Arts for the Inclusion of Migrants, Refugees and Disadvantaged Populations in Florenz

Wer sich gleichermaßen für Reisen und für Fortbildungen begeistert wie ich, weiß sicherlich, wie aufregend es ist, jede neue Bildungsreise vorzubereiten. Auch dieses Mal startete ich voller Begeisterung mit den Vorbereitungen meines Aufenthalts in Florenz – gleich nachdem die Unterlagen abgegeben und meine Mobilität bestätigt worden waren. Ich hatte mich dieses Mal jedoch für einen für mich sehr untypischen Kurs entschieden. Einmal vorab: In puncto künstlerische Kreativität bin ich tatsächlich untalentiert! Ich bin ein Mensch der Worte und der Musik – Malen und Zeichnen sind dafür einfach so an mir vorbeigerannt …

Aber der Gedanke, Inklusion und Ausdruck aus einer anderen Perspektive zu betrachten, Kunst mit Sozialwissenschaften sowie Themen wie Inklusion und Nachhaltigkeit zu verbinden und mich selbst dabei etwas herauszufordern, gefiel mir sehr. Also dann – tschüss, liebe Komfortzone, wir sehen uns wieder in Deutschland!

Ich habe mich entschieden, trotz der langen Strecke mit dem Auto zu fahren. Es gibt keine direkten Flüge nach Florenz von einem nahen gelegenen Flughafen, und die Bahn hatte mir in letzter Zeit das Gefühl gegeben, mich nicht so wirklich auf sie verlassen zu können – ich wollte meine Mobilität nicht dem Zufall überlassen. Im Nachhinein war das auch wirklich gut so: Ich war flexibel und konnte unterwegs viel mehr sehen und erleben.

Die Anreise war unproblematisch. Mein Weg führte durch die wunderschöne Natur Österreichs (der Halt am Fernsteinsee war ein Muss!), durch das italienische Südtirol direkt in die Toskana, und ich genoss die schönen Aussichten sehr. Da ich einen Tag früher angereist war, nutzte ich die Gelegenheit, die Stadt schon einmal kennenzulernen, unseren Treffpunkt zu finden und die Parkmöglichkeiten zu erkunden. Und selbstverständlich auch, die Köstlichkeiten Italiens zu genießen!

Tag 1, 22.06.2026

Nachdem wir uns alle in den Räumlichkeiten von Europass in der Via Sant’Egidio eingefunden hatten, ging es nach einer netten Begrüßung zu unseren eigentlichen Kursräumlichkeiten, die nur einige Meter weiter lagen. Es handelte sich dabei um ein wunderschönes Atelier auf zwei Ebenen, das alles bot, was ein Künstler (vermute ich doch!) so braucht. Den kurzen Weg dorthin nutzten wir, um uns etwas kennenzulernen. Zwei Teilnehmerinnen kamen aus Portugal, zwei aus Slowenien, fünf aus Griechenland und außer mir noch eine deutsche Teilnehmerin aus Karlsruhe. Unsere Dozentin heißt Monica Ogaz und kommt ursprünglich aus Mexiko, lebt aber schon seit vielen Jahren in Italien. Sie ist so sympathisch, dass wir uns alle sofort sehr wohl fühlten. Monica machte uns gleich klar, dass jeder von uns ein Künstler sein kann, egal wie begabt er sich selbst einschätzt – und letztendlich geht es in diesem Kurs um etwas ganz anderes. Sie ermutigte uns, intuitiv zu sein und uns keine Sorgen darüber zu machen, was wir kreieren, solange es zu uns passt.

Wir starteten direkt mit den Präsentationen über unsere Schulen und lernten die sehr unterschiedlichen Arbeitsweisen der Teilnehmenden aus verschiedenen europäischen Ländern kennen. Schnell entstanden erste Gespräche über Gemeinsamkeiten, Unterschiede und die Herausforderungen des pädagogischen Alltags.

Ein zentrales Thema war von Beginn an die Frage, wie Kommunikation gelingen kann – besonders dann, wenn Sprache allein nicht ausreicht. Gemeinsam diskutierten wir über verschiedene Kommunikationsformen und darüber, welche Rolle Kunst dabei spielen kann, Menschen miteinander zu verbinden, nachhaltige Inklusion zu schaffen und einander besser zu verstehen. Ebenso beschäftigten wir uns mit dem Unterschied zwischen Integration und Inklusion und stellten fest, dass echte Teilhabe weit mehr bedeutet, als lediglich Teil einer Gemeinschaft zu sein.

Besonders gefallen hat mir die kreative Aufgabe, einen persönlichen „Fingerprint“ zu gestalten. Die Aufgabe lautete: Fingerabdrücke sind sehr individuell und machen Menschen einzigartig. Wenn du dich selbst ohne Sprache, nur mit Farben, Figuren und Symbolen darstellen solltest, sodass man dich daran sofort erkennen kann – was würdest du malen? Wie würde dein Fingerabdruck dann aussehen? Oha … Na, dann gebt mir doch mal die Pinsel und die Stifte! Dann stand ich aber da und wusste zuerst gar nichts damit anzufangen. Und dann doch … Nein, aus mir wird immer noch kein Botticelli! Aber wer hätte gedacht, dass es so viel Spaß machen würde? Tatsächlich war ich im Nachhinein sehr zufrieden mit meinem „Fingerprint“ und auch ein bisschen stolz, dass er so gut gelungen war, dass meine Sitznachbarin Katerini aus Griechenland mich anhand dessen tatsächlich sehr gut beschreiben konnte.

Unser Fingerabdruck spiegelte auf ganz individuelle Weise Charaktereigenschaften, Interessen und Werte wider. Anschließend versuchten die anderen Teilnehmenden, die dargestellten Botschaften zu entschlüsseln. Dabei wurde deutlich, dass Bilder oft mehr erzählen können als Worte. Es entstand eine sehr schöne Diskussionsrunde über Diversität und über die Ausdrucksformen, die uns die Natur zur Verfügung gestellt hat. Um nachhaltige Inklusion zu schaffen, muss man also genau beobachten und nicht nur zuhören – ja, auch dann, wenn es stressig ist und Zeit investiert werden muss. Stichwort „Zeit“: Diese verging tatsächlich wie im Flug!

Danach gingen wir gemeinsam zu einem Markt in unmittelbarer Nähe (danke, Monica- hier gab es die besten Erdbeeren, die man sich vorstellen kann!)  und sammelten dort verschiedene Begriffe – Warenbezeichnungen, Obst- und Gemüsesorten, Kleidung etc. – auf Italienisch. Wir erhielten die Aufgabe, diese später in verschiedenen Sprachen zu vergleichen. Schon hier zeigte sich, dass Lernen nicht nur am Schreibtisch stattfindet, sondern überall dort, wo Menschen beobachten und miteinander ins Gespräch kommen.

Nach einem gemeinsamen Mittagessen erkundeten wir trotz 44 Grad die Stadt Florenz. Zwischen historischen Gassen, beeindruckender Architektur und italienischen Spezialitäten lernten wir uns auch persönlich immer besser kennen. Die erste Scheu war schnell verschwunden – aus einer Gruppe fremder Menschen entwickelte sich bereits am ersten Tag eine kleine internationale Gemeinschaft. Es fiel uns irgendwie sehr leicht, miteinander zusammenzusitzen und uns zu unterhalten. Natürlich wurden gleich die ersten persönlichen Bilder und Geschichten ausgetauscht: „Schau mal, das ist meine Familie …“

Die Fahrt zurück zu meiner Unterkunft am Abend war sehr malerisch, da sie mich direkt durch die sonnengebadete toskanische Berglandschaft voller Olivenbäume und Weinreben führte. Mit dem Auto anzureisen war also tatsächlich die richtige Entscheidung!

Tag 2, 23.06.2026

Der zweite Tag begann mit der Auswertung unserer Marktbeobachtungen. Erstaunlicherweise konnten sich fast alle anhand der gesehenen Schilder und Bilder an die italienischen Wörter erinnern. Diese Erfahrung machte deutlich, wie stark visuelle Eindrücke das Lernen unterstützen können – besonders beim Erwerb einer neuen Sprache. Im normalen Alltag ist uns die Bedeutung von Bildern und Symbolen gar nicht bewusst. Wir übersehen sie teilweise, weil wir uns auf die Sprache verlassen. Doch gerade für Menschen mit geringen Sprachkenntnissen können diese eine Brücke zur Verständigung sein. Was ist wo? Wie heißt das, was ich brauche? Wie sieht es geschrieben aus? Wie finde ich es wieder? Bildung ist für uns Europäer grundsätzlich leicht zugänglich – viele sprechen bereits nach dem Schulabschluss mehr oder weniger gut mindestens eine Fremdsprache. Wie ist es aber, wenn du dich in einem anderen Land befindest, dessen Alphabet für dich eher wie Straßenkunst als wie Buchstaben aussieht? Dann muss man sich auf Symbole und Bilder verlassen, und die Einheimischen sollten wiederum verstehen, dass Kommunikation zu Beginn oft nur auf diese Weise möglich ist. Inklusion in Bildern und Farben …

Besonders spannend war anschließend eine ungewöhnliche Zeichenübung: Wir zeichneten unser Gegenüber, ohne auf das Blatt zu schauen, während wir permanent Blickkontakt hielten. Hat schon einmal jemand versucht, einem kaum bekannten Menschen zwei Minuten lang ununterbrochen in die Augen zu schauen und dabei zu schweigen? Es ist schwieriger, als man sich das vorstellen kann! Monica warnte uns, dass es teilweise unangenehm wirken könnte, wir sollten es jedoch versuchen. Wir sollten die Übung einmal mit der linken und einmal mit der rechten Hand durchführen. Dabei ging es nicht um Perfektion, sondern darum, Kontrolle loszulassen und genauer hinzusehen – also um nonverbale Kommunikation, Wahrnehmung und soziale Nähe.

Gemeinsam überlegten wir danach, wie kreative Methoden im beruflichen Alltag eingesetzt werden können. Eine Idee war beispielsweise, Prüfungsräume oder Wartebereiche mit Farben und Papier auszustatten, um Stress abzubauen und den Menschen die Möglichkeit zu geben, ihre Gedanken kreativ auszudrücken. Wir sprachen außerdem darüber, wie Kunst Menschen mit Flucht- oder Migrationserfahrung helfen kann, Gefühle auszudrücken und miteinander in Kontakt zu kommen, selbst wenn sprachliche Barrieren bestehen. Ja, Handys bieten oft Übersetzungshilfen, aber auch diese versagen oder sind teilweise ungenau. Und wer nicht von Technik und Internetempfang abhängig sein möchte und die Fähigkeit, allein zurechtzukommen, nicht verlieren will, lernt, diese immer weiterzuentwickeln.

Am Nachmittag besuchten wir die Bibliothek Oblate und anschließend eine außergewöhnliche Buchhandlung im Odeon-Cinema. Dort suchten wir gezielt nach Buchcovern, die Vielfalt, Inklusion oder gesellschaftliche Teilhabe darstellen. Es war faszinierend zu entdecken, wie viel eine einzelne Illustration über gesellschaftliche Werte erzählen kann.

Die Bibliothek ist wunderschön und ein wahrer Begegnungsort, aber das Konzept des Odeon-Cinemas fand ich genial. Ja, das ist tatsächlich ein Kino, ABER … Nach dem Boom der Streaming-Anbieter wurde den pfiffigen Italienern sehr schnell klar, dass die Kinokultur für die jüngeren Generationen schon bald an Reiz verlieren würde. Also überlegten sie sich, wie sie ihr wunderbares altes Kino in diesem beeindruckenden Gebäude weiterhin am Leben erhalten könnten. Und dann kam die Idee: Sie haben tatsächlich im Erdgeschoss des Kinos eine tolle Buchhandlung eingerichtet, die den Besuchern nicht nur eine große Auswahl an Büchern in mehreren Sprachen bietet, sondern auch die Möglichkeit, direkt vor der Leinwand zu entspannen. Dort laufen Stummfilme oder Filme mit englischen oder italienischen Untertiteln ohne Ton. Man kann sich davor hinsetzen, die angenehme Kühle genießen und sich mit einem Buch zurückziehen. Im ersten Stock gibt es sogar kleine Tische, an denen man am PC arbeiten oder etwas trinken kann. Ganz oben befindet sich dann der eigentliche Kinosaal, in dem abends nach wie vor aktuelle Filme gegen Bezahlung gezeigt werden. Der Plan scheint aufzugehen – denn sowohl die Buchhandlung als auch das Kino sind permanent gut besucht. Wenn der Buchladen schließt, öffnet das Kino, und Miete wird nur einmal gezahlt…Ein schönes Beispiel dafür, wie man zwei Branchen miteinander verbinden kann, um beide am Leben zu erhalten!

Nach einem gemeinsamen Mittagessen erkundeten wir weiter die Stadt und sicherten uns bereits die Eintrittskarten für den Besuch der Uffizien am nächsten Tag.

Tag 3, 24.06.2026

Der dritte Tag führte uns noch tiefer in die Welt der Emotionen und der Kunst. Gemeinsam betrachteten wir Bilderbücher wie Das Farbenmonster und Il Buco von Anna Llenas, die eindrucksvoll zeigen, wie Farben und Formen ohne viel Text Gefühle ausdrücken können. Es wurde schnell deutlich, dass Kunst eine universelle Sprache sein kann – unabhängig von Alter, Herkunft oder Sprachkenntnissen.

In Gruppen gestalteten wir anschließend Plakate zum Thema Inklusion. Auf unser Plakat war ich sehr stolz! Wir haben uns überlegt, die Wörter des Satzes „We are all part of the world“ zwischen verschiedenen Bildern, Symbolen und Slogans zu verstecken, damit die Menschen wirklich genau beobachten müssen, um sie letztendlich zu entdecken. Dabei haben wir das Wort „part“ so dargestellt, dass darin „ART“ ganz besonders hervorgehoben wurde – Art (Kunst, ganz egal welche seiner Formen) ist das, was uns alle verbinden kann. Dabei diskutierten wir, wie sich Zugehörigkeit, Vielfalt und gegenseitiger Respekt bildlich darstellen lassen. Unterschiedliche Ideen ergänzten sich, neue Perspektiven entstanden und aus vielen einzelnen Gedanken entwickelte sich ein gemeinsames Gesamtbild.

Später beschäftigten wir uns mit der Wirkung von Farben und Symbolen sowie mit den unterschiedlichen kulturellen Prägungen der Teilnehmenden. Der Austausch über Mentalitäten und persönliche Erfahrungen machte deutlich, wie unterschiedlich Menschen dieselbe Situation wahrnehmen können – und wie bereichernd genau diese Vielfalt ist.

Nach einem typisch toskanischen Mittagessen mit Lampredotto (ich beschreibe es lieber nicht – aber für alle, die nachschauen wollen, gleich vorab: Es war sehr lecker!) ging es zunächst zum Rosengarten und anschließend hinauf zur Piazzale Michelangelo. Von dort bot sich uns nicht nur ein beeindruckender Blick über Florenz, sondern auch zahlreiche Inspirationen für Farben, Licht und kreative Gestaltung.

Der Höhepunkt des Tages wartete jedoch am Nachmittag: der Besuch der Galerie Uffizien. Vier Stunden lang tauchten wir in die Welt großer Künstler ein und stellten fest, dass selbst diese Zeit kaum ausreicht, um alle Werke angemessen zu betrachten. Kunstgeschichte wurde plötzlich greifbar und zeigte, wie sehr sich der Blick auf den Menschen über die Jahrhunderte verändert hat. Es war zwar sehr stickig und überlaufen in den großen Räumlichkeiten und auf der Terrasse der Cafeteria sogar kochend heiß und kaum auszuhalten – aber für mich war dieser Besuch ein absolutes Highlight. Allein das Gebäude mit seinen bemalten Decken und Verzierungen ist sehr sehenswert, zumal die Fenster Blicke in die Stadt bieten, die man nirgendwo sonst bekommt. Die Sammlung der Werke der genialen Künstler Italiens jedoch ist absolut grandios!

Tag 4, 25.06.2026

Am vierten Tag standen Emotionen erneut im Mittelpunkt – diesmal aus psychologischer Sicht. Wir beschäftigten uns mit den Theorien von Sigmund Freud und deren Einfluss auf Künstler wie Pablo Picasso und Salvador Dalí. Dabei diskutierten wir, wie Träume, Erinnerungen und innere Konflikte ihren Weg in die Kunst finden und warum kreativer Ausdruck gerade für Menschen mit belastenden Erfahrungen so wichtig sein kann. Solche Menschen dazu zu motivieren, sich an einer neuen Gesellschaft zu beteiligen, ist nicht so einfach. Oft versuchen sie auch in einem anderen Land, unter ihresgleichen zu bleiben. Gefühle wie Scheu, Wut, Angst und oft auch Aussichtslosigkeit schaffen Barrieren zwischen Menschen und sorgen dafür, dass sie kein Gespür füreinander entwickeln.

Monica fragte uns ganz nebenbei, wie uns die Galerie Uffizien gefallen habe. Wir schwärmten davon, und dann erzählte sie uns, dass wir großes Glück gehabt hatten, sie bereits am Vorabend besucht zu haben. Aufgrund der extremen Hitze und der fehlenden Lüftungsmöglichkeiten schlossen die Uffizien ihre Türen für Besucher vorübergehend direkt ab diesem Tag – kein Wunder bei den 46 Grad, die wir hatten! Das war uns bis zu diesem Zeitpunkt gar nicht bewusst gewesen, dass wir quasi geradeso noch da reingekommen sind. Wie gut, dass wir so organisiert waren und uns noch rechtzeitig vor der Schließung Tickets besorgen konnten!

Anschließend gestalteten wir einen persönlichen Emotionsbaum. Die Wurzeln symbolisierten das, was uns Halt gibt, der Stamm unsere Stärken und Schwächen, die Baumkrone unsere Wünsche und Ziele und die fallenden Blätter all das, was wir loslassen möchten. Diese Übung bot Raum für Selbstreflexion und machte sichtbar, wie unterschiedlich Lebenswege sein können.

Während ich meinen Baum zeichnete, wurde mir bewusst, dass ich an allen Tagen bisher nicht nur die praktischen Übungen, sondern auch das Malen und Zeichnen selbst sehr genossen hatte. Meine „Werke“ zeugen zwar nicht gerade von einem Hauch künstlerischer Begabung, aber darum ging es auch gar nicht. Ich muss gestehen, dass ich mich dabei einfach sehr gut gefühlt habe. Monica ließ jedes Mal Musik laufen, wenn wir kreativ werden mussten. Die Kombination aus Farben und Musik hat mich so unglaublich entspannt, dass ich die Pinsel gar nicht mehr aus der Hand legen mochte, wenn die Übung zu Ende ging. Für eine Person wie mich, die für Picasso nicht besonders viel übrig hat (und deren Kreationen noch „abstrakter“ geworden sind als seine), war das tatsächlich eine überraschende Selbstentdeckung. In meinem Fall war der Weg zum Ergebnis das, was mir etwas brachte. Das Ergebnis selbst war mir gar nicht mehr so wichtig – sondern das Gefühl, dass ich, während ich die Farben vor mir sah und damit arbeitete, meine Gedanken sortieren und über vieles intensiver nachdenken konnte.

Danach verließen wir erneut den Seminarraum und suchten in der Stadt nach Statuen, die uns zu eigenen Figuren inspirieren sollten. Aus den Skulpturen entstanden fantasievolle Charaktere mit individuellen Eigenschaften, Gefühlen und Lebensgeschichten. In kleinen Gruppen entwickelten wir daraus gemeinsame Geschichten und stellten fest, wie spannend es sein kann, unterschiedliche Persönlichkeiten miteinander agieren zu lassen. Zum Abschluss gestalteten wir passende Masken als Vorbereitung für ein Rollenspiel am nächsten Tag.

Nach Unterrichtsende ließen wir den Tag auf dem Mercato Centrale ausklingen. Bei gutem Essen tauschten wir uns über Erasmus-Erfahrungen, Job-Shadowing-Projekte und die Herausforderungen unseres Berufsalltags aus. Erstaunlicherweise wurde schnell klar, dass viele Probleme unabhängig vom jeweiligen Land nahezu identisch sind – eine Erkenntnis, die ebenso beruhigend wie verbindend war.

Tag 5, 26.06.2026

Der letzte Kurstag begann mit der Fertigstellung unserer Masken und mündete direkt in die Aufführung der gemeinsam entwickelten Theatergeschichte. Darin spielten wir Menschen in einer Notsituation, die unterschiedliche Sprachen sprachen und dennoch versuchten, miteinander zu kommunizieren. Was haben wir gelacht! Wie kann es sein, dass elf Personen, die sich kaum kennen, so wortlos miteinander eine schlüssige Pantomime spielen können – und das dabei so lustig und gleichzeitig so authentisch wirkt? Diese Übung wurde für viele von uns zum emotionalen Höhepunkt der gesamten Woche. Und: Die Gruppe, die performte, verstand sich untereinander, und diejenigen, die zuschauen mussten, verstanden ebenfalls alles. Also, wo fangen nachhaltige Integration und Inklusion eigentlich an? Richtig – beim genauen Beobachten und bei der ersten bildlichen Wahrnehmung!

Anschließend vertieften wir das Thema Kommunikation in einer Präsentation über zwischenmenschliche Beziehungen und besuchten danach die Kunstakademie von Florenz. Dort erhielten wir spannende Einblicke in die Ausbildung angehender Künstlerinnen und Künstler und diskutierten über die Bedeutung von Kunst für die persönliche Entwicklung.

Zum Abschluss wartete noch eine ganz besondere kreative Aufgabe auf uns. Mit geschlossenen Augen zeichneten wir zu wechselnder Musik spontane Linien auf ein Blatt Papier. Daraus entstanden später individuelle Bilder. Anschließend wurden die Werke immer wieder an die nächste Person weitergegeben, die sie ergänzte oder veränderte. Als wir unsere Bilder schließlich zurückerhielten, hatten sie sich vollständig verändert – und dennoch waren sie immer noch unsere eigenen.

Diese Übung wurde zu einer wunderbaren Metapher für das Leben: Wir beginnen unseren Weg, ausgestattet mit Eigenschaften, die wir nicht bewusst mitgebracht haben, mit eigenen Vorstellungen und Zielen. Doch Begegnungen mit anderen Menschen verändern unsere Richtung, bereichern uns, stellen uns vor Herausforderungen und hinterlassen Spuren. Genau darin liegt die Stärke von Gemeinschaft und Inklusion.

Nach dieser Reflexion erhielten wir unsere Teilnahmezertifikate. Doch der eigentliche Abschluss wartete noch: Gemeinsam machten wir eine Tour durch das Chianti-Gebiet mit Wein- und Käseverkostung. Zwischen Weinbergen, gutem Essen und vielen Gesprächen wurde mir klar, dass ich locker noch mindestens eine weitere Woche in Florenz hätte verbringen können – mit genau diesen mittlerweile nicht mehr ganz so unbekannten Menschen.

Und dass mir das intuitive Malen fehlen wird. Für das ich nach wie vor überhaupt kein Talent habe.

Und dennoch – kaum zu Hause angekommen, habe ich mir tatsächlich Farben bestellt, einfach weil ich damit eine neue Methode gefunden habe, dem Stress entgegenzuwirken und dabei tiefgründiger nachdenken und planen zu können – auch wenn meine Werke niemals in den Uffizien hängen werden!

Für mich persönlich steht fest, dass ich bereits beim nächsten Dozententreffen mit meinen Deutschdozentinnen und -dozenten über einige der kreativen Übungen sprechen werde. Ich finde sie tatsächlich ebenso einfach wie verbindend. Sie fördern Inklusion, bieten die Möglichkeit, sich kreativ auszudrücken, und ermöglichen es gleichzeitig, auf eine ungezwungene Weise Deutsch zu üben.

Die Handys im Kursraum zu lassen, anschließend gemeinsam loszuziehen und Begriffe selbst zu sammeln und zu lernen, erscheint mir als eine wunderbare Methode. Sie stärkt das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten und regt gleichzeitig zum Austausch untereinander an. Auch die Idee, die Stressbewältigung vor oder während der Prüfungen mit Buntstiften zu unterstützen, finde ich spannend – warum eigentlich nicht?

Und weil wir Volkshochschule sind – und damit kreativ, bunt, innovativ und auf positive Weise anders –, könnten wir vielleicht eines Tages sogar die Deutschkursräume mit den entstandenen Werken gestalten und verschönern. Das hätte gleich einen doppelten Effekt: Die Kunstwerke würden die Räume lebendiger machen und gleichzeitig als Gesprächsanlass dienen. Eine schöne kleine Übung für neue Teilnehmende könnte beispielsweise sein: „Wisst ihr, wem die Werke an der Wand gehören und wie sie entstanden sind? Schätzt doch einmal!“ So kämen sie ganz nebenbei ins Sprechen und könnten ihre Deutschkenntnisse in einer entspannten Atmosphäre anwenden.

Ich bin schon sehr gespannt darauf, wie unsere pädagogischen Fachkräfte den Austausch über meine Erfahrungen aufnehmen werden. Vielleicht lässt sich die eine oder der andere sogar für diesen inspirierenden Kurs begeistern und ihn selbst besuchen – darüber würde ich mich sehr freuen.

AI for Administrative and Non-Teaching Staff in Florenz

23.03.26-27.03.26

Vom 23. bis 27. März 2026 habe ich im Rahmen von Erasmus+ am Kurs „AI for administrative and non-teaching staff“ in Florenz teilgenommen. Der Kurs richtet sich an Mitarbeitende aus Verwaltung, Organisation und Planung im Bildungsbereich und beschäftigt sich mit der Frage, wie Künstliche Intelligenz sinnvoll und verantwortungsvoll im Arbeitsalltag eingesetzt werden kann.


Am Montagvormittag nutze ich die Gelegenheit, die Stadt zu Fuß zu erkunden. Besonders beeindruckend sind die Piazza del Duomo mit der gewaltigen Kathedrale Santa Maria del Fiore, die Piazza della Signoria mit ihren Skulpturen und historischen Gebäuden sowie die Piazza della Repubblica, einer der lebendigsten Plätze der Stadt. Am Nachmittag beginnt dann der Kurs.

Tag 1: Erste Schritte in die KI-Welt

Der Kurs findet in einem historischen Palazzo in der Altstadt von Florenz statt, nur wenige Gehminuten vom Dom entfernt. Die Gruppe ist klein und international: Drei Teilnehmende kommen aus Dänemark, zwei aus Belgien, eine aus Griechenland und ich aus Deutschland. Geleitet wird der Kurs von Roberta, die brasilianisch-italienische Wurzeln hat und mit viel Erfahrung, Flexibilität und Humor eine offene Lernatmosphäre schafft. Statt langer Vorstellungsrunden steigen wir direkt in das Thema ein. Zum Kennenlernen nennen wir lediglich unseren Namen und unser italienisches Lieblingsessen. Anschließend tauschen wir uns in Kleingruppen darüber aus, welche KI-Tools wir bereits nutzen und welche Herausforderungen uns dabei begegnen.


Besonders angenehm ist, dass Roberta immer wieder kurze aktivierende Übungen einbaut und die meisten Aufgaben in Gruppenarbeit bearbeiten lässt. Dadurch entsteht schnell eine vertrauensvolle Arbeitsatmosphäre.


Nach der Kaffeepause – die wir für einen Cappuccino in der Pasticceria Ricordi gegenüber nutzen – erhalten wir außerdem zahlreiche Tipps zu Florenz, von Restaurants und Gelaterias bis hin zu weniger bekannten Sehenswürdigkeiten.


Inhaltlich beschäftigen wir uns zunächst mit dem sogenannten Prompting. Mithilfe von Lego-Steinen visualisieren wir den Aufbau eines guten Prompts. Eine Tabelle liefert dabei hilfreiche Stichworte für verschiedene Aufgabenstellungen. Anschließend vergleichen wir die Sprachmodelle ChatGPT, Gemini und Copilot anhand identischer, selbst entwickelter Prompts für typische Verwaltungsaufgaben. Danach lassen wir die Systeme ihre eigenen Prompts optimieren und vergleichen erneut die Ergebnisse.


Eine wichtige Erkenntnis des Tages: Nicht das verwendete Tool allein entscheidet über die Qualität der Antworten. Mindestens ebenso wichtig sind die Qualität der Eingabe und die Fähigkeit, Ergebnisse kritisch zu bewerten und weiterzuentwickeln. Für die Arbeit an der Volkshochschule sehe ich hier Potenzial insbesondere bei standardisierten E-Mails, Kursbeschreibungen und anderen wiederkehrenden Textaufgaben.


Als wir den Kursraum am Abend verlassen, ist es bereits dunkel. Der erste Tag macht deutlich, dass die Woche weit mehr werden wird als eine reine Tool-Schulung.

Tag 2: Kontext ist alles

Der Dienstag beginnt um 9 Uhr mit einer kurzen Ankommensrunde. Anschließend erstellen wir auf Basis eines Fotos der Whiteboard-Notizen vom Vortag mit verschiedenen KI-Systemen Mind Maps und vergleichen die Ergebnisse. Dabei zeigt sich erneut, dass identische Aufgabenstellungen keineswegs identische Resultate liefern. Unterschiede entstehen durch Details im Prompt, die Historie des jeweiligen Nutzers und teilweise auch durch zufällige Faktoren.


Mehrere spielerische Übungen verdeutlichen anschließend die Grenzen von KI. Bei einer Variante der „Stillen Post“ erleben wir, wie Informationen auf dem Weg verloren gehen oder verändert werden. In einer weiteren Übung erzählt eine Person von einem emotionalen Thema, während die zuhörende Person keinerlei Reaktion zeigen darf. Die entstehende Unsicherheit macht deutlich, wie wichtig nonverbale Kommunikation für menschliche Interaktion ist. Besonders schön ist die nächste Aufgabe für Zweierteams: Roberta zeigt das berühmte Fresko „Der Zug der Heiligen Drei Könige“ von Benozzo Gozzoli (original im Palazzo Medici Riccardi). Eine Person sieht das Bild und beschreibt es, natürlich ohne den Titel zu nennen, während die andere Person anschließend beurteilt, wie präzise die Beschreibung tatsächlich war. Auch hier wird deutlich, wie schwierig die Vermittlung komplexer Informationen ohne gemeinsamen Kontext sein kann.


Die wichtigste Erkenntnis des Vormittags lautet: KI fehlt vieles von dem, was Menschen als
selbstverständlich voraussetzen – soziale Kompetenzen, kulturelles Hintergrundwissen und die Fähigkeit, Situationen intuitiv einzuordnen.


Nach einem Cappuccino bei Ricordi beschäftigen wir uns mit der Eisenhower-Matrix und
analysieren, welche Aufgaben in unserem Arbeitsalltag besonders viel Zeit beanspruchen. Daraus leiten wir Tätigkeiten ab, die sich für den Einsatz von KI eignen könnten.
Anschließend lernen wir verschiedene Werkzeuge kennen. MagicSchool.ai wird von den meisten Teilnehmenden als wenig relevant für unsere Tätigkeiten eingeschätzt, da die Anwendungen vor allem auf Lehrkräfte ausgerichtet sind.


Deutlich positiver fällt die Bewertung von NotebookLM aus. Das Google-Tool ermöglicht die Analyse und Zusammenfassung selbst ausgewählter Quellen und beschränkt sich bewusst auf diese Informationen. Für viele von uns ist dies das bislang interessanteste Werkzeug des Kurses.


Gerade für die Auswertung umfangreicher Dokumente, Projektunterlagen, itzungsprotokolle oder Förderrichtlinien sehe ich großes Potenzial für die Arbeit an der VHS.


Zum Abschluss testen wir Gamma zur Erstellung von Präsentationen. Die Einschätzungen bleiben gemischt.


Am Nachmittag führt mich ein Spaziergang zunächst durch den Park „Giardino Bardini „und später hinauf zum Piazzale Michelangelo. Von dort bietet sich bei Sonnenuntergang einer der schönsten Blicke über die Dächer von Florenz.

Tag 3: Von der Idee zum Projekt

Der Mittwoch beginnt mit einem Austausch über unsere bisherigen Erlebnisse in Florenz. Danach folgt eine kleine Übung mit Google Lens. Wer findet am schnellsten heraus, wo ein Foto aufgenommen wurde und wer das dargestellte Kunstwerk geschaffen hat?
Anschließend fragt Roberta nach unseren bisherigen Aha-Momenten. Überraschend einig ist sich die Gruppe dabei, dass NotebookLM bislang den größten praktischen Nutzen verspricht.


Im nächsten Themenblock beschäftigen wir uns mit Projektmanagement. Wir definieren zunächst, was ein Projekt eigentlich ist, entwickeln anschließend eigene Projektideen und formulieren konkrete Ziele sowie Meilensteine. Die Ergebnisse werden gemeinsam auf dem Whiteboard festgehalten.


Nach einer verkürzten Kaffeepause – diesmal reicht es nur für einen schnellen Espresso aus dem Automaten – arbeiten wir erstmals mit Claude, dem Sprachmodell von Anthropic. Mithilfe eines Fotos unserer Whiteboard-Notizen und eines einfachen Prompts lassen wir eine Projektstruktur erstellen.


Erneut zeigt sich, wie unterschiedlich KI-Systeme arbeiten. Durch gezieltes Nachfragen und weitere Prompts verbessern wir die Ergebnisse schrittweise, bis sie tatsächlich nutzbar werden. Besonders beeindruckend sind die Übersetzungen in die verschiedenen Muttersprachen der Teilnehmenden.


Ob Dänisch, Deutsch, Französisch oder Griechisch – die Qualität ist durchweg hoch.
Am Nachmittag besuchen wir gemeinsam die Biblioteca delle Oblate, eine öffentliche Bibliothek in einem ehemaligen Kloster. Auf der Dachterrasse mit Blick auf den Dom reflektieren wir den bisherigen Kursverlauf. Die Rückmeldungen fallen einheitlich aus: Wir schätzen vor allem, dass wir nicht oberflächlich durch eine Vielzahl von Tools geführt werden, sondern ausreichend Zeit erhalten, einzelne Anwendungen intensiv zu testen und miteinander zu vergleichen.


Den restlichen Nachmittag geht es wieder bergauf zur Basilica di San Miniato al Monte. Besonders eindrucksvoll ist der alte Friedhof rund um die Kirche, der wie ein erwunschener Garten über der Stadt liegt.

Tag 4: KI im Arbeitsalltag

Am Donnerstag zeigt sich Florenz von einer ungewohnt norddeutschen Seite: Regen, Wind und deutlich kühlere Temperaturen bestimmen den Tag. Im Kursraum ist es dagegen angenehm warm und gemütlich.


Zum Einstieg analysieren wir verschiedene Bilder und diskutieren, ob sie echt oder KI-generiert sind. Dabei wird deutlich, wie schwierig diese Unterscheidung inzwischen geworden ist. Historische Beispiele zeigen zudem, dass Bildmanipulation keineswegs erst mit KI begonnen hat. Neu ist jedoch die Geschwindigkeit und Qualität, mit der heute täuschend echte Inhalte erzeugt werden können.


Der Schwerpunkt des Tages liegt auf dem praktischen Einsatz von KI. Als Reaktion auf unser Feedback erhalten wir Zeit, systematisch zu analysieren, welche wiederkehrenden Aufgaben wir automatisieren oder unterstützen könnten.


Mithilfe vorbereiteter Tabellen erfassen wir typische Tätigkeiten, priorisieren sie und überlegen, welche Werkzeuge sich dafür eignen. Die Ergebnisse sind vielfältig: automatische Erstellung von Protokollen, Umwandlung unstrukturierter Daten in Excel-Tabellen oder die bessere Organisation digitaler Ablagen mit Werkzeugen wie dem AI File Sorter von Microsoft.


Eine interessante Erkenntnis lautet, dass KI nicht nur Aufgaben erledigen kann, sondern auch bei der Auswahl geeigneter KI-Werkzeuge unterstützt. Viele Systeme helfen inzwischen bei der Verbesserung von Prompts oder schlagen passende Anwendungen für bestimmte Aufgaben vor.


Für die VHS erscheint mir insbesondere die Unterstützung bei Dokumentation,
Wissensmanagement und Dateiorganisation interessant.


Im weiteren Verlauf diskutieren wir kritische Fragen: Welche Risiken birgt KI? Welche
Auswirkungen könnte sie auf Arbeitsplätze haben? Welche ethischen Herausforderungen
entstehen durch ihre Nutzung? Die Diskussionen fallen differenziert aus und zeigen, dass
technologische Begeisterung allein nicht ausreicht.


Am Nachmittag besuche ich die Basilica Santo Spirito und später das wundervolle Giunti Odeon, ein historisches Theater und heute Kombination aus Drittem Ort, Buchhandlung und Kino, wo ich den Film „Hamnet“ im englischen Original sehe.

Tag 5: Chancen, Risiken und Verantwortung

Der letzte Kurstag beginnt erst am Nachmittag. Den Vormittag nutze ich für den krönenden
Abschluss meines Aufenthalts: der Besuch des Palazzo Medici Riccardi mit den wunderschönen Fresken in der (erstaunlich kleinen) Cappella dei Magi.


Zum Einstieg in den letzten Kurstag arbeiten wir mit dem Kartenspiel „Dixit“. Mithilfe der
fantasievollen Motive beschreiben wir, wie wir vor Kursbeginn über KI gedacht haben und wie wir die Technologie jetzt einschätzen. Viele berichten von einem Wandel: von Unsicherheit, Skepsis oder Überforderung hin zu größerem Verständnis und mehr Handlungssicherheit.


Im weiteren Verlauf diskutieren wir die Zukunft von Bildung und Schule. Einigkeit besteht darüber, dass Schulen auch in einer von KI geprägten Welt unverzichtbare Orte des sozialen Lernens bleiben werden.


Anschließend beschäftigen wir uns mit den ökologischen Auswirkungen von KI. Besonders der steigende Energiebedarf großer Rechenzentren wird thematisiert. Aus meiner Sicht sollte dabei noch stärker auf den Ressourcenverbrauch der Hardwareproduktion und die Folgen des Rohstoffabbaus eingegangen werden. Diese Aspekte sind vielen Nutzenden kaum bewusst.

Ein weiteres Diskussionsthema sind mögliche Zukunftsszenarien für KI. Die Bandbreite reicht von erheblichen gesellschaftlichen Risiken bis hin zu positiven Entwicklungen durch internationale Regulierung und verantwortungsvollen Einsatz. Unabhängig von den unterschiedlichen Einschätzungen wird deutlich, dass wir die großen Entwicklungen nur begrenzt beeinflussen können, wohl aber unser eigenes Verhalten.


Zum Abschluss formulieren wir persönliche Leitlinien für den Umgang mit KI. Dazu gehören Fragen wie: Kann ich eine Aufgabe selbst mit vertretbarem Aufwand erledigen? Ist der Einsatz von KI wirklich notwendig? Nutze ich das passende Werkzeug? Gehe ich verantwortungsvoll mit Ressourcen um?


Diese Diskussion gehört für mich zu den wertvollsten Bestandteilen des gesamten Kurses, weil sie die technische Perspektive um ethische und gesellschaftliche Aspekte ergänzt.
Nach der Zertifikatsvergabe nehme ich an einem italienischen Kochkurs teil, einer der angebotenen kulturellen Aktivitäten. Die anderen Kulturangebote – eine einverkostungstour oder ein Ausflug in die Region Cinque Terre – finden erst am Samstag statt. Gemeinsam mit Teilnehmenden anderer Erasmus+-Kurse stellen wir frische Pasta her und lernen die Grundlagen einer traditionellen Carbonara kennen. Der Kochabend bietet vor allem die Gelegenheit zum Austausch mit Menschen aus ganz Europa.

Fazit

Der Kurs hat meine Erwartungen übertroffen. Besonders wertvoll war nicht die Vorstellung
möglichst vieler Werkzeuge, sondern die Möglichkeit, ausgewählte Anwendungen intensiv
auszuprobieren, kritisch zu vergleichen und gemeinsam zu reflektieren.


Für meine Arbeit an der Volkshochschule nehme ich vor allem drei Dinge mit: ein besseres
Verständnis dafür, welche Aufgaben sich sinnvoll mit KI unterstützen lassen, konkrete Werkzeuge wie NotebookLM oder Claude, die ich weiter testen möchte, sowie die Erkenntnis, dass ein verantwortungsvoller Umgang mit KI ebenso wichtig ist wie die technische Beherrschung der Werkzeuge.


Ebenso wertvoll war der internationale Austausch. Trotz unterschiedlicher Bildungssysteme standen wir vor sehr ähnlichen Fragen: Welche Aufgaben lassen sich automatisieren? Wo bleiben menschliche Kompetenzen unverzichtbar? Und wie können wir KI so einsetzen, dass sie unsere Arbeit unterstützt, ohne neue Probleme zu schaffen?
Roberta hat den Kurs flexibel an unsere Bedürfnisse angepasst, Fragen aufgegriffen und Inhalte entsprechend weiterentwickelt. Für sie war es der erste Kurs dieser Art – dafür war das Konzept durchdacht und praxisnah.


Die wichtigste Erkenntnis dieser Woche lautet für mich: KI ist kein Ersatz für menschliches Denken, sondern ein Werkzeug. Der Nutzen entsteht nicht durch das Tool selbst, sondern durch die Menschen, die es kritisch, kompetent und verantwortungsvoll einsetzen.


(Bericht mit Unterstützung von KI erstellt)

Artificial Intelligence Tools for Language Teachers in Florenz

von A. Marin

Vom 20.10. bis 26.10.2025 habe ich in Florenz an der oben genannten englischsprachigen Erasmus+-Fortbildung des Landesverbandes der VHS Schleswig-Holstein teilgenommen. Den Lehrgang hat die „Europass Teacher Academy“ mit Hauptsitz in Florenz durchgeführt.

Ich bin mit der Bahn über München an- und abgereist. Dies hat trotz der bahnüblichen Verspätungen gut geklappt. Eine Bahnanreise ist natürlich aus Umweltgründen zu empfehlen. Sie dauert allerdings ziemlich lange und zieht sich über 2 Tage. Ich fand es jedoch sehr interessant, mit der Bahn unter anderem die Alpen zu durchqueren und die norditalienische Landschaft und die Toskana aus dieser Perspektive kennenzulernen.

Zug München Florenz

Das Wetter war während meiner Fortbildung morgens und abends recht frisch, tagsüber konnte man jedoch meist draußen sitzen. Leider gab es auch 3 Regentage.

Die Teacher Academy liegt direkt in der wunderschönen Innenstadt von Florenz in einem beeindruckenden Gebäude im florentinischen Stil. Die Unterrichtsräume sind meist groß und sehr modern ausgestattet. Nicht so glücklich fand ich, dass wir Teilnehmende in Reihen hintereinander saßen.

Montag, 20. Oktober

Heute um 9:00 Uhr ging es los. Beim Betreten des Gebäudes ist mir sehr positiv aufgefallen, dass wir von unserer Trainerin und den Angestellten ganz besonders freundlich empfangen wurden. Der erste Eindruck ist eben sehr wichtig.

Zunächst stellte sich unsere italienische Trainerin Ester Maria vor: Sie kommt aus Turin, hat Erziehungswissenschaften studiert und an Grundschulen in englischer und italienischer Sprache gearbeitet. Weiterhin hat sie sich auf den Einsatz digitaler Medien spezialisiert.

Wir sind elf Teilnehmende, wobei der Altersdurchschnitt eher höher lag: vier Kroatinnen, eine Lettin, eine Schwedin, eine Französin, eine Bulgarin, eine Deutsche, ein Italiener und ich. Anschließend haben wir uns alle kurz vorgestellt, insbesondere unsere Tätigkeiten: Lediglich 2 Kroatinnen unterrichten an Grundschulen, alle anderen sind in der Erwachsenenbildung oder an Gymnasien tätig und unterrichten dort meist Englisch. Ich fand gut, dass die Mehrheit ältere Schüler bzw. Erwachsene – wie ich – unterrichten, da wir so unsere Erfahrungen austauschen und vergleichen konnten. Wir haben alle unseren eigenen Laptop mitgebracht. Einige hatten schon Künstliche Intelligenz kennengelernt und verwendet. Für mich war dies ein neues Gebiet.

Danach sollte jeder seinen Namen vertikal auf einen Zettel schreiben und für jeden Buchstaben eine auf sich zutreffende Eigenschaft in der Erstsprache notieren. Anschließend wurden diese Zettel verteilt und jeder sollte seinen Zettel wiederfinden. Dadurch kamen wir ins Gespräch und wir sollten anschließend über die fotografische Übersetzungsfunktion von Google, die ich nicht kannte, die Eigenschaften übersetzen lassen. So sprachen wir mit mehreren Personen. Diese Kennenlernübung fand ich sehr gelungen.

Danach ging es um die Begriffe Intelligenz und künstlich: künstlich, weil es z.B. kein selbstständiges Denken ist, sondern Gedanken nur stimuliert werden. Wir definierten den Begriff Algorithmus: Computer analysieren große Datenmengen, lernen daraus, und entwickeln so Muster und lösen Probleme. Künstliche Intelligenz liefert dann ein Ergebnis aufgrund ähnlicher Konstellationen.
Beispiele: Spamfilter und Sprach-/Texterkennung. 

Wir sprachen über Chat GPT: „Generated Pre-trained Transformer“ und diskutierten unsere Erfahrungen.

Dann haben wir einen abstrakten Begriff gezeichnet und diese Zeichnung mit Hilfe des Programms „Animate your Drawing“ in Figuren verwandelt. Dann sollten wir diese Figur erklären. Für Fortgeschrittene eine gute Übung.

Prompts für Bild- und Texterstellung


Dienstag, 21. Oktober


Erste Aufgabe war heute, mit ChatGPT ein Bild zu generieren. Dabei ging es um den Begriff „prompt“, nämlich die Instruktionen, z.B. was auf dem Bild sein soll und was nicht, z.B. Person, Tier oder Objekt, den Zweck, relevante Details, Ton und Stil. Wir haben so mit den „prompts“ ein Bild einer Lehrerin in einem modernen Klassenraum erstellt.
Ich kann mir vorstellen, dies mal auszuprobieren. Dies setzt natürlich voraus, dass Teilnehmende dafür Smartphone oder Laptop nutzen möchten.

Mit ChatGPT erstelltes Bild

Als nächstes sollten wir mit ChatGPT anhand von prompts einen Unterrichtsplan generieren und diesen danach in einen Chart verwandeln, Lehrernotizen hinzufügen und in ein Word-Dokument einfügen. Anschließend machen wir dasselbe mit Gemini, einer weiteren KI-Anwendung.

Gemini ist eher besser für Bilder und ChatGPT besser für Texte.

Wir haben mit Gemini eine sogenannte Deep Research über den Dom von Florenz gemacht. Ich fand erstaunlich, wie detailliert das Ergebnis, nämlich der Text, war.

Dann haben wir mit Chat GPT anhand von prompts eine Geschichte geschrieben: wo und wann sie stattfand, welche Personen usw… Danach haben wir diese mehrfach abgewandelt, z.B. haben wir das Sprachniveau verändert (z.B. von B2 zu A2). Ich fand erstaunlich, wie gut das Ergebnis war und einen interessanten Ansatz, den man ausprobieren kann.

Zum Schluss gab es heute eine Diskussion über Pros und Cons von künstlicher Intelligenz im Unterricht.

Pros z.B.: motivierend, neu, sofortiges Feedback, spielerischer Ansatz


Cons z.B.: Gefahr von Hackern, Datenschutz, Anfälligkeit für Fehler, und zwar auch solche, die man schwer erkennt, einige technische Voraussetzungen nötig.

Mittwoch, 22. Oktober

Zunächst gab es heute eine Konversationsübung: gegenseitig Fragen stellen, die auf Kärtchen standen.

Dann erklärte unserer Trainerin, wie man einen QR-Code generiert, was wir kurz übten.

Danach ging es um Chatbots. Wir entwarfen zunächst eine Definition: „Programm, das mit Menschen mittels künstlicher Intelligenz kommunizieren kann“.

Wir lernten den Chatbot Mizou.com praktisch kennen. Dort kann man mit Lernenden online in Kontakt treten, kommunizieren, Aufgaben stellen und Antworten entgegennehmen. Das ist sicher eine gute Sache, aber ich frage mich, ob man das an Volkshochschulen einsetzen kann: Heterogenität und Motivation der Teilnehmenden, zusätzlicher Aufwand und unterschiedliche technische Voraussetzungen.

Anschließend lernten wir das Programm NotebookLM kennen: Eine PDF-Datei mit einem Text sollte hochgeladen werden und wir haben davon eine Audioversion, eine Mindmap und Karteikarten erstellt.

Letztes Thema heute: Wie kann man auf Bildern und in Texten künstliche Intelligenz erkennen? Anhand eines Quizzes stellten wir fest, dass die Unterscheidung sehr schwer ist.

Übrigens fällt mir auch auf, dass unsere Kursleiterin alle Teilnehmenden sehr gut einbezieht und den Lernstoff gut visualisiert. Ich denke, das ist allgemein sehr wichtig und bestätigt mich auch.

Donnerstag, 23. Oktober

Zunächst gab es heute erneut eine Konversationsübung: nach Körpergröße, Augenfarbe, Schuhgröße usw. in Reihe aufstellen und dies diskutieren. Gute Übung, die man machen kann.

Dann haben wir diskutiert, ob künstliche Intelligenz ein „Mitdesigner“ sein kann, wenn man z.B. eine Präsentation entwirft. Dazu haben wir das KI-Programm „Gamma“ kennengelernt. Wir nutzten dabei prompts wie Umriss, Bilder, Karten und ein YouTube-Video einfügen. Wir haben gelernt, dass man so tatsächlich eine Präsentation erstellen kann.

Nächstes Thema war, mit dem KI-Programm Suno Lieder zu entwerfen. Ich fand erstaunlich, dass dieses Programm selbstständig anhand von prompts gute Lieder schaffen kann. Wir haben jeder ein Lied über unsere Heimatstädte geschaffen und ich fand erstaunlich wie gut die prompts in das Lied eingebaut wurden. Das kann man probieren mit interessierten Teilnehmenden.

mit Sumo erstelltes Lied

Dann haben wir Gamma in Dreiergruppen praktisch angewandt: Unsere Gruppe hatte das Thema „florentinischer mittelalterlicher Fußball“. Wir haben dazu Texte aus dem Internet kopiert und in eine PDF-Datei importiert. Gamma hat dann eine einheitliche gute Version erstellt. Das Ergebnis fand ich erstaunlich gut.

Freitag, 24. Oktober

Heute war erste Aufgabe aus kleinen Gegenständen/buntem Papier etwas zu formen, das unsere Stimmung hinsichtlich des Kurses in dieser Woche widerspiegelt. Dies dauerte ziemlich lang und wir haben die Figuren in das KI-Programm Canvas Magic Studio eingefügt und von ihm interpretieren lassen.

Danach haben wir das Programm „Magic School“ kennengelernt.
Jeder hat damit ein Lied zum Thema Past Simple/Present Perfect geschaffen. Es war beeindruckend, wie gelungen und unterhaltsam das Lied war.

Als Nächstes haben wir mit „Magic School“ eine Textzusammenfassung einer ausführlichen PDF-Datei über den Dom von Florenz erstellt. Danach haben wir mit Magic School Fragen und ein Quiz entwerfen lassen.

Anschließend stellte unsere Trainerin das Programm Diffit vor, mit dem wir ebenso eine PDF-Datei bearbeitet haben und ein Multiple-Choice-Quiz erstellt haben.

Zum Schluss gab es eine Feedback- Runde: Wir waren alle sehr zufrieden, uns aber auch einig, dass die KI-Programme Übung benötigen. Es gab dann ein gemeinsames Foto und die Zertifikate.

Im unmittelbaren Anschluss an den Kurs fand um 14:30 eine Halbtags-Exkursion nach Chianti statt. Wir fuhren mit dem Bus durch die sehr schöne Toskana und besuchten zwei Weingüter. Natürlich gab es auch Weinproben der bekannten Chiantiweine. Hierbei hatten wir auch nochmal Gelegenheiten zu Gesprächen über die Fortbildung, die Arbeit und unsere Eindrücke von Florenz.

Beim Weingut nahe Chianti (Toscana)
Abschlussfoto

Samstag, 25.Oktober

Am Samstag war kein weiterer Ausflug angesetzt. Ich habe daher auf eigene Faust zunächst den großen, überwältigenden Dom von Florenz von außen besichtigt sowie den vorgelagerten imposanten Platz. Anschließend habe ich an einer ausführlichen Live-Führung im Dom in Englisch teilgenommen. Eine solche ist unbedingt zu empfehlen, da man Hintergrundinformationen erhält. Dies hat mich alles sehr beeindruckt.  

Land und Leute

Florenz, die Hauptstadt der Toskana ist eine tolle Stadt. Sie gilt als Geburtsort der Renaissance, hat etwa 360.000 Einwohner und ist bekannt für Kunst, Architektur und Kultur. Es gibt daher viele grandiose Sehenswürdigkeiten, die jedes Jahr Millionen von Touristen anziehen. Obwohl ich dort in der Nebensaison war, musste man bei vielen Sehenswürdigkeiten lange anstehen, z.B. am Eingang zum Dom.

Auffällig fand ich, dass es an den Haltestellen der Busse/Straßenbahnen keine Überdachung (Regen) bzw. Sitzplätze gibt. Wie mir ItalienerInnen sagten, soll so vor allem das historische Stadtbild nicht beeinträchtigt werden. Das Preisniveau schien mir ähnlich wie in Deutschland. Das gilt auch für Wohnraum. Sehr positiv ist mir die Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft der ItalienerInnen aufgefallen, etwa bei Fragen nach dem Weg. Ich habe bemerkt, dass sie – zu Recht – auch stolz auf ihre Stadt sind.

Resümee

Ich habe einen sehr guten Einblick in das für mich neue Gebiet der Künstlichen Intelligenz bekommen, praktisches Wissen für den Unterricht erworben und viele Impulse bekommen.

Auch habe ich gemerkt, wie umfangreich und komplex Künstliche Intelligenz ist.

Ganz besonders gut hat mir die große fachliche Kompetenz und Freundlichkeit unserer Trainerin gefallen. Auch unsere Arbeitsatmosphäre und der nette Umgang untereinander hat mir sehr gut gefallen. Der fachliche Austausch zum Thema mit den Teilnehmenden aus vielen verschiedenen Ländern war für mich sehr interessant. Unterricht aus der Teilnehmendenperspektive war ebenfalls erneut eine aufschlussreiche Erfahrung, da mir bewusst wurde, was man selber gut und nicht so gut macht.

Lediglich einige Aufgaben zogen sich nach meinem Geschmack manchmal etwas zu lange hin.

Außerhalb des Kurses habe ich viele kulturelle Eindrücke von dieser schönen Stadt bekommen und auch einen Einblick in das Leben in Florenz und Italien gewonnen.

Insgesamt war die Fortbildung eine tolle und sehr wertvolle Erfahrung. Daher möchte ich eine Erasmus+-Fortbildung allen Interessierten ausdrücklich empfehlen.

The Art of Differentiation: Strategies for Inclusive Classrooms in Rom

Silke Wienecke

Volkshochschule Wedel

ERASMUS Mobilität 9.-13.06.2025

Tag 1, Montag, 09.06.2025

Der Kurs The Art of Differentiation: Strategies for Inclusive Classrooms des Anbieters Infol Education SRLS  in Rom soll eine umfangreiche Auseinandersetzung mit Methoden und Strategien der Inklusion im Unterricht und in der Institution bieten. Fünf Tage mit je vier Unterrichtsstunden sind dafür eingeplant.

Der Kursort befindet sich nicht direkt in der Innenstadt Roms, ist aber mit öffentlichen Verkehrsmitteln gut zu erreichen. Die Anfahrt mit der Metro klappte hervorragend, doch da kein Bus kam, ging ich den restlichen Weg zu Fuß und kam trotz kleiner Verspätung nahezu pünktlich an, als zweite von acht angekündigten Teilnehmerinnen.

Francesco, der Direktor des Instituts, begrüßte uns herzlich und sagte, dass drei Kolleginnen aus Rumänien auch noch das letzte Stück Wegstrecke zu Fuß zurücklegen würden. Insgesamt waren wir am ersten Tag zu sechst, zwei Lehrerinnen einer Berufsschule in Le Mans, Frankreich, sowie drei Lehrerinnen einer Berufsfachschule/Fachhochschule für Elektrotechnik aus Cluj/ Rumänien. Es gab eine einstündige ausführliche Vorstellungsrunde einschließlich der spezifischen Arbeitsbedingungen an den einzelnen Institutionen. Dann wurde Francesco zunehmend unruhig, da die Dozentin, die um 11:00 Uhr das erste Training beginnen sollte, nicht auftauchte. Es gab einen familiären Notfall, weshalb sie voraussichtlich bis mittags nicht zum Unterricht erscheinen könnte. Länderübergreifend war man sich einig, dass das wie im richtigen Leben wäre und eine Situation, wie wir sie alle in unseren eigenen Schulen auch schon erlebt hätten. Die rumänische und die deutsche Fraktion stellten fest, dass ohnehin in ihren Ländern der Pfingstmontag ein Feiertag wäre, überraschenderweise in Italien aber nicht.

Francesco teilte dann einen mehrseitigen umfangreichen Fragebogen über die Erwartungen an den Kurs und die Umsetzung der Ergebnisse an den jeweiligen Arbeitsplätzen aus. Die Ergebnisse dazu wurden jeweils im Plenum diskutiert. Das gab schon einen interessanten Überblick über die jeweiligen äußeren Gegebenheiten, mit denen die einzelnen Institutionen arbeiten müssen.

So unterrichten die Kolleginnen aus Frankreich die Fächer Französisch und Geschichte, aber auch „digital literacy“ in einer staatlichen Schule für Metallurgie, an der trotz einer sehr diversen Schülergruppe wenig Rückhalt für inklusive Lösungsansätze vorhanden sei. Die rumänischen Kolleginnen, allesamt in technischen Fächern tätig, sahen eher Verhaltensauffälligkeiten und Aufmerksamkeitsprobleme bei ihren Studierenden als problematisch an und betonten, dass ihre Schule in dieser Hinsicht aufmerksam wäre und nach Wegen suche, inklusive Strategien umzusetzen. Die Schülerschaft ist dort offenbar weniger heterogen, wobei auch dort eine große Gruppe Flüchtlinge aus der Ukraine neu ins Bildungssystem integriert werden muss.

Die Fragebögen wurden von Francesco gesammelt und an die Kursleiterin weitergeleitet, damit sie für den morgigen Unterrichtstag diese Informationen vorliegen hatte. Wir einigten uns darauf, am morgigen Unterrichtstag zwei entsprechend längere Unterrichtsblöcke einzuplanen, um den Stoff entsprechend behandeln zu können. Francesco beantwortete dann noch Fragen zum weiteren Verlauf des Kurses. Es sind zwei Außentermine/Hospitationen geplant. Darauf bin ich besonders gespannt. Gegen 13.00 Uhr war die Sitzung beendet. Das rumänisch-deutsche „Team Bus“ startete einen neuen Versuch, und diesmal klappte es, der Bus kam, zwar eine halbe Stunde später als laut Fahrplan, aber es war angenehm, den Weg zur Metro in der Mittagshitze nicht zu Fuß laufen zu müssen. Wir werden diese Aktion dann morgen als „Team- Building activity“ vorstellen. Wir haben uns dafür morgen auch um 9.15 an der Metro verabredet, um die Aktivität fortzusetzen.

Tag 2, Dienstag, 10.06.2025

Heute war die Trainerin, Kwanza Dos Santos, dann wie geplant da, und es gab einen fünfstündigen Workshop zu Themen aus der interkulturellen Pädagogik. Kwanza ist selbst italienische Staatsbürgerin, ihre Eltern sind aus Brasilien eingewandert, und sie hat sich aufgrund ihrer eigenen Biografie ausführlich mit Fragen inklusiven Lehrens und Lernens beschäftigt.

Der Workshop umfasste Partner- und Gruppenarbeiten und war gut angeleitet, speziell was assoziatives Arbeiten anging. Beim Zusammenstellen der Charakteristika inklusiven Unterrichts hatte ich dagegen das Gefühl, dass Kwanza sehr klare Vorstellung davon hatte, wie die Ergebnisse aussehen und formuliert werden sollten, das hat mich an einigen Stellen etwas gestört. Der Vollständigkeit halber fasse ich sie aber hier noch einmal zusammen: 

  • Inklusive Pädagogik basiert auf dem Prinzip, dass alle Lernenden – unabhängig von ihren individuellen Voraussetzungen – gemeinsam lernen und gefördert werden sollen.
  • Sie erkennt Vielfalt als Bereicherung und nicht als ein Problem, das beseitigt werden muss.
  • Ein zentrales Ziel inklusiver Pädagogik ist die Teilhabe aller Lernenden am schulischen und gesellschaftlichen Leben.
  • Lehrkräfte passen ihre Methoden, Materialien und Lernumgebungen an die unterschiedlichen Bedürfnisse der Lernenden an.
  • Inklusion bedeutet nicht nur die Integration von Menschen mit Behinderungen, sondern auch die Berücksichtigung sozialer, kultureller und sprachlicher Unterschiede.
  • Die Zusammenarbeit im multiprofessionellen Team ist ein wichtiger Bestandteil inklusiver Arbeit.
  • Inklusive Pädagogik orientiert sich an den Menschenrechten und am Prinzip der Gerechtigkeit im Bildungssystem.
  • Inklusiver Unterricht schafft eine Umgebung, in der sich alle Lernenden sicher, wertgeschätzt und lernfähig fühlen.

Die Ergebnisse aus unseren kleinen Gruppenarbeiten – Übungen zum aktiven Zuhören, Vergleiche der Bildungssysteme im Hinblick auf die Einbürgerungspolitik der jeweiligen Länder, Übungen zu Stereotypen und die anschließende Analyse biografischer Erfahrungen mit Stereotypen waren dagegen sehr interessant. So habe ich heute gelernt, dass das Staatsangehörigkeitsrecht in Italien letztmalig 1992 angepasst wurde. Für in Italien geborene Kinder nicht-italienischer Eltern gilt bis heute, dass sie nur zwischen ihrem 18. und 19. Lebensjahr die italienische Staatsbürgerschaft beantragen können, sie aber dafür auch ununterbrochen in Italien gelebt haben müssen. Ein Schuljahr im Ausland etwa würde diese Anforderung unmöglich machen. Die Kolleginnen aus Rumänien berichteten, dass es seit einigen Jahren starke Einwanderung aus Indien, Nepal, China und Sri Lanka nach Rumänien gebe. Diese Einwanderergruppen würden überwiegend die Jobs ausüben, die die Rumänen nicht (mehr) annehmen würden: subalterne Tätigkeiten, zum Beispiel in Gastronomie, Hotellerie… Da circa 40 % der rumänischen Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter selbst im Ausland arbeiten, lägen viele dieser Jobs ohne die Einwanderer brach.

Es sind Informationen wie diese, die das Erasmus-Programm so interessant machen: globale Entwicklungen, die in unterschiedlicher Weise in einzelnen Ländern ihren Niederschlag finden. 

Zum Thema „Stereotype“ gab es einen TED-Talk der nigerianischen Schriftstellerin Chimamanda Ngozi Adichie, nicht ganz neu, sondern aus dem Jahr 2009, aber nicht weniger aktuell, ein sehr gut ausgewähltes Testimonial über die Erfahrungen mit Stereotypen in beide Richtungen: Erwartungen und Zuschreibungen anderer und die eigenen Projektionen von Wirklichkeit auf andere Personen. Adichie beschrieb darin anschaulich ihre eigene Lesesozialisation, in der sie als Jugendliche ausgiebig klassische englische Literatur las (die ihre eigene Mutter von Studienaufenthalten in Großbritannien mitgebracht hatte) und ihr Blick auf das Land und seine Kultur eine quasi spätromantische Färbung hatte. Mit der Realität konfrontiert erlebte sie einen ungewollten, notwendigen Perspektivenwechsel, um die ihr bekannten, aber in ihrer Zeit verhafteten Themen und Sichtweisen einordnen und als Ausgangspunkt für ihre eigene Realität umwidmen zu können.

Dieser Wechsel der Perspektiven – „the different gaze“ – wurde anschließend in einigen praktischen Übungen erprobt. Zu Grunde lag die Annahme, dass durch Veränderungen der Narrative auch ein Wechsel vorgenommen werden könne. Kwanza stellte dazu Beispiele aus italienischen Lehrbüchern vor, die nach wie vor im Gebrauch seien. Geradezu erschütternd fand ich ein Beispiel aus einem Lesebuch für die dritte Klasse, in dem drei Kinder gefragt wurden, was sie sich für das beginnende Schuljahr wünschen. Ein strahlender blonder Junge antwortete, er würde gern viel draußen spielen. Ein niedliches Mädchen sagte gar nichts, ein dunkelhäutiger Junge in unbeholfenem Italienisch, er möchte gern viel besser Italienisch lernen. Dieses und weitere Beispiele führten zu lebhaften Diskussionen darüber, wie in einer Unterrichtssituation mit einfachsten Mitteln Stereotype in inklusive Ansätze umgewandelt werden könnten. Die französischen Kolleginnen berichteten, dass in Frankreich derzeit viele Lehrbücher sehr kritisch evaluiert und verändert würden. Aus meiner Erfahrung konnte ich ein DaZ-Lehrwerk der neuesten Generation vorstellen, in dem inklusive Ansätze konsequent umgesetzt worden waren. Die durchgehend verwendeten Charaktere sind unterschiedlich angelegt, beispielsweise sitzt ein Protagonist im Rollstuhl, eine weitere Protagonistin ist schon recht alt, es gibt mehrere Personen mit Migrationshintergrund, die ganz unterschiedliche berufliche Tätigkeiten ausüben („Miteinander“, Hueber Verlag, 2024).

Der letzte Teil des Workshops umfasste eine Übersicht über inklusive Sprache, da war inhaltlich wenig Neues dabei, aber interessante linguistische Aspekte gab es auch hier. 

Tag 3, Mittwoch, 11.06.2025

Heute war einer der beiden Unterrichtstage, die für Exkursionen und Außenaktivitäten vorgesehen sind. Die Gruppe besteht nach wie vor aus sechs Personen, die beiden Kolleginnen aus Rumänien, die am Montag noch angekündigt worden waren, konnten kurzfristig nicht am Kurs teilnehmen. Heute war der Treffpunkt die Metro Station Circo Massimo, von dort ging es ein kurzes Stück zu Fuß zum Kulturzentrum „Celio Azurro“.

Der Stadtteil „Celio“ ist nach dem Cäcilienhügel benannt und befindet sich im Zentrum der Stadt, nahe beim Circus Maximus. Trotzdem (wegen der Hanglage) ist es dort eher ruhig und grün – es gibt viele öffentliche Parkanlagen. Und da wunderbares Sommerwetter herrscht, ist der Himmel azurblau. Der Name der Einrichtung wurde bewusst so gewählt, als Wortspiel, das den blauen Himmel („cielo azzurro“) und den blauen Hügel verbindet, der Name ruft Assoziationen wie Weite, Unendlichkeit etc… hervor.

„Celio Azzurro“ geht auf eine private Initiative zurück, die in Deutschland vielleicht mit einem niedrigschwelligen Nachbarschaftszentrum der 1970er Jahre vergleichbar wäre, ein Konzept, an das in Deutschland die heutige stadtpolitische Quartiersplanung wieder anknüpft. Gegründet 1990 mit einem innovativen pädagogischen Konzept ist heute eine durch das Bildungsministerium geförderte Einrichtung, die frühkindliche Bildung bis Erwachsenenbildung anbietet.

Wir wurden von Giorgio, einem Pädagogen, der seit der Gründung dort arbeitet, freundlich begrüßt und herumgeführt. In Italien haben Pfingsten die dreimonatigen Sommerferien begonnen, die Schulen und viele andere Bildungseinrichtungen sind daher geschlossen. Nur eine kleine Gruppe wurde in der Zeit betreut, darum konnten wir auch das Gelände und die Unterrichtsräume ansehen.

Das Konzept basiert auf einer ganzheitlichen Pädagogik, die inklusive Ansätze auf unterschiedliche Generationen/Altersgruppen anwendet. Die Angebote wurden von Anfang an auf die Bedürfnisse von Eltern und Kindern ausgerichtet.  In der Gründungsphase kamen 75% der Teilnehmenden aus Einwandererfamilien, heute sind es ca. 40%.  Umgangssprache ist Italienisch und so werden systematisch auch Italienischunterricht für Migranten, Kochkurse, Yoga und vereinzelt Angebote zur politischen Bildung angeboten. Dabei handelt es sich ausschließlich um kommunalpolitische Themen im Stadtviertel, die meist auf konkrete Problemlösungen abzielen (die Parkplatzsituation zum Beispiel). 

Celio Azzurro bietet also unterschiedliche Bildungsaktivitäten und -wege an, die von einer vielfältigen Gesellschaft (ethnisch, kulturell und generationenübergreifend) geprägt sind.

Ein solcher Ortstermin ermöglicht Einblicke, die nur in der praktischen Arbeit zu gewinnen sind. Eine kritische Anmerkung jedoch: „Inklusion“ umfasst für mich auch Barrierefreiheit oder zumindest das Bewusstsein dafür. Außengelände und Gebäude sind aufgrund der Hanglage für Menschen mit körperlichen Einschränkungen aber kaum oder gar nicht zugänglich, es gibt viele Treppen oder Stufen und keine angepasste Zuwegung.

Unsere Exkursion am dritten Tag endete mit einem gemeinsamen Rundgang durch die Viertel St. Giovanni und Esquilino, das Stadtviertel, das in Richtung des Hauptbahnhofs den höchsten Migrantenanteil der Stadt aufweist. Die Dozentin wies immer wieder auf die Vielfalt hin, die sich im Straßenbild zeige, dies schien ihr sehr wichtig zu sein. Den Abschluss bildete ein Besuch des Marktes „Nuovo Mercato Esquilino“, ein berühmter Markt, der nach langen kommunalpolitischen Verhandlungen vor ca. 15 Jahren aus hygienischen Gründen mit einer riesigen Markthalle umgebaut wurde. Die umgebenden Straßen waren vor allem von asiatischen (Indien, China, südostasiatische Staaten) Cafés, Restaurants und Lebensmittelgeschäften geprägt. Der Markt selbst bot Lebensmittel aus mehreren Kontinenten und es war ein Erlebnis, dort einmal hindurchzuschlendern.

Für morgen ist ein weiterer „Ausflug“ geplant, mehr wurde nicht verraten. Ich bin gespannt!

Tag 4, Donnerstag, 12.06.2025

Heute fand der zweite Außentermin statt. Sehr schön daran: wir trafen uns im Freien, erst an der U-Bahn-Station Hauptbahnhof, um zur Station EUR Palaspor (ein großes Stadium) zu fahren. Von dort war es nur ein kurzer Fußweg zum Parco Centralo del Lago, einem öffentlichen Park. Von den veranschlagten drei Zeitstunden Unterricht war damit schon mehr als eine halbe Stunde vorbei. In den verbleibenden zweieinhalb Stunden führten wir exakt sechs Übungen durch. Das war wenig, zumal für keine der sechs Teilnehmerinnen etwas wirklich Neues dabei war, wie wir uns auf der Rückfahrt mit der Metro gegenseitig bestätigen konnten. Ich will jetzt nicht zu kritisch sein, und es war wie gesagt sehr schön, nicht in einem heißen Klassenzimmer zu sitzen (es waren heute 35°), und es war auch keine vertane Zeit mit den Kolleginnen aus zwei anderen Ländern diese Übungen durchzuführen, aber der Erkenntnisgewinn war sehr überschaubar.

Es handelte sich bei den Übungen um Aufwärm- und Eisbrecher Aktivitäten, wie alle sie selbst in ihrem Unterricht schon durchgeführt haben: den eigenen Namen und damit ein Stück Biografie zu erklären, drei Dinge über sich selbst, von denen eine Aussage nicht zutraf und die erraten werden musste, eigene Stärken und Schwächen zu beschreiben, dann ein „Blindfold Walk“ als vertrauensbildende Maßnahme, ein „Privilege Walk“, anschließend eine kurze Schnitzeljagd, bei der auf dem Handy Fotos von verschiedenen Objekten gemacht werden mussten. Vielleicht waren heute einfach alle etwas erschöpft und träge, aber nicht nur ich habe die Veranstaltung als extrem in die Länge gezogen und wenig inhaltsreich empfunden. Die Inhalte entstanden durch die informellen Gespräche mit den Kolleginnen. Außerdem waren wir mitten in einem römischen Park während der Woche im überraschend heißen Frühsommer, ein schönes Erlebnis, zu beobachten, wie die Römerinnen und Römer, speziell Familien mit kleinen Kindern, sich in einer kleinen grünen Oase mitten in der Großstadt erholen.

Tag 5, Freitag, 13.06.2025

Der fünfte und letzte Tag begann mit einer kurzen Nachlese der Outdoor-Aktivitäten, dem Besuch im Kulturzentrum Celio Azzurro und dem Aktivitäten-Nachmittag im Park gestern. Die Rückmeldungen über Celio Azzurro und den anschließenden Quartiersrundgang waren übereinstimmend sehr positiv. Mit dem gestrigen Nachmittag waren die Teilnehmerinnen wohl alle nicht richtig zufrieden, wir alle brachten unsere Kritik aber sehr vorsichtig vor. Meine Bitte für den letzten Tag war, noch ein paar Impulse zu anderen Aspekten der Inklusion zu bekommen, nicht nur die migrantische Perspektive. Das wurde auch erfüllt, nach einem längeren Exkurs zu den Themen inklusiver Geographie und Geschichte.

Die Unterrichtsform war überwiegend ein Vortrag von Kwanza, immer wieder aufgelockert durch Beispiele und Vergleiche der Situation in unseren jeweiligen Herkunftsländern.

Grundsätzlich ist Inklusive Geographie ein Ansatz, geografische Räume, Phänomene und Prozesse so zu betrachten, dass alle Menschen, unabhängig von ihren Fähigkeiten, Hintergründen oder Lebensumständen, einbezogen werden. Sie legt Wert darauf, Barrieren zu identifizieren und abzubauen, die den Zugang zu geografischem Wissen oder räumlichen Erfahrungen einschränken könnten. Das bedeutet, dass Lehrmaterialien, Karten und Lernmethoden so gestaltet werden, dass sie für alle zugänglich sind, beispielsweise durch taktile Karten für sehbehinderte Menschen oder durch leicht verständliche Sprache.

Inklusive Geographie fördert das Bewusstsein für die Vielfalt der Lebenswelten und die unterschiedlichen Perspektiven, die Menschen auf der Welt haben. Sie betont die Bedeutung von Partizipation und Mitbestimmung in der Raumgestaltung und -planung. Ziel ist es dabei, Diskriminierung und Exklusion zu vermeiden und eine gerechte Verteilung von Ressourcen und Chancen zu fördern. In der Praxis bedeutet das auch, Umwelt- und Raumfragen aus verschiedenen Blickwinkeln zu betrachten, etwa aus der Sicht von marginalisierten Gruppen. Die inklusive Geographie soll dazu beitragen, gesellschaftliche Ungleichheiten sichtbar zu machen und Lösungen zu entwickeln, die alle Menschen einschließen. Sie ist eng verbunden mit Konzepten wie Nachhaltigkeit, Gerechtigkeit und Menschenrechten. Durch den Einsatz moderner Technologien (z. B. Geoinformations-systeme, GIS), können dazu Daten gesammelt und für alle zugänglich gemacht werden. Insgesamt zielt inklusive Geographie darauf ab, das Verständnis für die komplexen Zusammenhänge des menschlichen Lebens auf der Erde zu fördern, ohne bestimmte Gruppen auszuschließen. 

Eng verknüpft mit inklusiver Geographie ist die Kritik an kolonialer und postkolonialer Kategorisierung. Die Bezeichnung „Dritte Welt“ oder „Entwicklungsländer“ beschrieb Kwanza als Beispiel dafür, wie politische Kategorisierung während des kalten Krieges durch die USA die westliche Sichtweise für Jahrzehnte prägte. Die Aufteilung Afrikas durch Kolonialmächte bis hin zum Ziehen von Landesgrenzen mit dem Lineal, völlig ungeachtet der bestehenden Besiedlung durch unterschiedliche Ethnien nannte sie als ein Beispiel dafür, wie geopolitische Fakten geschaffen wurden. Bis heute gehe die Länderbezeichnung Kamerun auf das Portugiesische Wort Camo für „Krabben/Shrimps“ zurück. Der frühere Staat Obervolta hingegen hätte seine Umbenennung in Burkina Faso, ungefähr übersetzbar als „Land der Menschen mit Würde“ aus den zwei meistgesprochenen Sprachen des Landes ausgewählt. Für Ghana war die koloniale Bezeichnung die „Goldküste“, eine ähnliche Bezeichnung hat Cote D‘ Ivoire bis heute. Ein kurzer, aber hochinteressanter Beitrag auf dem YouTube-Kanal „Geography Now“ über Frankreich illustrierte die irgendwie anachronistisch anmutenden französischen Übersee-Départments, Enklaven und „Territoires d’outre-mer“ (TOM). Eine der französischen Kolleginnen hat Familie in New Caledonia und konnte dazu aus eigener Anschauung über die dortigen speziellen Autonomieregelungen berichten.

Inklusive Geschichtsschreibung zielt ebenfalls darauf ab, Geschichte aus vielfältigen Perspektiven zu erzählen und alle gesellschaftlichen Gruppen einzubeziehen. Sie soll traditionelle, oft eurozentrische oder westlich dominierte Narrative ausbalancieren, die bestimmte Gruppen marginalisieren oder ausblenden. Ziel ist es, die Erfahrungen von Minderheiten, Frauen, ethnischen Gruppen, sozialen Schichten und anderen oft übersehenen Akteuren sichtbar zu machen, um die Vielfalt menschlicher Erfahrungen abzubilden. Sie bezieht idealerweise Quellen aus verschiedenen Kulturen und Perspektiven ein, um ein umfassenderes Bild der Vergangenheit zu zeichnen. Dieser Ansatz soll dazu beitragen, Vorurteile abzubauen und die Stimmen von Menschen zu hören, die in traditionellen Geschichtsschreibungen oft fehlen, etwa durch die Einbeziehung von „Oral History“.

Kwanza erläuterte weitere interessante Beispiele aus Italien: so wurden seit 1923 seh- und hörbehinderte Kinder in eigenen Schulen unterrichtet. Dort wurden aber auch Kinder aus Süditalien aufgenommen, die mit regionalen Dialekten (und teilweise Sprachen) aufgewachsen waren und kein Standarditalienisch sprachen. Also gewissermaßen das Gegenteil von Inklusion.

Seit etwa 20 Jahren gibt es in Italien einen nationalen Integrationsplan (Piano di Integrazione degli Stranieri, PEI), der die folgenden Ziele hat:

  1. Sprachliche Integration: Förderung der Italienischkenntnisse, um die Kommunikation im Alltag und im gesellschaftlichen Leben zu erleichtern.
  2. Kulturelle Integration: Vermittlung von Kenntnissen über die italienische Kultur, Werte und gesellschaftliche Normen, um das Verständnis und die Teilhabe zu stärken.
  3. Soziale und rechtliche Integration: Unterstützung bei der Orientierung im Rechtssystem, beim Zugang zu Bildung, Arbeit und sozialen Diensten, um eine erfolgreiche Eingliederung in die Gesellschaft zu gewährleisten.

Derzeit ist ein bildungspolitischer Schwerpunkt die Integration von Kindern mit Beeinträchtigungen oder Behinderungen ins reguläre Schulsystem, indem man ihnen Schulbegleiter zur Seite stellt.

Der letzte Unterrichtsabschnitt diente dazu, dass alle Anwesenden kurz das Bildungssystem ihrer Länder vorstellten. Da außer mir alle an staatlichen Berufsfachschulen mit der Altersgruppe der 16- bis 24-Jährigen tätig sind, lag der Fokus auf dieser Altersgruppe und den Schulformen. Alle stellten für ihre Einrichtungen und sich fest, dass inklusive Pädagogik mindestens schon stark reflektiert würde, dass in vielerlei Hinsicht auch schon Maßnahmen erfolgt wären, da es sich dabei aber um einen fortwährenden Prozess handelt und nicht um einen festzuschreibenden erreichten Zustand, bleiben viele Aufgaben weiter bestehen. Die Veranstaltung endete mit der Austeilung der Teilnahmebescheinigungen und einer allgemeinen Feedbackrunde.

Aus dem Kurs nehme ich eine Reihe neuer Impulse mit und – wie bisher immer bei Erasmus Programmen – wunderbare Gelegenheiten, sich mit Kolleginnen aus anderen Ländern auszutauschen. Diese Erfahrungen sind sehr wertvoll und helfen dabei, den Blick auf Herausforderungen und Problemlösungen zu schärfen. An zwei von 5 Unterrichtstagen fand allerdings nur ein reduziertes bzw. ein den Erwartungen nicht ganz genügendes Programm statt. Eine der französischen Kolleginnen formulierte es als Analogie auf den Gemeinsamen Europäischen Referenzrahmen für Sprachen so: „Wir sind bei Fragen der Inklusion doch schon auf dem B1-B2-Level, und der Kurs war für A1/A2 konzipiert“.

Art as Therapy: Self-Expression and Special Needs in Art Education in Rom

Teacher Academy Rom, 28.07. – 02.08.2025

von B. Kirsch

Gemeinsam in einer Gruppe von 12 Teilnehmenden (10 weiblich/ 2 männlich) aus verschiedenen europäischen Ländern (3 aus Lettland, 3 aus Spanien, 1 aus Polen, 1 aus Griechenland, 1 aus Kroatien, 1 aus Ungarn, 1 aus Finnland und 1 aus Deutschland) erkundeten wir in einem 5-tägigen Kurs die Möglichkeiten zu obigem Thema. Angeleitet durch intensiven Input, sowie zur praktischen Erprobungen aller vorgestellten Methoden wurden wir von Frau Marianna Paniagoutoudi. Sie stammt aus Griechenland  und lebt in Italien. Der Kurs fand durchgehend auf Englisch statt.

Das Klima und die Kommunikation in der Gruppe war von Anfang an entspannt und freundlich. Die überwiegende Zahl der Kursteilnehmenden unterrichtet in den jeweiligen Heimatländern Kunst in Schulen, an der Universität, im Museum und/ oder bei öffentlichen Trägern wie der Volkshochschule. 

Unsere Gruppe bei der Arbeit

Marianna, unsere Dozentin, unterrichtet auch an der Kunsthochschule in Rom. Sie ist sehr kompetent und konnte mit natürlicher Freundlichkeit sowohl vermitteln, als auch auf Bedürfnisse der Teilnehmenden eingehen und trug damit maßgeblich zu einer guten Stimmung innerhalb der Gruppe bei.

Obwohl aus ganz unterschiedlichen europäischen Ländern mit unterschiedlichen Kulturen und Anforderungen, war die Zusammenarbeit in der Gruppe harmonisch und auf Augenhöhe, auch im Hinblick auf Werte und Nachhaltigkeit und einer offenen Auffassung gegenüber Neuem und Anderem. Insbesondere Letzteres ist für die Auseinandersetzung mit dem Fokus des Kurses sehr wichtig.

Der Kurs „Kunst als Therapie, Selbstausdruck und besondere Bedürfnisse einzelner Zielgruppen im Kunstunterricht“ beschäftigte sich damit, wie Kunst genutzt werden kann, um Menschen zu unterstützen, ihre Gefühle und Gedanken auszudrücken, insbesondere wenn sie sich verhaltensauffällig zeigen, um sie nach Möglichkeit in den Unterricht zu integrieren.

Im Mittelpunkt stand die Idee, dass Kunst eine therapeutische Wirkung haben kann, indem sie Menschen hilft, sich selbst besser kennenzulernen, emotionale Belastungen zu verarbeiten oder soziale Kompetenzen zu stärken. Der Kurs zeigte, wie man Kunst im Unterricht gezielt einsetzen kann, um auf die individuellen Bedürfnisse verschiedener Zielgruppen einzugehen, zum Beispiel Kinder mit besonderen Förderbedürfnissen, Menschen mit Behinderungen oder psychisch belastete Personen. Exemplarisch bezogen wir uns hier auf Kursteilnehmende mit ADHS, Autismus oder Depression. 

Dabei wurden Methoden und Ansätze vermittelt, wie man kreative Prozesse so gestaltet, dass sie unterstützend wirken, ohne den künstlerischen Ausdruck einzuschränken. Es geht also um die Verbindung von Kunst, Therapie und pädagogischer Arbeit, um Menschen in ihrer persönlichen Entwicklung zu fördern und ihnen einen Raum für Selbstentfaltung zu bieten.

Wichtig war hier die Abgrenzung:

Kunst als Therapie bezieht sich auf die Nutzung von kreativen Aktivitäten, wie Malen, Zeichnen oder Basteln, um das Wohlbefinden zu fördern, Stress abzubauen oder einfach Freude zu erleben. Dabei steht die persönliche Erfahrung und der Spaß am kreativen Schaffen im Vordergrund. Es ist oft informell und kann selbstständig oder in Gruppen erfolgen, ohne dass ein speziell ausgebildeter Therapeut beteiligt ist. Kunsttherapie hingegen ist eine professionelle therapeutische Methode, bei der speziell ausgebildete Kunsttherapeutinnen und -therapeuten kreative Prozesse gezielt einsetzen, um psychische, emotionale oder soziale Probleme zu behandeln. Hierbei wird die Kunst aktiv in den therapeutischen Prozess eingebunden, um unbewusste Gefühle, Konflikte oder Verhaltensmuster sichtbar zu machen und zu bearbeiten. Die Kunsttherapie folgt einem therapeutischen Konzept und wird meist in einem geschützten Rahmen durchgeführt. Während Kunst als Therapie eher eine selbstständige, informelle Nutzung von Kreativität zur Förderung des Wohlbefindens ist, ist Kunsttherapie eine professionelle, gezielte Behandlungsmethode, bei der Kunst als Werkzeug in einem therapeutischen Kontext eingesetzt wird. In unserem Kurs ging es um die Einsatzmöglichkeiten im Bereich Kunst als Therapie.

Hierzu einige Beispiele:

Kunsttherapeutische Tools im Unterricht können sehr vielfältige Zielgruppen unterstützen. Neben verhaltensauffälligen Kindern und Jugendlichen in inklusiven Settings profitieren auch Erwachsene erheblich von diesen Methoden, besonders wenn sie Symptome von ADHS, Autismus oder Depression aufweisen.

Diese Methoden bieten einen niederschwelligen Zugang zur Selbsterfahrung und Selbstregulation, indem sie helfen, die oft komplexen und emotional belastenden Themen kreativ auszudrücken.

  • Bei ADHS kann beispielsweise das bewusste, achtsame Zeichnen („Mindful Dooddling“) den Kindern helfen, sich zu fokussieren und zur Ruhe zu kommen.
  • Menschen mit Autismus können von strukturierten, repetitiven Aktivitäten wie der Gestaltung von Mandalas und Zendoodles profitieren, die ihnen ein Gefühl von Sicherheit und Ordnung vermitteln.
  • Bei Depressionen ermöglicht das Arbeiten an Themen wie dem „Garten des Selbst“ den Betroffenen, ihre inneren Ressourcen und verborgenen Kompetenzen zu erkennen und zu aktivieren:
z.B. ‚Garten des Selbst‘ – Blätter, Wurzeln, Blüten und Samen/Triebe repräsentieren die individuelle Gegenwart/Entwicklungsmöglichkeiten des Zeichnenden, Unkraut repräsentiert Behinderungen der Entwicklung.

Diese kunsttherapeutischen Ansätze bieten einen individuell angepassten Zugang, der nicht nur die ästhetische und kreative Auseinandersetzung fördert, sondern auch den emotionalen und sozialen Austausch unterstützt. So trägt der Einsatz dieser Tools im Unterricht dazu bei, einen Raum zu schaffen, in dem sich alle Beteiligten – ob Kinder, Jugendliche oder Erwachsene – auf ihre eigene Art und Weise mit sich selbst und anderen verbinden können.

Eine weitere Wahrnehmungsübung, um die Verbindung zu sich selbst zu fördern, stellte die Erstellung eines privaten ‚SINN‘ – Tagebuchs dar, das sich sowohl täglich der Sinneswahrnehmung ( z.B. Gerüche, visuelle Eindrücke, Geschmack, etc.) als auch dem Sinn einer Aktion ( z.B. Unterricht und dessen Ziel) widmen sollte.

Eine zusätzliche Möglichkeit ergibt sich durch spielerische Paarübungen in Bewegung, bei denen man sich  aufeinander einstellt und so einen Bezug zu sich selbst und durch Empathie einen Bezug zum Gegenüber herstellt:

Zur Abrundung unternahmen wir nach Kursende am letzten Tag (neben dem Besuch vom Museum Barberini am Tag zuvor)  eine dreistündige Wanderung durch den historischen Stadtteil Trastevere mit einer engagierten Führerin, die uns informativ das jüdische Viertel, sowie Kirchen wie St. Cecilia näherbrachte, unter deren Architektur Gewölbe mit alten Wohnsiedlungen zu sehen waren. Diese repräsentierten die damalige, antike, später zugeschüttete Wohnlage. Eine typische Situation für Rom, welche zur Folge hat, dass sich immer wieder neue Ausgrabungsorte ergeben.

Trastevere ,,Underground“ am letzten Tag

In diesem Kurs hatte ich die Möglichkeit, die Bedeutung von Kunst als Werkzeug zum therapeutischen Einsatz  auf dem Weg zum Selbstausdruck kennenzulernen, bzw. auszubauen. Besonders wertvoll war für mich die Erfahrung, auf individuelle Bedürfnisse im Kunstunterricht eingehen zu können und dadurch meine kreativen Fähigkeiten sowie mein Selbstverständnis im Umgang mit auffälligen Zielgruppen weiterentwickeln zu können. Der (Erfahrungs-) Austausch mit Kolleginnen und Kollegen aus verschiedenen europäischen Ländern ist eine sehr wertvolle und verbindende Erfahrung – hier gab es viele Berührungspunkte, Vernetzung ist ein nachhaltiger Effekt. Ich bin gespannt auf die praktische Umsetzung des neu erworbenen Wissens hier vor Ort. 

Unsere Gruppe (nicht ganz vollzählig) am letzten Tag. Im Vordergrund unsere Dozentin Marianna.

Cultivating Diversity and Inclusion, Rom #2

von Eman Rashidi, Rome, 05.05.2025 – 09.05.2025

Am Freitag, den 02. Mai 2025, flogen meine Kollegin und ich vom Flughafen Hamburg nach Rom.

Der Flug verlief reibungslos, die Landung ebenso. In Rom erwartete uns ein angenehmes, sonniges Wetter. Ich hatte im Voraus ein Hotel in der Nähe der Europass Teacher Academy gebucht: das Hotel St. Moritz in der Via Nazionale. Die Akademie ist von dort fußläufig in 10 bis 15 Minuten erreichbar, und auch viele der bedeutendsten Sehenswürdigkeiten der Stadt lassen sich bequem zu Fuß erkunden. Das machte die Anreise sehr entspannt. Nach dem Einchecken machten meine Kollegin Frau Qaser und ich einen ersten Spaziergang durch die Innenstadt und genossen ein Abendessen in einem regionalen Restaurant.

Am Samstag ruhten wir uns zunächst etwas aus, bevor wir gegen Mittag Richtung Vatikan aufbrachen. Der Besuch war mir besonders wichtig, da ich bereits einmal in Rom war und diese besondere spirituelle Atmosphäre erneut erleben wollte.

Religiöse Orte faszinieren mich seit jeher, insbesondere auch im interkulturellen Kontext. Ich habe in meinem Leben mit Gläubigen verschiedener Religionen – Hinduismus, Islam, Christentum, Buddhismus – gemeinsam gebetet. Trotz mancher Zurückhaltung nach dem Tod von Papst Franziskus war der Vatikan gut besucht. Besonders beeindruckte mich das Zusammenspiel von Religion, Geschichte und Symbolik. Der Besuch der Sixtinischen Kapelle war bewegend, auch weil ich dort erfuhr, dass mumifizierte Leichname früherer Päpste noch ausgestellt sind.

Am Sonntag nutzten wir das Angebot, am ersten Sonntag des Monats historische Orte kostenlos zu besichtigen. Für das Pantheon mussten wir rund 40 Minuten anstehen, für die Engelsburg sogar etwa 85 Minuten. Besonders eindrucksvoll war die Engelsbrücke mit ihren Skulpturen, die Szenen aus der Passion Christi darstellen. Die Engelsburg selbst gab Einblicke in Roms militärische und architektonische Geschichte.

Montag, 05. Mai 2025 – Seminarbeginn

Der Tag begann früh. Um 06:00 Uhr klingelte der Wecker. Nach einem einfachen, aber ausreichenden Frühstück ging es gemeinsam mit meiner Kollegin zur Europass Teacher Academy. Dort begrüßte uns die Dozentin, Frau Christina Waymark.

Der Unterricht begann aufgrund von Verzögerungen erst um 09:38 Uhr. Insgesamt nahmen zuerst sechs Personen teil:

1. Ich selbst (Deutschland)

2. Frau Qaser (Deutschland)

3. Eine Kollegin aus der Berliner VHS (Verwaltung)

4. Zwei Lehrerinnen aus Portugal (eine mit Schwerpunkt auf Migrantenbildung)

5. Ein Lehrer aus Valencia, Spanien

Zwei Teilnehmende kamen mit rund 49 Minuten Verspätung. Die Dozentin stellte sich zunächst auf Italienisch vor, was einige Teilnehmerinnen aus Portugal gut verstanden. Auch Frau Qaser konnte vieles durch nonverbale Hinweise erfassen.

In der ersten Übung stellten wir uns gegenseitig in der eigenen Muttersprache vor. Ich sprach zunächst Deutsch, dann Persisch. Erstaunlicherweise verstand mich meine Partnerin gut. Weitere Aufgaben umfassten nonverbale Kommunikation, das Erraten von Geburtsdaten und eine kreative Runde mit persönlichen Notizen auf Zetteln. Ich notierte: „Ich kann altpersische Texte lesen.“

Diese Methoden verfolgten mehrere Ziele: das gegenseitige Kennenlernen, die Förderung von Offenheit und das Hinterfragen von Vorurteilen. Besonders wichtig war die Reflexion über stereotypisierende Denkweisen. Nur weil jemand aus den Niederlanden stammt, sollte man ihn nicht vorschnell mit bestimmten Klischees wie Drogenkonsum in Verbindung bringen.

Nach einer Pause mit Kaffee und Snacks begann eine erste Gruppenpräsentation aus Portugal.

Zudem lernten wir eine App kennen, die uns im Laufe der Woche begleiten wird.

Dienstag, 06. Mai 2025 – Zweiter Seminartag

Der zweite Tag des Seminars begann erneut früh. Um 06:00 Uhr stand ich auf, bereitete mich vor und nahm ein einfaches, aber gutes Frühstück im Hotel ein. Ich entschied mich für einen Americano. Der Kaffee in Rom unterscheidet sich deutlich von dem in Deutschland – er ist intensiver, stärker im Geschmack und sorgt für einen schnellen Start in den Tag.

Der Unterricht an der Europass Teacher Academy begann pünktlich. Die Gruppe arbeitete heute an einer Reihe von Aufgaben zur Selbstreflexion und Unterrichtspraxis.

Eine zentrale Übung bestand darin, zwischen drei Kategorien zu unterscheiden:

  1. Was kann ich im Unterricht gut kontrollieren?
  2. Was kann ich mittlerweile gut beeinflussen?
  3. Worauf habe ich kaum oder keinen Einfluss?

wir analysierten verschiedene Faktoren:

  • Gut kontrollierbar: Klassenzimmergestaltung, Unterrichtsmaterialien, Strukturierung des Unterrichts, Wahl geeigneter Methoden
  • Mittlerweile gut beeinflussbar: Integrationsthemen (z. B. durch interkulturelle Erfahrungen), individuelles Lernverhalten, Methodenvielfalt
  • Nicht kontrollierbar: Persönlicher Hintergrund der Schüler*innen, Häusliche Lernbedingungen, Gesetzliche Vorgaben

Eine besonders interessante Übung befasste sich mit tierischen Lauten in unterschiedlichen Sprachen. Dabei wurde deutlich, wie unterschiedlich Sprache klingen kann, selbst bei einfachen Dingen wie Tiergeräuschen. Ziel war es, die Bedeutung von Mimik, Gestik und nonverbaler Kommunikation im interkulturellen Kontext hervorzuheben.

Im Anschluss diskutierten wir Konstellationen im Klassenzimmer – wer sollte neben wem sitzen, wenn beispielsweise neu zugewanderte Kinder aus der Ukraine unterrichtet werden. Es wurden verschiedene Szenarien vorgestellt (Ukraine – Ukraine, Ukraine – Deutschland, Ukraine – Türkei), mit dem Ziel, sowohl Sicherheit als auch Integration zu fördern. Die gemeinsame Aufgabe mit Frau Qaser in dieser Phase der Gruppenarbeit war konstruktiv und ermöglichte interessante Perspektiven.

Ein weiteres Highlight war das sogenannte „Clown-Spiel“. Drei Gegenstände (Stuhl, Marker, Pappbecher) wurden mit bestimmten Bewegungen kombiniert. Eine Person (der „Clown“) verließ den Raum, während die Gruppe Aktionen mit den Gegenständen entwickelte. Zurück im Raum, musste der Clown die Aktionen erraten – nur mithilfe nonverbaler Hinweise. Diese Übung zeigte eindrucksvoll, wie auch ohne Sprache ein Lernprozess und eine Vertrauensbasis geschaffen werden können.

Im Anschluss hielten weitere Teilnehmende ihre Präsentationen:

  • Eine Kollegin aus Berlin berichtete über ihre Arbeit im Servicezentrum der Berliner Volkshochschulen mit Schwerpunkt Diversität, Integration und Inklusion.
  • Zwei Teilnehmende aus Rumänien stellten sich und ihre Arbeit vor, unterstützt durch zwei Kolleginnen aus einer anderen Gruppe.

Der Tag endete mit einem gemeinsamen Mittagessen in der Stadt. Ich entschied mich für eine klassische Pizza Margherita.

Mittwoch, 07. Mai 2025 – Dritter Seminartag

Wie gewohnt begann der Tag früh mit einem Frühstück und dem Fußweg zur Europass Teacher Academy. Der Unterricht startete pünktlich. Inhaltlich lag der Schwerpunkt heute auf interkulturellem Lernen, kultureller Identität sowie dem bewussten Umgang mit kulturellen Unterschieden im Bildungsbereich.

Als Einstieg erhielten alle Teilnehmenden die Aufgabe, ein Kulturelement auf einen kleinen Zettel zu schreiben.

Ich entschied mich für das Element „Sprache“.

Anschließend stellte die Dozentin das Eisbergmodell der Kultur nach Edward T. Hall (1967) vor. Dieses Modell unterscheidet zwischen sichtbaren (z. B. Kleidung, Architektur, Essgewohnheiten) und unsichtbaren (z. B. Werte, Verhaltensregeln, Überzeugungen) Kulturelementen. Die Diskussion verdeutlichte, dass viele Missverständnisse zwischen Menschen aus unterschiedlichen Kulturen aus jenen Aspekten entstehen, die unterhalb der „Wasserlinie“ liegen – also nicht unmittelbar sichtbar sind. So berichteten Teilnehmende etwa über verschiedene Vorstellungen zu Nähe und Körperkontakt oder darüber, wann und wie Geschenke überreicht werden.

Ein besonders relevantes Beispiel aus dem deutschen Kontext war meine Erläuterung zur Regel, dass Geschenke im Wert von mehr als fünf Euro im öffentlichen Dienst zu melden sind – ein Aspekt, der bei anderen Teilnehmenden für Überraschung sorgte.

Vertiefend wurde das Zwiebelmodell der Kultur vorgestellt, dass die Tiefenstruktur kultureller Identität in drei Schichten gliedert:

1. Äußere Schicht – Sichtbare Kultur: Kleidung, Sprache, Architektur, Essen, Musik

2. Mittlere Schicht – Normen und Werte: Höflichkeit, Kommunikationsstil, Umgang mit Autoritäten

3. Innere Schicht – Grundannahmen: Zeitverständnis, Gerechtigkeitsempfinden, religiöse Überzeugungen, Rolle des Individuums

Ich stellte die deutsche Kultur anhand dieses Modells vor. Als sichtbare Elemente nannte ich Pünktlichkeit und Ordnung, als Werte die direkte Kommunikation und die Wahrung von Privatsphäre. Bei den Grundannahmen betonte ich insbesondere das Vertrauen in Gesetze und Systeme sowie das Prinzip „Freiheit mit Verantwortung“.

Darüber hinaus erarbeiteten wir vier zentrale kulturelle Ausdrucksformen:

Symbol: Bundesadler

Held: Johann Wolfgang von Goethe

Ritual: Currywurst mit Pommes als alltägliches und verbindendes Element

Wert: Ordnung und Struktur

Anschließend sollten wir fünf Qualitäten benennen, die wir uns für unsere Schüler*innen wünschen. Ich entschied mich für:

1. Mut

2. Kompetenz

3. Gerechtigkeit

4. Optimismus

5. Stärke

Als zentrale Werte wählte ich Kompetenz und Optimismus. Mein Idealbild eines Schülers ist jemand, der seine Fähigkeiten kennt, mit Rückschlägen umgehen kann und mit Zuversicht in seiner Entwicklung voranschreitet.

Ein inhaltlicher Schwerpunkt des Nachmittags war die Differenzierung zwischen expliziter und impliziter Kommunikation. Während explizite Kommunikation durch Klarheit und Direktheit (z. B. schriftliche Regeln) geprägt ist, basiert implizite Kommunikation auf unausgesprochenen Erwartungen, Körpersprache und kulturellen Andeutungen.

Diese Unterscheidung ist für den Schulalltag von großer Bedeutung, insbesondere im Umgang mit Lernenden aus verschiedenen Herkunftsländern.

Im letzten Teil des Tages verglichen wir individualistische und kollektivistische Gesellschaftsstrukturen. Es wurde deutlich, wie stark diese Modelle den schulischen Alltag beeinflussen – etwa bei der Einschätzung von Eigenverantwortung, Leistungsbewertung oder dem Umgang mit Konflikten.

Ein erfüllter, erkenntnisreicher Tag, der mir nicht nur neues Wissen vermittelt, sondern auch meine pädagogische Sensibilität weiter geschärft hat.

Nach dem Besuch der Vatikanischen Museen entschieden wir uns spontan, erneut den Petersplatz im Vatikan aufzusuchen. Es war der erste Tag nach dem Tod von Papst Franziskus, an dem die Kardinäle zum Konklave zusammengekommen waren – ein historischer Moment, den man nicht oft im Leben miterlebt.

Der Platz war voller Menschen. Gläubige, Tourist*innen, Kamerateams – alle warteten gespannt auf ein Zeichen. Ich freute mich, bei diesem seltenen und symbolträchtigen Ereignis selbst vor Ort sein zu dürfen. Die Atmosphäre war von Erwartung und Stille zugleich geprägt.

In diesem Moment erinnerte ich mich an den Film „Illuminati“. Die Szenerie auf dem Platz glich der letzten Szene des Films – das gleiche Licht, die gleiche Spannung, der Blick aller war auf den Schornstein der Sixtinischen Kapelle gerichtet.

An diesem Nachmittag stieg jedoch schwarzer Rauch auf – ein sichtbares Zeichen dafür, dass im Konklave noch keine Entscheidung getroffen worden war. Der neue Papst war noch nicht gewählt. Trotzdem war es ein zutiefst bewegender Augenblick, diese symbolische Handlung mit eigenen Augen zu erleben – Teil eines Geschehens, das weltweit beobachtet wird und doch in seiner stillen Dramatik ganz lokal spürbar war.

Donnerstag, 08. Mai 2025 – Vierter Seminartag

Der heutige Seminartag begann erneut pünktlich und thematisch konzentriert.

Der erste inhaltliche Schwerpunkt lag auf dem Phänomen des Kulturschocks.

Nach einer kurzen Einführung durch die Dozentin wurden persönliche Erfahrungen der Teilnehmenden besprochen. Eine Kollegin aus Portugal berichtete von sprachlichen Herausforderungen bei einem Aufenthalt in Frankreich. Ich selbst habe mich bewusst entschieden, an diesem Tag keine persönlichen Erfahrungen zu teilen.

Frau Qaser schilderte hingegen typische Reaktionen von Schüler*innen, die neu nach Deutschland kommen: Schwierigkeiten mit Pünktlichkeit und Anpassung an das Wetter.

Im Anschluss stellte die Dozentin die sogenannte Cultural Shock Curve vor, ein Modell zur Beschreibung der emotionalen Phasen während eines kulturellen Anpassungsprozesses.

Es umfasst u. a.:

  • Honeymoon-Phase: Neugier, Euphorie, erste Begeisterung
  • Krisenphase: Frustration, Missverständnisse, Überforderung
  • Anpassungsphase: Orientierung, erste Routinen, langsames Verständnis
  • Integrationsphase: Stabilität, Selbstverständnis im neuen Umfeld

Wir diskutierten anschließend, ob und wie Kulturschocks vermieden werden können. Ich wies darauf hin, dass man sie nicht vollständig verhindern kann, da sie oft aus der persönlichen Begegnung mit neuen Normen entstehen. Filme oder Bücher über das Gastland können vorbereiten, ersetzen jedoch keine reale Erfahrung.

Nach einem kollegialen Erfahrungsaustausch wurde das Konzept der Acculturation Strategies thematisiert. Es unterscheidet vier Strategien, wie sich Individuen in eine neue Kultur integrieren:

  • Integration: Gleichgewicht zwischen Herkunftskultur und Zielkultur
  • Assimilation: vollständige Anpassung an die neue Kultur, Aufgabe der eigenen
  • Separation: Rückzug in die eigene Kultur, Ablehnung der neuen
  • Marginalisierung: Verlust beider kultureller Anbindungen

Diese Konzepte halfen uns, den Umgang unserer Schüler*innen mit kulturellen Herausforderungen besser zu verstehen.

Nach der Pause folgte ein weiterer Schwerpunkt: Unconscious Bias (unbewusste Voreingenommenheit). Wir erarbeiteten:

Was ist Unconscious Bias? Wie äußert sich dies im Klassenzimmer? Anhand von Beispielen wurden vier häufige Formen analysiert:

1. Affinity Bias: Bevorzugung von Menschen, die uns ähnlich sind

2. Perception Bias: Wahrnehmungsverzerrungen durch Vorannahmen

3. Halo Effect: Ein positives Merkmal überstrahlt andere Eigenschaften

4. Confirmation Bias: Informationen werden so gedeutet, dass sie vorhandene Meinungen bestätigen

Diese Verzerrungen beeinflussen Lernverhalten, Leistungsbeurteilungen und zwischenmenschliche Dynamiken unbewusst. Die Dozentin stellte das Buch „Thinking, Fast and Slow“ von Daniel Kahneman vor, das sich mit intuitivem versus reflektiertem Denken befasst.

Als methodischen Impuls zeigte sie Auszüge aus der Netflix-Serie „100 Humans“, die soziale Experimente auf unterhaltsame Weise darstellt – ideal zur Sensibilisierung für unbewusste Denkmuster.

Den Abschluss bildete die Reflexion über die 4 Cs des 21st Century Learning:

1. Creativity – eröffnet Perspektivenwechsel und fördert Empathie durch Ausdruck

2. Critical Thinking – hilft, Vorurteile zu hinterfragen und Handlungen zu verstehen

3. Communication– betont aktives Zuhören und Dialog als Basis für Mitgefühl

4. Collaboration – erfordert Rücksichtnahme und stärkt Empathie durch gemeinsame Zielverfolgung

Ein erkenntnisreicher Tag, der theoretische Konzepte und praktische Ansätze gelungen miteinander verbunden hat.

Freitag, 09. Mai 2025 – Fünfter und letzter Seminartag

Der letzte Tag des Seminars begann wie gewohnt pünktlich. Zu Beginn reflektierten wir gemeinsam die letzten Tage, insbesondere anhand der Fotos, die während des Seminars und bei unseren Exkursionen in Rom entstanden sind. Diese Rückschau diente der bewussten Auseinandersetzung mit unseren Eindrücken – sowohl inhaltlich als auch kulturell.

Anschließend stellte die Dozentin die App GooseChase vor. Es handelt sich um ein digitales Tool, das insbesondere im Sprachunterricht oder bei Exkursionen eingesetzt werden kann. Lehrkräfte können damit kreative Aufgaben („Missionen“) gestalten, die Lernende durch Fotos, Texte oder Videos bearbeiten. Die App fördert selbstständiges Erkunden, Sprachanwendung im Alltag sowie kollaboratives Lernen – ein interessanter Ansatz, besonders für projektorientierte Unterrichtsformen.

Im nächsten Themenblock diskutierten wir Filme, die verschiedene Seiten einer Persönlichkeit zeigen. Als Beispiel wurde u. a. der Film „Joker“ genannt. Wir reflektierten, wie Wahrnehmung, Lebensumstände und soziale Ausgrenzung das Verhalten und die Entwicklung eines Menschen beeinflussen können.

Im Anschluss wurden wir in Gruppen eingeteilt. Unsere Aufgabe war es, eine als „Bösewicht“ wahrgenommene Figur aus einem Film aus einer anderen Perspektive zu betrachten. Unsere Gruppe wählte Albus Dumbledore aus der Harry-Potter-Reihe.

Die Diskussion drehte sich um seine moralischen Entscheidungen, seine Zurückhaltung gegenüber Harry sowie seine komplexe Vergangenheit im Zusammenhang mit Gellert Grindelwald. Ziel der Übung war es, Perspektivenwechsel zu üben und moralische Ambivalenz zu verstehen.

Danach führten wir ein Experiment durch: Eine Person sah ein kurzes Video nicht, während der Partner es beschrieb. Ziel war es, zu erkennen, wie unterschiedlich Informationen aufgenommen und interpretiert werden. Fazit: Man kann sich nicht allein auf Beschreibungen verlassen – Wahrnehmung ist subjektiv und durch Sprache begrenzt.

Nach der Pause befassten wir uns mit dem Thema Diskriminierung. Die Dozentin stellte die Definition der EU vor:

„Diskriminierung liegt vor, wenn eine Person aufgrund von Merkmalen wie Geschlecht, ethnischer Herkunft, Religion, Alter, Behinderung oder sexueller Orientierung ungerecht behandelt wird.“

Im anschließenden Austausch diskutierten wir Beispiele aus dem gesellschaftlichen Alltag, etwa:

  • Bewerbungsverfahren, bei denen Menschen mit Migrationshintergrund trotz gleicher Qualifikation benachteiligt werden.
  • Vermietung von Wohnungen, bei denen Bewerber*innen ohne deutsche Namen oft seltener eine Zusage erhalten.

Zum Abschluss sprachen wir noch einmal über die bereits bekannten 4 Cs (Creativity, Critical Thinking, Communication, Collaboration) und deren Relevanz im Schulalltag.

Nach einer Feedbackrunde zur Seminarwoche und zur Arbeit der Dozentin wurden uns feierlich die Teilnahmezertifikate überreicht.

Der Kurs war inhaltlich fundiert, methodisch abwechslungsreich und praxisnah gestaltet – eine wertvolle Fortbildung für unsere pädagogische Arbeit.

Cultivating Diversity and Inclusion, Rom

von Hajar Qaser-Rashidi

5.-9. Mai 2025 in Rom, Italien

Ankunft und erste Entdeckungen in Rom

Unsere Reise begann mit einem angenehmen Flug von Hamburg in die Ewige Stadt – Rom.

Schon bei der Ankunft empfing uns die Stadt mit strahlendem Sonnenschein und wohltuender Wärme. Ich hatte mir ein nettes Hotel St. Moritz in der Via Nazionale bereits im Voraus gebucht und machte mich direkt auf den Weg dahin.

Die zentrale Lage erwies sich als wahrer Glücksgriff: Nur wenige Schritte trennten mich von der Europass Teacher Academy und von zahlreichen kulturellen Highlights.

Nach dem Einchecken ließ ich mich durch die Altstadt treiben – vorbei an prachtvollen Fassaden, lebendigen Plätzen und den ersten Eisdielen. Der Tag endete stimmungsvoll bei einem regionaltypischen Abendessen in einem kleinen Lokal.

Der Samstag begann ruhig, fast meditativ. Gegen Mittag machte ich mich zusammen mit meinem Kollegen auf den Weg in den Vatikan – einen Ort, der nicht nur religiös bedeutsam ist, sondern auch spirituell berührt. Für mich persönlich war es bereits der zweite Besuch, aber dieses Mal durften wir etwas Besonderes erleben: In dem Vatikan findet in der kommenden Woche das Konklave statt und ein neuer Papst soll gewählt werden. Das macht alles noch viel spannender!

Besonders eindrucksvoll war der Moment, in dem wir von der Existenz mumifizierter Päpste erfuhren – ein Detail, das mir bislang unbekannt war. Dieser Besuch erinnerte mich daran, wie vielschichtig Geschichte und Glaube miteinander verwoben sind.

Am Sonntag nutzten wir die Gelegenheit, am „freien Museumssonntag“ teilzunehmen.

Trotz teils langer Wartezeiten (über eine Stunde für das Pantheon, fast eineinhalb für die Engelsburg) bleiben wir standhaft, und das hat sich gelohnt. Die Engelsbrücke mit ihren detailreichen Engelsfiguren, jede ein Symbol des christlichen Glaubens, beeindruckte mich besonders. Die anschließende Besichtigung der Engelsburg vertiefte unser Verständnis für die Verbindung von Architektur, Geschichte und Macht in Rom.

Montag, 05. Mai 2025

Der erste Seminartag. Nach einem schlichten, aber leckeren Frühstück machten wir uns zu Fuß auf den Weg zur Europass Teacher Academy.

Unsere Dozentin, Frau Christina Waymark, empfing uns herzlich. Mit Teilnehmenden aus Deutschland, Spanien, Portugal und Rumänien war die Gruppe wunderbar international. Zwei von ihnen kamen mit leichter Verspätung – ein Anlass für Gelassenheit und ein Lächeln.

Der Tag begann interaktiv: Eine Vorstellungsrunde in der eigenen Muttersprache war der Auftakt. Ich sprach zunächst auf Deutsch und durfte erleben, wie viel auch ohne perfektes Verstehen möglich ist. Es folgten nonverbale Übungen und eine kreative Aktivität mit Notizzetteln. Mein eigener Beitrag: „Ich kann 24 Stunden ohne Schlaf auskommen.“ – Was für viel Heiterkeit sorgte.

Was wie ein Spiel begann, entfaltete sich als tiefgründige pädagogische Strategie: Wir diskutieren über Vorurteile, über den Wert der Diversität und darüber, wie schnell man Menschen in Schubladen steckt. Die Aussage „Nicht jede Person aus den Niederlanden konsumiert Haschisch“ stand sinnbildlich für diesen kritischen Blick auf kulturelle Stereotype.

Nach einer kurzen, stärkenden Pause wurden erste Präsentationen gehalten.

Und anschließend hielten Herr Rashidi und ich unsere Präsentation. Bereits vor der Reise hatten wir eine umfassende Vorstellung vorbereitet, in der wir unsere Einrichtung, ihre organisatorische Struktur sowie unsere pädagogische Arbeit präsentierten. Wir stellten die verschiedenen Bildungsangebote der VHS vor – von Sprachkursen über Integrationsmaßnahmen bis hin zu beruflicher Weiterbildung – und gaben Einblicke in unsere Leitungsstruktur sowie unsere Aufgabenbereiche als Kursleiterin bzw. Kursleiter. Auch unsere eigenen pädagogischen Schwerpunkte und methodischen Ansätze wurden thematisiert. Die Präsentation stieß auf großes Interesse und bot eine wertvolle Gelegenheit, den internationalen Kolleginnen und Kollegen unser Bildungsmodell näherzubringen.

Dienstag, 06. Mai 2025

Der Tag begann mit einem kräftigen doppelten Kaffee – Americano und Espresso. Das Aroma des italienischen Kaffees ist unvergleichlich und seine Wirkung ebenso. Voller Energie begannen wir pünktlich den Seminartag.

Eine Selbstreflexion bildete den thematischen Einstieg: Was können wir im Unterricht kontrollieren? Was liegt außerhalb unseres Einflusses? Die Diskussion war ehrlich und intensiv. Themen wie Integration, Motivation, Prüfungsdruck, aber auch gesetzliche Rahmenbedingungen oder familiäre Hintergründe der Lernenden kamen zur Sprache.

Ein besonders origineller Impuls war die „Tierlaut“-Übung – spielerisch und doch tiefgründig. Sie machte deutlich: Sprache ist nicht die einzige Form der Kommunikation. Gerade für Menschen mit wenig oder keinen Sprachkenntnissen kann Körpersprache Brücken bauen, wo Worte fehlen. In der Übung imitierten wir Tierlaute in verschiedenen Sprachen und stellten fest, wie unterschiedlich ein und derselbe Laut je nach Sprachraum klingt – etwa das Krähen eines Hahns oder das Bellen eines Hundes.

Aus pädagogischer Sicht war diese Aktivität äußerst wertvoll: Sie sensibilisierte uns für die Vielfalt kultureller Ausdrucksformen und betonte die Bedeutung nonverbaler Kommunikation. In einem inklusiven Klassenzimmer – insbesondere mit neu zugewanderten Lernenden oder in Alphabetisierungskursen – spielt diese Art der Verständigung eine zentrale Rolle.

Lernende erleben durch solche Übungen, dass Kommunikation auch ohne perfektes Sprachvermögen möglich ist. Das fördert Selbstvertrauen, Teilhabe und vor allem den Mut, sich auszuprobieren. Gleichzeitig regt es Lehrkräfte dazu an, eigene Kommunikationsmuster zu hinterfragen und bewusst auch körperliche Ausdrucksformen als didaktisches Mittel einzusetzen. Die Tierlaut-Übung wirkte damit wie ein kleiner Spiegel: humorvoll, interaktiv – und doch tief in der pädagogischen Praxis verwurzelt.

Es folgte eine Diskussion über die Sitzordnung in Klassen mit geflüchteten Schüler*innen. Zwei ukrainische Kinder nebeneinander oder gezielte Durchmischung? Unsere Antwort: Es kommt auf die individuelle Situation an. Sicherheit und emotionale Stabilität stehen an erster Stelle.

Das „Clown-Spiel“ war mein persönliches Highlight: Drei Gegenstände, drei Bewegungen – der Clown errät die Handlung ohne ein Wort. Es war nicht nur unterhaltsam, sondern ein Lehrstück in nonverbaler Pädagogik.

Den Abschluss bildeten zwei Präsentationen: eine Kollegin aus Berlin stellte ihre Arbeit zu Inklusion und Diversität vor, anschließend präsentierten zwei Lehrerinnen aus Rumänien mit der Unterstützung einer weiteren Kollegin ihre Praxis.

Am Nachmittag des dritten Seminartages nutzten wir die Gelegenheit, das Vatikanische Museum zu besichtigen – ein kultureller Höhepunkt unserer Reise.

Die Vatikanischen Museen zählen zu den bedeutendsten und meistbesuchten Kunstsammlungen der Welt. Sie wurden im 16. Jahrhundert unter Papst Julius II. gegründet und beherbergen heute über 70.000 Kunstwerke, von denen rund 20.000 ausgestellt sind. Die Sammlungen umfassen Werke der ägyptischen, etruskischen und römischen Antike, Meisterwerke der Renaissance sowie bedeutende Stücke der modernen Kunst.

Der Besuch war nicht nur ein ästhetisches Erlebnis, sondern auch eine eindrucksvolle Reise durch die Geschichte von Kunst, Macht und Glauben. Er hinterließ einen nachhaltigen Eindruck und bildete einen würdevollen Ausklang des dritten Seminartages.

Mittwoch, 07. Mai 2025

Der heutige Tag begann mit einer kleinen Geste: Wir schrieben je ein kulturelles Element auf einen Zettel. Ich wählte „Kleidung“. Daraus entwickelte sich eine tiefgreifende Auseinandersetzung mit dem Eisbergmodell der Kultur. Kultur ist nicht nur sichtbar – das meiste bleibt verborgen. Diese Erkenntnis hat sich mir tief eingeprägt.

Noch bildhafter wurde es mit dem Zwiebelmodell: Eine Kultur besteht aus sichtbaren Schichten, aus gesellschaftlichen Werten und aus tiefsten Überzeugungen. Ich stellte mir einen Baum vor – langsam wachsend, beständig, tief verwurzelt. Genau so sehe ich die Entwicklung eines Menschen.

Meine zentralen Werte: Integrität und Lernen. Mein Held: Mahatma Gandhi. Mein Ritual: das tägliche Gebet – als Moment der Einkehr. Das sind keine abstrakten Begriffe, sondern lebendige Elemente meines pädagogischen Selbstverständnisses.

Der Nachmittag war der Kommunikation gewidmet: Was ist explizit, was implizit?

Wir erkannten, wie viele Missverständnisse durch unausgesprochene Erwartungen entstehen – insbesondere dann, wenn Kommunikationsstile und kulturelle Prägungen aufeinandertreffen. Der Vergleich zwischen individualistischen und kollektivistischen Gesellschaften zeigte eindrucksvoll, wie unterschiedlich Normen und Werte gelebt und interpretiert werden. Während in individualistisch geprägten Kulturen das Selbst, die Eigenverantwortung und persönliche Freiheit stark betont werden, stehen in kollektivistischen Gesellschaften Gemeinschaft, Harmonie und gegenseitige Verpflichtung im Vordergrund.

Aus pädagogischer Sicht ist dieses Verständnis essenziell, um interkulturelle Lernumgebungen sensibel zu gestalten. Lehrkräfte müssen erkennen, dass Verhaltensweisen von Lernenden oft aus tief verankerten kulturellen Mustern resultieren – z. B. kann Zurückhaltung in der mündlichen Mitarbeit aus Respekt gegenüber der Gruppe entstehen und nicht aus mangelndem Interesse.

Wer diese Unterschiede versteht, kann Lernprozesse gezielter steuern, Konflikte vermeiden und eine Atmosphäre schaffen, in der sich alle Lernenden – unabhängig von Herkunft oder Kultur – gesehen, verstanden und wertgeschätzt fühlen. Diese Reflexion stärkt nicht nur die eigene interkulturelle Kompetenz, sondern ist auch ein Schlüssel für gelingende pädagogische Beziehungen.

Donnerstag, 08. Mai 2025

Der vorletzte Tag begann mit einer Reflexion über den Kulturschock.

Eine Kollegin schilderte ihre sprachlichen Hürden in Frankreich. Ich selbst entschied mich heute bewusst, zuzuhören. Stattdessen berichtete ich von meinen Schüler*innen – und den kleinen Stolpersteinen, die ihnen im Alltag begegnen: Wetter, Pünktlichkeit, gesellschaftliche Erwartungen.

Die Culture Shock Curve zeigte, wie tiefgreifend diese Prozesse sind: von der Euphorie über die Frustration bis hin zur Anpassung. Die anschließenden vier Akkulturationsstrategien – Integration, Assimilation, Separation, Marginalisierung – gaben uns ein analytisches Werkzeug an die Hand, um das Verhalten unserer Lernenden besser zu verstehen.

Später beschäftigten wir uns mit Unconscious Bias – den unbewussten Vorannahmen, die unser Denken und Handeln steuern. Die vier häufigsten Verzerrungen (Affinity Bias, Perception Bias, Halo Effect, Confirmation Bias) wurden anhand lebendiger Beispiele erklärt.

Ein Höhepunkt war die Vorstellung des Buches „Thinking, Fast and Slow“ von Daniel Kahneman – eine spannende Lektüre über schnelles Bauchgefühl und langsames, reflektiertes Denken. Passend dazu: die Serie „100 Humans“, die diese Fragen in Form kleiner sozialer Experimente aufgreift.

Den Abschluss bildete eine intensive Reflexion über die 4 Cs: Kreativität, kritisches Denken, Kommunikation und Zusammenarbeit – und deren tiefgreifende Verbindung zur Empathie.

Ich nahm mit: Diese Kompetenzen sind nicht nur didaktische Methoden, sondern grundlegende pädagogische Haltungen, die unser Lehrverhalten prägen und die Lernkultur im Klassenzimmer mitgestalten. Besonders im Kontext der Alphabetisierung von erwachsenen Lernenden spielen die 4 Cs eine zentrale Rolle.

Kreativität hilft uns, neue Zugänge zu schaffen – sei es durch bildgestützte Methoden, Rollenspiele oder handlungsorientierte Aufgaben. Kritisches Denken unterstützt Lernende darin, ihre Umwelt bewusst zu hinterfragen, selbstständige Entscheidungen zu treffen und sich als handlungsfähige Subjekte zu erleben – ein wichtiger Schritt in der Selbstermächtigung.

Kommunikation, auch in einfachster Form, ermöglicht Teilhabe. Gerade bei Menschen, die in ihrer Schulbiografie oft brüchige oder traumatische Erfahrungen gemacht haben, muss Kommunikation ermutigen und nicht überfordern.

Zusammenarbeit schließlich fördert das Gemeinschaftsgefühl und schafft ein soziales Lernfeld, in dem jede*r vom Wissen und den Stärken der anderen profitieren kann.

In der Alphabetisierungsarbeit bedeutet das: Lernprozesse sind nicht rein kognitiv, sondern zutiefst emotional und sozial. Die 4 Cs liefern nicht nur Werkzeuge, sondern auch eine Haltung der Offenheit, Geduld und Wertschätzung – Eigenschaften, ohne die erfolgreiche Alphabetisierung kaum denkbar ist.

Freitag, 09. Mai 2025

Der letzte Tag war ein Tag des Rückblicks – und des Loslassens. Gemeinsam sahen wir unsere Fotos an, teilten Eindrücke und nahmen Abschied von einer intensiven, bereichernden Woche.

Die App GooseChase, die uns vorgestellt wurde, zeigte mir neue Wege für projektbasiertes, mobiles Lernen. Besonders eindrucksvoll war die Diskussion über den Film „Joker“ und die anschließende Gruppenarbeit.

Unsere Gruppe wählte Gaston aus. Die Schöne und das Biest – eine Figur, die im klassischen Narrativ klar als Bösewicht dargestellt wird. Doch anstatt ihn in dieser eindimensionalen Rolle zu belassen, versuchten wir, seine Geschichte aus einem neuen, empathischen Blickwinkel zu betrachten. Was auf den ersten Blick wie Arroganz, Egozentrik und Machthunger erscheint, lässt sich bei näherem Hinsehen auch als Ausdruck tieferer Unsicherheiten und gesellschaftlicher Prägungen deuten.

Wir stellten uns die Frage: Was treibt einen Menschen zu einem Verhalten, das als „böse“ wahrgenommen wird? Welche Rolle spielen dabei die Erwartungen der Gesellschaft, soziale Zuschreibungen oder der Wunsch nach Anerkennung? Gaston ist nicht einfach nur ein Antagonist – er ist zugleich ein Produkt seiner Umgebung: ein Mann, der für seine Stärke, sein Aussehen und seine Dominanz gefeiert wird. In einer Welt, in der diese Eigenschaften mit Wert und Männlichkeit gleichgesetzt werden, erscheint sein Verhalten fast logisch – wenn auch moralisch verwerflich.

Aus pädagogischer Perspektive war diese Übung besonders wertvoll: Sie machte deutlich, wie wichtig es ist, auch bei scheinbar „problematischen“ Persönlichkeiten hinter die Fassade zu blicken. Gerade in Bildungsprozessen – etwa im Umgang mit herausfordernden Lernenden – ist diese Haltung entscheidend. Der „laute“ Schüler, die „verweigernde“ Teilnehmerin – oft steckt ein anderes Narrativ dahinter: von Frustration, Mangel an Selbstwert, schwierigen biografischen Erfahrungen oder gesellschaftlicher Ausgrenzung.

Die Auseinandersetzung mit Gaston zeigte uns, wie man mit Empathie, Reflexion und Perspektivwechsel einen neuen Zugang schaffen kann – nicht nur zu fiktiven Figuren, sondern auch zu realen Menschen in unserem Unterricht. Der vermeintlich Böse könnte eben auch ein Opfer sein – von Rollenbildern, gesellschaftlichem Druck oder fehlender Anerkennung. Und genau darin liegt ein wichtiger Bildungsauftrag: Nicht vorschnell zu bewerten, sondern Raum für differenzierte Sichtweisen zu schaffen.

Ein kleines Experiment verdeutlichte die Grenzen von Sprache: Eine Person sah ein Video, die andere versuchte es nur durch Worte zu beschreiben. Ich dachte sofort an den Unterricht – wie oft sprechen wir „aneinander vorbei“?

Am Ende des Seminars widmeten wir uns dem sensiblen und hochaktuellen Thema Diskriminierung, basierend auf der offiziellen Definition der Europäischen Union. Laut EU-Richtlinie liegt Diskriminierung vor, wenn:

„Eine Person eine weniger günstige Behandlung erfährt, erfahren hat oder erfahren würde als eine andere Person in einer vergleichbaren Situation – aufgrund eines geschützten Merkmals wie ethnische Herkunft, Religion oder Weltanschauung, Behinderung, Alter, sexuelle Orientierung oder Geschlecht.“

Diese Definition umfasst sowohl direkte Diskriminierung (eine offene Benachteiligung aufgrund eines Merkmals) als auch indirekte Diskriminierung, die durch scheinbar neutrale Regelungen entsteht, aber faktisch bestimmte Gruppen benachteiligt.

Die anschließende Diskussion sensibilisierte uns für die vielfältigen, oft subtilen Erscheinungsformen von Diskriminierung in Gesellschaft und Bildung.

Aus pädagogischer Sicht wurde deutlich, wie wichtig es ist, eine offene, respektvolle Lernumgebung zu schaffen, in der Vielfalt nicht nur toleriert, sondern aktiv anerkannt und wertgeschätzt wird. Gerade in der Alphabetisierungsarbeit, in der Menschen mit sehr unterschiedlichen Biografien und kulturellen Hintergründen zusammenkommen, ist es unsere Aufgabe als Lehrkräfte, ein diskriminierungsfreies Lernklima zu ermöglichen, in dem sich alle sicher und zugehörig fühlen.

Diese Reflexion war ein wesentlicher Impuls, unsere eigene Haltung zu überprüfen, Verantwortung zu übernehmen und Bildungsräume bewusst als Orte der Gerechtigkeit und Teilhabe zu gestalten.

Zum Schluss: Zertifikate, Feedback, Applaus – und stille Dankbarkeit. Ich verlasse dieses Seminar mit einem Rucksack voller Methoden, Begegnungen und Gedanken, die bleiben.

ICT Tools for School Administration and Non-Teaching Staff, Florenz

von Natalie Wedemeyer

Wo:                Florenz, Italien – europass Teacher Academy
Wann:           07.04. – 13.04.2025

Einleitung:

Vom 07.04.- 13.04.2025 hatte ich die Gelegenheit, an der Erasmus-Reise zur Teacher Academy in Florenz teilzunehmen. Das Thema der Fortbildung war “Informations- und Kommunikationstechnologien für Schulverwaltungen sowie Verwaltungsangestellte”.

Motivation:

Vor der Reise habe ich kaum Informations- oder Kommunikationstechnologien oder digitale Medien für meine tägliche Arbeit in der Verwaltung gekannt und somit auch noch nicht eingesetzt. Meine Motivation für diese Reise war somit sehr hoch, dass ich erste Erfahrungen mit neuen Technologien machen werde.

Kulturelle Exkursionen:

Neben der täglichen Fortbildung in der Teacher Academy hatten wir auch die Gelegenheit, die italienische Kultur von Florenz und der Umgebung in der Toskana kennenzulernen. Des Weiteren konnten wir natürlich auch die kulinarischen Besonderheiten von Florenz genießen.

Anreise:

Am Sonntag, 06. April 2025 bin ich mit dem Flugzeug in Florenz angekommen. Dann hieß es Einchecken im Hotel und anschließend habe ich meine Umgebung erkundet und den Weg zur Teacher Academy bereits einmal „abgelaufen“, ca. 15 Minuten Fußmarsch. Schon der Blick in die Straße, in der sich die Schule befand, war jeden Tag aufs Neue atemberaubend, da man von dort aus direkt den großen Florenzer Dom erblicken konnte.

Blick auf den Dom von Florenz

1. Tag: Montag, 07. April 2025

Am 07.04.2025 startete der Kurs an der Teacher Academy in Florenz. Das Gebäude, welches im 16. Jahrhundert erbaut wurde (eine großartige Renaissance-Architektur), befand sich mitten in der Altstadt.

Am ersten Tag begrüßte uns unsere Lehrerin Cristina Salvatori ganz herzlich und wir stellten uns alle einmal vor. Dann haben wir gemeinsam eine Begehung der Schule und der Räumlichkeiten gemacht.

Anschließend ging es mit ein paar „Ice-Breaking-Activities“ los, um uns besser kennenzulernen. Unsere Gruppe bestand aus insgesamt 7 Frauen: aus Kroatien, Irland, Ungarn, Schweden (2 Teilnehmerinnen), Tschechien und ich als Einzige aus Deutschland. Dann haben die ersten Teilnehmer unserer Gruppe die vorbereiteten Präsentationen vorgestellt.

Kennenlernen des Programmes Padlet: Es ist ein Programm mit der eine digitale Pinnwand entsteht, auf der Texte, Bilder, Videos, Links, Sprachaufnahmen, Bildschirmaufnahmen und Zeichnungen abgelegt werden können. Padlet haben wir für den Rest der Woche als „Memo-Board“ für unsere Gruppe benutzt.

Zum Schluss des ersten Tages haben wir gemeinsam durch „Brainstorming“ eine Zusammenfassung der Themen, der Bedürfnisse und der Ziele für diese Woche zusammengetragen.

Den ersten Tag haben wir dann zu viert mit Wein, leckerer Pizza und gutem „Gelato“ abgeschlossen.

Leckeres italienisches „Gelato“ (Eis)
Gemeinsamer Abend mit Pizza und Wein

2. Tag: Dienstag, 08. April 2025

Am zweiten Tag haben dann die restlichen Teilnehmer unserer Gruppe die Präsentationen vorgestellt, so dass wir nun einen Überblick unserer Schulen/Einrichtungen erhalten hatten. Der heutige Schwerpunkt war: Wo verwenden wir Informations- und Kommunikationstechnologien auf der Arbeit? Welche kennen wir bereits? Was sind die Herausforderungen der täglichen Arbeit in der Verwaltung?

Kennenlernen des Programmes Canva: Plattform für Online-Design und visuelle Kommunikation z.B. auch für Präsentationen zu verwenden und auch für viele Vorlagen. Wir hatten im Kurs auch immer Zeit, um die neuen Programme auszuprobieren, Fragen zu stellen, etc.

Nach Unterrichtsschluss am Nachmittag haben vier von unserer Gruppe beschlossen, den Expresszug vom Bahnhof Florenz nach Pisa zu nehmen. Es war ungefähr 1 Std. Fahrt. Bei strahlendem Sonnenschein kamen wir in Pisa an. Wir liefen ca. 25 Minuten zu Fuß durch das nette Städtchen bis hin zum berühmten „schiefen Turm von Pisa“ – auf Italienisch: „Torre pendente di Pisa“.

Dann ging es für uns hoch auf den 56 m hohen schiefen Glockenturm aus weißem Marmor. Der Turm neigte sich bereits bei seiner Fertigstellung im Jahr 1372 zur Seite. Er steht neben der romanischen Kathedrale aus gestreiftem Marmor auf der Piazza dei Miracoli. Es war ein toller Ausblick von ganz oben! Ein „zauberhafter“ Tag!

Blumiger Empfang am Bahnhof von Pisa
Kulinarisch gut, auch in Pisa: Bruschetta

3. Tag: Mittwoch, 09. April 2025

Am dritten Tag haben wir dann nochmals mit Canva Präsentationen und Flyer erstellt. Alle erstellten Präsentationen, Ideen, Entwürfe etc. haben wir immer unter unser Memo-Board mit Padlet gespeichert. Somit hatten wir alle immer die Infos der Tage in einem Link und mussten uns nicht die Dateien zusenden.

Als nächstes Thema hatten wir dann „Suchen, auswählen und verwenden der besten Vorlagen“ für unsere tägliche Arbeit.

Kennenlernen von Google forms / Outlook forms. Mit Google Formulare kann man Onlineumfragen, Quizze und Formulare erstellen, an andere Personen senden und die Antworten in Echtzeit analysieren. Wenn man Formulare bearbeitet und Antworten gemeinsam mit anderen analysieren möchte, kann man das Formular z.B. für Kollegen/ Mitbearbeiter freigeben.

Konzentriertes Arbeiten…

4. Tag: Donnerstag, 10. April 2025

Am vierten Tag haben wir mit Chat GPT gestartet. Chat GPT, auch bekannt als Generative Pretrained Transformer (GPT), ist ein hochmoderner KI-Chatbot. Er nutzt fortschrittliche Algorithmen für maschinelles Lernen, um menschenähnliche Antworten auf ein scheinbar grenzenloses Spektrum von Anfragen zu generieren.

Wofür kann man Chat GPT in der Verwaltung anwenden? Welche Vor- und Nachteile gibt es durch das Benutzen von Chat GPT?

  • Fragen stellen zu verschieden Alltagsthemen in der Verwaltung.
  • Projektbeschreibungen erstellen
  • Texte zusammenfassen
  • Konzepte oder Inhaltsangaben komplexer Texte gut und bündig zusammenfassen

Anschließend lernten wir auch Copilot kennen. Copilot ist ein KI-gestütztes Tool, dass bei Arbeitsaufgaben hilft. Es hilft beim Erstellen, Erfassen, Organisieren und Abrufen von Informationen. Man kann damit z.B. Pläne entwerfen, Listen erstellen, Informationen zu organisieren und vieles mehr.

Dann lernten wir im Zusammenhang mit den KI-Tools auch noch das Programm QuillBot kennen. Quillbot nutzt fortschrittliche Algorithmen des maschinellen Lernens und der natürlichen Sprachverarbeitung (Natural Language Processing, NLP). Diese Algorithmen analysieren den eingegebenen Text und erzeugen eine neue Version, die inhaltlich gleich, aber sprachlich unterschiedlich ist. Mit dem Programm kann man u.a. auch einen Text einfügen und es wird geprüft, ob der Text mit AI generiert ist oder nicht. Mit Prozentangabe.

Gute Laune im Kursraum

5. Tag: Freitag, 11. April 2025

Am fünften und somit unserem letzten Kurs-Tag haben wir das Programm Trello kennengelernt. Trello ist ein Programm, mit dem man Arbeitsabläufe, Aufgaben, Projekte vereinfachen und standardisieren kann. Alle Aufgaben können gut organisiert werden und auch mit Kolleginnen/Kollegen geteilt werden. Es ist somit ein gutes visuelles Arbeitsverwaltungstool.

Des Weiteren haben wir auch noch Tipps und Tricks in Outlook gelernt. Wie kann ich meine Einstellungen persönlich einrichten? Wie können in Outlook Regeln erstellt werden? Es gab erneut Zeit zum Ausprobieren, Fragen stellen etc. Unsere Lehrerin konnte stets alles gut erklären und die Fragen beantworten. Darüber hinaus hatte sie immer gute Tipps und Tricks parat.

Kurz vor dem Kursende haben wir dann nochmals alles von der Woche zusammengefasst und auch eine Auswertung des Kurses („Course evaluation“) gemacht. Dann bekamen wir alle das Abschlusszertifikat, was mit einem gut gelaunten Abschlussfoto „gekrönt“ wurde.

Gruppenfoto mit dem Abschlusszertifikat

Direkt im Anschluss an den Kurs mussten wir uns dann alle beeilen, dass wir pünktlich zum Treffpunkt am Busbahnhof in Florenz ankamen. Wir „schnappten“ uns also unsere Laptoptaschen und Rucksäcke und verstauten diese unterwegs zum Bahnhof bei einer Kursteilnehmerin im Hotel, da ihr Hotel sehr nah am Bahnhof war.

Dann ging es für uns alle mit dem Busunternehmen „Ciao Florence“ und einem Reisebus in die Chianti Region, um an einer Tour zu einer Weinverkostung teilzunehmen. Dieser Tagesausflug wurde über unsere Schule Teacher Academy im Rahmen des Erasmus Kurses für uns angeboten. Nach einer guten Stunde Busfahrt kamen wir dann an der ersten Station unserer Verkostung an. Ein kleines Weingut in Greve in der Chianti Region. Dort wurden wir von der Besitzerin begrüßt und sie erzählte uns viele interessante Dinge über die Region, über die Weinreben und natürlich über das Herstellen von Wein und vieles mehr. Es war sehr angenehm kühl im Weinkeller, denn draußen hatten wir bereits sommerliche Temperaturen von ca. 27 Grad.

Kleine Olivenbäume in der Chianti Region
Der Tisch zur Weinverkostung

Nach der ersten Weinverkostung stiegen wir alle wieder in den Bus ein und fuhren weiter zu einem anderen Weingut in der Nähe. Auch dort wurden wir alle wieder herzlich empfangen und erhielten weitere interessante Informationen rund um das Weingut, den Wein usw. Der Weinkeller sah etwas moderner und viel größer aus.

Der Weinkeller des Weingutes Tenuta di Nozzole

Dieser Ausflug war für uns alle sehr eindrucksvoll und wir haben viel über die Region und über Wein erfahren. Wir waren uns einig, dass es mal schön war, aus dem „Stadt-Alltag“ aus Florenz zu entkommen. Unsere Augen freuten sich über die vielen verschiedenen Grüntöne aus der Natur und auch die frische Luft tat gut.

Ein Glas Chianti Wein

Und der Wein war natürlich sehr lecker! Dieser Ausflug war somit das letzten Team-Event, an dem fast alle aus unserer Gruppe teilgenommen haben.

Gruppenfoto inmitten der Weinreben

Samstag, 12. April 2025

Der Samstag war für mich/für uns zur freien Verfügung, denn unseren Ausflug hatten wir bereits gestern gemacht. Meine Kurskolleginnen aus Schweden und aus Tschechien reisten auch erst am Sonntag zurück, so dass wir noch einen ganzen Tag gemeinsam verbringen konnten. Da wir uns wirklich super verstanden haben und zu einem tollen „Quartett“ (2 Teilnehmerinnen aus Schweden, 1 Teilnehmerin aus Tschechien und ich aus Deutschland) zusammengewachsen sind, haben wir viel Zeit gemeinsam in Florenz verbracht.

Den Samstag haben wir einfach ganz locker in der Florenzer Innenstadt verbracht, inmitten der vielen Touristengruppen, die in die Stadt strömten. Wir genossen den Tag in unseren Lieblingscafés und kauften ein paar letzte Souvenirs für Zuhause ein.

Abends gab es dann das letzte gemeinsame Abendessen in einem tollen Restaurant. Rundum ein gelungener Abschlusstag in Florenz!

Dom von Florenz

Kulinarische Highlights:

Sonntag, 13. April 2025

Am Sonntag reiste ich dann mit viel neuem Wissen und tollen Eindrücken und Erlebnissen zurück nach Deutschland. Es war eine wundervolle Zeit in Florenz!

Fazit:

Die Erasmus-Reise nach Florenz war für mich eine wertvolle Erfahrung und hat mir gezeigt, wie wichtig es ist, seinen persönlichen Horizont zu erweitern und sich mit Menschen aus anderen Ländern auszutauschen. Ich konnte meine digitalen Kompetenzen für meine Arbeit erweitern und auch meine sprachlichen Kompetenzen (in Englisch und Italienisch) verbessern.

Die Reise hat mir neue Impulse für den Einsatz digitaler Technologien in meiner täglichen Arbeit in der Verwaltung gegeben. Ich würde die Erasmus + Reise auf jeden Fall weiterempfehlen und kann mir gut vorstellen, eine erneute Reise mit dem Erasmus + Programm zu machen.

Creative Strategies for Language Teachers, Trapani / Sizilien

von I. Möller

Kurs: Creative Strategies for Language Teachers: Make it Easy, Make it Real!

21.-26. Oktober 2024

Am 20. Oktober 2024, am Samstag, bin ich erst in Palermo gelandet um danach mit dem Bus (ca. 1Std.) nach Trapani zu fahren. Ich freute mich, als ich sah, dass mein Hotel Ai Lumi liegt direkt gegenüber dem Gebäude lag, wo am Montag der Kurs starten würde.

Am Montag schon beim Frühstück habe ich unsere Dozentin Cristina kennengelernt, da sie das gleiche Hotel gebucht hat. Um 9:00 Uhr waren wir alle im Unterrichtsraum, also die 12 Teilnehmerinnen. Der Raum war groß und da es ziemlich leer war am Anfang, hatte ich Schwierigkeiten akustisch zu verstehen, aber kurz danach ging es schon.

Als Icebreaker hatten wir ein Spiel mit visuellen Ball gehabt, wo man erst den eigenen Namen nennen soll, später den Namen vom rechten Partner und umgekehrt.

Topic des Tages war „Multiple Intelligence Theory“ und zwar Interpersonal Intelligence. Natürlich hat jeder schon Mal gehört, dass jeder Mensch lernt unterschiedlich, insbesonders was Fremdsprachen angeht. Aber bei jeden einzelnen Schüler herauszufinden, welcher Lerntyp ist er/sie, ist eine Herausforderung für Lehrer/Dozenten an der VHS. Hier haben wir diskutiert und uns ausgetauscht. Ich habe vieles mitgenommen, da unter uns waren wirklich erfahrene Lehrerinnen mit 15-20Jahren Berufserfahrung, zum Teil die, die Anglistik studiert haben und arbeiten in Gesamtschulen oder Gymnasien.

Wir kamen aus Ungarn, Slowakei, Frankreich, Litauen und Deutschland. An dieser Stelle möchte ich mich kurz vorstellen. Mein Name ist Irina und ich habe Deutsch als Fremdsprache 1989 gelernt, meine Muttersprache ist Russisch. Seit Sommer 2024 unterrichte ich Spanisch in der VHS Schleswig. Hauptberuflich bin ich Physiotherapeutin.

Die Teilnahme an diesem Kurs hat mich vor die Herausforderung gestellt, weil es wurde auf meine Zweitfremdsprache, Englisch, unterrichtet. Aber schon nach 1. Tag lief alles wie am Schnürchen. Deswegen mein nächsten Ziel ist Englischkurs, damit ich mich weiterbilden kann.

Die nächsten 3Tagen starteten mit einigen lernreichen Spielen, wo man Teamarbeit förderte (Escape room) oder Spontanität und Kreativität forderte („Smoke seller„). Für mich eine ganz neue Methode, die ich gerne in meinem Spanischkurs anwenden werde.

Am 3. Tag ging es um Chat GPT, es wurde fleißig an Laptops ausprobiert: Diffit-Erstellen der Lernpläne. Zum ersten Mal sah ich, wie einfach ist die Nutzung einiger Apps! SUNO: ein Lied kreieren kann man mit dieser App. Wir haben uns mit verschiedenen gamification Tools auseinander gesetzt und alle anfänglichen Ängste wurden in der Luft aufgelöst. So ging es auch die weiteren Tagen. Jeder von uns hat Aufgaben bekommen: Lernplan erstellen, einen Test kreieren für bestimmte Schüler mit bestimmten Fähigkeiten, Austausch von Apps, die man vor dem Kurs schon angewendet hat.

Auch die Worksheeps muss man nicht vergessen. Sehr beliebt war die App GOOSECHASE. Zwei Gruppen, die in der Stadt geschickt wurden, sollten bestimmten Aufgaben erledigen.
Was PADLET angeht, muss ich meine VHS fragen, ob es angeboten wird .

Zusammenfassung: Der Kurs hat mir gezeigt, was für eine Vielfalt gibt es an Apps, was uns digitale Medien anbieten und man kann es im Unterricht anwenden, um den Schüler das Erlernen der Fremdsprache zu erleichtern. Innovativen Methoden, die auch selber den Dozenten voranbringen, wie wichtig ist permanente Weiterbildung.

Ich habe wertvolle Erfahrungen gemacht in Theorie, Praxis, Kollegen kennen gelernt, viele interessante KI-Möglichkeiten getestet.

In 2025 würde ich gerne ein Vortrag halten vor meinen VHS-Kollegen aber auch mal hospitieren bei Erfahrenen.

Ich bin sehr dankbar, dass ich teilnehmen durfte am Erasmus+ Programm.
Irina

ChatGPT and Basic AI Tools, Florenz

von Heidi Krautwald

Florenz, 12.-17. August 2024

Sonntag, 11. August 2024, Anreisetag

Als ich mich für das Erasmus+-Programm bewarb, stand für mich fest, dass ich die Reise zum Ort der Fortbildung mit der Bahn bewerkstelligen wollte. Meine Wahl fiel auf Florenz und meine Idee war, mit dem Nachtzug aus Kiel anzureisen. Die DB App gab eine Verbindung an, die sich allerdings, wie ich dachte, -noch- nicht buchen ließ.
Erstaunt und erfreut las ich bei Bewilligung des Antrags, dass aufgrund der Entscheidung für „green travelling“ für Hin- und Rückfahrt jeweils zwei weitere Reisetage finanziert wurden.
Es stellte sich heraus, dass sich meine Vorstellung, mit dem Nightjet zu reisen nicht zu realisieren war, da die Verbindungen aufgrund von Bauarbeiten in den Sommermonaten nicht zur Verfügung standen. Also musste ich mir eine andere Variante überlegen, und so plante ich auf der Hinreise einen Zwischenstopp in Frankfurt und auf der Rückreise einen in Stuttgart ein.

Frankfurt Hbf

Obwohl sich die Abfahrt am frühen Sonntag Morgen um 15 Minuten verzögert und sich die Umsteigezeit von 28 Minuten am Münchener Hauptbahnhof bedenklich zu verringern scheint, verbreitet der in breitem Hessisch babbelnde Zugbegleiter mit Witz und guter Laune soviel Optimismus, dass die Fahrt trotzdem ein Genuss ist, zumal ein Teil der Verspätung aufgeholt werden kann und ich den Anschlusszug ohne Stress erreiche.

Blick aus dem Zugfenster

Der Zug von München nach Bologna ist sehr voll und als Exemplar älteren Datums weniger bequem als ein ICE, aber er kommt pünktlich am nächsten Umsteigebahnhof an. In Bologna bekomme ich einen ersten Eindruck von der Hitzewelle, die Italien erfasst hat. Der Frecciarossa-Zug von Trenitalia bringt mich schnell und komfortabel an meinen Zielort.

Frecciarossa in Florenz

Nach insgesamt 12 Stunden Fahrzeit komme ich also in Florenz an. Meine Unterkunft ist fußläufig vom Bahnhof aus zu erreichen und der check-in klappt prima. Da die Organisation best rent, die als Partner für die Europass Teacher Academy arbeitet, keine weitere Buchung für den Zeitraum hat, kann ich das angebotene Appartment für mich alleine nutzen.

Piazza del Duomo

Bei Sonnenuntergang unternehme ich einen Willkommens-Spaziergang zum fünf Minuten entfernten Dom, danach stelle ich bis in den späten Abend die geforderte Präsentation für die Vorstellungsrunde zusammen.

Montag, 12. August 2024, Erster Kurstag

Heute klettert das Thermometer in Florenz auf 39 Grad!
Am Morgen mache ich mich auf den Weg zum Unterrichtsort und komme an einigen der wichtigsten Sehenswürdigkeiten von Florenz vorbei.
Pünktlich um 9 Uhr erscheine ich in der Europass Teacher Academy in der Via Rustici.


Der Unterrichtsraum ist mit 14 Teilnehmenden gut gefüllt – 4 kommen aus Island, 2 aus Irland, 2 aus Österreich, 2 aus Ungarn, 1 aus Polen, 1 aus Tschechien, 1 aus Belgien und ich aus Deutschland.
Die Kursleiterin Raquel López Hernández ist jung und dynamisch, spricht viel und schnell. Wie gut, dass ich im Frühjahr an der vhs einen Englisch-C1 Konversationskurs belegt hatte.
Nachdem sie einiges über sich erzählt hat gibt es eine erste Kennenlernrunde, in der wir jeweils unsere Sitznachbarn vorstellen.
Raquel empfiehlt uns verschiedene Möglichkeiten, unsere Freizeit zu gestalten, welche Museen und Sehenswürdigkeiten zu besuchen, gibt Tipps, wo man gut essen kann etc.
Nach einer Kaffeepause zeigen wir unsere vorbereiteten Präsentationen und erzählen von uns, wo wir herkommen und von den Schulen, an denen wir arbeiten).

Erasmus presentation

Ich fühle mich ein wenig als Außenseiterin. Als einzige bin ich keine Lehrerein einer allgemeinbildenden Schule, sondern arbeite als freie Dozentin unter sehr anderen Bedingungen an der Volkshochschule. Und mit 64 Jahren bin ich um einiges älter als die meisten anderen Teilnehmenden.
Auch das Interesse an Kunstprojekten, kreativen Kooperationen, künstlerischen Ansätzen und Kunstgeschichte im allgemeinen (außer den must-see-Museen) stößt bei den anderen nicht auf Resonanz.

Raquels Unterricht ist eher auf den Gebrauch im Lehrer- und Kollegiumsalltag ausgerichtet. Trotzdem bin ich neugierig und davon überzeugt, dass ich in den nächsten Tagen genügend Input bekommen werde.
Gegen 13.30 Uhr endet der erste Kurstag.

Draußen ist es so heiß, dass keine großen Aktivitäten möglich sind. Ich mache noch einen Abstecher zur Touristinformation, wo ich die Gelegenheit habe, mit einem netten jungen Mitarbeiter italienisch zu sprechen.
Nach einer Pause in meiner Unterkunft breche ich gegen 16 Uhr auf zu einem ausgiebigen Spaziergang durch die Altstadt und dem Stadtteil Oltrarno am Südufer des Arno. Besonders im Quartier San Niccoló werde ich fündig, als ich eine Fotoserie über Streetart (vielfach Zitate aus der Kunstgeschichte) aufnehme, hier der Videoclip Streetart in Florenz:

Das erste italienische Eis, das ich esse, schmilzt aufgrund der Hitze so schnell, dass ich beschließe, keinen weiteren Versuch der Gelato-Verkostung zu wagen.
Auf dem Rückweg genieße ich den Sonnenuntergang mit Blick auf die Ponte Vecchio.

Dienstag, 13. August 2024, Zweiter Kurstag

Wir sind mit unserem Kurs umgezogen, da uns am anderen Standort der Europass Teacher Academy in der Via San Egidio ein klimatisierter Raum zur Verfügung steht.

Heute geht es als erstes darum, wie künstliche Intelligenz entwickelt wurde, welche Voraussetzungen dafür nötig waren und wie rasant sich die KI weiterentwickelt.

Wir sammeln in Kleingruppen Pro und Contra zur Nutzung von KI. Es kommen interessante Aspekte zur Sprache – wenn es nach mir ginge, könnten wir das Thema noch ausführlicher besprechen.
Als nächstes werden wir mit drei verschiedenen Varianten von OpenAI bekannt gemacht, die entsprechenden Apps werden heruntergeladen (jetzt ist mein Computer noch mehr vernetzt – ob ich das überhaupt möchte…?)

Wir arbeiten mit ChatGPT, Copilot und Gemini.

Raquel zeigt uns, wie wir möglichst präzise Prompts formulieren, damit die KI brauchbares Material liefert. Erste eigene Versuche liefern überraschende Ergebnisse. Gleichzeitig beeindruckend und erschreckend. Man bekommt eine Ahnung, dass der Mensch in vielen Bereichen durch KI ersetzbar sein wird.

Aber natürlich hat der Einsatz von KI auch positive Seiten. Wir sollen alle einen Unterrichtsplan mit ChatGPT erstellen. Das geht erstaunlich gut, die inhaltlichen Vorschläge und Formulierungen sind gut verständlich. Eine gute Grundlage, vieles davon lässt sich ohne weiteres übernehmen. Der „persönliche touch“ fehlt, aber als Basis mit Möglichkeit zur Modifizierung eignet sich das Ergebnis allemal.

Unterrichtsplan für einen online-Kurs in Fotografie

Die Aussicht, die Unterrichtsplanung durch den Einsatz von KI zu erleichtern, kommt mir sehr entgegen, so kann ich meine kreative Energie auf den inhaltlichen und zwischenmenschlichen Bereich des Unterrichts (und auf meine eigenen Kunstprojekte) konzentrieren.

Es ist weiterhin sehr heiß in Florenz. Am Nachmittag besuche ich den botanischen Garten, einer der ältesten in Italien (gegründet 1545). Ich vermisse das Meer – aber ich genieße sehr, hier zu sein! Ich laufe in einem großen Bogen zurück zu meinem Quartier. Die Hitze ist sehr anstrengend und ich bin froh, dass ich in meinem Apartment die Klimaanlage anstellen kann.

Mittwoch, der 13. August 2024, Dritter Kurstag

Heute lernen wir weitere OpenAIs kennen.
Als erstes kreieren alle mit Suno einen „morning song“. Wie einfach das geht! Ich denke sofort an einen ganzen Berufszweig von Musikern/Komponisten (für Auftragsarbeiten), der damit überflüssig wird…

KI Suno Morning Song

Als nächstes arbeiten wir mit Gamma. Man kann damit in Windeseile Präsentationen erstellen. Raquel ist sehr überzeugt von dieser AI, auch die anderen sind sehr angetan von ihren Ergebnissen. Ich selbst finde meine KI-generierte Präsentation schrecklich, absolut nicht mein Stil, regelrecht kontraproduktiv. Was ich meinen Kursteilnehmenden nahe- und beibringen möchte, ist das genaue Gegenteil. Hier ist für mich also weiterhin „Handarbeit“ in Indesign oder Powerpoint gefragt.

Produkt von KI Gamma: Fotoreise nach Venetien

Als letztes für diesen Tag experimentieren wir mit „I can’t draw„, das in Padlet integriert ist. Die Aufgabe ist, ein eigenes Foto möglichst genau zu beschreiben und sich daraufhin von der KI ein Bild kreieren zu lassen. Bei „normalen“ Motiven klappt das ganz gut.
Mit meinem Bügeleisenbild (siehe Präsentation vom ersten Tag) kann die KI nichts anfangen und ignoriert wichtige Angaben, um mir ein beliebiges Portrait einer langhaarigen Frau zu liefern.
Eine Bestätigung für mich, dass das Bild ein künstlerisches Unikat ist 😉

Am -weiterhin sehr heißen- Nachmittag besuche ich das Museo Novecento. Sehr angenehm kühl und leer – eine Wohltat zwischen den Eindrücken der überfüllten Stadt. Ich besuche eine beeindruckende Ausstellung der Künstlerin Louise Bourgeois (1911-2010) von ihrem Spätwerk, das hauptsächlich zwischen 2007 und 2009 entstanden ist.

Ausstellungsansicht im Museo Novecento

Donnerstag, der 15. August 2024, Vierter Kurstag

Heute beschäftigen wir uns mit weiteren Möglichkeiten, OpenAI zu benutzen.
Mit Microsoft Designer haben wir die Aufgabe, ein Logo zu entwerfen. Der Erfolg ist eher mittelmäßig, weil das Programm seltsame Phantasiewörter in den Entwurf einbaut. Wahrscheinlich wird in ein paar Monaten die Entwicklung weiter vorangeschritten sein, sodass man ganz andere Ergebnisse erzielen kann. Ich probiere außerdem, mit dem Programm einen Avatar zu erstellen.

Misslungene Logos mit Microsoft Designer

Avatar von Microsoft Designer

Als nächstes beschäftige ich mich mit Adobe Firefly. Die Möglichkeiten, fotorealistische Darstellungen zu kreieren, sind hier wesentlich ausgereifter. Schon fast erschreckend, wie naturalistisch die Ergebnisse wirken. In Zukunft muss man noch viel genauer hinschauen, welche Bilder echte Fotos und welche gänzlich computergeneriert sind.

Porträts mit Adobe Firefly

Raquel stellt uns die GenAI Chatbot Prompt Library for Educators vor. Dort bekommt man Hilfe, wie man mit guten Prompts in ChatGPT, Copilot, Gemini etc. gute Ergebnisse erzielt. Unsere Aufgabe ist, ein Quiz zu erstellen. Auch hier interessant, wie unterschiedlich der Output der verschiedenen AIs ausfällt.

Zum Schluss beschäftigen sich die anderen Teilnehmer mit Eduaide und Magic School. Da diese Programme speziell für (allgemeinbildende) Schulen konzipiert sind und mich als Dozentin an der vhs weniger betreffen, lote ich stattdessen die Möglichkeiten der bildgenerativen Programme aus.
Ich möchte gerne wissen, wie die künstliche Intelligenz meine Altersgruppe bildlich darstellt und versuche, mit den entsprechenden Prompts verschiedene Bildergebnisse zu generieren. Interessant, dass die KI den Teil der Vorgaben ignoriert, der nicht in ihr „Weltbild“ zu passen scheint.

Adobe Firefly, Porträt Arme Frau

Am Nachmittag nehme ich an einer „Free Tour“ (pay what you wish) mit dem Thema „Renaissance and Medici Tales“ teil. Unser Guide Giacomo (Typ Hugh Grant) bringt auf eine charmante, humorvolle und unterhaltsame Weise in bestem Englisch sein fundiertes Wissen unter die Leute.
Um das Touristenprogramm zu vervollständigen, verweile ich zum Sonnenuntergang erst an der Kirche di San Miniato al Monte – mit relativ wenigen Besuchern eher ein Geheimtipp – und laufe dann hinunter zur völlig überlaufenen Piazzale Michelangelo. Auf dem Rückweg nutze ich die blaue Stunde, um die obligatorischen Touristenfotos von der beleuchteten Ponte Vecchio aufzunehmen.

 

Freitag, der 16. August 2024, Fünfter Kurstag

Heute rufen wir als warm-up folgende website auf: https://www.whichfaceisreal.com/index.php und überlegen gemeinsam, welches Foto echt und welches computergeneriert ist. Man muss sehr genau hinschauen, um die Unterschiede zu erkennen. Diese Übung werde ich sicherlich auch in meinen Kursen durchführen, um die Wahrnehmung zu schärfen und die inhärente Problematik zu diskutieren.

Danach stellt uns Raquel die europäische Gesetzgebung und die rechtlichen Grundlagen zur Nutzung von KI im Bildungsbereich vor:

European Law AI EU

Da die anderen Teilnehmer alle von allgemeinbildenden Schulen kommen, beziehen sich die Informationen hauptsächlich auf den Unterricht mit minderjährigen Schülern. Die anschließende Diskussion in Kleingruppen dreht sich dann auch mehr um die Rahmenbedingungen an den jeweiligen Schulen als um die eigene Haltung und den Umgang mit KI. Meine Fragen bezüglich der Möglichkeit, Schülern ein Vorbild zu sein bzw. sie mit der eigenen Meinung zu einem verantwortungsbewussten Handeln zu bewegen, erfahren in der Gruppe leider wenig Resonanz.

Nach der Diskussion gibt uns Raquel noch eine kurze Einführung, wie man ein Padlet zusammenstellen kann. Sie zeigt uns, wie wir das für den Workshop erstellte Padlet sichern und mit allen Informationen bzw. Links auf dem eigenen Computer speichern können.

Zum Schluss werden die Zertifikate übergeben und ein Gruppenbild aufgenommen. Wir bedanken uns alle sehr bei Raquel für einen gelungenen Kurs, ihre nette und kompetente Art und für die vielen Informationen, die wir erhalten haben. Jetzt liegt es an jedem Einzelnen, wie wir das Wissen einsetzen und weitertragen.

Am Nachmittag nimmt ein Großteil der Erasmus+Absolventen an dem angebotenen Kulturprogramm teil. Wir haben uns alle für eine Bustour ins Chiantigebiet mit Weinverkostung angemeldet. Leider ist die Tourbegleiterin ein Reinfall, zu erwartende Informationen zur Gegend und zu Land und Leuten bleiben aus. Die angebotenen lokalen Spezialitäten und Weine schmecken sehr gut. Aber das Ganze hat eher den Charakter einer Werbeveranstaltung als eines kulturellen Beitrags.

Chianti-Gebiet

Weinverkostung

Nach der Rückkehr gehe ich am Abend ins Open Air-Kino, nur ein paar Schritte von meiner Unterkunft entfernt. Im Innenhof des Klosters di Sant’Orsola, das heutzutage ein Ausstellungsort für zeitgenössische Kunst ist, wird der Film „Il Segreto di Liberato“, ein Dokumentarfilm mit Animationsanteilen gezeigt.

Sonnabend, der 17. August 2024, Sechster Tag in Florenz

Ursprünglich war dieser Tag für den kulturellen Beitrag vorgesehen. Da für die Bustour ins Chianti-Gebiet auch die Option am Freitag Nachmittag bestand, habe ich unverhofft den Sonnabend zur freien Verfügung. Ich entscheide mich trotz der Sehnsucht nach dem Meer gegen eine Fahrt nach Viareggio (zumal ich schon mehrfach dort gewesen bin), auch eine andere Stadt zu besuchen scheint mir nicht zwingend notwendig zu sein. Also nutze ich die Gelegenheit, Florenz weiter zu Fuß zu erkunden. Ich breche morgens um sieben mit meiner Kamera auf, freue mich an dem besonderen Morgenlicht und an der Möglichkeit, das Alltagsleben ohne die später einsetzenden Touristenströme beobachten zu können.

Ich unternehme einen langen Spaziergang auf einem Trampelpfad auf der Nordseite entlang des Arno, begegne Pleinair-Malerinnen und Hundebesitzern und komme an einem Ruderclub vorbei. Auf dem Rückweg besuche ich den Markt von Sant’Amborgio, der hauptsächlich von Einheimischen frequentiert wird.

Ruderclub am Arno

Am Nachmittag drehe ich eine Runde über den Mercato Centrale. Mehr als die Waren interessieren mich die Marktbeschicker und ich imaginiere deren Arbeitsalltag. Leider sind meine Italienischkenntnisse noch nicht wieder soweit aufgefrischt, dass ich ein tiefergreifendes Gespräch über die jeweiligen Lebensbedingungen führen könnte, abgesehen von der Frage, ob die Standbesitzer sich während der Öffnungszeiten des Marktes darauf einließen.

Später laufe ich bis zum westlichen Südufer des Arnos und durchquere einen Park, in dem in der Mehrheit afrikanische Obdachlose auf den Bänken schlafen. Ein krasser Gegensatz dazu die hochpreisigen Boutiquen, an denen ich auf dem Rückweg vorbeikomme und an deren Türen fast ausnahmslos schwarze Männer in feinen Anzügen den Einlass bewachen.
Neben dem Verhalten der Touristenmassen konnte ich heute ein wenig das Leben der Einheimischen beobachten. Die Zeit reicht allerdings nicht aus, um den Fragen nachzugehen, die sich daraus ergeben.

 

Sonntag, 18. August 2024, Abreisetag

Früh morgens stehe ich auf und packe meine Sachen.
Gegen 7.15 Uhr gehe ich aus dem Haus, entsorge den Müll und freue mich über einen letzten kleinen Rundgang mit der Kamera durch die noch angenehm leere Altstadt. Ich schaue beim Aufbau der Stände auf dem Mercato Centrale zu und versuche, dabei die Uhr im Blick zu behalten.
Um acht laufe ich mit meinem Gepäck zum Bahnhof, es sind nur zehn Minuten Fußweg. Der italienische Frecciarossa-Schnellzug fährt pünktlich um 8.36 Uhr ab. Ab Verona sind die Züge sehr voll, aber bis auf eine Verspätung zwischen München und Stuttgart klappt alles bestens. Ich lege einen kleinen Zwischenstopp bei meinen Schwestern ein, bevor ich am Dienstag zurück nach Kiel fahre.

Mein Fazit

Die Reise mit der Bahn ist zwar zeitaufwändig, für mich trotzdem zweifellos die beste Wahl der Verkehrsmittel.
Das Erasmus+Programm ist eine tolle Möglichkeit, sich für den Nutzen der entsendenden Institution fortzubilden und gleichzeitig der eigenen Reiselust nachzugehen.
Ich bin dankbar für das Privileg des lebenslangen Lernens und werde jede Gelegenheit nutzen, das neu erlangte Wissen mit der Fähigkeit des kritischen Hinterfragens zu kombinieren und es an meine Kursteilnehmenden und Mitmenschen weiterzutragen.