Grundbildung in Malmö, Schweden

von Adrienne Rausch

23. April 2024

Auf dieser Reise bin ich im doppelten Sinne zu Gast: bei der Kvarnby Folkhögskola, die unsere Gruppe empfängt, und bei der Reisegruppe selbst: Die Reise hat die Volkshochschule Husum organisiert und mich (vom Landesverband der Volkshochschulen in Schleswig-Holstein) aufgenommen. Die eine Hälfte der Reisegruppe ist an integrativen Angeboten, die andere Hälfte an Grundbildungsangeboten interessiert. Ich gehöre zur zweiten Hälfte.

Bei Sonne und sehr niedrigen Temperaturen geht die Reise los. Der kleine Bus der vhs Husum ist bequem und wir sind gespannt auf den Besuch bei der Kvarnby Folkhögskola in Malmö. Aber zuerst geht es nach Lund.

Uhr im Lunder Dom

Die Landschaft in Dänemark bietet keinen großen Kontrast zu Schleswig-Holstein, aber der erste Input bereits im Bus lenkt unsere Aufmerksamkeit ohnehin auf etwas ganz Anderes: aufs Thema Aufenthaltstitel und Reisefreiheit in Deutschland. Imke Steffen führt uns in dieses „Rechtslabyrinth“ ein. Das abschließende Quiz bestehen wir gemeinsam und mit viel Wohlwollen der Spielleitung.

In Schweden erwarten uns ebenfalls Sonne und sehr niedrige Temperaturen UND Helena Berglund, stellvertretende Leiterin am Institut für Lehrerbildung an der Universität in Lund. Sie gibt uns eine Übersicht über das Schulsystem und die Lehrerausbildung in Schweden. Ihr Vortrag verwandelt sich schnell in einen offenen Austausch. Es ist für uns sehr spannend zu sehen, wie gut die Erwachsenenbildung im Bildungssystem verankert ist, womit die Voraussetzungen für Lebenslanges Lernen etabliert sind.

Im Anschluss führt sie uns übers historische Gelände, umgeben von und verwoben mit moderner Architektur (eine harmonische Mischung, die wir in Malmö auch sehen werden). In sehr entspannter Atmosphäre wird hier gelernt, wir schlendern durch gemütliche Räume, Ecken, Nischen, wo in kleinen Gruppen gearbeitet wird. Abschlussarbeiten werden hier wortwörtlich an die Wand genagelt.

Nach den theoretischen Ausführungen sind wir alle sehr gespannt, wie die Praxis aussieht. Auf nach Malmö!

24.04.2024

Henning Süßner-Rubin, der Leiter der Kvarnby Folkhögskola, holt uns direkt am Hotel ab und zeigt uns die Außenstelle der Volkshochschule, wo er stundenlang geduldig und ausführlich Auskunft über die Zusammensetzung der Teilnehmenden, über die Teilnahmevoraussetzungen, über Curricula, über Finanzierung und über die Lehrkräfte gibt. Diese kommen in den Pausen dazu und ein lebhaftes Gespräch entfaltet sich auf Englisch, Deutsch und Schwedisch. Sehr interessant ist, dass man in Schweden ohne Abitur kaum noch Chancen auf einen Job oder eine Ausbildung hat. Die Hürde ist an dieser Stelle also hochgelegt, die Zugänge zur Bildung wiederum sehr niedrig.

Der schwedische Staat ist großzügig bei der Finanzierung von nachholender oder Weiterbildung. Kostenfreie Kurse und eine Art Bafög ermöglichen allen einen Zugang – und eine gelebte Weiterbildungskultur. Alle Einrichtungen, die wir kennenlernen, sind so eingerichtet, dass man dort gut verweilen sowie Lernen unter guten und gleichzeitig angenehmen Bedingungen stattfinden kann.

Nach einem leckeren Kantinenessen brechen wir in die Innenstadt auf, wo wir eine junge, dynamische Stadt kennenlernen, die stark von der Öresundbrücke profitiert und wächst. Wieder treffen wir auf die harmonische Verschmelzung von Alt und Neu in der Architektur und auf Vorbereitungen auf den Eurovision Song Contest, der groß gefeiert werden soll. Eine Reihe von Sicherheitsvorkehrungen und noch mehr Wimpelreihen gehören zur Vorbereitung.

Alte Badeanstalt, neuer Turm

 

Alte und neue Fenster

25.04.2024

Diesmal besuchen wir einen weiteren Standort der Volkshochschule im Außenbezirk Malmös. Zum Auftakt gibt es eine Wiederholung zum Thema Förderung der Erwachsenenbildung in Schweden. Abschlussbezogene Kurse werden an den kommunalen Einrichtungen für Erwachsene (Komvux) durchgeführt. Ein breites Kursprogramm, stark an unterschiedlichsten Bedarfen und Interessen orientiert, gibt es bei den neun Studienverbänden, die von freien Trägern gefördert werden – wie z. B. ABF (Arbeternas Bildningsförening). Diese sind für den kommenden Tag vorgesehen, heute steht aber noch mal der dritte große Pfeiler im Mittelpunkt: die folkhögskola – mit intensiven Vollzeitangeboten. Die folkhögskola ist also nur dem Namen nach mit unseren Volkshochschulen eng verwandt. Die Kvarnby folkhögskola hat zwei wichtige Schwerpunkte: Die Comiczeichnerschule und SFI (svenska för invandrare).

In der Außenstelle für SFI-Kurse haben wir erneut die Möglichkeit, mit Lehrkräften zu reden. Im Unterricht erleben wir eine lebendige Diskussion zum Thema Kommunalwesen und können uns im Anschluss mit der Kursleitung über Methodik und Didaktik unterhalten. Interessant ist, wie hier durch die Anwendung von einfacher Sprache der Austausch über ein kompliziertes Thema ermöglicht wird.

Digitale Mittel werden kaum eingesetzt, diese dienen eher der Kommunikation. Im Unterrichtsraum und –geschehen fehlt nicht einmal der Hinweis, dass jede digitale Quelle zu überprüfen ist.

Fragen zur Quellenüberprüfung

Die Pausenräume sind auch hier mit gemütlichen Sitzecken und reichlich Lektüre ausgestattet. An diesem Lernort fühlt man sich wohl. Die gemeinsame Mittagszeit, möglichst warm, gibt Energie auch für längere Lerntage und stärkt das Miteinander. Da die Außenstellen wirklich AUßENstellen sind, ermöglicht eine gut ausgestattete Küche, genügend Kaffee für alle und eine Reihe von Mikrowellen eine schnelle Vorbereitung.

26.04.2024

Am letzten Tag lernen wir die anderen Bereiche der Erwachsenenbildung kennen und besuchen zuerst ein kommunales Erwachsenenbildungszentrum in Malmö. Ab 20 Jahren kann man hier (nochmal) loslegen. Nicht nur Schulabbrecher bekommen hier eine zweite Chance, sondern auch diejenigen, die ihren Abschluss verbessern wollen. Auch auf das Abitur kann man sich hier vorbereiten oder einen Beruf erlernen. Angebote für Menschen mit Behinderung gibt es auch sowie Berufsberatung und eine Schulbibliothek. Solche Schulen sind fester Bestandteil des Schulsystems und ermöglichen jedem und jederzeit, Verpasstes nachzuholen und damit die Grundvoraussetzungen für Bildung und Beruf zu schaffen, sich neu zu orientieren. Schulbesuch ist kein Privileg der Jugend!

Danach besuchen wir noch ABF, Arbeternas Bildningsförening, eins der sog. Studienwerkstätten. Diese haben unterschiedliche (politische oder religiöse) Träger. Die Trägerschaft ist natürlich bekannt und bietet keinen Anlass zur Diskussion, eher eine Orientierung. Bei ABF zieren große Wandgemälde aus der Zeit der Arbeiterbewegung die Räume. Die Bewegungs-, Vortrags- und Seminarräume sowie das Programmheft mit fünf Programmbereichen kommen uns sehr bekannt vor, hier finden wir tatsächlich eine Einrichtung, die den Volkshochschulen in Deutschland sehr ähnelt.

Erschlagen von den Eindrücken und Informationen sind wir auf dem Heimweg erst einmal still. Wir sind uns aber sicher, dass wir viel im Gepäck haben, worauf wir noch zurückkommen wollen. Vor allem die Selbstverständlichkeit des Lernens in jedem Lebensalter. Lernen gehört zum Alltag, zum Leben. Das sind die besten Voraussetzungen, um Grundbildung nachzuholen, denn Lernbedarfe können immer neu entstehen und jeden betreffen, damit entfallen Stigmatisierung und Erklärungsnöte.

Hospitation vhs Husum, Team Integration, in Malmö

von Susanne Schönharting, Eszter Lovas, Imke Steffen
Malmö/Schweden, 23.-26.4.2024

Dienstag, 23.4.2024
8:45 Uhr: Unsere Reisetruppe trifft sich, aus unterschiedlichen Himmelsrichtungen kommend, morgens in Flensburg und hier steigen wir bei schönem Sonnenschein und kalter, klarer Luft in den vhs-Bus.
Zehn Minuten später fahren wir schon über die erste Grenze der Reise nach Dänemark. Während der Fahrt Richtung Öresundbrücke, wo wir Dänemark wieder verlassen und am Ende Schweden betreten werden, gibt es einen von Imke Steffen vorbereiteten Einblick zum Thema „Aufenthaltstitel in Deutschland und wozu sie berechtigen“, um uns vor Augen zu führen, welche Möglichkeiten und Schwierigkeiten unsere DaF-Kurs-Teilnehmenden hätten, wenn wir sie mit auf die Reise nach Malmö hätten mitnehmen wollen.

In Schweden angekommen, lassen wir Malmö zunächst links liegen und besuchen Lund, wo wir uns die Stadt, den ältesten Dom Skandinaviens und die Universität angucken möchten. In der Uni haben wir auch einen Termin mit Helena Berglund (Assistent Head of Teacher Education), die uns schon an der Straße abfängt, damit wir uns nicht verlaufen und uns dann bei der ersten „fika“ (schwed. Kaffeeimbiss) eine Präsentation zum Thema Bildungssystem in Schweden hält mit dem Schwerpunkt auf der Lehrerausbildung an der Universität in Lund.

Hier bekommen wir das erste Mal einen Eindruck davon, welchen Stellenwert die Erwachsenenbildung innerhalb des schwedischen Schulsystems und in der Gesellschaft zu spielen scheint.
Spontan erzählt uns ihre Kollegin Sinikka Neuhaus, die gerade vorbeikommt, von dem besonderen Projekt „The Art of Belonging“, in dem Migrant*innen sich durch Malerei ausdrücken konnten und das am Ende mit einer Ausstellung in der Stadthalle abgeschlossen wurde. Frau Berglund führt uns anschließend über den beeindruckenden und weitläufigen Universitäts-Campus.

Dann geht es aber nach Malmö. Wir checken im Hotel ein, das sehr zentral liegt und in dem sich früher die berühmte Schokoladenfabrik Mazetti befand, bekommen jede ein komfortables Zimmer und treffen uns noch einmal zu einem gemeinsamen Abendessen in einem schwedischen Pub um die Ecke, dem Taproom Malmö, wo es 40 verschiedene Biersorten, davon die meisten selbstgebraut, gibt.

Limerick des Tages
In Lund
Es war eine Gruppe in Lund
Die machte im Dom einen Fund
Die Krypta war ziemlich warm
Im Aufzug der Uni: Alarm!
Die Kehlen vom Kaffee ganz wund

Mittwoch, 24.4.2024
Nach unserer ersten Nacht in den wunderbar bequemen Betten des The More Hotels im Zentrum Malmös, nicht weit vom Bahnhof Triangeln, genießen wir das reichhaltige und schwedisch inspirierte Frühstück im architektonisch interessanten runden Restaurant des Hotels. Es gibt, neben reichlich Müsli, Obst und Rohkost, diverse Brotsorten, Käse, Färskost, Wurst, Eier, diverse Fischsalate und natürlich Knäckebrot und kleine süße Hörnchen…und Kaffee ohne Ende…

Um 8:45 Uhr holt Henning Süssner Rubin, der Schulleiter der Kvarnby Folkhögskola, uns im Hotel ab und wir fahren gemeinsam mit unserem vhs-Bus ca. 20 Minuten durch die Stadt zur Schule. Die Schule im Kvarnbyvågen 68 liegt eher ländlich und ist umgeben von Weiden und Pferdekoppeln. Das gesamte Gebäude macht einen sehr gemütlichen und freundlichen Eindruck, ebenso die Lehrkräfte, die wir später kennenlernen dürfen.
Selbstverständlich beginnt unser Tag mit einer schönen Tasse Kaffee oder Tee, in Schweden ein Muss, auch Kekse aller Art stehen jederzeit zur Verfügung.


Henning erläutert uns ausführlich das schwedische Schulsystem: Es gibt eine Schulpflicht bis zur 9. Klasse, generell ist es aber üblich Abitur zu machen, da auch in Ausbildungsberufen der Abschluss erforderlich ist und man ohne Abitur keine Chance hat.
Volkshochschulen werden vom Staat finanziert. Wir sind sehr positiv überrascht von der vom Staat geförderten Möglichkeit des „Lebenslangen Lernens“. Sowohl berufliche Fortbildung als auch persönliche Weiterbildung, z. B. zur Persönlichkeitsentwicklung, Sprachen lernen, Malen, Töpfern PC Kurse, werden staatlich gefördert und sind in Schweden sehr akzeptiert. Jeder Einwohner hat bestimmte „Credit Points“ zur Verfügung, die er im Laufe seines Lebens verbrauchen kann, dabei handelt es sich zu 90% um einen Kredit, den aber jeder Schwede, genau wie die Steuerzahlung selbstverständlich leistet. Es erhebt sich die Frage, ob die Schweden dadurch generell besser ausgebildet sind als andere. Auch ein Zugewanderter hat nach 2 Jahren Aufenthalt Anrecht auf die Credit Points, was die Einwanderung natürlich attraktiv macht.

Inspirierender Besuch eines Akademikerkurses (Svenska für Akademiker)
Henning erwähnt insbesondere die Intensiv-Schwedischkurse für Akademiker*innen (die für uns als Dozentinnen vornehmlich in Berufssprachkursen B1/B2 besonders interessant sind). Bei solch einem Unterricht dürfen wir drei vom Team Integration später hospitieren; ein beeindruckendes Erlebnis.
Oscar, der Schwedisch-Dozent, ist unglaublich freundlich und zugewandt und begrüßt uns drei gerne in seinem Unterricht, ebenso freuen sich die Teilnehmer*innen über den Besuch aus Deutschland. Wir sind mit Dänisch, Norwegisch und Schwedisch ganz gut  gewappnet und verstehen fast alles. Nach einer kurzen Vorstellungsrunde wird schnell klar, dass sich hier, genau wie in unseren Kursen an der vhs Husum, verschiedenste Nationen zusammenfinden. Die Teilnehmer*innen haben bereits alle akademische Abschlüsse, zum Teil anerkannt, und sind sehr motiviert und zuversichtlich, in Schweden entsprechende Beschäftigungen zu finden. Die Unterrichtsatmosphäre ist sehr locker, heiter und entspannt, ohne Stress oder Druck.
Heute sind transitive und intransitive Verben Unterrichtsthema, genau wie im Deutschen gibt es im Schwedischen die Verben liegen, stellen, sitzen (stâ, ligga, sitta) intransitiv und transitiv (ställa, lägga, sätta), z. B. „Jag ställer bilen i garaget – bilen står i garaget.“ (Ich stelle das Auto in die Garage – Das Auto steht in der Garage)

Die TN füllen vorbereitete Arbeitsblätter aus, arbeiten selbstständig und diskutieren ihre Ergebnisse zu zweit oder in kleinen Gruppen. Oscar steht für Fragen zur Verfügung und geht auf jeden einzelnen ein. Offenbar sind die TN höchstmotiviert, die Grammatik richtig anzuwenden, ein gutes Beispiel für selbstverantwortliches Lernen, das uns auch in anderen Kursen noch begegnen wird. In der Pause bietet einer der Teilnehmer, Mustafa aus Syrien, eine Art Puddingkuchen mit Rosenwasser für alle an, da er heute exakt zwei Jahre in Schweden ist, sein zweiter Geburtstag, wie er betont. Wir verspeisen ihn ganz unkompliziert mit Löffeln direkt aus der Form…

Danach leitet Oscar zur aktuellen Kurslektüre von Selma Lagerlöff über, Kejsarn av Portugallien, indem er Idiome der bearbeiteten Verben erklärt und in Bezug zur Lektüre setzt, von der die TN sehr angetan sind. Leider ist der Unterricht hier beendet und das Thema wird nur angerissen. Erstaunlicherweise gibt es außer der Lektüre kein Lehrwerk. Oscar hat offenbar viel improvisiert und war sehr offen für die Anliegen der TN, hat seinen roten Faden dennoch nicht verloren.

Nach einem köstlichen vegetarischen Mittagessen in der Kantine der Schule, die als inklusives Projekt betrieben wird, haben wir nochmal kurz die Gelegenheit zum Austausch mit den schwedischen Kolleg*innen, natürlich dürfen Kaffee und Kekse nicht fehlen…
Wir erfahren, dass es in der Schule einen Kurs für Akademiker und drei für Nichtakademiker gibt. Die SFI (Svenska för Invandrare) A2 – B1 Kurse bewegen sich ungefähr auf dem Niveau der 6. Klasse im Gymnasium; der Akademikerkurs, den wir gerade besucht haben, ähnelt den Berufssprachkursen mit dem Zielniveau B2 bei uns.
Neuankömmlinge werden von der Kommune eingestuft und unterschreiben eine Eingliederungsvereinbarung. Auf die Frage nach dem Einsatz digitaler Medien im Unterricht wird uns mitgeteilt, dass die Digitalisierung eher rückläufig sei.
Prüfungen nehmen die Dozenten selbst ab, da sie den Wissensstand der TN kennen und die Leistung so besser einschätzen können.
Eine Besonderheit der Kvarnby Folkhögskola ist, dass auf dem Gelände Bienenzucht betrieben wird, ein Glas Honig dürfen wir mitnehmen.

Am Nachmittag gibt uns Henning, der selbst Historiker ist, eine 1a-Stadtführung durch Malmö. Die Stadt zeigt sich bei strahlendblauem Himmel und Sonne von ihrer besten Seite. Wir erfahren, dass es in Malmö eine Neustadt und eine Altstadt gibt, die durch Brücken miteinander verbunden sind. Auf der Davidshallbrücke sind Schuhe berühmter schwedischer Künstler aus Bronze nachgebildet, sie führt uns in den alten Teil der Stadt. Wir besuchen den Stortorget, den größten Platz in Malmö, mit dem beeindruckenden historischen Rathaus im Renaissancestil, dem Reiterstandbild des Königs Karl X. Gustavs und der ältesten Apotheke Malmös, die immer noch betrieben wird.

Ganz in der Nähe befindet sich Lilla Torg, ein romantischer kleiner Marktplatz, mit vielen kleinen Cafés und Geschäften drumherum, wo historische Umgebung und moderner Lebensstil aufeinandertreffen. Auf dem König Gustav IV. Adolfs Torg, dem zweitgrößten Platz in Malmö, bewundern wir den Springbrunnen Öresund mit zwei lebensgroßen Bronzefiguren des Künstlers Gerhard Henning von 1934. Danach schlendern wir zum Schlosspark, das aus roten Backsteinen erbaute Malmöhus Slott erinnert eher an eine Festung, denn an ein Schloss… In der Nähe der Schlossmühle, einer bis 1945 betriebenen Windmühle, treffen wir zufällig die Tochter einer Kollegin, die in Malmö lebt und begeben uns zur gemeinsamen „Fika“ (Kaffeezeit) ins Schlosscafé, das inmitten herrlich angelegter und blühender Blumenbeete liegt.

Am Abend steht der Besuch des Folkets Park an, der diverse Spielmöglichkeiten für Kinder, aber auch Unterhaltung für Erwachsene bietet (Theater, Konzerte, Kunstaustellungen, Restaurants). Wir möchten in einem dieser originellen Biergärten „Far i Hatten“ Pizza essen, leider ist es einigen von uns abends doch ein bisschen frisch…

Limericks des Tages
Oscar
Es war ein Mann aus Schweden
Der konnt‘ gut Schwedisch reden
Englisch, Dänisch, Deutsch konnt‘ er auch
Da war er sicher im Gebrauch
Mit dem Talent begeistert‘ er jeden.

Henning
In Schweden gibt es einen Mann,
der ist beinah zwei Meter lang
man kann ihn alles fragen
er hat so viel zu sagen
er zog uns sehr in seinen Bann.

Donnerstag, 25.4.2024
8:30 Uhr: Wir treffen Henning im Foyer des Hotels und fahren zusammen zum ABA-Haus der Kvarnby Folkhögskola (Schelegatan 7, 212 28 Malmö), in dem die SFI stattfinden. Bis zur ersten Pause erläutert Henning die für uns besonders interessanten Bestandteile der Erwachsenenbildung und ihre politische sowie finanzielle Einbettung in das schwedische Bildungssystem. Wir erfahren, was ,Komvux‘, ,ABF‘ und ,FHS‘ verbindet und unterscheidet. (Am Freitag steht ein Besuch bei Komvux in Malmö an.) In Schweden gibt es eine kreditbasierte Studienförderung, die für alle möglich ist, um eine weiterführende berufliche Bildung zu erhalten – unabhängig vom Einkommen (auch vom Einkommen der Eltern).

Um 10:00 Uhr beginnt die erste Pause in den Schwedischkursen, wir lernen drei Lehrer*innen kennen und teilen uns in drei Zweiergruppen ein, um drei Kurse (circa Niveau A1.1, A2 und B1) zu besuchen. Im Unterricht kommen wir mit unseren Deutsch-, Schwedisch,- Dänisch- und Norwegischkenntnissen erstaunlich gut klar. Wir werden herzlich empfangen und tlw. ins Unterrichtsgeschehen eingebunden. Anschließend setzen wir uns wieder im Aufenthaltsraum zusammen und besprechen kurz unsere Beobachtungen. Wir stellen Henning  Fragen insbesondere zu Lehrerfortbildung und kollegialen Unterrichtsbesuchen.

Nach der Mittagspause (die Lehrer haben eine interne Besprechung mit einem gründlich vorbereiteten Impulsvortrag mit anschließender Diskussion, welche Relevanz das vorgetragene Thema für ihren eigenen Unterricht hat) beantworten uns Henning und zwei Lehrer unsere Fragen gerne und ausführlich. Hauptsächlich kreisen die Fragen um Konfliktmanagement im Unterricht, Prüfungsorganisation, Voraussetzungen einer Beschäftigung als Lehrer in Schwedischkursen, Vertragskonditionen (Zahl der Wochenunterrichtsstunden, Gehalt im Vergleich zu dem von Lehrern an staatlichen Schulen, Urlaubsregelung). Danach freies Programm (Stadtbummel, Kaltbadehaus, Hafen).

Limerick des Tages
Kneippen im Kaltbadehaus
In Schweden gab es mal einen Klaus,
der ging so gerne ins Kaltbadehaus.
Die Sauna dort gefiel ihm sehr,
danach sprang er mit Schwung ins Meer,
Kam neugebor´n heraus

Freitag, 26.4.2024
An unserem letzten Tag haben wir die Möglichkeit, eine KomVux Schule zu besuchen und dort einen Rundgang zu machen. Schon an unserem Anreisetag war der Begriff KomVux gefallen, weil die Bildung in solch einer Schule in jeder Kommune existieren muss und fest zum Schulsystem in Schweden dazugehört. Jetzt haben wir die Möglichkeit, eine KomVux Schule von innen zu besichtigen und Werkstätten, Lernwerkstätten und die Bibliothek anzusehen.

Mittags haben wir einen Termin in der ABF und hier finden wir eine
Bildungseinrichtung, die wahrscheinlich am ehesten mit unserer deutschen vhs zu vergleichen ist. Es gibt Sprachkurse für Migrant*innen genauso wie freie Kurse mit kultureller, politischer oder sportlicher Thematik, Angebote für Senior*innen aber auch für Kinder. Demokratieförderung und das Angebot, ein Treffpunkt für Menschen aller Art zu sein, steht hier im Vordergrund. Anders als in der Folkhögskola und im KomVux geht es bei ABF nicht um schulische Abschlüsse.
Die ABF hat einen klaren politischen Hintergrund und kommt aus der Arbeiterbewegung. Eindrucksvoll ist das zu erkennen an den riesigen Wandgemälden, die im Flur und im großen Versammlungsraum noch im Original aus den 1920er Jahren zu sehen sind.

Limerick des Tages
Ausklang
Es war eine Gruppe in Schweden,
die hatte genug vom Reden
Nach Hause ging es recht leise,
denn eindrucksvoll war die Reise
an Tagen mochten wir jeden


Fazit
Der Unterricht für Migranten in Schweden unterscheidet sich nicht sehr von dem an unserer Schule. Das von uns erwartete digitale Feuerwerk blieb aus, im Gegenteil, in der Kvarnby Folkhögskola war nicht einmal die Tafel digital oder das Lehrwerk. Bei der ABF gab es offene Ablagefächer für allerlei Unterlagen. Beneidenswert war die Möglichkeit, die Progression im Unterricht den anwesenden TN anzupassen, es wurde nicht durch den Stoff gehetzt und es war Zeit, eine Lektüre in den Unterricht einfließen zu lassen.

Auch die Tatsache, dass Prüfungen die Dozenten selbst abnehmen, da sie den Wissensstand der TN kennen und die Leistung so besser einschätzen können, hat uns erstaunt. Folgerichtig taucht die Frage auf, ob das Lernen für Schwedischlerner*innen messbar erfolgreicher und nachhaltiger ist und wenn das so ist, ob die „Erlernbarkeit“ von Schwedisch und Deutsch im Erwachsenenalter überhaupt vergleichbar ist. Die Dozenten gehören im Bereich SFI fest zum
Personal, sind keine freiberuflichen Dozenten wie bei uns hauptsächlich, sondern haben einen festen Arbeitsplatz an der Schule und haben regelmäßigen und organisierten Austausch untereinander. Sie wirken entspannt und motiviert (was sich auch auf die Teilnehmenden und das soziale Miteinander im Kollegium überträgt), engagieren sich bei der monatlichen hausinternen Fortbildungsreihe, bei der ein*e Pädagog*in ein Thema (z.B. zur Didaktik, Methodik, Geschichte der Pädagogik, Konfliktmanagement) präsentiert. Im Anschluss diskutieren alle über eine mögliche Adaptation/Implementierung des Präsentierten für den eigenen Unterricht. Gegenseitige Hospitationen werden vom Schulleiter zwar angeboten und nahegelegt, in der Praxis finden sie aber so gut wie nicht statt. Wir führten es auf den freien unterrichtsgestalterischen Raum zurück. Ein Curriculum wie für die IK / BSK in Deutschland gibt es in der Form  nicht, Grobziele werden natürlich definiert, aber ohne eine bei uns übliche starke Anlehnung an den GER. Die Haltung der Einrichtungen den TN und Dozenten gegenüber ist sehr fürsorglich, dazu gehört vor allem die Versorgung mit Kaffee, Keksen und Essen, sowie die Frage nach dem persönlichen Wohlbefinden. (Faszinierend: die Anzahl an Mikrowellengeräten zum Aufwärmen von mitgebrachten Speisen für die Kursleiter*innen.)

Die offene und freundliche Gestaltung der Räume ist lernfördernd. Ebenso stehen gemütliche Aufenthaltsräume, teilweise ausgestattet mit Kopierern, Druckern etc. allen zur Verfügung. Bei KomVux haben uns die Lern- und Gesprächsinseln mit Schallschutzmöbeln sehr beeindruckt: Das Team Grundbildung möchte das Lernsetting für das Projekt LernTreff ähnlich gestalten.
In Schweden gibt es eine andere Akzeptanz und Sensibilisierung für das Thema Lebenslanges Lernen, persönliche Fortbildung, Weiterbildung. Dafür Kredite aufzunehmen ist allgemein akzeptiert und wird wie eine zusätzliche Steuerzahlung angesehen.
Institute der schwedischen Erwachsenenbildung und Politik sind im Gegensatz zu den deutschen Volkshochschulen, die sich als politisch neutral verstehen, vielfach verzahnt.

Zum Hintergrund unserer Wahl auf die Folkhögskola in Malmö sei hier noch ein interessanter Zeitungsartikel erwähnt, in dem die engere Verbindung unserer Schulen deutlich wird.
https://www.nd-aktuell.de/artikel/1158801.bildungspolitik-in-schweden-politisch-umkaempftesfeld.html

Farberklärung an Malmö
Malmö,
Du Schöne!
Von Meer umgeben,
Dein Licht so klar,
Himmelblau!

Vielen Dank für die Ermöglichung dieser interessanten Erasmus+ Mobilität und die freundliche Aufnahme in Schweden!
Tack så mycket!

 

Hospitation in Malmö, Schweden

von A. W.

Lerntagebuch Malmö 2024

23. April, Tag 1

Dieses Mal ist der vhs-Kugelschreiber auf Erasmus-Rudelreise unterwegs. Mit dem vhs-Bus geht es nach Malmö. Da wir u.a. in Sachen Integration unterwegs sind, beschäftigen wir uns auf der Fahrt mit der Frage, ob wir mit unseren Teilnehmenden aus Integrations- und EOK-/ STAFF-Kursen diese Reise machen könnten. Die Antwort ist eindeutig: Es kommt darauf an. Wir erfahren, dass es insgesamt sieben Aufenthaltstitel gibt, einen „grauen“ und einen „blauen Pass“ und das Aufenthaltsrecht nicht leicht zu durchdringen ist.

Das reisende Kugelschreiber-Rudel
Auf der großen Beltbrücke

Der erste Stopp führt jedoch an Malmö vorbei in die Dom- und Universitätsstadt Lund, wo wir uns zunächst den Dom anschauen. Insbesondere die Krypta ist groß, warm und beeindruckend. Sie wird als Ausstellungsfläche genutzt.

Dom zu Lund

Weiter geht es zur Universität Lund, wo uns Helena Berglund vom Institut für Lehrerbildung erwartet. Sie erklärt uns das schwedische Bildungssystem, was mit seinen vielen Optionen wie in den meisten Ländern nicht leicht zu verstehen ist, wenn man es nicht selbst durchlaufen hat. Das Thema soll uns noch die nächsten Tage begleiten. Interessant ist die kommunale Einrichtung für nachholende Bildung „komvux“ (kommunal vuxenutbildning) als Teil des Bildungssystems. Erwachsene können hier auf unterschiedlichen Niveaustufen des Schulsystems Fächer nachholen und sich damit Zugänge zu weiterführender Bildung verschaffen.

Ein Gang über den Campus rundet unseren Besuch ab.

Witziges Detail: Die Wand, an der Doktoranden ihre fertige, als Buch veröffentlichte Doktorarbeit annageln, bevor sie sie verteidigen

 

24. April, Tag 2

Wir besuchen die Kvarnby Folkhögskolan, das eigentliche Ziel unserer Reise. Unsere Einrichtungen sind seit mittlerweile 6 Jahren miteinander bekannt, was sich durch unregelmäßige Besuche auszeichnet, und der Empfang durch Rektor Henning Süssner Rubin und seine Kolleg*innen ist herzlich.

Hier finden vor den Toren der Stadt Kurse statt, in denen Erwachsene den schwedischen Schulabschluss erlangen können (wie es auch bei „komvux“ möglich ist) aber auch Schwedischkurse für Migrant*innen, so z. B. ein Kurs für Akademiker*innen mit entsprechender Progression.

Die Folkhögskolan ist nur bedingt mit einer deutschen Volkshochschule vergleichbar. Es fehlt z. B. das offene Kursangebot. Auch scheint die Finanzierung der Einrichtung durch öffentliche Gelder auskömmlich zu sein. Die Erwachsenenbildung wird in Schweden offenbar als gleichberechtigte 4. Säule des Bildungssystems anerkannt. Hinzu kommt, dass von der Finanzierung auch die Teilnehmenden profitieren. Nicht nur sind die Kurse kostenfrei, es gibt auch einen Anspruch auf eine Art BAföG über die Lebenszeit von insgesamt 6 Jahren, sodass man sich tatsächlich in Vollzeit weiterbilden kann. Alternativ gibt es Teilzeit-Bildungsangebote.

Die Kvarnby Folkhögskolan ist als Kooperative/Genossenschaft organisiert. Es gibt ca. 150 Anteilseigner, neben Privatpersonen vorrangig Gruppierungen aus dem politisch linken Spektrum. Noch ein Unterschied zu Deutschland und seinen Volkshochschulen, die sich die politische Neutralität auf die Fahnen schreiben: Erwachsenenbildungseinrichtungen haben (abgesehen vom kommunalen „komvux“) eine politische oder religiöse Zugehörigkeit.

Den Anteilseignern steht die Schule als Veranstaltungsstätte zur Verfügung, ein Vorstand bestimmt über die Gesamtausrichtung.

Am Nachmittag bekommen wir von Henning eine Führung durch das ehemals dänische Malmö, das 1658 schwedisch wurde. Spätestens seit der Landverbindung mit Dänemark durch die Öresundbrücke wächst die Stadt. Sie hat mittlerweile knapp 350.000 Einwohner*innen.

Viele alte Gebäude wurden im Laufe der Jahre abgerissen, dennoch ist ein charmantes Stadtbild erhalten geblieben:

Die Liebesstraße –Kärleksgatan
Das Rathaus
Altes Fachwerkhaus am Marktplatz

Mülltrennung wird auch im öffentlichen Raum praktiziert – am Park gibt es einen eigenen Container für Einweggrills.

2 Wochen nach unserer Reise findet in Malmö der diesjährige ESC statt. Wegen der Teilnahme Israels wird mit größeren Protesten und Ausschreitungen gerechnet. Während wir vor Ort sind, wird die Terrorwarnstufe auf 4 von 5 hochgesetzt – auf uns macht die Stadt jedoch einen friedlichen Eindruck.

 25. April, Tag 3

Wir besuchen eine Außenstelle der Kvarnby Folkhögskolan in Malmö, wo Schwedischkurse (das schwedische Integrationskurs-Pendant sfi – svenska för indvandrare) stattfinden. Dort dürfen wir im Unterricht hospitieren. In einem A1/A2-Kurs (wobei Schweden sich nicht für den Europäischen Referenzrahmen interessiert) ist heute die Kommune und ihre Aufgaben das Thema.

Drei Dinge fallen besonders auf:

  • Die Teilnehmenden sind sich einig, dass Steuern zahlen eine gute Sache ist – schon auf diesem Niveau wird deutlich gemacht, was der Staat/die Kommune damit alles ermöglicht und bereitstellt.
  • Ein melodisches Klingeln am Ende der Stunde – so leise, dass man es fast schon überhört – sorgt für einen ruhigen Übergang in die Pause. Warum braucht es so ein schrilles Klingeln, das alle aufschreckt und für Unruhe sorgt?
  • Neben der fika spielt auch ein gemeinsames warmes Mittagessen eine große Rolle. Überall, wo wir hinkommen, finden wir in allen Teeküchen immer mindestens 3 Mikrowellen vor.

26. April, Tag 4

„Komvux“ ist uns in den vergangenen Tagen immer wieder im Zusammenhang mit Erwachsenenbildung begegnet und wir bekommen die Gelegenheit, Komvux Malmö einen Besuch abzustatten und uns dort mit der stellvertretenden Schulleiterin und einige Lehrkräften und Sozialpädagogen auszutauschen.

Komvux Malmö ist in kommunaler Trägerschaft. Als Pflichtaufgabe der Kommunen wird es zum Teil auf an private Träger vergeben – im sozialdemokratisch geprägten Malmö ist Komvux in der Hand der Kommune.

Hier finden Kurse zum Nachholen oder Verbessern des Schulabschlusses statt. Außerdem gibt es die schulische Ausbildung in den Bereichen Gastronomie und Bäckerei (die duale Ausbildung gibt es in Schweden nicht) und natürlich auch sfi – Schwedisch für Einwanderer. Inklusion spielt eine große Rolle in Schweden. Lernschwächeren und Lernbehinderten wird man mit der „anpassat utbildning“ gerecht und bringt sie über diese „angepasste Ausbildung“ zum Abschluss. Die Kommune investiert in Stellen für Pädagogen, die Lehrkräften zur Seite stehen. Eine Herausforderung bleibt es trotzdem. Beeindruckend sind auch die offenen Lernwerkstätten, wo es „drop-in Zeiten“ gibt, an denen Lehrkräfte den Lernenden zur Beratung zur Verfügung stehen.

Letzter Programmpunkt unserer Reise ist ABF, der Arbetarnas Bildningsförbund. Er ist einer von insgesamt neun nationalen Studienverbünden.

Das Haus wurde 1938 eröffnet. Überall finden sich große Wandbilder, die verschiedene Arbeiterszenen darstellen.

Die Studienverbünde kommen von ihrer Organisation und ihrem Angebot den deutschen Volkshochschulen am nächsten, haben jedoch alle eine bestimmte politische oder religiöse Herkunft. Wie der Name schon sagt, ist der ABF der Bildungsverein der Arbeiterbewegung. Auch hier sind wieder Vereine und Verbünde Mitglieder, können das Haus nutzen und Angebote durchführen. Gleichzeitig gibt es auch ein offenes Kursprogramm sowie die schwedischen „studiecirklar“ – Studienzirkel, ein partizipatives Bildungsformat, was oftmals von Einzelpersonen initiiert wird und hier stattfindet.

Mit diesem letzten Programmpunkt endet unsere Reise und wir machen uns über die Brücken wieder auf den Weg nach Hause. Ein inspirierender Blick über den eigenen Tellerrand!

Moin Malmö! Lernende aus Grundbildungskursen reisen nach Schweden

Moin Malmö!

Eine Erasmus+ Lernmobilität nach Schweden von der Regionalstelle Alphabetisierung der vhs Husum und vom Grundbildungszentrum der Förde-vhs Kiel Anfang des Jahres 2023 klingelte bei Martina Vanicek im Grundbildungszentrum in Kiel das Telefon: Ascan Dieffenbach von der Regionalstelle für Alphabetisierung in Husum erzählt von seinem Plan, mit Kursteilnehmenden aus dem Bereich Grundbildung über das Programm Erasmus+ nach Malmö zu fahren, um dort die Kvarnby Folkhögskola zu besuchen, zu der bereits eine Kooperation bestehe. „Und in unserem vhs-Bulli haben wir noch Platz …!“. Das ließen sich die Kieler*innen nicht zweimal sagen – und so war eine Reisegruppe von acht Teilnehmenden gegründet: Je zwei Kursteilnehmende und je zwei Kurs-/Projektleitungen aus Husum und Kiel. Ein Planungstreffen fand Anfang März statt, zu dem Ascan nach Malmö reiste, um mit Henning Süssner Rubin, dem Rektor der Kvarnby Folkhögskola, und der online dazu geschalteten Martina ein Programm für die Lernmobilität zu erarbeiten. Das Programm sollte verschiedene Lernmöglichkeiten bieten, eine Auseinandersetzung mit kulturellen Aspekten sowie einen Einblick in das schwedische Sozialsystem und das System der Erwachsenenbildung ermöglichen. Mit tatkräftiger Unterstützung der Kolleginnen Jana Behrens und Julia Francke vom Landesverband der Volkshochschulen Schleswig-Holstein wurden individuelle Lernvereinbarungen ausgearbeitet und alle Formalitäten geklärt – und dann hieß es nur noch Koffer packen!

Dienstag, 2. Mai 2023

  Um 8:03 Uhr setzt sich der Zug von Kiel nach Schleswig in Bewegung. Die Kieler Gruppe: Doris, Floriona, Patrick und Martina (v.l.n.r.) ist gutgelaunt an Bord.     Und es gibt bereits eine erste Lektion in digitaler Kompetenz: Floriona erklärt ihrer Lehrerin Doris, wie Instagram funktioniert.   Um kurz vor 9 Uhr kommen wir in Schleswig an, wo uns die Husumer Gruppe schon am Bahnhof erwartet. Eine kurze Begrüßung zwischen den Husumern und den Kieler*innen, dann schnell im Bahnhofskiosk mit Proviant eingedeckt und los geht es im blauen Bulli der vhs Husum Richtung Norden.

Unsere Reisegruppe ist komplett:

Patrick, Patrick, Doris, Floriona, Jochen, Florian, Ascan und Martina (v.l.n.r.) – das Abenteuer kann beginnen!

Gleich hinter der Grenze zu Dänemark starten wir ein kleines Schweden-Quiz, das alle drei Gruppen, eingeteilt nach den Sitzbänken, mit Bravour meistern: Schweden ist zwar der Fläche nach größer als Deutschland, aber es leben dort 10-mal weniger Menschen pro Quadratkilometer. Der schwedische König heißt nicht Horst Helmut sondern Carl Gustaf und seine Königin Silvia ist in Deutschland geboren, genau gesagt in Heidelberg. Volvo ist eine schwedische Automarke und „Köttbullar“ sind keine Gummibärchen, sondern die typisch schwedischen Hackfleischbällchen…

Bei einer Pause an einer Raststätte in Dänemark schauen wir uns die Reiseroute an. Zwei lange Brücken liegen noch vor uns.

Danach sprechen wir darüber, was wir von Schweden bereits wissen und was wir mit Schweden verbinden.

Und wir sammeln Fragen, die wir unseren Gastgeber*innen der Kvarnby Folkhögskola stellen wollen. Die Stimmung ist super!

  Um 13.15 Uhr sind wir dann bereits im Hotel im Malmö angekommen und beziehen unsere schönen Hotelzimmer. Um 14 Uhr treffen wir uns bereits wieder in der Hotellobby und starten einen Stadtrundgang mit dem Schulleiter Henning Süssner Rubin als Stadtführer. Praktischerweise ist Henning in Deutschland geboren, so dass es mit der Verständigung ganz einfach ist. Henning nimmt sich den ganzen Nachmittag für uns Zeit, um uns die schönsten Stellen der Malmöer Altstadt zu zeigen. Malmö ist viel größer als Husum und sogar größer als Kiel. Es ist die drittgrößte Stadt Schwedens und war früher sogar für 8 Monate Hauptstadt! Die Sonne strahlt vom blauen Himmel als wir die Altstadt erkunden. Wir sehen, wo früher die Stadtmauer stand und bewundern das schöne alte Rathaus (Bild oben), besuchen die wunderschöne St. Petri Kirche (unten) und essen Hamburger von einem echten schwedischen Burgerladen auf den Stufen eines Denkmals von einem der vielen schwedischen Könige, die alle Carl hießen. Nach 3 Stunden Stadtrundgang bringt uns Henning zum Hotel zurück und nach einer kleinen Pause starten wir ins Abendprogramm und suchen uns ein Restaurant. Manche essen eine „Planka“, ein typisch schwedisches Gericht mit Kartoffelbrei. Gestärkt vom Essen besprechen wir, was wir alles erlebt haben. Der letzte Programmpunkt des Tages, ist das Tagebuchschreiben. Was hat uns heute am besten gefallen? Auf dem Rückweg plündern wir noch die Naschibar eines Supermarktes. Das gibt es so in Deutschland nicht! Dank der Rechen-App von Patrick wissen wir, dass wir jeden Preis ungefähr durch 10 teilen müssen, um Schwedische Kronen in Euro umzurechnen. Und die Naschibar taucht dann auch später unter anderem in der Whatsapp-Story einer der Kursteilnehmenden auf… Um 21:30 Uhr geht ein wundervoller erster Tag zu Ende. Godnatt, Malmö!

Mittwoch, 3. Mai 2023

Um 8 Uhr sind wir zum Frühstück verabredet und schauen erst einmal, was es alles an Leckereien am Frühstücksbuffet gibt, wo die Teller und das Besteck zu finden sind usw. Nach dem Frühstück holt uns Henning im Hotel ab und wir lernen, dass in Schweden die Zebrastreifen „ungefähr das gleiche bedeuten, wie in Deutschland: Du darfst keine Menschen überfahren!“, sagt Henning ;-). Auf dem Weg in den Malmöer Stadtteil Rosengård, erfahren wir, warum der schwedische „National- und Fußballheld“ Zlatan Ibrahimović, der in Rosengård aufgewachsen ist, in seiner Heimatstadt Malmö nicht besonders beliebt ist: Er hat sich nicht nett über seinen Heimatfußballverein geäußert. Das kommt in Malmö nicht besonders gut an. Es wurde sogar eine Statue von Zlatan einige Male verunstaltet – mit einer Plastiktüte über dem Kopf und einer Klobrille über dem Arm, so dass sie abgebaut werden musste. Aber es gibt auf einem der Häuser noch ein Bildnis von ihm, wie man auf dem Foto im Hintergrund sehen kann. Der Stadtteil Rosengård sieht aus wie der Kieler Stadtteil Mettenhof. Hier wohnen sehr viele Menschen, die aus einem anderen Land nach Schweden gekommen sind, z.B, auf der Flucht vor Krieg. Nach diesem kleinen Abstecher geht es endlich in die Kvarnby Folkhögskola. „Kvarnby“ bedeutet „Mühlendorf“. Wir bekommen eine Führung und erfahren bei einem Kaffee alles, was es über die Folkhögskola zu wissen gibt und wie sie organisiert ist.   Anders als in Deutschland gehört die Folkhögskola nicht zur Stadtverwaltung wie in Kiel und ist auch kein eingetragener Verein wie in Husum, sondern sie ist als eine Kooperative zwischen 180 Eignern organisiert. Davon sind 40 Vereine und Institutionen. Alle Kurse sind kostenlos und werden vom schwedischen Staat finanziert! In Malmö gibt es sieben verschiedene Volkshochschulen! Das liegt daran, dass jede Schule ihr eigenes Profil hat, also eine Auswahl an Bildungsbereichen und Themen, die man dort lernen kann. In Kvarnby gibt es die Bildungsbereiche: Schwedisch, Schulabschluss, die ästhetische Linie für Comiczeichner*innen und Autor*innen und eine politische Linie. Die Schule hat drei Standorte. Wir sind jetzt in einem, der etwas außerhalb von Malmö liegt und einen wunderschönen Garten hat, in dem es sogar Bienenstöcke gibt. Im Schulgebäude gibt es viele schöne Ecken und Nischen zum Lesen und Lernen. Außerdem hat der Bildungsbereich für Schriftstellerei ein eigenes kleines Literaturhaus. Aus dem Kurs sind schon einige berühmte Schriftsteller*innen hervorgegangen, z.B. Jonas Hassen Khemiri, der schon viele Preise gewonnen hat, und dessen Werke auch ins Deutsche übersetzt wurden und sehr erfolgreich sind. In der Schule gibt es ein Café, das Café „Plugghästen“, in dem Menschen mit Behinderungen ihren Arbeitsplatz haben, ähnlich wie auf einem Außenarbeitsplatz einer Werkstatt für Menschen mit Behinderungen in Deutschland. Wie das genau organisiert ist, werden wir noch am Donnerstag erfahren. Wir bekommen auch gleich eine typisch schwedische Kostprobe aus dem Café: Frischgebackenes Knäckebrot – sehr lecker! Wir lernen das Café-Team kennen, das bereits unser Mittagsessen vorbereitet, und erfahren, welche Aufgaben zur Arbeit im Café gehören: das Kochen, die Arbeit an der Kasse und mit den Kunden sowie der Abwasch. Das Mittagessen, das wir später serviert bekommen, war sehr lecker und gesund, wie auch später auf Whatsapp zu lesen ist 🙂 Und dann nimmt sich Henning die Zeit, um alle unsere Fragen zu beantworten, die wir gestern auf der Hinfahrt gesammelt haben: Frage: Was darf der König? Antwort: Wie in Deutschland ist Schweden eine Demokratie, das heißt, eine vom Volk gewählte Regierung trifft die wichtigen Entscheidungen. Die Gesetze erlässt der Reichstag. Der König ist zwar laut Verfassung das Staatsoberhaupt, aber er nimmt eher feierliche Aufgaben wahr, etwas vergleichbar mit dem Bundespräsidenten in Deutschland. Außerdem ist er „immun“, das bedeutet z.B. wenn er zu schnell Auto fährt, verliert er nicht seinen Führerschein. Nach Carl Gustaf wird seine Tochter Viktoria die nächste Königin. Frage: Gibt es in Schweden auch Bundesländer? Antwort: In Schweden gibt es keine Bundesländer, sondern Schweden ist zentral regiert. Aber es gibt Regionen und Kommunen, die den deutschen Kreisen und Städten entsprechen. „Skåne“ ist der Regierungsbezirk, in dem Malmö liegt. Frage: Was ist „typisch schwedisch“? Antwort: In Schweden sind alle sehr höflich und legen darauf auch großen Wert. Zum Beispiel bedankt man sich ständig für alles Mögliche. Und man gibt in einer Gruppe von Menschen zur Begrüßung immer allen einzeln die Hand. Außerdem ist es typisch schwedisch, dass sich alle mit Du und mit Vornamen ansprechen. Frage: Wie Fußball-begeistert ist Schweden? Antwort: Sehr! Die Stadien sind oft voll – allerdings auch, weil sie so klein sind. 22 500 Menschen passen in das Stadion von Malmö, dessen Mannschaft in der 1. Liga spielt. Frage: Wie ist das mit dem Alkohol in Schweden? Antwort: Der Alkohol ist sehr teuer. Jedes Getränk mit über 3,5, Prozent Alkoholgehalt wird in besonderen Geschäften, die „Systembolaget“ heißen, verkauft und nicht im Supermarkt. Hier darf man Bier in einem Restaurant erst trinken, wenn man 18 Jahre alt ist, aber um Alkohol in einem Systembolaget kaufen zu dürfen, muss man 20 Jahre alt sein. Jugendliche dürfen also eigentlich keinen Alkohol trinken, aber es gibt Erwachsene, die Jugendlichen Alkohol kaufen, die sich dann betrinken. In Schweden trinkt man mehr Schnaps als Deutschland, wo man eher Bier trinkt. Die strengen Regeln gibt es, weil früher die Menschen im Alltag oft betrunken waren. Um 13:30 Uhr geht es los zu einem anderen Standort von Kvarnby, wo wir bereits von der Lehrerin Agnes zum Schwedisch-Unterricht erwartet werden. Da Agnes kein Deutsch spricht, geht es gleich los auf Schwedisch. Das klappt besser als gedacht. Wir bekommen von Agnes oft ein „mycket bra!“ zu hören – und was sich für uns immer anhört wie das deutsche Wort „Mücke“ bedeutet auf Schwedisch „Sehr gut!“, wie wir schnell verstehen. Wir lernen, dass das O im Schwedischen aussieht wie ein A mit einem Kringel: Å. Und das U wird wie ein Ü ausgesprochen. Es dauert eine Stunde und wir alle können uns mit Namen vorstellen, sagen, wo wir wohnen und welche Farbe unsere Kleidung hat. Außerdem heißt in Schweden das Bier „Öl“…. Es entstehen die ersten kleinen Unterhaltungen. Toll! Dann werden wir eingeladen zu einer typisch schwedischen „Fika“, einer schwedischen Kaffeepause mit den typischen Zimtschnecken.   Und plötzlich kommt Henning mit tollen Kvarnby-Fleecejacken um die Ecke, die wir geschenkt bekommen. Und wir sagen: Tack så mycket! Zurück mit dem Bulli Richtung Hotel, probieren wir aus, ob der Bulli ins Parkhaus passt: Er passt! Als nächster Punkt auf unserem Programm steht: Shopping! Gemeinsam mit Henning spazieren („promenerar“) wir ins Einkaufszentrum „Triangel“ und teilen uns auf, um shoppen zu gehen. Dabei machen wir die Erfahrung, dass in manchen Geschäften kein schwedisches Bargeld angenommen wird, weil alle nur mit Bank-Karte bezahlen! Mit unseren Einkaufstüten ziehen wir weiter in ein Restaurant, denn mittlerweile ist Abendbrotzeit. Wir kehren ein im „Ölkaffeet“ und wir wissen nun dank Agnes, dass das „Bier-Café“ bedeutet und die Stammkneipe des hiesigen Fußballvereins ist – mit Fernsehern, wohin man auch blickt. Für unsere fußballbegeisterte Gruppe genau das Richtige! Der Abend klingt aus wieder mit den typischen „Planka“ (lecker!), schwedischem Bier (nicht so lecker) und sehr schönen Gesprächen mit Henning, Agnes und der Tochter einer Kollegin aus Husum, die in Malmö lebt, sowie ihren Freunden, so dass wir eine lustige Truppe von 13 Personen waren. Wir haben heute so viel über Schweden erfahren, dass der Kopf schwirrt, als wir um 24 Uhr wieder im Hotel sind. Ein toller Tag! Tack så mycket, lieber Henning und liebe Agnes und das ganze Küchenteam von Kvarnby!

Donnerstag, 4. Mai 2023

Ein neuer sonniger Tag startet wieder mit einem leckeren Frühstück am Hotelbuffet. Weil der Tag gestern voller Termine war und wir es nicht geschafft haben, treffen wir uns heute um 9.00 Uhr in der Hotellobby, um Tagebuch für den gestrigen Tag zu schreiben. Was war gestern besonders toll?   Danach holt uns wieder Henning ab und wir spazieren zum Schlosspark. Dort ist es sehr schön mit Gänsefamilie, viel Wasser, grünen Wiesen, einer Windmühle und schönen Blumen.   Wir legen einen Zwischenstopp in der Stadtbücherei ein, die in Schweden für alle Menschen kostenlos ist. Anders als in Deutschland, wo man eine Jahresgebühr bezahlen muss, um Bücher und andere Medien ausleihen zu können – was Henning uns erst gar nicht glauben will! Es gibt sehr viele Bücher in „Lättläst“ (siehe Bild links), das schwedische Wort für Leichte bzw. Einfache Sprache.     Danach besuchen wir das Technische Museum. Das ist ein toller Ort, wo es viel zum Anschauen und zum selbst ausprobieren gibt. Wir bestaunen alte Fahrräder, Flugzeuge und Autos.       Eine Etage höher können wir sehr viele Experimente selber machen. Zum Beispiel gibt es eine Wärmebildkamera (links), auf der wir klar sehen können, wer von uns eine kalte Nase hat, die ist dann nämlich dunkel! Außerdem gibt es eine Umfrage, mit vielen Fragen zu einer nachhaltigen Zukunft. Henning übersetzt uns, so dass wir mitmachen können und wieder etwas Neues über die schwedische Kultur und den Umweltschutz lernen. Zum Beispiel, dass es vielen Schweden bei Ihrer Art zu wohnen am wichtigsten ist, in der Nähe ihrer Familie zu wohnen. Das ist ihnen wichtiger, als in einer großen oder modernen Wohnung zu wohnen. Wir überlegen, ob das vielleicht daran liegen könnte, dass Schweden ein so großes Land ist mit weiten Entfernungen. Wir sind alle total begeistert und danach sehr hungrig! Also zurück in den Schlosspark, wo es in einem Biergarten endlich das klassische schwedisch Essen gibt: Köttbullar! Wir nutzen die Gelegenheit, um Postkarten zu schreiben. Gestärkt machen wir uns danach zu Fuß auf den Weg zum Strand, wo es ein wunderschönes Meerwasserbad mit Sauna gibt, das über einen Steg erreichbar ist. Von dort aus sehen wir auch den „Turning Torso“, mit 190 Metern Höhe der höchste Wolkenkratzer Schwedens und ein modernes Wahrzeichen von Malmö. Da wir gerade mal 12 Grad haben, traut sich niemand von uns ins Wasser, aber wie gut, dass die Husumer extra ihren Fußball mitgebracht haben, so dass wir einen entspannten Nachmittag am Strand mit einem Freundschaftsspiel Husum-Kiel im Dünensand erleben. Ein sehr entspannter Nachmittag geht zu Ende und wir fahren mit den Öffentlichen Verkehrs-mitteln zurück in die Innenstadt. An der Bushaltestelle hören wir plötzlich eine Stimme, die ansagt, wann welcher Bus als nächstes fährt. Eine Schwedin zeigt uns einen Knopf an der Haltestelle auf dem „Info“ steht. Wenn man darauf drückt, werden die aktuellen Abfahrtzeiten genannt. Das finden wir toll! Zum Beispiel für Menschen, denen das Lesen schwer fällt oder die nicht gut sehen können. Nach einer kurzen Verschnaufpause im Hotel treffen wir uns wieder und gehen zum Abendessen in eine Pizzeria. Eine von uns traut sich an exotische Pizza mit Curry und Banane – und die ist wohl super lecker, wie auch später auf Whatsapp zu lesen ist… Es ist ein toller Abend, an dem wir viel quatschen und sogar Geheimnisse miteinander austauschen (welche, werden natürlich nicht verraten). Und man merkt: Husumer und Kieler*innen sind zu einer echten Gruppe zusammengewachsen. Alle würden gerne noch länger bleiben, doch gleichzeitig freuen wir uns auch alle wieder auf zu Hause. Ein weiterer toller Tag geht zu Ende.  

Freitag 5.Mai

Nach dem letzten Mal Frühstücksbuffet gehen alle noch einmal schnell um die Ecke in einen Supermarkt, um Mitbringsel zu kaufen. Dann checken wir aus dem Hotel aus und werden erneut von Henning abgeholt. Heute steht ein ganz besonderer Programmpunkt an, den man als normale Tourist*innen nicht erleben kann: Die Stadtverwaltung von Malmö öffnet uns die Türen und wir bekommen einen exklusiven Einblick in das schwedische Sozial- und Bildungssystem. Wir werden schon von Lisa und Lena erwartet, die uns ganz „typisch schwedisch“ zur Begrüßung allen die Hand reichen und uns sofort duzen. Die beiden arbeiten in dem Bereich, der Menschen mit einer Behinderung dabei unterstützt, eine passende Arbeitsstelle zu finden. Das System ist anders organisiert als in Deutschland: In Schweden gibt es keine Werkstatt für Menschen mit Behinderungen (WfbM), aber man hat ein Recht auf „Tägliche Aktivitäten“. Tägliche Aktivitäten kommen in Frage, wenn man keinen Job findet auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt und keine Ausbildung machen kann. Sie sind keine Pflicht, sondern ein Recht. Man macht die Tätigkeit freiwillig, um eine sinnvolle Beschäftigung zu haben. Man bekommt auch keinen Lohn, sondern man bekommt sein Geld von der staatlichen Krankenkasse. Je nachdem, was man sich als Beschäftigung wünscht, kann man verschiedene Sachen ausprobieren und darf sich dann entscheiden. Aber auch hier ist das Ziel, aus der Aktivität herauszukommen und lieber einen richtigen Job zu finden, weil man dann auch mehr Geld verdient. So ist es auch in Deutschland. Im Malmö gibt es 75 verschiedene Arbeitsbereiche, an denen 900 Menschen tätig sind. Das war wirklich interessant! Und nun heißt es Abschied nehmen von Henning und von Malmö. „Hejdå, Henning!” Wir fahren mit dem Auto nach Lund, einer schönen schwedischen Stadt, etwa eine halbe Autostunde von Malmö entfernt. Dort besichtigen wir den berühmten Dom und besuchen die Markthalle. Leider ist das Wetter heute so kalt und windig, dass wir uns nach einem Mittagessen schnell wieder auf dem Weg zum Auto machen und unsere Heimreise antreten. Wir nutzen die gemeinsame Zeit, um noch einmal zusammenzutragen, was wir alles erlebt und gelernt haben und was in Schweden anders ist, als in Deutschland: – es gibt in jedem Restaurant immer Wasser umsonst – Kaffee kann man sich immer nachnehmen – Alle bezahlen mit Karte, es gibt sogar Geschäfte, die kein Bargeld annehmen. – Malmö ist größer als Husum und als Kiel – Es gibt keine getrennten Toiletten, das ist toll für Transmenschen! – Das Toilettenpapier ist nur einlagig – Alle duzen sich und sprechen sich mit Vornamen an, auch auf dem Amt – Es gibt mehr bunte Farbe bei Gebäuden und Parkbänken – Die Bücherei kostet kein Geld – Der „Öl“-Preis (also der Preis für das Bier 😉 ändert sich im Laufe des Tages – Alkohol kann man nur in besonderen Geschäften kaufen – Es gibt Gamingbars – Es gibt weniger Erwachsene, denen das Lesen und Schreiben schwer fällt, ungefähr nur halb so viele wie in Deutschland – Es gibt König und Königin – Es gibt viele Fernseher in den Kneipen und Restaurants – Es gibt Pizza mit Banane, Ananas und Curry Und was waren unsere Highlights der gesamten Reise? – Patrick (Husum) und Florian: Der Schwedisch-Unterricht – Patrick (Kiel): Wie freundlich wir in Hennings Schule empfangen wurden – Floriona: „Planka“ mit Lachs und das gemeinsam Essen mit der ganzen Gruppe – Doris: Wie gut die Gruppe zusammengepasst hat. – Jochen: Der Schwedisch-Kurs – Ascan: Dass die Gruppe so gut zusammen funktioniert hat – Martina: Der Abend in der Pizzeria mit dem Austauschen von Geheimnissen. Kaum fahren wir über die deutsche Grenze, fängt es an zu regnen. Die Reise klingt aus mit dem Erzählen von ein paar Witzen und lautem Lachen. In Schleswig werden die Kieler*innen wieder am Bahnhof abgesetzt und fahren mit dem Zug zurück nach Kiel. Wir alle sind um so viele Eindrücke, Erlebnisse, Erfahrungen, leckeres Essen und sehr nette neue Bekanntschaften reicher!     Wir sagen: Tack så Mycket, ERASMUS+!        

BNE-Reise nach Uppsala und Stockholm, Schweden 8.-12.05.2023

Gute Praxisbeispiele für (Bildung für) nachhaltige Entwicklung in der Erwachsenenbildung

Gemeinsames Lerntagebuch

Samstag/Sonntag, 6./7.05. – Individuelle Anreise nach Uppsala

Alle Teilnehmenden sind individuell und passend zum Thema der Woche: „Bildung für nachhaltige Entwicklung“ gemäß ERASMUS+-Vorgaben für „grünes Reisen“ nach Uppsala angereist – teils gemeinsam im Auto und mit der Fähre, teils mit dem Zug.

(Eintrag: A.H.)

Zu unserem großen Erstaunen ging für uns drei Reisende (Antje, Magdalena, Matthias), die mit der Fähre über Sassnitz nach Trelleborg fuhren, das Volkshochschul-Feeling bereits auf der Hinfahrt los. Wir hatten eine Zwischenübernachtung in Helsingborg gebucht. Nach dem Einchecken stellten wir fest, dass wir ohne es bei der Buchung zu wissen, in Sundsgården, einer der größten folkhögskolor des Landes untergekommen waren. Von den derzeit 250 Schülern und Schülerinnen wohnen 70 im Internat der folkhögskola. Ein perfekter Start in die schwedische Erwachsenenbildung!

(Eintrag: S.K.)

Unsere Gruppe besteht aus insgesamt 11 vhs- und Landesverbands-Fachbereichsleiter*innen aus unterschiedlichen Programmbereichen aus Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern.

Eine Woche lang werden wir uns gemeinsam mit verschiedenen Erwachsenenbildungseinrichtungen in Uppsala und Stockholm über gute Praxisbeispiele für Bildung für Nachhaltige Entwicklung austauschen.

Den Sonntag nutzen alle Teilnehmenden für individuelle Erkundungen der Stadt, die sich mit strahlend blauen Himmel präsentiert. Uppsala hat 2020 zum zweiten Mal den One Planet City Challenge des WWF gewonnen, ein Zeugnis für Nachhaltigkeit ist der „Juwel“, angeblich der nachhaltigste Bürobau von ganz Skandinavien. Die Innenstadt wirkt trotz Sonntag sehr lebendig, viele Leute sitzen in Cafés oder auf schön gestalteten Sitzmöglichkeiten direkt am Fluss.
Am Fluss entlang sind zu beiden Seiten Spazierwege angelegt, die nach kurzer Zeit direkt in ein Naturreservat führen, sowie auf der anderen Seite durch den großzügig angelegten Stadtgarten. Auch hier schlendern und verweilen viele Menschen und scheinen die Naturnähe in der Stadt zu genießen.

„Juwel“

Platz zum Verweilen

Montag, 08.05.2023, Studiefrämjandet und Folkuniversitet Uppsala

(Eintrag: M.B., L.K. und I.F.)

 Am Morgen treffen wir uns zum Frühstück im Hotel und machen uns anschließend gemeinsam auf den Weg zu Studiefrämjandet, eine der größten gemeinnützigen Erwachsenenbildungseinrichtungen in Schweden. Dort begrüßt uns Denis Riabov und gibt uns einen ersten Einblick in die Organisationsstruktur und vielfältigen Arbeits- und Projektbereiche der Einrichtung in Uppsala. Studiefränjandet arbeitet sehr eng mit seinen 19 Mitgliedseinrichtungen zusammen, die zum überwiegenden Teil im Umwelt-, Natur- und Kulturbereich tätig sind.

Erwachsenenbildung wird in Schweden komplementär zum formalen Schulsystem verstanden.
Wir haben uns bei unserer Hospitation vor allem mit „Folkbildning“ beschäftigt. Der Begriff lässt sich nur schwer ins Deutsche übersetzen, am ehesten trifft es wohl der Begriff des „nicht-formalen Lernens“. Folkbildning zielt auf Demokratieentwicklung und darauf, individuelle Bildungslücken zu schließen. Eine weit verbreitete methodische Form dieser Bildungsvermittlung in Schweden sind staatlich geförderte sogenannte Studienzirkel (study circles).

Study circles sind selbstorganisiert und initiiert von Personen, die ein bestimmtes Interesse haben und/oder dieses bei anderen wecken möchten (z.B. im Bereich Musik, Umwelt und Natur, Kultur etc.). Ziel der study circle ist es, Menschen zu motivieren, sich zu beteiligen und gemeinsam Lösungen zu finden. Es wird im Dialog miteinander und voneinander gelernt. Es gibt einen, zumeist ehrenamtlichen, Moderator (leader), der gemeinsam mit den Mitgliedern der Lerngruppe einen Lernplan (study plan) entwickelt. Gelernt wird in den Räumen von Studiefrämjandet oder den Mitgliedseinrichtungen, teils auch online. Wer Moderator eines study circle werden möchte, nimmt mindestens an einem der von Studiefrämjandet durchgeführten, ganztägigen Trainings teil.

Bevor unsere Gruppe am morgigen Vormittag selbst aktiv Elemente aus dem Leader-Training erproben wird, gibt uns Denis noch ein eindrückliches Beispiel für einen sehr erfolgreichen study circle: „Älskede Barn“ (Geliebte Kinder). In diesem Kurs geht es um die Rechte und den Umgang mit Kindern. Hierfür wurden Leader besonders geschult – sie arbeiten nach einem Konzept, um den Austausch zwischen verschiedenen Kulturen zu erleichtern. Z.B. soll vermittelt bzw. gemeinsam erarbeitet werden, dass man Kinder nicht schlägt und welche Alternativen es dafür gibt. Auch der Umgang mit Teenagern und Drogen wird thematisiert, die Gruppen finden mit unterschiedlichen Sprachniveaus in einer schönen Bücherei mit Kinderbetreuung am Abend statt.

Am Nachmittag übernimmt die Folkuniversitet Uppsala die Führung – und das im wahrsten Sinne. Nach einem gemeinsamen Mittagessen laden uns Ali Rashidi und Vivian Welker zu einer historischen und kulturellen Tour nach Gamla Uppsala und Sigtuna ein: Der Ort mit Grabhügeln der Wikinger stellt die Wiege Schwedens bzw. der schwedischen Kirche dar.

Wir lassen den ersten Tag mit einem gemeinsamen Abendessen mit unseren Gastgebern ausklingen.

Dienstag, 09.05.,

(Eintrag: D.L. und M.K.)

Auch den zweiten Tag haben wir in Uppsala verbracht. Am Vormittag hatten wir einen sehr interessanten Workshop bei Studiefrämjandet, der von Elin Sjöman geleitet wurde. Die Idee des Workshops war, uns das Konzept von „study circle“, in das wir schon am Vortag einen theoretischen Einblick bekommen hatten, aktiv näher zu bringen. Wir bekamen wir eine 2-stündige Einführung ins Teamleitertraining. Diese Einheit dauert in der Regel 9 Stunden. Bei dem Workshop hatten wir außerdem die Möglichkeit, in kleinen Gruppen einen study circle zu konzipieren und arbeiteten dafür an von uns gewählten Themen. Das war sehr spannend und lehrreich. Durch eigene praktische Erfahrungen haben wir erkannt, wie viele Ideen bei der gemeinsamen Arbeit zusammenkommen und wie viel Wert ein study circle als Methode mit sich bringt. Das study circle ist ein Instrument, das die Demokratie stärkt und dadurch nachhaltig auf die Bevölkerung und das Land wirkt.

Am Nachmittag ging es weiter zur Folkuniversitetet Uppsala – einer Institution, die berufliche Bildung für die Bevölkerung entwickelt und anbietet. Nach einer Einführung mit Nachhaltigkeit als Hauptthema, haben wir auch hier an einem Workshop teilgenommen. Es ging darum, wie der schwedische Staat mit dem Hinblick auf die 17 Nachhaltigkeitsziele vorgeht. Der Workshop wurde durch Emilija Zilinskaite geleitet. Emilija Zilinskaite ist als sustainability consultant bei AFRY angestellt. In dem Workshop haben wir die Arbeit der Institutionen analysiert, für die wir arbeiten. In kleinen Gruppen haben wir uns über folgende Aspekte Gedanken gemacht:

  • Wie ist die jetzige Situation im Hinblick auf das Thema „Nachhaltigkeit“ bei uns
  • Was können wir verbessern
  • Welche Schritte müssen wir unternehmen.

Anschließend haben wir im Plenum gemeinsam diskutiert. Es hat sich herausgestellt, dass es mehrere Möglichkeiten gibt, schon heute nachhaltiger zu werden. Alle Institutionen überlegen bereits, wie sie ihr berufliches Handeln nachhaltiger gestalten können. Die Diskussion hat viele frische Ideen hervorgebracht. Der Austausch innerhalb unserer Gruppe, mit Teilnehmenden aus M-V und SH und der zusätzliche Input durch die beiden Workshops, brachten uns auf Ideen, die wir an den eigenen vhs-en umsetzen wollen.

 

Mittwoch, 10.05., Stockholm, Sverige Folkhögskolor

(Eintrag: M.B. und S.K.)

Heute haben wir uns von Uppsala verabschiedet und sind nach Stockholm gefahren, wo wir unser Programm für die kommenden drei Tage fortsetzen. Wir werden drei weitere Erwachsenenbildungseinrichtungen kennenlernen. Alle Wege dorthin sind problemlos mit der „Tunnelbana“, Metro und Bus zu erreichen, denn der ÖPNV in Stockholm ist gut ausgebaut.

Mittags sind wir mit Elin Bonnier und Nelly Bachner in den Räumen der Sverige Folkhögskolor verabredet. Sverige Folkhögskolor ist die Dachorganisation der rund 150 Folkhögskolen (Volkshochschulen) in Schweden. Elin und Nelly koordinieren das Projekt „Min Story“, an dem sieben Folkhögskolen – unter anderem die Röda Corsets Folkjhögskola, die wir morgen besuchen werden – beteiligt sind. Ziel des Projekts ist eine positive Einwirkung auf gesellschaftliche Veränderungsprozesse, in dem neue Wege erprobt werden, die Nachhaltigkeitsziele der UN (SDGs) in die Arbeits- und Lernprozesse einzubeziehen. Zielgruppe sind sowohl Kursteilnehmende als auch die Lehrkräfte.

Im Rahmen des Projekts wurde die I-We-World Methode entwickelt, die wir in einem mehrstündigen Workshop aktiv erproben. Vielen Menschen erscheinen die SDGs sehr abstrakt, die I-We-World-Methode zielt darauf, einen persönlichen Bezug zu den einzelnen Nachhaltigkeitszielen erfahrbar zu machen und dadurch Möglichkeiten aufzuzeigen, Veränderungen anzustoßen.

Die Methode umfasst drei Module.

Modul 1: Storytelling (I)

In Partnerarbeit haben wir über ein persönlich wichtiges Ereignis gesprochen, das einen positiven Einfluss auf uns selbst hatte.

Modul 2: Joint engagement – global goals (We)

Die gesammelten positiven Ereignisse wurden den SDGs zugeordnet. Dadurch wurde eine persönliche Verbindung zu den SDGs hergestellt, was diese weniger abstrakt machte.

Modul 3: change projects (World)

In diesem nächsten Schritt war es unsere Aufgabe, in Gruppenarbeit ein eigenes Veränderungsprojekt zu entwickeln. Mit viel Spaß haben wir in Kleingruppenarbeit drei vhs-Angebote erdacht:

  • Stand your woman. Ein vhs-Kurs, in dem Frauen den Umgang mit verschiedenen Werkzeugen lernen.
  • Bibliothek der Dinge. Kostenfreies Ausleihen von verschieden Dingen/Geräten an vhs.
  • vhs hillwalking club. Gesundheitsförderung und bewusstes Erleben der Natur.

Durch das aktive Durchspielen des Workshops und in der anschließenden Diskussion wurde uns sehr deutlich, wie gewinnbringend es ist, persönliche Alltags-Erfahrungen auf die Nachhaltigkeitsziele zu beziehen und dadurch eine persönliche Beziehung und Handlungsfähigkeit herzustellen.

Gruppenarbeit, Modul 2

Gruppenarbeit, Modul 3

 

Donnerstag, 11.05., Stockholm, 

(Eintrag: K.J. und A.H.)

Am Donnerstag fuhren wir mit der Tunnelbana und der Straßenbahn in den etwas abgelegenen Stockholmer Stadtteil Skärholmen. Was so romantisch nach Schärengarten klingt, ist eigentlich ein Stadtteil mit vielen Problemen, wie hoher Arbeitslosigkeit, geringeren Löhnen, vielen Menschen mit Migrationshintergrund aus ca. 150 Ländern. Für uns macht der Stadtteil eigentlich einen ganz netten Eindruck; um so schockierter waren wir, als wir erfuhren, dass hier vor Kurzem jemand auf offener Straße erschossen wurde.

Wir sind den ganzen Tag zu Gast in der Folkhögskola des Röda korset. Es ist die einzige Erwachsenenbildungseinrichtung, die das Rote Kreuz in Schweden betreibt. Mirabel Joshi, die hier als Lehrerin und als Verantwortliche für ERASMUS-Aktivitäten arbeitet, führt uns durch das Haus und bringt uns gemeinsam mit einigen Kolleginnen grundlegende Inhalte der Arbeit in dieser Einrichtung näher. Der Fokus der Einrichtung liegt auf dem Nachholen von Schulabschlüssen bzw. die Vorbereitung auf eine Ausbildung sowie auf der sozialen Lage. So werden zum Beispiel Anti-Diskriminierungskurse, Kurse zur Migration und sozialen Nachhaltigkeit angeboten. Auch das Projekt „Min story – Vår agenda“ der Sveriges folghögskolor, das wir bereits am Mittwoch kennen gelernt haben, wurde hier umgesetzt. Alle Kurse werden über mindestens ein Jahr oder länger als Vollzeitkurse (9-15 Uhr) angeboten. Wir lernten den Kurs „Sustainable Development“ kennen, der in Theorie und Praxis stattfindet. Hier werden zum Beispiel Workshops zum nachhaltigen Reisen oder klimafreundlichen Kochen zusammen mit den Teilnehmer*innen entwickelt oder Projekttage an Schule ausgerichtet.

In der gemeinsamen Mittagspause im Imbiss um die Ecke wurden wir herzlich begrüßt und nachdem bekannt wurde, woher wir kommen, hat ein deutschsprachiger Mitarbeiter zu unserer Freude die Bestellnummern auf Deutsch verlesen.

Anschließend besuchten wir eine kommunale Einrichtung namens „Återbruket“ (Wiederverwertung). Hier sind verschiedene Werkstätten, wie Näh-, Holz, und Fahrradwerkstatt eingerichtet, in denen die Bewohner*innen die Maschinen kostenfrei benutzen und sich dann selbst etwas nähen oder ihr Fahrrad reparieren können. Einige geringwertige Haushaltsgegenstände stehen hier außerdem zum Verschenken bereit. Jede*r Besucher*in darf 7 Gegenstände mitnehmen, die zu statistischen Zwecken gewogen und nach Kategorien einsortiert sind. Das ist ein guter Weg, Produkte weiter zu geben, die man selbst nicht mehr benötigt, die andere aber noch gebrauchen können. Ein kleiner Spaziergang führte uns zu einem weiteren kommunalen Projekt, dem Perennparken, einem öffentlichen Park, in dem mehrjährige Pflanzen angepflanzt wurden.

Am Nachmittag erfuhren wir außerdem, wie die Folkhögskola ihre Klimastrategie umsetzen will und wie intern Nachhaltigkeit im Blick bleibt. Hier gibt es viele Ideen wie grünes Reisen, Nachhaltigkeitswettbewerbe wie eine vegane Woche oder einen bestimmte Schrittanzahl pro Tag. Außerdem wurde uns das Klima-Budget vorgestellt, ein kleines Quizz, bei dem jeder seinen persönlichen Co2-Fußabdruck berechnen kann.

Soziale Nachhaltigkeit

Zu unserer Überraschung bekamen wir außerdem Besuch von einem Teilnehmer aus dem Nachhaltigkeitskurs, der hörte, dass wir aus Deutschland kommen. Stefano ist Italiener und hat in der Schule Deutsch gelernt, dass er gleich testen wollte. Wir hatten einen kleinen Austausch über Nachhaltigkeit in Italien, Deutschland und Schweden. Als Au-Pair war Stefano nach Schweden gekommen und findet, dass das wichtige Thema Nachhaltigkeit hier einen ganz anderen gesellschaftlichen Stellenwert hat als in seinem Heimatland. Daher hat er sich dazu entschlossen, den Kurs an der Folkhögskola zu besuchen.

Nach dem Besuch der Roda korsets folkhögskola ging es für einige ganz nachhaltig weiter in den nächsten Second Hand Shop, in dem wir auch fündig wurden. Am späten Nachmittag genossen wir bei strahlendem Sonnenschein außerdem auf dem Monteliusvägen in Södermalm den Blick auf die Stockholmer Altstadt und den Mälaren.

 

Freitag, 12.05., Stockholm, Studiefrämjandet Riksförbundet

(Eintrag: M.K. und M.E.)

Zum Bildungsverständnis in Schweden

Der Besuch an unserem letzten Erasmus + Tag beim Studiefrämjandet Riksförbundet in Stockholm war in jeder Hinsicht ein würdiger und sinnvoller Abschluss dieser Erasmus + Mobilität. Die vor Ort tätigen Manager Markus und Peter berichteten wie bereits zu Beginn der Woche in Uppsala über ihre Konzepte zu den „Studie Cirkles“. Wir wurden auch hier extrem unaufgeregt freundlich aufgenommen und mit einer Gastfreundschaft und Offenheit empfangen, die wirklich bemerkenswert war.

Uns wurde im Rahmen der Gespräche über Bildungskonzepte und -modelle immer wieder sehr deutlich, wo die Unterschiede zwischen dem schwedischen und dem deutschen Bildungssystem liegen. Zum einen hat die sogenannte 4. Säule der Bildung, die „außerschulische Erwachsenenbildung“, einen deutlich höheren Stellenwert als in Deutschland. Auch hier nicht auf Augenhöhe mit den Schulen, aber sehr viel anerkannter und etablierter. Formate, die in Schweden nach Berichten von 7% der Bevölkerung genutzt werden, wie die „Studie-Circles“, wären vermutlich in Deutschland wenig erfolgreich, weil die Anerkennung von allem nicht zertifizierten informell erworbenen Wissen und Kompetenzen keinen, oder im besten Fall einen geringen Stellenwert hat. Und genau da liegt der zweite wesentliche Unterschied in den Bildungs- und Gesellschaftssystem. Informell erworbenes Wissen geht dort in die Bildungs-Vita einer Person ein. Sicherlich nicht gleichberechtigt, aber es hat einen Stellenwert.

Stichwort Digitalisierung: Festnetztelefonie – haben wir seit 5 Jahren nicht mehr

Die Kommunikation läuft in allen von uns besuchten Instituten im Schwerpunkt über Messenger und Groupware wie Teams etc., sowie Mailings und Video Calls in den dafür versehenen Räumen.

Jede*r Mitarbeiter*in sucht sich entsprechend seiner für den Tag geplante Tätigkeiten einen passenden flexiblen Arbeitsplatz. Beispielsweise „calm“ leise Arbeitsplätze oder einen Konferenzraum ggf. mit Videotechnik – alles täglich on demand. Unter diesen Gesichtspunkten macht solch eine Büroanordnung und -Gestaltung auch Sinn.

In diesem Zusammenhang ist auch die Dokumentation sehr interessant: „Totaly Trust“ Es gibt keine Arbeitszeitenkonten oder ähnliches.

Studie Circles – an different idea of education

Mit unseren Gastgebern haben wir ein weiteres Mal über das Konzept der Study Circle diskutiert (s. Tag 1 und Tag 2) und unsere positiven Beobachtungen zusammengefasst:

Diese Art von informellen Lerngruppen basieren auf dem Prinzip der gemeinschaftlichen Bildung und dem freien Austausch von Ideen und Erfahrungen. In Study Circles kommen Menschen mit ähnlichen Interessen oder Lernzielen zusammen, um über ein bestimmtes Thema zu diskutieren, Fragen zu stellen, Materialien zu studieren und ihr Wissen zu erweitern. Study Circles können in verschiedenen Kontexten stattfinden und die Teilnehmenden entscheiden gemeinsam mit einem festgelegten Lehrplan und einem Moderator, oder informell, mit flexiblen Strukturen, was und wie sie lernen möchten. Die Vorteile von Study Circles liegen in der Zusammenarbeit, dem gegenseitigen Lernen und der Stärkung der Gemeinschaft. Durch den Austausch von unterschiedlichen Perspektiven und Erfahrungen können die Teilnehmer ihr Wissen vertiefen und neue Einsichten gewinnen. Study Circles fördern auch die Eigenverantwortung und das Engagement der Teilnehmer für ihr eigenes Lernen.

Strategi 2131

Des Weiteren haben unsere Gastgeber uns über die strategischen Entwicklungsziele der Studiefrämjandet in puncto Nachhaltigkeit informiert .

Strategi 2131 – Nachhaltigkeitsstrategie des Studiefrämjandet

Die Nachhaltigkeitsstrategie 2131 orientiert sich nicht an den Zielen für das Jahr 2131, sondern umfasst das Zeitfenster 2021-2031. Die Strategie zeigt den Weg des Studiefrämjandet in die Zukunft. Sie zeigt auf, welche Prioritäten gesetzt werden müssen, um die gewünschte Position von Studiefrämjandet im Jahr 2031 zu erreichen.

Strategische Ziele:

  1. Demokratieentwicklung/-bildung
  2. Lernen im Fokus
  3. Stärkung der Rolle des Vereins in der Gesellschaft
  4. Steht für Nachhaltigkeit / Nachhaltige Entwicklung
  5. Steht für gemeinsamen Werte und dem Grundverständnis von Menschen, Bildung und Demokratie

Bereiche:

Das Studiefrämjandet setzt sich für eine langfristig nachhaltige Gesellschaft ein. Sie verteidigen, stärken und entwickeln die Demokratie. Volksbildung und Vereinsleben sind Teil der Demokratie und tragen dazu bei, das Vertrauen in die Gesellschaft zu stärken. Sie bieten ein Ort, an dem Menschen in der Interaktion mit anderen die Kraft freisetzen, ihre eigene Lebenssituation, ihre Umgebung und die Gesellschaft insgesamt zu beeinflussen.

Studiefrämjandet setzt sich für die Gleichwertigkeit aller Menschen ein. Sie sind inklusiv und fordern das Recht eines jeden, er selbst zu sein. Vertrauen in den Menschen und der Glauben an die positive Kraft des Dialogs und der Begegnung mit anderen. In der Volksbildung lernen und reflektieren alle gemeinsam, mit viel Raum und Akzeptanz für unterschiedliche Gedanken und Meinungen.

Lebenslanges Lernen sollte ein Recht und eine Chance für jeden sein. Die Bildungsunterschiede in der Gesellschaft sollen ausgeglichen werden. Studiefrämjandet wendet die Pädagogik der Volksbildung an, die auf der aktiven Beteiligung und Einflussnahme der Menschen in Studienkreisen und Gruppen beruht. In der Volksbildung wird die Demokratie in der Praxis gelebt. Die Pädagogik wird an die Bedürfnisse und Wünsche der Teilnehmer angepasst. Es werden neue Lernformen und pädagogische Methoden auf der Grundlage der Volksbildung weiterentwickelt.

Kultur ist eine verbindende und zugleich herausfordernde Kraft in der Gesellschaft. Eine freie Kultur ist ein Wert an sich und stärkt die Demokratie. Kultur ermöglicht Teilhabe, regt Kreativität, Phantasie und Dialog an, gibt uns Ausdruck und Einsicht. Eine freie und lebendige Kultur kann gesellschaftlichen Herausforderungen wie Ungleichheit, Diskriminierung und Ausgrenzung begegnen und zur öffentlichen Gesundheit beitragen. Mehr Menschen die Möglichkeit zu geben, Kultur zu erleben und auszuüben, ist ein zentrales Anliegen der Volksbildung und des Studiefrämjandet.

Quelle: Broschüre Strategi 2131 -Studie främjandet

Schweden: Malmö Kvarnby Folkhögskola

von S. W.-N.

Anreise am Sonntag, 28.10.2018

Die Anreise mit dem Zug von Flensburg nach Malmö dauert nur vier Stunden, zwei Mal umsteigen und schon fährt man von Kopenhagen über den Öresund nach Malmö.

In Kopenhagen wird auf jedem Bahnsteig Werbung für den Weihnachtsmarkt in Hamburg gemacht!

Im Zug erhalte ich eine SMS, weil die Hotelrezeption ab 14.00 Uhr nicht mehr besetzt ist. Ich bekomme einen Code um die Eingangstür zu öffnen und einen weiteren Code um meine Zimmerkarte aus einem kleinen Tresor zu entnehmen! Das Hotel, eine alte Schokoladenfabrik, liegt sehr zentral in der Nähe des Bahnhofs Triangeln. Man kann zu Fuß die Innenstadt gut erreichen und es gibt viele Restaurants in der Nähe.

Schweden ist DAS Land in Europa mit Vorbildfunktion im Bereich der Digitalisierung. https://www.techtag.de/digitalisierung/schweden-und-die-digitalisierung-ein-land-mit-vorbildfunktion/

Mein Arbeitsbereich in der vhs Husum sind die Integrationskurse und die berufsbezogenen Deutschkurse. Das BAMF, InGe-online und webdoc mit der Datenflut, Meldungen, Anträgen, Unterschriften, Bewilligungen usw. gehören zur täglichen Arbeit und ich sehr gespannt, ob es in Schweden ähnliche Strukturen der Teilnehmerverwaltung gibt.

Tag 1: Montag, 29.10.18

Die Kvarnby Folkhögskola, Västra Hindbyvägen 14, im Stadtteil Gullvik:

Zur Kvarnby Folkhögskolan, Västra Hindbyvägen, www.kvarnby.fhsk.se fahre ich nur 10 bis 15 Minuten über die Fahrradautobahn!

Von außen eher unscheinbar, herrscht drinnen eine sehr angenehme Atmosphäre. An der Rezeption arbeitet ein ehemaliger Teilnehmer, der auch Arabisch und Dari und Farsi spricht. Neben seiner Arbeit an der Rezeption, stellt er auch Teilnahmebescheinigungen aus. Man füllt ein Formular (Papier) aus, steckt es in den Briefkasten an der Rezeption und kann sich am nächsten Tag die Bescheinigung abholen. Die Teilnehmenden leihen bei ihm auch die Bücher für die Kurse aus, dafür unterschreiben sie ein Formular (Papier).

Im Erdgeschoss gibt es überall Sitzgelegenheiten, eine Cafeteria mit sehr günstigem aber gutem Essen, die Klassenräume, eine kleine Bibliothek und einen kleinen Konferenzraum mit riesiger Kaffeemaschine für die Lehrer.  Im Obergeschoss sind Büros von Henning, (Leiter der drei Einrichtungen der Kvarnby Folkhögskolan) und Agnes  (pädagogische Leiterin SFI) sowie die Büros der Lehrer, die alle fest angestellt sind. Honorarkräfte werden nur als Vertretungen bei Krankheit oder Urlaub eingesetzt!

Obeida, auch ein ehemaliger Teilnehmer, leitet die Cafeteria. Das Essen ist sehr gut und sehr günstig. Bezahlen kann man nicht! mit Karte, wie überall in Schweden, sondern mit dem Handy oder tatsächlich noch bar!

Am ersten Tag erklären Henning und Agnes mir das schwedische System der Sprachkurse, ich lerne das Kollegium kennen und wir machen meinen Stundenplan für die nächsten sieben Tage.

Tag 2: Dienstag, 30.10.2018

Gestern wurde ich in von Henning (Leiter) und Agnes (Programmbereichsleiterin sfi, svenka för invandrare) in das System der sfi Kurse eingeweiht. Es ist vergleichbar mit unseren BAMF Kursen.

Ein Migrant mit Aufenthaltstitel und Personennummer kann im vägledningscentrum (Bildungsberatung) Informationen zu Schwedisch Kursen bekommen.

Man kann zwischen zwei Anbietern wählen. Komvux (kommunal vuxenutbildning) und Folkhögskola. Private Anbieter dieser Kurse gibt es seit einem großen Betrugsskandal nicht mehr! Komvux hat sechs Ausbildungsstätten in Malmö und man wird einer Schule zugewiesen. Wenn man sich für die Folkhögskola entschiedet, kann man eine von sieben Schulen selbst auswählen. Die Kvarnby Folkhögskola ist sehr beliebt und es gibt Wartelisten. Die Kurse sind für alle kostenlos. Das Geld für Fahrkarten ist in der Sozialhilfe enthalten. Man muss also keine Anträge auf Kostenbefreiung und Fahrtkostenzuschuss stellen!

https://de-de.facebook.com/Kvarnby/

Heute durfte ich der Einführungsklasse (introduction) hospitieren. Alle Teilnehmer durchlaufen diese Klasse, in der Grundkenntnisse vermittelt werden. Analphabeten gibt es hier nicht, sie werden an anderen Schulen ausgebildet.

Nach diesen sechs Wochen entschiedet sich der weitere Bildungsweg, blau (schnell) für Akademiker, rot (langsam) für die anderen Teilnehmer.

Teilnehmer mit Lernschwierigkeiten können die Introduktion auch zwei Mal durchlaufen. Sie gehen danach in die pp-Klassen (praktisk pädagogik), in denen Theorie und Praxis gelehrt werden. Nächste Woche geht es um das Thema „Wohnen“. Die TN fahren zu Ikea und in ein weiteres Möbelhaus und besuchen einen Second Hand Laden. Sie vergleichen Preise und lernen, eine Wohnung möglichst günstig einzurichten.

Die vhs Flensburg hat ein Seminar zum Thema „Wohnen“ durchgeführt und stellt der Kvarnby Folkhögskola den Kursplan Wohnschulung zur Verfügung.  Die Lehrer freuen sich sehr darüber und nehmen die Themen gern in ihren Lehrplan auf! Vielen Dank dafür!

Der Bildungsweg, rot, blau oder pp ist nicht festgeschrieben, man kann je nach Lernerfolg in jede Richtung wechseln. Die letzte Klasse nennt sich Blau D, die anschließende Prüfung entspricht ungefähr dem Sprachniveau B1 – B2.

Skolverket ist das Bildungsministerium, das auch für sfi (svenska för invandrare) zuständig ist, hier sind der Ablauf und das Ziel der Kurse beschrieben.

Das Gebäude der Kvarnby Folkhögskola ist sehr liebevoll eingerichtet worden. Überall auf den Fluren stehen Tische, Stühle und Sofas.

Neben der Cafeteria gibt es eine kleine Küche für Teilnehmende, einen Pausenraum für Lehrer mit einer gigantischen Kaffeemaschine, die alle Kaffeewünsche kostenlos erfüllt, eine kleine Bibliothek, einen Ruheraum für Teilnehmer und drei Computer mit Drucker.

Die Parkplätze vor dem Haus müssen bezahlt werden, aber an der Straße kann man kostenlos parken. Die Schule liegt in einem Viertel, in dem viele Migranten wohnen, deshalb kommen die meisten zu Fuß oder mit dem Rad.

Die Lehrer sind fest angestellt und unterrichten 14 Zeitstunden pro Woche. Sie haben zusätzlich zwei wöchentliche Lehrertreffen mit allgemeinen und kursbezogenen Themen. Die Unterrichtsvorbereitung machen sie in der Schule und sind bis ca. 15:30 Uhr anwesend.

Pro Kurs mit 15 bis 21 Wochenstunden unterrichten zwei Lehrer. Unterrichtszeiten sind von 09:00 bis 10:00, von 10:30 bis 11:20 und von 11:30 bis 12:30 Uhr!

Es gibt zwei Arbeitsamtskurse, diese Teilnehmer haben auch 3x pro Woche nachmittags Unterricht.

Freitag ist um 12:30 Wochenende für alle!

Tag 3: Mittwoch, 31.10.2018

Heute darf ich im Unterricht der langsam lernenden Gruppe Blau B/C hospitieren. Das ist ungefähr das Niveau A1-A2.

Die TN werden auf die Tests nächste Woche vorbereitet und bearbeiten Schreib- und Leseaufgaben.

Von 24 Teilnehmenden waren nur 12 anwesend, weil Herbstferien sind und einige keine Kinderbetreuung haben. Bis zu einer Woche dürfen die TN fehlen, dann erst müssen sie eine Krankmeldung vom Arzt bringen.

Wer zu spät kommt, wird höflich gebeten, in Zukunft pünktlich zu sein!

Das Lernklima ist sehr angenehm, es ist nicht laut, es wird nicht viel zwischendurch geredet, alle arbeiten sehr konzentriert.

Morgen Vormittag hospitiere ich in der schnell lernenden Klasse Rot B/C und in der Lehrerkonferenz um 13.30 Uhr darf ich einen Vortrag über Integrationskurse halten!

Die Beschilderung in der Damentoilette!

Tag 4 in der Kvarnby Folkhögskola

Um 8:40 fahre ich hier mit dem Rad los, zwei Mal um die Ecke und ich bin auf der „Fahrradautobahn“, ein zweispuriger Radweg, der zwischen Häusern, entlang vieler Gärten, unter großen Straßen hindurchführt. Nach 12 Minuten bin ich angekommen.

Heute geht es in die röd B/C Klasse, sie hat das Niveau A1 bis A2, lernt aber langsamer als die blå B/C Klasse gestern. Auch hier fehlen 14 Teilnehmer wegen der Herbstferien.

Olaf entscheidet deshalb, nicht im Buch weiterzumachen, sondern eine Lektion über das Wetter einzuschieben, damit die anderen nicht zu viel verpassen. Nach einer Stunde ist um 10:00 Uhr Pause, 30 Minuten. Die TN gehen entweder in die Cafeteria zu Obeida oder in die TN-Küche und machen sich Tee und etwas zu essen. Um 10:30 Uhr geht es weiter, von 11:20 bis 11:30 Uhr ist eine kleine Pause, dann noch eine Stunde Unterricht und es ist geschafft. Die TN werden am Ende für ihre gute Mitarbeit gelobt! Hausaufgaben gibt es nicht, damit hat man „schlechte Erfahrungen“, keiner macht sie!

Nach der Mittagspause berichte ich über Husum, die vhs Husum und über Integrationskurse. Die Lehrer staunen, wie viel Bürokratie und Technik in Deutschland notwendig sind, um Teilnehmer, Kurse, und Prüfungen anzumelden und durchzuführen. Großes Erstaunen löst auch der DTZ aus (Anmeldung, Durchführung, Auswertung). Hier in sfi-Kursen werden nur die TN zur Prüfung angemeldet, die eine gute Chance haben zu bestehen. Schriftliche und mündliche Prüfungen finden an zwei Tagen statt, alles andere ist Stress! Die Lehrer prüfen ihre Schüler selbst und werten die Tests auch aus. Wenn der Test bestanden wurde, kann der TN in die nächst höhere Lerngruppe wechseln.

Agnes bestellt die Prüfungen beim skolverket, feste Termine gibt es nicht. Wenn ein Lehrer genügend TN für eine Prüfung hat, wird ein Termin festgelegt und die Prüfung durchgeführt. Agnes verwahrt die bestellten Prüfungen (es gibt zwei verschiedene Versionen) und die abgelegten Prüfungen in einem verschlossenen Raum.

Die Abwesenheitsregelung ist sehr viel einfacher als in unseren I-Kursen. Wer sich per Mail, telefonisch oder über einen anderen TN abmeldet, gilt als entschuldigt. Bis zu einer Woche kann man sich ohne ärztliches Attest krankmelden. Für unentschuldigte Fehlzeiten erhält die Schule kein Geld. Nach einer Woche unentschuldigter Fehlzeit, wird ein Brief nach Hause geschickt, nach der zweiten Woche die Abmahnung und nach der dritten Woche kann der TN ausgeschult werden.

Die Kommune zahlt monatlich ca. 5,-€/ UE für jeden über die Bildungsberatung angemeldeten anwesenden und entschuldigt fehlenden Teilnehmer.

Teilnehmer, die noch keinen Aufenthaltstitel haben, werden von der Arbeitsvermittlung in die sfi-Kurse geschickt. Für diese TN bezahlt der Staat ca. 9,-€ /UE. Sie müssen Vollzeit unterrichtet werden, das sind 21 Unterrichtsstunden. Somit haben sie auch an drei Nachmittagen in der Woche Unterricht.

Henning, der vhs Leiter, rechnet monatlich mit der Kommune und dem Arbeitsamt ab, übermittelt einmal im Jahr Statistikdaten an die Behörden.

Die Lehrer bekommen eine Anwesenheitsliste, die in einer geschlossenen Mappe verwahrt wird und niemals offen liegen bleibt!

Sie wissen über ihre Teilnehmer nur, was diese ihnen selbst erzählen.

In der Kvarnby folkhögskola werden auch Migranten ohne Aufenthaltspapiere unterrichtet, aber außer der Henning und Agnes, weiß niemand, wer zu diesem Kreis zählt. Alle werden gleichbehandelt!

Datenschutz ist in Schweden ein wichtiges Thema. Agnes, die Programmbereichsleiterin kennt nur Namen, Adressen und die Personennummer der Teilnehmer. In ihrem Büro befinden sich für TN-Verwaltung große Ordner mit Papier, Anwesenheitslisten werden in Excel erstellt!

Da weder Kostenbefreiung noch Fahrtkostenanträge gestellt werden müssen, erhält niemand Einblick in die finanzielle Situation der Teilnehmenden.

Berechtigung, Verpflichtung, Kostenbeitrag, Kostenbefreiung, Fehlzeitenmeldung etc., diese Zeiträuber gibt es in Schweden nicht. Die Kurse sind kostenlos!

Es gibt Zeit für regelmäßige Lehrertreffen mit pädagogischen und organisatorischen Themen, es wird u.a. über neue Lehrbücher beraten, die Unterrichtsthemen werden besprochen und der Wechsel von TN innerhalb der Lerngruppen wird diskutiert.

Tag 5 in der Kvarnby Folkhögskola

Heute, am Freitag, bin ich in der blå C/D Klasse. Auch hier ist wegen der Herbstferien nur die Hälfte der Teilnehmer anwesend. Sie ist vergleichbar mit dem Niveau A 2.2 bei uns. Geübt wird für die Prüfung in der nächsten Woche. Die Inhalte der A2 – B1 Prüfung sind den Inhalten des DTZ sehr ähnlich. Heute soll ein offizieller Brief geschrieben werden (Beschwerde).

Im zweiten Teil des Unterrichts geht es um Statistiken, die man ja bei uns aus dem DTZ verbannt hat. Die TN benutzen ihre Mobiltelefone zum Übersetzen von Vokabeln, der Lehrer setzt keine Technik ein.

In der letzten Unterrichtsstunde am Freitag ist „språkcafé“. Vier Klassen treffen sich im großen Aufenthaltsraum, werden über ein Losverfahren an Tischen verteilt und müssen miteinander über vorbereitete Aufgaben sprechen. Die vier Lehrer setzen sich reihum an die Tische, hören zu, stellen Fragen und korrigieren.

Ich nutze die letzte Stunde um in der höchsten Klasse der Schule „Grund“ zu hospitieren. Die Teilnehmer haben am Dienstag Prüfung und sind auf gutem B1 Niveau. Prüfungsvorbereitung ist auch hier die Auswertung einer Statistik, aber die Antworten sind komplexer als in der anderen Klasse. Die zweite Aufgabe ist die Lektüre eines Zeitungsartikels, zu dem Fragen beantwortet werden müssen  und die eigene Meinung vertreten werden soll.

Dann ist endlich Wochenende! Trevlig helg i Malmö!

Wochenende in Malmö, Teil 1

Das Wochenende beginnt am Freitag mit einem Besuch im Kallbadhus.

https://www.ribersborgskallbadhus.se/sv

Diese Sauna ist großartig! Zwischen den Saunagängen kann man zur Abkühlung kurz ins Meer springen. Männer und Frauen haben jeweils zwei getrennte Saunen, eine zum Schnattern, eine ruhige Sauna und eine gemischte Sauna. Alle haben Meerblick auf den Öresund und auf Kopenhagen. Im Süden sieht man die Öresundbrücke.

Dann geht es weiter auf dem Rad zum neuen Stadtteil Västra Hamnen https://bostad.skanska.se/sok-bostad/malmo-kvarteret/ditt-nya-kvarter mit dem Turning Torso, dem höchsten Gebäude Skandinaviens und dritthöchsten Wohngebäude Europas. https://visitskane.com/de/node/207

Der Stadtteil war bis ins 21. Jahrhundert Industriegebiet und ist jetzt ein modernes Wohnviertel mit ca. 5000 Einwohnern. Von den Parkanlagen vor Västra Hamnen hat man einen tollen Blick auf die Brücke.

Auf dem Rückweg bummle ich durch MAXI ICA Stormarknad in Västra Hamnen.

Weihnachten ist auch hier schon im Programm.

Wirklich bemerkenswert ist auch die meterlange Auswahl an Knäckebrot:

Am Samstag und Sonntag ist Kulturprogramm geplant.

Die frisch renovierte St.Pauli Kirche (1882) ist das Ziel der Joggingtour am Morgen. Hier gibt es nicht nur Gottesdienste, sondern auch Konzerte und andere Veranstaltungen,  https://svenskakyrkanmalmo.se/st-pauli-kyrka/, ein imposanter Bau in einer schönen Parkanlage.

Das Wetter ist am Samstagvormittag zu schön um ins Museum zu gehen, deshalb beschließe ich eine Radtour zu machen. Ziel ist Limhamn. Früher war es eine eigene Stadt, jetzt ist es Stadtteil von Malmö und hat ca. 5600 Einwohner. Der einstige Fischerort wurde im 19. Jahrhundert eine bedeutende Industriestadt. Industrie gibt es nicht mehr. Limhamn ist heute eine große Baustelle und ein sehr begehrtes Wohngebiet direkt am Wasser mit Yachthäfen und Promenaden.

Vom Hafen hat man einen schönen Blick auf Malmö und auf Kopenhagen.

Von Limhamn führt ein Radweg am Strand entlang bis Väster Hamnen. Parallel zum Rad- und Fußweg verläuft ein Sandweg für Jogger. Alle 500 Meter gibt es beheizte, sehr saubere Toilettenhäuser mit warmem Wasser!

Der Strand ist sehr flach hier, wenn man schwimmen möchte, nutzt man einer der vielen Badebrücken. Sie sind mit Windschutz und Sitzgelegenheiten ausgestattet und über Treppen gelangt man ins tiefere Wasser.

Nach einer langen Pause in der Sonne auf Brücke 3 fahre ich ins Hotel, stelle mein Rad ab und treffe meine Tochter im Moderna Museet. https://www.modernamuseet.se/malmo/sv/

Der Eintritt ist frei. Es gibt zwei Ausstellungen, eine über frühe Fotografie und eine einer deutschen Künstlerin, Rosemarie Trockel.  Besonders interessiert hat mich die Geschichte der schwedischen Polarforscher, die mit einem Ballon in die Arktis aufgebrochen sind. Der Ballon ist abgestürzt, alle Forscher kamen ums Leben und dreißig Jahre später fand ein weiteres Forscherteam die Überreste der Expedition und deren Fotokamera. Diese Bilder sind gut erhalten und werden hier im Museum ausgestellt.

Dann wollen wir gern in der kleinen Kaffeerösterei in der Baltzersgatan http://www.lillakafferosteriet.se/ Pause machen, aber um diese Zeit ist kein Platz zu bekommen. Wir versuchen es auch bei Hollandia, https://www.hollandia.se/ aber auch hier ist es zu voll. Wir entschließen uns, nach Hause zu gehen und selbst gebackene Kanelbullar zu essen. https://www.chefkoch.de/rezepte/2439221384609193/Kanelbullar-Kuchen.html

Malmö ist ein Paradies für Radfahrer. Die Radwege sind meist zweispurig.

Es gibt richtige Fahrradkreuzungen, wo drei Radwege aufeinandertreffen, Unterführungen, extra Ampeln für Radfahrer und Servicestationen. An den kleineren gibt es nur Luft, an den größeren Stationen gibt es auch Werkzeug für Reparaturen, Flickzeug und Wasser!

Die Radwege führen entlang der größeren Straßen meist nur auf einer Seite für beide Richtungen. Oft führen die Rad- und Fußwege aber durch Wohnviertel und Parks hindurch. Überall stehen Hinweisschilder.

Höchstgeschwindigkeit für PKW ist 40 km/h in Malmö. Vor jeder Kreuzung einer großen Straße mit einem Rad- und Fußweg sind kleine Erhöhungen zur Fahrtminderung eingebaut. Fahrräder haben immer Vorfahrt. Deshalb ist man mit dem Rad oft genauso schnell, wenn nicht schneller, unterwegs.

Am Sonntag gehen wir durch den botanischen Garten ins Malmöhus, das Schloss Malmös. Dort gibt es vor allem Ausstellungen über die Geschichte Malmös und der Region Skåne, die lange Zeit zum Königreich Dänemark gehörte.

Malmös Schloss „Malmöhus“ ist das älteste erhaltene Renaissanceschloss des Nordens. An gleicher Stelle erbaute Erik von Pommern 1434 ein Kastell.

Von 1444 bis 1536 wurden hier die Münzen des Königreiches Dänemark geprägt. Im 16. Jahrhundert unter König Christian III wurde es modernes Verteidigungswerk, Renaissanceschloss und Wohnort für die dänischen Könige während ihres Aufenthaltes in Malmö.

Erst Ende des 17. Jahrhunderts wurde Skåne endgültig schwedisch, die Glanzzeiten des Schlosses waren vorbei und es wurde als Gefängnis genutzt. Seit 1932 ist das Schloss Museum.

Am Ende des zweiten Weltkriegs wurde das Museum vorübergehende Unterkunft für Überlebende der Konzentrationslager. Das Rote Kreuz hat sie in weißen Bussen nach Schweden geholt. Einer dieser Busse steht im Original vor dem Schloss.

Mehr Informationen unter dem Link: https://www.ndr.de/kultur/geschichte/chronologie/befreiung100_page-1.html

Die Menschen wurden im Malmöhus untergebracht. In der Gemäldegalerie wurden Schlafsäle eingerichtet. Andere Räume wurden zu Koch-, Ess- und Waschräumen umfunktioniert.

https://malmo.se/Kommun–politik/Vart-Malmo/Vart-Malmo-artiklar/2015-04-29-1945-oppnade-Malmo-sin-famn.html

In Filmen, Interviews und Fotodokumentationen berichten Zeitzeugen über die Ankunft, den Aufenthalt im Schloss und über ihr weiteres Leben.

Auf dem Rückweg durch den botanischen Garten gibt es Kaffee und Kanelbullar im alten Gewächshaus.

Fast hätte ich es vergessen:

Sogar die Mäuse haben ein Museum in Malmö!

Tag 6 in der Kvarnby Folkhögskola

Heute darf ich in der pp-Klasse dabei sein. Viele der Teilnehmer haben die Introduktion zwei Mal durchlaufen. Ihnen fällt das Lernen schwer, deshalb hat man diese Klasse mit Praktiskt Pädagogik geschaffen. Andreas beginnt ein neues Thema, es geht jetzt um das Wohnen. Die verschiedenen Wohnmöglichkeiten werden vorgestellt und nach einer Vokabelentlastung und Lektüre eines kleinen Textes sollen die TN ihre Wohnung beschreiben.

Danach habe ich ein längeres Gespräch mit Agnes, die mir über die Prüfungen berichtet. Am Dienstag und Donnerstag haben die blauen und roten B/C und C/D Gruppen Prüfung.

Der Klassenlehrer entscheidet zusammen mit seinem Kollegen oder seiner Kollegin, wann ein TN für die Prüfung bereit ist, nur dann darf man teilnehmen. Dadurch ist die Durchfallquote sehr gering. Wer besteht, rückt in die nächst höhere Klasse auf.

Es gibt zwei verschiedene Prüfungssätze, die beim Skolverket bestellt werden können. Die einzelnen Prüfungsteile sind: Hören, Lesen, Schreiben und Sprechen. Die Prüfungsteile werden nicht alle an einem Tag abgelegt, der Klassenlehrer beaufsichtigt die schriftliche Prüfung und prüft seine Teilnehmer mündlich selbst. Dadurch sollen Stress vermieden und die Prüfungsangst minimiert werden! Wenn ein Teilnehmer ein völlig von seinen bisherigen Leistungen abweichendes, viel schlechteres Ergebnis erzielt, werden die schriftlichen und mündlichen Leistungen aus dem Kurs herangezogen und er kann die Prüfung trotzdem bestehen.

Die Lehrer korrigieren die Prüfungen selbst, die Ergebnisse werden (auf Papier) dokumentiert und zusammen mit der Prüfung in einem verschlossenen Schrank aufbewahrt.

Die TN bleiben so lange an der Schule, bis sie die letzte Prüfung bestanden haben (B1 – B2). Das kann bis zu drei Jahre dauern. Wenn es bei einem TN auch nach langem Schulbesuch keine Möglichkeit gibt, die Prüfung zu bestehen, wird die Kommune informiert und empfohlen eine praktische Tätigkeit zu suchen.

Agnes ist die pädagogische Leiterin der Kvarnby Folkhögskola für den Bereich sfi (svenska för invandrare). Sie ist die „gute Seele“ der Schule und sorgt mit schöner Einrichtung, Pflanzen und vielen Details für eine angenehme Lern- und Arbeitsatmosphäre.

Tag 7 in der Kvarnby Folkhögskola

Mein letzter Tag!

Heute ist Prüfungstag und als alle Prüfungen laufen, nimmt Agnes mich mit zur „richtigen“ Kvarnby Folkhögskola in Kvarnby, https://www.kvarnby.fhsk.se/

Es gibt die drei Standorte:

  • Gullvik (nur svensk för invandrare)
  • Kvarnby (Hauptstandort, allgemeine Kurse)
  • Kulturhaus/Mazetti (Zeichenschule, Comics)

In Kvarnby finden die allgemeinen Kurse statt. Man kann sein Schwedisch weiter verbessern, Schulabschlüsse machen und Bücher schreiben lernen. Für alle Kurse gibt es eine Art Bafög. Das Haus ist nach einem Brand neu aufgebaut und sehr hell und freundlich. Hier lernen ca. 70 Teilnehmer unter angenehmsten Bedingungen!

In Schweden hat jede Folkhögskola eine bestimmte Ausrichtung, die kirchlich, politisch oder vereinsorientiert sein kann. Kvarnby ist eine links orientierte Schule, die von vielen verschiedenen Organisationen gefördert wird.

https://www.kvarnby.fhsk.se/bra-att-veta/vara-huvudman/

”Skolan är … den breda vänsterns skola.”

In der Kvarnby Folkhögskola kann man auch online lernen in einem „distanskurs“.

Für den 14-monatigen Sprachkurs auf Kuba macht man eine Vorbereitung in Form eines „distanskurses“ und lernt so alles über Geschichte, Wirtschaft, Kultur Kubas. Auch die praktische Vorbereitung für die Reise wird online gemacht. https://www.kvarnby.fhsk.se/utbildning/vansterns-akademi/spanska/

Zum 100. Jahrestag des Matrosenaufstands und der Revolution in Deutschland gibt es ein Online-Seminar https://www.kvarnby.fhsk.se/utbildning/vansterns-akademi/rosa-luxemburg-och-den-tyska-revolutionen-1918-19/  mit Henning, dem Schulleiter. Das Seminar ist ausgebucht. Im Anschluss findet dann im Januar eine Studienreise nach Berlin statt.

Als Agnes und ich zurück nach Gullvik kommmen, sind die Prüfungen beendet und die Lehrer treffen sich zum gemeinsamen Mittagessen in der Cafeteria. Einige bringen sich ihren „lunch“ von zu Hause mit, andere essen „paj och sallad“ bei Obeida.

Für den Nachtisch habe ich gesorgt und einen Käsekuchen gebacken.

Die sieben Tage in der Kvarnby Folkhögskola waren eine großartige Erfahrung! Ich bin von allen sehr herzlich empfangen worden. Henning und Agnes haben mir trotz ihrer vielen Arbeit sehr viel Zeit geschenkt und meine Fragen immer geduldig beantwortet.

Ich durfte bei allen Lehrern trotz der Prüfungsvorbereitung hospitieren und auch sie haben in ihren Pausen sehr viel Zeit mit mir verbracht, mir Vieles erklärt und mir sehr guten Sprachunterricht gegeben!

Die vhs Husum sucht schon lange Dozenten für Schwedisch-Bildungsurlaube im nächsten Jahr. Drei Lehrer haben großes Interesse und kommen vielleicht nach Husum! Es wäre toll, wenn daraus eine vhs-Partnerschaft entstünde!

Det var jättefint! Ett stort tack!

Schlusswort

Digitalisierung?

Schweden ist DAS Land in Europa mit Vorbildfunktion im Bereich der Digitalisierung. https://www.techtag.de/digitalisierung/schweden-und-die-digitalisierung-ein-land-mit-vorbildfunktion/

Sfi – Kurse und Digitalisierung

Auch hier hat Schweden eine Vorbildfunktion!

Die Bürokratie in sfi – Kursen und die Datenübermittlung an Staat und kommunale Behörden sind auf ein Minimum reduziert und lassen Zeit für die wirklich wichtigen Dinge zur Vermittlung einer fremden Sprache und Kultur!

 Lernen in sfi – Kursen

Für die Lernenden sind die Kurse kostenlos. Jeder lernt je nach Vorbildung in unterschiedlichen Kursen in seinem eigenen Tempo. Es gibt kein Stundenkontingent. Jeder hat die Zeit, die er braucht um die Sprache zu lernen!

Stressfreies Lernen, Lehren und Arbeiten in angenehmer Atmosphäre stehen in der Kvarnby Folkhögskola im Vordergrund!

Danke für diesen wertvollen Einblick!

Danke für diese Zeit!

Digital Extra – eLearning for use in schools and museums, Stockholm

von C. B.

Tag 1: Samstag, 4.8.2018

Aufstehen um drei Uhr morgens … das habe ich schon lange nicht mehr gemacht! Aber was tut man nicht alles für einen Direktflug von Hamburg nach Stockholm? Ich staune also über die vielen Menschen, die um diese Uhrzeit schon Koffer schieben, schreiende Kinder trösten und noch schnell Plastikflaschen entsorgen. Ich fliege nicht gern, schaffe es aber tatsächlich, im Flugzeug einzuschlafen. Bei knapp eineinhalb Stunden Flugzeit macht das den Kohl aber auch nicht fett. Es ist schon fast zu einfach: In Stockholm bekomme ich meinen Koffer in Windeseile, ziehe mir am Automaten (Schwedisch! Ich spreche kein Schwedisch!) ein Ticket für den Bus, der dann auch eine Minute später von Arlanda in die Innenstadt abfährt. Ein kurzer Umstieg in die S-Bahn und um halb zehn stehe ich in meinem Hotel. Todmüde. Das Zimmer ist erst ab 15 Uhr bezugsfertig. War ja klar. Dann also Koffer abstellen und raus ins schwedische Leben: Die S-Bahn bringt mich in die Innenstadt, wo mich ein Wolkenbruch empfängt. Nach gefühlten Wochen mit Temperaturen über 34 Grad in Hamburg ist das geradezu ein Geschenk. Die nassen Füße weniger, aber wir wollen nicht meckern. Als regelorientierte Deutsche habe ich meinen Reiseführer im Gepäck und den entsprechenden Stadtplan sowie den Verkehrswegeplan downgeloaded auf meinem Handy. Schließlich bin ich hier zu einer Fortbildung, die „digital extra“ heißt. Die vielen Gassen, wenn auch rechtwinklig angelegt, verwirren mich allerdings doch … oder bin ich nur einfach k.o.? Irgendwann gebe ich es auf mit der Orientierung und schlendere einfach drauflos: skandinavisches Design, H&M (ich erwarte irgendetwas Ursprüngliches, werde aber enttäuscht), Souvenirs … Ich lasse mich treiben und lande ganz von selbst an meinem anvisierten Ziel: Gamla Stan. Enge und engste Gässchen bilden auf einer der vielen Inseln, aus denen Stockholm besteht, die Altstadt.

Altstadt von Stockholm

Ich bummle herum und freue mich, dass mein Kurs erst am Sonntagabend beginnt, so kann ich die Stadt schon ein wenig auf eigene Faust erkunden. Hatte ich erwähnt, dass ich eigentlich todmüde bin?
Inzwischen scheint wieder die Sonne und die Stadt lässt langsam ihren Zauber walten: Wasser, wohin man sieht, Schlösser, Museen, Schiffe, weiße Wolken am blauen Himmel … Ich setze mich in einem Park in eine Teestube und genieße es, dem Treiben zuzusehen. Die nächsten Designkaufhäuser und Museen spare ich mir für einen anderen Tag und beschließe, zum Hotel zurückzukehren. Und, oh Wunder! Das Zimmer ist jetzt frei und ich kann meine Unterkunft für die nächsten sieben Tage beziehen: Es ist ein Apartmenthotel in einem nördlichen Stadtteil (Solna) und mein Zimmer besteht aus Schlafzimmer mit Sitz- und Essecke sowie einer Küche und einem Bad. Prima! Mittagsschlaf kann herrlich sein!

Morgen Vormittag steht eine zweieinhalbstündige Schifffahrt (man braucht dieses Wort mit den drei „f“ also doch mal :-)) auf meinem Programm. Im Voraus online gebucht, Ticket auf dem Handy. Wenn das nicht digital ist!

Tag 2: Sonntag, 5.8.2018

Bevor es losgeht: Sehr euch diesen Himmel an…

Dafür hat sich die Fahrt nach Schweden schon gelohnt! Aber es kommt noch besser:
Nach wohlverdientem Schlaf hatte ich für heute Vormittag eine zweieinhalbstündige Schärenfahrt gebucht. Überpünktlich – um auf jeden Fall einen guten Platz zu ergattern – war ich am Fähranleger und wurde zum Kaffeetrinken geschickt: Das Schiff musste noch geputzt werden. Ich setzte mich in ein kleines Café gegenüber der Pier und kam mit einer jungen Frau ins Gespräch, die dort ihr Frühstück einnahm. Wir unterhielten uns eine ganze Weile, auf Englisch, weil sie aus Weißrussland kam. Sie ist Künstlerin, lebt in Stockholm und hat hier bereits mehrere Ausstellungen gehabt. Sie zeigte mir Fotos davon auf dem Handy und schwärmte vom Ingmar Bergmann Museum gleich um die Ecke. So verging die Zeit bis zur Abfahrt des Schiffes wie im Flug.

Das Schiff, das von außen nicht besonders viel hermachte, entpuppte sich als äußert schönes altes Schiff mit Holzmobiliar und grünen Samtsitzen. Ich fand einen Platz außen auf der umlaufenden Bank, die durch eine Art Dach vor Sonne und Regen geschützt war. Eine Reiseleiterin begleitete die Tour auf Schwedisch und Englisch: Wir fuhren durch die Schäreninseln bis nach Wäxholm und wieder zurück. Diese Inseln, von denen es über 30.000 gibt, erwiesen sich als das schwedische Idyll, das man im Kopf hat: rotbraune oder gelbe Ferienhäuser mit Anlegestegen und flache große Steine, die direkt ins Wasser führen. Ein Traum!

Im Übrigen sind auch die Stockholmer S-Bahn-Stationen einen Blick wert: Sie liegen extrem tief unter der Erde und sind wie Höhlen gestaltet. Alle sind bemalt und thematisch mit Bezug zu ihrer Umgebung ausgeschmückt:

U-Bahnstation in Stockholm

Tag 3: Montag, 6.8.2018

Es ist 22 Uhr und ein langer Tag liegt hinter mir: Gestern Abend, also am Sonntag, stand das erste Gruppentreffen auf der Dachterrasse des Hotels auf dem Programm. Die drei Lehrer stellten sich vor und natürlich die insgesamt 11 Teilnehmer aus zwei Kursen: digital extra und SMILE (ein museumspädagogischer Kurs). Ein gemeinsames Pizzaessen bei einem Italiener um die Ecke ermöglichte erste Kontakte: Wir sind vier Griechen, ein Österreicher, eine Spanierin, ein Italiener und vier Deutsche. Heute Morgen dann die ersten Unterrichtsstunden in einem kleinen Tagungsraum im Hotel. Die Stimmung war fröhlich.

David stellte uns das Kursprogramm vor und führte uns mit Fragen wie „was ist ein Museum?“, „wie funktioniert ein Museum?“, „wie und was lernt man in einem Museum?“ in das Thema ein. Wir Teilnehmer waren schon vor dem Start gebeten worden, drei Objekte mitzubringen und sie als „unser Museum“ vorzustellen. Das fing gleich gut an, als Maria, eine der vier Griechinnen, ein Lied zu singen begann, das sie besonders liebt. Alle stellten ihre drei Objekte und damit sich selbst der Gruppe vor. Zum Mittagessen gab es ein Spezialitätenbuffet, zu dem wir ebenfalls durch eine Leckerei aus der jeweiligen Heimat, beigetragen haben. In meinem Fall war das eine große Packung Lübecker Marzipan.

Schwedisches Spezialitätenbuffet

Am Nachmittag ging es dann per S-Bahn mit unserem Guide Steven in die Altstadt. Er führte uns durch die engen Gassen und erklärte Details zu Stockholms Geschichte. Vorher waren vier Gruppen gebildet und jeweils mit einem iPad ausgerüstet worden, um Fotos zu machen. Diese werden später mithilfe einer besonderen App zu einer Dokumentation zusammengeführt. Dazu später mehr.

Der Abend klang aus mit einem gemeinsamen Abendessen in der Altstadt. Ein witziger Kellner, der allen Ehrgeiz daran setzte, unsere Bestellungen ohne Notizen zu bringen (Er sei Schachspieler, erklärte er stolz), trug zur guten Stimmung bei.

Gegen halb zehn waren wir wieder im Hotel und morgen geht es um Viertel vor acht (!) weiter…

Tag 4: Dienstag, 7.8.2018

Heute ist Dienstag und der Tag begann sehr früh: Schon um zehn vor acht haben wir uns vor dem Hotel getroffen, um gemeinsam zum weltweit ältesten Freilichtmuseum zu fahren, nach „Skansen“. Es handelt sich um ein Museum mit Freizeitpark und Zoo auf der großen Parkinsel Djurgarden mitten in Stockholm.

Im Skansen-Freilichtmuseum

Anfang des 20. Jahrhunderts wollte man verschiedene schwedische Baustile hier vereinen, um schwedische Identität zu zeigen und zu bewahren. Man zerlegte typische Häuser in allen Regionen des Landes und baute sie in Skansen wieder auf. Eine Führerin in Tracht erzählte uns vom Leben der Armen und der Reichen in den letzten Jahrhunderten. Wir konnten die Häuser betreten und auch alles anfassen. Witzig war, dass viele Kostümierte durch den Park liefen, als wären sie im letzten Jahrhundert. Man konnte sie ansprechen und zu ihrem „Leben“ befragen. So interviewten wir den Lehrer in der Dorfschule und die Krankenschwester, die auf einem alten Fahrrad umherfuhr.

Im Anschluss gab es ein typisch schwedisches Mittagessen und weiter ging’s mit der Fähre zurück in die Altstadt, wo wir im „Levande Historia“ (lebende Geschichte) ebenfalls durch die Ausstellung geführt wurden. Dies ist eine neuere Einrichtung, die auf einen ehemaligen Premierminister zurückgeht, der in Sorge um die historische und politische Bildung der Bevölkerung dieses Institut errichtete, das sich mit dem Holocaust beschäftigt, aber auch andere Themen aufgreift. Von hier aus war es nur ein kurzer Weg ins Mittelalter-Museum.

Uns qualmten zwar im wahrsten Sinne schon die Socken, aber tapfer kämpften wir uns durch die Stadtgeschichte Stockholms. Der Tag schloss wieder mit einem gemeinsamen Abendessen in der Altstadt. Der letzte Akt am Abend war dann natürlich das Lerntagebuch zu schreiben, bei schlechtem WLAN und dem Wunsch, auch Fotos zu schicken, kein leichtes Unterfangen! Aber wenigstens kann man dabei sitzen!

Tag 5: Mittwoch, 8.8.2018

Am Mittwochmorgen gab es eine kleine Theorieeinheit im Hotel: Das Erstellen von QR-Codes stand auf dem Programm. Mithilfe von Apps lassen sich QR-Codes mit Texten, Videos, Bildern hinterlegen, so dass man Schülergruppen zum Beispiel eine Art Schnitzeljagd durch ein Museum machen lassen kann. Oder Teilnehmer erstellen selbst QR-Codes (mithilfe eines Minidruckers lassen diese sich auch direkt vor Ort ausdrucken!). Für die Perfektionisten kann man diese QR-Codes sogar farbig hinterlegen und mit einem Logo oder Foto versehen.

Im Anschluss an den Besuch im Skansen Freilichtmuseum diskutierten wir die schwierige Aufgabe der Identitätsbildung für Museen. Nach dieser theoretischen Stunde machen wir uns aber auch wieder auf den Weg und das nächste Museum war wirklich atemberaubend: Vasa-Museum. Ich hatte vorher im Reiseführer gesehen, dass es ein Museum für ein altes Kriegsschiff gab, dies aber insgeheim als „langweilig“ aussortiert. Nun standen wir vor einem Schiff aus dem 17. Jahrhundert, das zu 98 % Original erhalten geblieben ist!

Kriegsschiff im Vasa-Museum

Die Geschichte dazu ist so einzigartig, dass ich sie hier kurz erzählen möchte: Im dreißigjährigen Krieg bekam der schwedische König einen Trump-Anfall und wollte allen zeigen, dass er der beste, größte und mächtigste König ist. Er ließ das bis dahin größte Kriegsschiff der Welt bauen und forderte kurz vor Bauende noch ein weiteres Kanonendeck. Die Schiffsbauer waren skeptisch, erfüllten aber die Wünsche des Königs. Bei der Jungfernfahrt mit über 300 Seeleuten an Bord fuhr das Schiff genau 1000 Meter … und sank. Es sank noch im Stockholmer Hafen, wo es 333 Jahre auf Grund lag. Natürlich war es im 17. Jahrhundert undenkbar, dieses Schiff zu heben, dazu hätten die technischen Möglichkeiten nicht ausgereicht. Das Schiff geriet über die Jahrhunderte in Vergessenheit. Erst 1961 (!) wurde es gehoben und baute dieses Museum sozusagen um dieses Schiff herum. Ein weiteres Detail: Die besondere Mischung des Hafenwassers von Stockholm – eine Mischung aus Süßwasser aus dem Mälarensee und aus Salzwasser der Ostsee – verhinderte, dass das Holz des Schiffes unter Wasser zerfiel, denn die Mikroben, die normalerweise dafür verantwortlich sind, fehlen hier. Ein tolles Museum, in dem man auf sieben Galerien um das Schiff herum alles Wichtige erfährt.

Nach dem Mittagessen ging es weiter ins technische Museum, das auf den ersten Blick nicht besonders auffällig war. Die Schwüle machte uns zu schaffen und wir schlenderten etwas angestrengt durch die Ausstellung. Das Highlight des Tages war dann aber dies: Wir hatten die Möglichkeit, im Fernsehstudio des Museums eine Nachrichtensendung mit uns zu drehen. Diese wurde aufgezeichnet und wird heute Abend im Offenen Kanal Stockholm gezeigt! David, unser Lehrer, wird sie auf Youtube stellen, so dass auch ihr Daheimgebliebenen sie sehen könnt. Wir bildeten Gruppen von Kameraleuten, Cuttern, Interviewern, Textschreibern etc. und machten uns an die Arbeit.

Nach knapp zwei Stunden zeichneten wir unsere eigene Nachrichtensendung auf und sind sehr stolz auf das Ergebnis!

So schnell geht ein Tag zu Ende! Unsere mediterranen Kollegen zogen noch weiter in die Stadt, aber wir Nordeuropäer kehrten erschöpft ins Hotel zurück: Morgen machen wir einen Tagesausflug nach Schloss Gripsholm!

Tag 6: Donnerstag, 9.8.2018

Um neun Uhr ging es mit zwei großen Taxis los in die Stockholmer Umgebung. Ca. 100 km vor der Stadt liegt der Ort Mariefred (Marienfrieden) mit Schloss Gripsholm. Hier liegt Kurt Tucholsky begraben. Der Tag versprach heiß zu werden: Blauer Himmel und Sonne wie am Mittelmeer. Wir besichtigten die Renaissancestadt mit der kleinen Ladenstraße und den Promenaden am See. Eine herrliche Ruhe liegt über diesem Land und die entspannte Atmosphäre eines Ferienortes, wo man direkt an der Promenade in den See springen kann, wenn einem der Badesteg zu eng ist, lässt uns schon Pläne für den Sommerurlaub im nächsten Jahr schmieden.

Wir besichtigen das Schloss Gripsholm mit der berühmten Gemäldegalerie und schlendern durch die Stadt. Zurück nehmen wir das Dampfboot, das uns in vier Stunden wieder nach Stockholm bringt. Während der Fahrt über den Mälarensee genießen wir den Blick auf die vielen Inseln und Badestellen und am Schluss die Einfahrt in die Stadt bei Sonnenuntergang.

Stockholm bei Sonnenuntergang

Der Abend endet etwas stillos in einem „MAX“, was dem schwedischen McDonalds entspricht, aber wir wollen nicht meckern. Alle sind voller Eindrücke, müde und freuen sich auf eine Dusche.

Tag 7: Freitag, 10.8.2018

Es ist Freitag! Die Woche ist um und die Stimmung ist bestens! Steven führt uns am Vormittag durch zwei Stadtteile im südlichen Stockholm, um uns zwei weitere Stückchen Stadtgeschichte zu zeigen.

Vor allem die „Gartenstadt“ mit den kleinen Häuschen für die Arbeiter des frühen 20. Jahrhunderts, die heute fast alle von Architekten bewohnt werden, gefallen uns. Nach einem letzten Lunch im Hotel geht es an die Auswertung der Woche: Wir müssen in unseren Gruppen mit Hilfe einer App ein Video erstellen. Über zwei Stunden sitzen wir daran, es macht viel Spaß! Wir können auch Texte dazu einsprechen, Musik einspielen usw. Unser Endergebnis ist vier Minuten lang und wir sind zufrieden. Alle Gruppen präsentieren ihre Videos, außerdem sehen wir „unsere“ Fernsehsendung auf dem Offenen Kanal.

Schließlich gibt es noch ein Zertifikat und Applaus für alle!
Zum Abendessen werden wir dann in ein schwedisches Lokal auf der Insel Södermalm ausgeführt und essen ganz ausgezeichnet: mit Lachs gefüllte Heringe (!), Pytti panna (fast wie Labskaus), Elchklöße und Lachsfilet. Wir schwelgen und feiern unseren Abschied. Das Dessert setzt dem ganzen dann noch die (schwedische) Krone auf!
Wie das dann immer so ist, tut man sich am Ende schwer mit dem Abschied: Viele Küsschen und Umarmungen und Wünsche für die Heimreise und ein Wiedersehen! Vor mir aus gern!
Wir beschließen den Kurs mit einem Ausblick über das nächtliche Stockholm, vom Katharinahisse:

Stockholm bei Nacht

Tag 8: Samstag, 11.8.2018

Alle Adresse sind ausgetauscht, alle Fotos in einer WhatsApp-Gruppe geteilt. Die ersten Teilnehmer sind zum Flughafen gefahren und die Gruppe wird immer kleiner. Ich nutze den nicht mehr so heißen, aber sonnigen Tag für eine Busfahrt durch verschiedene Stockholmer Stadtteile und bummle durch Geschäfte. Schließlich wollen die Lieben zu Hause auch einen Eindruck bekommen. Am Nachmittag fahre ich an einen der vielen Seen an eine Badestelle und gehe schwimmen… Wie herrlich!

Das Wasser ist kühl und angenehm. Kleine Fische schwimmen vor mir weg und ich glaube, ich bin hier die einzige Touristin … Am Abend sortiere ich meine Unterlagen, lasse meine Bordkarte ausdrucken und setze mich mit einem letzten Abendessen auf die Hotelterrasse im neunten Stock: Der Himmel ist dramatisch, neben mir hören drei deutsche Jugendliche das Lied „Pocahontas“ von AnnenMayKantereit. Da muss ich denn doch grinsen …

Fazit

Ein achttägiger Stockholm-Aufenthalt im Hochsommer verspricht ja an sich schon Genuss. Wenn er nun noch verbunden ist mit dem Besuch von acht außergewöhnlichen Museen und deren digitaler Erkundung, dann kann man mehr als dankbar sein für so eine Chance!

Vom 4. bis 12. August 2018 habe ich am Kurs „digital extra“ von EUcourses in Stockholm teilgenommen. Der Kurs beinhaltete auch Unterkunft – in einem Apartmenthotel – und Vollpension. Wir waren wirklich rundum versorgt. Eintritte und Fahrgelder waren ebenfalls enthalten. Die Veranstalter, insg. drei Schweden, haben uns sehr routiniert und erfahren durch die Woche geführt. Eingerahmt wurde das Besichtigungsprogramm von Unterrichtseinheiten mit theoretischen Inhalten zu Museumskonzepten, Fragen der Identität, der Besichtigungsmöglichkeiten etc.

„Wir“, das waren 11 Teilnehmer aus Griechenland, Österreich, Spanien, Italien und Deutschland. Sehr schnell stellte sich ein aus alten Tagen bekanntes „Klassenreisegefühl“ ein: Man alberte herum, lachte zusammen und – als Tribut an neue Zeiten – schoss zahllose „Selfies“ oder „Groupies“! Die Stimmung war sehr locker und angenehm. Wir bildeten insgesamt drei Gruppen, die mit verschiedenen Aufgabenstellungen zusammen unterwegs waren. Zum einen wurde der „Blick“

geschult: Wir durften an einem Tag in der Gruppe nur Fotos mit dem Thema „gelb“ machen. An einem Tag wurde die Zahl der Fotos limitiert. Fotos wurden übrigens mit einem eigens verteilten iPad gemacht. Jede Gruppe verfügte über eines und konnte so ihre Fotos und Videos sammeln. In einem Museum wurden den Gruppen unterschiedliche Ausstellungsobjekte zugewiesen, die sie den anderen präsentieren sollten, indem sie eine „Geschichte“ dazu erzählten. Eine QR-Code-Rallye wurde entwickelt, wir konnten eine eigene Nachrichtenshow in einem echten Fernsehstudio aufnehmen und und und.

Und gibt es auch etwas zu meckern? Wenn es denn unbedingt sein muss: Die Englischkenntnisse einiger Teilnehmer waren mehr als dürftig, was zu Beeinträchtigungen in der Gruppenarbeit, aber auch bei den theoretischen Exkursen geführt hat. Darauf sollte man in Zukunft vielleicht ein bisschen mehr achten.

Ich habe diesen Kurs mehr als genossen und bin voller Ideen wieder nach Hause zurückgekehrt.

Meine Kollegen zu Hause werden sich jedenfalls unsere „Nachrichten“ und das Video ansehen müssen, versüßt mit Knäckebrot und Lachs aus Stockholm!