Advanced Methods and Practices for Foreign Language Teachers in Dublin

Anreise nach Dublin

Am Samstag, den 15.08.2026, begann unsere Reise nach Dublin. Nach der Ankunft machten wir uns auf den Weg zu unserer Unterkunft und konnten dort ohne Probleme einchecken. Nach der Anreise war es schön, zunächst etwas zur Ruhe zu kommen und sich auf die kommenden Tage einzustellen.

Ich war gespannt darauf, welche neuen Anregungen ich aus dem Seminar für meine Arbeit im Bereich der Alphabetisierung mitnehmen würde. Gleichzeitig freute ich mich darauf, Lehrkräfte aus verschiedenen europäischen Ländern kennenzulernen und mich mit ihnen über ihre Erfahrungen, Unterrichtsmethoden und unterschiedlichen Arbeitsbereiche auszutauschen.

Am Sonntag hatten wir noch einen freien Tag, bevor das Seminar begann. Deshalb nutzten wir die Gelegenheit, Dublin in Ruhe zu erkunden und uns einen ersten Überblick über die Stadt zu verschaffen.

Bei unserem Rundgang konnten wir verschiedene Seiten Dublins kennenlernen. Besonders interessant fand ich die Mischung aus historischen Gebäuden, belebten Straßen und modernen Bereichen. Überall begegneten uns Hinweise auf die Geschichte und Kultur Irlands, gleichzeitig wirkte die Stadt offen und international.

Der Sonntag war für mich ein angenehmer Einstieg in unseren Aufenthalt. Wir konnten erste Eindrücke sammeln, uns orientieren und uns anschließend auf den ersten Seminartag am Montag vorbereiten.

Montag, 17.08.2026 – Erster Seminartag

Am Montag startete unser Seminar in der Teacher Academy. Unsere Gruppe bestand aus 13 Teilnehmenden aus mehreren europäischen Ländern. Schon zu Beginn fiel mir auf, wie unterschiedlich die beruflichen Erfahrungen innerhalb der Gruppe waren. Manche arbeiteten im Fremdsprachenunterricht, andere unterrichteten Fächer wie Mathematik oder Geschichte. Einige Lehrkräfte hatten außerdem Erfahrung im Unterricht mit Kindern und Jugendlichen mit besonderen Unterstützungsbedarfen.

Der Vormittag begann mit mehreren Kennenlernaktivitäten. Zunächst tauschten wir uns in kleinen Gesprächen über unsere beruflichen Hintergründe aus. Dadurch entstand schnell eine offene und angenehme Atmosphäre. Für mich war es interessant zu erfahren, wie unterschiedlich Unterricht in anderen Ländern organisiert wird und welche Methoden die anderen Teilnehmenden in ihrer täglichen Arbeit einsetzen.

Eine weitere Aufgabe bestand darin, mit möglichst vielen Personen aus der Gruppe ins Gespräch zu kommen. Dafür erhielten wir ein Arbeitsblatt mit verschiedenen Fragen. Wir sollten die Fragen gegenseitig stellen und die Antworten der jeweiligen Person notieren. Durch diese Übung kamen wir mit vielen Teilnehmenden in Kontakt und erfuhren gleichzeitig mehr über ihre Interessen und Erfahrungen.

Für meine Arbeit in der Alphabetisierung fand ich diese Form des Kennenlernens besonders interessant. Eine solche Aktivität könnte mit einfachen Fragen, Bildern oder einzelnen Begriffen auch für Lernende mit noch geringen Lese- und Schreibkenntnissen vorbereitet werden. So könnten die Teilnehmenden gleichzeitig neue Wörter kennenlernen und einfache mündliche Kommunikation üben.

Im weiteren Verlauf des Tages sollten wir ein persönliches und ein berufliches Ziel für die Zeit in Dublin aufschreiben. Anschließend wurden einige dieser Erwartungen gemeinsam besprochen. Für mich stand vor allem im Vordergrund, neue Ideen und Methoden kennenzulernen, die ich später in meinen Alphabetisierungskursen einsetzen kann.

Am Ende des Unterrichtstages fand ein gemeinsames Treffen mit Teilnehmenden aus verschiedenen Kursen der Teacher Academy statt. Alle konnten eine kleine Spezialität aus ihrem Heimatland mitbringen. Herr Rashidi und ich hatten Haribo aus Deutschland dabei. Durch diese lockere Veranstaltung ergaben sich viele weitere Gespräche mit Menschen aus verschiedenen Ländern.

Nach dem Seminar nutzten wir die Zeit, um Dublin weiter zu entdecken. Dabei besuchten wir unter anderem die Christ Church Cathedral und die St Patrick’s Cathedral. Besonders gefallen haben mir die historischen Gebäude und die besondere Atmosphäre rund um diese Sehenswürdigkeiten. Der erste Seminartag verband für mich damit neue fachliche Eindrücke, internationale Begegnungen und erste kulturelle Erfahrungen in Dublin.

Dienstag, 18.08.2026 – CLIL, Sprache und Lernstrategien

Der zweite Seminartag begann mit einer kleineren Gruppe von neun Personen. Dadurch konnten wir viele Aufgaben in überschaubaren Teams bearbeiten und intensiver miteinander ins Gespräch kommen.

Zu Beginn zeigte uns die Dozentin ein Video, das anschließend gemeinsam ausgewertet wurde. Danach folgte eine Kennenlernaufgabe mit dem Titel „Find five things you have in common“. Die Aufgabe bestand darin, Gemeinsamkeiten innerhalb der Gruppe zu entdecken, die nicht sofort offensichtlich waren. In meiner Gruppe stellten wir unter anderem fest, dass wir alle Frauen sind, Sprachen unterrichten und zu Fuß zur Teacher Academy kommen.

Mir gefiel an dieser Übung besonders, dass sie Kommunikation auf eine unkomplizierte Weise fördert. Für Alphabetisierungskurse könnte ich mir eine vereinfachte Variante gut vorstellen. Denkbar wären beispielsweise Bildkarten, Symbole oder sehr kurze Fragen. So könnten auch Teilnehmende mit geringen Schriftsprachkenntnissen miteinander sprechen und gleichzeitig neue Wörter anwenden.

Im weiteren Verlauf beschäftigten wir uns ausführlich mit CLIL, also Content and Language Integrated Learning. Dabei geht es darum, Sprache nicht isoliert zu unterrichten, sondern sie mit einem konkreten Sachthema zu verbinden.

Die Dozentin erläuterte fünf zentrale Bereiche von CLIL: Content, Cognition, Communication, Culture und Competence.

Unter Content versteht man die fachlichen Inhalte, die im Unterricht vermittelt werden.

Cognition bezieht sich auf die Denkprozesse der Lernenden, zum Beispiel Vergleichen, Ordnen oder Schlussfolgern.

Communication beschreibt die sprachlichen Mittel, die benötigt werden, um über ein Thema zu sprechen und Aufgaben zu bearbeiten.

Culture berücksichtigt unterschiedliche kulturelle Hintergründe, Erfahrungen und Sichtweisen.

Competence bedeutet, dass Lernende das neu erworbene Wissen und die Sprache zunehmend selbstständig anwenden können.

Für meinen Alphabetisierungsunterricht war besonders interessant, dass diese Bereiche auch auf sehr einfache Lernstufen übertragen werden können. Ein Alltagsthema kann beispielsweise genutzt werden, um gleichzeitig Buchstaben, Wörter, Bilder und kurze Sätze miteinander zu verbinden.

In einer praktischen Gruppenaufgabe sollten wir anschließend eine Unterrichtseinheit zum Thema „The Solar System“ entwerfen. Dabei mussten wir überlegen, welche Sachinformationen wichtig sind, welche Denkprozesse benötigt werden und welche sprachlichen Mittel die Lernenden brauchen.

Später ging es um verschiedene Thinking Skills. Dazu gehörten unter anderem Vergleichen, Kategorisieren, Ordnen, Vorhersagen und Begründen. Diese Fähigkeiten lassen sich ebenfalls in unterschiedlichen Schwierigkeitsstufen trainieren.

Ein weiterer Schwerpunkt war der Unterschied zwischen Alltagssprache und akademischer Sprache. Dabei wurde deutlich, wie wichtig es ist, die Sprache der Lehrkraft an das jeweilige Lernniveau anzupassen.

Gerade in Alphabetisierungskursen ist dies für mich von großer Bedeutung. Wenn Arbeitsaufträge oder neue Begriffe zu kompliziert formuliert sind, können Lernende schnell den Zugang zur eigentlichen Aufgabe verlieren. Deshalb möchte ich neue Wörter möglichst verständlich einführen und schwierigere Begriffe erst nach und nach ergänzen.

Danach beschäftigten wir uns mit der Bloom’s Taxonomy. Die sechs Bereiche Remembering, Understanding, Applying, Analysing, Evaluating und Creating zeigen, dass Lernen in unterschiedlichen Stufen erfolgen kann.

Auch hier konnte ich einen Bezug zu meiner Arbeit herstellen. In einem Alphabetisierungskurs kann der Lernprozess beispielsweise mit dem Wiedererkennen eines Buchstabens beginnen. Danach können Laute zugeordnet, Wörter gelesen, einfache Bedeutungen verstanden und später kurze eigene Sätze formuliert werden.

Zum Ende des Seminartages beschäftigten wir uns noch mit Möglichkeiten der Wortschatzarbeit und mit verschiedenen aktiven Lernformen. Besonders wichtig war dabei die Idee, dass Lernende möglichst selbst handeln, ausprobieren und miteinander kommunizieren sollen.

Nach dem Seminar nutzten wir den Nachmittag für weitere kulturelle Eindrücke. Wir besuchten das National Museum of Ireland, die National Gallery of Ireland und die National Library of Ireland.

Ein besonderer Höhepunkt war für mich der Besuch des Trinity College. Vor allem die historische Bibliothek, der Long Room und das Book of Kells hinterließen einen bleibenden Eindruck. Die besondere Atmosphäre dieses Ortes und die Verbindung von Geschichte, Kultur und Bildung machten den Besuch für mich sehr interessant.

Mittwoch, 19.08.2026 – Bloom’s Taxonomy und Cognitive Discourse Functions

Am Mittwoch lag der Schwerpunkt zunächst auf unterschiedlichen Formen von Aufgabenstellungen. Anhand der Bloom’s Taxonomy beschäftigten wir uns damit, welche Verben in Arbeitsaufträgen verwendet werden und welche Art von Leistung dadurch von den Lernenden erwartet wird.

Dabei wurde deutlich, dass Begriffe wie „beschreiben“, „erklären“, „vergleichen“ oder „bewerten“ ganz unterschiedliche Anforderungen stellen. Einige Teilnehmende berichteten aus ihrer Arbeit mit Kindern und Jugendlichen mit besonderen Lernbedürfnissen und machten darauf aufmerksam, dass solche Begriffe nicht für alle Lernenden selbstverständlich verständlich sind.

Für meine Arbeit in der Alphabetisierung war dieser Austausch besonders hilfreich. Gerade bei Teilnehmenden mit geringen Lese- und Schreibkenntnissen ist es wichtig, Aufgaben möglichst klar, einfach und eindeutig zu formulieren. Eine fachlich passende Aufgabe kann schnell zu schwierig werden, wenn bereits die Arbeitsanweisung nicht verstanden wird. Deshalb möchte ich künftig noch stärker darauf achten, kurze Sätze, bekannte Wörter und bei Bedarf auch Bilder oder Beispiele zur Unterstützung einzusetzen.

Im weiteren Verlauf des Tages lernten wir die Cognitive Discourse Functions, kurz CDFs, kennen. Diese beschreiben verschiedene sprachliche und gedankliche Handlungen, die Lernende im Unterricht benötigen.

Dazu gehören:

Describe – etwas beschreiben

Define – einen Begriff bestimmen oder erklären

Classify – Informationen ordnen und Gruppen zuweisen

Explore – ein Thema untersuchen und Informationen sammeln

Explain – etwas verständlich erklären

Evaluate – eine Einschätzung oder Beurteilung vornehmen

Report – Informationen weitergeben

Die einzelnen Funktionen bauen teilweise aufeinander auf. Describe, Define und Classify helfen zunächst dabei, neue Inhalte wahrzunehmen und zu ordnen. Explore und Explain unterstützen ein tieferes Verständnis. Evaluate und Report verlangen anschließend eine stärkere eigenständige Nutzung des erworbenen Wissens.

Für die Alphabetisierung können diese Schritte deutlich vereinfacht eingesetzt werden. Eine Aufgabe könnte beispielsweise damit beginnen, dass die Lernenden ein Bild betrachten und einzelne Gegenstände benennen. Danach könnten passende Wörter zugeordnet, einfache Unterschiede erkannt oder kurze Aussagen formuliert werden. Mit zunehmender Sicherheit beim Lesen und Schreiben können die Aufgaben nach und nach erweitert werden.

Nach dem Unterricht besuchten wir Kilmainham Gaol. Unsere Dozentin hatte uns zuvor den hilfreichen Tipp gegeben, am Morgen nach kurzfristig verfügbaren Eintrittskarten zu suchen. Dadurch konnten wir tatsächlich noch Tickets für den Besuch erhalten.

Der Rundgang durch das ehemalige Gefängnis war für mich sehr beeindruckend. Wir erfuhren dort viel über die irische Geschichte und insbesondere über den Kampf um die Unabhängigkeit Irlands. Die alten Zellen, die verschiedenen Bereiche des Gefängnisses und die Geschichten der dort inhaftierten Menschen vermittelten einen sehr persönlichen Eindruck von den damaligen Ereignissen.

Der Besuch war für mich eine interessante Ergänzung zum Seminar, weil wir dadurch nicht nur fachliche Inhalte kennengelernt, sondern auch einen weiteren wichtigen Teil der Geschichte und Kultur Irlands erlebt haben.

Donnerstag, 20.08.2026 – Digitale Unterrichtsmethoden und künstliche Intelligenz

Am Donnerstag stand der Seminartag ganz im Zeichen digitaler Unterrichtsmöglichkeiten und künstlicher Intelligenz. Für mich war dieser Tag besonders spannend, weil viele der vorgestellten Anwendungen direkt auf unterschiedliche Lernvoraussetzungen angepasst werden können.

Zu Beginn lernten wir ClassroomScreen kennen. Die Anwendung bietet verschiedene Funktionen, mit denen Unterricht übersichtlich organisiert werden kann. Dazu gehören beispielsweise Timer, Gruppeneinteilungen, Symbole, Arbeitsaufträge und weitere visuelle Hilfen.

Gerade im Alphabetisierungsunterricht können solche visuellen Elemente eine gute Unterstützung sein. Wenn Lernende noch Schwierigkeiten beim Lesen längerer Arbeitsanweisungen haben, können Bilder, Symbole und kurze Hinweise dabei helfen, Aufgaben schneller zu verstehen und selbstständiger zu bearbeiten.

Anschließend wurde Classroom Zen vorgestellt. Auch dieses digitale Werkzeug bietet verschiedene Möglichkeiten für den Unterricht, unter anderem für Wortschatzarbeit, Rechtschreibung und Schreibübungen. Solche Anwendungen könnten ergänzend eingesetzt werden, um Wörter häufiger zu wiederholen und Lerninhalte abwechslungsreicher zu gestalten.

Besonders interessant fand ich Diffit AI. Mit diesem Programm können Unterrichtsmaterialien erstellt und an unterschiedliche Lernstände angepasst werden. Gemeinsam mit Herrn Rashidi richtete ich einen Testzugang ein und wir probierten verschiedene Funktionen aus.

Für meine Alphabetisierungskurse sehe ich hier einen großen Vorteil. Ein Thema kann beispielsweise zunächst nur mit Bildern und einzelnen Buchstaben eingeführt werden. Danach können Laute, Silben und kurze Wörter hinzukommen. Auf einem höheren Lernstand lassen sich daraus einfache Sätze und kleine Texte entwickeln.

Auch die Verbindung mit Alltagsthemen gefällt mir sehr. Inhalte wie Einkaufen, Familie, Wohnen, Arztbesuch, Arbeit oder Behördengänge spielen im Leben vieler Teilnehmender eine wichtige Rolle. Solche Themen können gleichzeitig für Wortschatzarbeit sowie für Lese- und Schreibübungen genutzt werden.

Nach einer Pause beschäftigten wir uns mit verschiedenen Formen der Aussprache im Englischen. Dabei wurde deutlich, dass Sprache je nach Region und Herkunft unterschiedlich klingen kann. Für mich war dieser Austausch interessant, weil auch im Deutschunterricht unterschiedliche Aussprachen und individuelle sprachliche Hintergründe eine Rolle spielen.

Im nächsten Teil des Seminars lernten wir, mit Google AI Studio eigene Hörmaterialien zu erstellen. Herr Rashidi und ich entwickelten gemeinsam einen kurzen Dialog zwischen einem Arzt und einer Migrantin aus der Ukraine. Dieser Dialog wurde anschließend mit zwei unterschiedlichen Stimmen als Audiodatei umgesetzt.

Für meinen Unterricht bietet diese Möglichkeit viele interessante Ansätze. Eine Hörübung könnte beispielsweise mit einzelnen Lauten oder Wörtern beginnen. Die Lernenden könnten das passende Bild auswählen oder den gehörten Laut einem Buchstaben zuordnen.

Später könnten kurze Sätze und einfache Dialoge eingesetzt werden. Dadurch lassen sich Hören, Sprechen, Lesen und Schreiben miteinander verbinden. Auch weitere Übungen wie Zuordnungen, Lückentexte oder einfache Verständnisfragen können passend zum Hörtext erstellt werden.

Im weiteren Verlauf stellte uns die Dozentin außerdem NotebookLM vor. Dort können eigene Dokumente und Materialien genutzt und mit Hilfe künstlicher Intelligenz weiterbearbeitet oder zusammengefasst werden.

Der Donnerstag zeigte mir besonders deutlich, wie digitale Werkzeuge dazu beitragen können, Materialien individueller und flexibler zu gestalten. Für Alphabetisierungskurse ist dies hilfreich, weil innerhalb einer Gruppe oft sehr unterschiedliche Lernstände vorhanden sind.

Nach dem Seminar gingen wir erneut durch Dublin und besuchten unter anderem Temple Bar. Dort herrschte eine ganz andere Stimmung als während des Unterrichts. Die vielen Menschen, die Musik und die zahlreichen Restaurants und Pubs sorgten für eine lebendige Atmosphäre.

Freitag, 21.08.2026 – Letzter Seminartag

Am Freitag stand bereits der letzte gemeinsame Seminartag auf dem Programm. Zu Beginn beschäftigten wir uns mit dem Thema Migration. In der Gruppe sammelten wir unterschiedliche Gründe dafür, warum Menschen ihr Herkunftsland verlassen. Genannt wurden unter anderem wirtschaftliche Schwierigkeiten, politische Probleme, bessere berufliche Chancen, Bildung, Familienzusammenführung und klimatische Veränderungen.

Anschließend arbeiteten wir mit historischen Bildern und kurzen Texten. Dabei sollten wir überlegen, welche Migrationsgeschichten hinter den dargestellten Personen stehen könnten und welche Ursachen eine Auswanderung möglicherweise hatte.

Eine der umfangreicheren Aufgaben wurde in mehreren Arbeitsphasen durchgeführt. Jede Gruppe erhielt einen Text, der in der Mitte eines großen A3-Blattes befestigt wurde. In der ersten Runde sollten unbekannte oder schwierige Wörter markiert und erklärt werden.

Danach wurde das Blatt an eine andere Gruppe weitergegeben. Diese sollte eine geeignete Überschrift für den Text finden. Zusätzlich wurde auch eine künstliche Intelligenz nach einem möglichen Titel gefragt. In der nächsten Runde bestand die Aufgabe darin, den Inhalt des Textes mit nur wenigen Wörtern zusammenzufassen.

Anschließend wurden Fragen zum Text formuliert, die später von einer anderen Gruppe beantwortet werden mussten. Zum Schluss wurde der Inhalt noch durch eine Zeichnung dargestellt.

Mir gefiel an dieser Methode besonders, dass ein Text nicht nur gelesen, sondern auf sehr unterschiedliche Weise bearbeitet wurde. Für meinen Alphabetisierungsunterricht lässt sich diese Übung deutlich vereinfachen. Anstelle eines längeren Textes könnte beispielsweise ein Bild, ein einzelnes Wort oder ein sehr kurzer Satz verwendet werden. Die Lernenden könnten Buchstaben erkennen, Wörter einem Bild zuordnen oder gemeinsam einfache Begriffe sammeln.

Nach einer kurzen Pause folgte eine weitere Gruppenaktivität. Wir erhielten jeweils verschiedene Teile unvollständiger Bilder. Die fehlenden Teile waren bei anderen Personen im Raum verteilt. Deshalb mussten wir miteinander sprechen, Fragen stellen und nach den passenden Teilen suchen.

Diese Aufgabe fand ich für meine eigene Arbeit besonders interessant. Im Alphabetisierungsunterricht könnten anstelle von Bildteilen beispielsweise einzelne Buchstaben oder Silben verteilt werden. Die Teilnehmenden müssten dann den passenden Buchstaben beziehungsweise die passende Silbe finden und könnten daraus gemeinsam Wörter zusammensetzen. Dadurch werden Bewegung, Kommunikation und das Lernen von Schrift miteinander verbunden.

Zum Ende des Seminartages erhielten wir noch Informationen über Hurling, eine traditionelle irische Sportart. Die Dozentinnen zeigten uns dazu Videos und erklärten einige Grundlagen.

Danach machten wir gemeinsam ein Gruppenfoto. Anschließend wurden die Teilnahmezertifikate feierlich überreicht. Damit endete unsere Seminarwoche in der Teacher Academy.

Nach dem Unterricht fuhren wir nach Howth. Dort konnten wir die Umgebung von Dublin noch einmal von einer ganz anderen Seite kennenlernen. Besonders schön fand ich die Atmosphäre rund um den Hafen und die Küste. Das Meer, die Boote und die ruhigere Umgebung bildeten einen angenehmen Gegensatz zum lebhaften Zentrum Dublins.

Nach den vielen neuen Eindrücken der Seminarwoche war der Aufenthalt in Howth eine schöne Möglichkeit, den letzten Kurstag entspannt ausklingen zu lassen.

Samstag, 22.08.2026 – Ausflug nach Nordirland

Am Samstag stand kein Unterricht mehr auf dem Programm. Deshalb nutzten wir den Tag für einen Ausflug zur Game of Thrones Studio Tour in Nordirland. Die Fahrt von Dublin dauerte ungefähr eineinhalb Stunden.

Während des Besuchs konnten wir zahlreiche originale Kulissen, Kostüme und Requisiten aus der Serie sehen. Besonders interessant war für mich, wie viele einzelne Arbeitsschritte notwendig sind, um eine solche Produktion entstehen zu lassen.

Neben den bekannten Kulissen konnten wir auch sehen, welchen Anteil Kostümdesign, Masken, Bühnenbau und technische Effekte an der Entstehung der einzelnen Szenen haben. Dadurch bekam man einen ganz anderen Eindruck von der Arbeit, die hinter einer großen Film- und Fernsehproduktion steckt.

Der Ausflug war abwechslungsreich und bildete einen schönen Abschluss unseres Aufenthalts.

Sonntag, 23.08.2026 – Rückreise

Am Sonntag war schließlich unsere Rückreise geplant. Nach dem Aufenthalt in Dublin machten wir uns auf den Weg zum Flughafen und flogen zurück nach Hamburg. Von dort aus fuhren wir anschließend weiter nach Tornesch.

Nach dieser intensiven Woche kehrten wir mit vielen neuen Eindrücken, fachlichen Anregungen und persönlichen Erinnerungen nach Hause zurück.

Kurze Zusammenfassung

Die Weiterbildung in Dublin war für mich eine sehr interessante und hilfreiche Erfahrung. Besonders wertvoll fand ich, dass viele Unterrichtsmethoden nicht nur vorgestellt, sondern von uns selbst ausprobiert wurden.

Für meine Tätigkeit im Bereich der Alphabetisierung konnte ich zahlreiche neue Ideen sammeln. Besonders wichtig war für mich die Frage, wie Lernmaterialien an unterschiedliche Lernstände angepasst werden können. Nicht alle Teilnehmenden verfügen über die gleichen Kenntnisse beim Lesen und Schreiben. Deshalb müssen Aufgaben so gestaltet werden, dass sie weder überfordern noch unterfordern.

Viele der kennengelernten Methoden lassen sich für meinen Unterricht vereinfachen. Buchstaben, Laute, Silben, Bilder und kurze Wörter können beispielsweise miteinander verbunden werden. Schritt für Schritt können daraus einfache Sätze und kleine Texte entstehen.

Auch die digitalen und KI-gestützten Anwendungen waren für mich sehr interessant. Sie bieten die Möglichkeit, Materialien individueller vorzubereiten und verschiedene Übungen zum Hören, Lesen, Schreiben und zum Wortschatz zu erstellen.

Ein weiterer wichtiger Punkt war für mich die verständliche Formulierung von Aufgaben. Gerade im Alphabetisierungsunterricht müssen Arbeitsanweisungen möglichst klar und übersichtlich sein. Bilder, Symbole und Beispiele können dabei zusätzlich unterstützen.

Sehr bereichernd war außerdem der Austausch mit Lehrkräften aus verschiedenen europäischen Ländern. Die unterschiedlichen Erfahrungen und Arbeitsbereiche führten während der Seminarwoche zu vielen interessanten Gesprächen.

Neben der fachlichen Weiterbildung hatten wir auch die Möglichkeit, Dublin und seine Umgebung kennenzulernen. Die Besuche kultureller und historischer Orte sowie die verschiedenen Ausflüge machten die Mobilität für mich auch persönlich zu einer besonderen Erfahrung.

Insgesamt nehme ich aus dieser Woche viele neue Ideen mit, die ich in Zukunft in meinen Alphabetisierungskursen ausprobieren und entsprechend den Bedürfnissen meiner Teilnehmerinnen und Teilnehmer weiterentwickeln möchte.


Advanced Methods and Practices for Foreign Language Teachers in Dublin

Eman Rashidi

17.08 – 21.08.2026 in Dublin

Anreise nach Dublin:

Am Samstag, den 15.08.2026, sind wir in Dublin angekommen. Nach unserer Ankunft machten wir uns auf den Weg zu unserem Hotel und checkten dort ein. Die Vorfreude auf die bevorstehende Seminarwoche war groß, da uns nicht nur neue fachliche Inhalte, sondern auch der Austausch mit Lehrkräften aus verschiedenen europäischen Ländern erwartete.

Den Sonntag nutzten wir, um uns zunächst ein wenig mit Dublin vertraut zu machen und erste Eindrücke von der Stadt und der näheren Umgebung zu sammeln. So konnten wir uns in Ruhe orientieren und uns gleichzeitig auf den Beginn des Seminars am nächsten Tag vorbereiten. Bereits die ersten Eindrücke von Dublin machten uns neugierig auf die kommende Woche und auf die vielen neuen Erfahrungen, die uns während unseres Aufenthalts erwarten würden.

Montag, den 17.08.2026:

Am Montag, den 17.08.2026, begann unser erster Seminartag in Dublin. Insgesamt nahmen 13 Personen aus verschiedenen europäischen Ländern an dem Kurs teil. Die Gruppe war sehr international zusammengesetzt. Unter anderem kamen die Teilnehmenden aus Deutschland, Lettland, Tschechien, Kroatien, Polen, Belgien, Spanien, Italien und Frankreich. Begleitet wurde der Kurs von zwei Dozentinnen. Unsere Dozentin hieß Emma O’Hare und arbeitet seit mehreren Jahren für Europass.


Zu Beginn des Seminartages standen zunächst das gegenseitige Kennenlernen und organisatorische Angelegenheiten im Mittelpunkt. Wir stellten uns zunächst jeweils einer Person neben uns vor und kamen dadurch schnell miteinander ins Gespräch. Auf diese Weise erfuhr ich bereits einiges über die beruflichen Hintergründe der anderen Teilnehmenden.

Die Gruppe bestand aus Lehrkräften mit unterschiedlichen Tätigkeitsfeldern. Einige unterrichten Fremdsprachen, andere Fächer wie Geschichte oder Mathematik. Mehrere Teilnehmende arbeiten außerdem mit Schülerinnen und Schülern mit besonderen Bedürfnissen. Eine Teilnehmerin aus Polen unterrichtet beispielsweise an einer Universität und bereitet Studierende auf medizinisches Englisch vor. Frau Qaser arbeitet im Bereich Deutsch und Alphabetisierung. Diese unterschiedlichen beruflichen Erfahrungen machten den Austausch von Anfang an besonders interessant.

Anschließend erhielten wir eine Anwesenheitsliste und wurden über die Verwendung von Fotos sowie die korrekte Schreibweise unserer Namen informiert. Die Teilnehmenden konnten dabei ihre Zustimmung zur Verwendung von Bildern geben.

Danach erzählte uns die Dozentin zunächst etwas über Dublin, die Stadt und verschiedene Sehenswürdigkeiten. Noch vor der ersten Pause folgte eine weitere Kennenlernaktivität. Jede Person erhielt ein Blatt mit verschiedenen Fragen und freien Feldern für Namen. Unsere Aufgabe bestand darin, mit den anderen Teilnehmenden ins Gespräch zu kommen, ihnen jeweils eine Frage zu stellen und ihre Antworten auf dem Blatt zu notieren. Diese Methode fand ich sehr gelungen, weil man dadurch nicht nur die Namen der anderen kennenlernte, sondern auch direkt persönliche Gespräche entstanden.

Nach der Pause wurden einige Antworten gemeinsam besprochen. Dadurch konnten wir noch mehr über die anderen Kursteilnehmenden erfahren. Zusätzlich wurde eine gemeinsame WhatsApp-Gruppe eingerichtet. Diese sollte während der Seminarwoche für den Austausch von Informationen, Fotos und organisatorischen Hinweisen genutzt werden.

Eine weitere Aufgabe bestand darin, auf einem Notizzettel jeweils ein persönliches und ein berufliches Ziel beziehungsweise eine Erwartung an den Aufenthalt in Dublin zu formulieren. Anschließend tauschten wir uns darüber aus. Dadurch wurde deutlich, dass die Teilnehmenden trotz ihrer unterschiedlichen beruflichen Hintergründe viele ähnliche Erwartungen an die Seminarwoche hatten: neue Unterrichtsmethoden kennenzulernen, Erfahrungen auszutauschen und neue Ideen für die eigene Arbeit mitzunehmen.

Im weiteren Verlauf informierten uns die Dozentinnen über Irland und einige kulturelle Besonderheiten des Landes.

Ein schöner Abschluss des ersten Seminartages war ein internationales Treffen mit den Teilnehmenden der verschiedenen Kurse der Teacher Academy. Alle waren eingeladen, eine kleine Spezialität aus ihrem Heimatland mitzubringen. Frau Qaser und ich hatten Haribo aus Deutschland dabei. Auch die anderen Teilnehmenden stellten typische Kleinigkeiten aus ihren Ländern auf den Tischen bereit. Dadurch entstand eine angenehme und lockere Atmosphäre, in der man auch mit Personen aus anderen Kursen ins Gespräch kommen konnte.

Nach dem Unterricht nutzte ich die Gelegenheit, Dublin noch etwas genauer zu erkunden. Die Stadt machte auf mich einen sehr lebendigen und zugleich historischen Eindruck. In der Innenstadt treffen alte Gebäude, Kirchen und traditionelle Architektur auf moderne Geschäfte, Restaurants und ein vielfältiges Stadtleben. Besonders auffällig war die offene und internationale Atmosphäre. Gleichzeitig begegnet man an vielen Stellen der irischen Geschichte und Kultur.

Bei unserem Rundgang besuchten wir unter anderem die Christ Church Cathedral und die St Patrick’s Cathedral. Die Christ Church Cathedral gehört zu den ältesten und bedeutendsten Kirchen Dublins. Ihre Geschichte reicht bis in das 11. Jahrhundert zurück. Das Gebäude beeindruckt besonders durch seine mittelalterliche Architektur und seine zentrale Lage im historischen Teil der Stadt.

Anschließend besuchten wir die St Patrick’s Cathedral. Sie ist eine der bekanntesten Sehenswürdigkeiten Dublins und gilt als die größte Kathedrale Irlands. Besonders bekannt ist sie auch durch ihre Verbindung zu Jonathan Swift, dem Autor von „Gullivers Reisen“, der dort im 18. Jahrhundert als Dekan tätig war.

Der erste Seminartag war damit sowohl fachlich als auch persönlich ein gelungener Einstieg in die Woche. Neben dem Kennenlernen der internationalen Gruppe erhielten wir erste Einblicke in die Organisation des Seminars und konnten gleichzeitig bereits einige Eindrücke von Dublin, seiner Geschichte und seiner besonderen Atmosphäre sammeln.

Dienstag, 18.08.2026

Am Dienstag, den 18.08.2026, begann unser zweiter Seminartag nach dem gemeinsamen Frühstück. Wir waren wieder pünktlich in der Teacher Academy. Das Wetter zeigte sich an diesem Tag typisch für Dublin: Bei Temperaturen zwischen etwa 11 und 17 Grad war es überwiegend bewölkt.

An diesem Tag waren neun Teilnehmende anwesend. Da die ursprüngliche Gruppe mit insgesamt 13 Personen relativ groß war, war sie bereits in zwei kleinere Gruppen aufgeteilt worden. Dadurch war es möglich, intensiver miteinander zu arbeiten und sich bei den verschiedenen Aufgaben besser auszutauschen.

Der Unterricht begann mit einem kurzen Video. Anschließend sollten wir darüber nachdenken, welche Botschaft hinter dem Video steckt. Dabei ging es unter anderem darum, dass es beim Lernen nicht immer ausreicht, eine Aufgabe lediglich für jemanden zu erledigen. Vielmehr ist es wichtig, den Lernenden zu zeigen und zu erklären, wie etwas funktioniert, damit sie anschließend selbstständig handeln können. Für mich war dies ein interessanter Gedanke, da gerade im Sprachunterricht die Selbstständigkeit der Lernenden eine wichtige Rolle spielt.

Danach wurden wir in drei Gruppen mit jeweils drei Personen aufgeteilt. Unsere erste Aufgabe lautete: „Find five things you have in common.“ Dabei sollten wir fünf Gemeinsamkeiten innerhalb unserer Gruppe finden. Typische und leicht erkennbare Gemeinsamkeiten wie Kaffee, Reisen, der Lehrerberuf, Europa oder Lesen waren ausdrücklich ausgeschlossen.

In unserer Gruppe stellten wir unter anderem fest, dass wir alle verheiratet sind, zum ersten Mal in Dublin waren, uns für Geschichte und Natur interessieren, regelmäßig Sport treiben und weitere Sprachen sprechen. Die Übung war einfach aufgebaut, führte aber schnell zu längeren Gesprächen. Für den Sprachunterricht halte ich eine solche Aufgabe für sehr geeignet, weil die Lernenden Fragen stellen, auf Antworten reagieren und Gemeinsamkeiten formulieren müssen. Je nach Sprachniveau kann die Aufgabe von einfachen A1-Fragen bis hin zu ausführlicheren Gesprächen auf A2- oder B1-Niveau angepasst werden.

Anschließend sprach die Dozentin kurz über künstliche Intelligenz und deren zunehmende Bedeutung bei der Recherche im Internet. Dabei wurde auch thematisiert, dass KI-generierte Informationen inzwischen in vielen digitalen Angeboten unmittelbar angezeigt werden und dass es deshalb wichtig ist, Informationen kritisch zu prüfen und verschiedene Quellen miteinander zu vergleichen.

Der nächste große Schwerpunkt des Tages war CLIL, also Content and Language Integrated Learning. Dabei werden fachliche Inhalte und das Erlernen einer Fremdsprache miteinander verbunden. Die Lernenden beschäftigen sich somit nicht ausschließlich mit der Sprache selbst, sondern verwenden die Fremdsprache gleichzeitig, um sich mit einem bestimmten Sachthema auseinanderzusetzen.

Die Dozentin stellte zunächst vier Faktoren vor, die bei der Unterrichtsplanung berücksichtigt werden sollten: Subjects, Students, Style und Space. Für die Lehrkraft bedeutet dies, dass sowohl das Unterrichtsthema als auch die Lerngruppe, die Art des Unterrichtens und die vorhandenen räumlichen beziehungsweise organisatorischen Bedingungen berücksichtigt werden müssen.

Danach beschäftigten wir uns mit dem Unterschied zwischen Soft CLIL und Hard CLIL. Beim Soft CLIL steht die Sprache stärker im Mittelpunkt. Die Unterrichtseinheit wird in der Regel von einer Sprachlehrkraft durchgeführt und ein Sachthema dient als Grundlage für das Sprachenlernen. Beim Hard CLIL liegt der Schwerpunkt dagegen stärker auf dem Fachinhalt. Hier wird ein Fach, beispielsweise Geschichte, Geografie oder Naturwissenschaften, in einer Fremdsprache unterrichtet.

Im Seminar wurden anschließend fünf zentrale Leitbegriffe von CLIL behandelt:

Content bezeichnet den fachlichen Inhalt einer Unterrichtseinheit. Die Lernenden sollen nicht nur neue sprachliche Mittel erwerben, sondern gleichzeitig Wissen über ein bestimmtes Thema aufbauen.

Cognition beschreibt die Denkprozesse, die für die Bearbeitung eines Themas benötigt werden. Dazu gehören beispielsweise Vergleichen, Einordnen, Analysieren, Vorhersagen oder Begründen. Die Lernenden sollen also nicht nur Informationen wiederholen, sondern aktiv mit ihnen arbeiten.

Communication bezieht sich auf die Sprache, die benötigt wird, um die jeweiligen Inhalte zu verstehen, darüber zu sprechen und Aufgaben zu bearbeiten. Die Lehrkraft muss deshalb überlegen, welche Wörter, Satzstrukturen und sprachlichen Mittel die Lernenden für eine Aufgabe benötigen.

Culture bedeutet, unterschiedliche kulturelle Perspektiven und Erfahrungen in den Unterricht einzubeziehen. Die Lernenden sollen erkennen, dass Themen je nach Land, Kultur und persönlichem Hintergrund unterschiedlich wahrgenommen werden können.

Competence beschreibt schließlich die Fähigkeit, das erworbene fachliche und sprachliche Wissen selbstständig und angemessen anzuwenden. Ziel ist es, dass Lernende zunehmend sicherer werden und ihr Wissen auch in neuen Situationen einsetzen können.

Anschließend sollten wir das CLIL-Konzept anhand einer konkreten Unterrichtsplanung ausprobieren. Die Aufgabe lautete, gemeinsam eine Unterrichtseinheit zum Thema „The Solar System“ zu entwickeln. Dabei sollten wir drei Bereiche berücksichtigen: Concept, Procedure und Language.

Beim Bereich Concept ging es darum, welche fachlichen Inhalte vermittelt werden sollen, beispielsweise die Unterschiede zwischen den Planeten. Bei Procedure sollten wir überlegen, wie die Lernenden diese Informationen erwerben und welche Denkfähigkeiten sie dafür benötigen, beispielsweise Vergleichen, Interpretieren oder Ordnen. Beim Bereich Language musste festgelegt werden, welche sprachlichen Strukturen für die Aufgabe notwendig sind, zum Beispiel Komparativ und Superlativ, wenn Planeten hinsichtlich ihrer Größe, Entfernung oder anderer Eigenschaften miteinander verglichen werden.

Jede Gruppe stellte anschließend ihre Ideen vor und die Dozentin sammelte die Ergebnisse an der Tafel. Besonders hilfreich fand ich dabei, dass eine Unterrichtseinheit nicht nur aus einem Thema besteht, sondern bereits bei der Planung berücksichtigt werden sollte, welches Wissen, welche Denkprozesse und welche sprachlichen Mittel die Lernenden benötigen.

Nach einer Pause beschäftigten wir uns ausführlicher mit sogenannten Thinking Skills. Dazu gehörten Comparing, Categorising, Sequencing, Predicting und Justifying. Auf Deutsch bedeutet dies unter anderem Vergleichen, Kategorisieren, eine Reihenfolge herstellen, Vorhersagen treffen und Aussagen begründen. Diese Fähigkeiten können meiner Meinung nach auch im Sprachunterricht auf den Niveaustufen A1 bis B1 schrittweise aufgebaut werden.

Danach ging es um Kommunikation und um sogenannte Cognates. Dabei handelt es sich um Wörter, die in verschiedenen Sprachen eine ähnliche Form und Bedeutung besitzen. Solche Ähnlichkeiten können für Lernende hilfreich sein, weil bereits vorhandenes sprachliches Wissen genutzt werden kann, um neue Wörter leichter zu verstehen.

Ein weiteres wichtiges Thema war der Unterschied zwischen BICS und CALP. BICS steht für Basic Interpersonal Communicative Skills und bezeichnet vor allem die Sprache, die in alltäglichen Kommunikationssituationen verwendet wird. CALP steht dagegen für Cognitive Academic Language Proficiency und beschreibt eine anspruchsvollere, stärker bildungs- beziehungsweise fachsprachlich geprägte Sprache.

In einer Gruppenaufgabe sollten wir deshalb einfache Begriffe und ihre anspruchsvolleren beziehungsweise akademischeren Entsprechungen miteinander vergleichen.

BISCCALP
guessEstimate, Speculate
RulesLaws, Regulation, Theorem
Take a waySubtract
Sameidentical
Way, steps, planMethode
ManyLoads of, numerous

Diese Aufgabe fand ich für meine eigene Arbeit besonders interessant. Im Unterricht muss immer berücksichtigt werden, welches Sprachniveau die Lernenden bereits erreicht haben. Gerade bei Teilnehmenden auf den Niveaustufen A1 bis B1 sollte eine unnötig komplizierte Sprache vermieden werden. Zunächst sollte ein Begriff so verständlich wie möglich vermittelt werden. Anspruchsvollere oder fachsprachliche Synonyme können anschließend schrittweise ergänzt werden. Dadurch können Überforderung und Frustration vermieden werden, während der Wortschatz der Lernenden trotzdem kontinuierlich erweitert wird.

Ein weiterer Schwerpunkt war die Bloom’s Taxonomy. Sie beschreibt unterschiedliche Ebenen des Lernens und Denkens. Wir beschäftigten uns mit den sechs Bereichen Remembering, Understanding, Applying, Analysing, Evaluating und Creating.

Beim Remembering geht es darum, bereits gelerntes Wissen abzurufen. Understanding bedeutet, Inhalte zu verstehen und mit eigenen Worten wiederzugeben. Beim Applying wird das Gelernte in einer konkreten Aufgabe angewendet. Analysing verlangt, Informationen genauer zu untersuchen und Zusammenhänge zu erkennen. Evaluating bedeutet, etwas zu beurteilen und die eigene Entscheidung zu begründen. Creating bildet schließlich eine besonders anspruchsvolle Ebene, bei der die Lernenden auf Grundlage ihres Wissens selbst etwas Neues entwickeln.

Für meinen Unterricht ist dieses Modell hilfreich, weil Aufgaben dadurch gezielter formuliert werden können. Nicht jede Aufgabe sollte lediglich darin bestehen, Wörter oder Regeln wiederzugeben. Je nach Sprachniveau können die Lernenden beispielsweise Informationen vergleichen, ihre Meinung begründen, Situationen beurteilen oder selbst Dialoge und kurze Texte entwickeln.

Danach führten wir eine Übung zur Wortschatzarbeit durch. Dabei wurde gezeigt, dass ein neues Wort auf unterschiedliche Weise erschlossen und gefestigt werden kann. Man kann beispielsweise ein Synonym oder ein Gegenteil finden, das Wort in eine Geschichte einbauen, seine Bedeutung beschreiben oder erklären, in welcher Situation es verwendet wird. Diese unterschiedlichen Zugänge können dazu beitragen, dass neue Wörter nicht nur kurzfristig auswendig gelernt, sondern besser verstanden und langfristig behalten werden.

Zum Abschluss beschäftigten wir uns mit der sogenannten Learning Pyramid. Dieses Modell stellt unterschiedliche Lernformen anschaulich dar und verdeutlicht vor allem den Unterschied zwischen eher passivem und aktivem Lernen. Für meinen Unterricht nehme ich daraus insbesondere mit, dass Lernende möglichst häufig selbst aktiv werden sollten. Diskussionen, Gruppenarbeiten, praktische Übungen, das Anwenden von Wissen und das gegenseitige Erklären können dazu beitragen, dass sich die Teilnehmenden intensiver mit den Lerninhalten beschäftigen. Gerade im Fremdsprachenunterricht erscheint mir dies sinnvoll, weil Sprache letztlich durch aktive Anwendung gelernt und gefestigt werden muss.

Nach dem Unterricht nutzten wir die Zeit erneut, um verschiedene kulturelle Einrichtungen in Dublin zu besuchen. Dazu gehörten das National Museum of Ireland, die National Gallery of Ireland und die National Library of Ireland. Museumsbesuche gehören für mich persönlich zu einem Aufenthalt in einer anderen Stadt dazu. Sowohl bei beruflichen als auch bei privaten Reisen versuche ich deshalb, wenn es zeitlich möglich ist, mindestens ein Museum zu besuchen. Dadurch erhält man häufig einen besonderen Einblick in die Geschichte, Kultur und Entwicklung eines Landes.

Das National Museum of Ireland bietet mit seinen verschiedenen Sammlungen einen umfangreichen Einblick in die Archäologie, Geschichte und Kultur Irlands. Die archäologische Sammlung in der Kildare Street ist insbesondere für die Entwicklung der irischen Zivilisation von der Vorgeschichte bis ins Mittelalter von Bedeutung.

Auch die National Gallery of Ireland war für mich sehr interessant. Sie beherbergt die nationale Kunstsammlung Irlands und umfasst Werke irischer sowie internationaler Künstler aus mehreren Jahrhunderten.

Daneben besuchten wir die National Library of Ireland. Sie wurde 1877 gegründet und hat die Aufgabe, das dokumentarische Erbe Irlands zu sammeln, zu bewahren und zugänglich zu machen. Ihre Sammlungen umfassen heute mehr als zwölf Millionen Objekte, darunter Bücher, Manuskripte, Fotografien, Karten und historische Dokumente.

Ein besonderes Erlebnis an diesem Tag war für mich außerdem der Besuch des Trinity College Dublin, dieses Mal mit einem regulären Eintrittsticket. Besonders beeindruckt haben mich die historische Bibliothek und das Book of Kells.

Das Book of Kells ist ein aufwendig gestaltetes Evangelienmanuskript aus dem 9. Jahrhundert. Es enthält die vier Evangelien in lateinischer Sprache und wurde auf Pergament geschrieben. Heute gehört es zu den bedeutendsten historischen Schätzen der Bibliothek des Trinity College.

Ebenso beeindruckend war der Long Room der Old Library. Dieser historische Bibliothekssaal ist fast 65 Meter lang und wurde im 18. Jahrhundert errichtet. Normalerweise beherbergt er rund 200.000 der ältesten Bücher der Bibliothek. Die hohen Bücherregale, die Architektur und die zahlreichen Büsten von Schriftstellern und Denkern vermitteln eine ganz besondere Atmosphäre.

Der Besuch des Trinity College und insbesondere des Book of Kells war für mich einer der kulturellen Höhepunkte unseres bisherigen Aufenthalts. Nach einem sehr inhaltsreichen Seminartag war es eine besondere Erfahrung, die irische Geschichte und Kultur anschließend noch einmal auf diese Weise unmittelbar erleben zu können.

Mittwoch, 19.08.2026

Am Mittwoch begann unser dritter Seminartag. Auch an diesem Morgen war ich wieder frühzeitig in der Teacher Academy. Das Wetter zeigte sich zunächst von seiner sonnigen Seite. Allerdings hatten wir bereits mehrfach gehört, dass man sich auf das Wetter in Dublin nicht unbedingt verlassen könne. Auch für diesen Tag war im weiteren Tagesverlauf wieder Regen angekündigt.

An diesem Tag waren beide Seminargruppen anwesend und wir arbeiteten erneut mit zwei Dozentinnen. Zwei Teilnehmende aus der anderen Gruppe wechselten zeitweise zu unserer Gruppe, da sie einige der vorgesehenen Aufgaben bereits am Vortag bearbeitet hatten und uns deshalb bei der Durchführung unterstützen konnten.

Zu Beginn erhielten wir verschiedene Verben und weitere Begriffe beziehungsweise Aufgabenformen, die wir den passenden Kategorien zuordnen sollten. Zunächst versuchten wir, die Zuordnung selbstständig in der Gruppe vorzunehmen. Anschließend wurden die Ergebnisse gemeinsam mit der Dozentin kontrolliert und besprochen.

Danach beschäftigten wir uns erneut intensiver mit der Bloom’s Taxonomy. Wir erhielten eine Übersicht mit verschiedenen Verben, die den sechs Bereichen Remember, Understand, Apply, Analyze, Evaluate und Create zugeordnet werden können.

Dabei wurde deutlich, dass die verwendeten Verben einen großen Einfluss darauf haben, welche Art von Antwort von den Lernenden erwartet wird. Eine Aufgabe, bei der etwas lediglich genannt oder wiedergegeben werden soll, stellt andere Anforderungen als eine Aufgabe, bei der die Lernenden vergleichen, erklären, bewerten oder selbst etwas entwickeln sollen.

Für meine eigene Unterrichtspraxis fand ich diesen Aspekt besonders interessant. Gerade bei der Vorbereitung auf mündliche Prüfungen können solche unterschiedlichen Arten von Fragestellungen sehr hilfreich sein. Die Lernenden müssen nicht nur über einen ausreichenden Wortschatz verfügen, sondern auch verstehen, was mit einer bestimmten Aufgabenstellung von ihnen erwartet wird.

Bei einer mündlichen Prüfung kann beispielsweise ein Unterschied darin bestehen, ob die Lernenden etwas beschreiben, ihre Meinung äußern, etwas vergleichen oder ihre Entscheidung begründen sollen. Wenn solche Aufgabenformen bereits während der Prüfungsvorbereitung regelmäßig geübt werden, können sich die Teilnehmenden besser auf die jeweilige Situation einstellen. Für meinen Unterricht auf den Niveaustufen A1 bis B1 möchte ich deshalb künftig noch stärker darauf achten, Fragestellungen gezielt und dem jeweiligen Sprachniveau entsprechend einzusetzen.

Im weiteren Verlauf des Tages beschäftigten wir uns mit den Cognitive Discourse Functions, kurz CDFs. Dazu erhielten wir eine ausführliche Präsentation der Dozentinnen. Die CDFs beschreiben sprachliche und kognitive Handlungen, die Lernende benötigen, um Wissen aufzunehmen, zu strukturieren und schließlich selbstständig wiederzugeben.

Im Seminar wurden sieben zentrale Cognitive Discourse Functions behandelt:

Describe bedeutet, Merkmale oder Beobachtungen zu beschreiben. Lernende sollen beispielsweise erkennen und sprachlich ausdrücken können, wie eine Person, ein Gegenstand oder eine Situation aussieht beziehungsweise welche Eigenschaften vorhanden sind.

Define bedeutet, einen Begriff zu identifizieren und seine Bedeutung zu erklären. Dabei geht es darum, ein Konzept möglichst verständlich zu bestimmen.

Classify beschreibt das Ordnen beziehungsweise Einteilen von Informationen in Gruppen oder Kategorien. Die Lernenden sollen Gemeinsamkeiten und Unterschiede erkennen und entsprechende Verbindungen herstellen.

Explore bedeutet, Informationen zu sammeln und ein Thema genauer zu untersuchen. Die Lernenden setzen sich dabei aktiv mit einem Gegenstand auseinander und versuchen, zusätzliche Informationen zu gewinnen.

Explain bedeutet, Zusammenhänge verständlich darzustellen und dadurch zu zeigen, dass ein Inhalt tatsächlich verstanden wurde.

Evaluate verlangt von den Lernenden, etwas zu beurteilen und diese Beurteilung mit nachvollziehbaren Gründen zu begründen.

Report bedeutet schließlich, erworbene Informationen strukturiert an andere weiterzugeben.

Die Dozentinnen fassten diese Funktionen außerdem in drei größere Bereiche zusammen. Describe, Define und Classify helfen den Lernenden zunächst dabei, neues Wissen wahrzunehmen und zu organisieren. Explore und Explain dienen dazu, dieses Wissen weiter zu vertiefen und Zusammenhänge besser zu verstehen. Evaluate und Report verlangen schließlich, das Gelernte aktiv anzuwenden, zu beurteilen und anderen mitzuteilen.

Auch hierbei konnte ich einen direkten Bezug zu meinem eigenen Sprachunterricht erkennen. Auf den niedrigeren Sprachniveaus können beispielsweise einfache Beschreibungen und Zuordnungen im Vordergrund stehen. Mit zunehmenden Sprachkenntnissen können die Aufgaben anspruchsvoller werden. Auf A2- oder B1-Niveau können die Lernenden beispielsweise Zusammenhänge erklären, ihre Meinung begründen oder über eigene Erfahrungen berichten.

Im Anschluss entstand eine interessante Diskussion mit mehreren Lehrkräften, die mit Kindern und Jugendlichen mit besonderen Lernbedürfnissen arbeiten. Sie wiesen darauf hin, dass nicht alle Lernenden Begriffe wie „analysieren“, „bewerten“, „klassifizieren“ oder ähnliche Aufgabenstellungen unmittelbar verstehen können.

Daraus entwickelte sich ein Austausch darüber, wie wichtig eine verständliche Formulierung von Arbeitsaufträgen ist. Eine Aufgabe kann fachlich sinnvoll sein, aber trotzdem ihr Ziel verfehlen, wenn die Lernenden bereits an der Formulierung der Aufgabe scheitern. Deshalb sollte eine Lehrkraft immer prüfen, ob die verwendeten Begriffe und Fragestellungen zum Lernstand der jeweiligen Gruppe passen.

Auch für meinen Unterricht ist dies von großer Bedeutung. Besonders bei A1- und A2-Lernenden müssen Arbeitsaufträge klar, kurz und möglichst eindeutig formuliert werden. Erst mit zunehmender Sprachkompetenz können komplexere Aufgabenstellungen eingeführt werden. Gleichzeitig ist es sinnvoll, die Lernenden schrittweise mit typischen Prüfungsformulierungen vertraut zu machen, damit diese später nicht allein wegen unbekannter Aufgabenverben Schwierigkeiten haben.

Nach dem Seminar hatten wir an diesem Tag die Möglichkeit, Kilmainham Gaol zu besuchen. Bereits die Organisation des Besuchs war interessant. Unsere Dozentin hatte uns darauf hingewiesen, dass kurzfristig zusätzliche Eintrittskarten beziehungsweise stornierte Tickets am jeweiligen Besuchstag ab 9:15 Uhr auf der offiziellen Internetseite angeboten werden können. Diesen Hinweis haben wir genutzt und tatsächlich noch Eintrittskarten bekommen. Auch auf der offiziellen Website des Museums wird empfohlen, bei ausverkauften Terminen am gewünschten Besuchstag ab 9:15 Uhr nach zusätzlichen Tickets oder Stornierungen zu schauen.

Kilmainham Gaol ist heute einer der bedeutendsten historischen Erinnerungsorte Dublins. Das Gefängnis wurde 1796 als neues County Gaol für Dublin eröffnet. Neben gewöhnlichen Strafgefangenen wurden dort im Laufe seiner Geschichte auch zahlreiche politische Gefangene inhaftiert, die mit dem irischen Unabhängigkeitskampf verbunden waren.

Eine besondere Bedeutung erhielt das Gefängnis während des Osteraufstands von 1916. Nach der Niederschlagung des Aufstands wurden zahlreiche Beteiligte dort festgehalten. Vierzehn führende Männer des Aufstands wurden zwischen dem 3. und 12. Mai 1916 im sogenannten Stonebreakers’ Yard durch Erschießungskommandos hingerichtet. Zu ihnen gehörten unter anderem Patrick Pearse, Thomas Clarke, Joseph Plunkett und James Connolly.

Kilmainham Gaol war außerdem während des irischen Unabhängigkeitskrieges und des anschließenden Bürgerkrieges von großer Bedeutung. Sowohl Männer als auch Frauen wurden dort aus politischen Gründen inhaftiert. Nach der Entlassung der letzten Gefangenen wurde das Gefängnis 1924 nicht mehr als Haftanstalt genutzt. In den 1960er-Jahren wurde das inzwischen stark verfallene Gebäude durch eine Gruppe von Freiwilligen restauriert und als nationaler Erinnerungsort erhalten.

Besonders eindrucksvoll war es, die historischen Zellen, die verschiedenen Gebäudeteile und den Stonebreakers’ Yard selbst zu sehen. Durch den Besuch wurde die komplizierte Geschichte Irlands und insbesondere der lange Weg zur Unabhängigkeit wesentlich greifbarer, als dies allein durch Bücher oder Erzählungen möglich wäre.

Für mich war der Mittwoch damit erneut eine interessante Verbindung aus fachlicher Weiterbildung und kultureller Auseinandersetzung mit Irland. Im Seminar konnte ich konkrete Ideen für die Gestaltung von Aufgabenstellungen und die Vorbereitung meiner Teilnehmenden auf mündliche Prüfungen mitnehmen. Der anschließende Besuch von Kilmainham Gaol ermöglichte mir zusätzlich einen intensiven Einblick in einen wichtigen Teil der irischen Geschichte

Donnerstag und Freitag, 20-21.08.2026

Am Donnerstag kamen wir erneut pünktlich in der Teacher Academy an. Das Wetter war an diesem Morgen etwas bewölkt und windig. Alle Teilnehmenden sowie beide Dozentinnen waren anwesend.

Der Schwerpunkt dieses Seminartages lag auf digitalen Unterrichtsmethoden und dem Einsatz künstlicher Intelligenz. Bereits zu Beginn hatten die Dozentinnen den Raum für die digitale Arbeit vorbereitet und unter anderem ausreichend Möglichkeiten geschaffen, unsere elektronischen Geräte anzuschließen. Da in Irland andere Steckdosen als in Deutschland verwendet werden, empfand ich diese Vorbereitung als sehr aufmerksam. Ich selbst hatte bereits einen passenden Adapter dabei, den ich von einer früheren Reise nach Schottland besaß.

Als erstes stellte uns die Dozentin ClassroomScreen vor. Diese Anwendung kann insbesondere für das Classroom-Management eingesetzt werden. Mit verschiedenen digitalen Werkzeugen können beispielsweise Arbeitszeiten angezeigt, Schülerinnen und Schüler zufällig ausgewählt, Gruppen gebildet, Arbeitsaufträge eingeblendet und Unterrichtsphasen übersichtlich strukturiert werden. Dadurch kann die Lehrkraft den Unterricht besser organisieren und gleichzeitig dafür sorgen, dass alle Lernenden möglichst aktiv beteiligt werden. ClassroomScreen bietet dafür unter anderem Timer, einen Randomizer, einen Group Maker, Umfragen und weitere Werkzeuge.

Eine Teilnehmerin aus Tschechien berichtete anschließend über ihre eigenen Erfahrungen mit ClassroomScreen. Sie nutzt eine kostenpflichtige Version und setzt die Anwendung regelmäßig für die Organisation ihres Unterrichts ein.

Danach stellte uns die Dozentin eine weitere Anwendung namens Classroom Zen vor. Auch hier lernten wir verschiedene Möglichkeiten zur Gestaltung und Organisation des Unterrichts kennen. Beispielsweise können Übungen zum Wortschatz, zur Rechtschreibung und zum Schreiben eingesetzt werden.

Besonders interessant war für mich anschließend die Vorstellung von Diffit AI. Mit Hilfe dieser Anwendung können Lehrkräfte Unterrichtsmaterialien erstellen und an unterschiedliche Lernniveaus anpassen. Es können beispielsweise Texte, Lese- und Schreibaufgaben, Wortschatzübungen sowie Fragen zu verschiedenen Themen erstellt werden.

Für meinen eigenen Unterricht auf den Niveaustufen A1 bis B1 sehe ich darin einen großen Nutzen. Ein Thema kann für unterschiedliche Sprachniveaus aufbereitet werden, sodass Lernende mit verschiedenen sprachlichen Voraussetzungen geeignete Materialien erhalten. Gerade bei alltagsbezogenen Themen wie Arbeit, Arztbesuch, Körperteile, Post, Behördenbesuche oder Leben in Deutschland könnten solche Materialien sehr hilfreich sein.

Frau Qaser und ich erstellten gemeinsam einen Testzugang und probierten die Anwendung direkt aus. Als Beispiel ließen wir eine Übung zu den Personalpronomen erstellen. Dabei konnten wir feststellen, dass das Programm auch für deutschsprachige Unterrichtsmaterialien verwendet werden kann. Besonders gut gefiel mir, dass die erstellten Materialien anschließend noch verändert und an das gewünschte Sprachniveau angepasst werden konnten.

Die Anwendung hat bei uns einen so positiven Eindruck hinterlassen, dass wir nach unserer Rückkehr mit der Leitung der VHS darüber sprechen möchten, ob ein entsprechender Zugang auch für unsere Arbeit und möglicherweise für weitere Lehrkräfte zur Verfügung gestellt werden könnte.

Nach einer Pause, in der uns Obst und Nüsse angeboten wurden, ging es zunächst um das Thema Aussprache. Eine Teilnehmerin, die Englisch unterrichtet, stellte eine Frage zur Aussprache verschiedener Wörter. Daraus entwickelte sich ein Gespräch darüber, dass Englisch in unterschiedlichen Ländern und Regionen verschieden ausgesprochen wird. Dazu gehören beispielsweise britische, amerikanische, irische, schottische oder indische Sprachvarianten. Für Lernende ist es wichtig zu wissen, dass es nicht immer nur eine einzige Aussprache gibt und dass sie im Alltag mit unterschiedlichen Akzenten konfrontiert werden können.

Danach beschäftigten wir uns mit der Erstellung eigener Audiodateien für Hörverstehensübungen. Zunächst erstellten wir mit ChatGPT einen passenden Dialog. Dieser konnte anschließend in Google AI Studio übernommen und mit unterschiedlichen Stimmen als Audio ausgegeben werden. Bei einem Dialog müssen die verschiedenen Sprecher eindeutig gekennzeichnet werden. Anschließend können Stimmen und weitere Merkmale ausgewählt und die Audiodatei erzeugt werden. Die Text-to-Speech-Funktion von Gemini ermöglicht grundsätzlich auch die Erstellung von Audios mit mehreren Sprechern sowie die Steuerung von Eigenschaften wie Stil und Akzent.

Frau Qaser und ich entwickelten gemeinsam eine Hörverstehensaufgabe zum Thema „Beim Arzt“. Wir erstellten dafür einen Dialog zwischen einem Arzt und einer Migrantin aus der Ukraine und wandelten diesen anschließend in eine Audiodatei mit zwei Stimmen um.

Das Ergebnis hat mich sehr überzeugt. Gerade für meinen Unterricht auf den Niveaustufen A1 bis B1 kann ich auf diese Weise Hörtexte erstellen, die genau zum aktuellen Unterrichtsthema und zum jeweiligen Sprachniveau passen. Aus einem Dialog lassen sich anschließend zusätzlich Verständnisfragen, Multiple-Choice-Aufgaben, Richtig-Falsch-Aufgaben, Wortschatzübungen oder Lückentexte entwickeln.

Dadurch können mehrere Fertigkeiten miteinander verbunden werden: Die Teilnehmenden hören zunächst einen Dialog, können den entsprechenden Text lesen, Fragen beantworten, neue Wörter lernen und anschließend die Situation selbst nachspielen. Besonders für alltagsnahe Themen sehe ich darin einen großen Vorteil.

Wir experimentierten außerdem damit, aus den erstellten Inhalten mit Hilfe von KI weitere Arbeitsmaterialien und visuell gestaltete Arbeitsblätter zu entwickeln. Dadurch wurde deutlich, dass künstliche Intelligenz nicht nur bei der Texterstellung, sondern auch bei der anschließenden Weiterentwicklung von Unterrichtsmaterialien eingesetzt werden kann.

Nach einer weiteren Pause stellte uns die Dozentin NotebookLM von Google vor. Dabei handelt es sich um einen KI-gestützten Recherche- und Lernassistenten, in den eigene Quellen wie PDFs, Texte, Webseiten, Präsentationen oder Audiodateien eingebunden werden können. Auf Grundlage dieser Quellen können unter anderem Zusammenfassungen, Lernmaterialien, Mindmaps und Audio-Zusammenfassungen erstellt werden.

Diese Möglichkeit fand ich ebenfalls interessant, da umfangreichere Materialien dadurch strukturiert und für die Unterrichtsvorbereitung aufbereitet werden können. Besonders hilfreich ist, dass sich die Antworten auf die bereitgestellten Quellen beziehen und dadurch gezielter mit dem eigenen Unterrichtsmaterial gearbeitet werden kann.

Der Donnerstag gehörte für mich zu den praktischsten Tagen der gesamten Seminarwoche. Vor allem die digitalen Möglichkeiten zur Erstellung von Materialien, zur Differenzierung verschiedener Sprachniveaus und zur Entwicklung eigener Hörverstehensaufgaben möchte ich zukünftig stärker in meinem Unterricht einsetzen.

Nach dem Seminar waren wir erneut in der Innenstadt unterwegs. Dabei besuchten wir unter anderem Temple Bar und erkundeten weitere Straßen und Ecken Dublins. Temple Bar vermittelte eine besonders lebendige Atmosphäre mit vielen Menschen, Pubs und Musik. Der Spaziergang durch die Stadt war nach dem umfangreichen Seminartag eine gute Gelegenheit, weitere Eindrücke vom Leben in Dublin zu sammeln.

Am Freitag begann unser letzter Seminartag in Dublin. Nach dem Frühstück kamen wir wieder pünktlich in der Teacher Academy an. Zu Beginn fragte die Dozentin, wie die Teilnehmenden den vergangenen Nachmittag verbracht hatten. Einige hatten an einer Bootstour teilgenommen und berichteten über ihre Erfahrungen.

Das erste fachliche Thema des Tages war Emigration beziehungsweise Migration. Die Dozentin fragte uns zunächst, aus welchen Gründen Menschen ihr Heimatland verlassen und in ein anderes Land ziehen. Innerhalb der Gruppe wurden zahlreiche Gründe genannt. Dazu gehörten beispielsweise wirtschaftliche Schwierigkeiten, politische Probleme, Klimaveränderungen, bessere Arbeitsmöglichkeiten, Bildung, Familienzusammenführung sowie der Wunsch nach neuen Erfahrungen.

Anschließend zeigte uns die Dozentin verschiedene Bilder von Menschen und historische Darstellungen. Wir sollten überlegen, welche Geschichte sich möglicherweise hinter den Bildern verbirgt und aus welchen Gründen die dargestellten Personen ausgewandert oder eingewandert sein könnten. Danach wurden unsere Vermutungen gemeinsam besprochen.

Im nächsten Schritt folgte eine umfangreiche Gruppenarbeit. Jede Gruppe erhielt einen kurzen Text zum Thema Migration sowie ein großes A3-Blatt. Der Text wurde in die Mitte des Blattes geklebt und rundherum wurden verschiedene Bereiche für mehrere Aufgaben eingerichtet.

In der ersten Runde sollten wir den Text lesen, schwierige Wörter unterstreichen und deren Bedeutung beziehungsweise Übersetzung notieren. Anschließend wurde das A3-Blatt an die nächste Gruppe weitergegeben.

In der zweiten Runde sollte jede Gruppe eine passende Überschrift für den neuen Text finden. Zusätzlich wurde eine künstliche Intelligenz nach einem möglichen Titel gefragt. Bei einem der Texte entschied sich unsere Gruppe beispielsweise für die Überschrift „Reasons for Emigration“, während die KI „Ireland under British Rule“ vorschlug. Dadurch konnten wir vergleichen, wie Menschen und eine KI denselben Text unterschiedlich interpretieren und zusammenfassen.

Danach wurden die Blätter erneut weitergegeben. In der nächsten Runde mussten wir den jeweiligen Text lesen und seinen Inhalt mit nur ungefähr 20 Wörtern zusammenfassen. Diese Aufgabe fand ich besonders interessant, da man gezwungen war, sich auf die wichtigsten Informationen eines Textes zu konzentrieren.

In der folgenden Runde sollten aus dem Text zwei Fragen entwickelt werden. Danach wurden die Blätter wieder an eine andere Gruppe weitergegeben, die diese Fragen beantworten musste. Dabei entstanden beispielsweise Fragen dazu, welche Maßnahmen die irische Regierung zur Unterstützung der irischen Sprache ergriffen hat und ob Sprache als wichtiges Symbol der eigenen Identität angesehen werden kann.

Als letzte Aufgabe sollte schließlich eine Zeichnung erstellt werden, die einen wichtigen Inhalt des jeweiligen Textes darstellte.

Diese Form der Gruppenarbeit gefiel mir sehr gut, weil ein einzelner Text auf unterschiedliche Weise bearbeitet wurde. Lesen, Wortschatzarbeit, Zusammenfassen, Fragestellungen, Schreiben, Kommunikation und kreatives Arbeiten wurden miteinander verbunden. Zudem musste jede Gruppe die Arbeit der vorherigen Gruppe weiterführen.

Nach einer kurzen Pause folgte eine weitere Gruppenaktivität. Jede Gruppe erhielt Teile von mehreren unvollständigen Bildern. Die fehlenden Teile befanden sich jedoch bei anderen Personen im Raum. Unsere Aufgabe bestand darin, miteinander zu sprechen, Fragen zu stellen und herauszufinden, wer das jeweils benötigte Bildstück besaß.

Diese Übung halte ich für meinen Unterricht auf den Niveaustufen A1 bis B1 für besonders gut geeignet. Sie kann beispielsweise genutzt werden, um Fragen zu üben, Informationen zu erfragen und den Wortschatz zu einem bestimmten Thema zu erweitern. Gleichzeitig müssen die Lernenden aktiv auf andere Personen zugehen und miteinander kommunizieren.

Die Aufgabe kann je nach Sprachniveau unterschiedlich gestaltet werden. Auf A1-Niveau können sehr einfache Fragen verwendet werden. Auf A2- oder B1-Niveau können die Teilnehmenden genauere Beschreibungen geben, Rückfragen stellen oder anschließend über das vollständige Bild sprechen. Dadurch entsteht eine echte Kommunikationssituation, in der Sprache benötigt wird, um ein konkretes Ziel zu erreichen.

Zum Ende des Seminartages erzählten uns die Dozentinnen etwas über Hurling, einen traditionellen irischen Mannschaftssport. Zusätzlich sahen wir Videos, wodurch wir einen besseren Eindruck von dem Spiel und seiner Bedeutung in Irland erhielten.

Anschließend machten wir gemeinsam ein Gruppenfoto. Danach wurde der Unterricht offiziell beendet und die Teilnahmezertifikate wurden uns feierlich überreicht. Damit endete unsere intensive Seminarwoche in der Teacher Academy.

Nach dem Kurs fuhren wir noch nach Howth. Howth liegt an der Küste in der Nähe von Dublin und unterscheidet sich deutlich von der lebhaften Innenstadt. Der Ort ist insbesondere durch seinen Hafen, die Küstenlandschaft und die Klippen geprägt. Vom Zentrum Dublins ist Howth mit dem Zug in ungefähr 25 Minuten erreichbar. Entlang des Hafens befinden sich zahlreiche Restaurants und Cafés, und von den Küstenwegen hat man einen weiten Blick auf das Meer und die Umgebung.

Mir gefiel dort besonders die ruhige und maritime Atmosphäre. Nach einer sehr intensiven Seminarwoche war es angenehm, am Wasser entlangzulaufen, die Boote im Hafen zu sehen und die Meeresluft zu genießen. Howth vermittelte noch einmal einen ganz anderen Eindruck von Dublin und seiner Umgebung und war für mich ein schöner Abschluss unseres letzten Seminartages.

Samstag, den 22.08.2026

Da das Seminar am Freitag beendet war, nutzten wir den Samstag noch für einen besonderen Ausflug. Wir besuchten die Game of Thrones Studio Tour in Banbridge in Nordirland. Von Dublin aus beträgt die Fahrt ungefähr 90 Minuten. Die Ausstellung befindet sich in den Linen Mill Studios, die tatsächlich als Drehort für die Serie genutzt wurden.

Während der Tour konnten wir originale Filmsets, Kostüme, Requisiten und verschiedene Bereiche aus der Produktion von Game of Thrones sehen. Dazu gehören unter anderem bekannte Schauplätze wie Winterfell, King’s Landing und Dragonstone. Außerdem erhält man Einblicke in die Herstellung von Kostümen, Spezialeffekten, Masken und Requisiten.

Besonders interessant fand ich, einmal zu sehen, wie viel Arbeit hinter einer solchen Filmproduktion steckt. Im Fernsehen sieht man am Ende nur die fertigen Szenen. In den Studios wurde dagegen deutlich, wie viele unterschiedliche Bereiche wie Bühnenbau, Kostümdesign, Masken, Spezialeffekte und digitale Technik zusammenarbeiten müssen, damit eine solche Produktion entstehen kann.

Der Ausflug war für mich ein sehr interessanter kultureller Abschluss unseres Aufenthalts.

Am Sonntag endete schließlich unser Aufenthalt in Irland. Nach einer abwechslungsreichen und intensiven Woche machten wir uns auf den Weg zum Flughafen und flogen von Dublin zurück nach Hamburg. Von dort aus ging es anschließend weiter nach Tornesch.

Kurze Zusammenfassung

Die Seminarwoche in Dublin war für mich sowohl beruflich als auch persönlich eine wertvolle Erfahrung. Besonders hilfreich waren die vielen praktischen Übungen, die nicht nur theoretisch vorgestellt, sondern unmittelbar von uns selbst ausprobiert wurden.

Für meinen Unterricht auf den Niveaustufen A1 bis B1 nehme ich zahlreiche neue Ideen mit. Dazu gehören insbesondere kommunikative Gruppenaufgaben, CLIL, Bloom’s Taxonomy, Cognitive Discourse Functions sowie neue Möglichkeiten zur Wortschatzarbeit und Prüfungsvorbereitung.

Von besonderer Bedeutung war für mich außerdem der Einsatz digitaler und KI-gestützter Werkzeuge. Die Möglichkeit, Texte auf unterschiedliche Sprachniveaus anzupassen, eigene Hörverstehensaufgaben zu erstellen und daraus weitere Übungen zu entwickeln, kann meine zukünftige Unterrichtsvorbereitung deutlich erweitern.

Neben den fachlichen Inhalten war auch der internationale Austausch mit Lehrkräften aus verschiedenen europäischen Ländern sehr bereichernd. Die unterschiedlichen Erfahrungen, Unterrichtsformen und beruflichen Hintergründe führten während der gesamten Woche zu interessanten Gesprächen und neuen Perspektiven.

Gleichzeitig bot der Aufenthalt die Möglichkeit, Dublin und die irische Kultur näher kennenzulernen. Die Besuche historischer und kultureller Orte, Museen, Howth sowie der Ausflug nach Nordirland ergänzten die fachliche Weiterbildung sehr gut.

Insgesamt nehme ich aus dieser Mobilität viele neue Ideen, Erfahrungen und praktische Methoden mit, die ich nach meiner Rückkehr in meinem eigenen Unterricht ausprobieren und weiterentwickeln möchte.

Arts for the Inclusion of Migrants, Refugees and Disadvantaged Populations in Florenz

Wer sich gleichermaßen für Reisen und für Fortbildungen begeistert wie ich, weiß sicherlich, wie aufregend es ist, jede neue Bildungsreise vorzubereiten. Auch dieses Mal startete ich voller Begeisterung mit den Vorbereitungen meines Aufenthalts in Florenz – gleich nachdem die Unterlagen abgegeben und meine Mobilität bestätigt worden waren. Ich hatte mich dieses Mal jedoch für einen für mich sehr untypischen Kurs entschieden. Einmal vorab: In puncto künstlerische Kreativität bin ich tatsächlich untalentiert! Ich bin ein Mensch der Worte und der Musik – Malen und Zeichnen sind dafür einfach so an mir vorbeigerannt …

Aber der Gedanke, Inklusion und Ausdruck aus einer anderen Perspektive zu betrachten, Kunst mit Sozialwissenschaften sowie Themen wie Inklusion und Nachhaltigkeit zu verbinden und mich selbst dabei etwas herauszufordern, gefiel mir sehr. Also dann – tschüss, liebe Komfortzone, wir sehen uns wieder in Deutschland!

Ich habe mich entschieden, trotz der langen Strecke mit dem Auto zu fahren. Es gibt keine direkten Flüge nach Florenz von einem nahen gelegenen Flughafen, und die Bahn hatte mir in letzter Zeit das Gefühl gegeben, mich nicht so wirklich auf sie verlassen zu können – ich wollte meine Mobilität nicht dem Zufall überlassen. Im Nachhinein war das auch wirklich gut so: Ich war flexibel und konnte unterwegs viel mehr sehen und erleben.

Die Anreise war unproblematisch. Mein Weg führte durch die wunderschöne Natur Österreichs (der Halt am Fernsteinsee war ein Muss!), durch das italienische Südtirol direkt in die Toskana, und ich genoss die schönen Aussichten sehr. Da ich einen Tag früher angereist war, nutzte ich die Gelegenheit, die Stadt schon einmal kennenzulernen, unseren Treffpunkt zu finden und die Parkmöglichkeiten zu erkunden. Und selbstverständlich auch, die Köstlichkeiten Italiens zu genießen!

Tag 1, 22.06.2026

Nachdem wir uns alle in den Räumlichkeiten von Europass in der Via Sant’Egidio eingefunden hatten, ging es nach einer netten Begrüßung zu unseren eigentlichen Kursräumlichkeiten, die nur einige Meter weiter lagen. Es handelte sich dabei um ein wunderschönes Atelier auf zwei Ebenen, das alles bot, was ein Künstler (vermute ich doch!) so braucht. Den kurzen Weg dorthin nutzten wir, um uns etwas kennenzulernen. Zwei Teilnehmerinnen kamen aus Portugal, zwei aus Slowenien, fünf aus Griechenland und außer mir noch eine deutsche Teilnehmerin aus Karlsruhe. Unsere Dozentin heißt Monica Ogaz und kommt ursprünglich aus Mexiko, lebt aber schon seit vielen Jahren in Italien. Sie ist so sympathisch, dass wir uns alle sofort sehr wohl fühlten. Monica machte uns gleich klar, dass jeder von uns ein Künstler sein kann, egal wie begabt er sich selbst einschätzt – und letztendlich geht es in diesem Kurs um etwas ganz anderes. Sie ermutigte uns, intuitiv zu sein und uns keine Sorgen darüber zu machen, was wir kreieren, solange es zu uns passt.

Wir starteten direkt mit den Präsentationen über unsere Schulen und lernten die sehr unterschiedlichen Arbeitsweisen der Teilnehmenden aus verschiedenen europäischen Ländern kennen. Schnell entstanden erste Gespräche über Gemeinsamkeiten, Unterschiede und die Herausforderungen des pädagogischen Alltags.

Ein zentrales Thema war von Beginn an die Frage, wie Kommunikation gelingen kann – besonders dann, wenn Sprache allein nicht ausreicht. Gemeinsam diskutierten wir über verschiedene Kommunikationsformen und darüber, welche Rolle Kunst dabei spielen kann, Menschen miteinander zu verbinden, nachhaltige Inklusion zu schaffen und einander besser zu verstehen. Ebenso beschäftigten wir uns mit dem Unterschied zwischen Integration und Inklusion und stellten fest, dass echte Teilhabe weit mehr bedeutet, als lediglich Teil einer Gemeinschaft zu sein.

Besonders gefallen hat mir die kreative Aufgabe, einen persönlichen „Fingerprint“ zu gestalten. Die Aufgabe lautete: Fingerabdrücke sind sehr individuell und machen Menschen einzigartig. Wenn du dich selbst ohne Sprache, nur mit Farben, Figuren und Symbolen darstellen solltest, sodass man dich daran sofort erkennen kann – was würdest du malen? Wie würde dein Fingerabdruck dann aussehen? Oha … Na, dann gebt mir doch mal die Pinsel und die Stifte! Dann stand ich aber da und wusste zuerst gar nichts damit anzufangen. Und dann doch … Nein, aus mir wird immer noch kein Botticelli! Aber wer hätte gedacht, dass es so viel Spaß machen würde? Tatsächlich war ich im Nachhinein sehr zufrieden mit meinem „Fingerprint“ und auch ein bisschen stolz, dass er so gut gelungen war, dass meine Sitznachbarin Katerini aus Griechenland mich anhand dessen tatsächlich sehr gut beschreiben konnte.

Unser Fingerabdruck spiegelte auf ganz individuelle Weise Charaktereigenschaften, Interessen und Werte wider. Anschließend versuchten die anderen Teilnehmenden, die dargestellten Botschaften zu entschlüsseln. Dabei wurde deutlich, dass Bilder oft mehr erzählen können als Worte. Es entstand eine sehr schöne Diskussionsrunde über Diversität und über die Ausdrucksformen, die uns die Natur zur Verfügung gestellt hat. Um nachhaltige Inklusion zu schaffen, muss man also genau beobachten und nicht nur zuhören – ja, auch dann, wenn es stressig ist und Zeit investiert werden muss. Stichwort „Zeit“: Diese verging tatsächlich wie im Flug!

Danach gingen wir gemeinsam zu einem Markt in unmittelbarer Nähe (danke, Monica- hier gab es die besten Erdbeeren, die man sich vorstellen kann!)  und sammelten dort verschiedene Begriffe – Warenbezeichnungen, Obst- und Gemüsesorten, Kleidung etc. – auf Italienisch. Wir erhielten die Aufgabe, diese später in verschiedenen Sprachen zu vergleichen. Schon hier zeigte sich, dass Lernen nicht nur am Schreibtisch stattfindet, sondern überall dort, wo Menschen beobachten und miteinander ins Gespräch kommen.

Nach einem gemeinsamen Mittagessen erkundeten wir trotz 44 Grad die Stadt Florenz. Zwischen historischen Gassen, beeindruckender Architektur und italienischen Spezialitäten lernten wir uns auch persönlich immer besser kennen. Die erste Scheu war schnell verschwunden – aus einer Gruppe fremder Menschen entwickelte sich bereits am ersten Tag eine kleine internationale Gemeinschaft. Es fiel uns irgendwie sehr leicht, miteinander zusammenzusitzen und uns zu unterhalten. Natürlich wurden gleich die ersten persönlichen Bilder und Geschichten ausgetauscht: „Schau mal, das ist meine Familie …“

Die Fahrt zurück zu meiner Unterkunft am Abend war sehr malerisch, da sie mich direkt durch die sonnengebadete toskanische Berglandschaft voller Olivenbäume und Weinreben führte. Mit dem Auto anzureisen war also tatsächlich die richtige Entscheidung!

Tag 2, 23.06.2026

Der zweite Tag begann mit der Auswertung unserer Marktbeobachtungen. Erstaunlicherweise konnten sich fast alle anhand der gesehenen Schilder und Bilder an die italienischen Wörter erinnern. Diese Erfahrung machte deutlich, wie stark visuelle Eindrücke das Lernen unterstützen können – besonders beim Erwerb einer neuen Sprache. Im normalen Alltag ist uns die Bedeutung von Bildern und Symbolen gar nicht bewusst. Wir übersehen sie teilweise, weil wir uns auf die Sprache verlassen. Doch gerade für Menschen mit geringen Sprachkenntnissen können diese eine Brücke zur Verständigung sein. Was ist wo? Wie heißt das, was ich brauche? Wie sieht es geschrieben aus? Wie finde ich es wieder? Bildung ist für uns Europäer grundsätzlich leicht zugänglich – viele sprechen bereits nach dem Schulabschluss mehr oder weniger gut mindestens eine Fremdsprache. Wie ist es aber, wenn du dich in einem anderen Land befindest, dessen Alphabet für dich eher wie Straßenkunst als wie Buchstaben aussieht? Dann muss man sich auf Symbole und Bilder verlassen, und die Einheimischen sollten wiederum verstehen, dass Kommunikation zu Beginn oft nur auf diese Weise möglich ist. Inklusion in Bildern und Farben …

Besonders spannend war anschließend eine ungewöhnliche Zeichenübung: Wir zeichneten unser Gegenüber, ohne auf das Blatt zu schauen, während wir permanent Blickkontakt hielten. Hat schon einmal jemand versucht, einem kaum bekannten Menschen zwei Minuten lang ununterbrochen in die Augen zu schauen und dabei zu schweigen? Es ist schwieriger, als man sich das vorstellen kann! Monica warnte uns, dass es teilweise unangenehm wirken könnte, wir sollten es jedoch versuchen. Wir sollten die Übung einmal mit der linken und einmal mit der rechten Hand durchführen. Dabei ging es nicht um Perfektion, sondern darum, Kontrolle loszulassen und genauer hinzusehen – also um nonverbale Kommunikation, Wahrnehmung und soziale Nähe.

Gemeinsam überlegten wir danach, wie kreative Methoden im beruflichen Alltag eingesetzt werden können. Eine Idee war beispielsweise, Prüfungsräume oder Wartebereiche mit Farben und Papier auszustatten, um Stress abzubauen und den Menschen die Möglichkeit zu geben, ihre Gedanken kreativ auszudrücken. Wir sprachen außerdem darüber, wie Kunst Menschen mit Flucht- oder Migrationserfahrung helfen kann, Gefühle auszudrücken und miteinander in Kontakt zu kommen, selbst wenn sprachliche Barrieren bestehen. Ja, Handys bieten oft Übersetzungshilfen, aber auch diese versagen oder sind teilweise ungenau. Und wer nicht von Technik und Internetempfang abhängig sein möchte und die Fähigkeit, allein zurechtzukommen, nicht verlieren will, lernt, diese immer weiterzuentwickeln.

Am Nachmittag besuchten wir die Bibliothek Oblate und anschließend eine außergewöhnliche Buchhandlung im Odeon-Cinema. Dort suchten wir gezielt nach Buchcovern, die Vielfalt, Inklusion oder gesellschaftliche Teilhabe darstellen. Es war faszinierend zu entdecken, wie viel eine einzelne Illustration über gesellschaftliche Werte erzählen kann.

Die Bibliothek ist wunderschön und ein wahrer Begegnungsort, aber das Konzept des Odeon-Cinemas fand ich genial. Ja, das ist tatsächlich ein Kino, ABER … Nach dem Boom der Streaming-Anbieter wurde den pfiffigen Italienern sehr schnell klar, dass die Kinokultur für die jüngeren Generationen schon bald an Reiz verlieren würde. Also überlegten sie sich, wie sie ihr wunderbares altes Kino in diesem beeindruckenden Gebäude weiterhin am Leben erhalten könnten. Und dann kam die Idee: Sie haben tatsächlich im Erdgeschoss des Kinos eine tolle Buchhandlung eingerichtet, die den Besuchern nicht nur eine große Auswahl an Büchern in mehreren Sprachen bietet, sondern auch die Möglichkeit, direkt vor der Leinwand zu entspannen. Dort laufen Stummfilme oder Filme mit englischen oder italienischen Untertiteln ohne Ton. Man kann sich davor hinsetzen, die angenehme Kühle genießen und sich mit einem Buch zurückziehen. Im ersten Stock gibt es sogar kleine Tische, an denen man am PC arbeiten oder etwas trinken kann. Ganz oben befindet sich dann der eigentliche Kinosaal, in dem abends nach wie vor aktuelle Filme gegen Bezahlung gezeigt werden. Der Plan scheint aufzugehen – denn sowohl die Buchhandlung als auch das Kino sind permanent gut besucht. Wenn der Buchladen schließt, öffnet das Kino, und Miete wird nur einmal gezahlt…Ein schönes Beispiel dafür, wie man zwei Branchen miteinander verbinden kann, um beide am Leben zu erhalten!

Nach einem gemeinsamen Mittagessen erkundeten wir weiter die Stadt und sicherten uns bereits die Eintrittskarten für den Besuch der Uffizien am nächsten Tag.

Tag 3, 24.06.2026

Der dritte Tag führte uns noch tiefer in die Welt der Emotionen und der Kunst. Gemeinsam betrachteten wir Bilderbücher wie Das Farbenmonster und Il Buco von Anna Llenas, die eindrucksvoll zeigen, wie Farben und Formen ohne viel Text Gefühle ausdrücken können. Es wurde schnell deutlich, dass Kunst eine universelle Sprache sein kann – unabhängig von Alter, Herkunft oder Sprachkenntnissen.

In Gruppen gestalteten wir anschließend Plakate zum Thema Inklusion. Auf unser Plakat war ich sehr stolz! Wir haben uns überlegt, die Wörter des Satzes „We are all part of the world“ zwischen verschiedenen Bildern, Symbolen und Slogans zu verstecken, damit die Menschen wirklich genau beobachten müssen, um sie letztendlich zu entdecken. Dabei haben wir das Wort „part“ so dargestellt, dass darin „ART“ ganz besonders hervorgehoben wurde – Art (Kunst, ganz egal welche seiner Formen) ist das, was uns alle verbinden kann. Dabei diskutierten wir, wie sich Zugehörigkeit, Vielfalt und gegenseitiger Respekt bildlich darstellen lassen. Unterschiedliche Ideen ergänzten sich, neue Perspektiven entstanden und aus vielen einzelnen Gedanken entwickelte sich ein gemeinsames Gesamtbild.

Später beschäftigten wir uns mit der Wirkung von Farben und Symbolen sowie mit den unterschiedlichen kulturellen Prägungen der Teilnehmenden. Der Austausch über Mentalitäten und persönliche Erfahrungen machte deutlich, wie unterschiedlich Menschen dieselbe Situation wahrnehmen können – und wie bereichernd genau diese Vielfalt ist.

Nach einem typisch toskanischen Mittagessen mit Lampredotto (ich beschreibe es lieber nicht – aber für alle, die nachschauen wollen, gleich vorab: Es war sehr lecker!) ging es zunächst zum Rosengarten und anschließend hinauf zur Piazzale Michelangelo. Von dort bot sich uns nicht nur ein beeindruckender Blick über Florenz, sondern auch zahlreiche Inspirationen für Farben, Licht und kreative Gestaltung.

Der Höhepunkt des Tages wartete jedoch am Nachmittag: der Besuch der Galerie Uffizien. Vier Stunden lang tauchten wir in die Welt großer Künstler ein und stellten fest, dass selbst diese Zeit kaum ausreicht, um alle Werke angemessen zu betrachten. Kunstgeschichte wurde plötzlich greifbar und zeigte, wie sehr sich der Blick auf den Menschen über die Jahrhunderte verändert hat. Es war zwar sehr stickig und überlaufen in den großen Räumlichkeiten und auf der Terrasse der Cafeteria sogar kochend heiß und kaum auszuhalten – aber für mich war dieser Besuch ein absolutes Highlight. Allein das Gebäude mit seinen bemalten Decken und Verzierungen ist sehr sehenswert, zumal die Fenster Blicke in die Stadt bieten, die man nirgendwo sonst bekommt. Die Sammlung der Werke der genialen Künstler Italiens jedoch ist absolut grandios!

Tag 4, 25.06.2026

Am vierten Tag standen Emotionen erneut im Mittelpunkt – diesmal aus psychologischer Sicht. Wir beschäftigten uns mit den Theorien von Sigmund Freud und deren Einfluss auf Künstler wie Pablo Picasso und Salvador Dalí. Dabei diskutierten wir, wie Träume, Erinnerungen und innere Konflikte ihren Weg in die Kunst finden und warum kreativer Ausdruck gerade für Menschen mit belastenden Erfahrungen so wichtig sein kann. Solche Menschen dazu zu motivieren, sich an einer neuen Gesellschaft zu beteiligen, ist nicht so einfach. Oft versuchen sie auch in einem anderen Land, unter ihresgleichen zu bleiben. Gefühle wie Scheu, Wut, Angst und oft auch Aussichtslosigkeit schaffen Barrieren zwischen Menschen und sorgen dafür, dass sie kein Gespür füreinander entwickeln.

Monica fragte uns ganz nebenbei, wie uns die Galerie Uffizien gefallen habe. Wir schwärmten davon, und dann erzählte sie uns, dass wir großes Glück gehabt hatten, sie bereits am Vorabend besucht zu haben. Aufgrund der extremen Hitze und der fehlenden Lüftungsmöglichkeiten schlossen die Uffizien ihre Türen für Besucher vorübergehend direkt ab diesem Tag – kein Wunder bei den 46 Grad, die wir hatten! Das war uns bis zu diesem Zeitpunkt gar nicht bewusst gewesen, dass wir quasi geradeso noch da reingekommen sind. Wie gut, dass wir so organisiert waren und uns noch rechtzeitig vor der Schließung Tickets besorgen konnten!

Anschließend gestalteten wir einen persönlichen Emotionsbaum. Die Wurzeln symbolisierten das, was uns Halt gibt, der Stamm unsere Stärken und Schwächen, die Baumkrone unsere Wünsche und Ziele und die fallenden Blätter all das, was wir loslassen möchten. Diese Übung bot Raum für Selbstreflexion und machte sichtbar, wie unterschiedlich Lebenswege sein können.

Während ich meinen Baum zeichnete, wurde mir bewusst, dass ich an allen Tagen bisher nicht nur die praktischen Übungen, sondern auch das Malen und Zeichnen selbst sehr genossen hatte. Meine „Werke“ zeugen zwar nicht gerade von einem Hauch künstlerischer Begabung, aber darum ging es auch gar nicht. Ich muss gestehen, dass ich mich dabei einfach sehr gut gefühlt habe. Monica ließ jedes Mal Musik laufen, wenn wir kreativ werden mussten. Die Kombination aus Farben und Musik hat mich so unglaublich entspannt, dass ich die Pinsel gar nicht mehr aus der Hand legen mochte, wenn die Übung zu Ende ging. Für eine Person wie mich, die für Picasso nicht besonders viel übrig hat (und deren Kreationen noch „abstrakter“ geworden sind als seine), war das tatsächlich eine überraschende Selbstentdeckung. In meinem Fall war der Weg zum Ergebnis das, was mir etwas brachte. Das Ergebnis selbst war mir gar nicht mehr so wichtig – sondern das Gefühl, dass ich, während ich die Farben vor mir sah und damit arbeitete, meine Gedanken sortieren und über vieles intensiver nachdenken konnte.

Danach verließen wir erneut den Seminarraum und suchten in der Stadt nach Statuen, die uns zu eigenen Figuren inspirieren sollten. Aus den Skulpturen entstanden fantasievolle Charaktere mit individuellen Eigenschaften, Gefühlen und Lebensgeschichten. In kleinen Gruppen entwickelten wir daraus gemeinsame Geschichten und stellten fest, wie spannend es sein kann, unterschiedliche Persönlichkeiten miteinander agieren zu lassen. Zum Abschluss gestalteten wir passende Masken als Vorbereitung für ein Rollenspiel am nächsten Tag.

Nach Unterrichtsende ließen wir den Tag auf dem Mercato Centrale ausklingen. Bei gutem Essen tauschten wir uns über Erasmus-Erfahrungen, Job-Shadowing-Projekte und die Herausforderungen unseres Berufsalltags aus. Erstaunlicherweise wurde schnell klar, dass viele Probleme unabhängig vom jeweiligen Land nahezu identisch sind – eine Erkenntnis, die ebenso beruhigend wie verbindend war.

Tag 5, 26.06.2026

Der letzte Kurstag begann mit der Fertigstellung unserer Masken und mündete direkt in die Aufführung der gemeinsam entwickelten Theatergeschichte. Darin spielten wir Menschen in einer Notsituation, die unterschiedliche Sprachen sprachen und dennoch versuchten, miteinander zu kommunizieren. Was haben wir gelacht! Wie kann es sein, dass elf Personen, die sich kaum kennen, so wortlos miteinander eine schlüssige Pantomime spielen können – und das dabei so lustig und gleichzeitig so authentisch wirkt? Diese Übung wurde für viele von uns zum emotionalen Höhepunkt der gesamten Woche. Und: Die Gruppe, die performte, verstand sich untereinander, und diejenigen, die zuschauen mussten, verstanden ebenfalls alles. Also, wo fangen nachhaltige Integration und Inklusion eigentlich an? Richtig – beim genauen Beobachten und bei der ersten bildlichen Wahrnehmung!

Anschließend vertieften wir das Thema Kommunikation in einer Präsentation über zwischenmenschliche Beziehungen und besuchten danach die Kunstakademie von Florenz. Dort erhielten wir spannende Einblicke in die Ausbildung angehender Künstlerinnen und Künstler und diskutierten über die Bedeutung von Kunst für die persönliche Entwicklung.

Zum Abschluss wartete noch eine ganz besondere kreative Aufgabe auf uns. Mit geschlossenen Augen zeichneten wir zu wechselnder Musik spontane Linien auf ein Blatt Papier. Daraus entstanden später individuelle Bilder. Anschließend wurden die Werke immer wieder an die nächste Person weitergegeben, die sie ergänzte oder veränderte. Als wir unsere Bilder schließlich zurückerhielten, hatten sie sich vollständig verändert – und dennoch waren sie immer noch unsere eigenen.

Diese Übung wurde zu einer wunderbaren Metapher für das Leben: Wir beginnen unseren Weg, ausgestattet mit Eigenschaften, die wir nicht bewusst mitgebracht haben, mit eigenen Vorstellungen und Zielen. Doch Begegnungen mit anderen Menschen verändern unsere Richtung, bereichern uns, stellen uns vor Herausforderungen und hinterlassen Spuren. Genau darin liegt die Stärke von Gemeinschaft und Inklusion.

Nach dieser Reflexion erhielten wir unsere Teilnahmezertifikate. Doch der eigentliche Abschluss wartete noch: Gemeinsam machten wir eine Tour durch das Chianti-Gebiet mit Wein- und Käseverkostung. Zwischen Weinbergen, gutem Essen und vielen Gesprächen wurde mir klar, dass ich locker noch mindestens eine weitere Woche in Florenz hätte verbringen können – mit genau diesen mittlerweile nicht mehr ganz so unbekannten Menschen.

Und dass mir das intuitive Malen fehlen wird. Für das ich nach wie vor überhaupt kein Talent habe.

Und dennoch – kaum zu Hause angekommen, habe ich mir tatsächlich Farben bestellt, einfach weil ich damit eine neue Methode gefunden habe, dem Stress entgegenzuwirken und dabei tiefgründiger nachdenken und planen zu können – auch wenn meine Werke niemals in den Uffizien hängen werden!

Für mich persönlich steht fest, dass ich bereits beim nächsten Dozententreffen mit meinen Deutschdozentinnen und -dozenten über einige der kreativen Übungen sprechen werde. Ich finde sie tatsächlich ebenso einfach wie verbindend. Sie fördern Inklusion, bieten die Möglichkeit, sich kreativ auszudrücken, und ermöglichen es gleichzeitig, auf eine ungezwungene Weise Deutsch zu üben.

Die Handys im Kursraum zu lassen, anschließend gemeinsam loszuziehen und Begriffe selbst zu sammeln und zu lernen, erscheint mir als eine wunderbare Methode. Sie stärkt das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten und regt gleichzeitig zum Austausch untereinander an. Auch die Idee, die Stressbewältigung vor oder während der Prüfungen mit Buntstiften zu unterstützen, finde ich spannend – warum eigentlich nicht?

Und weil wir Volkshochschule sind – und damit kreativ, bunt, innovativ und auf positive Weise anders –, könnten wir vielleicht eines Tages sogar die Deutschkursräume mit den entstandenen Werken gestalten und verschönern. Das hätte gleich einen doppelten Effekt: Die Kunstwerke würden die Räume lebendiger machen und gleichzeitig als Gesprächsanlass dienen. Eine schöne kleine Übung für neue Teilnehmende könnte beispielsweise sein: „Wisst ihr, wem die Werke an der Wand gehören und wie sie entstanden sind? Schätzt doch einmal!“ So kämen sie ganz nebenbei ins Sprechen und könnten ihre Deutschkenntnisse in einer entspannten Atmosphäre anwenden.

Ich bin schon sehr gespannt darauf, wie unsere pädagogischen Fachkräfte den Austausch über meine Erfahrungen aufnehmen werden. Vielleicht lässt sich die eine oder der andere sogar für diesen inspirierenden Kurs begeistern und ihn selbst besuchen – darüber würde ich mich sehr freuen.

Cultivating Diversity and Inclusion in Barcelona

Ein Bericht von Egzona Alija

Ich hatte die Gelegenheit, am Kurs „Cultivating Diversity and Inclusion“ in Barcelona teilzunehmen – eine Erfahrung, die mich sowohl fachlich als auch persönlich bereichert hat. Gemeinsam mit Kolleginnen aus Schweden, Belgien, Griechenland und Polen durfte ich eine inspirierende Woche erleben, die geprägt war von offenem Austausch, neuen Perspektiven und wertvollen Impulsen. In einer angenehmen und internationalen Lernatmosphäre konnten wir voneinander lernen, unsere Erfahrungen teilen und gemeinsam Ideen weiterentwickeln. An dem Kurs wollte ich teilnehmen, da das Thema Diversität und Inklusion an unserer Volkshochschule in Rendsburg eine zentrale Rolle spielt. Besonders interessiert hat mich die Frage, wie in anderen europäischen Ländern mit diesem Thema umgegangen wird, welche Ansätze dort verfolgt werden und welche Erfahrungen gemacht wurden. Der internationale Austausch bot hierfür eine wertvolle Gelegenheit, den eigenen Blick zu erweitern und neue Impulse für die eigene Arbeit mitzunehmen.


Der Kurs begann am Montag, den 13.04.2026, mit einer Einführung durch die Dozentin Frau Y. Ojeda. Im Mittelpunkt stand dabei das Thema der menschlichen Pyramiden, der sogenannten „Castells“, die eine bedeutende Rolle in der katalanischen Tradition spielen. Diese beeindruckenden Bauwerke sind jedoch weit mehr als ein kulturelles Symbol – sie veranschaulichen grundlegende Werte, die sich auch in der Rolle einer Lehrkraft widerspiegeln. Um ein Castell stabil und erfolgreich aufzubauen, sind vor allem drei Aspekte entscheidend: Struktur, Ruhe und Solidarität. Jede beteiligte Person trägt Verantwortung für das Gelingen des Ganzen und nur durch Vertrauen und Zusammenarbeit kann der Turm bestehen. Diese Prinzipien lassen sich auch auf den schulischen Kontext übertragen: Auch als Lehrkraft gilt es, eine stabile und unterstützende Gemeinschaft zu schaffen, die den Lernenden Halt gibt. Gerade in herausfordernden Zeiten ist es wichtig die „Struktur“ der Klasse zu bewahren, Ruhe auszustrahlen und Solidarität und Gemeinschaft zu fördern. Am Anschluss an diese Einführung folgte bereits die erste gemeinsame Aktivität, die dem Kennenlernen diente. Dafür wurden wir in drei Gruppen eingeteilt. Unsere Aufgabe bestand darin, Gemeinsamkeiten innerhalb der Gruppe zu finden und diese jeweils auf einzelne Karten festzuhalten- pro Karte eine Gemeinsamkeit. Mit den gesammelten Karten sollten wir anschließend eine Kartenpyramide bauen. Ziel war es, möglichst viele Gemeinsamkeiten zu entdecken, denn je mehr Karten wir hatten, desto höher konnte unsere Pyramide werden. Am Ende gewann die Gruppe mit dem höchsten Turm.


Um ein besseres Verständnis dafür zu entwickeln, in welchen Kontexten wir jeweils arbeiten und mit welchen Zielgruppen wir in unserem beruflichen Alltag zu tun haben, sollte im Vorfeld eine kurze Präsentation vorbereitet werden. Jede Teilnehmerin stellte in einer etwa fünfminütigen Präsentation ihre konkrete Tätigkeit, ihre Einrichtung sowie die jeweilige Zielgruppe vor. Im Anschluss bestand die Möglichkeit, Fragen zu stellen und in einen vertiefenden Austausch zu gehen. Es war besonders spannend zu sehen, wie viele Parallelen es trotz unterschiedlicher Rahmenbedingungen gab- und gleichzeitig, wie vielfältig unsere Arbeitsrealitäten sind. Vertreten waren unterschiedliche Schulformen und -größen, von kleineren Einrichtungen mit etwa 80 Lernenden bis hin zu großen Institutionen mit bis zu 700 Teilnehmenden. Auch die Zielgruppen reichten von Kindesalter bis hin zum Erwachsenalter. Diese Vielfalt eröffnete einen breiten Blick auf unterschiedliche pädagogische Ansätze und Herausforderungen im europäischen Kontext. Der Kurs war für alle besonders im Hinblick auf die Frage wichtig, wie wir besser mit dem Thema Migration umgehen und wie wir SchülerInnen stärker in die Klassengemeinschaft einbinden können, um eine gelungene Integration zu fördern.

Der Dienstag begann mit einer aktivierenden Kennenlernrunde in Form des Spiels „Ich packe meinen Koffer“. In dieser Variante sollte jede Teilnehmerin ihren Namen nennen und sich selbst eine positive Eigenschaft zuschreiben, die mit ihrem Anfangsbuchstaben beginnt. Diese Übung veranschaulichte auf einfache, aber wirkungsvolle Weise, wie sich solche Methoden auch im Unterricht einsetzen lassen. Durch die positive Selbstzuschreibung wird jede*r Einzelne sichtbar und als wertvoller Teil der Gemeinschaft wahrgenommen. Gleichzeitig wird der Fokus bewusst auf Stärken gelegt. Die Aktivität zeigt, wie wichtig es ist, Positivität in den Vordergrund zu stellen und Lernende darin zu bestärken, sich selbst und andere mit einem positiven Blick wahrzunehmen. Wenn Schulen die zentralen Elemente- Wohlbefinden, schülerzentrierte Ansätze und lebenslanges Lernen-umsetzen, schaffen Lehrkräfte unterstützende Lernumgebungen. Dadurch können SchülerInnen in mehrsprachigen Klassenzimmern sich besser am Lernprozess beteiligen und wichtige sozial-emotionale Kompetenzen entwickeln. Wohlbefinden ist ein fester
Bestandteil des europäischen Curriculums und steht im Zentrum des Europäischen
Bildungsraums. Es umfasst und fördert emotionale Selbstregulation, körperliche und psychische Gesundheit und stärkt das Zugehörigkeitsgefühl der Lernenden. Im Anschluss haben wir über die 21st Century Skills gesprochen, die SchülerInnen auf die Anforderungen der modernen Welt vorbereiten. Sie lassen sich in drei Kategorien einteilen:

  • Lernkompetenzen wie kritisches Denken, Problemlösung und Kreativität, die eigenständiges und reflektiertes Lernen ermöglichen
  • Grundlegende und fachübergreifende Kompetenzen wie Lesen, Schreiben, Rechnen, digitale und mediale Fähigkeiten, die ein effektives Verstehen und Kommunizieren von Informationen erlauben.
  • Sozial-emotionale und persönliche Kompetenzen wie Teamarbeit, Kommunikation,
    Anpassungsfähigkeit und Selbstmanagement, die für das Leben, die Arbeit und das
    gesellschaftliche Miteinander wichtig sind.

Folgende sechs Eigenschaften werden einer Lehrkraft des 21. Jahrhunderts zugeschrieben:

  • Flexibilität und Anpassungsfähigkeit, um auf unterschiedliche Lernende, Technologien und Lernumgebungen einzugehen
  • Kollaboration und Vernetzung, um fächerübergreifend zusammenzuarbeiten und Netzwerke aufzubauen
  • kreative Ansätze mit klarer Zielsetzung, damit Lerninhalte nachhaltig verankert werden
  • kulturelle Sensibilität und Inklusivität, um Vielfalt zu schätzen und eine Umgebung zu schaffen, in der sich alle zugehörig fühlen
  • emotionale Intelligenz und Empathie, um Lernende zu unterstützen und ihre Schwierigkeiten frühzeitig zu erkennen
  • KI-Kompetenz, um intelligente Tools gezielt einzusetzen und individuelles Lernen zu fördern

Der Mittwoch begann mit einer Situationssimulation: Jede Teilnehmerin erhielt einen
Papierschnipsel mit einer kurzen Beschreibung, warum sie ihr Heimatland verlassen musste. Anschließend tauschten wir uns untereinander aus und fanden uns in Gruppen zusammen, je nachdem, aus welchen Gründen wir glaubten zusammenzupassen. Dabei entstanden zwei Gruppen: wirtschaftliche Zuwanderer und schutzsuchende Zuwanderer. In der anschließenden Plenumsdiskussion besprachen wir, worauf im Umgang mit zugewanderten Schüler*innen besonders zu achten ist. Aus dieser Diskussion heraus kamen wir auf das „Principal of Universal Learning (UDL)“. Vor dem Hintergrund der unterschiedlichen Lebensrealitäten und Bedürfnisse der SchülerInnen wurde deutlich, wie wichtig es ist, Unterricht so zu gestalten, dass alle Lernenden erreicht werden. Das Konzept zielt darauf ab, Informationen auf verschiedene Weise bereitzustellen, unterschiedliche Materialien zugänglich zu machen und den SchülerInnen zu ermöglichen, ihre Ideen mit vielfältigen Methoden und Werkzeugen auszudrücken. Dadurch können individuelle Voraussetzungen besser berücksichtigt und Chancengleichheit im Lernen gefördert werden.


Am Nachmittag ging es für unsere Gruppe auf die Migratour, ein Projekt, das in mehr als 30
Städten europaweit angeboten wird. Bei der Tour geht es darum, durch Spaziergänge die Vielfalt und den Reichtum unterschiedlicher Kulturen innerhalb der Stadt zu zeigen. Die Tour wird stets von einem Guide mit Zuwanderungsgeschichte durchgeführt. Ziel ist es, die Vielfalt der Kulturen in Barcelona, wo über 300 Sprachen gesprochen werden, erlebbar zu machen, Gemeinschaftsnetzwerke in verschiedenen Stadtteilen zu erkunden und Rassismus und Fremdenfeindlichkeit zu reflektieren. Außerdem sollen Stereotypen und Rassismus abgebaut und Koexsistenz, Toleranz, Resilienz und Inklusion gefördert werden. Auf unserer Tour hatten wir die Möglichkeit verschiedene wichtige Orte für zugewanderte Personen zu besuchen. Sie begann an einem Sprachzentrum und führte weiter zu zwei Werkstätten für Menschen, deren Aufenthaltsstatus noch nicht geklärt ist. Diese Werkstätten bieten den zugewanderten Menschen einen Zufluchtsort, an dem sie zum Beispiel Kleidung und Taschen herstellen und sich kreativ engagieren können. Die Erlöse durch den Verkauf dienen der Finanzierung neuer Nähmaschinen und anderer Ausstattung. Besonders spannend war zu beobachten, auf welche unterschiedliche Weise in verschiedenen europäischen Ländern mit Herausforderungen von Migration und
Integration umgegangen wird.

Der Donnerstag begann mit einer Einführung in die SEE-Think-Wonder-Strategie. Dabei handelt es sich um eine Methode, die Lehrkräfte einsetzen, um das Denken von Lernenden durch die Einsetzung von Kunst und Musik sichtbar zu machen. Diese Denkstrategien sind nicht nur darauf ausgelegt Wissen zu vermitteln, sondern auch, um Ideen zu entwickeln. Denn wenn Denken sichtbar wird, kann es reflektiert, diskutiert und vertieft werden. Als Gruppe hatten wir die Gelegenheit, die See-Think-Wonder-Methode an einem abstrakten Gemälde auszuprobieren. Wir durchliefen dabei drei Phasen: Was fällt uns auf? Was denken wir über das Gesehene? Und welche Fragen kommen uns dazu in den Sinn? Dabei ging es nicht um richtig oder falsch- jede Interpretation war gültig. Wichtig war, tiefer über das Geschehene nachzudenken. Nach dem Austausch im Plenum ging es für uns ins Museu Nacional d’Art de Catalunya, wo wir in zwei Gruppen unterschiedliche Aufgaben bzw. Stationen zum Thema Kulturschock durchlaufen sollten. Bei den Aufgaben ging es darum, Bezüge zwischen unseren eigenen Erfahrungen im Arbeitsalltag und den Gemälden herzustellen. Unsere Ergebnisse haben wir anschließend auf einem Padlet hochgeladen, sodass wir durch Videos und Bilder Einblicke in die Ergebnisse der anderen Gruppe erhalten konnten. Besonders spannend war der Austausch, denn durch die Zusammenarbeit in der Gruppe bekamen wir Einblicke, wie in anderen Ländern mit Themen wir Diversität, Integration und Inklusion umgegangen wird.

Am Freitag reflektierten wir gemeinsam die Ergebnisse unseres Museumsbesuchs. In einer angenehmen Runde tauschten wir uns darüber aus, was es bedeutet, dazuzugehören, und wie man Hindernisse überwinden kann. Der Freitag wurde genutzt, um eine kleine Abschiedszeremonie zu gestalten. In Dreiergruppen erstellten wir mithilfe eines KI-Tools aus den wichtigsten Schlagwörtern der Woche einen eigenen Song, der anschließend über einen Songgenerator abgespielt wurde. Zum Abschluss erhielten wir unsere Zertifikate. Es war ein schöner Moment, um die Woche noch einmal Revue passieren zu lassen.

Am letzten Tag der Erasmus-Reise hatte jede Teilnehmerin die Möglichkeit, an einer Aktivität ihrer Wahl teilzunehmen. Zur Auswahl standen drei Sehenswürdigkeiten: Sant Pau, Casa Amatller und Poble Espanyol. Ich entschied mich für Letzteres. Das Poble Espanyol ist ein Freilichtmuseum, das typische Bauwerke, Plätze und Handwerkskunst aus verschiedenen Regionen Spaniens nachbildet. Dort kann man einen kleinen Überblick über die Vielfalt der spanischen Architektur und Kultur bekommen und gleichzeitig traditionelle Handwerkskunst erleben. Im Anschluss stand noch eine Hop on Hop off Bustour auf dem Programm. Diese Fahrt rundete meinen Aufenthalt in der wunderschönen Stadt perfekt ab. Ich bin dankbar, diese Erfahrung gemacht zu haben. Sowohl die inhaltlichen als auch die kulturellen Eindrücke haben mich nachhaltig geprägt. Es war eine unvergessliche Erfahrung, die mich dazu angeregt hat, das Gelernte in meinen beruflichen Alltag zu integrieren.

BNE-Hospitation in Madrid, Spanien

Florin Feldmann Mai 2025

Die unten beschriebenen, recht verschiedenen Stationen haben meine BNE-Hospitation bei der Federación Española de Universidades Populares (FEUP), dem spanischen vhs- Dachverband, geprägt.

Die Volkshochschulwelt in Spanien

Der vhs-Bundesverband Federación Española de Universidades Populares (FEUP) hat rund 230 Volkshochschulen als Mitglieder (https://feup.org/web/). Anders als in Zwischenstruktur in Form von Landesverbänden (derer es nur zwei gibt: in Extremadura https://www.aupex.org/   und auf den Kanarischen Inseln https://www.upcanarias.com/) sind die Aufgaben und der Arbeitsalltag des Bundesverbandes gut mit denen von uns als Landesverband SH vergleichbar. Manche sogar sehr offensichtlich: so wie wir eine hervorragende Kooperation mit der Verbraucherzentrale sowie das Treibhausgas-Einspar-Projekt „vhsgoesgreen2“ haben, gibt es dort eine enge Kooperation mit den Energieanbietern, die gemeinsam mit den Volkshochschulen Selbstlernkurse anbieten (https://hemera.feup.org/). 

SDG 4: Ich erfahre spannende Parallelen und Unterschiede zu unserer Arbeit. Der Dachverband publiziert regelmäßig: In diesem Herbst (2025) wird es eine Publikation über die vhs-Aktivitäten im Bereich Ökologische Nachhaltigkeit geben, die dann auch kostenlos auf ihrer Homepage zum Download zur Verfügung steht.

SDG 3: Aktuell haben sie einen starken Fokus auf Einsamkeitsprävention und ich bin gespannt am Ende des Jahres zu erfahren, wie ihre Ansätze angenommen wurden. U.a. wird mit Apotheken und Hausärzten zusammengearbeitet, um mit von Einsamkeit betroffenen Menschen in Kontakt zu kommen.

SDG 8: Berufsbezug ist finanzierungsbedingt das Querschnittsthema durch fast alle vhs-Angebote. Hier ist es sehr spannend zu sehen, wie die Angebote denen unserer Volkshochschulen sehr ähnlich sind, und dann aber zusätzlich diesen Bogen schlagen.

Escuela Feminista Estatal der FEUP: Feministische vhs in Trägerschaft des Dachverbandes

2019 wurde in Valencia die feministische Volkshochschule eröffnet (https://efe.feup.org/), die bundesweit tätig ist.

SDG 5: eine gesamte vhs, die sich der Frauenförderung verschrieben hat. Und ihren Schwerpunkt hierbei vor allem (aber nicht nur) im ländlichen Bereich setzt ist ein hochinteressantes Konzept!

Unter anderem führte sie ein EU-gefördertes Projekt durch, in dem es darum ging, die klassischen Haushaltskompetenzen von Frauen und vor allem Müttern sichtbar zu machen und so auf den Beruf zu übertragen. Wie auch die generellen vhs-Veranstaltungen sind die der EFE ebenfalls mit einem starken Berufsbezug, der gerade im ländlichen Raum oft auch auf Gründung und Selbstständigkeit ausgerichtet ist.

Meeresschutzausstellung Eco del Oceano: Ozeanausstellung fernab von Küstengebieten

Nach dem offiziellen Programm besuche ich noch das Ausstellungshaus einer anderen großen Stiftung, die keinen allgemeinen BNE-Anspruch verfolgt, aber aktuell eine Ozeanausstellung zeigt: https://espacio.fundaciontelefonica.com/evento/ecos-del-oceano/.

Mir fällt erst hier auf, dass ich bisher nur in Meeresausstellungen war, die sich in Küstennähe befinden. Da Madrid genau im Zentrum von Spanien liegt, ist die Küste in alle Richtungen maximal entfernt. Vielleicht wurde auch deshalb ein so sehr atmosphärischer Zugang gewählt.

SDG 14 und SDG 4: Die Ausstellung beginnt mit einer Klangmeditation und hat somit eine rein sinnliche Eröffnung des Themas. Erst langsam werden im Laufe der Ausstellungsräume Informationen eingestreut, bis es zum Abschluss eine sehr hohe Informationsdichte gibt. Also ein sehr BNE-gerechtes Lernen mit allen Sinnen. Eine gute Anregung für Volkshochschulen, auch mal mutig auszuprobieren, die Wissensvermittlung beim Themeneinstieg aus dem Vordergrund zu nehmen, um anderen Zugang zu schaffen.

La Casa Encendida

Etablierter Dritter Ort: Lernräume, Veranstaltungsräume, Bibliothek, Ausstellungen, Aufenthaltsbereiche, Urban Gardening  (https://www.lacasaencendida.es/en).

„Wir demokratisieren die Kultur“, hieß es in der Führung hinter die Kulissen, an der ich teilnehmen durfte. Gemeint ist, dass sie Kultur für alle zugängig und für alle gestaltbar machen. Was auch angesichts der geographischen Lage in der Stadt spannend ist: Dieses Haus liegt genau zwischen einem Museum mit Weltruf (Museo Reina Sofia, in dem u.a. riesige Werke von Picasso zuhause sind) und einem eher armen, migrantisch geprägten Stadtteil (Lavapies), in dem es aktive Stadtteilarbeit betreibt. Spannend waren sowohl das Konzept des Hauses, das extrem gut angenommen wird, als auch einzelne Elemente und Ausstellungen.

Ganz im Sinne von BNE verbindet das Konzept die Dimensionen Gesellschaft, Kultur, Bildung und Umwelt. Mindestens zwei dieser Säulen müssen bei jedem Angebot abgedeckt sein, in der Gesamtsumme müssen alle ausgewogen erkennbar sein.

Gedanken

SDG 4 und SDG 11: Eigentlich führt für Volkshochschulen an dem Konzept der Dritten Orte kein Weg vorbei.

SDG 13 und SDG 15: Könnten Volkshochschulen die Verbindung von Urban Gardening Aktivitäten in SH sein und dadurch die SDGs „Leben an Land“ und „Gesundheit“ noch sichtbarer machen?

SDG 10: Zum einen bekam ich neue, konkrete Anregungen, wie Inklusion an Volkshochschulen realisierbar wäre – wenn denn die Finanzierung einfacher wäre. Zum anderen gab es eine interessante Anregung zur Erreichung und Verbindung von Zielgruppen: Hier werden zum Teil gezielt zwei Zielgruppen in einer Veranstaltung zusammengebracht. Dies mal auszuprobieren und mit dieser Mischung zu arbeiten könnte ein spannender Ansatz sein.

El Maradero

Der ehemalige Schlachthof mit einem Gebäudeensemble von 1924 ist ein riesiges Kulturzentrum mit 3.Ort-Elementen, das laufend weiterentwickelt wird. „Ein offener Kulturort zum Erkunden, Sich-Treffen und Teil-sein“, wie es in der Selbstbeschreibung heißt: https://www.mataderomadrid.org/.

Gedanken

SDG 4, SDG 12, SDG 15 werden hier in das Angebot eines Ortes eingewebt, der in erster Linie Kulturinteressierte anspricht. Auf diese Weise wird auch eine untypischere Zielgruppe für Themen der Ökologischen Nachhaltigkeit erreicht.

Durch die permanente Weiterentwicklung des Ortes wird dieser auch von Personen, die schon oft da waren, als immer wieder neu-interessant erlebt.

Mental Health Awareness for Teachers and Students in Lissabon

von A. Kabuth

Im Rahmen des Erasmus+ Förderprogramms hatte ich die Möglichkeit, an dem Kurs „Mental Health Awareness for Teachers and Students“ der europass teacher academy in Lissabon teilzunehmen. Die Woche war geprägt von spannenden Inhalten, praktischen Übungen und wertvollen Begegnungen. Hier teile ich meine Eindrücke und Erkenntnisse.

Montag – Anreise und erste Eindrücke

Meine Reise nach Lissabon begann mit einer unerwarteten Herausforderung: Mein Anschlussflug von Amsterdam nach Lissabon am Vortag des Kurses fiel wegen eines technischen Defekts ersatzlos aus. So verbrachte ich die Nacht in Amsterdam und konnte erst am Nachmittag des nächsten Tages (- des ersten Kurstages!) weiterfliegen.

Nach der Ankunft führte mich mein Weg direkt zur Metro-Station Aeroporto – und ich wurde überrascht: Die Station ist mit 52 Karikaturen bedeutender Portugiesinnen und Portugiesen des Cartoonisten António Antunes geschmückt, darunter Schriftsteller wie José Saramago und Fernando Pessoa, die Fado-Sängerin Amália Rodrigues und der Fußballstar Eusébio.

Ein besonderes Highlight in den Metro-Zügen sind die feuerroten Sitze, die an den Rückenlehnen und auf den Sitzflächen komplett mit Kork bezogen sind – ein typisch portugiesisches Naturmaterial, da Portugal weltweit führend in der Korkproduktion ist. Die Metro hat in den letzten Jahren alle 13.700 Sitze von Textil- auf Korkbespannung umgerüstet, was den Zügen eine warme und einladende Atmosphäre verleiht. Ein authentischer Einstieg in Lissabon!

Ankunft in Lissabon: Kunst und Kork in der Metro: Karikaturen des Cartoonisten António Antunes in der Station Aeroporto und korkbezogene Sitze in den Zügen.

Dienstag – Emotionale Intelligenz und Naturerfahrung

Mein erster Kurstag (für den Rest der Gruppe schon der zweite) begann mit der Vorstellung der Förde-vhs und meiner Tätigkeit dort.  Die übrigen Teilnehmenden hatten ihre Arbeit schon am Montag vorgestellt. Im Gespräch stellte sich heraus, dass neben Grundschul-Lehrkräften auch zwei Lehrkräfte aus beruflichen Schulen sowie eine weitere vhs-Mitarbeiterin unter den Teilnehmenden war. So kamen wir im Laufe des Kurses immer wieder über die Besonderheiten und Gemeinsamkeiten unserer verschiedenen Zielgruppen in den Austausch.

Anschließend tauchten wir in das Thema emotionale Intelligenz ein. Laut dem World Economic Forum zählt emotionale Intelligenz zu den Top 10 der wichtigsten Jobskills – somit ist sozial-emotionales Lernen im Bildungsbereich zunehmend gefragt. Mit einem Umdenken weg von der Frage „Was stimmt nicht mit dir?“ und hin zu „Was ist dir widerfahren?“ wurde deutlich, wie wichtig das Verständnis für toxischen Stress schon in der Kindheit ist und wie dieser ohne Unterstützung zu großen Schwierigkeiten führen kann. Wir lernten einfache Techniken zum Umgang mit Stress kennen, wie etwa in Stresssituationen dreimal bewusst tief durchzuatmen, bevor man reagiert. Zudem erarbeiteten wir eine Übung zur kognitiven Verhaltenstherapie, bei der man Konfliktsituationen, Gedanken und Emotionen reflektiert und neue, ausgewogenere Denkweisen entwickelt.

Am Nachmittag führte uns eine Exkursion in den botanischen Garten Estufa Fria. Dort arbeiteten wir in Stille an selbstgewählten Orten, um unsere Sinneswahrnehmungen zu schärfen und unseren Emotionen nachzugehen. Besonders interessant erschien mir eine Übung, die Naturbeobachtung mit emotionaler Reflexion verbindet: Jede*r für sich wählt ein natürliches Objekt aus – einen Stein, eine Feder, eine Pflanze… Von einer genauen Beschreibung des gewählten Objekts ausgehend werden Überlegungen zur möglichen Geschichte des Objekts angestellt, über Wechselwirkungen mit der Umgebung: Gibt es Anzeichen von Veränderung, Wachstum, Widerstandsfähigkeit oder Zerbrechlichkeit? Diese Überlegungen führen hin zur Abstraktion: Wäre das Objekt eine Emotion, welche wäre es? Und weiter der Transfer ins Menschliche und Soziale: Wo spüre ich diese Emotion in meinem Körper, wenn ich sie erlebe? An welcher Stelle tritt diese Emotion im Unterricht in Erscheinung? Wie beeinflusst diese Emotion die Schüler*innen oder die Lernumgebung? So kann ein Stein in der Hand Halt geben, eine Pflanze kann für Flexibilität und Wachstum stehen – es entstanden in dieser Übung vielfältige Perspektiven und Gesprächsanlässe. Eine angeleitete Meditation rundete den Tag ab und gab wertvolle Hinweise, wie man Meditationen selbst anleiten kann.

Natürliches Objekt zur Naturbeobachtung und emotionalen Reflexion: verschiedene Blickwinkel auf einen Farn im botanischen Garten Estufa Fria.

Mittwoch – Glaubenssätze und Teambuilding

Am dritten Kurstag stand die Theorie ganz im Zeichen der Frage: Was sind Emotionen? und insbesondere, wie können wir unser Gehirn auf Glück trainieren? Inspiriert von Dalai Lama und Mahatma Gandhi beschäftigten wir uns mit limitierenden Glaubenssätzen, die uns in stressigen oder ängstigenden Situationen oft negativ beeinflussen. Mit praktischen Übungen wie „Trash talkers meet Treasure talkers“ lernten wir, wie negative innere Dialoge (Trash Talk) durch positive, stärkende Gedanken (Treasure Talk) ersetzt werden können.

Den Abschluss des Tages bildete eine Mental-Health-Rallye durch den Garten Jardim Gulbenkian, die Bewegung, Austausch und spielerisches Lernen verband. Angelegt war die App-basierte Rallye als digitale Schnitzeljagd im analogen Raum. In der inspirierenden Umgebung des Gulbenkian-Gartens sollten verschiedene Aufgabentypen in kleinen Teams gemeistert werden: Orte finden, Informationen einholen, schauspielerisch kurze Filme drehen, mit einfachen Materialien Objekte erschaffen und fotografisch dokumentieren.  – Ein willkommener Impuls für die Teamstärkung zwischen den Lernenden.

Mental-Health-Rallye Mission erfüllt: Kreative Selbstportraits aus Naturmaterialien.

Donnerstag – Mental Health am Strand von Carcavelos

Der Strand von Carcavelos bot die perfekte Kulisse für praktische Übungen zur Mental Health: Achtsamkeits-Meditation und Yoga halfen, Körper und Geist zu verbinden und zu entspannen. Hier bekamen die Teilnehmenden auch die Gelegenheit, eigens entwickelte Meditationen anzuleiten. In der darauffolgenden Praxiserfahrung erschufen wir in Kleingruppen Skulpturen der Stärke: Nach einem Austausch über die persönlichen Stärken baut jede Gruppe gemeinsam aus dem eben vorhandenen Material eine Skulptur, die diese Stärken symbolisiert. – Am Strand bot sich der Sand als Baumaterial geradezu an. Die kreative Arbeit förderte den Teamgeist und die Wertschätzung der eigenen Ressourcen.

Anschließend gingen wir in die Planung von Mental-Health-Aktivitäten für den eigenen Unterricht. Die Kleingruppen wurden so zusammengesetzt, dass ähnliche Lehr-/Lernsituationen berücksichtigt wurden, um einen möglichst großen Nutzen zu erzielen.

Achtsamkeits-Meditation und Skulptur der Stärken (Ruhe, Unvollkommenheit) am Strand von Carcavelos

Freitag – Klientenzentrierte Beratung und Resilienz

Der Vormittag startete mit einer angeleiteten Meditation zur Achtsamkeit für den Körper. Danach folgte ein intensives Thema: die klientenzentrierte Beratung nach Carl Rogers. Wir lernten, wie wichtig Authentizität, urteilsfreie Fürsorge und Empathie im Beratungsprozess sind. Eine spannende Übung dazu war das improvisierte Rollenspiel einer Beratungssituation mit vier verschiedenen Rollen: der/die Erzähler*in einer Konfliktsituation, dazu beratend der/die Rationale, der/die Empathische und der/die Motivierende. Die Möglichkeiten und Herausforderungen dieser verschiedenen Aspekte wurden durch die praktische Anwendung in isolierten Rollen besonders spürbar.

Am Nachmittag widmeten wir uns dem Thema Resilienz: Durch eine Stresskartierung analysierten wir persönliche Stressfaktoren und entwickelten gemeinsam Strategien zur Stressreduktion.

Angeregter Austausch im Seminarraum

Samstag – Kultureller Abschluss: Besuch im Gulbenkian Museum für moderne Kunst

Den Abschluss der Woche bildete ein individueller Museumsbesuch im neu eröffneten Centro de Arte Moderna Gulbenkian. Die moderne Architektur und die barrierefreie Gestaltung des Museums machen es zu einem besonders zugänglichen Ort des Lernens.

In der Ausstellung beeindruckten mich besonders die Werke portugiesischer Künstler*innen des 20. und 21. Jahrhunderts wie Paula Rego und Francisco Trêpa. Sie behandeln gesellschaftliche Themen wie Identität, Migration und Ungleichheit, aber auch abstraktere Themen wie Metamorphosen und Wechselwirkungen zwischen verschiedenen Lebensformen. Die Exponatbeschriftungen stellen in leicht verständlicher Sprache (auf Portugiesisch und Englisch) immer wieder Bezüge zur Lebenswelt der Besucher*innen her, offene Fragen laden zum Nachdenken und Diskutieren ein.

Der Besuch regte mich zum Nachdenken an, wie kulturelle Orte stärker in Bildungsangebote integriert werden können, um Lernenden neue Zugänge zu eröffnen und Selbstwirksamkeit zu stärken.

Werke von Paula Rego und Francisco Trêpa und die beeindruckende geschwungene Dachkonstruktion im Außenbereich des Centro de Arte Moderna Gulbenkian

Fazit

Die Woche in Lissabon war eine wertvolle Erfahrung für mich, persönlich und beruflich. Die vielfältigen Methoden und Übungen rund um das Thema Mental Health Awareness bieten zahlreiche Inspirationen, um das Wohlbefinden von Lehrenden und Lernenden im Alltag zu fördern.

Ich freue mich darauf, das Gelernte in meiner Arbeit an der Förde-vhs umzusetzen und dadurch die Bedeutung mentaler Gesundheit in der Bildung weiter zu stärken.

Hospitation zu BNE in Aarhus

22.09.2025 bis 24.09.2025

Teilnehmende: Christian Galonska, Ute Sauerwein-Weber

Montag, den 22.09.2025

Dieser Tag war unser Anreisetag. Nach einer Zugfahrt von Kiel nach Aarhus und dem Check-in in unsere Unterkünfte starteten wir einen ersten Besuch im Dokk1. Wir erkundeten die Lernumgebung, in der wir uns während der nächsten beiden Tage fortbilden würden und organisierten für jeden Tag und jeweils zwei Stunden einen kleinen Arbeitsraum, in dem wir unsere Ergebnisse sammeln und auswerten können.

Dienstag, 23.09.2025

Am ersten Tag unserer Hospitation stand das Dokk1 im Zentrum. Als zentrale Bibliothek und zugleich „Dritter Ort“ für die Stadtgesellschaft verbindet es Bildung, Begegnung und Kultur auf einzigartige Weise. Wir konnten uns einen umfassenden Eindruck von der Architektur, der Funktionsweise und den unterschiedlichen Lern- und Begegnungsräumen verschaffen und haben gezielt nach Anknüpfungspunkten für Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) recherchiert.

Ein Schwerpunkt lag auf der Gestaltung offener und inklusiver Lernräume. Deutlich wurde, dass Barrierefreiheit im Dokk1 nicht als nachträgliche Ergänzung verstanden wird, sondern integraler Bestandteil der Raumgestaltung und des Angebots ist. Offene Flächen, digitale Assistenzsysteme und die Möglichkeit, Räume flexibel zu nutzen, schaffen ein niedrigschwelliges Lernumfeld. Diese Ansätze sind wichtige Impulse für die Volkshochschulen, wie sie Teilhabe für alle Lernenden noch konsequenter verwirklichen können.

Im „Verdensrummet“ erhielten wir Einblicke, wie die SDGs praktisch vermittelt werden: durch Workshops, Ausstellungen und partizipative Formate. Nachhaltigkeitsthemen wie Ressourcenschonung („Reparieren statt neu kaufen“), Upcycling, urbane Begrünung, Biodiversität und lokale Klimaschutzmaßnahmen wurden in alltagsnahen Szenarien erfahrbar gemacht. Wir konnten sehen, wie BNE-Themen durch konkrete, handlungsorientierte Aktivitäten mit hoher Lebensweltrelevanz in die Bildungsarbeit integriert werden.

Zugleich zeigte das Dokk1, wie Future Skills wie Kreativität, Problemlösefähigkeit und digitale Kompetenz in offener Lernumgebung gefördert werden. Kooperationen mit Schulen, Initiativen und lokalen Partnern unterstreichen, wie eng Bildung, Stadtgesellschaft und Arbeitswelt miteinander verbunden sind. Schließlich haben wir Ansätze des Innovationsmanagements kennengelernt: Neue Ideen werden im Dokk1 konsequent getestet und in dauerhafte Strukturen überführt – ein Vorgehen, das wertvolle Impulse für die VHS-Arbeit bietet.

Insgesamt war dieser erste Tag im Dokk1 eine wertvolle Grundlage für unsere weiteren Hospitationen: Wir konnten zentrale Lernziele direkt mit praktischen Eindrücken verknüpfen und konkrete Übertragungsmöglichkeiten für die VHS-Arbeit in Schleswig-Holstein erkennen.

Mittwoch, 24.09.2025

Der zweite Tag führte uns in das DokkX, das als Innovationslabor im Dokk1 angesiedelt ist. DokkX versteht sich als Experimentier- und Lernort, an dem Bürgerinnen und Bürger neue Technologien kennenlernen, erproben und ihre Bedeutung für den Alltag reflektieren können.

Während einer Führung durch die Einrichtung erhielten wir Einblicke in verschiedene Arbeitsprozesse, die direkt an unsere Lernziele anknüpfen. Besonders wichtig war die Vermittlung von Kompetenzen für ein selbstständiges, aktives Leben – Menschen sollen ermutigt werden, Technologien nicht nur zu konsumieren, sondern aktiv zu nutzen und kritisch zu hinterfragen. Dies reicht von Assistenzsystemen für ältere Menschen über digitale Gesundheitsanwendungen bis hin zu innovativen Formen der Kommunikation.

Mit Blick auf die SDGs war erkennbar, dass DokkX technologische Innovation stets mit den Dimensionen soziale Gerechtigkeit, Barrierefreiheit, Teilhabe und ökologische Verantwortung verbindet. So werden z. B. Technologien im Hinblick auf ihre Wirkung auf Umwelt und Nachhaltigkeit bewertet. Dies eröffnet einen integrativen Zugang zu BNE, der sich auch für die Volkshochschulen übertragen lässt.

Wir konnten zudem nachvollziehen, wie im DokkX Future Skills gezielt gefördert werden: Bürgerinnen und Bürger lernen, mit Unsicherheit umzugehen, Neues auszuprobieren und Innovation in ihren Alltag zu integrieren. Besonders die partizipativen Ansätze – Menschen aktiv einzubeziehen und ihre Rückmeldungen in die Weiterentwicklung einzubauen – sind wertvolle Impulse für die Erwachsenenbildung in Schleswig-Holstein.

Auch das Innovationsmanagement des DokkX war für uns von großem Interesse. Neue Projekte entstehen in enger Zusammenarbeit mit Nutzerinnen und Nutzern sowie mit Partnern aus Wissenschaft, Stadt und Wirtschaft. Ideen werden zunächst im geschützten Raum erprobt, angepasst und erst nach erfolgreicher Testphase in die Regelstrukturen überführt. Dieses Vorgehen liefert konkrete Anregungen, wie auch Volkshochschulen Innovationsprozesse gestalten können.

Der zweite Tag machte deutlich, wie BNE, digitale Transformation und gesellschaftliche Teilhabe miteinander verbunden werden können. Das DokkX bietet damit nicht nur technologische, sondern vor allem auch pädagogische und gesellschaftliche Lernimpulse, die wir für die Weiterentwicklung unserer VHS-Arbeit nutzen können.

Am frühen Abend verließen wir Aarhus und fuhren mit einem Koffer voller Inspiration und kreativer Erfahrungen zurück nach Kiel.

The Art of Differentiation: Strategies for Inclusive Classrooms in Rom

Silke Wienecke

Volkshochschule Wedel

ERASMUS Mobilität 9.-13.06.2025

Tag 1, Montag, 09.06.2025

Der Kurs The Art of Differentiation: Strategies for Inclusive Classrooms des Anbieters Infol Education SRLS  in Rom soll eine umfangreiche Auseinandersetzung mit Methoden und Strategien der Inklusion im Unterricht und in der Institution bieten. Fünf Tage mit je vier Unterrichtsstunden sind dafür eingeplant.

Der Kursort befindet sich nicht direkt in der Innenstadt Roms, ist aber mit öffentlichen Verkehrsmitteln gut zu erreichen. Die Anfahrt mit der Metro klappte hervorragend, doch da kein Bus kam, ging ich den restlichen Weg zu Fuß und kam trotz kleiner Verspätung nahezu pünktlich an, als zweite von acht angekündigten Teilnehmerinnen.

Francesco, der Direktor des Instituts, begrüßte uns herzlich und sagte, dass drei Kolleginnen aus Rumänien auch noch das letzte Stück Wegstrecke zu Fuß zurücklegen würden. Insgesamt waren wir am ersten Tag zu sechst, zwei Lehrerinnen einer Berufsschule in Le Mans, Frankreich, sowie drei Lehrerinnen einer Berufsfachschule/Fachhochschule für Elektrotechnik aus Cluj/ Rumänien. Es gab eine einstündige ausführliche Vorstellungsrunde einschließlich der spezifischen Arbeitsbedingungen an den einzelnen Institutionen. Dann wurde Francesco zunehmend unruhig, da die Dozentin, die um 11:00 Uhr das erste Training beginnen sollte, nicht auftauchte. Es gab einen familiären Notfall, weshalb sie voraussichtlich bis mittags nicht zum Unterricht erscheinen könnte. Länderübergreifend war man sich einig, dass das wie im richtigen Leben wäre und eine Situation, wie wir sie alle in unseren eigenen Schulen auch schon erlebt hätten. Die rumänische und die deutsche Fraktion stellten fest, dass ohnehin in ihren Ländern der Pfingstmontag ein Feiertag wäre, überraschenderweise in Italien aber nicht.

Francesco teilte dann einen mehrseitigen umfangreichen Fragebogen über die Erwartungen an den Kurs und die Umsetzung der Ergebnisse an den jeweiligen Arbeitsplätzen aus. Die Ergebnisse dazu wurden jeweils im Plenum diskutiert. Das gab schon einen interessanten Überblick über die jeweiligen äußeren Gegebenheiten, mit denen die einzelnen Institutionen arbeiten müssen.

So unterrichten die Kolleginnen aus Frankreich die Fächer Französisch und Geschichte, aber auch „digital literacy“ in einer staatlichen Schule für Metallurgie, an der trotz einer sehr diversen Schülergruppe wenig Rückhalt für inklusive Lösungsansätze vorhanden sei. Die rumänischen Kolleginnen, allesamt in technischen Fächern tätig, sahen eher Verhaltensauffälligkeiten und Aufmerksamkeitsprobleme bei ihren Studierenden als problematisch an und betonten, dass ihre Schule in dieser Hinsicht aufmerksam wäre und nach Wegen suche, inklusive Strategien umzusetzen. Die Schülerschaft ist dort offenbar weniger heterogen, wobei auch dort eine große Gruppe Flüchtlinge aus der Ukraine neu ins Bildungssystem integriert werden muss.

Die Fragebögen wurden von Francesco gesammelt und an die Kursleiterin weitergeleitet, damit sie für den morgigen Unterrichtstag diese Informationen vorliegen hatte. Wir einigten uns darauf, am morgigen Unterrichtstag zwei entsprechend längere Unterrichtsblöcke einzuplanen, um den Stoff entsprechend behandeln zu können. Francesco beantwortete dann noch Fragen zum weiteren Verlauf des Kurses. Es sind zwei Außentermine/Hospitationen geplant. Darauf bin ich besonders gespannt. Gegen 13.00 Uhr war die Sitzung beendet. Das rumänisch-deutsche „Team Bus“ startete einen neuen Versuch, und diesmal klappte es, der Bus kam, zwar eine halbe Stunde später als laut Fahrplan, aber es war angenehm, den Weg zur Metro in der Mittagshitze nicht zu Fuß laufen zu müssen. Wir werden diese Aktion dann morgen als „Team- Building activity“ vorstellen. Wir haben uns dafür morgen auch um 9.15 an der Metro verabredet, um die Aktivität fortzusetzen.

Tag 2, Dienstag, 10.06.2025

Heute war die Trainerin, Kwanza Dos Santos, dann wie geplant da, und es gab einen fünfstündigen Workshop zu Themen aus der interkulturellen Pädagogik. Kwanza ist selbst italienische Staatsbürgerin, ihre Eltern sind aus Brasilien eingewandert, und sie hat sich aufgrund ihrer eigenen Biografie ausführlich mit Fragen inklusiven Lehrens und Lernens beschäftigt.

Der Workshop umfasste Partner- und Gruppenarbeiten und war gut angeleitet, speziell was assoziatives Arbeiten anging. Beim Zusammenstellen der Charakteristika inklusiven Unterrichts hatte ich dagegen das Gefühl, dass Kwanza sehr klare Vorstellung davon hatte, wie die Ergebnisse aussehen und formuliert werden sollten, das hat mich an einigen Stellen etwas gestört. Der Vollständigkeit halber fasse ich sie aber hier noch einmal zusammen: 

  • Inklusive Pädagogik basiert auf dem Prinzip, dass alle Lernenden – unabhängig von ihren individuellen Voraussetzungen – gemeinsam lernen und gefördert werden sollen.
  • Sie erkennt Vielfalt als Bereicherung und nicht als ein Problem, das beseitigt werden muss.
  • Ein zentrales Ziel inklusiver Pädagogik ist die Teilhabe aller Lernenden am schulischen und gesellschaftlichen Leben.
  • Lehrkräfte passen ihre Methoden, Materialien und Lernumgebungen an die unterschiedlichen Bedürfnisse der Lernenden an.
  • Inklusion bedeutet nicht nur die Integration von Menschen mit Behinderungen, sondern auch die Berücksichtigung sozialer, kultureller und sprachlicher Unterschiede.
  • Die Zusammenarbeit im multiprofessionellen Team ist ein wichtiger Bestandteil inklusiver Arbeit.
  • Inklusive Pädagogik orientiert sich an den Menschenrechten und am Prinzip der Gerechtigkeit im Bildungssystem.
  • Inklusiver Unterricht schafft eine Umgebung, in der sich alle Lernenden sicher, wertgeschätzt und lernfähig fühlen.

Die Ergebnisse aus unseren kleinen Gruppenarbeiten – Übungen zum aktiven Zuhören, Vergleiche der Bildungssysteme im Hinblick auf die Einbürgerungspolitik der jeweiligen Länder, Übungen zu Stereotypen und die anschließende Analyse biografischer Erfahrungen mit Stereotypen waren dagegen sehr interessant. So habe ich heute gelernt, dass das Staatsangehörigkeitsrecht in Italien letztmalig 1992 angepasst wurde. Für in Italien geborene Kinder nicht-italienischer Eltern gilt bis heute, dass sie nur zwischen ihrem 18. und 19. Lebensjahr die italienische Staatsbürgerschaft beantragen können, sie aber dafür auch ununterbrochen in Italien gelebt haben müssen. Ein Schuljahr im Ausland etwa würde diese Anforderung unmöglich machen. Die Kolleginnen aus Rumänien berichteten, dass es seit einigen Jahren starke Einwanderung aus Indien, Nepal, China und Sri Lanka nach Rumänien gebe. Diese Einwanderergruppen würden überwiegend die Jobs ausüben, die die Rumänen nicht (mehr) annehmen würden: subalterne Tätigkeiten, zum Beispiel in Gastronomie, Hotellerie… Da circa 40 % der rumänischen Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter selbst im Ausland arbeiten, lägen viele dieser Jobs ohne die Einwanderer brach.

Es sind Informationen wie diese, die das Erasmus-Programm so interessant machen: globale Entwicklungen, die in unterschiedlicher Weise in einzelnen Ländern ihren Niederschlag finden. 

Zum Thema „Stereotype“ gab es einen TED-Talk der nigerianischen Schriftstellerin Chimamanda Ngozi Adichie, nicht ganz neu, sondern aus dem Jahr 2009, aber nicht weniger aktuell, ein sehr gut ausgewähltes Testimonial über die Erfahrungen mit Stereotypen in beide Richtungen: Erwartungen und Zuschreibungen anderer und die eigenen Projektionen von Wirklichkeit auf andere Personen. Adichie beschrieb darin anschaulich ihre eigene Lesesozialisation, in der sie als Jugendliche ausgiebig klassische englische Literatur las (die ihre eigene Mutter von Studienaufenthalten in Großbritannien mitgebracht hatte) und ihr Blick auf das Land und seine Kultur eine quasi spätromantische Färbung hatte. Mit der Realität konfrontiert erlebte sie einen ungewollten, notwendigen Perspektivenwechsel, um die ihr bekannten, aber in ihrer Zeit verhafteten Themen und Sichtweisen einordnen und als Ausgangspunkt für ihre eigene Realität umwidmen zu können.

Dieser Wechsel der Perspektiven – „the different gaze“ – wurde anschließend in einigen praktischen Übungen erprobt. Zu Grunde lag die Annahme, dass durch Veränderungen der Narrative auch ein Wechsel vorgenommen werden könne. Kwanza stellte dazu Beispiele aus italienischen Lehrbüchern vor, die nach wie vor im Gebrauch seien. Geradezu erschütternd fand ich ein Beispiel aus einem Lesebuch für die dritte Klasse, in dem drei Kinder gefragt wurden, was sie sich für das beginnende Schuljahr wünschen. Ein strahlender blonder Junge antwortete, er würde gern viel draußen spielen. Ein niedliches Mädchen sagte gar nichts, ein dunkelhäutiger Junge in unbeholfenem Italienisch, er möchte gern viel besser Italienisch lernen. Dieses und weitere Beispiele führten zu lebhaften Diskussionen darüber, wie in einer Unterrichtssituation mit einfachsten Mitteln Stereotype in inklusive Ansätze umgewandelt werden könnten. Die französischen Kolleginnen berichteten, dass in Frankreich derzeit viele Lehrbücher sehr kritisch evaluiert und verändert würden. Aus meiner Erfahrung konnte ich ein DaZ-Lehrwerk der neuesten Generation vorstellen, in dem inklusive Ansätze konsequent umgesetzt worden waren. Die durchgehend verwendeten Charaktere sind unterschiedlich angelegt, beispielsweise sitzt ein Protagonist im Rollstuhl, eine weitere Protagonistin ist schon recht alt, es gibt mehrere Personen mit Migrationshintergrund, die ganz unterschiedliche berufliche Tätigkeiten ausüben („Miteinander“, Hueber Verlag, 2024).

Der letzte Teil des Workshops umfasste eine Übersicht über inklusive Sprache, da war inhaltlich wenig Neues dabei, aber interessante linguistische Aspekte gab es auch hier. 

Tag 3, Mittwoch, 11.06.2025

Heute war einer der beiden Unterrichtstage, die für Exkursionen und Außenaktivitäten vorgesehen sind. Die Gruppe besteht nach wie vor aus sechs Personen, die beiden Kolleginnen aus Rumänien, die am Montag noch angekündigt worden waren, konnten kurzfristig nicht am Kurs teilnehmen. Heute war der Treffpunkt die Metro Station Circo Massimo, von dort ging es ein kurzes Stück zu Fuß zum Kulturzentrum „Celio Azurro“.

Der Stadtteil „Celio“ ist nach dem Cäcilienhügel benannt und befindet sich im Zentrum der Stadt, nahe beim Circus Maximus. Trotzdem (wegen der Hanglage) ist es dort eher ruhig und grün – es gibt viele öffentliche Parkanlagen. Und da wunderbares Sommerwetter herrscht, ist der Himmel azurblau. Der Name der Einrichtung wurde bewusst so gewählt, als Wortspiel, das den blauen Himmel („cielo azzurro“) und den blauen Hügel verbindet, der Name ruft Assoziationen wie Weite, Unendlichkeit etc… hervor.

„Celio Azzurro“ geht auf eine private Initiative zurück, die in Deutschland vielleicht mit einem niedrigschwelligen Nachbarschaftszentrum der 1970er Jahre vergleichbar wäre, ein Konzept, an das in Deutschland die heutige stadtpolitische Quartiersplanung wieder anknüpft. Gegründet 1990 mit einem innovativen pädagogischen Konzept ist heute eine durch das Bildungsministerium geförderte Einrichtung, die frühkindliche Bildung bis Erwachsenenbildung anbietet.

Wir wurden von Giorgio, einem Pädagogen, der seit der Gründung dort arbeitet, freundlich begrüßt und herumgeführt. In Italien haben Pfingsten die dreimonatigen Sommerferien begonnen, die Schulen und viele andere Bildungseinrichtungen sind daher geschlossen. Nur eine kleine Gruppe wurde in der Zeit betreut, darum konnten wir auch das Gelände und die Unterrichtsräume ansehen.

Das Konzept basiert auf einer ganzheitlichen Pädagogik, die inklusive Ansätze auf unterschiedliche Generationen/Altersgruppen anwendet. Die Angebote wurden von Anfang an auf die Bedürfnisse von Eltern und Kindern ausgerichtet.  In der Gründungsphase kamen 75% der Teilnehmenden aus Einwandererfamilien, heute sind es ca. 40%.  Umgangssprache ist Italienisch und so werden systematisch auch Italienischunterricht für Migranten, Kochkurse, Yoga und vereinzelt Angebote zur politischen Bildung angeboten. Dabei handelt es sich ausschließlich um kommunalpolitische Themen im Stadtviertel, die meist auf konkrete Problemlösungen abzielen (die Parkplatzsituation zum Beispiel). 

Celio Azzurro bietet also unterschiedliche Bildungsaktivitäten und -wege an, die von einer vielfältigen Gesellschaft (ethnisch, kulturell und generationenübergreifend) geprägt sind.

Ein solcher Ortstermin ermöglicht Einblicke, die nur in der praktischen Arbeit zu gewinnen sind. Eine kritische Anmerkung jedoch: „Inklusion“ umfasst für mich auch Barrierefreiheit oder zumindest das Bewusstsein dafür. Außengelände und Gebäude sind aufgrund der Hanglage für Menschen mit körperlichen Einschränkungen aber kaum oder gar nicht zugänglich, es gibt viele Treppen oder Stufen und keine angepasste Zuwegung.

Unsere Exkursion am dritten Tag endete mit einem gemeinsamen Rundgang durch die Viertel St. Giovanni und Esquilino, das Stadtviertel, das in Richtung des Hauptbahnhofs den höchsten Migrantenanteil der Stadt aufweist. Die Dozentin wies immer wieder auf die Vielfalt hin, die sich im Straßenbild zeige, dies schien ihr sehr wichtig zu sein. Den Abschluss bildete ein Besuch des Marktes „Nuovo Mercato Esquilino“, ein berühmter Markt, der nach langen kommunalpolitischen Verhandlungen vor ca. 15 Jahren aus hygienischen Gründen mit einer riesigen Markthalle umgebaut wurde. Die umgebenden Straßen waren vor allem von asiatischen (Indien, China, südostasiatische Staaten) Cafés, Restaurants und Lebensmittelgeschäften geprägt. Der Markt selbst bot Lebensmittel aus mehreren Kontinenten und es war ein Erlebnis, dort einmal hindurchzuschlendern.

Für morgen ist ein weiterer „Ausflug“ geplant, mehr wurde nicht verraten. Ich bin gespannt!

Tag 4, Donnerstag, 12.06.2025

Heute fand der zweite Außentermin statt. Sehr schön daran: wir trafen uns im Freien, erst an der U-Bahn-Station Hauptbahnhof, um zur Station EUR Palaspor (ein großes Stadium) zu fahren. Von dort war es nur ein kurzer Fußweg zum Parco Centralo del Lago, einem öffentlichen Park. Von den veranschlagten drei Zeitstunden Unterricht war damit schon mehr als eine halbe Stunde vorbei. In den verbleibenden zweieinhalb Stunden führten wir exakt sechs Übungen durch. Das war wenig, zumal für keine der sechs Teilnehmerinnen etwas wirklich Neues dabei war, wie wir uns auf der Rückfahrt mit der Metro gegenseitig bestätigen konnten. Ich will jetzt nicht zu kritisch sein, und es war wie gesagt sehr schön, nicht in einem heißen Klassenzimmer zu sitzen (es waren heute 35°), und es war auch keine vertane Zeit mit den Kolleginnen aus zwei anderen Ländern diese Übungen durchzuführen, aber der Erkenntnisgewinn war sehr überschaubar.

Es handelte sich bei den Übungen um Aufwärm- und Eisbrecher Aktivitäten, wie alle sie selbst in ihrem Unterricht schon durchgeführt haben: den eigenen Namen und damit ein Stück Biografie zu erklären, drei Dinge über sich selbst, von denen eine Aussage nicht zutraf und die erraten werden musste, eigene Stärken und Schwächen zu beschreiben, dann ein „Blindfold Walk“ als vertrauensbildende Maßnahme, ein „Privilege Walk“, anschließend eine kurze Schnitzeljagd, bei der auf dem Handy Fotos von verschiedenen Objekten gemacht werden mussten. Vielleicht waren heute einfach alle etwas erschöpft und träge, aber nicht nur ich habe die Veranstaltung als extrem in die Länge gezogen und wenig inhaltsreich empfunden. Die Inhalte entstanden durch die informellen Gespräche mit den Kolleginnen. Außerdem waren wir mitten in einem römischen Park während der Woche im überraschend heißen Frühsommer, ein schönes Erlebnis, zu beobachten, wie die Römerinnen und Römer, speziell Familien mit kleinen Kindern, sich in einer kleinen grünen Oase mitten in der Großstadt erholen.

Tag 5, Freitag, 13.06.2025

Der fünfte und letzte Tag begann mit einer kurzen Nachlese der Outdoor-Aktivitäten, dem Besuch im Kulturzentrum Celio Azzurro und dem Aktivitäten-Nachmittag im Park gestern. Die Rückmeldungen über Celio Azzurro und den anschließenden Quartiersrundgang waren übereinstimmend sehr positiv. Mit dem gestrigen Nachmittag waren die Teilnehmerinnen wohl alle nicht richtig zufrieden, wir alle brachten unsere Kritik aber sehr vorsichtig vor. Meine Bitte für den letzten Tag war, noch ein paar Impulse zu anderen Aspekten der Inklusion zu bekommen, nicht nur die migrantische Perspektive. Das wurde auch erfüllt, nach einem längeren Exkurs zu den Themen inklusiver Geographie und Geschichte.

Die Unterrichtsform war überwiegend ein Vortrag von Kwanza, immer wieder aufgelockert durch Beispiele und Vergleiche der Situation in unseren jeweiligen Herkunftsländern.

Grundsätzlich ist Inklusive Geographie ein Ansatz, geografische Räume, Phänomene und Prozesse so zu betrachten, dass alle Menschen, unabhängig von ihren Fähigkeiten, Hintergründen oder Lebensumständen, einbezogen werden. Sie legt Wert darauf, Barrieren zu identifizieren und abzubauen, die den Zugang zu geografischem Wissen oder räumlichen Erfahrungen einschränken könnten. Das bedeutet, dass Lehrmaterialien, Karten und Lernmethoden so gestaltet werden, dass sie für alle zugänglich sind, beispielsweise durch taktile Karten für sehbehinderte Menschen oder durch leicht verständliche Sprache.

Inklusive Geographie fördert das Bewusstsein für die Vielfalt der Lebenswelten und die unterschiedlichen Perspektiven, die Menschen auf der Welt haben. Sie betont die Bedeutung von Partizipation und Mitbestimmung in der Raumgestaltung und -planung. Ziel ist es dabei, Diskriminierung und Exklusion zu vermeiden und eine gerechte Verteilung von Ressourcen und Chancen zu fördern. In der Praxis bedeutet das auch, Umwelt- und Raumfragen aus verschiedenen Blickwinkeln zu betrachten, etwa aus der Sicht von marginalisierten Gruppen. Die inklusive Geographie soll dazu beitragen, gesellschaftliche Ungleichheiten sichtbar zu machen und Lösungen zu entwickeln, die alle Menschen einschließen. Sie ist eng verbunden mit Konzepten wie Nachhaltigkeit, Gerechtigkeit und Menschenrechten. Durch den Einsatz moderner Technologien (z. B. Geoinformations-systeme, GIS), können dazu Daten gesammelt und für alle zugänglich gemacht werden. Insgesamt zielt inklusive Geographie darauf ab, das Verständnis für die komplexen Zusammenhänge des menschlichen Lebens auf der Erde zu fördern, ohne bestimmte Gruppen auszuschließen. 

Eng verknüpft mit inklusiver Geographie ist die Kritik an kolonialer und postkolonialer Kategorisierung. Die Bezeichnung „Dritte Welt“ oder „Entwicklungsländer“ beschrieb Kwanza als Beispiel dafür, wie politische Kategorisierung während des kalten Krieges durch die USA die westliche Sichtweise für Jahrzehnte prägte. Die Aufteilung Afrikas durch Kolonialmächte bis hin zum Ziehen von Landesgrenzen mit dem Lineal, völlig ungeachtet der bestehenden Besiedlung durch unterschiedliche Ethnien nannte sie als ein Beispiel dafür, wie geopolitische Fakten geschaffen wurden. Bis heute gehe die Länderbezeichnung Kamerun auf das Portugiesische Wort Camo für „Krabben/Shrimps“ zurück. Der frühere Staat Obervolta hingegen hätte seine Umbenennung in Burkina Faso, ungefähr übersetzbar als „Land der Menschen mit Würde“ aus den zwei meistgesprochenen Sprachen des Landes ausgewählt. Für Ghana war die koloniale Bezeichnung die „Goldküste“, eine ähnliche Bezeichnung hat Cote D‘ Ivoire bis heute. Ein kurzer, aber hochinteressanter Beitrag auf dem YouTube-Kanal „Geography Now“ über Frankreich illustrierte die irgendwie anachronistisch anmutenden französischen Übersee-Départments, Enklaven und „Territoires d’outre-mer“ (TOM). Eine der französischen Kolleginnen hat Familie in New Caledonia und konnte dazu aus eigener Anschauung über die dortigen speziellen Autonomieregelungen berichten.

Inklusive Geschichtsschreibung zielt ebenfalls darauf ab, Geschichte aus vielfältigen Perspektiven zu erzählen und alle gesellschaftlichen Gruppen einzubeziehen. Sie soll traditionelle, oft eurozentrische oder westlich dominierte Narrative ausbalancieren, die bestimmte Gruppen marginalisieren oder ausblenden. Ziel ist es, die Erfahrungen von Minderheiten, Frauen, ethnischen Gruppen, sozialen Schichten und anderen oft übersehenen Akteuren sichtbar zu machen, um die Vielfalt menschlicher Erfahrungen abzubilden. Sie bezieht idealerweise Quellen aus verschiedenen Kulturen und Perspektiven ein, um ein umfassenderes Bild der Vergangenheit zu zeichnen. Dieser Ansatz soll dazu beitragen, Vorurteile abzubauen und die Stimmen von Menschen zu hören, die in traditionellen Geschichtsschreibungen oft fehlen, etwa durch die Einbeziehung von „Oral History“.

Kwanza erläuterte weitere interessante Beispiele aus Italien: so wurden seit 1923 seh- und hörbehinderte Kinder in eigenen Schulen unterrichtet. Dort wurden aber auch Kinder aus Süditalien aufgenommen, die mit regionalen Dialekten (und teilweise Sprachen) aufgewachsen waren und kein Standarditalienisch sprachen. Also gewissermaßen das Gegenteil von Inklusion.

Seit etwa 20 Jahren gibt es in Italien einen nationalen Integrationsplan (Piano di Integrazione degli Stranieri, PEI), der die folgenden Ziele hat:

  1. Sprachliche Integration: Förderung der Italienischkenntnisse, um die Kommunikation im Alltag und im gesellschaftlichen Leben zu erleichtern.
  2. Kulturelle Integration: Vermittlung von Kenntnissen über die italienische Kultur, Werte und gesellschaftliche Normen, um das Verständnis und die Teilhabe zu stärken.
  3. Soziale und rechtliche Integration: Unterstützung bei der Orientierung im Rechtssystem, beim Zugang zu Bildung, Arbeit und sozialen Diensten, um eine erfolgreiche Eingliederung in die Gesellschaft zu gewährleisten.

Derzeit ist ein bildungspolitischer Schwerpunkt die Integration von Kindern mit Beeinträchtigungen oder Behinderungen ins reguläre Schulsystem, indem man ihnen Schulbegleiter zur Seite stellt.

Der letzte Unterrichtsabschnitt diente dazu, dass alle Anwesenden kurz das Bildungssystem ihrer Länder vorstellten. Da außer mir alle an staatlichen Berufsfachschulen mit der Altersgruppe der 16- bis 24-Jährigen tätig sind, lag der Fokus auf dieser Altersgruppe und den Schulformen. Alle stellten für ihre Einrichtungen und sich fest, dass inklusive Pädagogik mindestens schon stark reflektiert würde, dass in vielerlei Hinsicht auch schon Maßnahmen erfolgt wären, da es sich dabei aber um einen fortwährenden Prozess handelt und nicht um einen festzuschreibenden erreichten Zustand, bleiben viele Aufgaben weiter bestehen. Die Veranstaltung endete mit der Austeilung der Teilnahmebescheinigungen und einer allgemeinen Feedbackrunde.

Aus dem Kurs nehme ich eine Reihe neuer Impulse mit und – wie bisher immer bei Erasmus Programmen – wunderbare Gelegenheiten, sich mit Kolleginnen aus anderen Ländern auszutauschen. Diese Erfahrungen sind sehr wertvoll und helfen dabei, den Blick auf Herausforderungen und Problemlösungen zu schärfen. An zwei von 5 Unterrichtstagen fand allerdings nur ein reduziertes bzw. ein den Erwartungen nicht ganz genügendes Programm statt. Eine der französischen Kolleginnen formulierte es als Analogie auf den Gemeinsamen Europäischen Referenzrahmen für Sprachen so: „Wir sind bei Fragen der Inklusion doch schon auf dem B1-B2-Level, und der Kurs war für A1/A2 konzipiert“.

Kulturelle Ressourcen für den Spanischunterricht in Santiago de Compostela

von René Brown, Santiago de Compostela, 21.07.2025 – 25.07.2025

Meine Reise nach Santiago de Compostela in Galicien, Spanien, begann am Samstag, den 19. Juli, von Schwerin aus. Nach einer Zugfahrt und zwei Flügen kam ich am Nachmittag desselben Tages in Galicien an.

Der Kurs fand in der Akademie Iria Flavia statt, die seit mehreren Jahren solche Mobilitäten im Rahmen des Programms Erasmus+-Programm anbietet. Für mich war es das erste Mal, dass ich an diesem Programm teilgenommen habe. Die Akademie zeigte sich von Anfang an äußerst kooperativ, und die Kommunikation sowie der Informationsaustausch waren klar und schnell. Das Gleiche gilt für den Landesverband der Volkshochschulen Schleswig-Holsteins e.V.

Die Organisation meiner Unterkunft übernahm die Akademie, und meine Gastgeberin María empfing mich in ihrer gemütlichen Wohnung in einem zentralen Stadtviertel, ganz in der Nähe der Akademie und des Stadtzentrums.

Ich hatte das Glück, dass mein Kurs genau in die Woche der Feierlichkeiten zu Ehren des
Apostels Jakobus fiel, die vom 16. bis 25. Juli stattfinden, wobei der 24. und 25. die wichtigsten Tage sind. Jeden Abend bot die Stadt kulturelle Programme an verschiedenen Orten sowie zahlreiche Gratis-Konzerte an.

Am Wochenende habe ich diese sehr interessante und touristische Stadt erkundet, die von viel historischer Tradition rund um die Pilgerschaft auf dem Jakobsweg geprägt ist. Die
Freundlichkeit der galicischen Menschen trägt sehr dazu bei, die lokale Kultur kennenzulernen und von einem Kursbesuch in einem Land zu profitieren, in dem die Zielsprache des Unterrichts gesprochen wird.

Der Kurs begann pünktlich am Montag, dem 21. Juli. Wir trafen uns kurz vor 9:00 Uhr, und nach einer Begrüßung stellte uns der Akademieleiter José Luis Clavijo die Lehrer vor und gab uns eine kurze Erklärung zu den organisatorischen Einzelheiten für den Unterricht und die Führungen. Es wurden zwei parallele Gruppen mit Teilnehmern aus Deutschland, Frankreich, Österreich, Italien, der Schweiz, der Slowakei und den Vereinigten Staaten gebildet. Der Lehrer meiner Gruppe für die gesamte Woche war Marcos Suárez.


Direkt danach begannen wir mit dem ersten Modul des Kurses, das sich mit dem Einsatz von Comics und Graphic Novels als didaktische Ressourcen beschäftigte. Es war sehr interessant, diese Materialien unter Beachtung von Aspekten wie Urheberrecht und digitalen Tools zu bearbeiten. Von Beginn an wurde Wert daraufgelegt, Materialien zu gestalten, die leicht an unterschiedliche Lernstufen und Gruppengrößen angepasst werden können.

Zu diesem Zweck wurde unter anderem empfohlen, Bilder von Google herunterzuladen, entweder als Dateien oder als Screenshots, um sie auf der kostenlosen Webseite PDF Escape (https://www.pdfescape.com/) zu bearbeiten. Dort können die Sprechblasen aus den Comics „entleert“ werden, damit die Schüler sie entsprechend ihrer jeweiligen Sprachkenntnisse ausfüllen können.

Wir haben auch das Erstellen eigener Comicstrips mit eigenen Ideen sowie mit den Grafiken, die auf kostenlosen Webseiten wie Pixton, Witty Comics und Makebeliefs angeboten werden, geübt.

https://www.pixton.com/welcome
https://www.wittycomics.com/
https://makebeliefscomix.com/

Außerdem haben wir mit einfacheren Übungen gearbeitet, zum Beispiel indem wir Ausschnitte eines Comics mit Dialogen bereitgestellt haben, damit die Geschichte mithilfe der Bilder und des entsprechenden Wortschatzes in die richtige Reihenfolge gebracht werden kann.

Am Nachmittag, nach der Mittagspause, machten wir eine Stadtführung durch das Zentrum und am Abend gingen die Gruppen gemeinsam essen.

Am Dienstag, den 22., widmeten wir uns der Durchsicht vieler Online-Materialien, insbesondere Werken spanischer Künstler, um die Ressourcen auf der Grundlage der Zielsprache auszurichten. Wir übten interaktive Aufgaben für den Unterricht, die das Beschreiben und den Meinungsaustausch fördern.

Für diesen Zweck haben wir zahlreiche Webseiten verschiedener Museen und spanischer Institutionen besucht, ebenso wie die Kultursektionen von Online-Zeitungen (z.B. El País), sowie verschiedene Instagram-Seiten.


Am Mittwoch, den 23., machten wir virtuelle Besuche in spanischen Museen, bei denen neben den Beschreibungen der verschiedenen Ausstellungsräume auch zahlreiche pädagogische Materialien, die im Jahresverlauf wechseln, verfügbar sind. Anschließend besuchten wir den lokalen Markt, um die typischen Speisen der Region kennenzulernen und zu genießen.

Den Abschluss des Moduls bildeten Besuche im Centro Gallego de Arte Contemporáneo und die Fundación Eugenio Granell (surrealistische Kunst).

Am Nachmittag gingen wir eine kleine Etappe des Jakobswegs (ca. 10 km) von Palas de Rei bis zum Ort O Coto, etwa 60 km von der Stadt entfernt.

Am Donnerstag, den 24., besprachen wir zahlreiche Kurzfilme zu verschiedenen Themen und diskutierten, wie man die Inhalte je nach Niveau, Alter und kulturellem Hintergrund der Schüler einsetzen kann und wie man heikle oder ausschließende Themen vermeidet. Wie in allen vorangegangenen Modulen tauschten wir Ideen zur Umsetzung von Übungen mit den vorgestellten Materialien aus, wobei stets die urheberrechtlichen Einschränkungen beachtet wurden.

Die Quellen für visuelles Material, in diesem Fall die Kurzfilme, sind zahlreich, und es war sehr hilfreich, Informationen über spanischsprachige Seiten zu erhalten, die man im Ausland bzw. in Deutschland nicht immer leicht findet.

Es war auch sehr interessant, die Übungen, die wir im Comic-Modul verwendet haben, für die Nutzung mit Kurzfilmen anzupassen. Um einige Beispiele zu nennen: die Erstellung von Dialogen mit Standbildern; das Beschreiben dessen, was geschehen ist oder geschehen wird, ausgehend von einer bestimmten Aufnahme; die Beschreibung der Geschichte oder der verschiedenen Charaktere aus unterschiedlichen Perspektiven; oder die Verwendung von Lückentexten zur Verstärkung grammatischer Punkte (z. B. Verben, Präpositionen, Adjektive usw.).

Am Nachmittag besuchten wir ein letztes Museum in der Stadt, das Pilgermuseum, und am Abend genossen wir das Feuerwerk zu den lokalen Festlichkeiten.

Am Freitag, den 25. Juli, arbeiteten wir mit Werbung im Bereich Guerilla-Marketing und lernten didaktische Ansätze für Werbeanzeigen kennen. Wir haben auch das Untertiteln von Videos geübt, um interaktive Übungen zu erstellen. Dazu arbeiteten wir mit dem VLC-Player und dem Bearbeitungsprogramm Aegisub (beide kostenlos). Nachdem die technischen Schwierigkeiten beim Installieren eines neuen Programms und dem ersten Umgang damit überwunden waren, führten wir eine praktische Übung mit einem Ausschnitt eines spanischen Werbespots durch.

Wieder einmal halfen uns die während der Woche erlernten verschiedenen Übungen, die Aktivitäten mit diesem neuen Material an die unterschiedlichen Wissensstufen der Schüler anzupassen. Wie zuvor halfen uns die Übungen, die wir während der Woche gelernt hatten, dabei, die Aufgaben mit dem neuen Material an Schüler mit unterschiedlichen Sprachkenntnissen anzupassen.

An diesem Tag endete der Kurs für mich und einen weiteren teilnehmenden Lehrer.

Der Besuch dieses Kurses, der verschiedene Materialien und Themen, Führungen und Ausflüge in der Stadt und Umgebung umfasste, war für mich äußerst wertvoll und bereichernd. Es war ebenso bereichernd, die Möglichkeit zu haben, Erfahrungen und Ideen mit Lehrkräften aus anderen europäischen Ländern auszutauschen, um einen anderen Blick auf die jeweiligen Bildungssysteme zu erhalten – mit ihren Vor- und Nachteilen.

Für mich persönlich war es außerdem besonders wertvoll, bei einer lokalen Familie zu wohnen, was meinen Erasmus-Aufenthalt zu einer rundum positiven Erfahrung gemacht hat – eine, die ich gerne wiederholen und Kollegen in jeder Hinsicht empfehlen würde.

Yoga and Meditation for Educators: Be a Great Teacher, Be Your Best Self in Dublin

7.7.2025 – 12.7.2025

von Silke Seeling

Das Allerbeste und ich finde Wichtigste solch eines Projektes ist die Völkerverbindung und das Verständnis für andere Menschen und Kulturen!

Wir waren 13 Teilnehmer, neben mir noch 2 weitere aus Deutschland: Kassel und Leipzig. Die Spanier und Portugiesen konnten sich sprachlich besonders gut untereinander verständigen. Außerdem gab es noch 3 Teilnehmer aus Italien.

Das Wetter in Dublin war außergewöhnlich warm und trocken.

Der Montagabend war geprägt von vielen neuen Eindrücken: neue Lehrkräfte, eine spannende internationale Gruppe, ein erster Überblick über die Lehrinhalte sowie eine Einführung in die Veranstaltungsräume – und all das auf Englisch.
Auch abseits des Unterrichts gab es viel zu entdecken – insbesondere dabei, sich im neuen Alltag zurechtzufinden.

Am Nachmittag fand dann in den Räumen der Akademie eine kleine Messe mit kulinarischen Köstlichkeiten aus den Heimatländern aller Teilnehmer der Akademie in der Woche statt.

Am Abend gab es dann eine schnelle Stärkung – traditionelles Irish Stew. Auch wenn es nicht ganz meinem Geschmack entsprach, war es eine interessante kulinarische Erfahrung.

Ich hatte das Gefühl, dass sich ab Mittwoch langsam eine gewisse Vertrautheit mit allem einstellte. Die Temperaturen stiegen an, wir konnten die Yogaeinheiten nach draußen verlegen und auch der morgige Schulweg in der noch kühlen Luft war einfach umwerfend, da die Akademie in einer schönen Umgebung liegt.

Abends stand dann Tanzen auf Irisch auf dem Programm, mit circa 20 Personen und einem sehr enthusiastischen Iren.

Bereits nach einer Stunde herrschte eine freundschaftliche Atmosphäre in der Gruppe, alle lachten, trotz der Hitze im Raum.

Die ersten drei Tage des Kurses haben wir viel meditiert, was ich ganz sicher in meine Kurse bei der vhs mitnehmen werde; genauso wie das sogenannte Yin Yoga.

Zwei Praktiken, die viel Ruhe in meinen Unterricht bringen werden und ganz sicher zur Entspannung der Teilnehmer führt.

Unsere Lehrerinnen Susan und Amy haben sehr viel Wert auf Meditation gelegt, um vor den Yogaeinheiten im Raum anzukommen und sich zu entspannen.

Der Atem, die Brücke zwischen ‚Mind‘ und ‚Body‘ kommt durch die Meditation zur Ruhe.

Eine ruhige, tiefe Atmung kann sogar lebensverlängernd wirken: Susan brachte das Beispiel eines schnell hechelnden Hundes, der ja bekanntlich nicht älter als 20 Jahre wird. 

Meditation sollte geübt werden, da es nicht so leicht ist, den unruhigen rastlosen Geist zur Ruhe zu bringen und die Gedanken kommen und gehen zur lassen.

Alles hat Zeit bis nach der Meditation.

Hilfsmittel können z.B. die sogenannte ‚Boxatmung‘ sein, bei der man sich einen Kasten vorstellt mit 4 Stufen zum Einatmen, vier Stufen zum Anhalten des Atems, vier Stufen zum Ausatmen und vier Stufen zum Atem anhalten.

Relativ ausführlich haben wir uns auch mit Yin Yoga beschäftigt.

Yin symbolisiert dabei das schwarze, weibliche Element; Yang das weiße, männliche.

Etwas Yin ist immer im Yang-Element und umgekehrt; symbolisiert durch kleine Punkte in schwarz bzw. weiß. 

Yin und Yang repräsentieren dabei die Dualität, die zwei unterschiedlichen Charaktere in uns, die in Harmonie gebracht werden können und sich gegenseitig ergänzen.

Dabei haben wir fünf Asanas praktiziert: den Meditationssitz, die Herzöffnung mittels einer großen Rolle unter dem Rücken, die Drachenhaltung, den sogenannten Schwan und eine Twisthaltung.

Nicht zu vergessen das sogenannte Shavasana, die Ruhehaltung, die grundsätzlich nach den praktizierten Asanas geübt werden sollte.

Obwohl ich schon lange Yoga praktiziere, war es trotzdem sehr bereichernd, die Yogaeinheiten mit den drei Kriegern, der Berghaltung, dem herabschauenden Hund und der Kobra (um nur einige der praktizierten Asanas zu nennen) von Susan und Amy angeleitet zu bekommen. 

Ab Donnerstag wurden wir auf unsere Abschlussprüfung am Freitag vorbereitet, was auch spannend zu beobachten war, da wir in Gruppen zusammenarbeiteten. Ich fertigte zusammen mit Teilnehmern aus Italien an der Ausarbeitung. In meiner Gruppe trafen unterschiedliche Herangehensweisen aufeinander. Gemeinsam konnten wir eine gelungene Ausarbeitung erstellen. Freitag fand dann nach der Meditation bei herrlichstem Wetter die Präsentation jedes einzelnen statt.

Nach bestandener Prüfung gab es dann die Zertifikate. Susan und Amy haben wohl noch nie so viele Fotos machen müssen.

Hier ein Video von der kleinen Feier, wo dann vor Freude auch noch getanzt wurde. 🙂 

Abends hat sich dann der größte Teil der Gruppe in Amy’s Restaurant zum Essen getroffen.

Habt tausend Dank für alles und, dass ich das erleben durfte!