Gruppenreise zu BNE in Malmö

Dienstag, 25. August 2026

Am Dienstag, den 25.08., haben wir zunächst den Studienverbund Studiefrämjandet in Helsingborg besucht. Gemeinsam mit der „folshögskola“ bilden die Studienverbünde die Struktur, die den Volkshochschulen in Deutschland am ähnlichsten ist. Dieser Besuch als Auftakt der Erasmus-Reise diente auch dazu, ein Verständnis für das System der Erwachsenenbildung in Schweden zu entwickeln.

In den Studienverbünden sind verschiedene Organisationen Mitglied. Bei Studiefrämjandet sind das vor allem Organisationen im Bereich Umwelt, Natur, Haustiere und Kultur. Anders als an einer Volkshochschule bilden sich bei den Studienverbünden sogenannte Studienzirkel, die einen ehrenamtlichen Gruppenleiter oder eine Leiterin benennen. Die Leitenden bekommen in seltenen Fällen ein Honorar. Dadurch entstehen auch in der Regel keine oder kaum Kurskosten und die Teilnahme ist in der Regel kostenfrei. Thema und Lernziele werden selbst gewählt. Kursleitende durchlaufen eine Qualifizierung, um darauf vorbereitet zu sein, gemeinsam mit einer Gruppe im Lernen voranzukommen.

Teilnehmen können alle ab 13 Jahren, da ab diesem Alter von einer Freiwilligkeit ausgegangen wird. Denn die freiwillige Teilnahme ist ein wesentlicher Gedanke der Studienzirkel. Damit ein Studienzirkel auch als solcher arbeiten darf, müssen sich mindestens drei Personen dreimal treffen und neun Stunden zusammen lernen. Danach ist die Gruppe in der Regel geschlossen und niemand kann hinzukommen.

Alle schwedischen Studienverbünde haben unterschiedliche Wurzeln: Sie sind parteinah, kirchlich oder auch gewerkschaftsnah. Dies bildet sich auch in den in den einzelnen Mitgliedsorganisationen ab.

Den Bezug zu unserem Thema „Bildung für nachhaltige Entwicklung“ (BNE) konnten wir beim Studienverbund „Studiefrämjandet“ leicht herstellen: Das Programm konzentriert sich auf naturnahe Kurse wie „Birdwatching“, Klimawandel und mehr.

Besonders interessant war für die Gruppe der Aspekt der Zusammensetzung von Studienzirkeln. Die schwedischen Kolleg*innen haben ihre Kursteilnehmenden als sehr divers bezeichnet, die gemeinsam ihren Lehrplan entwickeln und so einen niedrigschwelligen Zugang zur Teilnahme ermöglichen. Unterstützt wird dies dadurch, dass die Kurse kostenlos sind und die Möglichkeit bieten, Materialien oder Musikinstrumente zu nutzen.

Eine Idee, die in unseren Austauschgesprächen in der Gruppe im Anschluss an den Besuch bei Studiefrämjandet entstand, war das Thema BNE in die (Erst-)Gespräche mit (neuen) Dozent*innen aufzunehmen.

Mittagessen gab es auf der Festung Helsingborgs mit Blick auf Stadt und Hafen – und alles bei schönstem Sonnenschein. Anschließend erkundeten wir noch Helsingborg zu Fuß.

Am Nachmittag ging es zurück nach Malmö, zur „Kvarnby Folkshögskola“ mit ihrem deutschen Schulleiter Henning Süssner Rubin. Unser Schwerpunkt hier lag auf sozialer Nachhaltigkeit und dem zweiten Standbein der schwedischen Erwachsenenbildung (folkbildning): den Volkshochschulen (folkhögskolor). Die schwedischen Volkshochschulen (Folkhögskolor) befinden sich meist in freier Trägerschaft – beispielsweise von Gewerkschaften, Parteien oder der Kirche. Die besuchte Kvarnby Folkshögskola in Malmö wurde ursprünglich von der Linkspartei gegründet. Heute wird sie gemeinsam von rund 150 Genoss*innen und 40 Vereinen getragen.

Die Schule erhält staatliche Fördermittel und übernimmt zudem kommunale Aufträge, etwa im Bereich der Erwachsenenbildung, wie z. B. Schwedischkurse für Migrant*innen. Im Gegensatz zu vielen deutschen Einrichtungen bieten schwedische Volkshochschulen häufig Vollzeitbildungen an, teilweise mit Internatsanschluss. Die Kvarnby Folkshögskola verzeichnet pro Semester etwa 300 Teilnehmende.

Angebote und Besonderheiten

1. Zweiter Bildungsweg ab 18 Jahren: Die hiesige Volkshochschule ist seit 1987 als Tagesvolkshochschule organisiert.

2. Sprachkurse: Es werden Schwedischkurse von Niveau A1 bis B1 angeboten, die kommunal finanziert sind.

3. Zugang für Migrant*innen: Nach zwei Jahren legalem Aufenthalt in Schweden haben Migrant*innen Anspruch auf staatlich geförderte Kurse. Im Unterschied zu Deutschland besteht der Einbürgerungstest in Schweden nur aus einem Wissens- und nicht aus einem Sprachtest.

Insgesamt gibt es in Schweden 152 Volkshochschulen. Zu den besonderen Abschlüssen, die angeboten werden, zählen beispielsweise eine Ausbildungen zur Comiczeichner*in oder zur Autor*in. Diese Abschlüsse sind in Schweden staatlich anerkannt, aber es handelt sich nicht um einen formellen Abschluss. Für solche Ausbildungen kann BAföG-ähnliche Förderung beantragt werden, wobei etwa 80% der Förderung als Darlehen gewährt wird. Auch EU-Bürger*innen haben nach zwei Jahren Aufenthalt Anspruch auf diese Förderung.

Nachhaltigkeit und Infrastruktur (BNE)

Die Schule setzt stark auf Nachhaltigkeit:

  • Serviceverträge für Geräte, Nutzung von refurbished Computern
  • Abfallreduktion, Reduzierung von Chemikalien in Reinigungsmitteln
  • Energieeinsparmaßnahmen, Installation einer Solaranlage
  • Vegetarische Kantine
  • familienfreundliche Schulzeiten
  • eigene Bienenstöcke
  • eigenes Klärwerk

Das Schulgebäude stammt ursprünglich aus dem Jahr 1877. Nach einem Brand im Jahr 2013 wurden große Teile des Gebäudes umfassend erneuert. Heute präsentiert sich die Schule als ansprechende Einrichtung am Stadtrand von Malmö, eingebettet in eine grüne Umgebung, die eine lernfreundliche Atmosphäre bietet.

Abends waren wir im folkets park bei far i hatten (Vater im Hut) leckere Holzofenpizza essen und ließen den Abend ausklingen:

Mittwoch, 26. August

Am 26. August 2026 besuchten wir im Rahmen unserer Erasmus+-Bildungsreise die Initiative Backa Kåken in Malmö, Schweden. Der Besuch bot uns die Möglichkeit, ein beispielhaftes BNE-Projekt kennenzulernen und uns mit Fragen nachhaltiger Stadtentwicklung, demokratischer Beteiligung, sozialer Gerechtigkeit und kultureller Teilhabe auseinanderzusetzen.

Backa Kåken ist eine gemeinnützige, lokal verankerte Initiative im Stadtteil Kirseberg. Ihr Ziel besteht darin, das ehemalige Gefängnisgelände in einen offenen, gemeinschaftlich genutzten Ort umzuwandeln. Anstelle eines Abrisses und einer vollständigen Neubebauung sollen die vorhandenen historischen Gebäude erhalten und nachhaltig weiterentwickelt werden. Vorgesehen sind unter anderem Räume für Bildung, Kultur, Handwerk, Vereine, soziale Projekte, kleine Unternehmen und gemeinschaftliche Aktivitäten.

Damit verbindet das Projekt ökologische, soziale, wirtschaftliche und kulturelle Aspekte.

Aus Sicht der BNE ist besonders bedeutsam, dass Backa Kåken Nachhaltigkeit nicht ausschließlich als Umweltschutz versteht. Die Initiative zeigt vielmehr, dass nachhaltige Entwicklung hier auch mit der Frage verbunden ist, wie Menschen zusammenleben und gemeinsam Verantwortung für ihren Stadtteil übernehmen können. Durch die geplante Umnutzung der bestehenden Gebäude könnten Ressourcen geschont und historische Bausubstanz bewahrt werden. Gleichzeitig sollen Räume entstehen, die für unterschiedliche Bevölkerungsgruppen zugänglich sind und Begegnung, Lernen und Zusammenarbeit ermöglichen. Nachhaltigkeit wird somit als ganzheitlicher Prozess verstanden, der ökologische Verantwortung mit sozialer Gerechtigkeit und demokratischer Mitgestaltung verbindet.

Backa Kåken versteht sich als Initiative, in der Bewohnerinnen und Bewohner, Vereine, Kulturschaffende, Bildungsorganisationen und weitere lokale Akteurinnen und Akteure ihre Ideen einbringen können. Entscheidungen über die zukünftige Nutzung des Geländes sollen nicht ausschließlich von politischen oder wirtschaftlichen Institutionen getroffen werden. Stattdessen wird versucht, möglichst viele Menschen in die Entwicklung einzubeziehen. Dieser Ansatz entspricht einem wichtigen Grundgedanken der BNE: Lernende und Bürgerinnen und Bürger sollen nicht nur über nachhaltige Entwicklung informiert werden, sondern die Möglichkeit erhalten, ihre Lebenswelt aktiv mitzugestalten.

Für uns wurde deutlich, dass demokratische Beteiligung gelernt und praktisch erfahren werden muss. Backa Kåken bietet hierfür ein anschauliches Beispiel. Die Initiative zeigt, wie aus gemeinsamen Interessen, ehrenamtlichem Engagement und lokaler Zusammenarbeit konkrete Zukunftsvorstellungen entstehen können. Gleichzeitig wurde sichtbar, dass Beteiligungsprozesse Zeit benötigen und mit unterschiedlichen Interessen, organisatorischen Herausforderungen und gelegentlichen Konflikten verbunden sind.

Gerade diese Erfahrungen sind für die BNE wertvoll, weil sie Nachhaltigkeit nicht als einfache Lösung, sondern als gemeinsamen Aushandlungsprozess erfahrbar machen.

Auch die soziale Dimension der Nachhaltigkeit spielte eine wichtige Rolle. Backa Kåken möchte einen Ort schaffen, an dem Menschen unabhängig von Alter, Herkunft, Einkommen oder beruflichem Hintergrund zusammenkommen können. Bezahlbare Räume für Vereine und Initiativen sollen gesellschaftliches Engagement ermöglichen und stärken. Die geplante Nutzung des ehemaligen Gefängnisgeländes kann dadurch zur sozialen Integration und zur Belebung des Stadtteils beitragen. Kultur, Bildung, Freizeit und gemeinschaftliche Projekte werden als Möglichkeiten verstanden, Menschen miteinander zu verbinden und Teilhabe zu fördern.

Besonders interessant war in diesem Zusammenhang die Nutzung der Direktörsvillan. Das Gebäude dient als Ort für unterschiedliche Organisationen, kreative Projekte, Bildungsangebote und soziale Initiativen. Dadurch wird beispielhaft deutlich, wie gemeinschaftlich genutzte Räume Bildungsprozesse unterstützen können. Lernen findet hier nicht nur in klassischen Unterrichtssituationen statt, sondern auch in Workshops, Gesprächen, praktischer Zusammenarbeit und kulturellen Aktivitäten. Diese Formen des non-formalen Lernens entsprechen den Zielen der BNE, da sie Selbstständigkeit, Verantwortungsübernahme, Kreativität, Kooperation und Reflexionsfähigkeit fördern.

Der Besuch ermöglichte uns außerdem, die Bedeutung von kultureller Nachhaltigkeit kennenzulernen. Das ehemalige Gefängnisgelände ist ein historisch bedeutsamer Ort. Bei seiner zukünftigen Entwicklung soll die Geschichte des Areals nicht verdrängt werden. Vielmehr soll sie sichtbar bleiben und als Anlass für Auseinandersetzung und Lernen dienen. Die geplante Verbindung von Denkmalschutz, Kulturarbeit und zeitgemäßer Nutzung zeigt, dass nachhaltige Entwicklung auch den verantwortungsvollen Umgang mit Geschichte und kulturellem Erbe umfasst. Historische Gebäude können dadurch nicht nur bewahrt, sondern für aktuelle gesellschaftliche Fragen neu interpretiert werden.

Ein weiterer wichtiger Aspekt war die Verbindung von lokalem Handeln und globaler Verantwortung. Die Herausforderungen, mit denen sich Backa Kåken beschäftigt, sind in vielen Städten Europas relevant: die Nutzung knapper Flächen, der Erhalt historischer Gebäude, der Zugang zu bezahlbaren Räumen und die Entwicklung lebendiger Stadtteile.

Das Projekt macht deutlich, dass globale Nachhaltigkeitsziele auf lokaler Ebene konkret werden. Fragen zu nachhaltigen Städten und Gemeinden, hochwertiger Bildung, weniger Ungleichheiten sowie Frieden, Gerechtigkeit und starken Institutionen lassen sich unmittelbar mit der Arbeit der Initiative verbinden.

Für unsere eigene pädagogische Arbeit können wir aus dem Besuch mehrere wichtige Impulse mitnehmen.

BNE sollte nicht auf einzelne Unterrichtsthemen oder Projekte beschränkt bleiben, sondern kann als fächerübergreifender Bildungsansatz verstanden werden.

Lernende benötigen Möglichkeiten, reale gesellschaftliche Herausforderungen zu untersuchen, unterschiedliche Perspektiven kennenzulernen und eigene Handlungsmöglichkeiten zu entwickeln.

Der Besuch bei Backa Kåken konnte verdeutlichen, dass nachhaltige Entwicklung dort beginnt, wo Menschen Verantwortung für ihre Umgebung übernehmen und gemeinsam nach zukunftsfähigen Lösungen suchen.

Die Initiative verbindet den Erhalt historischer Bausubstanz mit sozialer Teilhabe, kultureller Vielfalt, demokratischer Mitgestaltung und non-formaler Bildung. Damit stellt sie ein anschauliches Beispiel für die Umsetzung zentraler BNE-Ziele dar.

Für unsere Erasmus+-Bildungsreise war der Besuch deshalb besonders wertvoll: Er eröffnete uns einen authentischen Einblick in die Möglichkeit nachhaltiger Stadtentwicklung und zeigte, wie Bildung, Beteiligung und gesellschaftliches Engagement miteinander verbunden werden können.

Nach diesem inspirierenden Vormittag haben wir das erste Mal Anna-Katinka Neetke Svensson getroffen. Sie ist war der wichtigste Kontakt bei der Planung der Reise und hat viel Zeit und Engagement in das Projekt gesteckt. Anna-Katinka arbeitet für den Studienverbund „Sensus“ und ist über ihre Arbeit Teil eines BNE-Netzwerkes der Studienverbünde in Malmö. Extra für uns hat sie ein Treffen der Netzwerkgruppe einberufen und so hatten wir die Möglichkeit, mit den Kolleg*innen in den Austausch zu kommen über Herausforderungen und Möglichkeiten der BNE-Arbeit in Deutschland und Schweden im Vergleich. Hier zeigte sich, dass die finanziellen Kürzungen, die die Studienverbünde in den vergangenen Jahren erleben mussten, ein Hemmnis bei der Umsetzung von Nachhaltigkeitsprojekten darstellten. So haben wir erkannt, dass Bildung für nachhaltige Entwicklung in Schweden unterschiedliche Rahmenbedingungen hat. Besonders deutlich wurde dabei aber, wie wichtig Netzwerke, gegenseitige Unterstützung und der Austausch guter Praxis für lokale Veränderungsprozesse sind. Uns wurde von der Gruppe das Buch „Active Hope“ vorgestellt, das in mehreren schwedischen Studienzirkeln als Arbeitsgrundlage zum Thema BNE genutzt wird. Diese Anregung werden wir für unsere BNE- Veranstaltungen mitnehmen.

Bereits vor der Reise war geplant, dass auch wir dem Netzwerk einen Input geben und so hat Ascan Dieffenbach von der vhs Husum das Konzept der Gemeinwohl-Ökonomie (GWÖ) vorgestellt. Ähnlich wie bei einem Qualitätsmanagementsystem bietet die GWÖ unterschiedliche Arbeitsbereiche (hier mit Schwerpunkt Nachhaltigkeit), die wir im Anschluss als Gruppe in Bezug auf unsere jeweiligen Einrichtungen diskutiert haben.

Nach einem Tag voller geistiger Nahrung haben wir uns gemeinsam mit Henning Süssner Rubin von der Kvarnby Folkhögskola einem kulinarischen Genuss der schwedischen Küche gewidmet: der „Planka“. „Planka“ ist die umgangssprachliche Bezeichnung für das schwedische Gericht „Plankstek“:

ein auf einem Holzbrett serviertes Steakgericht, das typischerweise aus einem gegrillten oder gebratenen Rinderfilet besteht, das auf cremigem Kartoffelpüree (oft dekorativ am Rand aufgespritzt und überbacken) angerichtet wird. Dazu wird Gemüse gereicht, zum Beispiel grüne Bohnen, Tomaten oder Spargel sowie Béarnaise-Sauce.

Das Gericht wird auf einem speziellen, meist ovalen Holzbrett serviert. Dadurch bleibt es lange warm und erhält seinen charakteristischen rustikalen Stil. Es gibt auch Varianten mit Fisch, Hähnchen oder vegetarischen Zutaten.

Donnerstag, 27. August

Am letzten Vormittag stand ein besonderes Beispiel für nachhaltige Stadtentwicklung auf unserem Programm: der Sege Park in Malmö. Gemeinsam mit Elin Hasselberg vom Umweltamt Malmö erkundeten wir das ehemalige Gelände einer psychiatrischen Einrichtung, das heute Schritt für Schritt zu einem nachhaltigen Wohn- und Lebensraum entwickelt wird.

Der Sege Park ist ein gefördertes Pilotprojekt in Schweden und gilt in Malmö als Aushängeschild für Nachhaltigkeit. Hier entstehen unterschiedliche Wohnprojekte, bei denen nicht nur ökologische Aspekte eine Rolle spielen, sondern auch Gemeinschaft und aktive Beteiligung großgeschrieben werden. So können beispielsweise Schrebergartenabteile gemietet oder es kann sich am Gemeinschaftsgartenprojekt beteiligt werden. Außerdem wird darauf geachtet, eine möglichst diverse Wohnlandschaft zu schaffen, u. a. durch eine Mischung aus Vermietung und Eigenheim sowie kleineren und größeren Wohnungen.

Besonders spannend war der Einblick in eine Wohngemeinschaft, die Verantwortung für ihr Wohnumfeld übernimmt. Die Bewohnerinnen und Bewohner haben in ihrem Gebäude je eine eigene Wohnung und dazu einen großen Gemeinschaftsbereich, in welchem sie sich beispielsweise einmal pro Woche zum gemeinsamen Kochen treffen. Sie bewirtschaften zudem zusammen ein Gartenstück und haben ihr Haus nachhaltig und in Eigeninitiative saniert.

Dabei wurde auch deutlich, welch wichtige Rolle die Erwachsenenbildung spielen kann: Um beispielsweise zu lernen, wie alte Fenster fachgerecht saniert werden, besuchten Mitglieder der Gemeinschaft einen entsprechenden Studienzirkel bei einem Studienverbund.

Die Führung gab uns viele neue Impulse und zeigte, wie Nachhaltigkeit in verschiedenen Bereichen zusammengedacht werden kann – von Wohnen und Stadtentwicklung über Gemeinschaft bis hin zu Bildung und lebenslangem Lernen.

Im Anschluss an die Führung ließen wir den Vormittag bei einem gemeinsamen Mittagessen im Park ausklingen. Begleitet wurden wir dabei von Anna-Katharina Neetzke Svensson. Da sie Deutsche ist und sowohl das deutsche als auch das schwedische Bildungssystem kennt, entstand ein besonders interessanter Austausch über Gemeinsamkeiten und Unterschiede der beiden Systeme.

Anna-Katharina Neetzke Svensson hat uns dann am Nachmittag ihren Studienverbund „Sensus“ vorgestellt, in dem sie tätig ist. Die Einrichtung wurde ursprünglich von der schwedischen Kirche initiiert. Besonders wertvoll war für uns der Workshop zu den „Inner development goals“. Hier erhielten wir sehr viele Anregungen für unsere Arbeit, da uns die 17 Nachhaltigkeitsziele, aber nicht allen die Inner development goals (IDG) bekannt waren. Dieses ursprünglich 2021 in Schweden entwickelte Konzept ist mittlerweile weltweit verbreitet und geht davon aus, dass die innere Einstellung geändert werden müsse, um nach außen etwas zu bewirken und die Herausforderungen unserer Zeit zu bewältigen. Hier werden fünf Dimensionen bearbeitet: Sein, Denken, Beziehung, Zusammenarbeit, Handeln. Weitere Informationen finden sich hier: https://innerdevelopmentgoals-hamburg.de/

Es gibt einen IDG-Hub in Hamburg, zu dem wir Kontakt aufnehmen wollen. Sensus hat eine Anleitung für seine Leitenden der Studienkreise entwickelt, damit Nachhaltigkeit in den verschiedenen Lernangeboten einen Platz findet. Das fanden wir alle sehr interessant und wollen das aufgreifen.

Auch bei Sensus gab es, wie in Schweden üblich, Fika, eine Kaffeepause mit Gebäck und Obst, zu der alle Kolleginnen des Büros kamen. Als Abschlussfoto haben wir uns eine Malerei ausgesucht auf der steht: „Allt vi gör är folkbildning“ (Alles, was wir machen, ist Volksbildung).

Den Abend haben wir mit einem gemeinsamen Abendessen zusammen mit den schwedischen Sensus-Kolleginnen in der Altstadt von Malmö ausklingen lassen.