Wer sich gleichermaßen für Reisen und für Fortbildungen begeistert wie ich, weiß sicherlich, wie aufregend es ist, jede neue Bildungsreise vorzubereiten. Auch dieses Mal startete ich voller Begeisterung mit den Vorbereitungen meines Aufenthalts in Florenz – gleich nachdem die Unterlagen abgegeben und meine Mobilität bestätigt worden waren. Ich hatte mich dieses Mal jedoch für einen für mich sehr untypischen Kurs entschieden. Einmal vorab: In puncto künstlerische Kreativität bin ich tatsächlich untalentiert! Ich bin ein Mensch der Worte und der Musik – Malen und Zeichnen sind dafür einfach so an mir vorbeigerannt …
Aber der Gedanke, Inklusion und Ausdruck aus einer anderen Perspektive zu betrachten, Kunst mit Sozialwissenschaften sowie Themen wie Inklusion und Nachhaltigkeit zu verbinden und mich selbst dabei etwas herauszufordern, gefiel mir sehr. Also dann – tschüss, liebe Komfortzone, wir sehen uns wieder in Deutschland!
Ich habe mich entschieden, trotz der langen Strecke mit dem Auto zu fahren. Es gibt keine direkten Flüge nach Florenz von einem nahen gelegenen Flughafen, und die Bahn hatte mir in letzter Zeit das Gefühl gegeben, mich nicht so wirklich auf sie verlassen zu können – ich wollte meine Mobilität nicht dem Zufall überlassen. Im Nachhinein war das auch wirklich gut so: Ich war flexibel und konnte unterwegs viel mehr sehen und erleben.
Die Anreise war unproblematisch. Mein Weg führte durch die wunderschöne Natur Österreichs (der Halt am Fernsteinsee war ein Muss!), durch das italienische Südtirol direkt in die Toskana, und ich genoss die schönen Aussichten sehr. Da ich einen Tag früher angereist war, nutzte ich die Gelegenheit, die Stadt schon einmal kennenzulernen, unseren Treffpunkt zu finden und die Parkmöglichkeiten zu erkunden. Und selbstverständlich auch, die Köstlichkeiten Italiens zu genießen!

Tag 1, 22.06.2026
Nachdem wir uns alle in den Räumlichkeiten von Europass in der Via Sant’Egidio eingefunden hatten, ging es nach einer netten Begrüßung zu unseren eigentlichen Kursräumlichkeiten, die nur einige Meter weiter lagen. Es handelte sich dabei um ein wunderschönes Atelier auf zwei Ebenen, das alles bot, was ein Künstler (vermute ich doch!) so braucht. Den kurzen Weg dorthin nutzten wir, um uns etwas kennenzulernen. Zwei Teilnehmerinnen kamen aus Portugal, zwei aus Slowenien, fünf aus Griechenland und außer mir noch eine deutsche Teilnehmerin aus Karlsruhe. Unsere Dozentin heißt Monica Ogaz und kommt ursprünglich aus Mexiko, lebt aber schon seit vielen Jahren in Italien. Sie ist so sympathisch, dass wir uns alle sofort sehr wohl fühlten. Monica machte uns gleich klar, dass jeder von uns ein Künstler sein kann, egal wie begabt er sich selbst einschätzt – und letztendlich geht es in diesem Kurs um etwas ganz anderes. Sie ermutigte uns, intuitiv zu sein und uns keine Sorgen darüber zu machen, was wir kreieren, solange es zu uns passt.
Wir starteten direkt mit den Präsentationen über unsere Schulen und lernten die sehr unterschiedlichen Arbeitsweisen der Teilnehmenden aus verschiedenen europäischen Ländern kennen. Schnell entstanden erste Gespräche über Gemeinsamkeiten, Unterschiede und die Herausforderungen des pädagogischen Alltags.
Ein zentrales Thema war von Beginn an die Frage, wie Kommunikation gelingen kann – besonders dann, wenn Sprache allein nicht ausreicht. Gemeinsam diskutierten wir über verschiedene Kommunikationsformen und darüber, welche Rolle Kunst dabei spielen kann, Menschen miteinander zu verbinden, nachhaltige Inklusion zu schaffen und einander besser zu verstehen. Ebenso beschäftigten wir uns mit dem Unterschied zwischen Integration und Inklusion und stellten fest, dass echte Teilhabe weit mehr bedeutet, als lediglich Teil einer Gemeinschaft zu sein.
Besonders gefallen hat mir die kreative Aufgabe, einen persönlichen „Fingerprint“ zu gestalten. Die Aufgabe lautete: Fingerabdrücke sind sehr individuell und machen Menschen einzigartig. Wenn du dich selbst ohne Sprache, nur mit Farben, Figuren und Symbolen darstellen solltest, sodass man dich daran sofort erkennen kann – was würdest du malen? Wie würde dein Fingerabdruck dann aussehen? Oha … Na, dann gebt mir doch mal die Pinsel und die Stifte! Dann stand ich aber da und wusste zuerst gar nichts damit anzufangen. Und dann doch … Nein, aus mir wird immer noch kein Botticelli! Aber wer hätte gedacht, dass es so viel Spaß machen würde? Tatsächlich war ich im Nachhinein sehr zufrieden mit meinem „Fingerprint“ und auch ein bisschen stolz, dass er so gut gelungen war, dass meine Sitznachbarin Katerini aus Griechenland mich anhand dessen tatsächlich sehr gut beschreiben konnte.
Unser Fingerabdruck spiegelte auf ganz individuelle Weise Charaktereigenschaften, Interessen und Werte wider. Anschließend versuchten die anderen Teilnehmenden, die dargestellten Botschaften zu entschlüsseln. Dabei wurde deutlich, dass Bilder oft mehr erzählen können als Worte. Es entstand eine sehr schöne Diskussionsrunde über Diversität und über die Ausdrucksformen, die uns die Natur zur Verfügung gestellt hat. Um nachhaltige Inklusion zu schaffen, muss man also genau beobachten und nicht nur zuhören – ja, auch dann, wenn es stressig ist und Zeit investiert werden muss. Stichwort „Zeit“: Diese verging tatsächlich wie im Flug!
Danach gingen wir gemeinsam zu einem Markt in unmittelbarer Nähe (danke, Monica- hier gab es die besten Erdbeeren, die man sich vorstellen kann!) und sammelten dort verschiedene Begriffe – Warenbezeichnungen, Obst- und Gemüsesorten, Kleidung etc. – auf Italienisch. Wir erhielten die Aufgabe, diese später in verschiedenen Sprachen zu vergleichen. Schon hier zeigte sich, dass Lernen nicht nur am Schreibtisch stattfindet, sondern überall dort, wo Menschen beobachten und miteinander ins Gespräch kommen.
Nach einem gemeinsamen Mittagessen erkundeten wir trotz 44 Grad die Stadt Florenz. Zwischen historischen Gassen, beeindruckender Architektur und italienischen Spezialitäten lernten wir uns auch persönlich immer besser kennen. Die erste Scheu war schnell verschwunden – aus einer Gruppe fremder Menschen entwickelte sich bereits am ersten Tag eine kleine internationale Gemeinschaft. Es fiel uns irgendwie sehr leicht, miteinander zusammenzusitzen und uns zu unterhalten. Natürlich wurden gleich die ersten persönlichen Bilder und Geschichten ausgetauscht: „Schau mal, das ist meine Familie …“
Die Fahrt zurück zu meiner Unterkunft am Abend war sehr malerisch, da sie mich direkt durch die sonnengebadete toskanische Berglandschaft voller Olivenbäume und Weinreben führte. Mit dem Auto anzureisen war also tatsächlich die richtige Entscheidung!



Tag 2, 23.06.2026
Der zweite Tag begann mit der Auswertung unserer Marktbeobachtungen. Erstaunlicherweise konnten sich fast alle anhand der gesehenen Schilder und Bilder an die italienischen Wörter erinnern. Diese Erfahrung machte deutlich, wie stark visuelle Eindrücke das Lernen unterstützen können – besonders beim Erwerb einer neuen Sprache. Im normalen Alltag ist uns die Bedeutung von Bildern und Symbolen gar nicht bewusst. Wir übersehen sie teilweise, weil wir uns auf die Sprache verlassen. Doch gerade für Menschen mit geringen Sprachkenntnissen können diese eine Brücke zur Verständigung sein. Was ist wo? Wie heißt das, was ich brauche? Wie sieht es geschrieben aus? Wie finde ich es wieder? Bildung ist für uns Europäer grundsätzlich leicht zugänglich – viele sprechen bereits nach dem Schulabschluss mehr oder weniger gut mindestens eine Fremdsprache. Wie ist es aber, wenn du dich in einem anderen Land befindest, dessen Alphabet für dich eher wie Straßenkunst als wie Buchstaben aussieht? Dann muss man sich auf Symbole und Bilder verlassen, und die Einheimischen sollten wiederum verstehen, dass Kommunikation zu Beginn oft nur auf diese Weise möglich ist. Inklusion in Bildern und Farben …
Besonders spannend war anschließend eine ungewöhnliche Zeichenübung: Wir zeichneten unser Gegenüber, ohne auf das Blatt zu schauen, während wir permanent Blickkontakt hielten. Hat schon einmal jemand versucht, einem kaum bekannten Menschen zwei Minuten lang ununterbrochen in die Augen zu schauen und dabei zu schweigen? Es ist schwieriger, als man sich das vorstellen kann! Monica warnte uns, dass es teilweise unangenehm wirken könnte, wir sollten es jedoch versuchen. Wir sollten die Übung einmal mit der linken und einmal mit der rechten Hand durchführen. Dabei ging es nicht um Perfektion, sondern darum, Kontrolle loszulassen und genauer hinzusehen – also um nonverbale Kommunikation, Wahrnehmung und soziale Nähe.
Gemeinsam überlegten wir danach, wie kreative Methoden im beruflichen Alltag eingesetzt werden können. Eine Idee war beispielsweise, Prüfungsräume oder Wartebereiche mit Farben und Papier auszustatten, um Stress abzubauen und den Menschen die Möglichkeit zu geben, ihre Gedanken kreativ auszudrücken. Wir sprachen außerdem darüber, wie Kunst Menschen mit Flucht- oder Migrationserfahrung helfen kann, Gefühle auszudrücken und miteinander in Kontakt zu kommen, selbst wenn sprachliche Barrieren bestehen. Ja, Handys bieten oft Übersetzungshilfen, aber auch diese versagen oder sind teilweise ungenau. Und wer nicht von Technik und Internetempfang abhängig sein möchte und die Fähigkeit, allein zurechtzukommen, nicht verlieren will, lernt, diese immer weiterzuentwickeln.
Am Nachmittag besuchten wir die Bibliothek Oblate und anschließend eine außergewöhnliche Buchhandlung im Odeon-Cinema. Dort suchten wir gezielt nach Buchcovern, die Vielfalt, Inklusion oder gesellschaftliche Teilhabe darstellen. Es war faszinierend zu entdecken, wie viel eine einzelne Illustration über gesellschaftliche Werte erzählen kann.
Die Bibliothek ist wunderschön und ein wahrer Begegnungsort, aber das Konzept des Odeon-Cinemas fand ich genial. Ja, das ist tatsächlich ein Kino, ABER … Nach dem Boom der Streaming-Anbieter wurde den pfiffigen Italienern sehr schnell klar, dass die Kinokultur für die jüngeren Generationen schon bald an Reiz verlieren würde. Also überlegten sie sich, wie sie ihr wunderbares altes Kino in diesem beeindruckenden Gebäude weiterhin am Leben erhalten könnten. Und dann kam die Idee: Sie haben tatsächlich im Erdgeschoss des Kinos eine tolle Buchhandlung eingerichtet, die den Besuchern nicht nur eine große Auswahl an Büchern in mehreren Sprachen bietet, sondern auch die Möglichkeit, direkt vor der Leinwand zu entspannen. Dort laufen Stummfilme oder Filme mit englischen oder italienischen Untertiteln ohne Ton. Man kann sich davor hinsetzen, die angenehme Kühle genießen und sich mit einem Buch zurückziehen. Im ersten Stock gibt es sogar kleine Tische, an denen man am PC arbeiten oder etwas trinken kann. Ganz oben befindet sich dann der eigentliche Kinosaal, in dem abends nach wie vor aktuelle Filme gegen Bezahlung gezeigt werden. Der Plan scheint aufzugehen – denn sowohl die Buchhandlung als auch das Kino sind permanent gut besucht. Wenn der Buchladen schließt, öffnet das Kino, und Miete wird nur einmal gezahlt…Ein schönes Beispiel dafür, wie man zwei Branchen miteinander verbinden kann, um beide am Leben zu erhalten!
Nach einem gemeinsamen Mittagessen erkundeten wir weiter die Stadt und sicherten uns bereits die Eintrittskarten für den Besuch der Uffizien am nächsten Tag.

Tag 3, 24.06.2026
Der dritte Tag führte uns noch tiefer in die Welt der Emotionen und der Kunst. Gemeinsam betrachteten wir Bilderbücher wie Das Farbenmonster und Il Buco von Anna Llenas, die eindrucksvoll zeigen, wie Farben und Formen ohne viel Text Gefühle ausdrücken können. Es wurde schnell deutlich, dass Kunst eine universelle Sprache sein kann – unabhängig von Alter, Herkunft oder Sprachkenntnissen.
In Gruppen gestalteten wir anschließend Plakate zum Thema Inklusion. Auf unser Plakat war ich sehr stolz! Wir haben uns überlegt, die Wörter des Satzes „We are all part of the world“ zwischen verschiedenen Bildern, Symbolen und Slogans zu verstecken, damit die Menschen wirklich genau beobachten müssen, um sie letztendlich zu entdecken. Dabei haben wir das Wort „part“ so dargestellt, dass darin „ART“ ganz besonders hervorgehoben wurde – Art (Kunst, ganz egal welche seiner Formen) ist das, was uns alle verbinden kann. Dabei diskutierten wir, wie sich Zugehörigkeit, Vielfalt und gegenseitiger Respekt bildlich darstellen lassen. Unterschiedliche Ideen ergänzten sich, neue Perspektiven entstanden und aus vielen einzelnen Gedanken entwickelte sich ein gemeinsames Gesamtbild.
Später beschäftigten wir uns mit der Wirkung von Farben und Symbolen sowie mit den unterschiedlichen kulturellen Prägungen der Teilnehmenden. Der Austausch über Mentalitäten und persönliche Erfahrungen machte deutlich, wie unterschiedlich Menschen dieselbe Situation wahrnehmen können – und wie bereichernd genau diese Vielfalt ist.
Nach einem typisch toskanischen Mittagessen mit Lampredotto (ich beschreibe es lieber nicht – aber für alle, die nachschauen wollen, gleich vorab: Es war sehr lecker!) ging es zunächst zum Rosengarten und anschließend hinauf zur Piazzale Michelangelo. Von dort bot sich uns nicht nur ein beeindruckender Blick über Florenz, sondern auch zahlreiche Inspirationen für Farben, Licht und kreative Gestaltung.
Der Höhepunkt des Tages wartete jedoch am Nachmittag: der Besuch der Galerie Uffizien. Vier Stunden lang tauchten wir in die Welt großer Künstler ein und stellten fest, dass selbst diese Zeit kaum ausreicht, um alle Werke angemessen zu betrachten. Kunstgeschichte wurde plötzlich greifbar und zeigte, wie sehr sich der Blick auf den Menschen über die Jahrhunderte verändert hat. Es war zwar sehr stickig und überlaufen in den großen Räumlichkeiten und auf der Terrasse der Cafeteria sogar kochend heiß und kaum auszuhalten – aber für mich war dieser Besuch ein absolutes Highlight. Allein das Gebäude mit seinen bemalten Decken und Verzierungen ist sehr sehenswert, zumal die Fenster Blicke in die Stadt bieten, die man nirgendwo sonst bekommt. Die Sammlung der Werke der genialen Künstler Italiens jedoch ist absolut grandios!


Tag 4, 25.06.2026
Am vierten Tag standen Emotionen erneut im Mittelpunkt – diesmal aus psychologischer Sicht. Wir beschäftigten uns mit den Theorien von Sigmund Freud und deren Einfluss auf Künstler wie Pablo Picasso und Salvador Dalí. Dabei diskutierten wir, wie Träume, Erinnerungen und innere Konflikte ihren Weg in die Kunst finden und warum kreativer Ausdruck gerade für Menschen mit belastenden Erfahrungen so wichtig sein kann. Solche Menschen dazu zu motivieren, sich an einer neuen Gesellschaft zu beteiligen, ist nicht so einfach. Oft versuchen sie auch in einem anderen Land, unter ihresgleichen zu bleiben. Gefühle wie Scheu, Wut, Angst und oft auch Aussichtslosigkeit schaffen Barrieren zwischen Menschen und sorgen dafür, dass sie kein Gespür füreinander entwickeln.
Monica fragte uns ganz nebenbei, wie uns die Galerie Uffizien gefallen habe. Wir schwärmten davon, und dann erzählte sie uns, dass wir großes Glück gehabt hatten, sie bereits am Vorabend besucht zu haben. Aufgrund der extremen Hitze und der fehlenden Lüftungsmöglichkeiten schlossen die Uffizien ihre Türen für Besucher vorübergehend direkt ab diesem Tag – kein Wunder bei den 46 Grad, die wir hatten! Das war uns bis zu diesem Zeitpunkt gar nicht bewusst gewesen, dass wir quasi geradeso noch da reingekommen sind. Wie gut, dass wir so organisiert waren und uns noch rechtzeitig vor der Schließung Tickets besorgen konnten!
Anschließend gestalteten wir einen persönlichen Emotionsbaum. Die Wurzeln symbolisierten das, was uns Halt gibt, der Stamm unsere Stärken und Schwächen, die Baumkrone unsere Wünsche und Ziele und die fallenden Blätter all das, was wir loslassen möchten. Diese Übung bot Raum für Selbstreflexion und machte sichtbar, wie unterschiedlich Lebenswege sein können.
Während ich meinen Baum zeichnete, wurde mir bewusst, dass ich an allen Tagen bisher nicht nur die praktischen Übungen, sondern auch das Malen und Zeichnen selbst sehr genossen hatte. Meine „Werke“ zeugen zwar nicht gerade von einem Hauch künstlerischer Begabung, aber darum ging es auch gar nicht. Ich muss gestehen, dass ich mich dabei einfach sehr gut gefühlt habe. Monica ließ jedes Mal Musik laufen, wenn wir kreativ werden mussten. Die Kombination aus Farben und Musik hat mich so unglaublich entspannt, dass ich die Pinsel gar nicht mehr aus der Hand legen mochte, wenn die Übung zu Ende ging. Für eine Person wie mich, die für Picasso nicht besonders viel übrig hat (und deren Kreationen noch „abstrakter“ geworden sind als seine), war das tatsächlich eine überraschende Selbstentdeckung. In meinem Fall war der Weg zum Ergebnis das, was mir etwas brachte. Das Ergebnis selbst war mir gar nicht mehr so wichtig – sondern das Gefühl, dass ich, während ich die Farben vor mir sah und damit arbeitete, meine Gedanken sortieren und über vieles intensiver nachdenken konnte.
Danach verließen wir erneut den Seminarraum und suchten in der Stadt nach Statuen, die uns zu eigenen Figuren inspirieren sollten. Aus den Skulpturen entstanden fantasievolle Charaktere mit individuellen Eigenschaften, Gefühlen und Lebensgeschichten. In kleinen Gruppen entwickelten wir daraus gemeinsame Geschichten und stellten fest, wie spannend es sein kann, unterschiedliche Persönlichkeiten miteinander agieren zu lassen. Zum Abschluss gestalteten wir passende Masken als Vorbereitung für ein Rollenspiel am nächsten Tag.
Nach Unterrichtsende ließen wir den Tag auf dem Mercato Centrale ausklingen. Bei gutem Essen tauschten wir uns über Erasmus-Erfahrungen, Job-Shadowing-Projekte und die Herausforderungen unseres Berufsalltags aus. Erstaunlicherweise wurde schnell klar, dass viele Probleme unabhängig vom jeweiligen Land nahezu identisch sind – eine Erkenntnis, die ebenso beruhigend wie verbindend war.


Tag 5, 26.06.2026
Der letzte Kurstag begann mit der Fertigstellung unserer Masken und mündete direkt in die Aufführung der gemeinsam entwickelten Theatergeschichte. Darin spielten wir Menschen in einer Notsituation, die unterschiedliche Sprachen sprachen und dennoch versuchten, miteinander zu kommunizieren. Was haben wir gelacht! Wie kann es sein, dass elf Personen, die sich kaum kennen, so wortlos miteinander eine schlüssige Pantomime spielen können – und das dabei so lustig und gleichzeitig so authentisch wirkt? Diese Übung wurde für viele von uns zum emotionalen Höhepunkt der gesamten Woche. Und: Die Gruppe, die performte, verstand sich untereinander, und diejenigen, die zuschauen mussten, verstanden ebenfalls alles. Also, wo fangen nachhaltige Integration und Inklusion eigentlich an? Richtig – beim genauen Beobachten und bei der ersten bildlichen Wahrnehmung!
Anschließend vertieften wir das Thema Kommunikation in einer Präsentation über zwischenmenschliche Beziehungen und besuchten danach die Kunstakademie von Florenz. Dort erhielten wir spannende Einblicke in die Ausbildung angehender Künstlerinnen und Künstler und diskutierten über die Bedeutung von Kunst für die persönliche Entwicklung.
Zum Abschluss wartete noch eine ganz besondere kreative Aufgabe auf uns. Mit geschlossenen Augen zeichneten wir zu wechselnder Musik spontane Linien auf ein Blatt Papier. Daraus entstanden später individuelle Bilder. Anschließend wurden die Werke immer wieder an die nächste Person weitergegeben, die sie ergänzte oder veränderte. Als wir unsere Bilder schließlich zurückerhielten, hatten sie sich vollständig verändert – und dennoch waren sie immer noch unsere eigenen.
Diese Übung wurde zu einer wunderbaren Metapher für das Leben: Wir beginnen unseren Weg, ausgestattet mit Eigenschaften, die wir nicht bewusst mitgebracht haben, mit eigenen Vorstellungen und Zielen. Doch Begegnungen mit anderen Menschen verändern unsere Richtung, bereichern uns, stellen uns vor Herausforderungen und hinterlassen Spuren. Genau darin liegt die Stärke von Gemeinschaft und Inklusion.
Nach dieser Reflexion erhielten wir unsere Teilnahmezertifikate. Doch der eigentliche Abschluss wartete noch: Gemeinsam machten wir eine Tour durch das Chianti-Gebiet mit Wein- und Käseverkostung. Zwischen Weinbergen, gutem Essen und vielen Gesprächen wurde mir klar, dass ich locker noch mindestens eine weitere Woche in Florenz hätte verbringen können – mit genau diesen mittlerweile nicht mehr ganz so unbekannten Menschen.
Und dass mir das intuitive Malen fehlen wird. Für das ich nach wie vor überhaupt kein Talent habe.

Und dennoch – kaum zu Hause angekommen, habe ich mir tatsächlich Farben bestellt, einfach weil ich damit eine neue Methode gefunden habe, dem Stress entgegenzuwirken und dabei tiefgründiger nachdenken und planen zu können – auch wenn meine Werke niemals in den Uffizien hängen werden!
Für mich persönlich steht fest, dass ich bereits beim nächsten Dozententreffen mit meinen Deutschdozentinnen und -dozenten über einige der kreativen Übungen sprechen werde. Ich finde sie tatsächlich ebenso einfach wie verbindend. Sie fördern Inklusion, bieten die Möglichkeit, sich kreativ auszudrücken, und ermöglichen es gleichzeitig, auf eine ungezwungene Weise Deutsch zu üben.
Die Handys im Kursraum zu lassen, anschließend gemeinsam loszuziehen und Begriffe selbst zu sammeln und zu lernen, erscheint mir als eine wunderbare Methode. Sie stärkt das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten und regt gleichzeitig zum Austausch untereinander an. Auch die Idee, die Stressbewältigung vor oder während der Prüfungen mit Buntstiften zu unterstützen, finde ich spannend – warum eigentlich nicht?
Und weil wir Volkshochschule sind – und damit kreativ, bunt, innovativ und auf positive Weise anders –, könnten wir vielleicht eines Tages sogar die Deutschkursräume mit den entstandenen Werken gestalten und verschönern. Das hätte gleich einen doppelten Effekt: Die Kunstwerke würden die Räume lebendiger machen und gleichzeitig als Gesprächsanlass dienen. Eine schöne kleine Übung für neue Teilnehmende könnte beispielsweise sein: „Wisst ihr, wem die Werke an der Wand gehören und wie sie entstanden sind? Schätzt doch einmal!“ So kämen sie ganz nebenbei ins Sprechen und könnten ihre Deutschkenntnisse in einer entspannten Atmosphäre anwenden.
Ich bin schon sehr gespannt darauf, wie unsere pädagogischen Fachkräfte den Austausch über meine Erfahrungen aufnehmen werden. Vielleicht lässt sich die eine oder der andere sogar für diesen inspirierenden Kurs begeistern und ihn selbst besuchen – darüber würde ich mich sehr freuen.




























































































