil in Gewahrsam genommen. Mit dem Bus (auf Teneriffa “Guagua” genannt) geht es weiter in den Norden. Bei der Ankunft erwarten mich mit 32° C sehr sommerliche Temperaturen und ein tolles Panorama. So sollte es auch weitergehen …

Tag 1 – Sonntag, 22.10.2023

Gemeinsam mit Lehrkräften aus Ländern wie Italien, Zypern, Ungarn, Schweden, Lettland und Estland habe ich mich für die die Weiterbildung „Making the Most of New Technologies, Apps and Social Media in the Classroom“ angemeldet. Diese Veranstaltung wird von der “Erasmus Learning Academy SL (ela)” organisiert und in den Räumen des Hotels “Marquesa” durchgeführt, wo vor mir auch schon andere nicht ganz unbekannte Persönlichkeiten untergebracht waren.

Im Verlauf des frühen Nachmittages lernt man sich beim gemeinsamen Spaziergang durch die Altstadt von Puerto de la Cruz und im Hotelbereich kennen. Das Hotel “Marquesa” mit sehr hilfsbereitem Personal ist ganz in der Nähe des Hafens gelegen – optimaler Ausgangspunkt für Aktivitäten jeder Art.

Tag 2 – Montag, 23.10.2023

Gleich zu Beginn um 09:00 Uhr morgens wird mir klar, dass allen Teilnehmern eine intensive Woche bevorsteht. Die Unterrichtssprache ist Englisch – auch Spanisch ist möglich. In 35 Wochenstunden, verteilt auf sieben Tage, wollen wir in ein breites Spektrum an Themen und Möglichkeiten eintauchen um zu erleben, wie moderne Technologien, Apps und soziale Medien sinnvoll im Fremdsprachenunterricht eingesetzt werden können.

 

Unser Kursleiter Aleksander Dragutinovic führt uns nach der üblichen “Course introduction” mit Kompetenz und Leidenschaft durch die Welt der digitalen Innovationen im Bildungsbereich. Von theoretischen Grundlagen bis hin zu praktischen Anwendungen wird alles geboten. Im Mittelpunkt des ersten Tages stehen virtuelle Whiteboards. Ziel der Unterrichtseinheit soll es sein, das eigene Smartphone in ein virtuelles Whiteboard umzuwandeln und dabei verschiedene Medien zu integrieren.

Tag 3 – Dienstag, 24.10.2023

Heute liegt der Unterrichtsbeginn um 14:00 Uhr, also kurz nach Mittagessen und Siesta. Die praktische Arbeit steht im Mittelpunkt und es wird besonders Wert gelegt auf innovatives und gleichzeitig motivierendes Vorgehen. Interaktive Präsentationen mit “real-time interaction” durch das Publikum sind genauso herausfordernd wie das Schaffen virtueller und vor allem auch visueller Erfahrungen für die Schüler. Das Erstellen von Social Media Grafiken, Präsentationen, Postern und Collagen in Gruppenarbeit beansprucht kooperatives Handeln genauso wie Konzentration und Kreativität.

Die Einbindung sozialer Medien wird zum Abschluss intensiv diskutiert, und ich erkenne das enorme Potenzial, das in der Nutzung dieser Plattformen für den Unterricht liegt.

 

Tag 4 – Mittwoch, 25.10.2023

Der Tag beginnt früh, sehr früh. Ich habe das Gefühl es hören dennoch alle sehr gespannt zu, als es gegen 08:00 Uhr um das Thema Einführung ins Webdesign geht. Die Gestaltung des Layouts und des gesamten Erscheinungsbildes einer Website wird genauso angesprochen wie die Erstellung eines dazugehörigen Codes. In praktischer Arbeit versuchen die Teilnehmer, ihre eigene persönliche “teaching website” herzustellen. Anschließend soll ein eigenes digitales Lernspiel für alle Altersgruppen hergestellt werden. Wir verbinden diese Aufgabe mit einem kleinen “Walk around Puerto de la Cruz”, wobei wir während des Spaziergangs ein ungeahnt großes Feld an Kreativität innerhalb der (Lern-)gruppe konstatieren.

Praktisches Handeln im Umgang mit einem “digital recap” und das Schaffen kürzerer digitaler Übungen mit Hilfe von angebotenen Websites runden die Arbeit am Vormittag ab.

Gegen 14:30 verlassen wir Puerto de la Cruz erstmals mit der Guagua und fahren in Richtung Icod de los Vinos bzw. La Orotava, zwei interessante Kleinstädte oberhalb von Puerto de la Cruz auf dem Weg zum Teide. Gemeinsam wandeln wir durch die Jardines Victoria in La Orotava und genießen den spektakulären Blick auf die Küste, wobei Aleksander auch hier als Guide fungiert. In Icod de los Vinos lassen wir uns natürlich den angeblich ältesten Drachenbaum der Welt nicht entgehen. Ob der Drago Milenario wirklich 1000 Jahre alt ist, sei dahingestellt.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Tag 5 – Donnerstag, 26.10.2023

Der Tag beginnt wieder sehr früh – ab 08:00 Uhr beschäftigt uns das breite Spektrum der sozialen Medien, wobei Informations- und Kommunikationsstrategien sowie neue digitale Trends im schulischen Bereich präsentiert werden. Die Frage lautet: Wie können welche soziale Medien zu einem Bestandteil von Ausbildung und Lernen werden? Leider kommt hier die praktische Arbeit, wie etwa die Planung und Durchführung einer Unterrichtsstunde mithilfe eines Videos etwas kurz.

Gegen 12:00 Uhr begibt sich die gesamte Gruppe zum bereitgestellten Bus mit dem Ziel “El Teide”     Über die TF5 fahren wir Richtung Osten, um dann über die TF1 in südlicher Richtung unsere Insel-Umrundung quasi fortzusetzen. Leider hat der Fahrer keinerlei Instruktionen und kann uns kaum mit Informationen versorgen. Nach fast 2 Stunden erreichen wir unser Ziel aus südwestlicher Richtung – der erste Stopp ist mehr als willkommen. Das Wetter spielt mit und wir können das Gipfelpanorama von allen Seiten intensiv genießen. Weitere Stopps geben uns die Möglichkeit viele Facetten dieser einmaligen Welt in uns aufzusaugen   

Erst gegen 19:30 Uhr sind wir wieder zurück in Puerto de la Cruz, nachdem wir vorher noch einen Zwischenstopp in Garachico eingelegt haben. Ein faszinierender kleiner Ort an der Nordküste, der Kunst und Industriekultur (Fischfang) direkt am tosenden Ozean in bemerkenswert kreativer Weise zusammengefügt hat.

Tag 6 – Freitag, 27.10.2023

Am freien Vormittag haben wir nochmals die Möglichkeit, die Stadt Puerto de la Cruz und die nähere Umgebung touristisch zu erkunden. Der “Loro Parque” hat es einigen Teilnehmern angetan – mehr als 400 Arten leben in diesem Zoo, incl. Orcas. Ich bin nicht dabei. Alternativ mache ich einen längeren Spaziergang vorbei an riesigen Bananenplantagen zur “Playa Bollullo” – wirklich spektakulär.

 

Der Nachmittag steht noch einmal im Zeichen der digitalen Welt: “Digital tools for presentations”.

Präsentationen zum Thema “How to impress and engage the audience” werden auf ihren Lerneffekt hin untersucht und die praktische Arbeit der Teilnehmer besteht darin, interaktive Bilder und “stunning presentations” mit Hilfe von digitalen Werkzeugen so zu gestalten, dass das Lernen der Schülerinnen und Schüler unterstützt bzw. erleichtert wird.

Der abschließende Austausch innerhalb der internationalen Lerngruppe bezüglich der Verwendung der Tools und Social Media macht einmal mehr deutlich, wie unterschiedlich diese eingesetzt und hinsichtlich ihres Effekts im Bildungsbereich bewertet werden.

In der gemeinsamen Abschlussrunde kommen noch einmal die guten alten Plakate zur Anwendung, mit Hilfe derer die Vielfalt an Erfahrungen von Seiten der Kollegen zu Papier gebracht und mehr als deutlich gemacht wird.

Ab 20:00 Uhr begibt sich die gesamte Gruppe ín ein typisch kanarisches Restaurant und wir lassen die gemeinsame Zeit noch einmal in Ruhe Revue passieren.

 

Tag 7 – Samstag, 28.10.2023

In kleiner Runde treffen wir uns noch einmal am frühen Vormittag, die Zeugnisse werden in einer kurzen Zeremonie ausgeteilt und es folgt ein abschließendes “Farewell”.

Die Tage sind vergangen wie im Flug, und am Ende der Woche fühle ich mich nicht nur fachlich bereichert, sondern auch motiviert, das Gelernte in meiner täglichen Arbeit an der VHS Flensburg umzusetzen und meinen eigenen Unterricht mit innovativen Ansätzen zu bereichern. Ich bin dankbar für die professionelle Organisation durch die Erasmus Learning Academy SL und insbesondere für die inspirierende Leitung durch Herrn Dragutinovic.

Vielen herzlichen Dank an alle, die mir diese unvergessliche Woche ermöglicht haben, angefangen bei Franziska Goettsche von der VHS Flensburg, die mich erst auf das Erasmus+ Programm aufmerksam gemacht hat.

Mein abschließender Dank gilt aber auch Julia Francke und Jana Behrens vom Landesverband der Volkshochschulen Schleswig-Holsteins in Kiel, die mich trotz einiger anfänglicher Bedenken meinerseits immer positiv begleitet und motiviert haben !

Herzliche Grüße
Jürgen Leiner
Die Projektnummer dieser Weiterbildung lautet:
2023-DE02-KA121-ADU-000-139417
Puerto de la Cruz 2023 – Mit Erasmus+ in einer anderen Welt

Embodied Language Teaching: Add Movement to Your Classroom, Dublin

von G. Schindler

16.-21. Oktober 2023

Europass Teacher Academy Dublin

Ankunft

Ich habe mich entschieden, mit Ryanair von Billund, Dänemark, einen Tag vor dem Kurs nach Dublin zu fliegen. Sie boten den besten Preis. Außerdem schien es logisch zu sein, auf diese Weise zu fliegen. Ryanair ist ein irisches Unternehmen mit einer Harfe im Logo.

Dublin liegt eine Stunde hinter Deutschland. Ich kam um Mitternacht an und wurde zu meiner Erleichterung von einem Taxifahrer empfangen, der vom Hotel Fitzwilliam Townhall organisiert worden war, das in einem historischen Gebäude im georgianischen Stil untergebracht ist. Wenn man zum ersten Mal in Dublin ist, braucht man ein oder zwei Tage, um sich an die linke Fahrspur zu gewöhnen (um genau zu sein, an das Überqueren der Straße – ich habe mich nicht getraut zu fahren) und an den Adapterstecker, um sein Handy aufzuladen. Übrigens kann man am Flughafen einen Adapter kaufen.

Hotel Fitzwilliam Townhall

Montag, 16. Oktober

Der erste Kurstag ist immer aufregend, und dieser Tag in der Europass Teacher Academy Dublin ist keine Ausnahme. Neue Gesichter, verschiedene Nationalitäten, eine Vorstellungsrunde und die Spiele zum Eisbrechen. Außerdem wird uns die Liste der Sehenswürdigkeiten in Dublin präsentiert. Zu meiner Überraschung sind viele Museen kostenlos und wirklich einen Besuch wert. Ich nenne nur einige von ihnen: National Gallery, Chester Beatty Museum, Trinity College. Um sich in der Stadt zu bewegen, empfiehlt es sich, eine Leap Card für Busse, Straßenbahnen und Züge zu kaufen. Ich ziehe es vor, zu Fuß zu gehen, da mein Hotel in Laufnähe zur Teacher Academy und zu den meisten Sehenswürdigkeiten liegt.

Ich bin in einer Gruppe mit einer Englischlehrerin aus Simbabwe, die in Kroatien lebt, und einer Englischlehrerin aus Kiel. Nur drei Teilnehmerinnen. Sie wollten den Kurs absagen, aber weil es ein neuer Kurs ist, wurde grünes Licht dafür gegeben. Wir sind sehr dankbar dafür.

Unsere Dozentin Miriam Stewart hat heute 2 Aktivitäten für uns: Sprachporträt und Theaterspiele zum Beispiel: Schal. Wir stellen Hans und Gretel mit Hilfe des Schals und ohne Worte dar und die andere Gruppe, oder in unserem Fall eine Dozentin, erzählt die Geschichte. Was für eine wunderbare Idee, eine Sprache zu lehren. Wir erfahren, dass Sprache eine körperliche Fähigkeit ist – Stimme und Körper sind beim Spracherwerb extrem wichtig. Je mehr wir uns bewegen und unser Muskelgedächtnis aktivieren, desto besser.

Theaterspiel: Schal 1

Theaterspiel: Halstuch 2

Am Nachmittag treffen wir uns in der Halle der Akademie zur Food Fair, um Lebensmittel aus unseren Ländern zu präsentieren.

Der meistbesuchte Stand ist natürlich Irland. Der Teller mit Scones (ein kleiner ungesüßter oder leicht gesüßter Kuchen aus Mehl, Fett und Milch, manchmal mit Obst) leert sich sehr schnell.

Food Fair

Scones

Danach besuche ich die National Gallery, wo ich neben Gustav Klimt auch ein Bild der deutschen Künstlerin Hannah Höch mit dem Titel „Duft“ finde. Sie stammt aus Berlin und wurde von den Nazis als „degenerierte“ Künstlerin eingestuft.

Hannah Höchs Bild „Duft“ (1937)

Nachdem ich etwa 2 Stunden in der National Gallery verbracht habe, fühle ich mich hungrig und schließe mich einer Gruppe von Lehrern in einem der berühmtesten Restaurants in Dublin an, „The Church“ (es war früher eine Kirche), in dem es verschiedene irische Biere einschließlich Guinness, ausgezeichnetes Essen und traditionelle irische Musik und Tanz gibt. Eine tolle Wahl und ein toller Abschluss des 1. Tages.

Restaurant The Church

Dienstag, 17. Oktober

Mein Tag beginnt mit einem Sandwich und Rührei im örtlichen Café. Der Himmel ist grau, aber es regnet nicht. Ein perfekter Tag, um zu lernen, wie man die englische Aussprache mit Bewegung vermitteln kann.

Indem wir einatmen und die Arme heben, zeigen wir, wie viel Energie und Vitalität wir haben. Genug, um mit einem Lächeln im Gesicht vorwärts zu gehen. Die englische Aussprache zu beherrschen ist nicht einfach, besonders, weil es so viele Dialekte und Akzente auf der Welt gibt. Das Gute daran ist, dass wir sie nicht zu kopieren brauchen. Es wird vorgeschlagen, ein Bewusstsein für den Klang zu entwickeln, indem wir ihn sehen, hören und fühlen. Es ist wichtig, unseren eigenen authentischen Klang im Englischen zu finden, und der ist wahrscheinlich eine Mischung aus unserer Muttersprache und der Zielsprache. Eine der besten bewusstseinsbildenden Aktivitäten sind Tongue Twisters -Zungenbrecher. Es ist eine Phrase oder ein Satz, der normalerweise keine Bedeutung hat, aber er bewegt den Gesichtsmuskel auf englische Art.

Das Spiel Conductor hilft uns, uns der Melodie, des Rhythmus, der Geschwindigkeit und der Tonhöhe von Wörtern und Sätzen bewusst zu werden. Die Teile des Sprachunterrichts, die oft vernachlässigt oder als nicht so wichtig angesehen werden, werden plötzlich geschätzt und gewürdigt. Es gibt einige Laute im Englischen, die Lernende in Deutschland verwirren, wie zum Beispiel „th“. Warum lernen wir sie nicht mit Spielen wie Sound Stories? Wir wählen zum Beispiel zwei Laute aus – „a“ und „o“ – und gestalten einen Dialog nur mit diesen beiden Lauten. Es klingt ein bisschen verrückt, aber es funktioniert.

Es ist auch wichtig, dass die Lernenden so viel wie möglich involviert werden. Das nennt man autonomes Lernen. Die Fortgeschrittenen können auch ihre eigenen Aktivitäten kreieren.

Am Ende ist es wichtig, wie Miriam sagt, dass alle Fehler erwartet, respektiert, kontrolliert und korrigiert werden.

Am Nachmittag genießen wir eine von der Schule organisierte und von Sinead geleitete kostenlose Stadtrundfahrt. Neben dem Dublin Castle, der St. Patrick’s Cathedral und Temple Bar besuchen wir auch die Statue von Oscar Wilde. Irland kann auf viele weltberühmte Schriftsteller wie James Joyce, George Bernard Shaw, Samuel Beckett, William Butler Yeats usw. stolz sein.

Foto von mir und Oscar Wilde Statue

Mittwoch, 18. Oktober

Heute ist ein sehr kreativer Tag – wir entdecken den Selbstausdruck in einer Fremdsprache. Wir beginnen mit einem Toning in Form einer ABC-Zentrierung. A steht für „Achtsamkeit“, B steht für „Atem und Gleichgewicht“ und C steht für „Wahl zwischen Entspannung und Energie“.

Musik ist ein guter Freund aller Aktivitäten, die wir durchführen. Sie sorgt für die richtige Stimmung und Atmosphäre.

Intonation und Rhythmus werden erforscht, indem wir einen Satz auf Englisch sagen und gehen und später in anderen Sprachen vergleichen, z.B. Englisch mit Deutsch, Russisch, Spanisch, Afrikaans – Rhythmus der Sprache. Probieren Sie es selbst aus. Gehen Sie im Rhythmus von „I feel happy today“. Die Intonation ist kulturell, aber auch persönlich. Es ist erlaubt, emotional und spielerisch zu sein. Sie erweist sich als einer der Grundsteine des Embodied Learning – verkörperten Sprachenlernens.

Wussten Sie übrigens, dass es möglich ist, uns mit nur einem Wort auszudrücken z.B. Banane. Wenn man es zweimal sagt und einen Gesichtsausdruck, eine Emotion und Körpersprache hinzufügt, kann man verschiedene Emotionen zeigen. Unglaublich.

Der Höhepunkt des Tages ist das Erstellen meines eigenen Gedichts – Patchwork Poem – indem ich Wörter und Sätze aus Gedichten nehme, die uns die Lehrerin gegeben hat. Danach lese ich mein Gedicht vor der Klasse vor. Das bin ich in einer anderen Sprache – Intonation, Melodie, Aussprache, Körpersprache, Emotionen.

Am Abend bringt uns John Davis traditionellen irischen Tanz bei. Er wird von der Akademie organisiert. Was für eine Freude!

Irischer Tanz mit John Davis

Donnerstag, 19. Oktober

Grammatik kann Spaß machen, wenn man sie mit der Methode des verkörperten Englisch lernt. Ohne Buch. Themen: Modalwörter, Vergangenheit, Gegenwart, Zukunft, usw. werden gestikuliert, gehandelt, gefühlt und gezeigt.

Der Grammatik-Workshop ist eine Aktivität, bei der eine Gruppe von Menschen die Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft von jemandem zeigt. Später diskutieren wir darüber, was gezeigt wurde und wie wir uns bei dieser Aktivität gefühlt haben.

Am Ende wurde Grammatik zu einer sehr emotionalen Erfahrung und blieb mir definitiv besser in Erinnerung als das Lesen und Auswendiglernen von Grammatikregeln aus einem Buch.

Dann haben wir eine eigene Aktivität zum Unterrichten von Pronomen entwickelt. Eine Herausforderung, aber ein mögliches und angenehmes Lernen.

Grammatik Workshop – Modalverben lernen

Freitag, 20. Oktober

Der letzte Tag ist immer traurig, zumindest für mich. Der Regentag verstärkt meine Gefühle. Aber das Thema des heutigen Tages: Improvisation muntert mich auf. Was kann man durch Improvisation lernen? Auf jeden Fall Kommunikation, aber auch Schreiben, Grammatik, z.B. die Wortstellung im Satz.

Wir versinken in solchen Aktivitäten wie „Tell me about…“, „Let’s go to the beach“, „Remember, when we went to Vegas“.

Besonders hervorheben möchte ich die Wirkung des Spiels „Once upon a time“. Jeder der Spieler fügt spontan ein Wort an das vorherige Wort an und bildet so einen Satz. Am Ende erhalten wir eine Geschichte mit Anfang und Ende.

Die letzte Aufgabe besteht darin, sich eine eigene Unterrichtsstunde mit den Aktivitäten der Woche auszudenken. Im Anschluss daran erhalten wir ein Zertifikat, Feedback und reflektieren die besten Momente der Woche. Der bemerkenswerteste Moment der Woche war, mein authentisches Selbst in Englisch durch Embodied English zu finden.

Ich habe eine Menge gelernt. Alle Ideen des verkörperten Englischlernens sind es wert, in VHS-Kurse integriert zu werden. Außerdem bin ich bereit, anderen Sprachlehrern der VHS zu erzählen, wie man Bewegung in den Unterricht einbauen kann. Sie gibt Energie und macht die Sprachreisen angenehmer.

Mein Tag endet mit einem Besuch im Gaiety Theatre, wo das Stück „Hangmen“ von Martin McDonagh gezeigt wird – eine Black Comedy – düstere Komödie mit viel Slang im Stil von Monty Python.

Plakat „Hangmen“

Saal des Gaiety Theatres

Samstag, 21. Oktober

Ein Tagesausflug nach Glendalough und Russborough, organisiert von der Akademie.

Es ist eine einstündige Fahrt in die ländliche Umgebung Irlands, um die Natur und das kulturelle Erbe Irlands zu genießen. Unglaublich, wie viele Grünschattierungen die Natur Irlands hat!

Irlands Landschaft durch das Busfenster

Glendalough – Klosterstadt

Bäume in Glendalough

Bibliothek im Kunstmuseum Russborough

Pub Searsons – Verabschiedung mit Kolleginnen aus Italien, Kroatien und Estland

Tschüss, tschüss Dublin! Eine so kulturreiche Stadt! Ich werde die Dubliner, meine neuen Freunde und Kollegen aus anderen Ländern vermissen. Dublin ist definitiv ein Ort, den man besuchen, erleben und wiederkommen sollte.

 

 

Making the most of new technologies, apps and social media in the classroom, Teneriffa

21.-28. Oktober 2023

von M. Stange

Anreisetag, Samstag, 21.10.2023:

Ich fahre im Morgengrauen von zu Hause aus Richtung Hamburg Flughafen. Es ist schon eine längere Reise, die man auf sich nimmt. Deswegen reise ich einen Tag vorher an, um genug Zeit zu haben mich einzurichten. Am frühen Abend erreiche ich endlich das malerische Teneriffa. Der einstündige Flug von Hamburg nach Frankfurt verlief ohne Probleme, gefolgt von einem fünfstündigen Flug bis nach Teneriffa Süd. Von dort aus erwartet mich eine zweistündige Busfahrt, die mich schließlich nach Puerto de la Cruz führt, dem Ort, an dem der Kurs „Making the most of new technologies, apps and social media in the classroom“ stattfinden soll.

Schon während der Busfahrt merke ich, wie vielfältig die Landschaften auf der Insel sind. Vom steinigen Süden bis zum üppig-grünen Norden – ein beeindruckender Kontrast, der die Schönheit dieser Insel unterstreicht. Die angenehmen 24 Grad hier auf der Insel sind eine wunderbare Abwechslung zu den herbstlichen Temperaturen, die ich zu Hause zurückgelassen habe, auch wenn der Wind heute recht stark ist. Das ist mein erstes Mal auf der Insel und ich bin begeistert.

Die Veranstaltung wird von der Erasmus Learning Academy SL (ELA) organisiert und umfasst neben dem Kurs auch die Unterbringung im historischen Hotel „Marquesa“ direkt in der Altstadt, sowie Vollpension. Also, so eine Art „Pauschalangebot“. Wie es sich später herausstellt, ELA hat kein eigenes Gebäude für Schulungen auf der Insel. Sie mieten lediglich Seminarräume im Hotel. Auch ein Büro gibt es nicht (Info von einem Kursteilnehmer, der zur auf den Unterlagen angegebenen Adresse gefahren ist). Man kann die Verantwortlichen (in unserem Fall waren es die Kursleiter) nur per E-Mail erreichen. Nun ja, die Dinge werden immer öfter online geregelt. Ich möchte mich nicht beklagen. Hauptsache, es funktioniert.

Ich bin gespannt, was mich morgen erwartet, insbesondere da ein Kennenlerntag mit einer Stadtführung angekündigt wurde. Es wird sicherlich eine Gelegenheit sein, mehr über die Umgebung und die anderen Kursteilnehmer zu erfahren.

Tag 1, Sonntag, 22.10.2023

Heute Morgen wache ich um 6 Uhr auf. In Deutschland ist es schon 7 Uhr morgens. Es ist noch dunkel und ich weiß nicht recht, was ich mit der Zeit anfangen soll. Ein Spaziergang durch die Stadt scheint mir eine gute Idee zu sein. Auf meinem Weg begegnen mir lediglich die Mitarbeiter der städtischen Müllabfuhr und ein paar Jogger. Vielleicht liegt es am Wetter – nach einer regnerischen Nacht ist der Atlantische Ozean stürmisch und die Wellen riesig, wirklich beeindruckend. Die roten Flaggen am Strand bedeuten, dass es verboten ist ins Wasser zu gehen. Ich wüsste auch nicht, wer es bei diesen Monsterwellen wagen würde. Hungrig und gut gelaunt gehe ich zurück zum Hotel.

Beim Frühstück entdeckte ich dann einige Teilnehmer des Erasmus-Programms. Irgendwie unterscheiden sie sich von den anderen Gästen des Hotels. Vielleicht, weil sie etwas angespannt aussehen )). Es gibt erste zögerliche Kontakte, doch ich merke schnell, dass die meisten in Gruppen angereist sind – zu zweit, zu dritt und manche sogar zu acht und möchten irgendwie unter sich bleiben. Ich bin eine der wenigen „Einzelkämpferinnen“ unter ihnen. Teilnehmer aus Deutschland sind vorerst auch keine zu sehen.

Nach dem Mittagessen findet eine Stadtführung mit einer netten jungen Frau statt. Kayla ist hier auf der Insel geboren und kennt sich gut aus. Wir besuchen die bekanntesten Orte der Stadt und lernen einiges über die Geschichte der Insel und Puerto de la Cruz. Die Straßen sind voller Menschen im Gegensatz zum ruhigen Morgen. Es hat sich also gelohnt, früh aufzustehen, um ein paar Fotos in den menschenleeren Straßen zu machen. Doch dann fängt es an zu regnen, und obwohl die Führung sehr interessant ist, kehren die Meisten zum Hotel zurück. Von den anfänglichen dreißig bleiben nur noch fünf von uns übrig. Aber wir halten es bis zum Ende durch und bereuen es nicht, da es viel persönlicher und lustiger wird.

Am Abend finden sich einige Erasmus-Teilnehmer an den Tischen vor dem Hotel zusammen. Wir spekulieren darüber, wie der morgige Tag wohl sein wird. Offenbar sind mehr als dreißig Teilnehmer angereist. Möglicherweise gibt es später mehrere Gruppen. Wir rätseln, wo und wann genau der Kurs stattfinden wird. Informationen darüber hatten wir im Vorfeld kaum erhalten, aber wir hoffen, dass wir morgen mehr erfahren werden.

Tag 2, Montag, 23.10.2023

Heute war der erste Tag der eigentlichen Fortbildung, und wie erwartet wurden wir in drei Gruppen aufgeteilt. In meiner Gruppe sind insgesamt 16 Teilnehmer. Unser Gruppentrainer, Alex, ist ein energischer 29-Jähriger Mann mit serbischen Wurzeln. Er spricht einwandfreies English und macht einen netten Eindruck.

In der spielerischen Kennenlernrunde erfahren wir die Namen und ein paar Einzelheiten über einander. Es stellt sich heraus, dass die größte Gruppe aus Litauen stammt, bestehend aus sechs Männern und Frauen, die in einer städtischen Bibliothek arbeiten. Des Weiteren gibt es drei Lehrer aus Schweden, sowie zwei aus der Slowakei. Neben ihnen sind auch eine Ungarin, ein Grieche und ein weiterer Deutscher Teil unserer Gruppe. Wir sind eine bunte Truppe, was eine interessante und bereichernde Lernerfahrung in den kommenden Tagen verspricht.

Dann erzählt Alex uns mehr über die Insel und die von ELA geplanten Aktivitäten. Besonders freue ich mich auf den bevorstehenden Ausflug zum Wahrzeichen von Teneriffa- Vulkan Teide.

Später am Tag arbeiten wir mit der interaktiven Plattform www.mentimeter.com , wo wir über unsere bevorzugten digitalen Unterrichtswerkzeuge diskutierten. Ich notiere mir einige Tools, die mir bisher unbekannt waren, und hoffte, dass wir später genauer darauf eingehen würden. Alex fragt uns nach unseren Erwartungen und Wünschen bezüglich des Kurses und möchte wissen, welche Themen uns am meisten interessieren. Wir sprechen auch kurz über die Herausforderungen bei der Implementierung von Informations- und Kommunikationstechnologien (ICT) in Schulen. Es wird deutlich, dass vielen Schulen, unabhängig vom Land, die finanziellen Mittel fehlen, um die notwendige Ausstattung zu beschaffen.

Als Nächstes projiziert Alex einen QR-Code ( www.qrcode-monkey.com  ) an die Tafel, der uns auf die Website www.jamboard.google.com  führt. Dort nutzten wir die Funktionen der Seite, um kleine Präsentationen mit unseren eigenen Fotos zu gestalten. Alle stellen sich erneut vor, diesmal mit mehr persönlichen Details.

Zum Abschluss des Tages nehmen wir in vier Teams an einem Allgemeinwissensquiz teil. Alle sind mit Eifer und Begeisterung dabei und es herrscht eine entspannte Atmosphäre. Nach dem Spiel zeigt uns Alex, wie man ein solches Quiz auf www.jeopardylabs.com selbst erstellt. Mit der Premiumversion (20 Dollar einmalig) kann man die erweiterten Funktionen des Platforms nutzen, darunter z.B. die Möglichkeit, Bilder in die Quizfragen einzufügen. Ich freue mich schon darauf, das Spiel mit meinen eigenen Kursteilnehmern auszuprobieren, da es eine super Möglichkeit ist, für Abwechslung, gute Laune und viel Spaß im Unterricht zu sorgen und dabei auch noch Wissen wiederholen und festigen.

Tag 3, Dienstag, 24.10.2023

Wir werden heute weitere Online-Plattformen kennenlernen, die uns dabei helfen sollen, interaktive und ansprechende Lerninhalte zu gestalten. Wir setzen unsere spielerische Lernerfahrung fort und probierten www.baamboozle.com aus. In zwei Teams müssen wir sportlichen Aufgaben, wie Tanzen oder Laufen, bewältigen. Leider muss ich feststellen, dass dieses Tool möglicherweise nicht für meinen erwachsenen Sprachunterricht geeignet ist. Aber es wäre bestimmt sehr unterhaltsam für Kindergruppen.

Als nächstes beschäftigen wir uns mit www.wordwall.net, einer Plattform, die ich bereits aktiv im Unterricht verwende, sei es als Warm-up mit einer Frage-und-Antwort-Runde oder zur Wiederholung und Festigung von Wortschatz und Grammatik.

Eine neue Entdeckung für mich ist die Seite www.ed.ted.com, auf der wir viel Video-Content finden und sogar eigene Lernvideos erstellen können. Das Prinzip ist einfach: Wir können ein Video von YouTube nehmen und dazu passende Aufgaben erstellen, z.B. in Form von Multiple-Choice-Fragen, offenen Fragen oder sogar Diskussionen über das Thema im Video.

Eine weitere Plattform, um Videoinhalte zu gestalten, ist www.edpuzzle.com, obwohl ich zugeben muss, dass mich diese Plattform nicht so sehr angesprochen hat. Vielleicht werde ich sie später genauer anschauen und ihr eine weitere Chance geben.

Spannend finde ich www.lyricstraining.com, wo man mithilfe von Musik seine Sprachkenntnisse verbessern kann, obwohl es wahrscheinlich weniger für den Unterricht geeignet ist, sondern eher als Tipp für das Lernen zu Hause gedacht wäre.

Wir gehen auf www.padlet.com, das vielen bereits bekannt ist und sich gut für Brainstorming oder Mind-Mapping eignet. Ich fragte mich, warum ich dieses Tool bisher nicht im Unterricht genutzt habe, und beschließe, es später in meinem Kurs einzusetzen.

Als kleine Auflockerung spielen wir auf www.garticphone.com ein lustiges Spiel, eine digitale Variante von „Stille Post“. Es ist unterhaltsam, aber eher für den privaten Gebrauch gedacht.

Der heutige Tag ist vollgepackt mit einer Fülle an Ideen für den Unterricht. Ich merke, dass ich Zeit benötige, um all diese neuen Informationen zu verarbeiten. Wahrscheinlich erst zu Hause werde ich meine Notizen in Ruhe durchgehen, sortieren und darüber nachdenken, was ich davon in meinen Unterricht integrieren kann.

Tag 4, Mittwoch, 25.10.2023

Heute wird mir wieder klar, worum es vor allem bei dem Programm Erasmus+ geht. Wir lernen nicht nur von unseren Kurstrainern, sondern auch die ganze Zeit voneinander. Heute z.B. zeigt uns die Teilnehmerin aus Ungarn eine tolle Sprachenlernplattform, die sie in ihrem Unterricht nutzt: www.xeropan.com. Die Webseite, die auch als App verfügbar ist, kenne ich noch nicht, werde aber bestimmt noch näher anschauen.

Als Nächstes werden wir in vier Gruppen aufgeteilt und dazu aufgefordert, ein oder zwei im Kurs gezeigten Apps den anderen noch einmal vorzustellen. Leider scheint der eigentliche Sinn dieser Aufgabe etwas unklar zu sein, da keine wirklich neuen Tools vorgestellt werden, sondern sich alles um bereits bekannte Themen dreht. Wir haben das Gefühl, dass unser Trainer einfach versucht, die Zeit zu füllen.

Nach einer Weile wird es doch etwas spannender. In Gruppen treten wir gegeneinander zur Schnitzeljagd durch die Straßen von Puerto de la Cruz an. Mithilfe der App Actionbound kann jeder ein ähnliches Spiel erstellen. Allerdings wäre es empfehlenswert, die PC-Version zu nutzen, die auch in deutscher Sprache verfügbar ist: www.de.actionbound.com . Die Registrierung ist kostenfrei.

Am Nachmittag machen wir uns erneut auf den Weg, diesmal mit dem Bus. Unser Ziel ist La Orotava, eine der ältesten Ortschaften der kanarischen Inseln. Alex, unser Trainer, macht für uns eine Führung durch die Stadt. Wir bewundern die historischen Gebäude, die prächtigen Herrenhäuser und schlendern durch die grünen Gassen, während wir den atemberaubenden Blick auf den Atlantik genießen. Ich finde es super, dass Ausflüge ein fester Bestandteil des Kurskonzepts sind.

Tag 5, Donnerstag, 26.10.2023

Heute bekommen wir noch mehr Ideen für den Unterricht. Außer der Seite www.learningapps.org, die ich bereits kenne und nutze, finde ich die anderen vorgestellten Tools nicht unbedingt sehr gut für meinen Sprachunterricht geeignet. Aber da in unserer Gruppe nicht nur Sprachlehrer, sondern auch Lehrer für Physik, Geschichte oder Geographie vertreten sind, finden sie die vorgestellten Seiten interessant für ihren Unterricht. Ein Beispiel hierfür ist die Seite www.jetpunk.com, die eine Vielzahl geografischer, historischer und ähnlicher Quizfragen in verschiedenen Sprachen anbietet. Besonders gut ist, dass man hier ein Quiz mit eigenen Inhalten erstellen kann.

Eine etwas deprimierende Erfahrung machte ich mit der Simulation auf www.playspent.org. Die Website hat das Ziel, den Spielern, vermutlich vor allem jüngeren Menschen, aufzuzeigen, wie kleine, unerwartete Lebensereignisse einen völlig aus der Bahn werfen können und wie schnell der Weg in die Armut sein kann. Leider ist das Spiel nur auf Englisch verfügbar.

Pünktlich um 11 Uhr beenden wir die Aktivitäten, um unsere Lunchpakete abzuholen und uns auf den Weg zum Vulkan Teide zu machen. Wir fahren stundenlang um die Insel herum und quer über das Gelände, machen mehrere Stopps und haben die Möglichkeit (wenn auch bedauerlicherweise auf eigene Faust), die Umgebung zu erkunden. An dieser Stelle werde ich keine ausführlichen Beschreibungen der Insel oder Informationen zum Vulkan geben, da man im Internet bereits alles, inklusive professioneller Fotos, finden kann. Ich kann nur sagen, dass egal, was man im Internet sieht oder liest, man sich nicht vorstellen kann, wie beeindruckend der Vulkan und die umliegende Landschaft tatsächlich sind, bis man es mit eigenen Augen gesehen hat.

Tag 6, Freitag, 27.10.2023

Der Kurs startet heute wieder mit dem Austausch an Apps und Seiten für den Unterricht. Es geht los mit www.socrative.com . Socrative ist ein gut gestaltetes Tool zur Erstellung interaktiver Quizze. Besonders im Spielmodus und im Ablauf der Quizze bietet Socrative vielfältige Möglichkeiten. Allerdings ist die inhaltliche Gestaltung der Quizfragen aufgrund von nur drei verschiedenen Fragetypen etwas begrenzt. Es ist auch schade, dass die Quizze nur live und nicht für Hausaufgaben oder für das Homeschooling genutzt werden können, und dass keine Quizze von anderen Nutzern zur Verfügung stehen. Um unsere Erdkundekenntnisse auf die unterhaltsame Art zu testen gehen wir auf die Website www.seterra.com . In eine ähnliche Richtung geht auch die Seite www.geoguessr.com .

Anschließend versuchen wir, mithilfe von www.weebly.com eine eigene Webseite zu gestalten. Weebly ist ein Drag-and-Drop-Website-Builder, mit dem man ohne jegliche Programmierkenntnisse eine Website erstellen kann. Es stehen sowohl kostenlose Optionen als auch Premium-Tarife zur Verfügung. Die Idee, Weebly als kreatives Tool zu nutzen, klingt vielversprechend, vor allem als Ersatz für PowerPoint, da es sehr einfach zu bedienen ist.

Im Anschluss werden wir in Gruppen aufgeteilt und bekommen die kreative Aufgabe, witzige Plakate zu gestalten. Diese sollten zeigen, wie wir unseren Kurs wahrgenommen haben, welche Erwartungen wir hatten, welche Entdeckungen wir gemacht haben und welche Erlebnisse uns besonders geprägt haben. Die Aufgabe sorgt für viel Spaß – wir lachen und diskutieren, aber gleichzeitig sind wir etwas traurig, da uns allen bewusst wird, dass es unsere letzte Aufgabe in diesem Kurs ist. Am Abend treffen wir uns noch einmal zum Abschiedsdinner und schon am nächsten Tag starten unsere Flieger Richtung Heimat.

 

Italian Language Course for Beginners, Florenz

von S. M. und K. K.

Anmerkung:

Mit der Teilnahme an dem Erasmus-Förderprogramm wollten wir mit dem stattfindenden Rollenwechsel einen Eindruck gewinnen, wie es ist, in einem anderen Land die Landessprache zu erlernen ohne Vorkenntnisse.
Die Auswahl der Lerninhalte war zu umfangreich, sodass dieses Programm für Fortgeschrittene optimal gewesen wäre, jedoch nicht für Anfänger. Geeigneter wäre weniger Lernstoff und dafür mehr und intensivere
Wiederholungen.
Positiv fanden wir das Domino-Spiel mit Gegenteilen der Adjektive, da durch die Aktivität oft der Lernerfolg größer, interessanter und abwechslungsreicher ist.

Fazit von S. M.:
Um eine Sprache zu erlernen ist das Wiederholen unumgänglich, um auf Anfänger ohne Vorkenntnisse einzugehen.
Für meinen persönlichen Unterricht nehme ich mit, dass meine stetigen Wiederholungen genau zu dem Erfolg führen, den die TN anstreben und die Prüfung A1 verlangt.
Durch die Verständigungsschwierigkeiten konnten Diskussionen zu bestimmten Methoden nicht angestoßen werden.
Ich kann jetzt gut nachempfinden, mit welchen zusätzlichen Herausforderungen meine Teilnehmer im Alltag konfrontiert werden, wenn man die Sprache nicht sprechen oder nicht verstehen kann.
Es war auch für mich spannend und aufregend, die ersten erlernten Wörter anzuwenden, z.B. bei einer Bestellung im Café. Dieses stärkte mein Selbstbewusstsein.

Fazit von K. K.:
Da in diesem Anfängerkurs keinerlei Wiederholungen zur Vertiefung der neuen Sprache praktiziert wurden, sondern strikt nach einem vorgegebenen Programm gearbeitet wurde, bin ich mit der von mir angewendeten
Didaktik und Methodik bezüglich des Aussprachetrainings und des Verständnisses für andere Sprachen bestätigt worden.
Es war eine sehr gute Entscheidung, dieses Erasmus-Programm zu wählen, da ich als Sprachdozentin nach einer gewissen Zeit einmal wieder „auf der anderen Seite“ saß und somit die Rolle als Schülerin/Teilnehmerin innehatte.

Sonntag, 13.08.2023 (Reisetag)

Endlich, Florenz!
Mittags landeten wir in Florenz und hatten uns vorab schon erkundigt, wie wir am besten zu unserer Unterkunft kommen. Die Tram 2 fährt direkt ins Zentrum und von da aus sind es nur 10 Minuten Fußmarsch bis zu unserem Hotel, ganz einfach! Am Flughafen wartete schon die Tram 1 und war zur Abfahrt bereit. Da wir uns nicht sicher waren, ob diese auch direkt ins Zentrum fährt, bestieg meine Kollegin die Tram um eine Mitfahrerin danach zu fragen. In dem Moment schloss die Tür und fuhr davon. Zum Glück hat jeder ein Handy, so konnten wir ausmachen, dass wir uns an der nächsten Haltestelle treffen. Nun fuhren wir ins Zentrum und leider hatten wir kein Internet und sprachen dort Passanten an, um das Hotel zu finden. Tja, wir wurden quer durch Florenz geschickt. Nach einer Stunde kamen wir endlich im Hotel an, direkt am Plazza del la Repubblica. Zur Orientierung für den nächsten Morgen suchten wir unseren Kursort auf, der einen Fußmarsch von ca. 15 Minuten von unserem Hotel entfernt lag.

Montag, 14.08.2023

Erster Unterrichtstag: mit Aufregung und Vorfreude gingen wir zur Teachers Academy. Wir, Deutschdozentinnen für Flüchtlinge, nahmen an einem Italienischkurs A1 teil, um in die Rolle unserer Teilnehmer zu schlüpfen. Unsere Gruppe bestand aus zehn Teilnehmern: drei aus Spanien, eine aus Polen, eine aus Korea, eine aus England, eine aus Ungarn und wir mit einer weiteren TN aus Deutschland. Von den 10 TN nahmen 7 am Erasmus-Programm teil – die anderen drei an anderen Programmen. Nun ging es los: unsere junge italienische Dozentin verteilte an jeden TN ein Buch – A1, und wir sollten dieses gleich aufschlagen.

Nun begann sie auf italienisch zu erklären, wie man sich vorstellt – in einem ziemlich schnellen Sprechtempo – was wir für pädagogisch nicht sinnvoll hielten. Nach der Vorstellungsrunde ging es gleich weiter mit den Personalpronomen, Buchstaben und Zahlen sowie Deklination der Verben. Die Dozentin schrieb über ihren Laptop wichtige Grammatik und Sätze an die Tafel, die wir alle nicht so schnell abschreiben, vor allem nicht vergleichen und übersetzen konnten. Wir baten um etwas mehr Zeit, die wir nicht erhielten, sondern die Aufforderung mit unserem Handy ein Foto zu machen.

Anmerkung: Persönlich halten wir es für effektiver, die Sätze abzuschreiben, damit das allgemeine Sprachtraining gefördert wird.

Nun waren Hörübungen im Buch angesagt. Da wir selber bis vor kurzem einen A1-Kurs unterrichteten, gingen wir davon aus, dass auch hier die Möglichkeit bestand eine langsame Audio-Wiedergabe abzuspielen. Leider nicht! Wir hörten zweimal die Hörübung und mussten dann die Antwort ankreuzen.

Puh, Mittag! Wir hatten dreißig Minuten Zeit, um uns einen kleinen Snack zu kaufen und uns ein bisschen auszutauschen. Danach machten wir weiter mit Adjektiven, Verben, Farben und Berufen. Wir erhielten auch einige Arbeitsblätter, die wir sehr irritierend fanden, da das Arbeitsbuch doch mehrere Möglichkeiten bietet, die Grammatik durch Übungen zu intensivieren. Auch hier sind wir der Meinung, dass unsere Systematik, in Büchern zu arbeiten, effektiver ist.

Um 14.50 Uhr war der Unterricht zu Ende und wir mussten sehr schnell den Palazzo Vecchio finden (Erasmus-Programm). Wir liefen sehr schnell und trafen uns dort mit unserem Tourguide Mauricio, der mit uns in den Palazzo der Familie Medici ging. Uns wurde alles erklärt, wie die Familie Medici in Florenz residierte. Wir erhielten viele Informationen über die Räumlichkeiten und der Malereien, der Intarsienarbeiten sowie der Skulpturen von Michelangelo (alles auf Italienisch).

Um kurz vor 17.00 Uhr verabschiedeten wir uns und liefen in schnellen Schritten zum gebuchten Kochkurs, der hinter dem Fluss Arno stattfinden sollte. Beim Kochkurs angekommen spannte man uns auch gleich ein: Kochschürze um und dann ging es los, ein Vier-Gänge-Menü:

– Potato Souffle mit Fresh Water Pasta Dough

– Gnocchetti Sardi mit Tomato, Basil-Garlic Pasta Souce

– Chicken and Mushroom with Marsala

– Chocolate Souffle

Nach eineinhalb Stunden konnten wir dieses Menü genießen, dazu wurde Wasser und Wein gereicht, lecker!!!

Durch die Möglichkeit des Erasmus-Programms konnten wir mit dieser praktischen Erfahrung und der Methodik, die die Kochschule angewendet hat, in die traditionelle, italienische Kochkunst eintauchen. Satt und erschöpft vom Tag und der Hitze ging es zurück ins Hotel.

Dienstag, 15.08.2023 Katholischer Feiertag

Heute ist ein katholischer Feiertag und wir haben frei, und so nutzten wir diesen Tag, um Florenz weiter zu erkunden. Schade, dadurch wurde der komplette Unterrichtsstoff auf nur vier Tage zusammen gefasst.

Mittwoch, 16.08.2023

Um 9.00 Uhr startete der zweite Tag unseres Italienischkurses. Ohne Wiederholung wurden die Zahlen bis 100 durchgenommen. Wir waren erstaunt, nach welcher Didaktik der Unterricht aufgebaut werden sollte.

Es ging weiter mit Verben im Singular/Plural, feminin – maskulin und Endungen. Nach diversen Adjektiven mit Gegenteilen sollten wir diese in einem Domino-Spiel vertiefen, das allen viel Spaß machte.

12.10 Uhr, Mittagspause: nun brauchten wir ein bisschen frische Luft und gingen bei 38 Grad spazieren, und prompt verliefen wir uns. Zum Glück trugen wir immer einen Stadtplan in Papierform dabei, der uns oft rettete.

Nach der Pause begannen wir mit Hörübungen, dazwischen erhielten wir auch immer wieder diverse Arbeitsblätter. Nach Körperteilen und Empfindungen im Singular und Plural sollten wir unseren Gesprächspartner in ganzen Sätzen beschreiben – nicht ganz so einfach, man möchte natürlich niemanden brüskieren. Danach wurde weiter im Buch gearbeitet. Die Dozentin spricht im Originaltempo Italienisch mit den Teilnehmern, was natürlich für alle zu Verständigungsschwierigkeiten führte.

Von 15.00 bis 17.00 Uhr nahmen wir an einer geführten Walking-Tour „I Palazzi di Firenze“ vom Erasmus-Programm teil. Uns wurden die wichtigsten Sehenswürdigkeiten, Architektur und Geschichte von Florenz (alles auf Italienisch) gezeigt und erklärt:

– Palazzi Medici: Innenhof; Kirche der Medici; Barockkirche; Basilica die Santa – Wine windows: aus kleinen Fenstern verkaufen die Florentiner seit dem Mittelalter den Wein aus der Toskana. (Das erste kontaktlose Bezahlen).

Zwischendurch wurden wir an den öffentlichen Plätzen auf die, für jeden zugängliche, Wasserquellen aufmerksam gemacht. Die Florentiner preisen immer wieder ihr kostenloses, reines, gutes Trinkwasser an.

Abends gingen wir noch ein wenig durch Florenz und gönnten uns wieder ein leckeres Gelato!!

Donnerstag, 17.08.2023

Heute haben wir uns auf die andere Seite des Unterrichtsraumes gesetzt, um in den Genuss der kühlen Luft aus der Klimaanlage zu kommen.

Wieder begann der Unterricht ohne Wiederholungen, und zügig ging es von einem Thema zum anderen. (Anmerkung: um eine Sprache zu erlernen ist das Wiederholen unumgänglich.)

Wir mussten Dialoge führen, die uns schwer fielen, da das Vokabular natürlich fehlte, wir aber in der Aussprache korrigiert wurden. Wir übten „Bestellen in einem Café“, in der Rolle als Gast und Kellner – schwierige Aufgabe. Danach gab es wieder Arbeitsblätter mit Lückentext: ‚haben‘ oder ’sein‘ ergänzen. Auch hier wurden uns die elementaren Grundkenntnisse nicht vermittelt. Die Teilnehmer aus Spanien hatten natürlich erhebliche Vorteile, da ihre Muttersprache dem Italienischen ähnelt. Die Dozentin konzentrierte sich auch oft auf die spanischen TN, da diese schon Fragen stellten, die wir kaum übersetzen konnten.

Weiter ging es im Buch mit Hörübungen und dann mit Verben (regelmäßig und unregelmäßig), Pronomen und Plural. Um 12.10 Uhr endete heute der Unterricht.

Nun sind wir gemeinsam zum Treffpunkt „Santa Maria Novella“ spaziert. Um 15.00 Uhr ging es los: es wartete unser bekannter Tourguide Mauricio auf uns. Mauricio sprach natürlich nur Italienisch mit uns, aber mit Gestik, Mimik, körperliche Ausdrucksweise und langsamer Aussprache konnten wir ihm gut folgen und sehr viel verstehen.

Die Santa Maria Novella ist eine gotische Kirche mit einer sehr schönen Klosteranlage. Die Bauweise mit den kleinen Kirchenfenstern und abgeflachten Decken erklärte Mauricio in einer sehr bildhaften Weise. Die farbenfrohen Originalmalereien symbolisieren den Reichtum.

Das Kruzifix verglichen wir mit anderen Kirchen. Die Malereien von Michelangelo, Giotto und Masaccio waren sehr beeindruckend. Die drei Halbmonde waren das Wappen der Familie Strozzi, alte Florentiner Patrizier-Familie, die uns bereits am Mittwoch auf unserem Rundgang begegnete.

Nach über zwei Stunden Informationen auf sehr anschaulicher Weise, konnten wir den Stolz der Florentiner mit ihrer Geschichte und Traditionen nachempfinden. So wie Mauricio uns es vermittelt hat, wird dieses auch an die nächsten Generationen weitergegeben. Danach kehrten wir erschöpft und hungrig in eine Pizzeria ein, um eine typische italienische Pizza zu essen.

Freitag, 18.08.2023

Morgens um 8.30 Uhr gingen wir zum letzten Unterrichtstag. Wir erstellten ein Menü, was sehr interessant war, da die Geschmäcker ja bekanntlich immer sehr unterschiedlich sind. Danach bearbeiteten wir noch einen Lückentext und machten weiter mit regelmäßigen und unregelmäßigen Verben. Die fortgeschrittenen TN diskutierten mit der Dozentin wieder über Ausnahmen, die nicht jeder mitverfolgen konnte.

Zum Schluss erhielten wir noch eine Teilnahmebescheinigung und ein A1- Zertifikat. Nun verabschiedeten wir uns noch von der Dozentin, ciao! Ab 13.00 Uhr hatten wir den Nachmittag zur freien Verfügung. Wir suchten nochmals interessante Sehenswürdigkeiten auf: die Straßen, Brücken, und liefen erneut am Fluss Arno entlang. Das Wetter machte uns heute zu schaffen, hohe Luftfeuchtigkeit bei 38 Grad! Es gab jetzt nur eine Möglichkeit dieses zu ertragen: ein Eis zu essen…. Wir beschlossen die gleiche Gelateria aufzusuchen wie am Dienstag. Die Bedienung erkannte uns gleich wieder – merkwürdig bei dem hohen Touristenaufkommen – essen wir zu schnell oder zu viel? Als wir ihr mitteilten, dass sie das beste Gelato in Firenze verkauft, bat sie uns eine Rezension auf Google zu schreiben; Si, claro! Mit vollem Bauch suchten wir noch den Treffpunkt für den nächsten Tag auf: Piazzale Montelungo, ein Spaziergang von 1,5 Stunden.

Samstag, 19.08.2023

Chianti-Tour: Erasmus-Programm
Morgens um acht Uhr mussten wir am Treffpunkt Piazzale Montelungo sein. Wir gönnten uns ein Taxi, was bei morgendlicher Temperatur von 30 Grad sehr angenehm war. Mit den anderen TN fuhren wir in die Region Chianti um zwei unterschiedliche Weingüter zu besuchen. Unser Tourguide Nathan erzählte uns auf Englisch von dem Weinanbau und dem Leben in der Toskana. Wir erhielten einen Einblick in den arbeitsreichen Tag eines Weinbauers und seiner Familie. Es ist ein hartes Leben mit langen Arbeitstagen. Am ersten Weingut „Tenuta Torciano“ angekommen, wurden wir mit einem Snack und verschiedenen Weinverkostungen verwöhnt. Wir erhielten wertvolle Tipps: wie halte ich das Glas, wie verkoste ich den Wein, welche Öle nimmt man zu bestimmten Gerichten etc. Dadurch wurde uns die toskanische Ess- und Weinkultur näher gebracht. Zum Schluss durften wir auch den Wein und die Öle kaufen oder bestellen und nach Hause liefern lassen.

Danach erkundeten wir noch den herrlich angelegten Garten mit den verschiedenen Skulpturen. Nun ging es weiter zum nächsten Weingut „Sant Appiano“, das seit drei Generationen die Familie Capelli betreibt. Auch dort haben wir viel Geschichtliches und über Weinherstellung sowie Lagerung erfahren. Wir besichtigten die über 700 Jahre alten Katakomben des Guts, in denen sehr alte Eichen- oder Kastanien-Fässer mit verschiedenen Weinen lagern.

Auch hier aßen wir alle zusammen und unterhielten uns, aber überwiegend auf Englisch – unser neu erlerntes Italienisch war selbstverständlich für eine längere Kommunikation nicht ausreichend. Nach einem kleinen Rundgang über das Gut fuhren wir zurück nach Florenz. Unseren letzten Abend verbrachten wir im Zentrum und aßen ein leckeres italienisches Gericht (Pasta). Danach verabschiedeten wir uns von unseren Mitschülern vom Erasmus Programm. Wie schnell die Woche zu Ende ging! Wir erlebten eine wunderschöne Woche in Florenz, jedoch einen zu umfangreichen „Italienischkurs für Anfänger“.

DANKE für die sehr gute Organisation und der Abwicklung des Erasmus-Programmes!

Sustainability and Environment in Education

31.7.-5.8. 2023 in Dublin, Irland

von R.L.

Sonntag, 30.07.2023 – Anreisetag

Mein Flug nach Dublin startet um 10 Uhr in Hamburg. Der Flughafen ist nicht so voll, wie ich befürchtet habe, die Sicherheitskontrollen bringe ich schnell hinter mich und habe vor dem zweistündigen Direktflug noch Zeit für einen Kaffee. Wir kommen pünktlich um kurz nach 11 Uhr in Dublin an, es gibt eine Zeitverschiebung von einer Stunde.
Man kann über die Atlas School, bei der ich den Kurs besuche, Zimmer in einer schuleigenen Residence buchen. Da ich mich eher kurzfristig für diesen Kurs angemeldet hatte, gab es aber nur noch Zimmer ohne eigenes Bad, daher entschied ich mich für eine andere Unterkunft. Ich habe ein Zimmer im Studentenwohnheim des Trinity College gebucht. Bei der Ankunft bin ich überrascht, dass die Zimmer im Vergleich zu anderen Wohnheimzimmern, die ich auf den Britischen Inseln gesehen habe, recht komfortabel sind. Allerdings sind sie auch teuer – wie alles in Dublin. Die Lebenshaltungskosten in dieser Stadt sind sehr hoch.
Ich lasse mein Gepäck im Zimmer und erkunde den Weg zur Atlas Language School, laut Google sind es 2,4 km. Unterwegs sehe ich viele Dublinbikes, ein Radleihsystem vergleichbar mit unseren Stadträdern. Zurück im Zimmer öffne ich einen Account bei Dublinbikes und lade mir die App herunter, ich werde mit dem Rad zum Kursort fahren.


Montag, 31. Juli 2023

Das Programm beginnt um 9 Uhr, wir sollen zur Einführung zehn Minuten vorher da sein. Ich habe in der Nähe meines Zimmers eine Fahrradstation gefunden und mache mich auf den Weg. Mit dem Linksverkehr kann ich mich anfreunden aber den Verkehr der Stadt empfinde ich insgesamt als recht chaotisch und anstrengend. Dubliner Fußgänger halten beispielsweise grundsätzlich nicht an roten Ampeln, wer anhält, wird sofort als Tourist identifiziert.
Die Atlas Language School liegt in Portobello, einer sehr beliebten Wohngegend, direkt am Old Canal. Es ist ein altes, schönes Gebäude. In der Eingangshalle drängen sich Teilnehmende aus zwei Erasmus+ Lehrerprogrammen und unzählige Schüler im Teenageralter aus allgemeinen Sprachkursen, die auch heute starten. Kurz darauf sind alle auf ihre Gruppen verteilt, ich gehe mit neun weiteren Teilnehmenden und unserer Kursleiterin Ali O´Brien in unseren Raum.
In meiner Gruppe sind zwei Lehrerinnen aus der Slowakei, eine aus Polen, eine aus Ungarn, vier aus Italien und ein Lehrer aus Spanien. Sie unterrichten alle an weiterführenden Schulen. Vier von ihnen sind Englischlehrerinnen, die anderen unterrichten Geografie, Geschichte, Architektur und technische bzw. naturwissenschaftliche Fächer. Unterrichtssprache ist Englisch. Die Sprachkenntnisse der Teilnehmenden sind sehr unterschiedlich, man kann sich aber mit allen gut austauschen. Einige von ihnen werden zwei Wochen bleiben, die meisten sind wie ich nur für eine Woche da.
Ali ist eine erfahrene Lehrerin, sie kommt ursprünglich aus Belfast, lebt jetzt aber in Dublin. Wir werden im Unterricht Google Classroom benutzen, Ali versucht, auf Papier zu verzichten. Der Raum ist mit einem Smartboard ausgestattet, wir sind vorher alle gebeten worden, ein Tablet oder einen Laptop mitzubringen.
Zu Beginn interviewen wir alle unsere Sitznachbarn und stellen sie kurz vor, dann beginnt das Programm. Jeder Kurstag ist in zwei Vormittagslernblöcke aufgeteilt, nachmittags gibt es Angebote, bei denen die Teilnahme freiwillig ist.
Erstes Vormittagsthema ist „Sustainability in the ELT Classroom“.
Wir versuchen, den Begriff genauer zu definieren, stellen Fragen dazu. Fotos mit einfachen Gegenständen, z.B. verschiedenfarbige Buntstifte werden genutzt, um Diskussionsstarter zum Thema Nachhaltigkeit zu finden. Wir überlegen, wie man deklaratives, prozedurales und konditionales Wissen der Lernenden durch gezieltes Fragen abrufen kann. Wir sprechen auch sehr ausführlich über die 17 UN Ziele für nachhaltige Entwicklung (SDGs).

Im zweiten Unterrichtsblock geht es um Dublin: Parks, Plätze, öffentlicher Raum – Wer hat Zugang zu welchen Anlagen? In Dublin waren traditionell die meisten Parks verschlossen und nur für die privilegierte Gruppe der „Schlüsselinhaber“ nutzbar. Einer der kleinen Parks ist immer noch für die Öffentlichkeit gesperrt. In Gruppen wählen wir je einen Park aus und sammeln Informationen über Geschichte, Besonderheiten, mögliche Aktivitäten etc.
Nachmittags treffen wir uns zu einem Stadtrundgang. Der Stadtrundgang ist ein kursübergreifendes Angebot, es gibt sehr viele Teilnehmende. Ich beende ihn zusammen mit einigen anderen aus meiner Gruppe in einem Pub.

Lernergebnis Tag 1:
– Wiederholung von Begrifflichkeiten
– Besprechung der SDGs
– Einblicke in die Struktur der Grünanlagen in Dublin, Austausch mit
anderen Teilnehmenden über die Situation in ihren Herkunftsländern

Dienstag, 1. August 2023

Heute probiere ich einen anderen Weg mit dem Fahrrad zur Schule. Ich fahre am Old Canal entlang, hier sind trotz regnerischen Wetters viele Radfahrer unterwegs. Es ist ein schöner Weg.

Erstes Vormittagsthema: „Alternative Approaches to Lesson Design. Project-Based Learning”
Wir überlegen, wie man Projekte im Unterricht umsetzen kann. Einzelne mögliche Stationen einer einwöchigen Projektidee werden durchgespielt. Wir diskutieren ein Bewertungsschema für die Ergebnisse von Projektarbeit.

Zweiter Unterrichtsblock: A Green Analysis
In Kleingruppen wählen wir ein Thema in der Sprachschule oder der direkten Umgebung, um es auf Nachhaltigkeit zu untersuchen.
Thema meiner Gruppe sind die Dublinbikes. Direkt neben der Schule ist eine Station. Wir sehen uns an, wie das System funktioniert, welche Bereiche der Stadt abgedeckt sind, wie die Anbindung an andere öffentliche Verkehrsmittel funktioniert. Anschließend interviewen wir einige Nutzer der Dublinbikes und fragen unter anderem, ob sie die Räder ganzjährig nutzen, ob es für sie ein Ersatz für das Auto ist etc. Wir machen kurze Videos mit den Interviews.

Die anderen Gruppen haben die Sprachschule und das Café der Sprachschule als Themen ausgewählt. Anschließend präsentieren wir alle unsere Green Analysis.

Nachmittags besuchen wir das Trinity College mit dem Long Room und dem Book of Kelts. Der Long Room ist eine beeindruckende alte Bibliothek. Im Moment sind leider die Bücher wegen Renovierungsarbeiten nicht im Raum. Ich gehe danach noch in die National Gallery, die sich direkt neben dem Campus befindet.

Lernergebnis Tag 2:
– Wir haben mögliche Abläufe für Projektarbeit kennengelernt.
– Wir haben selbst ein Mikroprojekt durchgeführt, was man in ähnlicher
Weise auch zu Hause in Kursen umsetzen könnte.

Mittwoch, 2. August 2023

Im ersten Unterrichtsblock am Vormittag besucht uns Aishling. Sie ist eine junge Geographielehrerin aus Dublin. Aishling stellt uns Projekte vor, die an ihrer (Regel-)Schule zum Thema Nachhaltigkeit umgesetzt werden und erzählt uns, wie Nachhaltigkeit in den Schulalltag integriert wird. Anschließend steht sie für Fragen zur Verfügung. Es folgt ein lebhafter Austausch über die Umsetzung von Nachhaltigkeitszielen in den verschiedenen Ländern.
Das zweite Thema dieses Vormittags ist Irland und der Brexit.
Wir reden über die irische Grenze. Ali zeigt uns einige interessante interaktive Seiten, die man in Kursen nutzen kann, um Vokabular zu dem Thema zu visualisieren.

Nachmittags besuchen wir das GPO Museum (GPO General Post Office). Das GPO Museum ist ein recht neues Museum, in dem irische Geschichte interaktiv präsentiert wird.

Lernergebnis Tag 3:
– Einblicke in den irischen Schulalltag
– Informationen zur Bedeutung des Brexits für die irische Grenze
– Interessante interaktive Seiten zur Nutzung in Kursen

Donnerstag, 3. August 2023

Am Donnerstag geht es noch einmal um irische Geschichte.
Ali spielt mit uns eine mögliche Unterrichtseinheit durch. Wir sammeln unser Wissen zur irischen Geschichte und tauschen uns mit unseren Nachbarn aus. Dann sehen wir ein Video. Wir ordnen Begriffe zu und diskutieren Fragen in Kleingruppen.
Das zweite Thema ist Gentrifikation.
Dublin ist wie viele andere europäische Großstädte von Gentrifikation betroffen. Besonders stark leiden die Menschen in dem Stadtviertel „Liberties“ darunter. Wir klären, was Gentrifikation ist, welche Auswirkungen es gibt etc. Im Anschluss sehen wir ein Video, in dem gezeigt wird, wie eine Gruppe von Ladenbesitzern in den Liberties versucht, mit dem Problem umzugehen und die neu zugezogenen Bevölkerungsgruppen zu bewegen, lokal zu konsumieren.
Am Nachmittag machen wir einen geführten Spaziergang durch die Liberties und haben Gelegenheit, mit Anwohnern über das Thema Gentrifizierung und lokalen Konsum zu sprechen. Zum Schluss gehen wir alle in ein Pub.

Lernergebnis Tag 4:
– Anregungen, wie man eine Unterrichtseinheit zu irischer Geschichte gestalten könnte
– Wissen über Gentrifizierung in Dublin

Freitag, 4. August 2023

Der letzte Kurstag – die Woche ist wie im Flug vorbeigegangen. Heute ist Aishling wieder unsere Kursleiterin, Thema sind Nahrungsmittel. Wir sprechen über die Auswirkungen der Nahrungsmittelproduktion auf die Umwelt. Nahrungsmittelsicherheit und Abfall. Mit Nahrungsmittelsicherheit (food security) ist hier das zweite UN SDG „Kein Hunger“ gemeint. Zum Start zeigt uns Aishling einen kurzen Film über den ökologischen Fußabdruck eines Cheeseburgers. Weitere Punkte, über die wir sprechen sind food security und Lebensmitteltafeln.

Nach einer gemeinsamen Reflektion des Kurses und dessen, was wir mitnehmen, gehen wir alle gemeinsam in das Schulcafé. Zum Abschluss kann sich hier jeder nach Anleitung einen Irish Coffee machen, den wir dann gemeinsam trinken.
Am Nachmittag gibt es kein Programm. Ich nutze ihn zu einem ausführlichen Spaziergang durch die Stadt.

Lernergebnis Tag 5:
– Besseres Wissen über den ökologischen Fußabdruck von Nahrungsmitteln
– Interessante Ansätze um Food sustainability in Kursen zu thematisieren.
– …. jetzt weiß ich, wie man einen echten Irish Coffee macht.

Samstag, 5. August 2023

Ich sehe mir einige Museen und Bibliotheken in Dublin an. Als erstes gehe ich in die Chester Beatty Library, die eigentlich ein Museum ist. Hier werden Manuskripte, Alte Bücher und Buchillustrationen aus Europa, dem Mittleren Osten, Nord Afrika und Asien gezeigt. Danach mache ich einen kurzen Spaziergang zur St. Patrick´s Cathedral. Da es gerade nicht regnet, mache ich eine Pause in dem kleinen Park vor der Kathedrale. Weiter geht es zu Marsh´s Library. Etwas versteckt hinter der Kathedrale liegt diese Bibliothek aus dem 18. Jahrhundert, die seitdem nicht verändert wurde. Ich gehe früh ins Zimmer, für den Rückflug um 6.30 Uhr werde ich früh aufstehen müssen.

Sonntag, 6. August 2023 – Abreisetag

Der Wecker klingelt um halb drei. Die Mitarbeiter an der Rezeption haben mir für kurz nach drei ein Taxi bestellt und gesagt, wenn sie es bei der Security ankündigen, könne es auf den Campus fahren – ich bin gespannt, ob das funktioniert. Meine Skepsis war nicht unberechtigt, der Taxifahrer ruft mich an und sagt, alle Tore seien verschlossen. Bis ich am Tor bin, ist er schon weg. Erfreulicherweise ist auf den Straßen hier im Stadtzentrum auch um diese Uhrzeit sehr viel Leben und es ist kein Problem, ein anderes Taxi zu finden, was mich zum Flughafen fährt. Der Flughafen in Dublin ist groß und er ist auch morgens um vier sehr belebt. Es war gut, viel Zeit für die Sicherheitskontrollen einzuplanen.

Es war eine tolle Woche hier in Dublin, ich habe viel gelernt und gesehen. Besonders gut gefallen hat mir aber der Austausch mit Kollegen und Kolleginnen aus anderen europäischen Ländern. Wir haben uns näher kennengelernt und bleiben hoffentlich in Kontakt. Auch bei Themen, die politisch nicht unumstritten sind, haben wir gemerkt, dass wir gut miteinander reden konnten und unsere Einstellungen oft sehr ähnlich waren. Durch die Woche habe ich viele neue Ideen auch für meine Unterrichtsgestaltung bekommen.

Vielen Dank, dass ich an dem Projekt teilnehmen durfte!

BNE-Reise nach Uppsala und Stockholm, Schweden 8.-12.05.2023

Gute Praxisbeispiele für (Bildung für) nachhaltige Entwicklung in der Erwachsenenbildung

Gemeinsames Lerntagebuch

Samstag/Sonntag, 6./7.05. – Individuelle Anreise nach Uppsala

Alle Teilnehmenden sind individuell und passend zum Thema der Woche: „Bildung für nachhaltige Entwicklung“ gemäß ERASMUS+-Vorgaben für „grünes Reisen“ nach Uppsala angereist – teils gemeinsam im Auto und mit der Fähre, teils mit dem Zug.

(Eintrag: A.H.)

Zu unserem großen Erstaunen ging für uns drei Reisende (Antje, Magdalena, Matthias), die mit der Fähre über Sassnitz nach Trelleborg fuhren, das Volkshochschul-Feeling bereits auf der Hinfahrt los. Wir hatten eine Zwischenübernachtung in Helsingborg gebucht. Nach dem Einchecken stellten wir fest, dass wir ohne es bei der Buchung zu wissen, in Sundsgården, einer der größten folkhögskolor des Landes untergekommen waren. Von den derzeit 250 Schülern und Schülerinnen wohnen 70 im Internat der folkhögskola. Ein perfekter Start in die schwedische Erwachsenenbildung!

(Eintrag: S.K.)

Unsere Gruppe besteht aus insgesamt 11 vhs- und Landesverbands-Fachbereichsleiter*innen aus unterschiedlichen Programmbereichen aus Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern.

Eine Woche lang werden wir uns gemeinsam mit verschiedenen Erwachsenenbildungseinrichtungen in Uppsala und Stockholm über gute Praxisbeispiele für Bildung für Nachhaltige Entwicklung austauschen.

Den Sonntag nutzen alle Teilnehmenden für individuelle Erkundungen der Stadt, die sich mit strahlend blauen Himmel präsentiert. Uppsala hat 2020 zum zweiten Mal den One Planet City Challenge des WWF gewonnen, ein Zeugnis für Nachhaltigkeit ist der „Juwel“, angeblich der nachhaltigste Bürobau von ganz Skandinavien. Die Innenstadt wirkt trotz Sonntag sehr lebendig, viele Leute sitzen in Cafés oder auf schön gestalteten Sitzmöglichkeiten direkt am Fluss.
Am Fluss entlang sind zu beiden Seiten Spazierwege angelegt, die nach kurzer Zeit direkt in ein Naturreservat führen, sowie auf der anderen Seite durch den großzügig angelegten Stadtgarten. Auch hier schlendern und verweilen viele Menschen und scheinen die Naturnähe in der Stadt zu genießen.

„Juwel“

Platz zum Verweilen

Montag, 08.05.2023, Studiefrämjandet und Folkuniversitet Uppsala

(Eintrag: M.B., L.K. und I.F.)

 Am Morgen treffen wir uns zum Frühstück im Hotel und machen uns anschließend gemeinsam auf den Weg zu Studiefrämjandet, eine der größten gemeinnützigen Erwachsenenbildungseinrichtungen in Schweden. Dort begrüßt uns Denis Riabov und gibt uns einen ersten Einblick in die Organisationsstruktur und vielfältigen Arbeits- und Projektbereiche der Einrichtung in Uppsala. Studiefränjandet arbeitet sehr eng mit seinen 19 Mitgliedseinrichtungen zusammen, die zum überwiegenden Teil im Umwelt-, Natur- und Kulturbereich tätig sind.

Erwachsenenbildung wird in Schweden komplementär zum formalen Schulsystem verstanden.
Wir haben uns bei unserer Hospitation vor allem mit „Folkbildning“ beschäftigt. Der Begriff lässt sich nur schwer ins Deutsche übersetzen, am ehesten trifft es wohl der Begriff des „nicht-formalen Lernens“. Folkbildning zielt auf Demokratieentwicklung und darauf, individuelle Bildungslücken zu schließen. Eine weit verbreitete methodische Form dieser Bildungsvermittlung in Schweden sind staatlich geförderte sogenannte Studienzirkel (study circles).

Study circles sind selbstorganisiert und initiiert von Personen, die ein bestimmtes Interesse haben und/oder dieses bei anderen wecken möchten (z.B. im Bereich Musik, Umwelt und Natur, Kultur etc.). Ziel der study circle ist es, Menschen zu motivieren, sich zu beteiligen und gemeinsam Lösungen zu finden. Es wird im Dialog miteinander und voneinander gelernt. Es gibt einen, zumeist ehrenamtlichen, Moderator (leader), der gemeinsam mit den Mitgliedern der Lerngruppe einen Lernplan (study plan) entwickelt. Gelernt wird in den Räumen von Studiefrämjandet oder den Mitgliedseinrichtungen, teils auch online. Wer Moderator eines study circle werden möchte, nimmt mindestens an einem der von Studiefrämjandet durchgeführten, ganztägigen Trainings teil.

Bevor unsere Gruppe am morgigen Vormittag selbst aktiv Elemente aus dem Leader-Training erproben wird, gibt uns Denis noch ein eindrückliches Beispiel für einen sehr erfolgreichen study circle: „Älskede Barn“ (Geliebte Kinder). In diesem Kurs geht es um die Rechte und den Umgang mit Kindern. Hierfür wurden Leader besonders geschult – sie arbeiten nach einem Konzept, um den Austausch zwischen verschiedenen Kulturen zu erleichtern. Z.B. soll vermittelt bzw. gemeinsam erarbeitet werden, dass man Kinder nicht schlägt und welche Alternativen es dafür gibt. Auch der Umgang mit Teenagern und Drogen wird thematisiert, die Gruppen finden mit unterschiedlichen Sprachniveaus in einer schönen Bücherei mit Kinderbetreuung am Abend statt.

Am Nachmittag übernimmt die Folkuniversitet Uppsala die Führung – und das im wahrsten Sinne. Nach einem gemeinsamen Mittagessen laden uns Ali Rashidi und Vivian Welker zu einer historischen und kulturellen Tour nach Gamla Uppsala und Sigtuna ein: Der Ort mit Grabhügeln der Wikinger stellt die Wiege Schwedens bzw. der schwedischen Kirche dar.

Wir lassen den ersten Tag mit einem gemeinsamen Abendessen mit unseren Gastgebern ausklingen.

Dienstag, 09.05.,

(Eintrag: D.L. und M.K.)

Auch den zweiten Tag haben wir in Uppsala verbracht. Am Vormittag hatten wir einen sehr interessanten Workshop bei Studiefrämjandet, der von Elin Sjöman geleitet wurde. Die Idee des Workshops war, uns das Konzept von „study circle“, in das wir schon am Vortag einen theoretischen Einblick bekommen hatten, aktiv näher zu bringen. Wir bekamen wir eine 2-stündige Einführung ins Teamleitertraining. Diese Einheit dauert in der Regel 9 Stunden. Bei dem Workshop hatten wir außerdem die Möglichkeit, in kleinen Gruppen einen study circle zu konzipieren und arbeiteten dafür an von uns gewählten Themen. Das war sehr spannend und lehrreich. Durch eigene praktische Erfahrungen haben wir erkannt, wie viele Ideen bei der gemeinsamen Arbeit zusammenkommen und wie viel Wert ein study circle als Methode mit sich bringt. Das study circle ist ein Instrument, das die Demokratie stärkt und dadurch nachhaltig auf die Bevölkerung und das Land wirkt.

Am Nachmittag ging es weiter zur Folkuniversitetet Uppsala – einer Institution, die berufliche Bildung für die Bevölkerung entwickelt und anbietet. Nach einer Einführung mit Nachhaltigkeit als Hauptthema, haben wir auch hier an einem Workshop teilgenommen. Es ging darum, wie der schwedische Staat mit dem Hinblick auf die 17 Nachhaltigkeitsziele vorgeht. Der Workshop wurde durch Emilija Zilinskaite geleitet. Emilija Zilinskaite ist als sustainability consultant bei AFRY angestellt. In dem Workshop haben wir die Arbeit der Institutionen analysiert, für die wir arbeiten. In kleinen Gruppen haben wir uns über folgende Aspekte Gedanken gemacht:

  • Wie ist die jetzige Situation im Hinblick auf das Thema „Nachhaltigkeit“ bei uns
  • Was können wir verbessern
  • Welche Schritte müssen wir unternehmen.

Anschließend haben wir im Plenum gemeinsam diskutiert. Es hat sich herausgestellt, dass es mehrere Möglichkeiten gibt, schon heute nachhaltiger zu werden. Alle Institutionen überlegen bereits, wie sie ihr berufliches Handeln nachhaltiger gestalten können. Die Diskussion hat viele frische Ideen hervorgebracht. Der Austausch innerhalb unserer Gruppe, mit Teilnehmenden aus M-V und SH und der zusätzliche Input durch die beiden Workshops, brachten uns auf Ideen, die wir an den eigenen vhs-en umsetzen wollen.

 

Mittwoch, 10.05., Stockholm, Sverige Folkhögskolor

(Eintrag: M.B. und S.K.)

Heute haben wir uns von Uppsala verabschiedet und sind nach Stockholm gefahren, wo wir unser Programm für die kommenden drei Tage fortsetzen. Wir werden drei weitere Erwachsenenbildungseinrichtungen kennenlernen. Alle Wege dorthin sind problemlos mit der „Tunnelbana“, Metro und Bus zu erreichen, denn der ÖPNV in Stockholm ist gut ausgebaut.

Mittags sind wir mit Elin Bonnier und Nelly Bachner in den Räumen der Sverige Folkhögskolor verabredet. Sverige Folkhögskolor ist die Dachorganisation der rund 150 Folkhögskolen (Volkshochschulen) in Schweden. Elin und Nelly koordinieren das Projekt „Min Story“, an dem sieben Folkhögskolen – unter anderem die Röda Corsets Folkjhögskola, die wir morgen besuchen werden – beteiligt sind. Ziel des Projekts ist eine positive Einwirkung auf gesellschaftliche Veränderungsprozesse, in dem neue Wege erprobt werden, die Nachhaltigkeitsziele der UN (SDGs) in die Arbeits- und Lernprozesse einzubeziehen. Zielgruppe sind sowohl Kursteilnehmende als auch die Lehrkräfte.

Im Rahmen des Projekts wurde die I-We-World Methode entwickelt, die wir in einem mehrstündigen Workshop aktiv erproben. Vielen Menschen erscheinen die SDGs sehr abstrakt, die I-We-World-Methode zielt darauf, einen persönlichen Bezug zu den einzelnen Nachhaltigkeitszielen erfahrbar zu machen und dadurch Möglichkeiten aufzuzeigen, Veränderungen anzustoßen.

Die Methode umfasst drei Module.

Modul 1: Storytelling (I)

In Partnerarbeit haben wir über ein persönlich wichtiges Ereignis gesprochen, das einen positiven Einfluss auf uns selbst hatte.

Modul 2: Joint engagement – global goals (We)

Die gesammelten positiven Ereignisse wurden den SDGs zugeordnet. Dadurch wurde eine persönliche Verbindung zu den SDGs hergestellt, was diese weniger abstrakt machte.

Modul 3: change projects (World)

In diesem nächsten Schritt war es unsere Aufgabe, in Gruppenarbeit ein eigenes Veränderungsprojekt zu entwickeln. Mit viel Spaß haben wir in Kleingruppenarbeit drei vhs-Angebote erdacht:

  • Stand your woman. Ein vhs-Kurs, in dem Frauen den Umgang mit verschiedenen Werkzeugen lernen.
  • Bibliothek der Dinge. Kostenfreies Ausleihen von verschieden Dingen/Geräten an vhs.
  • vhs hillwalking club. Gesundheitsförderung und bewusstes Erleben der Natur.

Durch das aktive Durchspielen des Workshops und in der anschließenden Diskussion wurde uns sehr deutlich, wie gewinnbringend es ist, persönliche Alltags-Erfahrungen auf die Nachhaltigkeitsziele zu beziehen und dadurch eine persönliche Beziehung und Handlungsfähigkeit herzustellen.

Gruppenarbeit, Modul 2

Gruppenarbeit, Modul 3

 

Donnerstag, 11.05., Stockholm, 

(Eintrag: K.J. und A.H.)

Am Donnerstag fuhren wir mit der Tunnelbana und der Straßenbahn in den etwas abgelegenen Stockholmer Stadtteil Skärholmen. Was so romantisch nach Schärengarten klingt, ist eigentlich ein Stadtteil mit vielen Problemen, wie hoher Arbeitslosigkeit, geringeren Löhnen, vielen Menschen mit Migrationshintergrund aus ca. 150 Ländern. Für uns macht der Stadtteil eigentlich einen ganz netten Eindruck; um so schockierter waren wir, als wir erfuhren, dass hier vor Kurzem jemand auf offener Straße erschossen wurde.

Wir sind den ganzen Tag zu Gast in der Folkhögskola des Röda korset. Es ist die einzige Erwachsenenbildungseinrichtung, die das Rote Kreuz in Schweden betreibt. Mirabel Joshi, die hier als Lehrerin und als Verantwortliche für ERASMUS-Aktivitäten arbeitet, führt uns durch das Haus und bringt uns gemeinsam mit einigen Kolleginnen grundlegende Inhalte der Arbeit in dieser Einrichtung näher. Der Fokus der Einrichtung liegt auf dem Nachholen von Schulabschlüssen bzw. die Vorbereitung auf eine Ausbildung sowie auf der sozialen Lage. So werden zum Beispiel Anti-Diskriminierungskurse, Kurse zur Migration und sozialen Nachhaltigkeit angeboten. Auch das Projekt „Min story – Vår agenda“ der Sveriges folghögskolor, das wir bereits am Mittwoch kennen gelernt haben, wurde hier umgesetzt. Alle Kurse werden über mindestens ein Jahr oder länger als Vollzeitkurse (9-15 Uhr) angeboten. Wir lernten den Kurs „Sustainable Development“ kennen, der in Theorie und Praxis stattfindet. Hier werden zum Beispiel Workshops zum nachhaltigen Reisen oder klimafreundlichen Kochen zusammen mit den Teilnehmer*innen entwickelt oder Projekttage an Schule ausgerichtet.

In der gemeinsamen Mittagspause im Imbiss um die Ecke wurden wir herzlich begrüßt und nachdem bekannt wurde, woher wir kommen, hat ein deutschsprachiger Mitarbeiter zu unserer Freude die Bestellnummern auf Deutsch verlesen.

Anschließend besuchten wir eine kommunale Einrichtung namens „Återbruket“ (Wiederverwertung). Hier sind verschiedene Werkstätten, wie Näh-, Holz, und Fahrradwerkstatt eingerichtet, in denen die Bewohner*innen die Maschinen kostenfrei benutzen und sich dann selbst etwas nähen oder ihr Fahrrad reparieren können. Einige geringwertige Haushaltsgegenstände stehen hier außerdem zum Verschenken bereit. Jede*r Besucher*in darf 7 Gegenstände mitnehmen, die zu statistischen Zwecken gewogen und nach Kategorien einsortiert sind. Das ist ein guter Weg, Produkte weiter zu geben, die man selbst nicht mehr benötigt, die andere aber noch gebrauchen können. Ein kleiner Spaziergang führte uns zu einem weiteren kommunalen Projekt, dem Perennparken, einem öffentlichen Park, in dem mehrjährige Pflanzen angepflanzt wurden.

Am Nachmittag erfuhren wir außerdem, wie die Folkhögskola ihre Klimastrategie umsetzen will und wie intern Nachhaltigkeit im Blick bleibt. Hier gibt es viele Ideen wie grünes Reisen, Nachhaltigkeitswettbewerbe wie eine vegane Woche oder einen bestimmte Schrittanzahl pro Tag. Außerdem wurde uns das Klima-Budget vorgestellt, ein kleines Quizz, bei dem jeder seinen persönlichen Co2-Fußabdruck berechnen kann.

Soziale Nachhaltigkeit

Zu unserer Überraschung bekamen wir außerdem Besuch von einem Teilnehmer aus dem Nachhaltigkeitskurs, der hörte, dass wir aus Deutschland kommen. Stefano ist Italiener und hat in der Schule Deutsch gelernt, dass er gleich testen wollte. Wir hatten einen kleinen Austausch über Nachhaltigkeit in Italien, Deutschland und Schweden. Als Au-Pair war Stefano nach Schweden gekommen und findet, dass das wichtige Thema Nachhaltigkeit hier einen ganz anderen gesellschaftlichen Stellenwert hat als in seinem Heimatland. Daher hat er sich dazu entschlossen, den Kurs an der Folkhögskola zu besuchen.

Nach dem Besuch der Roda korsets folkhögskola ging es für einige ganz nachhaltig weiter in den nächsten Second Hand Shop, in dem wir auch fündig wurden. Am späten Nachmittag genossen wir bei strahlendem Sonnenschein außerdem auf dem Monteliusvägen in Södermalm den Blick auf die Stockholmer Altstadt und den Mälaren.

 

Freitag, 12.05., Stockholm, Studiefrämjandet Riksförbundet

(Eintrag: M.K. und M.E.)

Zum Bildungsverständnis in Schweden

Der Besuch an unserem letzten Erasmus + Tag beim Studiefrämjandet Riksförbundet in Stockholm war in jeder Hinsicht ein würdiger und sinnvoller Abschluss dieser Erasmus + Mobilität. Die vor Ort tätigen Manager Markus und Peter berichteten wie bereits zu Beginn der Woche in Uppsala über ihre Konzepte zu den „Studie Cirkles“. Wir wurden auch hier extrem unaufgeregt freundlich aufgenommen und mit einer Gastfreundschaft und Offenheit empfangen, die wirklich bemerkenswert war.

Uns wurde im Rahmen der Gespräche über Bildungskonzepte und -modelle immer wieder sehr deutlich, wo die Unterschiede zwischen dem schwedischen und dem deutschen Bildungssystem liegen. Zum einen hat die sogenannte 4. Säule der Bildung, die „außerschulische Erwachsenenbildung“, einen deutlich höheren Stellenwert als in Deutschland. Auch hier nicht auf Augenhöhe mit den Schulen, aber sehr viel anerkannter und etablierter. Formate, die in Schweden nach Berichten von 7% der Bevölkerung genutzt werden, wie die „Studie-Circles“, wären vermutlich in Deutschland wenig erfolgreich, weil die Anerkennung von allem nicht zertifizierten informell erworbenen Wissen und Kompetenzen keinen, oder im besten Fall einen geringen Stellenwert hat. Und genau da liegt der zweite wesentliche Unterschied in den Bildungs- und Gesellschaftssystem. Informell erworbenes Wissen geht dort in die Bildungs-Vita einer Person ein. Sicherlich nicht gleichberechtigt, aber es hat einen Stellenwert.

Stichwort Digitalisierung: Festnetztelefonie – haben wir seit 5 Jahren nicht mehr

Die Kommunikation läuft in allen von uns besuchten Instituten im Schwerpunkt über Messenger und Groupware wie Teams etc., sowie Mailings und Video Calls in den dafür versehenen Räumen.

Jede*r Mitarbeiter*in sucht sich entsprechend seiner für den Tag geplante Tätigkeiten einen passenden flexiblen Arbeitsplatz. Beispielsweise „calm“ leise Arbeitsplätze oder einen Konferenzraum ggf. mit Videotechnik – alles täglich on demand. Unter diesen Gesichtspunkten macht solch eine Büroanordnung und -Gestaltung auch Sinn.

In diesem Zusammenhang ist auch die Dokumentation sehr interessant: „Totaly Trust“ Es gibt keine Arbeitszeitenkonten oder ähnliches.

Studie Circles – an different idea of education

Mit unseren Gastgebern haben wir ein weiteres Mal über das Konzept der Study Circle diskutiert (s. Tag 1 und Tag 2) und unsere positiven Beobachtungen zusammengefasst:

Diese Art von informellen Lerngruppen basieren auf dem Prinzip der gemeinschaftlichen Bildung und dem freien Austausch von Ideen und Erfahrungen. In Study Circles kommen Menschen mit ähnlichen Interessen oder Lernzielen zusammen, um über ein bestimmtes Thema zu diskutieren, Fragen zu stellen, Materialien zu studieren und ihr Wissen zu erweitern. Study Circles können in verschiedenen Kontexten stattfinden und die Teilnehmenden entscheiden gemeinsam mit einem festgelegten Lehrplan und einem Moderator, oder informell, mit flexiblen Strukturen, was und wie sie lernen möchten. Die Vorteile von Study Circles liegen in der Zusammenarbeit, dem gegenseitigen Lernen und der Stärkung der Gemeinschaft. Durch den Austausch von unterschiedlichen Perspektiven und Erfahrungen können die Teilnehmer ihr Wissen vertiefen und neue Einsichten gewinnen. Study Circles fördern auch die Eigenverantwortung und das Engagement der Teilnehmer für ihr eigenes Lernen.

Strategi 2131

Des Weiteren haben unsere Gastgeber uns über die strategischen Entwicklungsziele der Studiefrämjandet in puncto Nachhaltigkeit informiert .

Strategi 2131 – Nachhaltigkeitsstrategie des Studiefrämjandet

Die Nachhaltigkeitsstrategie 2131 orientiert sich nicht an den Zielen für das Jahr 2131, sondern umfasst das Zeitfenster 2021-2031. Die Strategie zeigt den Weg des Studiefrämjandet in die Zukunft. Sie zeigt auf, welche Prioritäten gesetzt werden müssen, um die gewünschte Position von Studiefrämjandet im Jahr 2031 zu erreichen.

Strategische Ziele:

  1. Demokratieentwicklung/-bildung
  2. Lernen im Fokus
  3. Stärkung der Rolle des Vereins in der Gesellschaft
  4. Steht für Nachhaltigkeit / Nachhaltige Entwicklung
  5. Steht für gemeinsamen Werte und dem Grundverständnis von Menschen, Bildung und Demokratie

Bereiche:

Das Studiefrämjandet setzt sich für eine langfristig nachhaltige Gesellschaft ein. Sie verteidigen, stärken und entwickeln die Demokratie. Volksbildung und Vereinsleben sind Teil der Demokratie und tragen dazu bei, das Vertrauen in die Gesellschaft zu stärken. Sie bieten ein Ort, an dem Menschen in der Interaktion mit anderen die Kraft freisetzen, ihre eigene Lebenssituation, ihre Umgebung und die Gesellschaft insgesamt zu beeinflussen.

Studiefrämjandet setzt sich für die Gleichwertigkeit aller Menschen ein. Sie sind inklusiv und fordern das Recht eines jeden, er selbst zu sein. Vertrauen in den Menschen und der Glauben an die positive Kraft des Dialogs und der Begegnung mit anderen. In der Volksbildung lernen und reflektieren alle gemeinsam, mit viel Raum und Akzeptanz für unterschiedliche Gedanken und Meinungen.

Lebenslanges Lernen sollte ein Recht und eine Chance für jeden sein. Die Bildungsunterschiede in der Gesellschaft sollen ausgeglichen werden. Studiefrämjandet wendet die Pädagogik der Volksbildung an, die auf der aktiven Beteiligung und Einflussnahme der Menschen in Studienkreisen und Gruppen beruht. In der Volksbildung wird die Demokratie in der Praxis gelebt. Die Pädagogik wird an die Bedürfnisse und Wünsche der Teilnehmer angepasst. Es werden neue Lernformen und pädagogische Methoden auf der Grundlage der Volksbildung weiterentwickelt.

Kultur ist eine verbindende und zugleich herausfordernde Kraft in der Gesellschaft. Eine freie Kultur ist ein Wert an sich und stärkt die Demokratie. Kultur ermöglicht Teilhabe, regt Kreativität, Phantasie und Dialog an, gibt uns Ausdruck und Einsicht. Eine freie und lebendige Kultur kann gesellschaftlichen Herausforderungen wie Ungleichheit, Diskriminierung und Ausgrenzung begegnen und zur öffentlichen Gesundheit beitragen. Mehr Menschen die Möglichkeit zu geben, Kultur zu erleben und auszuüben, ist ein zentrales Anliegen der Volksbildung und des Studiefrämjandet.

Quelle: Broschüre Strategi 2131 -Studie främjandet