Cultivating Diversity and Inclusion in Barcelona

Ein Bericht von Egzona Alija

Ich hatte die Gelegenheit, am Kurs „Cultivating Diversity and Inclusion“ in Barcelona teilzunehmen – eine Erfahrung, die mich sowohl fachlich als auch persönlich bereichert hat. Gemeinsam mit Kolleginnen aus Schweden, Belgien, Griechenland und Polen durfte ich eine inspirierende Woche erleben, die geprägt war von offenem Austausch, neuen Perspektiven und wertvollen Impulsen. In einer angenehmen und internationalen Lernatmosphäre konnten wir voneinander lernen, unsere Erfahrungen teilen und gemeinsam Ideen weiterentwickeln. An dem Kurs wollte ich teilnehmen, da das Thema Diversität und Inklusion an unserer Volkshochschule in Rendsburg eine zentrale Rolle spielt. Besonders interessiert hat mich die Frage, wie in anderen europäischen Ländern mit diesem Thema umgegangen wird, welche Ansätze dort verfolgt werden und welche Erfahrungen gemacht wurden. Der internationale Austausch bot hierfür eine wertvolle Gelegenheit, den eigenen Blick zu erweitern und neue Impulse für die eigene Arbeit mitzunehmen.


Der Kurs begann am Montag, den 13.04.2026, mit einer Einführung durch die Dozentin Frau Y. Ojeda. Im Mittelpunkt stand dabei das Thema der menschlichen Pyramiden, der sogenannten „Castells“, die eine bedeutende Rolle in der katalanischen Tradition spielen. Diese beeindruckenden Bauwerke sind jedoch weit mehr als ein kulturelles Symbol – sie veranschaulichen grundlegende Werte, die sich auch in der Rolle einer Lehrkraft widerspiegeln. Um ein Castell stabil und erfolgreich aufzubauen, sind vor allem drei Aspekte entscheidend: Struktur, Ruhe und Solidarität. Jede beteiligte Person trägt Verantwortung für das Gelingen des Ganzen und nur durch Vertrauen und Zusammenarbeit kann der Turm bestehen. Diese Prinzipien lassen sich auch auf den schulischen Kontext übertragen: Auch als Lehrkraft gilt es, eine stabile und unterstützende Gemeinschaft zu schaffen, die den Lernenden Halt gibt. Gerade in herausfordernden Zeiten ist es wichtig die „Struktur“ der Klasse zu bewahren, Ruhe auszustrahlen und Solidarität und Gemeinschaft zu fördern. Am Anschluss an diese Einführung folgte bereits die erste gemeinsame Aktivität, die dem Kennenlernen diente. Dafür wurden wir in drei Gruppen eingeteilt. Unsere Aufgabe bestand darin, Gemeinsamkeiten innerhalb der Gruppe zu finden und diese jeweils auf einzelne Karten festzuhalten- pro Karte eine Gemeinsamkeit. Mit den gesammelten Karten sollten wir anschließend eine Kartenpyramide bauen. Ziel war es, möglichst viele Gemeinsamkeiten zu entdecken, denn je mehr Karten wir hatten, desto höher konnte unsere Pyramide werden. Am Ende gewann die Gruppe mit dem höchsten Turm.


Um ein besseres Verständnis dafür zu entwickeln, in welchen Kontexten wir jeweils arbeiten und mit welchen Zielgruppen wir in unserem beruflichen Alltag zu tun haben, sollte im Vorfeld eine kurze Präsentation vorbereitet werden. Jede Teilnehmerin stellte in einer etwa fünfminütigen Präsentation ihre konkrete Tätigkeit, ihre Einrichtung sowie die jeweilige Zielgruppe vor. Im Anschluss bestand die Möglichkeit, Fragen zu stellen und in einen vertiefenden Austausch zu gehen. Es war besonders spannend zu sehen, wie viele Parallelen es trotz unterschiedlicher Rahmenbedingungen gab- und gleichzeitig, wie vielfältig unsere Arbeitsrealitäten sind. Vertreten waren unterschiedliche Schulformen und -größen, von kleineren Einrichtungen mit etwa 80 Lernenden bis hin zu großen Institutionen mit bis zu 700 Teilnehmenden. Auch die Zielgruppen reichten von Kindesalter bis hin zum Erwachsenalter. Diese Vielfalt eröffnete einen breiten Blick auf unterschiedliche pädagogische Ansätze und Herausforderungen im europäischen Kontext. Der Kurs war für alle besonders im Hinblick auf die Frage wichtig, wie wir besser mit dem Thema Migration umgehen und wie wir SchülerInnen stärker in die Klassengemeinschaft einbinden können, um eine gelungene Integration zu fördern.

Der Dienstag begann mit einer aktivierenden Kennenlernrunde in Form des Spiels „Ich packe meinen Koffer“. In dieser Variante sollte jede Teilnehmerin ihren Namen nennen und sich selbst eine positive Eigenschaft zuschreiben, die mit ihrem Anfangsbuchstaben beginnt. Diese Übung veranschaulichte auf einfache, aber wirkungsvolle Weise, wie sich solche Methoden auch im Unterricht einsetzen lassen. Durch die positive Selbstzuschreibung wird jede*r Einzelne sichtbar und als wertvoller Teil der Gemeinschaft wahrgenommen. Gleichzeitig wird der Fokus bewusst auf Stärken gelegt. Die Aktivität zeigt, wie wichtig es ist, Positivität in den Vordergrund zu stellen und Lernende darin zu bestärken, sich selbst und andere mit einem positiven Blick wahrzunehmen. Wenn Schulen die zentralen Elemente- Wohlbefinden, schülerzentrierte Ansätze und lebenslanges Lernen-umsetzen, schaffen Lehrkräfte unterstützende Lernumgebungen. Dadurch können SchülerInnen in mehrsprachigen Klassenzimmern sich besser am Lernprozess beteiligen und wichtige sozial-emotionale Kompetenzen entwickeln. Wohlbefinden ist ein fester
Bestandteil des europäischen Curriculums und steht im Zentrum des Europäischen
Bildungsraums. Es umfasst und fördert emotionale Selbstregulation, körperliche und psychische Gesundheit und stärkt das Zugehörigkeitsgefühl der Lernenden. Im Anschluss haben wir über die 21st Century Skills gesprochen, die SchülerInnen auf die Anforderungen der modernen Welt vorbereiten. Sie lassen sich in drei Kategorien einteilen:

  • Lernkompetenzen wie kritisches Denken, Problemlösung und Kreativität, die eigenständiges und reflektiertes Lernen ermöglichen
  • Grundlegende und fachübergreifende Kompetenzen wie Lesen, Schreiben, Rechnen, digitale und mediale Fähigkeiten, die ein effektives Verstehen und Kommunizieren von Informationen erlauben.
  • Sozial-emotionale und persönliche Kompetenzen wie Teamarbeit, Kommunikation,
    Anpassungsfähigkeit und Selbstmanagement, die für das Leben, die Arbeit und das
    gesellschaftliche Miteinander wichtig sind.

Folgende sechs Eigenschaften werden einer Lehrkraft des 21. Jahrhunderts zugeschrieben:

  • Flexibilität und Anpassungsfähigkeit, um auf unterschiedliche Lernende, Technologien und Lernumgebungen einzugehen
  • Kollaboration und Vernetzung, um fächerübergreifend zusammenzuarbeiten und Netzwerke aufzubauen
  • kreative Ansätze mit klarer Zielsetzung, damit Lerninhalte nachhaltig verankert werden
  • kulturelle Sensibilität und Inklusivität, um Vielfalt zu schätzen und eine Umgebung zu schaffen, in der sich alle zugehörig fühlen
  • emotionale Intelligenz und Empathie, um Lernende zu unterstützen und ihre Schwierigkeiten frühzeitig zu erkennen
  • KI-Kompetenz, um intelligente Tools gezielt einzusetzen und individuelles Lernen zu fördern

Der Mittwoch begann mit einer Situationssimulation: Jede Teilnehmerin erhielt einen
Papierschnipsel mit einer kurzen Beschreibung, warum sie ihr Heimatland verlassen musste. Anschließend tauschten wir uns untereinander aus und fanden uns in Gruppen zusammen, je nachdem, aus welchen Gründen wir glaubten zusammenzupassen. Dabei entstanden zwei Gruppen: wirtschaftliche Zuwanderer und schutzsuchende Zuwanderer. In der anschließenden Plenumsdiskussion besprachen wir, worauf im Umgang mit zugewanderten Schüler*innen besonders zu achten ist. Aus dieser Diskussion heraus kamen wir auf das „Principal of Universal Learning (UDL)“. Vor dem Hintergrund der unterschiedlichen Lebensrealitäten und Bedürfnisse der SchülerInnen wurde deutlich, wie wichtig es ist, Unterricht so zu gestalten, dass alle Lernenden erreicht werden. Das Konzept zielt darauf ab, Informationen auf verschiedene Weise bereitzustellen, unterschiedliche Materialien zugänglich zu machen und den SchülerInnen zu ermöglichen, ihre Ideen mit vielfältigen Methoden und Werkzeugen auszudrücken. Dadurch können individuelle Voraussetzungen besser berücksichtigt und Chancengleichheit im Lernen gefördert werden.


Am Nachmittag ging es für unsere Gruppe auf die Migratour, ein Projekt, das in mehr als 30
Städten europaweit angeboten wird. Bei der Tour geht es darum, durch Spaziergänge die Vielfalt und den Reichtum unterschiedlicher Kulturen innerhalb der Stadt zu zeigen. Die Tour wird stets von einem Guide mit Zuwanderungsgeschichte durchgeführt. Ziel ist es, die Vielfalt der Kulturen in Barcelona, wo über 300 Sprachen gesprochen werden, erlebbar zu machen, Gemeinschaftsnetzwerke in verschiedenen Stadtteilen zu erkunden und Rassismus und Fremdenfeindlichkeit zu reflektieren. Außerdem sollen Stereotypen und Rassismus abgebaut und Koexsistenz, Toleranz, Resilienz und Inklusion gefördert werden. Auf unserer Tour hatten wir die Möglichkeit verschiedene wichtige Orte für zugewanderte Personen zu besuchen. Sie begann an einem Sprachzentrum und führte weiter zu zwei Werkstätten für Menschen, deren Aufenthaltsstatus noch nicht geklärt ist. Diese Werkstätten bieten den zugewanderten Menschen einen Zufluchtsort, an dem sie zum Beispiel Kleidung und Taschen herstellen und sich kreativ engagieren können. Die Erlöse durch den Verkauf dienen der Finanzierung neuer Nähmaschinen und anderer Ausstattung. Besonders spannend war zu beobachten, auf welche unterschiedliche Weise in verschiedenen europäischen Ländern mit Herausforderungen von Migration und
Integration umgegangen wird.

Der Donnerstag begann mit einer Einführung in die SEE-Think-Wonder-Strategie. Dabei handelt es sich um eine Methode, die Lehrkräfte einsetzen, um das Denken von Lernenden durch die Einsetzung von Kunst und Musik sichtbar zu machen. Diese Denkstrategien sind nicht nur darauf ausgelegt Wissen zu vermitteln, sondern auch, um Ideen zu entwickeln. Denn wenn Denken sichtbar wird, kann es reflektiert, diskutiert und vertieft werden. Als Gruppe hatten wir die Gelegenheit, die See-Think-Wonder-Methode an einem abstrakten Gemälde auszuprobieren. Wir durchliefen dabei drei Phasen: Was fällt uns auf? Was denken wir über das Gesehene? Und welche Fragen kommen uns dazu in den Sinn? Dabei ging es nicht um richtig oder falsch- jede Interpretation war gültig. Wichtig war, tiefer über das Geschehene nachzudenken. Nach dem Austausch im Plenum ging es für uns ins Museu Nacional d’Art de Catalunya, wo wir in zwei Gruppen unterschiedliche Aufgaben bzw. Stationen zum Thema Kulturschock durchlaufen sollten. Bei den Aufgaben ging es darum, Bezüge zwischen unseren eigenen Erfahrungen im Arbeitsalltag und den Gemälden herzustellen. Unsere Ergebnisse haben wir anschließend auf einem Padlet hochgeladen, sodass wir durch Videos und Bilder Einblicke in die Ergebnisse der anderen Gruppe erhalten konnten. Besonders spannend war der Austausch, denn durch die Zusammenarbeit in der Gruppe bekamen wir Einblicke, wie in anderen Ländern mit Themen wir Diversität, Integration und Inklusion umgegangen wird.

Am Freitag reflektierten wir gemeinsam die Ergebnisse unseres Museumsbesuchs. In einer angenehmen Runde tauschten wir uns darüber aus, was es bedeutet, dazuzugehören, und wie man Hindernisse überwinden kann. Der Freitag wurde genutzt, um eine kleine Abschiedszeremonie zu gestalten. In Dreiergruppen erstellten wir mithilfe eines KI-Tools aus den wichtigsten Schlagwörtern der Woche einen eigenen Song, der anschließend über einen Songgenerator abgespielt wurde. Zum Abschluss erhielten wir unsere Zertifikate. Es war ein schöner Moment, um die Woche noch einmal Revue passieren zu lassen.

Am letzten Tag der Erasmus-Reise hatte jede Teilnehmerin die Möglichkeit, an einer Aktivität ihrer Wahl teilzunehmen. Zur Auswahl standen drei Sehenswürdigkeiten: Sant Pau, Casa Amatller und Poble Espanyol. Ich entschied mich für Letzteres. Das Poble Espanyol ist ein Freilichtmuseum, das typische Bauwerke, Plätze und Handwerkskunst aus verschiedenen Regionen Spaniens nachbildet. Dort kann man einen kleinen Überblick über die Vielfalt der spanischen Architektur und Kultur bekommen und gleichzeitig traditionelle Handwerkskunst erleben. Im Anschluss stand noch eine Hop on Hop off Bustour auf dem Programm. Diese Fahrt rundete meinen Aufenthalt in der wunderschönen Stadt perfekt ab. Ich bin dankbar, diese Erfahrung gemacht zu haben. Sowohl die inhaltlichen als auch die kulturellen Eindrücke haben mich nachhaltig geprägt. Es war eine unvergessliche Erfahrung, die mich dazu angeregt hat, das Gelernte in meinen beruflichen Alltag zu integrieren.