Cultivating Diversity and Inclusion, Rom

von Hajar Qaser-Rashidi

5.-9. Mai 2025 in Rom, Italien

Ankunft und erste Entdeckungen in Rom

Unsere Reise begann mit einem angenehmen Flug von Hamburg in die Ewige Stadt – Rom.

Schon bei der Ankunft empfing uns die Stadt mit strahlendem Sonnenschein und wohltuender Wärme. Ich hatte mir ein nettes Hotel St. Moritz in der Via Nazionale bereits im Voraus gebucht und machte mich direkt auf den Weg dahin.

Die zentrale Lage erwies sich als wahrer Glücksgriff: Nur wenige Schritte trennten mich von der Europass Teacher Academy und von zahlreichen kulturellen Highlights.

Nach dem Einchecken ließ ich mich durch die Altstadt treiben – vorbei an prachtvollen Fassaden, lebendigen Plätzen und den ersten Eisdielen. Der Tag endete stimmungsvoll bei einem regionaltypischen Abendessen in einem kleinen Lokal.

Der Samstag begann ruhig, fast meditativ. Gegen Mittag machte ich mich zusammen mit meinem Kollegen auf den Weg in den Vatikan – einen Ort, der nicht nur religiös bedeutsam ist, sondern auch spirituell berührt. Für mich persönlich war es bereits der zweite Besuch, aber dieses Mal durften wir etwas Besonderes erleben: In dem Vatikan findet in der kommenden Woche das Konklave statt und ein neuer Papst soll gewählt werden. Das macht alles noch viel spannender!

Besonders eindrucksvoll war der Moment, in dem wir von der Existenz mumifizierter Päpste erfuhren – ein Detail, das mir bislang unbekannt war. Dieser Besuch erinnerte mich daran, wie vielschichtig Geschichte und Glaube miteinander verwoben sind.

Am Sonntag nutzten wir die Gelegenheit, am „freien Museumssonntag“ teilzunehmen.

Trotz teils langer Wartezeiten (über eine Stunde für das Pantheon, fast eineinhalb für die Engelsburg) bleiben wir standhaft, und das hat sich gelohnt. Die Engelsbrücke mit ihren detailreichen Engelsfiguren, jede ein Symbol des christlichen Glaubens, beeindruckte mich besonders. Die anschließende Besichtigung der Engelsburg vertiefte unser Verständnis für die Verbindung von Architektur, Geschichte und Macht in Rom.

Montag, 05. Mai 2025

Der erste Seminartag. Nach einem schlichten, aber leckeren Frühstück machten wir uns zu Fuß auf den Weg zur Europass Teacher Academy.

Unsere Dozentin, Frau Christina Waymark, empfing uns herzlich. Mit Teilnehmenden aus Deutschland, Spanien, Portugal und Rumänien war die Gruppe wunderbar international. Zwei von ihnen kamen mit leichter Verspätung – ein Anlass für Gelassenheit und ein Lächeln.

Der Tag begann interaktiv: Eine Vorstellungsrunde in der eigenen Muttersprache war der Auftakt. Ich sprach zunächst auf Deutsch und durfte erleben, wie viel auch ohne perfektes Verstehen möglich ist. Es folgten nonverbale Übungen und eine kreative Aktivität mit Notizzetteln. Mein eigener Beitrag: „Ich kann 24 Stunden ohne Schlaf auskommen.“ – Was für viel Heiterkeit sorgte.

Was wie ein Spiel begann, entfaltete sich als tiefgründige pädagogische Strategie: Wir diskutieren über Vorurteile, über den Wert der Diversität und darüber, wie schnell man Menschen in Schubladen steckt. Die Aussage „Nicht jede Person aus den Niederlanden konsumiert Haschisch“ stand sinnbildlich für diesen kritischen Blick auf kulturelle Stereotype.

Nach einer kurzen, stärkenden Pause wurden erste Präsentationen gehalten.

Und anschließend hielten Herr Rashidi und ich unsere Präsentation. Bereits vor der Reise hatten wir eine umfassende Vorstellung vorbereitet, in der wir unsere Einrichtung, ihre organisatorische Struktur sowie unsere pädagogische Arbeit präsentierten. Wir stellten die verschiedenen Bildungsangebote der VHS vor – von Sprachkursen über Integrationsmaßnahmen bis hin zu beruflicher Weiterbildung – und gaben Einblicke in unsere Leitungsstruktur sowie unsere Aufgabenbereiche als Kursleiterin bzw. Kursleiter. Auch unsere eigenen pädagogischen Schwerpunkte und methodischen Ansätze wurden thematisiert. Die Präsentation stieß auf großes Interesse und bot eine wertvolle Gelegenheit, den internationalen Kolleginnen und Kollegen unser Bildungsmodell näherzubringen.

Dienstag, 06. Mai 2025

Der Tag begann mit einem kräftigen doppelten Kaffee – Americano und Espresso. Das Aroma des italienischen Kaffees ist unvergleichlich und seine Wirkung ebenso. Voller Energie begannen wir pünktlich den Seminartag.

Eine Selbstreflexion bildete den thematischen Einstieg: Was können wir im Unterricht kontrollieren? Was liegt außerhalb unseres Einflusses? Die Diskussion war ehrlich und intensiv. Themen wie Integration, Motivation, Prüfungsdruck, aber auch gesetzliche Rahmenbedingungen oder familiäre Hintergründe der Lernenden kamen zur Sprache.

Ein besonders origineller Impuls war die „Tierlaut“-Übung – spielerisch und doch tiefgründig. Sie machte deutlich: Sprache ist nicht die einzige Form der Kommunikation. Gerade für Menschen mit wenig oder keinen Sprachkenntnissen kann Körpersprache Brücken bauen, wo Worte fehlen. In der Übung imitierten wir Tierlaute in verschiedenen Sprachen und stellten fest, wie unterschiedlich ein und derselbe Laut je nach Sprachraum klingt – etwa das Krähen eines Hahns oder das Bellen eines Hundes.

Aus pädagogischer Sicht war diese Aktivität äußerst wertvoll: Sie sensibilisierte uns für die Vielfalt kultureller Ausdrucksformen und betonte die Bedeutung nonverbaler Kommunikation. In einem inklusiven Klassenzimmer – insbesondere mit neu zugewanderten Lernenden oder in Alphabetisierungskursen – spielt diese Art der Verständigung eine zentrale Rolle.

Lernende erleben durch solche Übungen, dass Kommunikation auch ohne perfektes Sprachvermögen möglich ist. Das fördert Selbstvertrauen, Teilhabe und vor allem den Mut, sich auszuprobieren. Gleichzeitig regt es Lehrkräfte dazu an, eigene Kommunikationsmuster zu hinterfragen und bewusst auch körperliche Ausdrucksformen als didaktisches Mittel einzusetzen. Die Tierlaut-Übung wirkte damit wie ein kleiner Spiegel: humorvoll, interaktiv – und doch tief in der pädagogischen Praxis verwurzelt.

Es folgte eine Diskussion über die Sitzordnung in Klassen mit geflüchteten Schüler*innen. Zwei ukrainische Kinder nebeneinander oder gezielte Durchmischung? Unsere Antwort: Es kommt auf die individuelle Situation an. Sicherheit und emotionale Stabilität stehen an erster Stelle.

Das „Clown-Spiel“ war mein persönliches Highlight: Drei Gegenstände, drei Bewegungen – der Clown errät die Handlung ohne ein Wort. Es war nicht nur unterhaltsam, sondern ein Lehrstück in nonverbaler Pädagogik.

Den Abschluss bildeten zwei Präsentationen: eine Kollegin aus Berlin stellte ihre Arbeit zu Inklusion und Diversität vor, anschließend präsentierten zwei Lehrerinnen aus Rumänien mit der Unterstützung einer weiteren Kollegin ihre Praxis.

Am Nachmittag des dritten Seminartages nutzten wir die Gelegenheit, das Vatikanische Museum zu besichtigen – ein kultureller Höhepunkt unserer Reise.

Die Vatikanischen Museen zählen zu den bedeutendsten und meistbesuchten Kunstsammlungen der Welt. Sie wurden im 16. Jahrhundert unter Papst Julius II. gegründet und beherbergen heute über 70.000 Kunstwerke, von denen rund 20.000 ausgestellt sind. Die Sammlungen umfassen Werke der ägyptischen, etruskischen und römischen Antike, Meisterwerke der Renaissance sowie bedeutende Stücke der modernen Kunst.

Der Besuch war nicht nur ein ästhetisches Erlebnis, sondern auch eine eindrucksvolle Reise durch die Geschichte von Kunst, Macht und Glauben. Er hinterließ einen nachhaltigen Eindruck und bildete einen würdevollen Ausklang des dritten Seminartages.

Mittwoch, 07. Mai 2025

Der heutige Tag begann mit einer kleinen Geste: Wir schrieben je ein kulturelles Element auf einen Zettel. Ich wählte „Kleidung“. Daraus entwickelte sich eine tiefgreifende Auseinandersetzung mit dem Eisbergmodell der Kultur. Kultur ist nicht nur sichtbar – das meiste bleibt verborgen. Diese Erkenntnis hat sich mir tief eingeprägt.

Noch bildhafter wurde es mit dem Zwiebelmodell: Eine Kultur besteht aus sichtbaren Schichten, aus gesellschaftlichen Werten und aus tiefsten Überzeugungen. Ich stellte mir einen Baum vor – langsam wachsend, beständig, tief verwurzelt. Genau so sehe ich die Entwicklung eines Menschen.

Meine zentralen Werte: Integrität und Lernen. Mein Held: Mahatma Gandhi. Mein Ritual: das tägliche Gebet – als Moment der Einkehr. Das sind keine abstrakten Begriffe, sondern lebendige Elemente meines pädagogischen Selbstverständnisses.

Der Nachmittag war der Kommunikation gewidmet: Was ist explizit, was implizit?

Wir erkannten, wie viele Missverständnisse durch unausgesprochene Erwartungen entstehen – insbesondere dann, wenn Kommunikationsstile und kulturelle Prägungen aufeinandertreffen. Der Vergleich zwischen individualistischen und kollektivistischen Gesellschaften zeigte eindrucksvoll, wie unterschiedlich Normen und Werte gelebt und interpretiert werden. Während in individualistisch geprägten Kulturen das Selbst, die Eigenverantwortung und persönliche Freiheit stark betont werden, stehen in kollektivistischen Gesellschaften Gemeinschaft, Harmonie und gegenseitige Verpflichtung im Vordergrund.

Aus pädagogischer Sicht ist dieses Verständnis essenziell, um interkulturelle Lernumgebungen sensibel zu gestalten. Lehrkräfte müssen erkennen, dass Verhaltensweisen von Lernenden oft aus tief verankerten kulturellen Mustern resultieren – z. B. kann Zurückhaltung in der mündlichen Mitarbeit aus Respekt gegenüber der Gruppe entstehen und nicht aus mangelndem Interesse.

Wer diese Unterschiede versteht, kann Lernprozesse gezielter steuern, Konflikte vermeiden und eine Atmosphäre schaffen, in der sich alle Lernenden – unabhängig von Herkunft oder Kultur – gesehen, verstanden und wertgeschätzt fühlen. Diese Reflexion stärkt nicht nur die eigene interkulturelle Kompetenz, sondern ist auch ein Schlüssel für gelingende pädagogische Beziehungen.

Donnerstag, 08. Mai 2025

Der vorletzte Tag begann mit einer Reflexion über den Kulturschock.

Eine Kollegin schilderte ihre sprachlichen Hürden in Frankreich. Ich selbst entschied mich heute bewusst, zuzuhören. Stattdessen berichtete ich von meinen Schüler*innen – und den kleinen Stolpersteinen, die ihnen im Alltag begegnen: Wetter, Pünktlichkeit, gesellschaftliche Erwartungen.

Die Culture Shock Curve zeigte, wie tiefgreifend diese Prozesse sind: von der Euphorie über die Frustration bis hin zur Anpassung. Die anschließenden vier Akkulturationsstrategien – Integration, Assimilation, Separation, Marginalisierung – gaben uns ein analytisches Werkzeug an die Hand, um das Verhalten unserer Lernenden besser zu verstehen.

Später beschäftigten wir uns mit Unconscious Bias – den unbewussten Vorannahmen, die unser Denken und Handeln steuern. Die vier häufigsten Verzerrungen (Affinity Bias, Perception Bias, Halo Effect, Confirmation Bias) wurden anhand lebendiger Beispiele erklärt.

Ein Höhepunkt war die Vorstellung des Buches „Thinking, Fast and Slow“ von Daniel Kahneman – eine spannende Lektüre über schnelles Bauchgefühl und langsames, reflektiertes Denken. Passend dazu: die Serie „100 Humans“, die diese Fragen in Form kleiner sozialer Experimente aufgreift.

Den Abschluss bildete eine intensive Reflexion über die 4 Cs: Kreativität, kritisches Denken, Kommunikation und Zusammenarbeit – und deren tiefgreifende Verbindung zur Empathie.

Ich nahm mit: Diese Kompetenzen sind nicht nur didaktische Methoden, sondern grundlegende pädagogische Haltungen, die unser Lehrverhalten prägen und die Lernkultur im Klassenzimmer mitgestalten. Besonders im Kontext der Alphabetisierung von erwachsenen Lernenden spielen die 4 Cs eine zentrale Rolle.

Kreativität hilft uns, neue Zugänge zu schaffen – sei es durch bildgestützte Methoden, Rollenspiele oder handlungsorientierte Aufgaben. Kritisches Denken unterstützt Lernende darin, ihre Umwelt bewusst zu hinterfragen, selbstständige Entscheidungen zu treffen und sich als handlungsfähige Subjekte zu erleben – ein wichtiger Schritt in der Selbstermächtigung.

Kommunikation, auch in einfachster Form, ermöglicht Teilhabe. Gerade bei Menschen, die in ihrer Schulbiografie oft brüchige oder traumatische Erfahrungen gemacht haben, muss Kommunikation ermutigen und nicht überfordern.

Zusammenarbeit schließlich fördert das Gemeinschaftsgefühl und schafft ein soziales Lernfeld, in dem jede*r vom Wissen und den Stärken der anderen profitieren kann.

In der Alphabetisierungsarbeit bedeutet das: Lernprozesse sind nicht rein kognitiv, sondern zutiefst emotional und sozial. Die 4 Cs liefern nicht nur Werkzeuge, sondern auch eine Haltung der Offenheit, Geduld und Wertschätzung – Eigenschaften, ohne die erfolgreiche Alphabetisierung kaum denkbar ist.

Freitag, 09. Mai 2025

Der letzte Tag war ein Tag des Rückblicks – und des Loslassens. Gemeinsam sahen wir unsere Fotos an, teilten Eindrücke und nahmen Abschied von einer intensiven, bereichernden Woche.

Die App GooseChase, die uns vorgestellt wurde, zeigte mir neue Wege für projektbasiertes, mobiles Lernen. Besonders eindrucksvoll war die Diskussion über den Film „Joker“ und die anschließende Gruppenarbeit.

Unsere Gruppe wählte Gaston aus. Die Schöne und das Biest – eine Figur, die im klassischen Narrativ klar als Bösewicht dargestellt wird. Doch anstatt ihn in dieser eindimensionalen Rolle zu belassen, versuchten wir, seine Geschichte aus einem neuen, empathischen Blickwinkel zu betrachten. Was auf den ersten Blick wie Arroganz, Egozentrik und Machthunger erscheint, lässt sich bei näherem Hinsehen auch als Ausdruck tieferer Unsicherheiten und gesellschaftlicher Prägungen deuten.

Wir stellten uns die Frage: Was treibt einen Menschen zu einem Verhalten, das als „böse“ wahrgenommen wird? Welche Rolle spielen dabei die Erwartungen der Gesellschaft, soziale Zuschreibungen oder der Wunsch nach Anerkennung? Gaston ist nicht einfach nur ein Antagonist – er ist zugleich ein Produkt seiner Umgebung: ein Mann, der für seine Stärke, sein Aussehen und seine Dominanz gefeiert wird. In einer Welt, in der diese Eigenschaften mit Wert und Männlichkeit gleichgesetzt werden, erscheint sein Verhalten fast logisch – wenn auch moralisch verwerflich.

Aus pädagogischer Perspektive war diese Übung besonders wertvoll: Sie machte deutlich, wie wichtig es ist, auch bei scheinbar „problematischen“ Persönlichkeiten hinter die Fassade zu blicken. Gerade in Bildungsprozessen – etwa im Umgang mit herausfordernden Lernenden – ist diese Haltung entscheidend. Der „laute“ Schüler, die „verweigernde“ Teilnehmerin – oft steckt ein anderes Narrativ dahinter: von Frustration, Mangel an Selbstwert, schwierigen biografischen Erfahrungen oder gesellschaftlicher Ausgrenzung.

Die Auseinandersetzung mit Gaston zeigte uns, wie man mit Empathie, Reflexion und Perspektivwechsel einen neuen Zugang schaffen kann – nicht nur zu fiktiven Figuren, sondern auch zu realen Menschen in unserem Unterricht. Der vermeintlich Böse könnte eben auch ein Opfer sein – von Rollenbildern, gesellschaftlichem Druck oder fehlender Anerkennung. Und genau darin liegt ein wichtiger Bildungsauftrag: Nicht vorschnell zu bewerten, sondern Raum für differenzierte Sichtweisen zu schaffen.

Ein kleines Experiment verdeutlichte die Grenzen von Sprache: Eine Person sah ein Video, die andere versuchte es nur durch Worte zu beschreiben. Ich dachte sofort an den Unterricht – wie oft sprechen wir „aneinander vorbei“?

Am Ende des Seminars widmeten wir uns dem sensiblen und hochaktuellen Thema Diskriminierung, basierend auf der offiziellen Definition der Europäischen Union. Laut EU-Richtlinie liegt Diskriminierung vor, wenn:

„Eine Person eine weniger günstige Behandlung erfährt, erfahren hat oder erfahren würde als eine andere Person in einer vergleichbaren Situation – aufgrund eines geschützten Merkmals wie ethnische Herkunft, Religion oder Weltanschauung, Behinderung, Alter, sexuelle Orientierung oder Geschlecht.“

Diese Definition umfasst sowohl direkte Diskriminierung (eine offene Benachteiligung aufgrund eines Merkmals) als auch indirekte Diskriminierung, die durch scheinbar neutrale Regelungen entsteht, aber faktisch bestimmte Gruppen benachteiligt.

Die anschließende Diskussion sensibilisierte uns für die vielfältigen, oft subtilen Erscheinungsformen von Diskriminierung in Gesellschaft und Bildung.

Aus pädagogischer Sicht wurde deutlich, wie wichtig es ist, eine offene, respektvolle Lernumgebung zu schaffen, in der Vielfalt nicht nur toleriert, sondern aktiv anerkannt und wertgeschätzt wird. Gerade in der Alphabetisierungsarbeit, in der Menschen mit sehr unterschiedlichen Biografien und kulturellen Hintergründen zusammenkommen, ist es unsere Aufgabe als Lehrkräfte, ein diskriminierungsfreies Lernklima zu ermöglichen, in dem sich alle sicher und zugehörig fühlen.

Diese Reflexion war ein wesentlicher Impuls, unsere eigene Haltung zu überprüfen, Verantwortung zu übernehmen und Bildungsräume bewusst als Orte der Gerechtigkeit und Teilhabe zu gestalten.

Zum Schluss: Zertifikate, Feedback, Applaus – und stille Dankbarkeit. Ich verlasse dieses Seminar mit einem Rucksack voller Methoden, Begegnungen und Gedanken, die bleiben.

Purpose-Driven Leadership: Connecting Inner Development with Global Sustainable Actions, Brüssel

von B. Busch

Im Rahmen meines Aufenthalts in Brüssel (März 2025) habe ich am dreitägigen Kurs Purpose-Driven Leadership: Connecting Inner Development with Global Sustainable Actions teilgenommen, der sich an Führungskräfte im Bildungsbereich richtet und die nachhaltige Schulentwicklung in den Mittelpunkt stellt.

Nachdem ich bereits am Vorabend nach einer langen, aber entspannten Zugreise in Brüssel angekommen bin, habe ich mich abends bei geradezu sommerlichen Temperaturen noch ein wenig in der Altstadt umgesehen und das belgische Nationalessen getestet: Frites. Lecker!

Die Grande Place mit den wunderschönen Fassaden rundherum wird nach Sonnenuntergang sehr eindrucksvoll beleuchtet und die Straßen rundherum sind frei von Verkehr und voller Menschen. Man hört nicht nur Französisch und Niederländisch, sondern auch Spanisch, Englisch, Deutsch und viele andere Sprachen.

  • Tag 1 – Donnerstag

Am Donnerstagmorgen begann der Kurs bereits um 9 Uhr. Der Kursraum befand sich in einem Altbau direkt gegenüber vom Berlaymont-Gebäude, dem Hauptsitz der Europäischen Kommission. An unseren Kursraum schloss sich ein Wintergarten und ein kleiner, grüner Hinterhof an, großartig für bewegte Pausen und entspanntes Luftschnappen.

Unsere flämische Kursleitung Virginie Parent begrüßte uns herzlich und wir fingen mit einem Kennenlernspiel an. Ein bisschen kannten wir uns schon von Padlet, wo wir in den Wochen vor dem Kurs schon persönliche Steckbriefe auf die von Virginie vorbereitete Pinnwand hochgeladen hatten. Wir waren insgesamt 15 Personen, wobei vier Teilnehmende von Madeira erst am Nachmittag dazustießen, da ihr Flugzeug wegen schlechten Wetters erst später starten konnte. Dabei waren außerdem eine Französin, vier Lettinnen aus verschiedenen Einrichtungen einer lettischen Stadt, sowie außer mir fünf Deutsche – ein Kursleiter und vier vhs-Leitungen bzw. Mitarbeitende von verschiedenen Volkshochschulen in Süddeutschland. Die Mischung war sehr gut, es waren verschiedenste Bildungseinrichtungen vertreten von Kindergarten, Grundschule, weiterführender Schule und Berufsbildung bis Erwachsenenbildung. Zwischen den Kursinhalts-Modulen stellten die Teilnehmenden Ihre Einrichtungen mit vorher erstellten Präsentationen vor. Das Kennenlernen unterschiedlicher europäischer Bildungsmodelle ist immer ein besonders interessanter Teil des Erasmus+- Programms.

Im ersten Modul ging es um die zielorientierte Führung. Zunächst wurden wir von Virginie in das Konzept der Inner Development Goals (IDGs) eingeführt. Inspiriert von den Sustainable Development Goals (SDGs) der Vereinten Nationen legen die IDGs den Fokus auf die Entwicklung innerer Fähigkeiten und Qualitäten, um persönliche Kompetenzen zu fördern, die nötig sind, um gesellschaftliche Transformation und die globalen Herausforderungen des 21. Jahrhunderts zu meistern. Ziel der Arbeit mit den IDGs ist es, inneres Wachstum und Wohlbefinden zu fördern und gleichzeitig die äußeren Umstände zu verbessern.

Dann haben wir in einem gemeinsamen Brainstorming gesammelt, welche Eigenschaften für eine zielorientierte Führung notwendig sind:

  • Selbst-Bewusstsein
  • Empathie
  • Resilienz
  • Authentizität
  • Vorstellungskraft
  • Kooperation
  • Mut
  • Zuverlässigkeit

Purpose-Driven Leadership (zielorientierte Führung) im Einklang mit den IDGs und den SDGs bedeutet, die persönliche Werte und das innere Wachstum mit globaler Verantwortung in Einklang zu bringen. Ziel ist es in unserem Tätigkeitsbereich, sinnvolle Veränderungen in Schulen anzustoßen, zur Auseinandersetzung mit globalen Herausforderungen anzuregen und eine Schulkultur der Inklusion, Nachhaltigkeit und globalen Verantwortung zu kreieren.

Unsere erste Aufgabe war es dann, in Gruppen jeweils ein konkretes Ziel in unserer Führungstätigkeit zu definieren. Eine Übung dazu war, zu überlegen, welche Werte uns in unserer Arbeit motivieren, um so herauszufinden, was uns wirklich wichtig ist. Diese Denkaufgabe ist sehr sinnvoll, um sich der eigenen intrinsischen Motivation besser bewusst zu werden und das Handeln danach auszurichten, statt sich nur im Alltags-Klein-Klein aufzureiben.

Das Ziel einer Schulleitung kann beispielsweise lauten: „Eine Kultur der Resilienz und Empathie in meiner Schule entwickeln“. Hier werden die inneren Entwicklungsziele „Beziehungen“ und „Handeln“ gefordert. Das nachhaltige Entwicklungsziel „qualitativ hochwertige Bildung“ steht eigentlich bei all unseren Bestrebungen im Vordergrund.

Hier endete das erste Modul nach reichlich Input um 13.30 Uhr. Um 15 Uhr sollten wir uns im Zentrum zu einem geführten Stadtrundgang wiedertreffen.

Das Brüsseler Nahverkehrssystem funktioniert hervorragend – schnell, zuverlässig und bequem. Habe ich am ersten Tag noch die Metro als schnellste Verbindung vom sehr zentral gelegenen Hotel zum Kursort genommen, zog ich an den folgenden Tagen die Busse vor, da ich so mehr von der Stadt sehen konnte. In einigen Bezirken fahren zudem auch Straßenbahnen. Vieles kann man aber auch einfach erlaufen. Toll ist außerdem, dass große Bereiche der Innenstadt für den Verkehr völlig gesperrt sind und viel Freiraum für Menschen bleibt.

Der Stadtrundgang durch das historische Zentrum wurde von der jungen flämischen Belgierin Annelies geleitet. Sie hatte ein Tablet dabei, auf dem sie uns zwischendurch historische Aufnahmen, Gemälde und Karten zeigen konnte. Zugegebenermaßen hatte ich mich auf die Stadt nicht besonders vorbereitet, wenn man von dem Durchlesen eines Reiseführers auf der Zugfahrt einmal absieht – und so präsentierte sich Brüssel für mich interessanter und auch schöner, als ich es mir vorgestellt hatte. Bei blauem Himmel und sommerlichen Temperaturen war der Spaziergang ein wahres Vergnügen und für uns alle auch eine gute Gelegenheit, sich beim Gehen zu unterhalten und besser kennenzulernen. Mit den Lettinnen und dem Deutsch-Kursleiter aus Nürnberg verabredete ich mich abends zum Essen in einem indischen Restaurant.

  • Tag 2 – Freitag

Freitag starteten wir den Tag mit einer erneuten spielerischen Kennenlernrunde für die neu dazugekommenen Madeirenser.

Das zweite Kursmodul hatte die Purpose-Driven Vision – also die zielgerichtete, sinnstiftende Vision für die eigene Bildungseinrichtung, zum Inhalt, die ein konkretes organisatorisches Ziel anvisiert, sich dabei eng an den eigenen Werten orientiert und außerdem die IDGs sowie die SDGs berücksichtigt. Gemeinsam haben wir zusammengetragen, was uns persönlich antreibt und wie sich daraus eine authentische, motivierende Vision für unsere Einrichtung ableiten lässt. Das Ziel: eine Lernkultur, in der sowohl Lehrende als auch Lernende positive Veränderungen anstreben und sie mitgestalten. Die Vision muss eindeutig formuliert und umsetzbar sein. Wie kann diese Vision konkret im Alltag einer Bildungseinrichtung umgesetzt werden? Eine wirksame und umsetzbare Zielsetzung sollte folgenden Kriterien genügen:

  • Klarheit
  • wertebasiert und sinnorientiert
  • Fokus auf ganzheitliches Wachstum
  • Förderung der Gemeinschaft und Zusammenarbeit
  • Nachhaltigkeit als zentrales Prinzip
  • Formulierung konkreter Umsetzungsschritte

Mit Hilfe einer Motivation Map analysierten wir in Gruppenarbeit, welche Faktoren die extrinsische und intrinsische Motivation in verschiedenen Gruppen (Lehrkräfte, Teilnehmende, Stakeholder…) beeinflussen. Wir fanden gemeinsam heraus, dass die extrinsische Motivation jeder Gruppe von ganz unterschiedlichen Faktoren bestimmt wird, die intrinsische Motivation dagegen bei allen Gruppen aus einer Quelle gespeist werden kann: das Gefühl, Teil einer Gemeinschaft mit den gleichen Werten und Zielen zu sein und die Sichtbarmachung von Erfolgen, d.h. Erreichen der eigenen und gemeinsamen Ziele. Es wurde deutlich, wie stark eine nachhaltig orientierte, gemeinsam entwickelte, klar formulierte und transparent kommunizierte Vision zur Motivation beiträgt – sowohl auf der Ebene der Führung als auch bei Lehrenden, Lernenden und dem Umfeld. Die Vision wird dabei nicht als statisches Ziel begriffen, sondern als permanent gemeinsam weiterentwickelter Orientierungsrahmen.

Den Freitagnachmittag habe ich genutzt, um das zentrale Schwimmbad zu besuchen – mein persönliches Must-See in jeder größeren Stadt. Das Piscine du Centre aus den 1950ern befindet sich versteckt im Stadtteil Marolles hinter einer gewöhnlichen Hausfassade im dritten Stock.

(links der Eingang zum Zentralbad)

Das Becken hat immerhin fünf 25-Meter-Bahnen, ist also ein richtiges Schwimmerbecken. Hut ab vor den Statikern! Das Interieur ist originalgetreu und ein Wärter schließt jedem Gast die Umkleide auf, die auch als Verwahrung für die Kleidung dient. Duschräume gibt es nicht, stattdessen sind die Duschen entlang des Beckens aufgereiht und entweder eiskalt oder kochend heiß, dafür mit tollem Blick über das Schwimmbecken auf die Stadt… das Schwimmen war sehr gut bei wenig Betrieb und angenehmer Wassertemperatur.

Danach habe ich mich in dem wunderschönen Jugendstil-Café Le Perroquet gestärkt und mich noch ein bisschen in dem Stadtteil umgesehen. Der öffentliche Aufzug zum Justizpalast erspart einen anstrengenden Aufstieg und der Blick von dem Platz über die Stadt ist großartig.

Von dort bin ich an dem historischen Stadttor Porte de Hal vorbei in den Stadtteil Saint-Gilles gegangen und habe mir in der Rue Vanderschrick die vielen schönen Jugendstilfassaden angesehen.

Mit dem Bus ging es zurück zum Hotel und um 19 Uhr war ich an der Kirche St Catharine mit einigen anderen Kursteilnehmenden zum Essengehen verabredet. Da wir acht Personen waren – die Lettinnen und vier Deutsche –, war es gar nicht so einfach, an einem Freitagabend draußen bei sommerlichem Wetter einen Tisch zu bekommen. Mit Gunta aus Lettland habe ich mich beim Essen ausführlich über lettische und deutsche Bräuche unterhalten.

  • Tag 3 – Samstag

Am dritten und letzten Tag des Kurses war die Atmosphäre auf dem Weg zum Kursort irgendwie anders… die Metro-Station Schuman unter dem Berlaymont-Gebäude war wie ausgestorben und auf der Straße fehlten die Absperrungen, Kamerateams, Anzugträger… Was war los?! – Ach ja, Samstag!

Die Lettinnen mussten leider schon an diesem Morgen abreisen, daher waren wir vier Teilnehmende weniger. Nach einigen kleinen Lockerungsübungen mit Virginie starteten wir wacher in den letzten Kurstag.

Der praxisorientierte Abschluss des Kurses bot uns die Möglichkeit, konkrete Schritte zur Umsetzung einer Vision in unserer jeweiligen Bildungseinrichtung zu entwickeln. Das Hauptziel dieses dritten Moduls war die Erstellung eines Aktionsplans, der die strategische Umsetzung der im Kurs entwickelten Vision mit den konkreten Zielen beschreibt. Ein effektiver Aktionsplan sollte folgende Schlüsselelemente enthalten:

  1. Leitbild – eine klare, inspirierende Aussage zur langfristigen Ausrichtung der Schule.
  2. Ziele – konkrete, messbare Ziele, die mit dem Leitbild in Einklang stehen.
  3. Aktionen – die spezifischen Maßnahmen, die unternommen werden müssen, um die Ziele zu erreichen.
  4. Zeitplan – eine realistische Zeitrahmenplanung für jede Maßnahme.
  5. Ressourcen – die benötigten Mittel und Unterstützung, um die Maßnahmen durchzuführen.
  6. Herausforderungen – mögliche Hindernisse, die im Verlauf des Prozesses auftreten könnten, sowie Strategien zu deren Überwindung.

Die Planungssitzung begann mit einer Reflexion über die eigene Vision. Dabei sollten wir eine Aussage formulieren, welche eine langfristige, wertorientierte Vision unserer Bildungseinrichtung widerspiegelt. Als Nächstes gingen wir über zu den Schlüsselzielen, die im Einklang mit dieser Vision stehen. Hierbei war es besonders wichtig, realistische, aber auch herausfordernde Ziele zu identifizieren – die sowohl die nachhaltige Entwicklung der Schule als auch die individuelle und kollektive Verantwortung von Lehrkräften und Lernenden fördern.

Im Anschluss an die Zieldefinition listeten wir die Maßnahmen auf, die notwendig sind, um diese Ziele zu erreichen. Jeder Schritt wurde mit einem Zeitplan versehen, der uns dabei half, realistische Fristen zu setzen und den Fortschritt zu messen. In der Gruppe tauschten wird uns über die erforderlichen Ressourcen aus – von finanziellen Mitteln über Weiterbildungsmöglichkeiten bis hin zu externen Partnern, die den Prozess unterstützen können. Uns allen fielen naturgemäß auch viele Herausforderungen und Barrieren ein, die während der Umsetzung auftreten können, wie z.B. Widerstände im Team, zeitliche Engpässe oder mangelnde Ressourcen. Für jedes potenzielle Hindernis entwickelten wir gemeinsam Strategien zur Überwindung, zum Beispiel, wie durch gezielte Kommunikation und Transparenz eine stärkere Einbindung des gesamten Teams erreicht werden kann.

Zum Abschluss des Kurses haben wir den Kursinhalt rekapituliert und in einer kurzen Feedback-Runde unsere persönlichen Highlights ausgetauscht.

Wir haben gelernt, wie wir als Führungskräfte die Rolle des Change Agents übernehmen können, um nachhaltige Veränderungen zu bewirken. Dies erfordert nicht nur Zielstrebigkeit, sondern auch Empathie und Flexibilität, um im Verlauf des Prozesses auf Herausforderungen und neue Gegebenheiten reagieren zu können.

Die Teilnahmezertifikate wurden verteilt und wir haben die übriggebliebenen landestypischen Süßigkeiten unter uns verteilt – es wurde so viel mitgebracht, dass wir alle jeden Vormittag überzuckert waren, weil in jeder Pause das Süßigkeiten-Buffet wie auf einem Kindergeburtstag lockte. Nach der herzlichen Verabschiedung machten sich einige direkt auf den Heimweg – ich hatte zum Glück noch bis Sonntagmorgen Zeit.

Mit kurzem Boxenstopp im Hotel, um meinen Laptop zu deponieren (den ich während der drei Kurstage nicht wirklich gebraucht habe), bin ich schnell mit dem Bus zum Place du Jeu de Balle gefahren, wo Samstag vormittags immer ein großer Trödelmarkt stattfindet. Ich kam leider erst, als die Händler anfingen einzupacken, aber auch so war das Angebot beeindruckend.

Beim anschließenden Schlendern durch die Straßen des alternativen Marolles-Viertels sind mir viele Personen in Phantasiekostümen aufgefallen, dabei sogar ein ganzer Chor, der sich auf einer kleinen Verbindungstreppe zurechtmachte und probte.

Das war so faszinierend, dass ich zum Zuhören geblieben bin und dann wieder zurück zum Place du Jeu de Balle gegangen bin, der inzwischen komplett voll war mit Kostümierten, Musikgruppen, Figuren und Zuschauern. Wie ich erst später herausgefunden habe, war das der Carnaval Sauvage, ein jährlich stattfindender alternativer Karnevalsumzug, der am Place du Jeu de Balle beginnt. Die Umzugsteilnehmer tragen selbstgemachte Kostüme, oft aus Verpackungsmüll oder Gebrauchsgegenständen, und ziehen dann durch die Stadt. Der Karneval feiert die Ankunft des Frühlings und kritisiert gleichzeitig den politischen und den finanziellen Druck in der Stadt z. B. durch Immobilienspekulation.

Ich konnte mich erst nach einer ganzen Weile davon trennen und bin dann Richtung Ixelles gegangen, um mich zum Schluss dort noch ein bisschen umzusehen. Im Matonge-Viertel gibt es entlang der Chaussee d’Ixelles fast ausschließlich afrikanischen Läden, Cafés und Friseure, man fühlt sich plötzlich auf einen anderen Kontinent versetzt.

Ein Stück weiter, um die neugotische Kirche Saint Boniface, reihen sich Cafés, Bars und Restaurant im gleichnamigen Ausgehviertel aneinander. Weil in eine Stadt eigentlich Wasser gehört und ich bisher keines gesehen hatte, bin ich noch an den wenig spektakulären Ententeichen Etangs d’Ixelles vorbei bis zur ehemaligen Zisterzienserinnenabtei La Cambre gelaufen und habe dort ziemlich erschöpft den Bus zurück zum Zentrum genommen

Fazit

Brüssel bietet nicht nur einen passenden Rahmen für ein europäisches Bildungsprojekt, sondern auch ein vielseitiges kulturelles Angebot. In den freien Stunden konnte ich die Stadt zumindest in kleinen Teilen mit ihrer überwältigenden Vielfalt an Sprachen und Kulturen entdecken.

Der Kurs hat mir persönlich gezeigt, wie wichtig es ist, sich als Volkshochschulleitung regelmäßig aus dem Alltagsgeschäft herauszunehmen, um den eigenen Blick zu weiten und dann auf das Wesentliche zu fokussieren. Der Austausch mit den anderen Teilnehmenden war dabei besonders wertvoll. Ich nehme für meine tägliche Arbeit nicht nur die Bedeutung einer nachhaltigen Vision für die Formulierung konkreter Ziele mit, sondern auch praktische Methoden, mit deren Hilfe ich einen klar strukturierten Aktionsplan entwickeln und zielgerichtet umsetzen kann. Das hilft mir auch bei der Weiterentwicklung unseres Leitbildes und der Organisationsentwicklung allgemein. Der Kurs hat mir außerdem gezeigt, dass die Nachhaltigkeitsziele nicht nur ein theoretisches Konstrukt darstellen, sondern als persönliche und institutionelle Handlungsorientierung dienen können.

Ich bin sehr dankbar für diese Woche der Konzentration, des Perspektivwechsels und der Weiterentwicklung. Der Kurs hat meine Motivation gestärkt, Bildung für nachhaltige Entwicklung als Leitlinie meiner Arbeit noch konsequenter umzusetzen.

Creative Strategies for Language Teachers, Trapani / Sizilien

von I. Möller

Kurs: Creative Strategies for Language Teachers: Make it Easy, Make it Real!

21.-26. Oktober 2024

Am 20. Oktober 2024, am Samstag, bin ich erst in Palermo gelandet um danach mit dem Bus (ca. 1Std.) nach Trapani zu fahren. Ich freute mich, als ich sah, dass mein Hotel Ai Lumi liegt direkt gegenüber dem Gebäude lag, wo am Montag der Kurs starten würde.

Am Montag schon beim Frühstück habe ich unsere Dozentin Cristina kennengelernt, da sie das gleiche Hotel gebucht hat. Um 9:00 Uhr waren wir alle im Unterrichtsraum, also die 12 Teilnehmerinnen. Der Raum war groß und da es ziemlich leer war am Anfang, hatte ich Schwierigkeiten akustisch zu verstehen, aber kurz danach ging es schon.

Als Icebreaker hatten wir ein Spiel mit visuellen Ball gehabt, wo man erst den eigenen Namen nennen soll, später den Namen vom rechten Partner und umgekehrt.

Topic des Tages war „Multiple Intelligence Theory“ und zwar Interpersonal Intelligence. Natürlich hat jeder schon Mal gehört, dass jeder Mensch lernt unterschiedlich, insbesonders was Fremdsprachen angeht. Aber bei jeden einzelnen Schüler herauszufinden, welcher Lerntyp ist er/sie, ist eine Herausforderung für Lehrer/Dozenten an der VHS. Hier haben wir diskutiert und uns ausgetauscht. Ich habe vieles mitgenommen, da unter uns waren wirklich erfahrene Lehrerinnen mit 15-20Jahren Berufserfahrung, zum Teil die, die Anglistik studiert haben und arbeiten in Gesamtschulen oder Gymnasien.

Wir kamen aus Ungarn, Slowakei, Frankreich, Litauen und Deutschland. An dieser Stelle möchte ich mich kurz vorstellen. Mein Name ist Irina und ich habe Deutsch als Fremdsprache 1989 gelernt, meine Muttersprache ist Russisch. Seit Sommer 2024 unterrichte ich Spanisch in der VHS Schleswig. Hauptberuflich bin ich Physiotherapeutin.

Die Teilnahme an diesem Kurs hat mich vor die Herausforderung gestellt, weil es wurde auf meine Zweitfremdsprache, Englisch, unterrichtet. Aber schon nach 1. Tag lief alles wie am Schnürchen. Deswegen mein nächsten Ziel ist Englischkurs, damit ich mich weiterbilden kann.

Die nächsten 3Tagen starteten mit einigen lernreichen Spielen, wo man Teamarbeit förderte (Escape room) oder Spontanität und Kreativität forderte („Smoke seller„). Für mich eine ganz neue Methode, die ich gerne in meinem Spanischkurs anwenden werde.

Am 3. Tag ging es um Chat GPT, es wurde fleißig an Laptops ausprobiert: Diffit-Erstellen der Lernpläne. Zum ersten Mal sah ich, wie einfach ist die Nutzung einiger Apps! SUNO: ein Lied kreieren kann man mit dieser App. Wir haben uns mit verschiedenen gamification Tools auseinander gesetzt und alle anfänglichen Ängste wurden in der Luft aufgelöst. So ging es auch die weiteren Tagen. Jeder von uns hat Aufgaben bekommen: Lernplan erstellen, einen Test kreieren für bestimmte Schüler mit bestimmten Fähigkeiten, Austausch von Apps, die man vor dem Kurs schon angewendet hat.

Auch die Worksheeps muss man nicht vergessen. Sehr beliebt war die App GOOSECHASE. Zwei Gruppen, die in der Stadt geschickt wurden, sollten bestimmten Aufgaben erledigen.
Was PADLET angeht, muss ich meine VHS fragen, ob es angeboten wird .

Zusammenfassung: Der Kurs hat mir gezeigt, was für eine Vielfalt gibt es an Apps, was uns digitale Medien anbieten und man kann es im Unterricht anwenden, um den Schüler das Erlernen der Fremdsprache zu erleichtern. Innovativen Methoden, die auch selber den Dozenten voranbringen, wie wichtig ist permanente Weiterbildung.

Ich habe wertvolle Erfahrungen gemacht in Theorie, Praxis, Kollegen kennen gelernt, viele interessante KI-Möglichkeiten getestet.

In 2025 würde ich gerne ein Vortrag halten vor meinen VHS-Kollegen aber auch mal hospitieren bei Erfahrenen.

Ich bin sehr dankbar, dass ich teilnehmen durfte am Erasmus+ Programm.
Irina

Hospitation zu BNE an der vhs Wien, Österreich

von B. Roggenbach

Erasmus Mobilität in der VHS Wien oder WIEN HAT MUT

23.-27. September 2024

Das Abenteuer für meine Hospitation in der VHS Wien begann schon einige Tage vorher. Sintflutartige Regenfälle am Wochenende davor hatten für starke Beeinträchtigungen in der Stadt als auch in der Umgebung geführt und eine neu gebaute Bahnstrecke kann seitdem nicht mehr genutzt werden.

Somit konnte auch mein gebuchter Nachtzug Wien nicht erreichen und ich nahm eine Tagesverbindung mit mehrmaligen Umstiegen in Kauf, um dann noch 2 Tage vor Beginn Wien zu erkunden.

Das Wochenende begann mit einem Gang auf den Flohmarkt, der sehr zentral direkt am Nachmarkt in Wien jeden Samstagvormittag stattfindet und einen großen Fundus an Antiquitäten, Geschirr, Schmuck, Kleinkram und Kleidung bietet. Private und kommerzielle Händler*innen verkaufen dort gleichermaßen. Eine schöne Atmosphäre bei schönstem Wetter waren ein guter Auftakt.

Mir fielen in der Stadt die vielen Plakate und Beschriftungen auf.

Bio über den Tellerrand hinaus, Wir fahren Rad, Wien steht für Diversity „We are many“.

Meine Gedanken dazu waren „Ah, so macht das Wien. Wien bezieht Position und schafft Identifikationsmöglichkeiten mit einem nachhaltigen Lebensstil.“ Die vielen kleinen Restaurants, Imbissstände und Cafés spiegelten diesen Eindruck mit vegetarischen und veganen Gerichten.

Ein kulinarisches Paradies, so dass auch ich beschloss gar nicht selber in meiner Ferienwohnung in Mariahilf zu kochen, sondern mich den unterschiedlichen Genüssen hinzugeben.

Sehr schnell wurde mir in Wien bewusst, dass es eine richtige Großstadt mit viel Tourismus ist und so waren in den Einkaufsstraßen und geschichtlichen Höhepunkten im Zentrum sehr viele Menschen unterwegs. Ich versuchte jedoch kleinere Besonderheiten zu entdecken, was mir gut gelungen ist.

An dem Wochenende schaute ich mir die Hundertwasserhäuser an, als ein Beispiel für städtischen Wohnraum, den es in Wien in jedem Stadtteil zu
finden gibt. Die blockartigen Gebäude mit Innenhöfen sind alle mit ihrem Entstehungszeitraum gekennzeichnet, manche schon etwas in die Jahre
gekommen, andere modernisiert. Hinsichtlich der Stadtplanung ist Wien eine Vorzeigestadt und auch der öffentliche Nahverkehr mit U-Bahn,
Straßenbahnen und Bussen beeindruckte mich.
Bis tief in die Nacht fahren die Verkehrsmittel in schneller Taktung und ein Jahresticket kostet 365€, Ermäßigungen für Menschen mit wenig Einkommen gibt es.

Die Tickets, die 2021 eingeführt wurden, heißen Klimatickets und auch dazu gibt es eindeutige Erklärungen auf der Homepage https://www.klimaticket.at/:

„Das KlimaTicket Ö ist dabei nicht nur Ihr Ticket für alle öffentlichen Verkehrsmittel, sondern auch das Ticket, mit dem wir gemeinsam die Pariser Klimaziele erreichen wollen. Denn öffentlicher Verkehr ist die klimaschonende Alternative zum motorisierten Individualverkehr.

Je mehr mitmachen, desto besser ist es fürs Klima. Deshalb ist das KlimaTicket Ö nicht nur unkompliziert, sondern auch leistbar.“

Ich stelle mir die Frage, was anders wäre, wenn das Deutschlandticket Klimaticket hieße.

Ein Besuch im Leopoldmuseum mit den großen Meistern wie Schiele, Klimt, Oppenheimer und Münter zeigte mir auch dort Möglichkeiten einen Transfer vom Aufbruch in die Moderne um 1900 zu heute zu schlagen.

Neben einigen Werken waren Tafeln mit Informationen zur aktuellen Situation von heute dargestellt. Das Spektrum umfasste die Bereiche wie Diversity, Inklusion, Armut, Klimagerechtigkeit, Menschenrechte, Feminismus, Geschlecht.

Hier ein Beispiel:

Montag, 23.09.2024

Seit 2008 ist die VHS Wien als gemeinnützige Organisation organisiert und blickt auf eine 135jährige Tradition der Volksbildung zurück.

Ehrenamtliche Fördervereine in den einzelnen Stadtteilen unterstützen die Arbeit der GmbH an der auch die Stadt Wien mit einem Anteil von 25,1% beteiligt ist.

33 Standorte in der gesamten Stadt und sieben spezialisierte Einrichtungen treten als Bildungsnahversorger für alle Wiener*innen auf. 1000 angestellte Mitarbeitende übernehmen die Verantwortung für eine gelingende Bildung für alle.

Gemeinsam mit der Stadt werden zahlreiche Projekte umgesetzt, die Menschen eine Perspektive geben, wie kostenlose Lernhilfeprojekte in Schulen oder Trainings- und Arbeitsqualifikationen, wie beim DRZ. Auch Schulabschlüsse können nachgeholt oder Weiterbildungsmaßnahmen besucht werden.

Bestimmte Aufgaben werden zentral in Arbeitsbereichen entwickelt, um z.B. einen Kursleitungspool zu nutzen, auf den alle Zugriff haben. Die organisatorische Abwicklung von Qualifikationsstandards und die Ausstattung mit Lehrverträgen wird zentral gesteuert.

 

Quelle: https://www.vhs.at/de/ueber-die-vhs/struktur#organigramm

 

Ab Mittag habe ich die Umweltberatung (https://www.umweltberatung.at/aktuell) als eigenständiger Arbeitsbereich in Wien-Favoriten kennen gelernt. Favoriten ist ein ärmerer Stadtteil mit einem hohen Anteil von Menschen mit Migrationshintergrund und steht immer wieder in den Schlagzeilen. Vor kurzem erschien eine Dokumentation in den Kinos, die eine Klasse über 3 Jahre lang begleitete.

Daniela Einsiedler, meine Ansprechpartnerin ist in der Umweltberatung für den Bereich Abfallwirtschaft zuständig. Aktuell war sie damit beschäftigt an der Nachhaltigkeitsberichtserstattung der Umweltberatung mitzuwirken, die nach EU-Vorlage Pflicht für die Stadt Wien ist.

Seit 36 Jahren gibt es die Umweltberatung, die von der Stadt Wien gefördert wird. Zu den Kund*innen gehören Privathaushalte als auch Betriebe sowie der Bildungsbereich mit Kitas und Schulen. Neben der Beratung ist der Umweltbildungsauftrag ein wichtiger Arbeitsbereich in der gesamten Umweltberatung.

Sie stellte mich den Kleinteams, die jeweils für bestimmte Schwerpunkte zuständig sind, vor. Dazu gehören die Bereiche Chemie, Ernährung und Textil, Energie, Bauen & Wohnen, Grünraum & Gärten, sowie der Geschäftsführung und der Mitarbeiterin für Marketing vor. Diese spezialisierten Teams recherchieren und stellen fachkundig Materialien zusammen.

Ziel ist es bestmöglich über „ökologisches Leben“ zu informieren, Handreichungen weiterzugeben und praktische und anwendungsbezogene Empfehlungen anzusprechen. Eine Infohotline für die direkte Kontaktaufnahme ist oftmals der Erstkontakt und wird von dort zu den  Fachberater*innen weiter geleitet.

Mein Eindruck der vergangenen 2 Tage, dass die Stadt auf Nachhaltigkeit und einen umweltverträglichen Lebensstil setzt, bestätigten die Teams. Sie fühlen sich in ihrer Arbeit unterstützt und geschätzt, da die Einrichtung als erfahrener und kompetenter Ansprechpartner wahrgenommen wird.

Daniela stellte mir auch den Reparaturbonus vor. Die Stadt unterstützt
mit einem Budget Reparaturen aller Art. Privathaushalte können für die Reparatur eines Gegenstandes einen Bon anfordern und bezahlen gegen Vorlage des Bons nur 50% der Kosten. Alle Betriebe, die dabei mitmachen, sind im Reparaturnetzwerk gelistet. Ich bin bei diesem Laden vorbeigekommen, der eine große Aufschrift in seinem Schaufenster hatte.
Daniela ergänzte, dass es immer wieder Kieztouren zu solchen Reparaturbetrieben gibt, während meines Aufenthaltes hat leider keiner stattgefunden.

Mit einer Fülle voller Infomaterialien ging mein erster Tag zu Ende.

 

Dienstag, 24.09.2024

Der Dienstag begann im DRZ in Wien, dem Demontage- und Recyclingzentrum Wien im Stadtteil Penzing. Dort erwartete mich die Leiterin Katharina Lenz.
Wie ich im Verlauf des Tages erfuhr war sie selber einmal Teilnehmerin einer Arbeitsmaßnahme nachdem sie aus der Museumsarbeit ausgestiegen, sie sich als Künstlerin selbständig machte und dort aber nicht wirklich Fuß fassen konnte.
An diesem Vormittag begannen vier neue Teilnehmende an einem der 40 Trainingsplätze des sozio-ökonomischen Betriebes. Sie ließ mich und eine weitere Mitarbeiterin aus der VHS-Abteilung Personal an der Einführung teilnehmen, die sie mit PPP und Anschauungsstücken gestaltete.

Die Trainingsarbeitsplätze verfolgen das Ziel die Menschen mit Unterstützung durch sozialpädagogische Beratung in den 1. Arbeitsmarkt zu integrieren. Auf die Vorbehalte von den neuen Teilnehmenden, ob dies gelingen könnte, ging sie mutmachend ein und unterstrich die gute Zusammenarbeit mit der freien Wirtschaft.

Sie stellte die Aufgaben und Ziele des DRZ anschaulich dar und die verschiedenen Arbeitsbereiche wie Abholung des Schrotts, Sortierung, Demontage, Reparatur und Verkauf. Für maximal 6 Monate erhalten die Teilnehmenden eine Bewilligung und arbeiten zu Beginn 15 Std. in der Woche.
Teilnehmende, die arbeitsfähiger werden, können einen der 10 Transitarbeitsplätze erhalten, bei denen sie 35 Std. die Woche arbeiten, um dann von den Betrieben übernommen zu werden. 15 Schlüsselkräfte in der Leitung und Administration kümmern sich um die Aufträge, Kontakte mit dem zuweisenden Amt und Integration.

Inhaltlich ist der Betrieb in ein Kreislaufsystem der Abfallwirtschaft angesiedelt und auch dem entsprechenden Amt der Stadt Wien unterstellt:
Dieser Kreislauf umfasst die Abholung von Elektroschrott von 13 Wiener Mistplätzen (=Schrottplatz), die Zerlegung, Reparatur und Verkauf an Verbraucher oder an einen Trödelmarkt der Stadt sowie die Zuführung sortierter Bestandteile wie z.B. Kupfer an weitere Betriebe.

Besonders interessant war auch die Produktpalette der hauseigenen Designmarke trash_design.

Dort werden z.B. Buchstaben einer PC-Tastatur zu Ringen verarbeitet oder aus Halbleitern entstehen tolle Uhren. Leider ist die Fortsetzung dieses Arbeitsbereiches aktuell gefährdet, da sich keine Anleitung mit einer Doppelqualifikation (Industriedesign und pädagogischer Ausbildung) finden lässt. Bisherige Einstellungen wurden nach wenigen Monaten wieder aufgelöst.

Die Einführung umfasste auch eine Sicherheitseinführung und Erklärungen zum Arbeitsschutz für die neuen Teilnehmenden.

Nach einer kurzen Pause wurden wir durch den gesamten Betrieb geführt und erhielten Einblick in die unterschiedlichen Arbeitsbereiche, die Arbeitsplatzausstattung und einzelne Tätigkeiten. Die Anlieferung und Ausladung eines Lastwagens bekamen wir genauso mit, wie Verkaufsgespräche mit Endverbraucher*innen. Katharina Lenz empfahl mit auch einen Besuch bei einem weiter sozio-ökonomischen Betrieb, in dem Jugendliche aus Bannern von Museen Taschen in jeglicher Ausführung und Accessoires nähen.

Interessant finde ich, wie das DRZ seinen Beitrag zur Nachhaltigkeit auf seiner Website präsentiert:

„Als EMAS und EfB zertifizierter Sammler- und Behandler-Betrieb verwerten wir über 1.500 Tonnen Elektroschrott im Jahr.

Damit tragen wir unseren Teil bei zur Umsetzung der UN Nachhaltigkeits-Ziele (SDGs). Um nur die Wichtigsten zu nennen:

    • Bei uns erhalten Menschen die Chance, ihre Lebenssituation insgesamt zu stabilisieren, mit dem Fokus auf zukunftsfähige menschenwürdige Arbeit (SDG 8).
    • Die Stadt Wien unterstützen wir dabei, besonders problematischen Abfall (Elektroaltgeräte) sozial und ökologisch nachhaltig zu behandeln (SDG 11).
    • Nicht zuletzt ermutigen wir zu bewusstem Konsum und nachhaltiger Nutzung hochwertiger Elektro- und Elektronik-Geräte (SDG 12).“

Den Nachmittag verbrachte ich in der Fotoausstellung World Press Foto und lernte wiederum einen anderen Bezirk in der Stadt kennen.

Mittwoch, 25.09.2024

Am Mittwoch führte mich der Weg zur VHS Favoriten in das Team Lernraum mit Angelika Hrubesch und Dilek Tasdemir.

Innerhalb des Lernraum.wien wurden schon viele Erasmus-Projekte z.T. mit internationalen Partner*innen durchgeführt. Die Projekte entwickeln sich weiter, so dass aus einem abgeschlossenen Projekt eine neue Idee entsteht. Der Lernraum versteht seine Arbeit wie folgt: angewandte Forschung und Lehre greifen ineinander.

„Wir führen qualitative und quantitative Erhebungen innerhalb der Volkshochschulen sowie mit Partner*innen in Österreich durch und beteiligen uns an internationalen Projekten. Zugleich bewegen wir uns in den Forschungsfeldern Migration und Migrationspädagogik, Demokratisierung von Bildung, Bildungsungleichheit und -ungerechtigkeit, Nachhaltigkeit von Bildung sowie Mehrsprachigkeit auf individueller und struktureller Ebene. Unsere Ergebnisse bilden sich in Publikationen und Berichten ab und finden Eingang in Lehre und Praxis unserer Aus- und Weiterbildungen.“
https://www.vhs.at/de/e/lernraum-wien

Über das Projekt TALE, an dem auch der DVV beteiligt ist, konnte ich Kontakt zu Frau Hrubesch knüpfen, die mich an die Ansprechpartnerin für die persönliche Hospitation vermittelte und darüber die persönliche Hospitation entstand.

Aktuell arbeitet das Team daran, die Öffentlichkeitsarbeit für Menschen mit geringen Lese- und Schreibkenntnissen zu intensivieren, um diese in bestehende Angebote zu vermitteln.
Hier ein paar weitere Beispiele für die Themenbereiche:

    • Erstellung von Materialien und Konzeptionierung von Partizipationsmöglichkeiten für Menschen in Grundbildungskursen
    • Schaffung von sicheren Lernorten für marginalisierte Gruppen durch offene Räume am VHS- Standort wie PC´s zur freien Verfügung, offener Eingangsbereich mit Spielmöglichkeit für Kinder: die VHS hat offene Türen und kann für Menschen des Viertels als Aufenthaltsraum genutzt werden incl. PCs, Teeküche
    • Evaluation von kostenfreien Basisbildungskursen auf das Leben der Lernenden

Schwerpunkt unseres Gespräches waren die Erfahrungen und Ergebnisse im Projekt TALE, wo neben Deutschland, Finnland, Ungarn, Griechenland, Irland und die Schweiz Projektpartner sind.
10 Erwachsenenbildungsinstitutionen arbeiten daran, transformative, kollaborative und partnerschaftliche Lernansätze für den ökologischen Wandel zu finden und Lernsettings zu schaffen, die diesen Prozess fördern.

Wichtigstes Ergebnis von TALE ist, dass es um den Prozess des Lernens anstelle von konkret erreichten Zielen geht. Gelingend ist die Kooperation mit Partner*innen in den Stadtteilen, die unmittelbaren Zugang zu den Nutzer*innen haben, wie am Beispiel in Wien der MILA Mitmachsupermarkt, mit dem ein Termin am Donnerstag vereinbart war.
Die Ergebnisse von TALE werden auch in die Struktur der klassischen VHS-Arbeit in Form von Kursen und Angeboten einfließen.
Die beiden Ansprechpartnerinnen verwiesen auch auf die Ergebnisse, die auf der Website zur Verfügung gestellt werden und an deren Ergebnissicherung aktuell gearbeitet wird.

Am Nachmittag habe ich ergänzend zur Hospitation Frau Drosg-Plockinger vom Beratungsunternehmen MehrWerte getroffen, die mir Florin Feldmann vom Landesverband der Volkshochschulen SH empfohlen hat. Frau Drosg-Plockinger berät Unternehmen bei der Umsetzung von Nachhaltigkeitszielen. Die SDG-Onlineakademie, die sie entwickelt hat, verknüpft sie mit Ansätzen aus der Gemeinwohlökonomie.
Wir tauschten uns über ihre Coachings und Trainings und meine geplanten Gesundheitswochen aus und mögliche Kooperationen für eine Lernreise BNE in Wien.

 

Donnerstag, 26.09.2024

Nachdem ich gestern in der VHS Favoriten von der Kooperation im MILA Mitmachsupermarkt gehört hatte, konnte ich mir den genossenschaftlich organisierten Betrieb anschauen. Seit ein paar Wochen hat er in Meidling einen neuen Standort bezogen, damit er zum Frühjahr 2025 mit einem Supermarkt-Vollsortiment auf 2 Etagen, einer Lern-Küche und einem Seminarraum sein Angebot deutliche vergrößern kann.

Die aktuellen Öffnungszeiten sind an 2 Tagen in der Woche.
Während meiner Anwesenheit wurden von 3 Genossenschaftsmitgliedern die Waren in die Regale sortiert und das inzwischen hauptamtliche Personal war emsig beschäftigt.

Fokus hat aktuell die Organisation des Aus- und Umbaus der Ladenräume sowie die Mitgliederneugewinnung. Dies wird durch regelmäßige Infoveranstaltungen vorangetrieben, damit aus den aktuellen 700 Mitgliedern zur Erweiterung 1000 Mitglieder im Supermarkt einkaufen werden. Inzwischen – Ende Oktober 2024 – liegt die Zahl schon bei 842 Genoss*innen.

Schwerpunkt sind hauptsächlich regionale Bioprodukte ergänzt durch wenige konventionelle Lebensmittel zu einem günstigen Preis.
Brigitte Reisenberger, Ehrenamtliche für die Öffentlichkeitsarbeit, war meine Ansprechpartnerin und ist seit Beginn der Gründung der Genossenschaft und Eröffnung des Minimarktes in Ottakring dabei.

Sie beschrieb die Motivation für Menschen mitzumachen sehr unterschiedlich:

    • Hochwertiges Sortiment
    • Community: es ist mein Supermarkt
    • Stressfreies Einkaufen
    • Das Miteinander
    • Leidenschaft für gutes Essen
    • Faire Bezahlung der Produzent*innen

Die Genossenschaft organisiert sich nach dem Konsentprinzip (keiner sagt NEIN), um Entscheidungen schnell treffen zu können. Gearbeitet wird in Arbeitsgruppen wie z.B. Sortiment, Finanzen, Öffentlichkeitsarbeit, die Verantwortung für ihren Bereich übernehmen und die Ergebnisse in die Gesamtorganisation einfließen
Die Organisation des Ladens mit Einräumen, Kasse, Säuberung erfolgt über die 3 Std. monatlich, die sich alle Genossenschaftsmitglieder einbringen müssen.

Auch der Umzug und die neue Lage wurde auf einer Vollversammlung der Genossenschaft entschieden. Alle Mitglieder sind stimmberechtigt und zahlen als Einlage 180€, ein möglicher Sozialrabatt für 20€ ist der Genossenschaft wichtig, um sich breit aufstellen zu können.
Da der Supermarkt für alle Menschen in Wien zur Verfügung stehen soll, waren eine gute Anbindung an die Ü-Bahn und Nähe zur Haltestelle, Barrierefreiheit und sowie eine Verortung in einem traditionellen Stadtteil wichtige Kriterien.

Die Genossenschaft wird mit geförderten Arbeitsplätzen durch die Wirtschaftsagentur Wien unterstützt. Brigitte beschrieb, dass der Zugriff auf Fördermöglichkeiten sehr schwierig ist, da diese in der Regel nicht auf Genossenschaften ausgelegt sind.

Die Beteiligung am Projekt TALE war für MILA eine gute Möglichkeit für die Vernetzung und Bekanntmachung bei den umgesetzten Aktivitäten wie bei einem Kochevent im Park.

Wichtige Erkenntnis war für mich, dass großer Wert auf die Identifizierung mit dem eigenen Supermarkt gelegt wird, indem Produktwünsche in ein Wünschebuch geschrieben werden können, Ideen für gemeinsame Aktivitäten durch die räumliche Erweiterung möglich sind und Kooperationen im Stadtteil aufgebaut werden.
Das Einkaufsverhalten zielt darauf ab die Mitglieder an den Einkauf im MILA zu binden, um die Kosten zu tragen.

Ein Rundgang und kleiner Einkauf im Markt beendeten unser Gespräch. Mich überzeugte die Präsentation – schade nur, dass ich nicht in Wien lebe, ich würde sofort Mitglied werden.

Nach einer Mittagspause mit syrischem Essen auf dem Brunnenmarkt, hatte ich am Nachmittag ein Gespräch mit Beatrix Binder aus dem Programmmanagement der VHS Meidling für Gesundheit, Wirtschaft/ Management, Persönlichkeitsbildung, Politik/ Gesellschaft, Science/ Naturwissenschaften und Diplomlehrgänge. Die Mitarbeiterin mit einer Reihe von Verantwortlichkeiten zeigte mir Räume und stellte mich einigen Kolleg*innen vor.

Überrascht war ich, dass auch sie in einem Büro mit weiteren 3 Kolleg*innen sitzt, unser Gespräch fand beim abwesenden Leiter der VHS Meidling statt.

Die Belastung durch Telefonate der anderen stelle ich mir groß vor und erinnerte mich an eine eigene berufliche Tätigkeit mit nur einer anderen Kollegin im Büro und an einen Arbeitsplatz in einem Durchgangsraum.
Wie froh bin ich, dass ich mein eigenes kleines Büro in Ahrensburg habe.

Beatrix Binder ist seit 30 Jahren in der VHS Meidling tätig und ist Ausbilderin für Sozial- und Gesundheitsberufe. Aus diesem Grund gibt es an diesem Standort auch einen Schwerpunkt für Qualifizierungen im Bereich Kita- und Hortpädagogik. Auch für den Bereich Wrtschaft und Management gibt es internationale Zertifikate.

Wir sprachen über die Bedeutung, dass sich die VHS in Regionen zusammengetan haben und gemeinsam ihr Programm abstimmen. Das bedeutet, dass darauf geschaut wird, dass Kurse an unterschiedlichen Tagen in den VHS Häusern laufen und nicht alle am Dienstag den Gitarrenkurs im Programm haben. Die Regionen wurden so zusammengefasst, dass man die einzelnen Standorte mit Öffis gut erreichen kann.
Neben der kundenorientierten Angebotsplanung bedeutet es auch, dass die Kursleitungen an unterschiedlichen Standorten tätig sein können ohne sich gegenseitig Konkurrenz zu machen.

Im Kreis Stormarn, zu dem die VHS Ahrensburg gehört, gibt es diese Kooperation bisher nur im Bereich EDV.

Die Kooperation im Stadtteil funktioniere sehr gut und zeigt sich in gemeinsamen Veranstaltungen wie dem „Sozialen Wohnzimmer“ – ein Stadtteilfest, an dem sich alle Einrichtungen beteiligen. Für neue Ideen findet sie auf Grund der langjährigen Zusammenarbeit immer geeignete Partner*innen. Das Regionalforum, welches 4x jährlich tagt, unterstützt die Vernetzung.

Im Bereich BNE plant die VHS ein monatliches Umweltcafé. Dort soll „Wissen in einfachen Häppchen“ vermittelt werden und wird von der Umweltberatung begleitet. Anreiz dafür ist auch, dass die Stadt Wien mit dem Ökobonuns Betriebe und Organisationen auszeichnet, die Nachhaltigkeit umsetzen.

https://www.wien.gv.at/umweltschutz/oekobusiness/modul-oekobonus.html

Durch die Umweltberatung unter dem Dach der VHS Wien ist damit die gegenseitige Unterstützung gesichert.

Als Marketingstrategie beteiligt sich die VHS auch an der Jö-Karte, eine Bonuskarte über die die Gebühr mit 10% Ermäßigung vergünstigt wird.

Auch diese VHS, direkt neben einer Gewerbeschule, ist ein großes Haus mit Sitzgelegenheiten auf den Gängen und öffentlichen PCs. Sie wird auch von jüngeren Menschen, die ausbildungsbegleitend unterstützt werden oder Menschen, die ihr Abitur nachholen wollen, besucht.
Viele Zielgruppen, viele Anlässe schaffen aus meiner Sicht gute Möglichkeiten auch neue Themen zu platzieren und die Zielgruppen direkt anzusprechen.

Bekanntheit, gute räumliche Ausstattung und örtliche Lage ermöglichen auch, dass ergänzend Kulturangebote in der VHS stattfinden. Somit schöpft die VHS aus meiner Sicht eine große Palette von Bildung und Teilhabe aus, die sich in den klassischen Kursangeboten, Lehrgängen mit Zertifikaten, Lernförderung aber auch Veranstaltungen zeigt.

Beatrix Binder hat selber auch schon andere VHSen in Deutschland wie bspw. Berlin besucht und so vereinbarten wir, miteinander in Kontakt zu bleiben.

Den Spätnachmittag verbrachte ich dann mit einer Stadtführerin für Frauenspaziergänge, die die Frauen mit ihren Geschichten und Texten zum Leben erweckte, die meist nicht Bestandteil einer Stadtführung sind. Auch diese kann ich nur empfehlen: https://frauenspaziergaenge.at/

 

Freitag, 27.09.2024

Der letzte Tag meiner Mobilität führte mich in den Bezirk 1, die Innenstadt mit den vielen Hot-spots der Stadt.

Die Stadt hat sieben Lastenräder mit unterschiedlichen Klimathemen zu einer Klimatour entwickelt. Vier von diesen zu den Themen Abfall, Energie + Wasser, Mobilität und Ernährung wurden auf einem Platz neben eine Schule gestellt.

Meine Ansprechpartnerin Nadine von der Umweltbildung war für das Lastenrad Ernährung zuständig, die anderen Räder wurden von Mitarbeitenden aus den Ämtern der Stadt betreut. Klassenweise wanderten die Jugendlichen des 9. Jahrgangs zu den einzelnen Stationen, bekamen Impulsfragen an die Hand und recherchierten dazu die Infos auf dem Lastenrad. Ein Abschlussgespräch nach jeder Runde vervollständigte die Information.

Als Einstieg wählte Nadine den persönlichen Bezug und stellte fest, was die Jugendlichen zum Thema bereits wussten. Ich beobachtete, dass die Jugendlichen nach den ersten Momenten der Zurückhaltung neugierig waren, was sich in den Schubladen zum Thema verbarg und sie schnell die geschriebenen Infos aufnahmen. Obwohl es an mehreren Stellen QR-Codes gab, sah ich niemanden, der diese scannte.

Mir haben diese Lastenräder sehr gut gefallen. Viele Infos, gut präsentiert und gut nutzbar für viele Aktivitäten. Ich hatte im Vorfeld gesehen, dass die Klimatour auch auf Straßenfesten zum Einsatz kommt und es auch eine Reihe von Anschauungsmaterialien gibt, z.B. Lebensmittel mit einem hohen Eiweißanteil.

Nach der ersten Klasse wurde der Regen schlimmer und so wurden die Gespräche über die 4 Themen in einen Klassenraum verlagert. Zwei Mitarbeiterinnen der Stadt hatten eine PPP dabei, so dass anhand derer das Thema erläutert wurde. Die anderen beiden suchten mit Fragen und Informationen das Gespräch mit den Schüler*innen zu beleben.

Für die Zukunft wäre es gut, wenn ein Plan B entwickelt wird, damit klarer kommuniziert werden kann, was in einem solchen Fall von schlechtem Wetter passiert. Leider hatte die Schule keine überdachte Fläche.

Das Abschlussgespräch mit Nadine ergab, dass in der Vergangenheit die Touren ausgefallen sind und sie an dem Tag das erste Mal dabei war. Mit diesem praktischen Teil ging der letzte Tag zu Ende.

Den letzten Tag meines Aufenthaltes in Wien am Samstag verbrachte ich mit einem erneuten Flohmarktbesuch, einer Fahrt zur ältesten VHS Urania und ausgiebigen Spaziergängen im Park Belvedere bis ich dann am Abend mit dem Nachtzug pünktlich Hamburg und später dann meinen Wohnort Lübeck erreichte.

 

Und nun?

Ich habe in Wien erlebt, wie die Nachhaltigkeitsziele der UN umgesetzt werden. Der Transformationsprozess für nachhaltige Entwicklung zeigt sich im öffentlichen Stadtbild durch Plakate, Fahrradstraßen und Veranstaltungen wie z.B. eine Repair-Messe.

Durch die öffentliche Präsenz kann ein Identifikationsprozess mit den Zielen entstehen und es wird immer selbstverständlicher einen ressourcenschonenden und umweltverträglichen Lebensstil zu führen. Der öffentliche Nahverkehr spielt eine wesentliche Rolle bei der persönlichen Mobilität, ist kostengünstig und unterliegt einer schnellen Taktung und hat eine KlimaTicket.

Die Rolle der Stadt und die Beteiligung der VHSen an den unterschiedlichen Standorten wird sichtbar und zeigt sich in der räumlichen Ausstattung, der Öffnung für die Menschen in den Stadtteilen und über Statements auf den Websites.

Durch diesen Geist bin ich ermutigt im Rahmen meiner Arbeit in der VHS Ahrensburg ebenfalls konkreter Position zu beziehen und Möglichkeiten zu finden, das Thema sichtbarer zu machen und als solches zu benennen.

Die Mitarbeitenden der unterschiedlichen Bereiche sind interessiert daran in Kontakt zu bleiben, so dass wir auch zukünftig über Formate, die ausprobiert werden voneinander lernen können und eine Vernetzung über Schleswig-Holstein hinaus möglich ist.

Für die Erweiterung unserer Zielgruppen habe ich Anregungen mitgenommen bestehende Angebote in Ahrensburg mit einem Bildungsangebot zu ergänzen. Dazu neue Durchführungsorte zu finden und jüngere Zielgruppen und Familien zu finden, möchte ich in meinem Team diskutieren.

Über den Zugang zu Arbeitsmaterialien und den Austausch darüber haben sich meine methodischen Kompetenzen erweitert.

Toll, dass es diese Möglichkeit über Erasmus+ gibt, vielen Dank!

Beatrice Roggenbach, VHS Ahrensburg

 

Project-Based Learning (PBL) in Museums and Culutral Heritage Sites, Rom

von Inga Feldmann

Als Leiterin der vhs-Kunstschule der Förde-vhs in Kiel arbeiten wir vernetzt auch mit den Museen der Stadt. Da viele Menschen jedoch keinen Zugang zu Museen haben, finde ich es interessant zu erfahren, ob es andere Zugangswege geben könnte und habe mich daher für diesen Kurs entschieden.

Sonntag, der 07.07.24

Ankunft in Rom am Abend. Die Anreise verläuft sehr gut, das erste, was mich auf dem Flughafen in Rom beeindruckt, sind die Toiletten: es gibt eine digitale Anzeige, wie viele Kabinen frei sind! Mit dem Bus fahre ich in das Stadtzentrum und entscheide mich dann zu Fuß mein Hotel zu suchen – habe jedoch nicht bedacht, wie heiß es auch um 17:00 noch sein kann. Wärmeschock! Es muss sofort ein Eis gegessen werden – glücklicherweise gibt es hier überall ganz wunderbare Eisdielen, die kleine Kugeln für „nur“ 3 € verkaufen. Nach einer kleinen Verschnaufpause im Hotel wage ich mich wieder hinaus in die Wärme und laufe zum Trevi Brunnen, an dem unglaublich viele Menschen Selfiebedürfnisse haben und zur spanischen Treppe – auf der trotz Sitzverbot erschöpfte Touristen sitzen, die regelmäßig von einer Polizistin aufgescheucht werden.

In einer Seitenstraße esse ich meine erste Pizza mit Büffelmozzarella – lecker!

Montag, der 08.07.2024

Gegenüber von meinem Hotel trinke ich einen Cappuccino und pünktlich um 9:00 Uhr startet der Kurs mit 14 Teilnehmerinnen aus Slowenien, Irland, Österreich, Bulgarien, Spanien und der Slowakei.

Unsere Trainerin, Marianna Panagiotoudi, studiert Kunst in Rom und kommt ursprünglich aus Griechenland. Nach einigen Kennenlernspielen präsentieren wir unsere Schulen/ Bildungseinrichtungen.

Interessant ist eine Gemeinsamkeit: die Kinder können immer weniger lesen, daher gibt es an vielen Schulen extra Zeiten, in denen unter Aufsicht gelesen wird – jedes Kind bringt ein Buch mit oder kann es in der Klasse ausleihen.

Marianna gibt uns eine Einführung in das Thema kulturelles Erbe, indem wir gemeinsam überlegen, wie Kultur und kulturelles Erbe definiert werden können. Wir werden aufgefordert darüber nachzudenken, welche immateriellen Aspekte von Kultur es in unseren jeweiligen Ländern gibt – bestimmte Rituale, Feste etc. Mir fällt leider das Oktoberfest ein, mit dem man als Deutsche immer wieder identifiziert wird, Bier und Fußball.

Anhand der Online Liste der Weltkulturerbestätten suchen wir für unser Land die Orte, die wir kennen. Wir sprechen über die Bedeutung von kulturellem Erbe, was dieses für unsere Identität bedeutet. Im Unterricht kann es, wenn es viele Personen mit unterschiedlicher Herkunft gibt, eine interessante Frage sein und dazu führen, dass man sich besser versteht. Es ermöglicht der einzelnen Person, sich mit seinen Wurzeln zu verbinden und fördert das Zugehörigkeitsgefühl und den Stolz auf sein kulturelles Erbe.

Wir betrachten die Geschichte der Museen: diese sollen heutzutage eher „Spaceships“ sein – die Zukunft mitdenken und insgesamt ein Ort für materielles und immaterielles Kulturerbe, der alle anspricht, zugänglich und inklusiv, diversitätsfördernd und nachhaltig. Die Erfahrung der meisten Lehrkräfte ist jedoch, dass insbesondere Schüler*innen Museen als langweilige Orte empfinden.

An diesem Punkt werden wir mit dem projektbasierten Lernen ansetzen – um den Ort „Museum“ interessanter zu gestalten. Zum Ende des Kurstages werden wir aufgefordert, für die gesamte Woche ein Padlet zu erstellen; dies soll Rom mit allen Sinnen beinhalten.

Nach einer kurzen Pause im Hotel fahre ich in das beliebte Künstlerviertel Trastevere und finde kleine schattige Gassen und Streetart an einigen Häusern. 

Dienstag, der 9. Juli 2024

Ich wollte nicht mehr frieren, also darf ich nicht jammern… die Hitze ist jedoch so groß, dass es ein wenig das Gehirn lähmt. Selbst im Schatten im Park ist es zu heiß – tagsüber hält man es nur in klimatisierten Räumen ( Museen 🙂 ) oder im Schulungsraum aus.

Wir starten mit einem Input zum Thema Project based learning (PBL), lernen den Unterschied zwischen einem Projekt und projektbasiertem Lernen kennen. Es ist eine Methode, bei der Personen in Kleingruppen arbeiten, um Wissens- und Problemlösungsfähigkeiten zu erwerben. Sie sollen weitgehend selbständig Antworten finden und diese öffentlich präsentieren. Erfunden hat die Methode John Dewey, ein amerikanischer Philosoph und Pädagoge, der sich für die Demokratisierung sämtlicher Lebensbereich einsetzte.

Die herausfordernde Frage bzw. das Thema wird durch die Lehrkraft gestellt. Die Rahmenbedingungen werden definiert, Kleingruppen werden gebildet. Die Projektphasen werden durch die Lehrkraft begleitet, es soll jedoch möglichst viel Freiraum für Ideen gelassen werden, um auch den inneren Anschluss an das Thema zu ermöglichen. Die Lehrkraft gibt Feedback und Hilfestellungen. Nach der Präsentation gibt es noch ein Kritikgespräch.

Als praktische Übung bekommen wir die Aufgabe, zu dem Oberthema „Rome now and then“ herausfordernde Fragen zu formulieren. Es kommen beispielsweise Themen wie „das Nachtleben in Rom früher und heute“. Mit welchem Thema wir uns beschäftigen wird vertagt, da wir in das Museum Barberini gehen und dort die Aufgabe haben, uns kritisch mit einem selbstgewählten Bild auseinanderzusetzen anhand eines Fragebogens. Ich wähle das Bild von Raffaello Sanzio, Porträt einer jungen Dame mit einem Einhorn.

Im Barberini Museum hält sich jedoch noch ein anderes Porträt auf:

Erasmus, gemalt von Quentin Metsys!

 

Am frühen Abend besuche ich die Ausstellung von Carla Accardi im Palazzo Esposizioni Roma. Sie war eine feministische Künstlerin, eine herausragende Protagonistin der italienischen und internationalen visuellen Kultur.

Negativo-Positivo, 1957-1958 Carla Accardi

 

Mittwoch, der 10. Juli 2024

Heute startet das Programm erst um 14:00 Uhr, da wir 38 Grad erwarten… Ich habe vormittags um 9:00 Uhr eine Tour im Kolosseum gebucht. Es wurde uns die grausame Situation der Sklaven, Gladiatoren und wilden Tiere erläutert – ganz gut, dass durch die Christianisierung diese Grausamkeiten ein Ende fanden. Gegen 11:00 Uhr ist es bereits so warm, dass es nur noch durch viel Eis und ganz langsames Schlendern zu ertragen ist.

Das Kolosseum

Im Kurs geht es um Definitionen von Kunst. Kimon Nikolaides: „Die Kunst bildet nicht das Sichtbare ab, sondern macht sichtbar, was nicht so leicht zu sehen ist.“ Es macht einen Unterschied, ob man ein Bild eines Kunstwerks in einem Lehrbuch sieht oder ob man direkt davor steht – die emotionale Verbindung ist dann wesentlich stärker.

Die Schlüssel-Elemente von projektbasiertem Lernen sind folgende:

Real World Context: Das Museum bietet authentische, reale Kontexte für das Lernen. Forschendes Lernen: PBL ermutigt die Schüler/ Teilnehmenden, Fragen zu stellen, zu recherchieren und Themen zu vertiefen. Das Museum kann dies erleichtern, indem es geführte Fragestunden, interaktive Ausstellungen und Zugang zu Experten anbietet. Kolloborative Projekte, Interdiziplinäres Lernen, Kritisches Denken und Problemlösungskompetenz sind weitere Elemente.

Verschiedene Themengebiete könnten für PBL geeignet sein:

Museen und Umwelt, Museen und Geschichte, Museen und Stereotype, Museen und Technologie, Kuratierung von Ausstellungen, Museen und Wissensvermittlung

Wir diskutieren mögliche Fragestellungen für PBL, prüfen die Umsetzbarkeit. Die Frage der Zugänglichkeit und Verständlichkeit von Museen wird thematisiert – gibt es beispielsweise Erklärungen in einfacher Sprache?

Mit der App Goosechase entdecken wir in Kleingruppen kulturelle Orte. Am Ende landen wir alle in einer kleinen Seitenstraße und essen Suppli und Pizza und unterhalten uns angeregt über die Bildungsmiseren in den verschiedenen Ländern. Ein Problem in Irland ist beispielsweise, dass sich Lehrer*innen keine Wohnung mehr in den Städten leisten können, da die Preise explodiert sind. Dies ist in Spanien ebenfalls problematisch, daher gibt es beispielsweise auf Mallorca nicht genügend Lehrkräfte.

 

Donnerstag, der 11. Juli 2024

Heute geht es um digitale Tools- wir üben die Erstellung eines Goosechase Events. Nachdem wir gestern erfolgreich in Teams die App ausprobiert haben, ist es relativ einfach, selbst so eine Art digitale Schnitzeljagd zu erstellen. Dies könnte man beispielsweise in Kiel für Touristen, vhs Kurse  oder Schulklassen anbieten mit verschiedenen Aufgaben.

Die nächste Seite, die wir entdecken, ist Google Arts and Culture – ein großer Schatz an Museen, Kunstwerken, Themen mit Spielen wie „Was kam zuerst?“ bei dem 2 Bilder gezeigt werden und man raten muss – oder Geo Artwork, bei dem man auf einer Weltkarte angeben soll, wo ein Bild erstellt wurde – sehr spannend!

Auch die App Artsteps ist für mich sehr spannend – es geht darum, eine eigene virtuelle Ausstellung zu erstellen. Dies wäre auch für ein Ergebnis einer PBL eine schöne Möglichkeit.

Wir gehen nochmal die Schritte einer PBL durch und haben dann die Aufgabe, eine PBL zu erstellen.

Mithilfe der App Padlet erstelle ich eine PBL zu dem Thema Streetart in Kiel.

https://padlet.com/feldmanninga00/pbl-street-art-in-kiel-y2dkh98ms1rlq10d

Freitag, der 12. Juli

Wir starten heute mit dem Thema, wie PBL Projekte ausgewertet werden können. Unter anderem geht es darum, die Art der Zusammenarbeit auszuwerten, es gibt dafür eine Vorlage über stem.org.uk. Dies ist glücklicherweise in Volkshochschulen nicht relevant.

Anschließend wird jedes einzelne PBL Vorhaben vorgestellt und überprüft, ob dies so möglich wäre. Wichtig ist immer wieder die Ergebnisoffenheit – es soll öffentlich präsentiert werden – aber was und wie ist Sache der Teilnehmenden. Auch die Bewertung mit Noten in Schulklassen ist gerade bei einer Teamarbeit schwierig.

Wir stellen alle unsere Padlets vor, die wir während der Woche erstellt haben:

https://padlet.com/feldmanninga00/rom-in-july-o649dwqtq22uv108

Die Übung „Art detectives“, die wir im Palazzo Barberini durchgeführt haben, wird analysiert. Es hat Spaß gemacht, sich ein Kunstwerk auszusuchen und viele Fragen dazu zu beantworten.

Wir überreichen uns gegenseitig unsere Teilnahmebescheinigungen und verabschieden uns herzlich.

Samstag, der 13. Juli

Die Aufgabe ist heute, alleine mit dem uns zur Verfügung gestellten Roma Pass viele kulturelle Stätten zu besuchen. Ich habe mich für die Sixtinische Kapelle, die vatikanischen Museen und die Kunst in der Galerie Borghese entschieden. Der Zugang zum Vatikan ist nicht einfach – durch mehrere Sicherheitsschleusen gesichert gelangen wir nach 30 Minuten in den Innenhof. Die Galerien sind sehr beeindruckend, in einer Galerie sind die einzelnen Teile Italiens aufgemalt – mit dem Wissen von damals. Überall sind Marmorbüsten – ein unglaublicher Reichtum in den Museen, welcher lange Zeit nicht öffentlich zugänglich war. Die Sixtinische Kapelle ist sehr beeindruckend, die Gemälde sind in nur 4 Jahren entstanden.

In der Galerie Borghese sind u.a. Bilder von Caravaggio, diese interessieren mich besonders.  Insgesamt ist das Museum wohl eines der schönsten der Welt, unglaublich prunkvoll ausgestattet.

Abends habe ich mir vorgenommen, das Konzert von Ludovico Einaudi zu besuchen im Auditorium – der Freilichtbühne im Norden Roms. Auf dem Weg dahin in der Metro kommt es leider zu einer Massenpanik, da zwei Gruppen von jugendlichen Taschendieben sich bekriegen und Touristen angreifen. Ich schaffe es aus der Metro zu flüchten… ein ziemlicher Schock. Ich schaffe es zu Fuß und mit dem Bus noch rechtzeitig zum Konzert – der Schreck sitzt mir jedoch in den Knochen….

Sonntag, der 14. Juli

Abreisetag…

Was nehme ich mit aus diesen 7 Tagen in Rom? Die Stadt ist zurecht ein Weltkulturerbe, man kommt aus dem Staunen nicht heraus. Mitte Juli bei 38 Grad ist es allerdings eine Herausforderung, den Kurs zu besuchen und möglichst viel von der Kultur der Stadt erleben zu wollen.

Ich kann mir gut vorstellen, eine digitale Schatzsuche zum Thema Kunst im öffentlichen Raum in Kiel zu organisieren. Ein PBL Projekt könnte in Kooperation mit einer Schulklasse oder einem vhs Kunstkurs das Thema Street Art in Kiel sein. Mithilfe der Spiele bei Google Arts and Culture können beispielsweise Bilder auf interessante Weise vermittelt werden. Mit Artsteps könnten wir virtuelle Ausstellungen erstellen.

Ein interessanter Aspekt von Erasmus+ ist der emanzipatorische – es nehmen häufig Frauen teil, die zum ersten Mal ohne Familie oder Partner*in unterwegs sind, etwas lernen und die Stadt erkunden. Ich finde dies erwähnenswert, da wir von der Gleichberechtigung in Europa immer noch weit entfernt sind.

Classroom Management Solutions for Teachers, Bacelona, #2

Lerntagebuch von Eman Rashidi

29. April bis 3. Mai 2024

Classroom Management Solution for Teachers: New Methodologies, Effective Motivations, Cooperation and Evaluation Strategies

1.  DAY IN BARCELONA

Montag, 29.04.2024

Anreise nach Barcelona:

Am 27.04.2024 sind wir vom Flughafen Hamburg nach Barcelona geflogen. Die Landung gestaltete sich aufgrund des schlechten Wetters etwas holprig, da der Pilot zunächst eine weitere Runde drehen musste, bevor wir sicher landen konnten. Und ja, es wackelte dabei auch wirklich ordentlich. Trotzdem hat uns dieser Umstand nicht daran gehindert, uns auf die Reise nach Barcelona und auf das neue Seminar richtig vom Herzen zu freuen – da nimmt man so einen wackeligen Flug dafür im Kauf.  Nach unserer Ankunft gegen 00:30 Uhr sind wir ins Hotel Best 4 Barcelona gefahren. Das Check-in verlief problemlos, und wir waren zufrieden mit unserem Zimmer. Der Flug war nun endgültig vergessen!

Erster Tag in Barcelona:

Am Sonntag, den 28.04.2024, haben wir uns zunächst einmal ausgeruht, später etwas durch die Stadt geschlendert und abends ein indisches Restaurant besucht und dort zu Abend gegessen. Das Wetter in Barcelona hat uns aber enttäuscht, da es ununterbrochen geregnet hat. Allerdings ist dieser Regen für Barcelona sehr wichtig, da die Stadt an Wassermangel leidet. Die Einheimischen waren darüber sehr glücklich.

Nach dem Abendessen habe ich beschlossen, mir einen Tee zu machen und das Buch „Der Fremde“ von Albert Camus zu lesen. Der Spaziergang im Regen war wohl dennoch anstrengend, denn ich bin beim Lesen einfach eingeschlafen.

Erster Tag des Seminars:

Am Montag, den 29.04.2024, wurde ich um 06:00 Uhr von meinem Wecker geweckt. Nachdem ich meine Sachen für das Seminar gepackt und mich fertig gemacht hatte, bin ich zum Frühstück gegangen. Das Frühstück war standardmäßig, aber ausreichend. Es gab Eier, Käse, Gemüse und Orangensaft.

Mit einem Kaffee konnte ich dann langsam wach werden. Anschließend bin ich mit meiner Kollegin, die ebenfalls an diesem Seminar teilnimmt, mit der Linie L4 zum Europass Teacher Academy in der Rambla de Catalunya 15 gefahren. Wir waren rechtzeitig da und wurden herzlich von der Dozentin, Frau Daniela Festtino, begrüßt.

Seminarbeginn:

Zu Beginn hat uns Frau Festtino gefragt, wer von uns bereits in Barcelona war. Vier Personen hatten bereits Erfahrungen mit der Stadt gemacht, zwei davon vor einigen Jahren und zwei in den letzten Jahren. Anschließend hat sie uns einige Informationen über Barcelona und das Kursprogramm gegeben. Dabei wurden auch praktische Details wie das WLAN-Passwort und der Ablaufplan besprochen.

Nach einer kurzen Vorstellungsrunde und einer Einführung in das Programm „Wakelet“ hatten wir eine kurze Pause.

Aktivitäten und Präsentationen:

Nach der Pause wurden verschiedene Orte in Barcelona vorgestellt, und wir erhielten Tipps zu Restaurants und öffentlichen Verkehrsmitteln. Außerdem wurde uns angeboten, an einer kostenfreien Besichtigung teilzunehmen.

Im Anschluss haben die Teilnehmer ihre Schulen und Aktivitäten präsentiert. Die erste Gruppe bestand aus Max und Erika aus Schweden, die Englische Geschichte bzw. Elektro-Basis an einer Schule unterrichten. Max erzählte nebenbei über eine ungewöhnliche Alternative zur Zigarette, was bei Erika auf weniger Begeisterung stieß. Die zweite Gruppe bestand aus Jveta aus Litauen, die uns über das Bildungssystem und den Kindergarten in ihrem Land informierte. Die Präsentation dauerte 35 Minuten und bot viele interessante Einblicke.

Die andere Gruppe bestand aus vier Personen aus Estland, die in einer Schule namens Moos Mois unterrichten. Sie erzählten über die Historie ihrer Schule und die verschiedenen Aktivitäten, die dort angeboten werden.

Freizeit in Barcelona:

Nach den Präsentationen habe ich mich dazu entschlossen, einen Spaziergang zur bekannten Straße La Rambla zu machen und den Markt Boqueria zu besichtigen. Dort habe ich mir Mangos und Erdbeeren gekauft, obwohl die Preise recht hoch waren. Leider hat es angefangen zu regnen, und ich bin komplett durchnässt zurück zum Hotel gefahren.

Zusätzliche Informationen:

Die Dozentin hat uns zudem über die Geschichte einiger Orte in Barcelona informiert, darunter die Barcel Ona Cathedral, den Tibidabo Park und die Sagrada Familia. Außerdem hat sie uns einige lokale Spezialitäten und Getränke vorgestellt sowie Empfehlungen für Restaurants und die Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel gegeben.

Der erste Tag des Seminars war sehr lehrreich und informativ. Wir haben viele interessante Einblicke erhalten und freuen uns auf die kommenden Tage. Morgen werden wir eine kurze Präsentation über die VHS und unsere Aktivitäten halten und weitere Präsentationen der anderen Teilnehmer anhören.

2. DAY IN BARCELONA

Dienstag, 30.04.2024

Ich wache auf und muss direkt feststellen, dass meine Kleidung von gestern immer noch komplett nass vom Regen ist. Die Notwendigkeit eines zweiten Paars Schuhe im Gepäck habe ich als Mann vollkommen unterschätzt – und nun muss ich mir die Schuhe tatsächlich mit einem Föhn trocknen, damit ich sie wieder anziehen kann. Nachdem mir das einigermaßen gelungen war, begab ich mich zum Frühstück.

Das Frühstück war wie üblich – zwar vollkommen ausreichend, aber ich hätte mir mehr spanische Spezialitäten gewünscht.

Nachdem ich meinen Kaffee getrunken hatte, begab ich mich zur Metro-Station und fuhr mit der Linie L4 zur Teacher-Academy. Leider verpasste ich einen Zug und kam dadurch 5 Minuten zu spät an. Dafür aber mit fast trocknen Schuhen. Immerhin!

Die Dozentin begrüßte uns zu Beginn und fragte nach unserem Befinden. „How are you doing in dog-Scale?“

Zudem erkundigte sie sich danach, welche Aktivität wir durchführen würden, deren Organisation von der Teacher Academy übernommen werden. Wir entschieden uns für eine Schifffahrt, die am Donnerstag stattfinden wird. Ja, gewagt – denn es regnet immer noch, aber das Risiko gehen wir ein.

Anschließend fuhren wir mit den Präsentationen vom Vortag fort.

Zuerst hielt Anke aus Frankreich (die ursprünglich aus Deutschland stammt) ihre Präsentation. Sie unterrichtet Deutsch an einer Marketing-Schule. Sie erzählte uns über ihre Schule, die Anzahl der Schüler, ihre Schwierigkeiten und Stärken.

Die andere Dozentin, ebenfalls aus Frankreich, unterrichtet an einer Schule mit 630 Schülern im Alter von 15-18 Jahren. Nur Jugendliche zu unterrichten stelle ich mir anspruchsvoll vor. Es ist wahrscheinlich nicht sehr einfach, ihnen gleichzeitig zu gefallen aber auch von ihnen respektiert zu werden.

Als nächstes waren Frau Qaser und ich an der Reihe. Wir zeigten ein professionelles Image-Video über unsere VHS Tornesch-Uetersen und hielten eine kurze Präsentation über uns und unsere Tätigkeiten dort. Die anderen Teilnehmer waren von unserer vhs begeistert.

Bei meiner Tätigkeitsbeschreibung waren unsere Mitstreiter ziemlich überrascht. Zugegeben, mit meinen 30 Jahren, dunklen Haaren und dunklen Augen sehe ich nicht gerade wie jemand aus, der seit 9 Jahren Deutsch unterrichtet. Unter meiner Person könnte man sich eher einen Künstler vorstellen, meinte jemand und wir mussten lachen.

Für einige Teilnehmer war es auch überraschend, wie Frau Qaser älteren Menschen das deutsche Alphabet beibringen kann. Natürlich sind wir stolz, dass wir bereits so viele unterschiedliche Erfahrungen sammeln konnten und unsere VHS die Arbeit junger Dozenten unterstützt.

Als nächstes präsentierte ihre Institution eine andere Teilnehmerin, die aus den Niederlanden stammt, aber in England als Englischlehrerin arbeitet.

Aliz aus Ungarn hielt daraufhin ihre Präsentation. Sie stellte zunächst ihr Land vor und sprach über ihre Traditionen und Festivals. Danach erzählte sie über ihre Tätigkeit als Englischlehrerin für die Klassen 4 bis 8.

Osuala Donatus („Don“) aus den Niederlanden unterrichtet in einer Schule mit 1300-1500 Schülern. In seiner Schule werden MAVO, HAVO, VWO und TTO unterrichtet. Er erzählte über die Aktivitäten an seiner Schule und spielte am Ende seiner Präsentation ein Stück Musik von Leeland-Way Maker. Eine wunderbare Präsentation.

Wir hatten eine kurze Pause. Danach wurde uns mitgeteilt, dass die geplante Stadtführung heute aufgrund des regnerischen Wetters nicht stattfinden wird. War ja klar! Aber vielleicht ist es ganz gut so, denn meine Kleidung ist endlich einigermaßen trocken und eine weitere Runde Schuhe trocknen mit dem Fön wollte ich mir gern ersparen.

Nach der Pause wurden wir in zwei Gruppen eingeteilt, um ein Spiel zu spielen. Jede Gruppe sollte einen Turm bauen. Der höchste Turm sollte gewinnen. Wir sollten außerdem einige Wörter an den Wänden dieses Turms schreiben, die den Charakter eines Lehrers beschreiben, wie z.B. kreativ, diszipliniert, planvoll, leitend usw.

Dann stellte die Dozentin uns die Frage: „Was ist die Definition von Classroom Management für euch?“ Darüber sollten wir nachdenken. Dazu nutzten wir die App Mentimeter. Jeder schrieb seine Definition und sandte sie anonym ein. Am Ende verglichen wir alle Definitionen miteinander.

Meine Definition lautete: „Classroom Management bezieht sich auf die Strategien und Techniken, die von Pädagogen angewendet werden, um eine positive Lernumgebung zu schaffen und aufrechtzuerhalten, in der Schüler effektiv an Lernaktivitäten teilnehmen können. Dies umfasst die Festlegung klarer Erwartungen, die Umsetzung konsistenter Routinen, die prompte und effektive Behandlung von Verhaltensproblemen und die Förderung einer unterstützenden und respektvollen Atmosphäre, die förderlich für das Lernen ist. Effektives Classroom Management ermöglicht es Lehrern, die Unterrichtszeit und den Teilnehmer-Erfolg zu maximieren und Störungen zu minimieren.“

Danach teilte die Dozentin eine Definition des Classroom Managements aus dem Oxford Dictionary mit.

Anschließend stellte die Dozentin die Frage: „Was sollten die Haupttätigkeiten eines Lehrers sein?“ Jeder Teilnehmer konnte über die App Curi.live der Dozentin 10 Wörter mitteilen. Viele Teilnehmer waren der Meinung, dass die Hauptaufgabe eines Lehrers darin besteht, Motivation zu geben. Die Dozentin fragte nach unserer Meinung über den Chat GPT, und jeder äußerte seine Meinung dazu.

Nach der zweiten Pause gingen wir zur Universität Barcelona. Es war nur ein kurzer, 10-minütiger Spaziergang. Ohne Regen. Dort machten wir Fotos. Die Dozentin wollte uns damit zeigen, dass man als Dozent manchmal die Atmosphäre wechseln sollte und verschiedene Methoden nutzen kann, um effektiv zu unterrichten.

Nach Unterrichtsende um 14:30 Uhr hatten wir Hunger. Zum späten Mittagessen entschieden wir uns, ins Vapiano zu gehen und uns eine Pasta Alfredo zu gönnen.

Nach dem Essen wollten wir die Sagrada Familia besichtigen. Die Tickets für diese Woche waren jedoch bereits vor unserer Ankunft in Barcelona ausverkauft. Von außen ist dieses Kunstwerk jedoch ebenfalls beeindruckend.

Danach gönnten wir uns noch einen Kaffee mit Churros und heißer Schokolade. Das Café wurde im Jahr 1954 gegründet, dem Jahr, in dem die Stahlkrise in Deutschland begann.

Es war interessant, etwas über diese Geschichte zu erfahren. Einen kurzen Spaziergang und dann Entspannung im Hotel. Es war ein wirklich sehr schöner Unterrichtstag, und aus unserer freien Zeit haben wir natürlich das Beste gemacht.

3. DAY IN BARCELONA

Mittwoch, 01.05.2024

Tag der Arbeit und der dritte Tag meines Seminares in Barcelona:

Mit einem inspirierenden Zitat von Karl Marx möchte ich meinen Bericht über den heutigen Tag beginnen:

„Das Reich der Freiheit beginnt in der Tat erst da, wo das Arbeiten, das durch Not und äußere Zweckmäßigkeit bestimmt ist, aufhört“ (Das Kapital, Band III, Siebter Abschnitt, 48. Kapitel)

Heute entschied ich mich, auf das Frühstück zu verzichten, um rechtzeitig meinen Zug zu erreichen. Wir waren überpünktlich vor Ort, jedoch war die Tür der Academy aufgrund des Tags der Arbeit geschlossen.

Daher nutzte ich die Gelegenheit und die Zeit, um mir einen Kaffee von Starbucks zu kaufen. Ein kräftiger Flat White sollte genau das Richtige sein.

Die Tür wurde geöffnet, und ich begab mich in den alten Fahrstuhl. Dieser erforderte, dass ich die Tür manuell öffnete, sowie auch die anderen beiden Türen des Fahrstuhls, bevor ich sie wieder schloss. Erst dann konnte ich nach oben fahren.

Das Ganze musste wiederholt werden, diesmal jedoch umgekehrt, indem ich die Türen erneut öffnete. Das fanden wir total witzig.

Der Unterricht begann mit der Frage: „Was haben Sie gestern gemacht?“ Jeder Teilnehmer teilte etwas mit. Auch ich habe erwähnt, dass ich gestern die Sagrada Familia besichtigt habe.

Dann erhielten wir ein Projekt. Jeder von uns sollte mithilfe von Legosteinen und buntem Teig seine eigenen Herausforderungen und Schwierigkeiten darstellen, um seine Herausforderungen in seinem Unterricht zu veranschaulichen.

Jeder von uns hat etwas gebaut.

Ich habe meinen Klassenunterricht anhand eines Stücks Teig mit verschiedenen Farben dargestellt. Dabei habe ich die Herausforderungen von Menschen oder Teilnehmern aus verschiedenen Kulturen mit unterschiedlichen Migrationshintergründen verdeutlicht, die sich möglicherweise nicht aus ihrer Komfortzone herausbewegen und sich nicht so leicht in die Gesellschaft integrieren.

Aufgrund des Zeitmangels sollte jeder sein kleines Projekt und seine Herausforderung nur kurz erklären.

Die Dozentin hat jedem von uns eine Lösung angeboten. Mir wurde zum Beispiel vorgeschlagen, dass die Schüler etwas aus ihrem Heimatland kochen und zur Schule mitbringen könnten. Dadurch könnte möglicherweise mehr Kontakt aufgebaut werden.

Anschließend präsentierte uns die Dozentin eine Methode:

Das Student-Centered Learning, begleitet von einem Video. Dabei wurden vier Schlüsselprinzipien hervorgehoben:

1. Lernen ist personalisiert.

2. Lernen ist kompetenzorientiert.

3. Lernen kann jederzeit und überall stattfinden.

4. Die Verantwortung für das Lernen liegt beim Lernenden selbst.

Am besten sollte ein Dozent seine Schüler dazu motivieren, kreativ zu denken und zu lernen.

Nach der Pause beschäftigten wir uns mit der Frage: Was ist ein Flipped Classroom?

Ein Flipped Classroom ist ein Unterrichtsansatz, bei dem traditionelle Lehrmethoden umgekehrt werden. Anstatt dass der Lehrer den Schülern neue Konzepte im Klassenzimmer vorstellt und Hausaufgaben gibt, erhalten die Schüler die Lerninhalte zu Hause durch Videos oder andere Materialien und vertiefen ihr Verständnis dann im Unterricht durch Diskussionen und praktische Anwendungen.

Wir diskutierten, wer diesen Ansatz verwendet und warum er genutzt werden könnte. Flipped Learning wurde im Jahr 2011 von Jonathan Bergmann entwickelt.

Nach dem Unterricht beschlossen wir, etwas zu essen, nämlich Chicken Wings von KFC. Danach verbrachte ich eine Stunde damit, zum Tibidabo zu fahren. Die Fahrt mit verschiedenen Verkehrsmitteln war anstrengend, aber es hat sich gelohnt, die Kirche auf dem Berg zu besichtigen.

Für mich ist es immer interessant, die Religionen anderer Menschen zu verstehen und zu respektieren. Ich habe mich einige Minuten in der Kirche still und die Atmosphäre lauschend aufgehalten und eine Kerze vor Jesus Christus angezündet.

Dabei habe ich mich an einem alt persischen Text von Rumi erinnert, und zwar:

„In diesem Boden, in diesem reinen Feld,

sollen wir keine Samen außer Samen der Liebe pflanzen.“

Es drückt die Bedeutung von Liebe und Zuneigung im Leben aus und betont, dass wir in all unseren Handlungen und Beziehungen Liebe und Zuneigung einsetzen sollten und uns darauf konzentrieren sollten, die Samen der Güte und Freundlichkeit zu säen.

Rumi, auch bekannt als Mevlana Jalaluddin Rumi, war ein bedeutender persischer Dichter, Mystiker und Gelehrter des 13. Jahrhunderts. Er wurde 1207 in Balkh (heute Afghanistan) geboren und verbrachte einen Großteil seines Lebens in Anatolien, in der heutigen Türkei.

Seine Poesie, insbesondere seine Sammlung von Gedichten „Mathnawi“ und  „Divan-e Shams-e Tabrizi“, ist weltweit bekannt für ihre spirituelle Tiefe, ihre metaphorische Sprache und ihre universelle Botschaft der Liebe, Toleranz und Spiritualität. Rumi’s Werke haben eine breite internationale Anhängerschaft gewonnen und seine Lehren haben bis heute eine bedeutende kulturelle und spirituelle Wirkung auf Menschen auf der ganzen Welt.

Und hier, in Barcelona musste ich bei der Besichtigung und bei dem Eintauchen in die Kultur an seine Werke denken und dass wir zum Lernen und Lehren da sind und alles, was wir tun, mit Besonnenheit und Freundlichkeit tun müssen.

Dies war meine persönliche Erkenntnis des Tages.


LAST FEW DAYS IN BARCELONA

Donnerstag und Freitag, 02-03. Mai 2024

Am Donnerstag sind wir alle pünktlich zum Seminar erschienen. Die erste Frage der Dozentin lautete, was wir am Vortag getan hatten und wie wir uns fühlten.  Ich hatte bereits erklärt, was wir am Vortag gemacht hatten. Alle haben über ihre eigenen Erfahrungen erzählt und über ihre Erlebnisse berichtet. Der Plan für den Donnerstag sah vor, dass der Unterricht im Nationalmuseum von Barcelona stattfinden sollte.

Zuvor hatte uns Daniella eine App namens Flip vorgestellt.

Mit Hilfe dieser App können kurze Videos im Stil von TikTok erstellt werden. Der Grund für die Nutzung dieser App besteht darin, dass sich die Schüler besser fühlen und die Aufgaben motivierter lösen können.

Ein Vorteil dieser App ist ihre Sicherheit. Die Daten einer Person sind in dieser App sicher. Es kann eine Gruppe vom Dozenten/der Dozentin erstellt werden, zu der alle Schüler und Teilnehmer eine Freundschaftsanfrage senden können. Dadurch werden sie Mitglieder der Gruppe. Jeder kann seine Videos selbst schneiden, anpassen oder mit Musik, Text, Emojis und ähnlichem ergänzen.

Im Unterricht wurden wir in vier Gruppen aufgeteilt. Gemeinsam mit der Dozentin sind wir ins Nationalmuseum Barcelona gefahren. Die Atmosphäre vom U-Bahnhof bis zum Museum war wunderbar.

Im Museum wählte die Dozentin ein Gemälde (von Joan Brull, Barcelona, 1863-1912, Öl auf Leinwand) aus.

Dazu erhielt jede Gruppe zwei Blätter, und zwar:

1. Chat Sheet

2. Answer Sheet

Die Dozentin erklärte zu Beginn der Sitzung, dass es sich um eine Silent-Exercise handelt. Das bedeutete, dass alle Gruppen die Fragen, die auf dem Blatt von der Dozentin gezeigt wurden, im Chat Sheet besprechen sollten und die endgültigen Antworten dann auf dem Answer Sheet schreiben sollten.

In unserer Gruppe waren Frau Qaser, Don und ich. Die Fragen bezogen sich auf das genannte Bild.

Nachdem wir für jede Frage im Chat Sheet etwas geschrieben hatten, haben wir unsere Antwort auf dem Answer Sheet festgehalten. Hierbei muss ich erwähnen, dass wir für jede Frage eine Minute Zeit hatten. Jede Gruppe sollte die Antwort einer anderen Gruppe auf der letzten Frage ergänzen.

Am Ende durften wir wieder miteinander sprechen. Anschließend hörte die Dozentin sich unsere Antworten an und wir diskutierten darüber in einer netten Atmosphäre.

Als nächstes sollten die Gruppen eine weitere Aufgabe lösen. Jede Gruppe sollte im Museum Bilder finden, die Angst, Freude oder Erwartung darstellen. Anschließend sollte jede Gruppe für jedes Thema ein Video produzieren und in der App hochladen.

Wir haben in unserer Gruppe entschieden, dass ich die Videos aufnehme, Frau Qaser sie schneidet, ergänzt und in die App hochlädt, und Don lediglich unsere Zusammenfassung neben dem Bild beschreibt. Dieses Projekt haben wir erfolgreich abgeschlossen, wir waren richtig zufrieden mit unserer Arbeit.

Danach hatten wir die Möglichkeit, in Begleitung unserer Dozentin auf die Terrasse des Museums zu gehen, eine Runde zu drehen, ein Gruppenfoto vor der Kulisse von Barcelona zu machen und uns zu verabschieden.

Nach dem Unterricht sind wir gemeinsam zu einem Restaurant gegangen, um unseren Hunger zu stillen. Frau Qaser hat eine Margarita bestellt und ich einen Hamburger mit Pommes.

Danach beschlossen wir, eine Schiffstour im Mittelmeer zu machen. Die Fahrt war angenehm, aber gleichzeitig auch sehr langweilig. Ich würde sie daher niemandem weiterempfehlen.

Am Freitag begannen wir den Unterricht wieder mit der Frage, wie es uns geht und welche Gefühle wir haben.

Ich fand es tatsächlich sehr gut, dass Daniella das jedes Mal gemacht hat, es aber dennoch schaffte, diese Erzählungen kurz zu halten und keine unnötige Zeit vom Unterricht verstreichen zu lassen. Danach wollte Daniella unsere Meinungen über die Aktivität vom Vortag hören. Sie teilte mit, dass sie das Unterrichtstempo für den heutigen Tag etwas erhöhen würde.

Wir besprachen „Artful Thinking“ und was wir gestern im Museum gemacht haben.

Die Fähigkeiten im 21. Jahrhundert umfassen:

1. Lernfähigkeiten:

– Kritisches Denken

– Zusammenarbeit

– Kreativität

– Kommunikation

 

2. Literalitätsfähigkeiten (IMT):

– Informationskompetenz

– Medienkompetenz

– Technologische Kompetenz

 

3. Lebenskompetenzen (FLIPS):

– Flexibilität

– Führung

– Initiative

– Produktivität

– Soziale Fähigkeiten

Die Bedeutung der Zusammenarbeit besteht darin, die Teile zusammenzufügen.

 

Es wird empfohlen, die folgenden Methoden im Unterricht anzuwenden:

 

– Thinking-based Learning

– Kooperatives Lernen

– Problemorientiertes Lernen

– Projektbasiertes Lernen

 

Die Präsentation des Tages war über mögliche Projekte. Anschließend haben wir uns die Videos angesehen, die wir gestern gemacht haben. Daniella versuchte uns Kommentare dazu zu geben.

Das Ziel dieses Projekts war es, zu verstehen, dass wir als Dozenten stets verschiedene Unterrichtsmethoden haben sollten, um die Motivation unserer Teilnehmer zu fördern. Besonders in der heutigen Zeit der Technologie, in der viele Teilnehmer möglicherweise nicht ausreichend motiviert sind für den Unterricht und die dazugehörigen Aufgaben.

Frau Qaser und ich haben beschlossen, diese Methode in unseren Klassen anzuwenden.

Natürlich sollten wir darüber nachdenken, wie wir sie für unsere Gruppe anpassen können. Zum Beispiel könnte man ein informatives Bild (wie in Teil 2 der DTZ-Prüfung) auswählen, Fragen dazu stellen, die Schüler in verschiedene Gruppen aufteilen und ihnen die Aufgabe geben, kurze Videos über Details des Bildes zu produzieren und in die App hochzuladen.

Somit haben die Teilnehmer die Möglichkeit, miteinander zu sprechen und sich mit der Sprache vertraut zu machen. Am nächsten Tag können die Gruppen ihre Videos allen zeigen, und die anderen Teilnehmer können ihre Meinungen dazu äußern.

Wir würden diese Methode auf jeden Fall in unseren Unterricht integrieren und verwenden. Danach stellte Daniella uns verschiedene Apps und Websites vor, die es uns als Dozenten ermöglichen, digitaler zu unterrichten, unseren Unterricht zu dokumentieren und unsere Klassen zu managen. Sie bat uns erneut, anhand der vorgestellten Apps und Websites einen zehnminütigen Unterricht vorzubereiten.

Frau Qaser und ich beschlossen, eine Übung über die deutschen Artikel zu machen. Wir bereiteten auch ein Kahoot als Übung für unseren Unterricht vor, damit die Schüler uns Feedback geben können. Daniella teilte mit, dass sie zuerst Deutsch gelernt habe, aber aufgrund der Artikel beschlossen habe, Englisch zu lernen.

Die anderen Teilnehmer hatten ebenfalls Präsentationen über Physik, Geschichte, Literatur, ihre Schule usw. vorbereitet. Danach war es Zeit für die Übergabe der Zertifikate.

Wir verabschiedeten uns und beschlossen, an diesem Tag in Barceloneta am Strand Shrimps mit Pommes zu essen.

Die Teilnahme an diesem Seminar hat uns viel Spaß gemacht. Gleichzeitig haben wir neue Methoden und Möglichkeiten für das Classroom Management gelernt, die wir auf jeden Fall in unseren Unterricht einbringen werden. Wir werden auch unseren Kollegen darüber berichten, denn diese Erfahrungen sind auf jeden Fall sehr wertvoll- die neuen Kulturen und die unterschiedlichen Menschen kennenzulernen und über ihre Arbeit zu erfahren- dabei das Beste mitzunehmen, um sich selbst weiter zu entwickeln.

Classroom Management Solution for Teachers, Barcelona

Lerntagebuch von Hajar Qaser-Rashidi

29. April bis 3. Mai 2024

Classroom Management Solution for Teachers: New Methodologies, Effective Motivations, Cooperation and Evaluation Strategies

Am Samstag vor Kursbeginn habe ich mich in Begleitung eines Kollegen auf dem Weg nach Barcelona gemacht. Wir haben uns schon sehr auf unser Seminar gefreut.  Um 20.40 Uhr startete unser Flieger in Hamburg und um 23:30 Uhr landeten wir in Barcelona. Der Flug war wegen des Wetters sehr turbulent, was mir etwas Angst gemacht hat. Als wir schließlich im Hotel ankamen, war ich erleichtert. Am Sonntag haben wir ausgiebig gefrühstückt, der Tag danach war zum Ausruhen gedacht. Das Wetter war ganz passend dafür, denn es hat den ganzen Tag stark geregnet. Irgendwann traute ich mich doch einen Spaziergang im Regen zu unternehmen, denn eigentlich wollte ich trotz des Regens gern ein wenig die Stadt genießen. Auf dem Rückweg zum Hotel regnete es so stark dass mein Schirm sogar kaputt gegangen ist!

Aber diese Strapazen haben meine Vorfreude auf unser Seminar nicht trüben können. Ich war schon sehr gespannt, was mich dort erwartet und packte freudig meine Tasche für den nächsten Morgen. Der Sonntag endete somit entspannt und voller Erwartung.

First Day in Barcelona

Montag, 29.4.2024

Heute war unser erster Tag im Seminar in Europass Teacher Academy hier in Barcelona, und es war wirklich aufregend, neue Erfahrungen zu sammeln und interessante Menschen kennenzulernen.

Der Tag begann mit einer herzlichen Begrüßung und einer Einführung in das Kursprogramm. Es waren insgesamt 14 Teilnehmer anwesend, darunter mein Kollege Eman Rashidi und ich. Nachdem wir uns vorgestellt hatten, erhielten wir einen detaillierten Zeitplan für die kommenden Tage und lernten, wie wir die Plattform Wakelet nutzen können, um Unterrichtsmaterialien und Fotos zu teilen. Ich habe inzwischen in meinem Unterricht mehrere Erfahrungen sammeln können und auch verschiedene Lernplattformen ausprobiert, diese kannte ich jedoch nicht. Die Schwierigkeit in Unterricht ist, auch meine Schüler dafür zu begeistern, sich die Nutzung einer Lernplattform zuzutrauen, denn viele sind mit Technik nicht vertraut und verstehen die Steuerung nicht. Darum ist es wirklich toll, mehrere Plattformen zu kennen. Ich denke mir immer, wer mit einer Plattform zum Lernen nicht zurecht kommt, kommt vielleicht zurecht mit einer Anderen.

Unsere Dozentin, Frau Daniela Festtino, eine freundliche Frau aus Argentinien, sie hat mir gleich bei der Vorstellungsrunde sehr gefallen.

Nach dem kurzen Eintauchen in die Lernplattform gab sie uns einen weiteren Überblick über den Kursinhalt. Sie erklärte, dass wir in den nächsten Tagen verschiedene Themen rund um die Architektur Barcelonas und die katalanische Kultur behandeln würden. Außerdem wurden uns einige Methoden von anderen Teilnehmern vorgestellt, die wir später in unserem eigenen Unterricht anwenden könnten.

Nach einer kurzen Pause präsentierten einige Teilnehmer ihre Schulen und Tätigkeiten in ihrer Heimat.

Es waren die Kollegen aus Schweden, Litauen und Estland, die uns interessante Einblicke in ihre Unterrichtspraxis gaben.  Besonders spannend war es zu erfahren, wie unterschiedlich der Unterricht in verschiedenen Ländern gestaltet wird. Viele Unterschiede ergeben sich aus den Gegebenheiten des Landes, aber selbstverständlich hat auch jeder Dozent seine eigenen Methoden, die sich für ihn als erfolgreich erwiesen haben. Die Erzählungen meiner Kurskollegen waren für mich wie Reisen in ein weiteres fernes Land – dieses Mal ganz ohne einen turbulenten Flug.

Darum schätze ich auch diese Seminare so sehr. Es sind nicht nur die Erlebnisse und die spannenden neuen Menschen, die man kennenlernen kann, nicht nur das neue Wissen und den netten Austausch unter Kollegen. Es ist auch die Möglichkeit, seine Fremdsprachenkenntnisse selbst weiter zu schulen und anzuwenden, aber auch die Berührung neuer Kulturen und Lebensarten.

Der erste Kurstag war somit sehr spannend und auch lehrreich für mich. Die Kursteilnehmer sind alle nett und wissbegierig, fragen viel und erzählen auch begeistert von ihren Ländern. Fast wie aufgeregte frisch eingeschulten Kinder plauderte wir in den Pausen, der Austausch und die Erzählungen dennoch haben mir gleich am ersten Tag viele Einblicke in die Dozentenarbeit in diesen neuen spannenden Ländern geboten, über welche ich bisher verhältnismäßig wenig wusste.

Insgesamt war der erste Tag sehr informativ und inspirierend. Leider haben wir zeitlich nicht geschafft, dass wir alle heute unsere Arbeit und unsere Institutionen präsentieren konnten. Daher haben wir beschlossen, dies morgen nachzuholen.

Der Tag haben wir natürlich mit gutem Essen ausklingen lassen. Das Wetter ist zwar immer noch unfreundlich zu uns, aber halb so schlimm – wir hatten genug Eindrücke gesammelt und konnten uns nett und entspannt über alles unterhalten. Ich freue mich auf den neuen Kurstag!

Second Day in Barcelona

Dienstag, 30.04.2024

Ich wache auf und noch im Halbschlaf hoffe ich, dass heute die Sonne über Barcelona scheint. Leider muss ich enttäuscht feststellen, dass es nach wie vor regnet. Und es ist kalt. Wir sind doch gestern schon klatschnass gewesen, ärgere ich mich tatsächlich ein bisschen. Dennoch hoffe ich, dass sich die Wolken im Laufe des Tages verziehen würden. Ich ziehe mich warm an und begebe mich zum Frühstück.

Nachdem ich meinen Kaffee genossen hatte, machte ich mich auf den Weg zur Metro-Station und fuhr mit der Linie L4 zur Teacher-Academy. Mein Kollege Herr Rashidi ist auch dabei, und wir beide mussten feststellen, dass wir einen Zug schon verpasst haben und auf den nächsten warten müssen. Irgendwie schaffen wir es dennoch, fast rechtzeitig da zu sein- und haben uns nur mit 5 Minuten verspätet.

Die Dozentin begrüßte uns zu Beginn und stellte die Frage „How are you doing in dog-scale?“.. Wir mussten lachen. Die Atmosphäre im Kurs ist locker und freundlich. Obwohl wir uns seit gestern kennen, wirken wir schon wie eine Klassengemeinschaft. Ganz so schnell geht es nicht immer, bis sich alle in einer Klasse wohl fühlen, deshalb bin ich sehr froh darüber und weiß es zu schätzen.

Unsere Dozentin erklärt uns außerdem, dass die Teacher Academy für uns ein kostenloses Event organisieren möchte und wir uns zwischen einige Varianten der spannenden Freizeitgestaltung entscheiden müssen. Wir entschieden uns tatsächlich für eine Schifffahrt, die am Donnerstag stattfinden wird. Ich wage nicht auf meiner Wetter-App nach der Prognose zu schauen, aber stattdessen denke ich mir – was soll’s! Wenn man schon eh nass werden sollte, dann ist man auf einem Schiff sicher richtig!

Anschließend setzten wir die Präsentationen vom Vortag fort.

Anke aus Frankreich (ursprünglich aus Deutschland) startet mit ihrer Präsentation. Sie unterrichtet Deutsch an einer Marketing-Schule und erzählt uns über ihre Schule. Sie berichtet darüber, wieviele Schüler sie hat, was sie bereits mit ihnen unternommen hat, welche Arten von Problemen und positiven Erinnerungen sie mit ihnen hat. Für mich ist jeder Blickwinkel des Dozentenberufs sehr interessant. Ich konnte inzwischen einige Erfahrungen als Dozentin sammeln, obwohl ich noch relativ „frisch“ mit meiner Tätigkeit an der VHS bin. Unsere Arbeit ist allerdings sehr intensiv, und selbst in einer kurzen Zeit erlebt man viel. Gedanklich vergleiche ich die Erzählungen von Anke mit meinen eigenen Eindrücken aus den Alphabetisierungs-Klassen.

Die andere Dozentin aus Frankreich unterrichtet in einer Schule mit 630 Schülern im Alter von 15-18 Jahren. Mir fällt auf, dass sie ziemlich schnell spricht und so denke ich, dass wenn man mit Jugendlichen arbeitet sehr wahrscheinlich immer äußerst flexibel und „auf Zack“ sein muss, um mit den jungen Menschen Schritt zu halten. Diese Arbeitsweise hat sich in der Art dieser Dozentin eingeprägt, sie wirkt auf mich Energie geladen und vital.

Ich habe meistens mit älteren Menschen zu tun. Auch da ist Flexibilität gefragt, aber auf einer ganz anderen Art und Weise. Ich muss schnell umdenken, denn ab einem gewissen Alter ist es für Menschen, die nie in ihrem Leben Bildung genossen haben, sehr schwer Lernen zu lernen. Geduld, Kreativität und vieles Ausprobieren – das ist, was mein Unterricht mir abverlangt. Dennoch stelle ich es mir nicht einfacher vor, junge Menschen zu unterrichten. Die können einen Dozenten sicher ganz anders fordern.

Dann sind Herr Rashidi und ich dran, unsere VHS vorzustellen. Wir haben den Vorteil, dass wir als Grundlage der Präsentation unseren Image-Film über die VHS Tornesch-Uetersen zeigen können, denn er wurde professionell zum Jubiläum der VHS von Journalisten gedreht und ist richtig hochwertig aufgenommen und verarbeitet worden. Unsere Kursteilnehmer sind begeistert! Sie stellten viele Fragen darüber, was wir genau machen. Sie sind sehr überrascht, dass mein Kollege bereits seit 9 Jahren Deutsch unterrichtet und viele Zuwanderer aus mehreren Klassen erfolgreich zum B1-Zertifikat geführt hat. Sie hätten ihn eher dem Kunstbereich zugeordnet. Auch über meine Tätigkeit als Dozentin für Alphabetisierung sind sie sehr erstaunt. Ich muss nun ganz wie in meiner Klasse plötzlich viele Fragen beantworten. Aber es hat Spaß gemacht, über unsere Arbeit zu berichten. Mit dem Abstand zum eigenen Klassenraum wird uns bewusst, dass unsere Arbeit geschätzt wird und wir damit wirklich etwas Gutes tun. Das fühlt sich für mich auch wirklich gut an!

Daraufhin folgen Präsentationen der Kollegen aus dem Niederlande und Ungarn. Die Präsentation des einen Kollegen aus unserem Nachbarland endet mit einem schönen Musikstück. Ich muss zugeben, dass ich nicht so ganz verstanden habe, was genau er unterrichtet, und mache mir einen Gedankennotiz, genauer nachzufragen. Aber er hat eine sehr nette Art und eine positive Ausstrahlung.

Aliz aus Ungarn erzählt uns bei ihrer Präsentation viel über die ungarischen Traditionen und Kultur. Sie unterrichtet Englisch in den Klassen 4-8.

In der kurzen Pause teilt man uns mit, dass der Stadtrundgang aufgrund des Wetters ausfallen wird. Schade, aber es ist richtig so – denn es ist draußen immer noch kalt und ungemütlich.

Nach der Pause spielen wir ein Spiel, bei dem wir uns in zwei Gruppen aufteilen müssen und Türme bauen müssen. Wir sollen den Turm so hoch machen wie wir nur können – der höhere gewinnt! Wir sollten außerdem an den Wänden des Turms schreiben, welche Eigenschaften und Fähigkeiten ein Lehrer besitzen soll. Wir haben richtig viele Ideen – man merkt, dass wir schon Erfahrung haben und uns viele Gedanken über unsere Arbeit machen.

Dann gibt die Dozentin uns die Aufgabe, über die Definition von Classroom Management nachzudenken. Was bedeutet sie für uns?

Ich denke, das ist nicht so pauschal zu definieren. Denn für jede Art einer Klasse gelten verschiedene Schwerpunkte. Also sieht Classroom Management jedesmal etwas anders aus. Oder vielleicht genau das – die Gestaltung des Unterrichts nach den Bedürfnissen der Kursteilnehmer, damit alle als Klassengemeinschaft erfolgreich sein können.

Natürlich gibt’s darüber auch eine fachliche Definition. Aber ich fand unsere Definitionen in der Klasse, und ihre Interpretationen viel passender und treffender.

Nach dieser spannenden Diskussion machen wir eine Pause und gehen im Anschluss zu der in der Nähe liegenden Universität. Ein schönes Gebäude. Wir machen Fotos und unsere Dozentin erklärt uns, dass ein Ausflug immer eine gute und kreative Lösung zum Unterrichten ist und alle enger zusammen wachsen lässt. Das stimmt – ein Ausflug macht immer Spaß.

Der Kurstag ist um 14.30 Uhr zu Ende, und wir sind hungrig. Einen Teller Pasta später sieht die Welt schon viel besser aus. Trotz des andauernden Regens fühle ich mich wohl. Mein Kollege und ich unterhalten uns während des Essens über den Kurs und unsere Eindrücke. Wir entscheiden außerdem, uns etwas Süßes zu gönnen, und holen uns noch eine Portion Churros.

Da der Regen allmählich nachlässt, spazieren wir noch durch die Stadt und begeben uns müde und satt letztendlich zum Hotel.

Third Day in Barcelona

Mittwoch, 2024

Heute will ich unbedingt rechtzeitig da sein, da mich die Verspätung von gestern richtig geärgert hat. Als Dozentin mag ich es überhaupt nicht, wenn sich meine Schüler verspäten und ich die ersten Sätze für die verspäteten Schüler nochmal erklären muss. Meine Solidarität mit Daniella hat mich dazu gebracht, auf das Frühstück zu verzichten und früher als gestern zum Seminar zu fahren.

Ohne Kaffee ist der Beginn eines Tages unmöglich. Daher kaufe ich mir einen Espresso und genieße ihn draußen bei dem immer noch sehr frischen Wetter.

Ich war heute überpünktlich und konnte in aller Ruhe in dem Unterrichtsraum ankommen.

Der Unterricht begann mit der Frage: „Was haben Sie gestern gemacht?“ Jeder Teilnehmer teilte etwas mit. Ich habe über meinen Besuch der Sagrada Familia berichtet und auch erwähnt, dass ich einige die bekannten Süßigkeiten von Spanien probiert habe.

Dann erhielten wir ein Projekt. Jeder von uns sollte mithilfe von Legosteinen und buntem Teig seine Herausforderungen und Schwierigkeiten im Unterricht darstellen, um diese für die anderen Kursteilnehmer zu veranschaulichen.

Ich habe mich entschieden darzustellen, dass die Kontakte zwischen Männern und Frauen aufgrund der kulturellen Bestimmungen und Schwierigkeiten nicht immer einfach geknüpft werden. Dies macht es oft schwer für mich, die Zusammenarbeit mit allen Teilnehmern zu gestalten und ganz besonders die Gruppenarbeit in der Klasse. Ich hatte nicht einmal Diskussionen darüber führen müssen.

Wir hatten nicht so viel Zeit um gegenseitig erraten zu können, was jeder von uns versucht hat darzustellen, deshalb haben wir einfach unser Werk und unsere Schwierigkeiten im Unterricht kurz erläutert.

Die Dozentin hat zu jedem der dargestellten Probleme eine Bespiellösung angeboten. Mir wurde vorgeschlagen, dass ich die Schüler und Schülerinnen Plätze miteinander oder nebeneinander einteile, damit sie sich daran gewöhnen gemeinsam zu sitzen und Gruppenarbeit zu machen. Eventuell werden die Männer und Frauen trotz ihren schwierigen kulturellen und religiösen Problemen miteinander Kontakt aufbauen und sich dadurch daran gewöhnen, gemeinsam weiter lernen: Weiterhin hat uns Daniela eine neue Methode zum Lehren vorgestellt:

Das Student-Centered Learning, begleitet von einem Video,damit wir das Prinzip besser verstehen. Dabei wurden vier Schlüsselprinzipien hervorgehoben:

1. Lernen ist personalisiert.

2. Lernen ist kompetenzorientiert.

3. Lernen kann jederzeit und überall stattfinden.

4. Die Verantwortung für das Lernen liegt beim Lernenden selbst.

Am besten sollte ein Dozent seine Schüler dazu motivieren, kreativ zu denken und zu lernen.

Dies habe ich anhand eines Beispiels erklärt. Ich habe zuletzt meinen Schülern gefragt, wie sie einkaufen. Ich habe ihnen erklärt, dass sie die Möglichkeit hätten, beim Einkaufen in Ruhe die Infos über die Produkte in dem Bereich „Obst und Gemüse“ zu lesen. Somit wäre das wie eine Übung für sie. Das heißt, Lernen kann sogar im Supermarkt individuell, personalisiert und im eigenen Tempo staatfinden.

Nach der Pause beschäftigten wir uns mit der Frage: Was ist ein Flipped Classroom?

Ein Flipped Classroom wird damit erklärt, dass das die Rolle von Lehrer und Schüler umgekehrt werden. Anstatt dass der Lehrer den Schülern neue Konzepte im Klassenzimmer vorstellt und Hausaufgaben gibt, erhalten die Schüler die Lerninhalte zu Hause durch Videos oder andere Materialien und vertiefen ihr Verständnis dann im Unterricht durch Diskussionen und praktische Anwendungen. Das beinhaltet auch, dass die Schüler dem Lehrer die Themen präsentieren, um ihre Kenntnisse zu zeigen und zur Kontrolle des Lernerfolgs.

Wir diskutierten, wer diesen Ansatz verwendet und warum er genutzt werden könnte. Flipped Learning wurde im Jahr 2011 von Jonathan Bergmann entwickelt. Ich persönlich weiß noch nicht recht, was ich davon halten soll. Ich denke dabei – klar ist das eine gute Möglichkeit, dem Schüler auch mal eine andere Perspektive zu zeigen. Wenn der Schüler allerdings etwas falsch verstanden und so gelernt haben sollte, in dem er keine direkten Hinweise vom Lehrer erhalten konnte, so ist es im Nachhinein schwieriger für ihn, es sich neu einzuprägen. Andererseits würde diese Methode den Teilnehmern eine neue Form von Selbstständigkeit im Lernen beibringen. Ich muss darüber nachdenken, aber eins steht fest – für meine Alphabetisierungsteilnehmer ist diese Art zu lernen nicht möglich. Für später vielleicht, wenn sie sicher mit der Sprache umgehen können.

Nach dem Unterricht beschlossen wir, etwas zu essen, nämlich Chicken Wings von KFC.

Danach verbrachte ich eine Stunde damit, zum Tibidabo zu fahren. Mit verschiedenen Verkehrsmitteln, denn es ist nicht sehr einfach, dorthin zu gelangen. Es war anstrengend, aber es hat sich gelohnt, die Kirche auf dem Berg zu besichtigen.

Die Kirche auf dem Tibidabo, offiziell als Templo Expiatorio del Sagrado Corazón de Jesús bekannt, ist eine beeindruckende katholische Kirche, die hoch über der Stadt Barcelona thront. Sie liegt auf dem Gipfel des Tibidabo-Berges und ist ein Wahrzeichen der Stadt, das Besucher aus aller Welt anzieht.

Die Konstruktion der Kirche begann im Jahr 1902 und dauerte mehr als 60 Jahre, bis sie vollendet war. Ihr architektonischer Stil vereint verschiedene Elemente, darunter Neo-Gotik, Moderne und Jugendstil. Das markanteste Merkmal der Kirche ist die große Christusstatue, die majestätisch über Barcelona wacht und von weither sichtbar ist.

Der Besuch der Kirche auf dem Tibidabo bietet nicht nur eine spirituelle Erfahrung, sondern auch eine atemberaubende Aussicht auf Barcelona und das Mittelmeer. Die Umgebung um die Kirche herum ist ein beliebtes Ausflugsziel für Einheimische und Touristen, mit Freizeitangeboten wie einem Vergnügungspark, Restaurants und Wanderwegen.

Die Kirche auf dem Tibidabo ist nicht nur ein Ort der Anbetung, sondern auch ein Symbol für den Glauben, die Kultur und die Geschichte Barcelonas. Sie verkörpert die Verbindung zwischen dem Göttlichen und der menschlichen Schöpfung und bleibt ein eindrucksvolles Denkmal, das die Besucher mit seiner Schönheit und seiner spirituellen Bedeutung beeindruckt.

Last Days in Barcelona

Donnerstag und Freitag, 2.-3. Mai 2024

Am Donnerstag  lag unsere Priorität wieder einmal bei der Pünktlichkeit. Dafür ist Deutschland doch berühmt, wir wollen es den anderen Kollegen sicher nicht anders vorleben!

Tatsächlich haben wir es geschafft, vor Daniella da zu sein. Die erste Frage unserer Dozentin richtete sich wieder an unserem Wohlbefinden und unsere Freizeit am Tag davor. Wir haben festgestellt, dass trotz des nicht ganz so guten Wetters, sich in Barcelona bisher niemand gelangweilt hat. Prima!

Nachdem alle etwas erzählt hatten, ging es los zu dem Unterricht im Nationalmuseum von Barcelona.

Wir sind mit der U-Bahn gefahren und die Fahrt war sehr lustig, da wir uns schon an diesem vierten Tag gut kannten und viele Späße miteinander machen konnten.

Ziel dieses Ausflugs war die Tatsache, dass unser Unterricht dort interaktiv stattfinden sollte. Es ging dabei um die Nutzung der App Flip, mit welcher man Videos erstellen kann. Damit soll erreicht werden, den Schülern eine kreative Art des Lernens nahe zu bringen und sie dadurch mehr zu motivieren, auch eigenständig zu lernen.

Die App soll mehrfach abgesichert sein, versichert uns Daniella. Die Daten der Personen sind sicher und die Dozenten können damit verschiedene Dinge machen. Die Schüler werden als Freunde hinzugefügt und man kann sie dann in Gruppen zusammenfassen und gemeinsame Übungen, Videos oder Emojies erstellen. Jeder kann seine Videos selbst schneiden, anpassen oder ergänzen.

Damit unser Unterricht besser funktioniert, hat Daniella uns in vier Gruppen aufgeteilt.

Im Museum angekommen zeigte Daniella und das Gemälde von Joan Brull, Barcelona, 1863-1912, Öl auf Leinwand aus.

Dazu erhielt jede Gruppe zwei Blätter-mit zwei Schwerpunkten.

1. Chat Sheet

2. Answer Sheet

Die Dozentin hat uns mitgeteilt, dass es sich hier um eine Silent-Exercise handelt. Wie gut – das muss ich auch mal mit meinen Teilnehmern machen, denn oft merke ich im Unterricht, nach vielem Erklären und Diskutieren, dass die Leute etwas überdreht werden und alles auch durchaus anstrengend werden kann.

So eine Übung zwischendurch könnte dafür sorgen, dass alle etwas wieder „runter kommen“. Eine Silent-Übung bedeutete in unserem Fall, dass man eine Aufgabe zeigt, und diese dann im Chat Sheet besprochen wird, und die endgültigen Antworten dann auf dem Answer Sheet schreiben sollten.

In unserer Gruppe waren mein Kollege Herr Rashidi, Don und ich. Die gestellten Fragen bezogen sich auf das Gemälde.

Wir haben dann im Chat Sheet immer zu den Fragen etwas aufgeschrieben und dann auf dem Answer Sheet unsere Antworten vermerkt. Die Zeit war auf eine Minute begrenzt, und jede Gruppe sollte die Antwort einer anderen Gruppe auf der letzten Frage ergänzen.

Als unsere Silent-Exercise vorbei war, haben wir endlich „das Schweigen gebrochen“ und über unsere Fragen und Antworten diskutiert.

Dann kam auch schon die nächste Aufgabe für die Gruppen: wir bekamen verschiedene Wörter, die Gefühle ausdrücken, und mussten im Museum nach Bildern suchen, auf welchen man diese Gefühle wieder finden kann.

Es handelte sich dabei um Angst, Freude oder Erwartung. Jede Gruppe sollte sich für die passenden Gemälden entscheiden, ein kurzes Video drehen und es in die App hochladen.

Wir haben uns, so richtig als Team-Work, aufgeteilt: Herr Rashidi war für die Aufnahmen zuständig, ich habe mich um den Schnitt gekümmert und Don um die Beschreibung. Wir waren schnell fertig! Ich muss auch sagen, dass wir mit Don sehr gut zusammengearbeitet haben. Das hat auch viel Spaß gemacht!

Natürlich haben wir auch das Museum weiter besichtig, begleitet von unserer Dozentin, und ein Gruppenfoto mit Barcelona als Hintergrund musste auch mal sein! Mit diesem netten gemeinsamen Ausflug beenden wir den Unterricht für heute, und starten direkt in eine weitere Erkundungstour. Aber nicht, ohne zuerst etwas gegen unseren Hunger zu unternehmen, denn so viel Aktivitäten machen auch ordentlich hungrig.

Wir haben uns ein kleines Restaurant ausgesucht, das laut Google-Bewertungen die beste Margarita in Barcelona anbot. Ob es die Beste war, kann ich nicht beurteilen, aber sie hat wirklich gut geschmeckt- ich hatte sie nämlich direkt ausprobiert. Der Kollege Rashidi hat sich für einen Burger mit Pommes entschieden.

Um den Tag zu beenden, wählten wir eine Schiffstour im Mittelmeer.

Wir hatten eine schöne Schifffahrt. Mein Kollege fand sie nicht so spannend aber für mich war das wirklich schön und entspannend.

Dann kam auch schon der Freitag und wir saßen wieder im Unterricht.

Wieder einmal erzählte jeder über seine Erfahrungen und sein Befinden. Dieses Mal jedoch in einer verkürzten Version, denn Daniella wollte unseren letzten Tag so lehrreich wie möglich gestalten und hat somit das Unterrichtstempo etwas angezogen.

Es ging dieses Mal um „Artful Thinking“, bezogen auf dem gestrigen Museumsbesuch. Wir haben uns dazu folgende wichtige Aspekte angeschaut:

Fähigkeiten im 21. Jahrhundert:

1. Lernfähigkeiten:

– Kritisches Denken

– Zusammenarbeit

– Kreativität

– Kommunikation

2. Literalitätsfähigkeiten (IMT):

– Informationskompetenz

– Medienkompetenz

– Technologische Kompetenz

3. Lebenskompetenzen (FLIPS):

– Flexibilität

– Führung

– Initiative

– Produktivität

– Soziale Fähigkeiten

Und damit die Zusammenarbeit gut funktioniert, sollte man diese Komponente miteinander verbinden können.

Auch folgende Methoden für unseren Unterricht haben wir behandelt:

– Thinking-based Learning

– Kooperatives Lernen

– Problemorientiertes Lernen

– Projektbasiertes Lernen

Wir haben eine Zeit über die Möglichkeit von verschiedenen Projekten diskutiert, und uns dann im Anschluss unsere Videos von dem gestrigen Tag angesehen. Auch dieses Mal ging es um die Motivation der Teilnehmer und wie wir sie steigern können. Die Entwicklung der Technologie sollte man eher dafür nutzen, obwohl eigentlich die Teilnehmer aus meiner Sicht oft diese Technologien nicht sinnvoll nutzen. Vielleicht wissen sie es nicht besser, oder sie können sich einfach nicht vorstellen, dass man die zum Lernen nutzen kann und sehen solche Aufgaben auch als unnötige Spielereien.

Manchmal ist es schwierig, den Menschen zu erklären, dass auch dies zum Lernen gehört.

Herr Rashidi und ich haben uns viel darüber unterhalten, wie wir das bisher Gelernte im Unterricht anwenden können.

Mit Apps zu lernen kann einfach sein, wird aber von den Teilnehmern nicht als vollwertiges Lernen akzeptiert. Das ist tatsächlich ein großes Problem. Aber wenn man den Unterricht immer mehr mit Apps ausrichtet und den Menschen immer wieder erklärt, warum das vorteilhaft sein kann, kommt es vielleicht bei Ihnen auch irgendwann an.

Die Apps, die wir von Daniella kennen gelernt haben und auch die Websites, die sie uns noch gezeigt hat, ermöglichen aber wirklich viele Arten des Unterrichts. Noch schöner sind die Möglichkeiten, die man dadurch hat, um die Fortschritte des Unterrichts zu dokumentieren.

Als Abschluss unseres Unterrichts sollten wir alle mit den neuen Apps und Websites einen zehnminütigen Unterricht vorbereiten und vortragen.

Herr Rashidi und ich machten Unterricht mit Schwerpunkt auf deutsche Wortartikel. Wir bereiteten auch ein Kahoot als Übung vor, und es machte unseren Teilnehmern spaß.

Hier erfuhren wird, dass vor langer Zeit Daniella tatsächlich Deutsch lernen wollte, sich aber genau wegen der Artikel anders entschieden hat- es machte ihr total Stress, zu jedem Wort über einen Artikel nachdenken zu müssen.

Mit den Unterrichtsvorstellungen endete auch der fünfte Tag, und so ging unser Seminar zu Ende.

Wir haben unsere Zertifikate erhalten und dann ging es Richtung Strand, um Shrimps mit Pommes zu essen.

Wieder einmal war ich sehr zufrieden, an einem Seminar vom Erasmus Plus Projekt teilnehmen zu können.

Es war eine schöne Zeit mit vielen Unterschiedlichen Erfahrungen und neue Eindrücken. Ich habe tatsächlich auch viel Neues gelernt und bin für jeden Gedankenanstoß sehr dankbar.

Unser Kurs bleibt in meinen Erinnerungen als eine sehr lehrreiche Veranstaltung mit einer großartigen Atmosphäre, nette und aufgeschlossene Menschen und interessante und nützliche neue Lerninhalte.

Wir werden sicherlich die eine und die andere neue Methode ausprobieren und hoffen sehr, damit auch den unmotiviertesten Teilnehmern unserer Deutschkursen zu erreichen. Denn eigentlich macht Sprachen lernen auch Spaß- es ist nur die Überwindung zu sprechen und die Angst, neue Technologien zu nutzen.

Hoffentlich können wir den Teilnehmern diese Angst nehmen – ausprobieren werden wir das auf jeden Fall!

Hospitation in Malmö, Schweden

von A. W.

Lerntagebuch Malmö 2024

23. April, Tag 1

Dieses Mal ist der vhs-Kugelschreiber auf Erasmus-Rudelreise unterwegs. Mit dem vhs-Bus geht es nach Malmö. Da wir u.a. in Sachen Integration unterwegs sind, beschäftigen wir uns auf der Fahrt mit der Frage, ob wir mit unseren Teilnehmenden aus Integrations- und EOK-/ STAFF-Kursen diese Reise machen könnten. Die Antwort ist eindeutig: Es kommt darauf an. Wir erfahren, dass es insgesamt sieben Aufenthaltstitel gibt, einen „grauen“ und einen „blauen Pass“ und das Aufenthaltsrecht nicht leicht zu durchdringen ist.

Das reisende Kugelschreiber-Rudel

Auf der großen Beltbrücke

Der erste Stopp führt jedoch an Malmö vorbei in die Dom- und Universitätsstadt Lund, wo wir uns zunächst den Dom anschauen. Insbesondere die Krypta ist groß, warm und beeindruckend. Sie wird als Ausstellungsfläche genutzt.

Dom zu Lund

Weiter geht es zur Universität Lund, wo uns Helena Berglund vom Institut für Lehrerbildung erwartet. Sie erklärt uns das schwedische Bildungssystem, was mit seinen vielen Optionen wie in den meisten Ländern nicht leicht zu verstehen ist, wenn man es nicht selbst durchlaufen hat. Das Thema soll uns noch die nächsten Tage begleiten. Interessant ist die kommunale Einrichtung für nachholende Bildung „komvux“ (kommunal vuxenutbildning) als Teil des Bildungssystems. Erwachsene können hier auf unterschiedlichen Niveaustufen des Schulsystems Fächer nachholen und sich damit Zugänge zu weiterführender Bildung verschaffen.

Ein Gang über den Campus rundet unseren Besuch ab.

Witziges Detail: Die Wand, an der Doktoranden ihre fertige, als Buch veröffentlichte Doktorarbeit annageln, bevor sie sie verteidigen

 

24. April, Tag 2

Wir besuchen die Kvarnby Folkhögskolan, das eigentliche Ziel unserer Reise. Unsere Einrichtungen sind seit mittlerweile 6 Jahren miteinander bekannt, was sich durch unregelmäßige Besuche auszeichnet, und der Empfang durch Rektor Henning Süssner Rubin und seine Kolleg*innen ist herzlich.

Hier finden vor den Toren der Stadt Kurse statt, in denen Erwachsene den schwedischen Schulabschluss erlangen können (wie es auch bei „komvux“ möglich ist) aber auch Schwedischkurse für Migrant*innen, so z. B. ein Kurs für Akademiker*innen mit entsprechender Progression.

Die Folkhögskolan ist nur bedingt mit einer deutschen Volkshochschule vergleichbar. Es fehlt z. B. das offene Kursangebot. Auch scheint die Finanzierung der Einrichtung durch öffentliche Gelder auskömmlich zu sein. Die Erwachsenenbildung wird in Schweden offenbar als gleichberechtigte 4. Säule des Bildungssystems anerkannt. Hinzu kommt, dass von der Finanzierung auch die Teilnehmenden profitieren. Nicht nur sind die Kurse kostenfrei, es gibt auch einen Anspruch auf eine Art BAföG über die Lebenszeit von insgesamt 6 Jahren, sodass man sich tatsächlich in Vollzeit weiterbilden kann. Alternativ gibt es Teilzeit-Bildungsangebote.

Die Kvarnby Folkhögskolan ist als Kooperative/Genossenschaft organisiert. Es gibt ca. 150 Anteilseigner, neben Privatpersonen vorrangig Gruppierungen aus dem politisch linken Spektrum. Noch ein Unterschied zu Deutschland und seinen Volkshochschulen, die sich die politische Neutralität auf die Fahnen schreiben: Erwachsenenbildungseinrichtungen haben (abgesehen vom kommunalen „komvux“) eine politische oder religiöse Zugehörigkeit.

Den Anteilseignern steht die Schule als Veranstaltungsstätte zur Verfügung, ein Vorstand bestimmt über die Gesamtausrichtung.

Am Nachmittag bekommen wir von Henning eine Führung durch das ehemals dänische Malmö, das 1658 schwedisch wurde. Spätestens seit der Landverbindung mit Dänemark durch die Öresundbrücke wächst die Stadt. Sie hat mittlerweile knapp 350.000 Einwohner*innen.

Viele alte Gebäude wurden im Laufe der Jahre abgerissen, dennoch ist ein charmantes Stadtbild erhalten geblieben:

Die Liebesstraße –Kärleksgatan

Das Rathaus

Altes Fachwerkhaus am Marktplatz

Mülltrennung wird auch im öffentlichen Raum praktiziert – am Park gibt es einen eigenen Container für Einweggrills.

2 Wochen nach unserer Reise findet in Malmö der diesjährige ESC statt. Wegen der Teilnahme Israels wird mit größeren Protesten und Ausschreitungen gerechnet. Während wir vor Ort sind, wird die Terrorwarnstufe auf 4 von 5 hochgesetzt – auf uns macht die Stadt jedoch einen friedlichen Eindruck.

 25. April, Tag 3

Wir besuchen eine Außenstelle der Kvarnby Folkhögskolan in Malmö, wo Schwedischkurse (das schwedische Integrationskurs-Pendant sfi – svenska för indvandrare) stattfinden. Dort dürfen wir im Unterricht hospitieren. In einem A1/A2-Kurs (wobei Schweden sich nicht für den Europäischen Referenzrahmen interessiert) ist heute die Kommune und ihre Aufgaben das Thema.

Drei Dinge fallen besonders auf:

  • Die Teilnehmenden sind sich einig, dass Steuern zahlen eine gute Sache ist – schon auf diesem Niveau wird deutlich gemacht, was der Staat/die Kommune damit alles ermöglicht und bereitstellt.
  • Ein melodisches Klingeln am Ende der Stunde – so leise, dass man es fast schon überhört – sorgt für einen ruhigen Übergang in die Pause. Warum braucht es so ein schrilles Klingeln, das alle aufschreckt und für Unruhe sorgt?
  • Neben der fika spielt auch ein gemeinsames warmes Mittagessen eine große Rolle. Überall, wo wir hinkommen, finden wir in allen Teeküchen immer mindestens 3 Mikrowellen vor.

26. April, Tag 4

„Komvux“ ist uns in den vergangenen Tagen immer wieder im Zusammenhang mit Erwachsenenbildung begegnet und wir bekommen die Gelegenheit, Komvux Malmö einen Besuch abzustatten und uns dort mit der stellvertretenden Schulleiterin und einige Lehrkräften und Sozialpädagogen auszutauschen.

Komvux Malmö ist in kommunaler Trägerschaft. Als Pflichtaufgabe der Kommunen wird es zum Teil auf an private Träger vergeben – im sozialdemokratisch geprägten Malmö ist Komvux in der Hand der Kommune.

Hier finden Kurse zum Nachholen oder Verbessern des Schulabschlusses statt. Außerdem gibt es die schulische Ausbildung in den Bereichen Gastronomie und Bäckerei (die duale Ausbildung gibt es in Schweden nicht) und natürlich auch sfi – Schwedisch für Einwanderer. Inklusion spielt eine große Rolle in Schweden. Lernschwächeren und Lernbehinderten wird man mit der „anpassat utbildning“ gerecht und bringt sie über diese „angepasste Ausbildung“ zum Abschluss. Die Kommune investiert in Stellen für Pädagogen, die Lehrkräften zur Seite stehen. Eine Herausforderung bleibt es trotzdem. Beeindruckend sind auch die offenen Lernwerkstätten, wo es „drop-in Zeiten“ gibt, an denen Lehrkräfte den Lernenden zur Beratung zur Verfügung stehen.

Letzter Programmpunkt unserer Reise ist ABF, der Arbetarnas Bildningsförbund. Er ist einer von insgesamt neun nationalen Studienverbünden.

Das Haus wurde 1938 eröffnet. Überall finden sich große Wandbilder, die verschiedene Arbeiterszenen darstellen.

Die Studienverbünde kommen von ihrer Organisation und ihrem Angebot den deutschen Volkshochschulen am nächsten, haben jedoch alle eine bestimmte politische oder religiöse Herkunft. Wie der Name schon sagt, ist der ABF der Bildungsverein der Arbeiterbewegung. Auch hier sind wieder Vereine und Verbünde Mitglieder, können das Haus nutzen und Angebote durchführen. Gleichzeitig gibt es auch ein offenes Kursprogramm sowie die schwedischen „studiecirklar“ – Studienzirkel, ein partizipatives Bildungsformat, was oftmals von Einzelpersonen initiiert wird und hier stattfindet.

Mit diesem letzten Programmpunkt endet unsere Reise und wir machen uns über die Brücken wieder auf den Weg nach Hause. Ein inspirierender Blick über den eigenen Tellerrand!

Managing a Diverse Classroom: Facing Upcoming Challenges

Athen, 18.-23. März 2024

von S.M. und K.K.

Sonntag, 17.03.2024 (Ankunftstag)

Nach einem ruhigen Flug landeten wir am Nachmittag sicher in Athen.
Wir erkundeten die Umgebung und waren erfreut über die ersten Sonnenstrahlen bei einem angenehmen Klima und 15 Grad.
Zuerst waren wir gespannt auf die Akropolis und konnten sie nach wenigen Metern oben auf dem Hügel entdecken.

Zur Orientierung für den nächsten Morgen suchten wir unsere Schule auf, die einen Fußmarsch von ca. 10 Minuten von unserem Hotel entfernt war.

Montag, 18.03.2024

An unserem ersten Unterrichtstag begannen wir mit einer Vorstellungsrunde und Planung für den Tag. Die 10 Teilnehmer kamen aus Rumänien, Spanien, Zypern, Italien und Deutschland.
Nachdem wir das Organisatorische besprochen hatten, begannen wir als Einstieg mit dem sogenannten „Eisbergprojekt“.

Diese Abbildung bedeutet die Versinnbildlichung von kulturellen Eigenheiten:
Die neuen Teilnehmer in unseren Sprachkursen werden zunächst nach äußerem Erscheinen, Sprache und Traditionen in den oberen Bereich des Eisbergs eingeordnet: SICHTBAR.
Der untere Teil unseres Eisbergs, der NICHT SICHTBARE Teil (der Hintergrund), wird untergliedert in Religion, familiäre Situation, Gefühle, Vorurteile und Stereotypen. Zur familiären Situation haben wir nachstehende Punkte aufgeschrieben:
– Bildungsstand
– Wirtschaftliche Verhältnisse
– Werden die Kinder streng oder nachsichtig erzogen?
Nach einem mündlichen Austausch darüber, hatten wir auf Grund eines griechischen Feiertages nur bis mittags Unterricht.

Nachmittags liefen wir durch den Hadrian`s Bogen und besuchten den Tempel von Olympian Zeus.

Des Weiteren suchten wir folgende historische Stätten auf:
Zappeion von 1888 ein Kongress- und Messegebäude, Olympiastadion und danach verzehrten wir
griechische Spezialitäten.
Zum Schluss gingen wir noch zum Philopapposhügel, um den Ausblick und Sonnenuntergang über
Athen zu genießen.

Dienstag, 19. März 2024

Heute war das Thema: Feinplanung einer Unterrichtsstunde.
Wir haben in Partnerarbeit ein typisches Projekt ausgearbeitet, welches wir im Unterricht anwendeten. Unser PBL-Projekt (project-based learning) behandelte eine Exkursion nach Lübeck:
– Planung und Vorbereitung
– Teilnehmer haben vorab eine Recherche-Aufgabe mit Hilfe des Internets bekommen (Holstentor, Fluss Trave, Niederegger-Marzipan)
– Ausführung und Ziel dieser Exkursion: z.B.: was ist eine Hansestadt?

Nachbearbeitung: Teilnehmer haben die Hausaufgabe bekommen „Was fanden Sie am schönsten?“
Was ist besonders oder typisch für Lübeck? (Backsteinhäuser)
Kursleiter haben Hausaufgaben kontrolliert und mit den TN besprochen.
Zum Schluss fertigten die TN zu dieser Exkursion in Gruppenarbeit mit Begeisterung ein Plakat an und präsentierten diesen vor der gesamten Gruppe.

Da es heute am Nachmittag regnete, nahmen wir die Metro zum Einkaufszentrum „Athens Metro Mall“ und waren erstaunt, dass auch hier überwiegend die allseits bekannten Warenketten ansässig sind. Dieses Einkaufszentrum hatte auf allen Etagen ein Motto: PLAYMOBIL

Nach dem Einkaufsbummel gönnten wir uns ein (großes) griechisches Eis.
Am Abend hatten wir ein sehr nettes Informationsgespräch mit der Dame an der Rezeption und erfuhren, wo wir einheimische Märkte und Produkte finden können.

Mittwoch, 20.03.2024

Heutiges Thema:
Was ist der Unterschied zwischen „Equality“, „Equity“ und „Justice“?
Diese Frage wurde ausführlich erörtert, analysiert und diskutiert. Daraufhin besprachen wir die Methodik und Didaktik für unseren Sprachenunterricht.
Die Dozentin hat uns für die weitere Partnerarbeit Tipps und Hilfestellung gegeben. Nach der Bearbeitung mussten wir gegenseitig die Ergebnisse präsentieren.
Als nächstes besprachen wir ausgiebig „die Inklusion“ anhand von Video-Beispielen, die wir auch analysierten und besprachen.
Eine sehr interessante Methodik, das sogenannte „Boarding-Ticket“, wurde uns für unseren Unterricht vorgestellt:

Diese Idee gefiel uns so gut, dass wir sie in unseren Unterricht mit aufnehmen werden.
Wir glauben, dass es eine gute Möglichkeit ist, die Teilnehmer damit noch mehr zu motivieren, die Sprachkenntnisse zu erweitern.
Des Weiteren besprachen wir jegliche Arten von Inklusionen:
Menschen mit körperlichen oder geistigen Behinderungen und welche Herausforderungen auf uns und die Teilnehmer zukommen könnten.
Außerdem wurden uns Beispiele gezeigt, wie wir Kursleiter, TN mit unterschiedlichen Kompetenzen und Bildungsniveaus unterrichten können, von schwachen bis starken Schülern.
Schwächere TN bekommen dieselben Aufgaben, nur in leicht verständlicher Sprache, hingegen die Lernstärkeren zum selben Thema an zusätzlichen Materialien arbeiten müssen oder können.

Nachmittags waren wir mit einem „Hop- on /Hop- off“ Bus unterwegs und fuhren an folgende Sehenswürdigkeiten vorbei:
– Parlament, Wachablösung (siehe Foto)
– Botschaftsviertel
– Stadion
– Zeus-Tempel
– Hadrian`s Arch
– Landesgarten
– Universität mit Bibliothek

Nach einem traditionellen Abendessen (Gyros, gefüllte Tomaten) machten wir erneut einen Spaziergang zu unserem Hügel „Filopappou“ und genossen den Blick auf die Akropolis sowie den Sonnenuntergang.

Donnerstag, 21.03.2024

Da heute der Unterricht erst am Nachmittag begann, nutzten wir den sonnigen Vormittag und besichtigten die Akropolis.
Mit dem Europass bekamen wir einen Rabatt und brauchten nur 10,- statt 20,-€ zu bezahlen.
Damit wir den Touristenandrang umgehen konnten, wanderten wir früh morgens gleich nach dem Frühstück zur Akropolis hinauf. Beim Aufstieg bestaunten wir den Unterschied zu unserer Vegetation und Vogelwelt: die Bäume, die Blütenpracht, freilebende Papageien.
Da seit sehr vielen Jahren an den Ruinen restauriert wird, konnten wir die Arbeiter aus nächster Nähe beobachten.
Die Akropolis wurde um 1687 bombardiert und seitdem wird an den Ruinen ständig restauriert,
was auch schon sichtbar wurde.

Um 14.30 Uhr trafen wir uns alle wieder im Klassenraum.
Das heutige Thema war „Multiculture, Crossculture, Interculture“. Diese drei Kulturarten wurden analysiert, mit uns besprochen und Projekte in Partnerarbeit ausgearbeitet.
Es wurden Methodik und Didaktik vorgestellt und unser Unterricht anhand von Fragen reflektiert:
z.B. Respekt, Toleranz, Offenheit, Empathie.
Des Weiteren beschäftigten wir uns mit verschiedenen Kompetenzen: Werte, Haltung, Fähigkeiten und Wissen.
Wir diskutierten in der Gruppe die unterschiedlichen Herangehensweisen der Unterrichtsgestaltung.
Abends nach dem Unterricht schlenderten wir in das Stadtviertel „Plaka“ mit den vielen Souvenirgeschäften und Restaurants sowie kleine gemütliche Gassen.

Freitag, 22. März 2024

Auch heute begann der Unterricht erst am Nachmittag und wir besichtigten morgens das Panatinaiko-Stadion.
Auf diesem Bild sieht man das Panathinaiko-Stadion, welches ca. 2500 Jahre alt ist. Man wird mit einem Audio-Tourguide durch die Arena und alten Zeiten geführt. Wir hörten das Publikum jubeln und befanden uns mitten unter ihnen. Schritt für Schritt kommt man sich vor, wie ein Teilnehmer
der Olympischen Spiele zu sein.

Von der Tribüne aus konnte man einige Sportler bei ihren Aktivitäten in der Arena beobachten.
Es waren Familien mit Kindern und einzelne Sportler vor Ort.

Das Stadion kann man im oberen und unteren Bereich umrunden, dazu benötigt man ca. 3000 Schritte.

Seit 1896 wird hier alle vier Jahre das Olympische Feuer entfacht und in die Welt hinausgetragen.

Um 14.30 Uhr begann der Nachmittagsunterricht.
Wir beschäftigten uns heute mit verschiedenen Kennlern- und Auflockerungsspielen, die wir zusammen in neuen Gruppen vorbereiteten und präsentierten. Die neu vorgestellten Spiele sorgten für allgemeine Heiterkeit, sodass wir überlegen, diese in unserem Unterricht mit aufzunehmen.

Ferner haben wir uns mit der „Basis des cooperativen Lernens“ sowie „Interkulturelles Lernen“ auseinandergesetzt.

Nach einer Dankesrede unserer Dozentin erhielten wir unsere Teilnahmebescheinigung und verabschiedeten uns alle voneinander.
Heute nutzten wir die Möglichkeit, das Akropolis-Museum auch abends bei Dunkelheit zu besuchen.
Uns wurde die Gelegenheit gegeben, über gläserne Fußböden die Ausgrabungen zu besichtigen.
Es wurden Funde, wie z.B. Mamor-Statuen, Werkzeuge, Geschirr und Waffen sowie Nachbildungen der Akropolis in einzelnen Stationen zur Schau gestellt.

Hier sieht man das moderne Museum bei Nacht.

Samstag, 23. März 2024

Am letzten Tag nutzten wir das zur Verfügung gestellte „Hop on Hop off“ – Ticket, besichtigten weitere Sehenswürdigkeiten in und um Athen und fuhren zur Küste.

Wir sahen die Fischer, die in den Hafen einliefen und beobachten sie beim Verkauf der frischen Fische.
Der Kontrast dazu war eindeutig einen Steg weiter zu erkennen, denn dort lagen die Luxusyachten.

Am Abend spazierten wir noch einmal zur Akropolis, genossen den Sonnenuntergang und verabschiedeten uns im Mondlicht von Athen.

Nach dem Kofferpacken gingen wir früh schlafen, da wir am nächsten Morgen um 5.00 Uhr abgeholt werden und leider wieder nach Hause fliegen müssen.

Fazit

von S.M.:

In diesem Kurs habe ich neues Wissen über interkulturelle Bildungspraktiken erworben, welches ich sehr interessant und aufschlussreich fand.
Durch das Eisberg-Projekt habe ich Kenntnisse und Anregungen zur Förderung einer gelungenen Kommunikation erhalten und die auch praktisch sehr gut anwenden kann.
Die Ausarbeitung einer Exkursion war sehr spannend und hilfreich, ich habe neue Ideen erhalten, wie ich die Vor-und Nachbearbeitung der nächsten Exkursion noch besser intensivieren kann.
Des Weiteren fand ich den Austausch mit den anderen Teilnehmern des Kurses sehr informativ. Wir diskutierten über die unterschiedlichen Unterrichtssysteme und Herangehensweisen.

von K.K.:

Ich habe durch dieses Erasmus-Programm über die Feinplanung des Sprachunterrichts viel mitnehmen können und werde das Erlernte umgehend in meinen Unterricht integrieren.
Der Austausch auch mit Kollegen aus anderen Ländern hilft mir, Ideen anzunehmen und umzusetzen.

 

 

 

Climate Change and Global Citizenship Education, Gent

Erasmus+-Fortbildung in Gent Ende August/Anfang September 2023

Thema: Climate Change and Global Citizenship  Education

von A. Marin

Vom 28.08. bis 02.09 2023 habe ich in Gent an der oben genannten englischsprachigen Erasmus+-Fortbildung des Landesverbandes der VHS Schleswig-Holstein teilgenommen. Der Lehrgang wurde von der „Europass Teacher Academy“ mit Hauptsitz in Florenz durchgeführt.

Ich bin mit der Bahn über Aachen und Brüssel an- und abgereist. Dies ist auch zu empfehlen und passt natürlich zum Thema der Fortbildung. Dies hat trotz der bahnüblichen Verspätungen gut geklappt.

Das Wetter war während meiner Fortbildung recht frisch, aber sonnig mit Temperaturen um die 20 Grad. Es gab lediglich einen Regentag. Anfang September wurde es dann bekanntlich extrem heiss mit Temperaturen von über 30 Grad.

Die Teacher Academy liegt am Rande des Stadtzentrums und ist mit der extrem sauberen und modernen Straßenbahn oder Bussen von allen Stadteilen sehr gut und schnell zu erreichen. Auffällig fand ich, dass Tickets (fast) nur noch mit Kreditkarte bezahlt werden können.

Das Gebäude der Teacher Academy ist recht neu und die Unterrichtsräume sind groß und sehr modern ausgestattet.

Eingang zur Teacher Academy

Montag, 28. August 

Heute um 9:00 Uhr ging es los. Beim Betreten des Gebäudes ist mir sehr positiv aufgefallen, dass wir TN von den Angestellten und unserem Trainer ganz besonders freundlich empfangen wurden. Der erste Eindruck ist eben sehr wichtig.

Wir sind 11 Teilnehmende. Zunächst hat sich unser Trainer Serge vorgestellt. Er ist Belgier und kommt aus Gent. Serge hat Philosophie studiert und 33 Jahre für ein weltweit tätiges Bildungsinstitut gearbeitet. Seit ein paar Jahren arbeitet er als Coach für Berufsorientierung an Gymnasien und Berufsschulen.

Unser Trainer, Serge

Unsere Gruppe besteht aus sieben ItalienerInnen, einer Portugiesin, einer Irin, einem Deutschen und mir. Die ItalienerInnen unterrichten alle an demselben Gymnasium in Palermo/Sizilien unterschiedliche Fächer in Klassen von bis zu 20 SchülerInnen.

Die Portugiesin kommt aus Porto und die Irin aus der Nähe von Dublin. Beide unterrichten ausschließlich Erwachsene in Englisch auf unterschiedlichen Niveaus. Der deutsche Teilnehmer unterrichtet Studenten in Englisch an der Fachhochschule in Münster.

Ich fand sehr gut, dass auch Teilnehmende aus der Erwachsenenbildung dabei sind. So haben wir auch außerhalb der Fortbildung gelegentlich Erfahrungen ausgetauscht. Leider konnten die ItalienerInnen nicht so gut Englisch, was die Verständigung etwas erschwerte.

Zunächst haben wir uns alle kurz vorgestellt, insbesondere unsere Tätigkeit.

Wir begannen mit dem Thema „Global Citizenship Education“ und diskutierten
in Gruppen, warum heute auf die Nutzung sauberer Energien Wert gelegt
wird. Hierbei arbeiteten wir heraus, dass heute nicht nur Wert auf wirtschaftliche Produktivität gelegt wird, sondern auch auf Menschlichkeit, man denkt an die nächsten Generationen. Dies liegt daran, dass heute mehr Bewusstsein vorhanden ist, dass Energien und Rohstoffe begrenzt sind.

In Gruppenarbeit sollten wir dann Personen benennen, die wir für einen Global Citizen halten. Wir erwähnten und diskutierten divers etwa Nelson Mandela, Franz von Assisi, Umweltminister Habeck und Jane Austen, die besonders gegen Ungleichbehandlung eintrat. Ich fand diese Diskussion interessant.

Danach brachte unser Dozent das Stichwort „Verletzlichkeit“, was der
Ausgangspunkt von Global Citizenship sei und als deren Konsequenz man „care
for the others“ praktizieren solle. Genanntes Beispiel: Jemand kann sich vorübergehend nicht bewegen – dann sollen andere ihn unterstützen. Unser Trainer nannte 3 wichtige Bestandteile von Global Citizenship Education: Verletzlichkeit, care for others und Harmonie.

Nächstes Thema war, wie „gutes Leben“ definiert wird. Unser Trainer nannte die „Alten Griechen“, die Wert auf ein Leben ohne Furcht legten, die Bibel, die ein Leben in der Ewigkeit sieht und dann seit den 90-er Jahren ein Leben im Einklang mit Natur und Umwelt.

Dann haben wir in Gruppen diskutiert, wie man „Harmonie“ in Unterrichtssituationen einbringen kann. Wir nannten insbesondere Augenkontakt, sorgfältiges Zuhören und Toleranz bei anderen Meinungen.

Dienstag, 29. August 2023

Heute ging es zunächst um den Begriff „Zeit“. Wir waren uns einig, dass Zeit sehr wichtig ist, eine Art Geschenk ist und Gelegenheiten für Veränderungen bietet, insbesondere für Aktivitäten bezüglich des Klimawandels.
Zeit sei jedoch nicht umkehrbar. Man müsse sie daher nutzen.

Man müsse gegen die sogenannte schlafende Demokratie aktiv sein und Sorgen deutlich zum Ausdruck bringen. Unser Trainer meinte, dass Nostalgie, Verbitterungen und Ängste hierbei eine große Rolle spielen, die man überwinden müsse, um eine bessere Welt zu erreichen.

Wir sahen exemplarisch ein Video von Obama von 2008,

https://www.youtube.com/watch?v=WYga2qRnY2w, in dem er Hoffnung und Emotionen beim Klimawandel zum Ausdruck bringt, um Menschen zu motivieren.

Climate Change sei eine Aufgabe für mehrere Generationen ist und man müsse schrittweise vorgehen. Unser Trainer meinte, Klimawandel würde zu einer neuen Ordnung führen. Hierbei müsse man die Zeit bestmöglich nutzen und auf die eigenen Kräfte vertrauen.

Dann diskutierten wir den Begriff „offener Mindset“: man müsse neue Dinge ausprobieren und Perspektiven entwickeln, etwa eigene Wahrnehmungen und Aktivitäten (Augenperspektive und globale Perspektive, Bündelung von Aktivitäten) – ein interessanter Ansatz.

Mittwoch, 30.08.2023

Heute ging es zunächst um Mülltrennung. In Belgien, Italien, Portugal und Irland gibt es, anders als in Deutschland, nach wie vor kein Pfandsystem. Es gibt nur Container in bzw. vor Häusern und in Straßen, die Müll trennen. Wir waren uns einig, dass es Aktivtäten geben müsse, das Pfandsystem auch in anderen Ländern einzuführen.

Typische Mülltrennung an Straßen in Gent

Wir besprachen wichtige Eigenschaften eines Global Citizen und nannten Kooperation, gutes Zuhören, Optimismus und eine globalen Perspektive.

Danach diskutierten wir die Definition der UNESCO eines Global Citizen (unesco.org) und die Auswirkungen auf Unterricht/Ausbildung:

Dies war aufschlussreich, auch da man es im Unterricht berücksichtigen kann.

Nächstes Thema waren die 17 Ziele der Vereinten Nationen von 2016 für eine nachhaltige Entwicklung. Dies sind politische Zielsetzungen, die weltweit der Sicherung einer nachhaltigen Entwicklung auf ökonomischer, sozialer und ökologischer Ebene dienen sollen.

Diese 17 Ziele (Ziel 1: keine Armut, Ziel 2: kein Hunger etc.) zählt die UN in der Reihenfolge ihrer Bedeutung auf. Nur die Mitgliedsländer, nicht jedoch die UN selber können entsprechende Gesetze zum Erreichen der Ziele erlassen. Zur Konkretisierung der 17 Ziele hat die UN zusätzlich einen Unterkatalog mit 169 Zielvorgaben entworfen.

Mit unseren Tablets haben wir dabei die o.g. Punkte in Gruppenarbeit „ergoogelt“ – eine interessante Aufgabe.

Die 17 Ziele zur Nachhaltigkeit der UN seit 2016

Dann sollte jeder über eines der 17 Ziele der UN eine kurze Präsentation halten. Ich sprach über das Thema 2 („Kein Hunger“), ebenfalls eine interessante Aufgabe. Danach sollten wir in Vierergruppen ein Projekt für Lernende zu entwickeln, bei dem darum geht, Pessimismus in Bezug auf die Bewältigung des Klimawandels in Optimismus zu verwandeln. Meine Gruppe wählte ein wöchentliches „diary of hope“, in denen Lernende aufschreiben, wie und ob sie ihr Verhalten in Bezug auf den Klimawandel geändert haben, etwa durch eine bessere Mülltrennung, Vermeiden von PKW-Nutzung oder sie andere überzeugt haben, zur Bewältigung des Klimawandels beizutragen. Es konnten auch einfache Dinge sein, wie mit dem Fahrrad zur Arbeit/Schule fahren oder öffentliche Fahrräder zu nutzen. Wir waren uns in unserer Gruppe einig, dass bereits kleine Beiträge helfen, Optimismus zu verbreiten.

Ich fand dieses „diary of hope“ einen guten Ansatz, den ich mir auch im Unterricht vorstellen kann.

Am Nachmittag gab es eine etwa 2-stündige sehr gelungene Stadtführung (walking tour) in Gent, die von einer Trainerin der Teacher Academy geleitet wurde. Sie führte zu vielen interessanten Sehenswürdigkeiten.

Donnerstag, 31.08.

Heute ging es zunächst um „Entrepreneurship“. Dies bedeutet, dass in Europa überall ständig immer mehr Firmen entstehen, die sich etwa mit Recycling oder der Wiederverwendung von Waren nach Ablauf des Haltbarkeitsdatums befassen. Weitere Beispiele hierfür sind soziale Innovationen, wie zum Beispiel Carsharing und stadteigene Mietfahrräder. Beides gibt es auch in Belgien immer mehr. Wir erwähnten und diskutierten, dass es Vergleichbares auch in unseren Ländern gibt und wichtig ist.

Wir haben über die Organisation „Impact Hub“ (impacthub.net) mit Sitz in Wien diskutiert. Wir fanden viele Vorteile dieser Organisation, da sie Unternehmer weltweit zusammenbringt und eine gerechtere und nachhaltige Gesellschaft fördert.

Dann sprachen wir über die Organisation IPCC (Intergovernmental Panel on Climate Change – ipcc.de), die sich mit den Fortschritten bei den 17 Nachhaltigkeitszielen der UN befasst. Sie bündelt den weltweiten Forschungsstand und entwickelt Realisierungs- und Anpassungsstrategien.

Es ging danach generell um Unterricht im 21. Jahrhundert. Unser Trainer definierte ihn als Lernraum, wo Lernende sich sicher fühlen, sich umeinander kümmern, Vertrauen haben und viel selbst gestalten.

Am Schluss gab es ein Teilnehmenden-Feedback zur Fortbildung.

Freitag, 01.09.

Heute haben wir zuvor vorbereitete Präsentationen über unsere Einrichtungen gehalten. Anschließend gab es eine Diskussion, in der wir die Ausführungen mit unseren Ländern verglichen haben.

Die portugiesische Teilnehmerin unterrichtet Erwachsene an der großen Organisation APEFA (non profit) und hier insbesondere nicht gut qualifizierte Erwachsene. Ähnlich wie die Volkshochschulen wird auch dieses Institut staatlich gefördert. Die Gebühren der Teilnehmenden sind äußerst niedrig. Daneben gibt es wie in Deutschland private Institute, deren Gebühren deutlich höher sind.

APEFA (Portugal)

Anschließend sprachen die 7 ItalienerInnen über ihre Schule ISSG Ugudulena in Palermo. Es ist ein Gymnasium, jedoch erst ab 14 Jahre.

Die irische Teilnehmerin berichtete über ihr Institut FET im County Cavan nördlich von Dublin. Dort gibt es ähnlich wie an den Volkshochschulen Kurse für Erwachsene aller Art, Teilzeit, Vollzeit, alle Fächer. Zu unserer Überraschung erfuhren wir, dass diese Kurse für die Teilnehmenden kostenlos sind.

Am Ende sprach noch unser Trainer freundliche Schlussworte und lud uns für denselben

Abend in eine typisch belgische Bar ein, ein wirklich gelungener Ausklang.

Samstag, 02.09.

Die Teacher Academy hat uns für heute eine „City Card Gent“ zur Verfügung gestellt, die uns ermöglichte, interessante Sehenswürdigkeiten kostenlos zu besichtigen. An diesem warmen Sommertag habe ich das bekannte Gravensteenschloss mit einem englischen Audioguide besucht sowie den Belfry Clock Tower, der zum Weltkulturerbe gehört. Beide Sehenswürdigkeiten fand ich sehr interessant und boten einen guten Einblick in die Geschichte von Gent etwa vom 10 Jahrhundert an. Weiterhin habe ich eine geführte Bootsfahrt auf den Flüssen und Kanälen von Gent gemacht – sehr empfehlenswert.

Schloss Gravensteen

 

Belfry Clock Tower

Gent – Nachtaufnahme

Land und Leute

Gent (flämisch Gent, französisch Gand) ist eine sehr schöne mittelgroße Stadt mit 262.000 Einwohnern und vielen Sehenswürdigkeiten. Gent ist sehr belebt und kulturell interessant, international geprägt und sehr sauber. Es gibt recht viele Einwanderer aus aller Welt. Das Preisniveau ist ein wenig höher als in Deutschland. Das gilt auch für Wohnraum. Gent liegt im flämischen Teil Belgiens, wo Niederländisch mit flämischem Akzent gesprochen wird. Jedoch sprechen so gut wie alle Belgier in Flamen gut Englisch.

Die Stadt ist unbedingt eine Reise wert, zumal Ausflüge etwa in die ebenfalls sehr schöne Stadt Brügge sowie natürlich nach Brüssel und an die Küste wegen der geringen Entfernungen leicht möglich sind. Es bestand die Möglichkeit in Hotels oder in einem Airbnb zu übernachten. Letzteres habe ich gemacht. Dies ist eine sehr gute Option, zumal einige mit ihren Hotels nicht so zufrieden waren. Sicher ist es etwas Glück wo man dabei „landet“. In meinem Airbnb hatte ich durch weitere Gespräche einen gewissen Einblick in die flämische Lebensweise/Mentalität. Beide unterscheiden sich nicht so sehr von der deutschen, lediglich wirkten die Belgier auf mich insgesamt etwas entspannter. Besonders positiv ist mir die Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft aufgefallen, etwa bei Fragen nach dem Weg.

Resümee

Ich habe neues Wissen über den Klimawandel und Civil Citizen Education erworben. Dabei ist mir klar geworden, wie komplex, langwierig und delikat das Thema ist. Mir wurde bewusst, dass jeder aufgefordert ist, dazu beizutragen, auch etwa innerhalb der Volkshochschulen. Für meinen Unterricht habe ich einige Impulse bekommen und habe das Thema Klimawandel schon einmal im Rahmen eines laufenden Englischkurses anhand des Hurrikans „Lee“ behandelt.

Die Fortbildung hat mich auch zur Selbstreflektion über den Klimawandel angeregt und über das, was man selber beitragen kann. Besonders gut hat mir unsere Arbeitsatmosphäre und die Freundlichkeit unseres Trainers und der Teilnehmenden untereinander gefallen. Der fachliche Austausch mit den Teilnehmenden aus 4 verschiedenen Ländern war ebenfalls sehr interessant. Unterricht aus der Teilnehmendenperspektive zu erleben war ebenfalls eine aufschlussreiche Erfahrung, da mir bewusst wurde, was man selber gut und nicht so gut macht.

Nicht so gut gefallen hat mir, dass meiner Meinung nach unser Trainer die Themen gelegentlich zu langatmig und zu subjektiv behandelt hat, vor allem die ersten 2 Tage.

Außerhalb des Kurses habe ich viele kulturelle Eindrücke „mitgenommen“ und auch einen Einblick in das Leben in Belgien bekommen.

Insgesamt war die Fortbildung eine tolle und sehr wertvolle Erfahrung.

Daher möchte ich eine Erasmus+-Fortbildung allen Interessierten ausdrücklich empfehlen.