Purpose-Driven Leadership: Connecting Inner Development with Global Sustainable Actions, Brüssel

von B. Busch

Im Rahmen meines Aufenthalts in Brüssel (März 2025) habe ich am dreitägigen Kurs Purpose-Driven Leadership: Connecting Inner Development with Global Sustainable Actions teilgenommen, der sich an Führungskräfte im Bildungsbereich richtet und die nachhaltige Schulentwicklung in den Mittelpunkt stellt.

Nachdem ich bereits am Vorabend nach einer langen, aber entspannten Zugreise in Brüssel angekommen bin, habe ich mich abends bei geradezu sommerlichen Temperaturen noch ein wenig in der Altstadt umgesehen und das belgische Nationalessen getestet: Frites. Lecker!

Die Grande Place mit den wunderschönen Fassaden rundherum wird nach Sonnenuntergang sehr eindrucksvoll beleuchtet und die Straßen rundherum sind frei von Verkehr und voller Menschen. Man hört nicht nur Französisch und Niederländisch, sondern auch Spanisch, Englisch, Deutsch und viele andere Sprachen.

  • Tag 1 – Donnerstag

Am Donnerstagmorgen begann der Kurs bereits um 9 Uhr. Der Kursraum befand sich in einem Altbau direkt gegenüber vom Berlaymont-Gebäude, dem Hauptsitz der Europäischen Kommission. An unseren Kursraum schloss sich ein Wintergarten und ein kleiner, grüner Hinterhof an, großartig für bewegte Pausen und entspanntes Luftschnappen.

Unsere flämische Kursleitung Virginie Parent begrüßte uns herzlich und wir fingen mit einem Kennenlernspiel an. Ein bisschen kannten wir uns schon von Padlet, wo wir in den Wochen vor dem Kurs schon persönliche Steckbriefe auf die von Virginie vorbereitete Pinnwand hochgeladen hatten. Wir waren insgesamt 15 Personen, wobei vier Teilnehmende von Madeira erst am Nachmittag dazustießen, da ihr Flugzeug wegen schlechten Wetters erst später starten konnte. Dabei waren außerdem eine Französin, vier Lettinnen aus verschiedenen Einrichtungen einer lettischen Stadt, sowie außer mir fünf Deutsche – ein Kursleiter und vier vhs-Leitungen bzw. Mitarbeitende von verschiedenen Volkshochschulen in Süddeutschland. Die Mischung war sehr gut, es waren verschiedenste Bildungseinrichtungen vertreten von Kindergarten, Grundschule, weiterführender Schule und Berufsbildung bis Erwachsenenbildung. Zwischen den Kursinhalts-Modulen stellten die Teilnehmenden Ihre Einrichtungen mit vorher erstellten Präsentationen vor. Das Kennenlernen unterschiedlicher europäischer Bildungsmodelle ist immer ein besonders interessanter Teil des Erasmus+- Programms.

Im ersten Modul ging es um die zielorientierte Führung. Zunächst wurden wir von Virginie in das Konzept der Inner Development Goals (IDGs) eingeführt. Inspiriert von den Sustainable Development Goals (SDGs) der Vereinten Nationen legen die IDGs den Fokus auf die Entwicklung innerer Fähigkeiten und Qualitäten, um persönliche Kompetenzen zu fördern, die nötig sind, um gesellschaftliche Transformation und die globalen Herausforderungen des 21. Jahrhunderts zu meistern. Ziel der Arbeit mit den IDGs ist es, inneres Wachstum und Wohlbefinden zu fördern und gleichzeitig die äußeren Umstände zu verbessern.

Dann haben wir in einem gemeinsamen Brainstorming gesammelt, welche Eigenschaften für eine zielorientierte Führung notwendig sind:

  • Selbst-Bewusstsein
  • Empathie
  • Resilienz
  • Authentizität
  • Vorstellungskraft
  • Kooperation
  • Mut
  • Zuverlässigkeit

Purpose-Driven Leadership (zielorientierte Führung) im Einklang mit den IDGs und den SDGs bedeutet, die persönliche Werte und das innere Wachstum mit globaler Verantwortung in Einklang zu bringen. Ziel ist es in unserem Tätigkeitsbereich, sinnvolle Veränderungen in Schulen anzustoßen, zur Auseinandersetzung mit globalen Herausforderungen anzuregen und eine Schulkultur der Inklusion, Nachhaltigkeit und globalen Verantwortung zu kreieren.

Unsere erste Aufgabe war es dann, in Gruppen jeweils ein konkretes Ziel in unserer Führungstätigkeit zu definieren. Eine Übung dazu war, zu überlegen, welche Werte uns in unserer Arbeit motivieren, um so herauszufinden, was uns wirklich wichtig ist. Diese Denkaufgabe ist sehr sinnvoll, um sich der eigenen intrinsischen Motivation besser bewusst zu werden und das Handeln danach auszurichten, statt sich nur im Alltags-Klein-Klein aufzureiben.

Das Ziel einer Schulleitung kann beispielsweise lauten: „Eine Kultur der Resilienz und Empathie in meiner Schule entwickeln“. Hier werden die inneren Entwicklungsziele „Beziehungen“ und „Handeln“ gefordert. Das nachhaltige Entwicklungsziel „qualitativ hochwertige Bildung“ steht eigentlich bei all unseren Bestrebungen im Vordergrund.

Hier endete das erste Modul nach reichlich Input um 13.30 Uhr. Um 15 Uhr sollten wir uns im Zentrum zu einem geführten Stadtrundgang wiedertreffen.

Das Brüsseler Nahverkehrssystem funktioniert hervorragend – schnell, zuverlässig und bequem. Habe ich am ersten Tag noch die Metro als schnellste Verbindung vom sehr zentral gelegenen Hotel zum Kursort genommen, zog ich an den folgenden Tagen die Busse vor, da ich so mehr von der Stadt sehen konnte. In einigen Bezirken fahren zudem auch Straßenbahnen. Vieles kann man aber auch einfach erlaufen. Toll ist außerdem, dass große Bereiche der Innenstadt für den Verkehr völlig gesperrt sind und viel Freiraum für Menschen bleibt.

Der Stadtrundgang durch das historische Zentrum wurde von der jungen flämischen Belgierin Annelies geleitet. Sie hatte ein Tablet dabei, auf dem sie uns zwischendurch historische Aufnahmen, Gemälde und Karten zeigen konnte. Zugegebenermaßen hatte ich mich auf die Stadt nicht besonders vorbereitet, wenn man von dem Durchlesen eines Reiseführers auf der Zugfahrt einmal absieht – und so präsentierte sich Brüssel für mich interessanter und auch schöner, als ich es mir vorgestellt hatte. Bei blauem Himmel und sommerlichen Temperaturen war der Spaziergang ein wahres Vergnügen und für uns alle auch eine gute Gelegenheit, sich beim Gehen zu unterhalten und besser kennenzulernen. Mit den Lettinnen und dem Deutsch-Kursleiter aus Nürnberg verabredete ich mich abends zum Essen in einem indischen Restaurant.

  • Tag 2 – Freitag

Freitag starteten wir den Tag mit einer erneuten spielerischen Kennenlernrunde für die neu dazugekommenen Madeirenser.

Das zweite Kursmodul hatte die Purpose-Driven Vision – also die zielgerichtete, sinnstiftende Vision für die eigene Bildungseinrichtung, zum Inhalt, die ein konkretes organisatorisches Ziel anvisiert, sich dabei eng an den eigenen Werten orientiert und außerdem die IDGs sowie die SDGs berücksichtigt. Gemeinsam haben wir zusammengetragen, was uns persönlich antreibt und wie sich daraus eine authentische, motivierende Vision für unsere Einrichtung ableiten lässt. Das Ziel: eine Lernkultur, in der sowohl Lehrende als auch Lernende positive Veränderungen anstreben und sie mitgestalten. Die Vision muss eindeutig formuliert und umsetzbar sein. Wie kann diese Vision konkret im Alltag einer Bildungseinrichtung umgesetzt werden? Eine wirksame und umsetzbare Zielsetzung sollte folgenden Kriterien genügen:

  • Klarheit
  • wertebasiert und sinnorientiert
  • Fokus auf ganzheitliches Wachstum
  • Förderung der Gemeinschaft und Zusammenarbeit
  • Nachhaltigkeit als zentrales Prinzip
  • Formulierung konkreter Umsetzungsschritte

Mit Hilfe einer Motivation Map analysierten wir in Gruppenarbeit, welche Faktoren die extrinsische und intrinsische Motivation in verschiedenen Gruppen (Lehrkräfte, Teilnehmende, Stakeholder…) beeinflussen. Wir fanden gemeinsam heraus, dass die extrinsische Motivation jeder Gruppe von ganz unterschiedlichen Faktoren bestimmt wird, die intrinsische Motivation dagegen bei allen Gruppen aus einer Quelle gespeist werden kann: das Gefühl, Teil einer Gemeinschaft mit den gleichen Werten und Zielen zu sein und die Sichtbarmachung von Erfolgen, d.h. Erreichen der eigenen und gemeinsamen Ziele. Es wurde deutlich, wie stark eine nachhaltig orientierte, gemeinsam entwickelte, klar formulierte und transparent kommunizierte Vision zur Motivation beiträgt – sowohl auf der Ebene der Führung als auch bei Lehrenden, Lernenden und dem Umfeld. Die Vision wird dabei nicht als statisches Ziel begriffen, sondern als permanent gemeinsam weiterentwickelter Orientierungsrahmen.

Den Freitagnachmittag habe ich genutzt, um das zentrale Schwimmbad zu besuchen – mein persönliches Must-See in jeder größeren Stadt. Das Piscine du Centre aus den 1950ern befindet sich versteckt im Stadtteil Marolles hinter einer gewöhnlichen Hausfassade im dritten Stock.

(links der Eingang zum Zentralbad)

Das Becken hat immerhin fünf 25-Meter-Bahnen, ist also ein richtiges Schwimmerbecken. Hut ab vor den Statikern! Das Interieur ist originalgetreu und ein Wärter schließt jedem Gast die Umkleide auf, die auch als Verwahrung für die Kleidung dient. Duschräume gibt es nicht, stattdessen sind die Duschen entlang des Beckens aufgereiht und entweder eiskalt oder kochend heiß, dafür mit tollem Blick über das Schwimmbecken auf die Stadt… das Schwimmen war sehr gut bei wenig Betrieb und angenehmer Wassertemperatur.

Danach habe ich mich in dem wunderschönen Jugendstil-Café Le Perroquet gestärkt und mich noch ein bisschen in dem Stadtteil umgesehen. Der öffentliche Aufzug zum Justizpalast erspart einen anstrengenden Aufstieg und der Blick von dem Platz über die Stadt ist großartig.

Von dort bin ich an dem historischen Stadttor Porte de Hal vorbei in den Stadtteil Saint-Gilles gegangen und habe mir in der Rue Vanderschrick die vielen schönen Jugendstilfassaden angesehen.

Mit dem Bus ging es zurück zum Hotel und um 19 Uhr war ich an der Kirche St Catharine mit einigen anderen Kursteilnehmenden zum Essengehen verabredet. Da wir acht Personen waren – die Lettinnen und vier Deutsche –, war es gar nicht so einfach, an einem Freitagabend draußen bei sommerlichem Wetter einen Tisch zu bekommen. Mit Gunta aus Lettland habe ich mich beim Essen ausführlich über lettische und deutsche Bräuche unterhalten.

  • Tag 3 – Samstag

Am dritten und letzten Tag des Kurses war die Atmosphäre auf dem Weg zum Kursort irgendwie anders… die Metro-Station Schuman unter dem Berlaymont-Gebäude war wie ausgestorben und auf der Straße fehlten die Absperrungen, Kamerateams, Anzugträger… Was war los?! – Ach ja, Samstag!

Die Lettinnen mussten leider schon an diesem Morgen abreisen, daher waren wir vier Teilnehmende weniger. Nach einigen kleinen Lockerungsübungen mit Virginie starteten wir wacher in den letzten Kurstag.

Der praxisorientierte Abschluss des Kurses bot uns die Möglichkeit, konkrete Schritte zur Umsetzung einer Vision in unserer jeweiligen Bildungseinrichtung zu entwickeln. Das Hauptziel dieses dritten Moduls war die Erstellung eines Aktionsplans, der die strategische Umsetzung der im Kurs entwickelten Vision mit den konkreten Zielen beschreibt. Ein effektiver Aktionsplan sollte folgende Schlüsselelemente enthalten:

  1. Leitbild – eine klare, inspirierende Aussage zur langfristigen Ausrichtung der Schule.
  2. Ziele – konkrete, messbare Ziele, die mit dem Leitbild in Einklang stehen.
  3. Aktionen – die spezifischen Maßnahmen, die unternommen werden müssen, um die Ziele zu erreichen.
  4. Zeitplan – eine realistische Zeitrahmenplanung für jede Maßnahme.
  5. Ressourcen – die benötigten Mittel und Unterstützung, um die Maßnahmen durchzuführen.
  6. Herausforderungen – mögliche Hindernisse, die im Verlauf des Prozesses auftreten könnten, sowie Strategien zu deren Überwindung.

Die Planungssitzung begann mit einer Reflexion über die eigene Vision. Dabei sollten wir eine Aussage formulieren, welche eine langfristige, wertorientierte Vision unserer Bildungseinrichtung widerspiegelt. Als Nächstes gingen wir über zu den Schlüsselzielen, die im Einklang mit dieser Vision stehen. Hierbei war es besonders wichtig, realistische, aber auch herausfordernde Ziele zu identifizieren – die sowohl die nachhaltige Entwicklung der Schule als auch die individuelle und kollektive Verantwortung von Lehrkräften und Lernenden fördern.

Im Anschluss an die Zieldefinition listeten wir die Maßnahmen auf, die notwendig sind, um diese Ziele zu erreichen. Jeder Schritt wurde mit einem Zeitplan versehen, der uns dabei half, realistische Fristen zu setzen und den Fortschritt zu messen. In der Gruppe tauschten wird uns über die erforderlichen Ressourcen aus – von finanziellen Mitteln über Weiterbildungsmöglichkeiten bis hin zu externen Partnern, die den Prozess unterstützen können. Uns allen fielen naturgemäß auch viele Herausforderungen und Barrieren ein, die während der Umsetzung auftreten können, wie z.B. Widerstände im Team, zeitliche Engpässe oder mangelnde Ressourcen. Für jedes potenzielle Hindernis entwickelten wir gemeinsam Strategien zur Überwindung, zum Beispiel, wie durch gezielte Kommunikation und Transparenz eine stärkere Einbindung des gesamten Teams erreicht werden kann.

Zum Abschluss des Kurses haben wir den Kursinhalt rekapituliert und in einer kurzen Feedback-Runde unsere persönlichen Highlights ausgetauscht.

Wir haben gelernt, wie wir als Führungskräfte die Rolle des Change Agents übernehmen können, um nachhaltige Veränderungen zu bewirken. Dies erfordert nicht nur Zielstrebigkeit, sondern auch Empathie und Flexibilität, um im Verlauf des Prozesses auf Herausforderungen und neue Gegebenheiten reagieren zu können.

Die Teilnahmezertifikate wurden verteilt und wir haben die übriggebliebenen landestypischen Süßigkeiten unter uns verteilt – es wurde so viel mitgebracht, dass wir alle jeden Vormittag überzuckert waren, weil in jeder Pause das Süßigkeiten-Buffet wie auf einem Kindergeburtstag lockte. Nach der herzlichen Verabschiedung machten sich einige direkt auf den Heimweg – ich hatte zum Glück noch bis Sonntagmorgen Zeit.

Mit kurzem Boxenstopp im Hotel, um meinen Laptop zu deponieren (den ich während der drei Kurstage nicht wirklich gebraucht habe), bin ich schnell mit dem Bus zum Place du Jeu de Balle gefahren, wo Samstag vormittags immer ein großer Trödelmarkt stattfindet. Ich kam leider erst, als die Händler anfingen einzupacken, aber auch so war das Angebot beeindruckend.

Beim anschließenden Schlendern durch die Straßen des alternativen Marolles-Viertels sind mir viele Personen in Phantasiekostümen aufgefallen, dabei sogar ein ganzer Chor, der sich auf einer kleinen Verbindungstreppe zurechtmachte und probte.

Das war so faszinierend, dass ich zum Zuhören geblieben bin und dann wieder zurück zum Place du Jeu de Balle gegangen bin, der inzwischen komplett voll war mit Kostümierten, Musikgruppen, Figuren und Zuschauern. Wie ich erst später herausgefunden habe, war das der Carnaval Sauvage, ein jährlich stattfindender alternativer Karnevalsumzug, der am Place du Jeu de Balle beginnt. Die Umzugsteilnehmer tragen selbstgemachte Kostüme, oft aus Verpackungsmüll oder Gebrauchsgegenständen, und ziehen dann durch die Stadt. Der Karneval feiert die Ankunft des Frühlings und kritisiert gleichzeitig den politischen und den finanziellen Druck in der Stadt z. B. durch Immobilienspekulation.

Ich konnte mich erst nach einer ganzen Weile davon trennen und bin dann Richtung Ixelles gegangen, um mich zum Schluss dort noch ein bisschen umzusehen. Im Matonge-Viertel gibt es entlang der Chaussee d’Ixelles fast ausschließlich afrikanischen Läden, Cafés und Friseure, man fühlt sich plötzlich auf einen anderen Kontinent versetzt.

Ein Stück weiter, um die neugotische Kirche Saint Boniface, reihen sich Cafés, Bars und Restaurant im gleichnamigen Ausgehviertel aneinander. Weil in eine Stadt eigentlich Wasser gehört und ich bisher keines gesehen hatte, bin ich noch an den wenig spektakulären Ententeichen Etangs d’Ixelles vorbei bis zur ehemaligen Zisterzienserinnenabtei La Cambre gelaufen und habe dort ziemlich erschöpft den Bus zurück zum Zentrum genommen

Fazit

Brüssel bietet nicht nur einen passenden Rahmen für ein europäisches Bildungsprojekt, sondern auch ein vielseitiges kulturelles Angebot. In den freien Stunden konnte ich die Stadt zumindest in kleinen Teilen mit ihrer überwältigenden Vielfalt an Sprachen und Kulturen entdecken.

Der Kurs hat mir persönlich gezeigt, wie wichtig es ist, sich als Volkshochschulleitung regelmäßig aus dem Alltagsgeschäft herauszunehmen, um den eigenen Blick zu weiten und dann auf das Wesentliche zu fokussieren. Der Austausch mit den anderen Teilnehmenden war dabei besonders wertvoll. Ich nehme für meine tägliche Arbeit nicht nur die Bedeutung einer nachhaltigen Vision für die Formulierung konkreter Ziele mit, sondern auch praktische Methoden, mit deren Hilfe ich einen klar strukturierten Aktionsplan entwickeln und zielgerichtet umsetzen kann. Das hilft mir auch bei der Weiterentwicklung unseres Leitbildes und der Organisationsentwicklung allgemein. Der Kurs hat mir außerdem gezeigt, dass die Nachhaltigkeitsziele nicht nur ein theoretisches Konstrukt darstellen, sondern als persönliche und institutionelle Handlungsorientierung dienen können.

Ich bin sehr dankbar für diese Woche der Konzentration, des Perspektivwechsels und der Weiterentwicklung. Der Kurs hat meine Motivation gestärkt, Bildung für nachhaltige Entwicklung als Leitlinie meiner Arbeit noch konsequenter umzusetzen.

Climate Change and Global Citizenship Education, Gent

Erasmus+-Fortbildung in Gent Ende August/Anfang September 2023

Thema: Climate Change and Global Citizenship  Education

von A. Marin

Vom 28.08. bis 02.09 2023 habe ich in Gent an der oben genannten englischsprachigen Erasmus+-Fortbildung des Landesverbandes der VHS Schleswig-Holstein teilgenommen. Der Lehrgang wurde von der „Europass Teacher Academy“ mit Hauptsitz in Florenz durchgeführt.

Ich bin mit der Bahn über Aachen und Brüssel an- und abgereist. Dies ist auch zu empfehlen und passt natürlich zum Thema der Fortbildung. Dies hat trotz der bahnüblichen Verspätungen gut geklappt.

Das Wetter war während meiner Fortbildung recht frisch, aber sonnig mit Temperaturen um die 20 Grad. Es gab lediglich einen Regentag. Anfang September wurde es dann bekanntlich extrem heiss mit Temperaturen von über 30 Grad.

Die Teacher Academy liegt am Rande des Stadtzentrums und ist mit der extrem sauberen und modernen Straßenbahn oder Bussen von allen Stadteilen sehr gut und schnell zu erreichen. Auffällig fand ich, dass Tickets (fast) nur noch mit Kreditkarte bezahlt werden können.

Das Gebäude der Teacher Academy ist recht neu und die Unterrichtsräume sind groß und sehr modern ausgestattet.

Eingang zur Teacher Academy

Montag, 28. August 

Heute um 9:00 Uhr ging es los. Beim Betreten des Gebäudes ist mir sehr positiv aufgefallen, dass wir TN von den Angestellten und unserem Trainer ganz besonders freundlich empfangen wurden. Der erste Eindruck ist eben sehr wichtig.

Wir sind 11 Teilnehmende. Zunächst hat sich unser Trainer Serge vorgestellt. Er ist Belgier und kommt aus Gent. Serge hat Philosophie studiert und 33 Jahre für ein weltweit tätiges Bildungsinstitut gearbeitet. Seit ein paar Jahren arbeitet er als Coach für Berufsorientierung an Gymnasien und Berufsschulen.

Unser Trainer, Serge

Unsere Gruppe besteht aus sieben ItalienerInnen, einer Portugiesin, einer Irin, einem Deutschen und mir. Die ItalienerInnen unterrichten alle an demselben Gymnasium in Palermo/Sizilien unterschiedliche Fächer in Klassen von bis zu 20 SchülerInnen.

Die Portugiesin kommt aus Porto und die Irin aus der Nähe von Dublin. Beide unterrichten ausschließlich Erwachsene in Englisch auf unterschiedlichen Niveaus. Der deutsche Teilnehmer unterrichtet Studenten in Englisch an der Fachhochschule in Münster.

Ich fand sehr gut, dass auch Teilnehmende aus der Erwachsenenbildung dabei sind. So haben wir auch außerhalb der Fortbildung gelegentlich Erfahrungen ausgetauscht. Leider konnten die ItalienerInnen nicht so gut Englisch, was die Verständigung etwas erschwerte.

Zunächst haben wir uns alle kurz vorgestellt, insbesondere unsere Tätigkeit.

Wir begannen mit dem Thema „Global Citizenship Education“ und diskutierten
in Gruppen, warum heute auf die Nutzung sauberer Energien Wert gelegt
wird. Hierbei arbeiteten wir heraus, dass heute nicht nur Wert auf wirtschaftliche Produktivität gelegt wird, sondern auch auf Menschlichkeit, man denkt an die nächsten Generationen. Dies liegt daran, dass heute mehr Bewusstsein vorhanden ist, dass Energien und Rohstoffe begrenzt sind.

In Gruppenarbeit sollten wir dann Personen benennen, die wir für einen Global Citizen halten. Wir erwähnten und diskutierten divers etwa Nelson Mandela, Franz von Assisi, Umweltminister Habeck und Jane Austen, die besonders gegen Ungleichbehandlung eintrat. Ich fand diese Diskussion interessant.

Danach brachte unser Dozent das Stichwort „Verletzlichkeit“, was der
Ausgangspunkt von Global Citizenship sei und als deren Konsequenz man „care
for the others“ praktizieren solle. Genanntes Beispiel: Jemand kann sich vorübergehend nicht bewegen – dann sollen andere ihn unterstützen. Unser Trainer nannte 3 wichtige Bestandteile von Global Citizenship Education: Verletzlichkeit, care for others und Harmonie.

Nächstes Thema war, wie „gutes Leben“ definiert wird. Unser Trainer nannte die „Alten Griechen“, die Wert auf ein Leben ohne Furcht legten, die Bibel, die ein Leben in der Ewigkeit sieht und dann seit den 90-er Jahren ein Leben im Einklang mit Natur und Umwelt.

Dann haben wir in Gruppen diskutiert, wie man „Harmonie“ in Unterrichtssituationen einbringen kann. Wir nannten insbesondere Augenkontakt, sorgfältiges Zuhören und Toleranz bei anderen Meinungen.

Dienstag, 29. August 2023

Heute ging es zunächst um den Begriff „Zeit“. Wir waren uns einig, dass Zeit sehr wichtig ist, eine Art Geschenk ist und Gelegenheiten für Veränderungen bietet, insbesondere für Aktivitäten bezüglich des Klimawandels.
Zeit sei jedoch nicht umkehrbar. Man müsse sie daher nutzen.

Man müsse gegen die sogenannte schlafende Demokratie aktiv sein und Sorgen deutlich zum Ausdruck bringen. Unser Trainer meinte, dass Nostalgie, Verbitterungen und Ängste hierbei eine große Rolle spielen, die man überwinden müsse, um eine bessere Welt zu erreichen.

Wir sahen exemplarisch ein Video von Obama von 2008,

https://www.youtube.com/watch?v=WYga2qRnY2w, in dem er Hoffnung und Emotionen beim Klimawandel zum Ausdruck bringt, um Menschen zu motivieren.

Climate Change sei eine Aufgabe für mehrere Generationen ist und man müsse schrittweise vorgehen. Unser Trainer meinte, Klimawandel würde zu einer neuen Ordnung führen. Hierbei müsse man die Zeit bestmöglich nutzen und auf die eigenen Kräfte vertrauen.

Dann diskutierten wir den Begriff „offener Mindset“: man müsse neue Dinge ausprobieren und Perspektiven entwickeln, etwa eigene Wahrnehmungen und Aktivitäten (Augenperspektive und globale Perspektive, Bündelung von Aktivitäten) – ein interessanter Ansatz.

Mittwoch, 30.08.2023

Heute ging es zunächst um Mülltrennung. In Belgien, Italien, Portugal und Irland gibt es, anders als in Deutschland, nach wie vor kein Pfandsystem. Es gibt nur Container in bzw. vor Häusern und in Straßen, die Müll trennen. Wir waren uns einig, dass es Aktivtäten geben müsse, das Pfandsystem auch in anderen Ländern einzuführen.

Typische Mülltrennung an Straßen in Gent

Wir besprachen wichtige Eigenschaften eines Global Citizen und nannten Kooperation, gutes Zuhören, Optimismus und eine globalen Perspektive.

Danach diskutierten wir die Definition der UNESCO eines Global Citizen (unesco.org) und die Auswirkungen auf Unterricht/Ausbildung:

Dies war aufschlussreich, auch da man es im Unterricht berücksichtigen kann.

Nächstes Thema waren die 17 Ziele der Vereinten Nationen von 2016 für eine nachhaltige Entwicklung. Dies sind politische Zielsetzungen, die weltweit der Sicherung einer nachhaltigen Entwicklung auf ökonomischer, sozialer und ökologischer Ebene dienen sollen.

Diese 17 Ziele (Ziel 1: keine Armut, Ziel 2: kein Hunger etc.) zählt die UN in der Reihenfolge ihrer Bedeutung auf. Nur die Mitgliedsländer, nicht jedoch die UN selber können entsprechende Gesetze zum Erreichen der Ziele erlassen. Zur Konkretisierung der 17 Ziele hat die UN zusätzlich einen Unterkatalog mit 169 Zielvorgaben entworfen.

Mit unseren Tablets haben wir dabei die o.g. Punkte in Gruppenarbeit „ergoogelt“ – eine interessante Aufgabe.

Die 17 Ziele zur Nachhaltigkeit der UN seit 2016

Dann sollte jeder über eines der 17 Ziele der UN eine kurze Präsentation halten. Ich sprach über das Thema 2 („Kein Hunger“), ebenfalls eine interessante Aufgabe. Danach sollten wir in Vierergruppen ein Projekt für Lernende zu entwickeln, bei dem darum geht, Pessimismus in Bezug auf die Bewältigung des Klimawandels in Optimismus zu verwandeln. Meine Gruppe wählte ein wöchentliches „diary of hope“, in denen Lernende aufschreiben, wie und ob sie ihr Verhalten in Bezug auf den Klimawandel geändert haben, etwa durch eine bessere Mülltrennung, Vermeiden von PKW-Nutzung oder sie andere überzeugt haben, zur Bewältigung des Klimawandels beizutragen. Es konnten auch einfache Dinge sein, wie mit dem Fahrrad zur Arbeit/Schule fahren oder öffentliche Fahrräder zu nutzen. Wir waren uns in unserer Gruppe einig, dass bereits kleine Beiträge helfen, Optimismus zu verbreiten.

Ich fand dieses „diary of hope“ einen guten Ansatz, den ich mir auch im Unterricht vorstellen kann.

Am Nachmittag gab es eine etwa 2-stündige sehr gelungene Stadtführung (walking tour) in Gent, die von einer Trainerin der Teacher Academy geleitet wurde. Sie führte zu vielen interessanten Sehenswürdigkeiten.

Donnerstag, 31.08.

Heute ging es zunächst um „Entrepreneurship“. Dies bedeutet, dass in Europa überall ständig immer mehr Firmen entstehen, die sich etwa mit Recycling oder der Wiederverwendung von Waren nach Ablauf des Haltbarkeitsdatums befassen. Weitere Beispiele hierfür sind soziale Innovationen, wie zum Beispiel Carsharing und stadteigene Mietfahrräder. Beides gibt es auch in Belgien immer mehr. Wir erwähnten und diskutierten, dass es Vergleichbares auch in unseren Ländern gibt und wichtig ist.

Wir haben über die Organisation „Impact Hub“ (impacthub.net) mit Sitz in Wien diskutiert. Wir fanden viele Vorteile dieser Organisation, da sie Unternehmer weltweit zusammenbringt und eine gerechtere und nachhaltige Gesellschaft fördert.

Dann sprachen wir über die Organisation IPCC (Intergovernmental Panel on Climate Change – ipcc.de), die sich mit den Fortschritten bei den 17 Nachhaltigkeitszielen der UN befasst. Sie bündelt den weltweiten Forschungsstand und entwickelt Realisierungs- und Anpassungsstrategien.

Es ging danach generell um Unterricht im 21. Jahrhundert. Unser Trainer definierte ihn als Lernraum, wo Lernende sich sicher fühlen, sich umeinander kümmern, Vertrauen haben und viel selbst gestalten.

Am Schluss gab es ein Teilnehmenden-Feedback zur Fortbildung.

Freitag, 01.09.

Heute haben wir zuvor vorbereitete Präsentationen über unsere Einrichtungen gehalten. Anschließend gab es eine Diskussion, in der wir die Ausführungen mit unseren Ländern verglichen haben.

Die portugiesische Teilnehmerin unterrichtet Erwachsene an der großen Organisation APEFA (non profit) und hier insbesondere nicht gut qualifizierte Erwachsene. Ähnlich wie die Volkshochschulen wird auch dieses Institut staatlich gefördert. Die Gebühren der Teilnehmenden sind äußerst niedrig. Daneben gibt es wie in Deutschland private Institute, deren Gebühren deutlich höher sind.

APEFA (Portugal)

Anschließend sprachen die 7 ItalienerInnen über ihre Schule ISSG Ugudulena in Palermo. Es ist ein Gymnasium, jedoch erst ab 14 Jahre.

Die irische Teilnehmerin berichtete über ihr Institut FET im County Cavan nördlich von Dublin. Dort gibt es ähnlich wie an den Volkshochschulen Kurse für Erwachsene aller Art, Teilzeit, Vollzeit, alle Fächer. Zu unserer Überraschung erfuhren wir, dass diese Kurse für die Teilnehmenden kostenlos sind.

Am Ende sprach noch unser Trainer freundliche Schlussworte und lud uns für denselben

Abend in eine typisch belgische Bar ein, ein wirklich gelungener Ausklang.

Samstag, 02.09.

Die Teacher Academy hat uns für heute eine „City Card Gent“ zur Verfügung gestellt, die uns ermöglichte, interessante Sehenswürdigkeiten kostenlos zu besichtigen. An diesem warmen Sommertag habe ich das bekannte Gravensteenschloss mit einem englischen Audioguide besucht sowie den Belfry Clock Tower, der zum Weltkulturerbe gehört. Beide Sehenswürdigkeiten fand ich sehr interessant und boten einen guten Einblick in die Geschichte von Gent etwa vom 10 Jahrhundert an. Weiterhin habe ich eine geführte Bootsfahrt auf den Flüssen und Kanälen von Gent gemacht – sehr empfehlenswert.

Schloss Gravensteen

 

Belfry Clock Tower

Gent – Nachtaufnahme

Land und Leute

Gent (flämisch Gent, französisch Gand) ist eine sehr schöne mittelgroße Stadt mit 262.000 Einwohnern und vielen Sehenswürdigkeiten. Gent ist sehr belebt und kulturell interessant, international geprägt und sehr sauber. Es gibt recht viele Einwanderer aus aller Welt. Das Preisniveau ist ein wenig höher als in Deutschland. Das gilt auch für Wohnraum. Gent liegt im flämischen Teil Belgiens, wo Niederländisch mit flämischem Akzent gesprochen wird. Jedoch sprechen so gut wie alle Belgier in Flamen gut Englisch.

Die Stadt ist unbedingt eine Reise wert, zumal Ausflüge etwa in die ebenfalls sehr schöne Stadt Brügge sowie natürlich nach Brüssel und an die Küste wegen der geringen Entfernungen leicht möglich sind. Es bestand die Möglichkeit in Hotels oder in einem Airbnb zu übernachten. Letzteres habe ich gemacht. Dies ist eine sehr gute Option, zumal einige mit ihren Hotels nicht so zufrieden waren. Sicher ist es etwas Glück wo man dabei „landet“. In meinem Airbnb hatte ich durch weitere Gespräche einen gewissen Einblick in die flämische Lebensweise/Mentalität. Beide unterscheiden sich nicht so sehr von der deutschen, lediglich wirkten die Belgier auf mich insgesamt etwas entspannter. Besonders positiv ist mir die Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft aufgefallen, etwa bei Fragen nach dem Weg.

Resümee

Ich habe neues Wissen über den Klimawandel und Civil Citizen Education erworben. Dabei ist mir klar geworden, wie komplex, langwierig und delikat das Thema ist. Mir wurde bewusst, dass jeder aufgefordert ist, dazu beizutragen, auch etwa innerhalb der Volkshochschulen. Für meinen Unterricht habe ich einige Impulse bekommen und habe das Thema Klimawandel schon einmal im Rahmen eines laufenden Englischkurses anhand des Hurrikans „Lee“ behandelt.

Die Fortbildung hat mich auch zur Selbstreflektion über den Klimawandel angeregt und über das, was man selber beitragen kann. Besonders gut hat mir unsere Arbeitsatmosphäre und die Freundlichkeit unseres Trainers und der Teilnehmenden untereinander gefallen. Der fachliche Austausch mit den Teilnehmenden aus 4 verschiedenen Ländern war ebenfalls sehr interessant. Unterricht aus der Teilnehmendenperspektive zu erleben war ebenfalls eine aufschlussreiche Erfahrung, da mir bewusst wurde, was man selber gut und nicht so gut macht.

Nicht so gut gefallen hat mir, dass meiner Meinung nach unser Trainer die Themen gelegentlich zu langatmig und zu subjektiv behandelt hat, vor allem die ersten 2 Tage.

Außerhalb des Kurses habe ich viele kulturelle Eindrücke „mitgenommen“ und auch einen Einblick in das Leben in Belgien bekommen.

Insgesamt war die Fortbildung eine tolle und sehr wertvolle Erfahrung.

Daher möchte ich eine Erasmus+-Fortbildung allen Interessierten ausdrücklich empfehlen.

Interactive ICT-Based and Web Tools for an effective blended, flipped and cooperative Learning, Brüssel

Von B. S.

Dienstag, 17. Juli – Samstag, 21. Juli 2018

„Interactive ICT-Based and Web Tools for an effective blended, flipped and cooperative Learning“ nennt sich mein Kurs von „Enjoy Italy”. Mit blended learning ist kombiniertes Lernen, digital und analog, gemeint. Im Kurs geht es darum, den Kursteilnehmern digitales Handwerkszeug an die Hand zu geben.

Ich persönlich hatte keine Vorkenntnisse auf diesem Gebiet und wollte unglaublich gern beigebracht bekommen, wie ich den Unterricht mit digitalen Mitteln bereichern kann.

Wie vermutlich jedermann weiß, gibt es im Internet  viele Lehrplattformen, die Lehrern Mittel und Wege geben, die eine oder andere digitale Methode (z. B. ein Quiz erstellen, ein Spiel erstellen, ein Video aufnehmen, es bearbeiten und teilen u.v.m.) anzuwenden oder/und mit den Schülern zu teilen. Man kann per Computer Hausaufgaben korrigieren, mit den Schülern kommunizieren, Fragen beantworten und mehr. Aber die Frage: „Wo ist das und wie genau geht es?“ konnte ich mir allein nicht beantworten, dafür war ich zu verloren in den Weiten des Internet.

Unser Kursleiter fing mit Edmodo an, wohin wir immer wieder zurückkehrten. Edmodo ist eine Grundplattform, wo unser Dozent eine Gruppe erstellte, in die er uns alle einlud. Durch von ihm gesendete Links gelangen wir zu anderen Lehrplattformen, die wir uns eine nach der anderen ansahen und damit Unterrichtssequenzen erstellten.

Das waren:

Edmodo ist die Basisplattfom für den Lehreraustausch und gemeinsame Nutzung von Unterrichtsinhalten
WeSchool Quizze zu Unterrichtsinhalten erstellen und  sie mit den Schülern online lösen
My simple show kleine Erklärvideos erstellen
Lessons Worth Sharing | TED-Ed fertigen Unterrichtsentwurf von TED-Ed nach deinen Wünschen verändern oder einen eigenen machen
padlet digitale Post-it -Wand für dich und deine Gruppe (Klasse)
edpuzzle Puzzles mit Inhalten erstellen und verändern
edshelf etwa eine digitale Lehr-Bibliothek, wo Du Deine Sachen ablegen kannst und die Ideen von Kollegen finden und für den Unterricht nutzen kannst

Es gab noch einige mehr, jedoch begrenzte ich aufgrund des hohen Tempos im Kurs meine Tätigkeit auf die Erforschung dieser, oben genannten Plattformen.

Für eine Person wie mich, die Probleme mit Benutzung von digitalen Mitteln hatte, war es eine sehr große Hilfe. Ich habe Vieles gelernt und nicht nur gelernt, ich weiß jetzt sogar wie es geht und kann es meinen KollegInnen an der vhs zeigen, es wird bestimmt eine tolle Sache.

Vor allem ist etwas mit mir selbst geschehen: ich stehe nicht mehr da, bzw. sitze nicht mehr am Computer und sage: „Ich weiß nicht, wie das geht!“, sondern ich habe eine Souveränität bekommen, die für mich nicht vorstellbar war. Jetzt suche ich und versuche und finde sogar Wege, meine Ziele zu erreichen. Denn ein großes Problem der digitalen Lehrmittel auf solchen Plattformen ist in meinen Augen, dass es so viele auf einmal sind, mit so unglaublich vielen Funktionen, dass man schon im Voraus verzagt. Jetzt bin ich anders. Ich gehe an die Sache heran und ich kann ein Video bearbeiten, einen Quiz erstellen, ein digitales Buch machen und viele andere Dinge noch. Allerdings muss ich dafür noch einiges an Zeit investieren und mein Können vertiefen.

„Enjoy Italy“ bietet viele Kurse an vielen Standorten an, sie alle werden von derselben Person unterrichtet. Wir waren eine Gruppe von 25 Pädagogen aus verschiedensten Stufen und Schulformen.

Aus meiner Sicht gab es  beim Dozenten didaktisch noch Luft nach oben. Dem Unterricht fehlte es mitunter an Struktur: der Dozent fing irgendwo an, erzählte irgendwas, mit wenig Rücksicht darauf, ob wir die entsprechende Plattform schon geöffnet hatten, ob wir es geschafft hatten, uns anzumelden, oder ob wir mit der vorherigen Aufgabe fertig waren. Nachdem er die Inhalte zu dem jeweiligen Thema referiert hatte, war das Thema bereits für ihn beendet. Leider half auch Nachfragen wenig, da er wenig geduldig war und seine Antworten knapp bemessen. Zack, und schon zeigte er etwas Neues und nach 30 Sekunden hieß es: „Machen Sie mal“. Nach weiteren 5 Minuten kam die neue Plattform dran und dies passierte immer wieder auf dieselbe Art und Weise. Während wir noch damit beschäftigt waren, uns in ein Thema einzuarbeiten, war es schon vorbei. Darum war es schon schade, denn man hätte so vieles so viel besser lernen und erforschen können. Die KollegInnen im Kurs waren diesbezüglich sehr enttäuscht.

Ich habe Vieles mitgenommen, aber in Eigenarbeit und dank meiner Kollegen im Kurs. Ich persönlich hatte mir vorgenommen, etwas zu lernen und es war mir auch gleich, wie. Ich fragte die schnellen KollegInnen und verbrachte meine Abende am Computer, bis in die späte Nacht hinein. Jetzt kann ich Einiges.

Ich habe die Art des Dozenten für mich als Grundlage dafür genutzt, wie man Dinge nicht machen sollte. Es ist mir noch einmal sehr bewusst geworden, wie ein Schüler sich fühlen muss, wenn der Lehrer ausschließlich „sein Ding“ macht und nicht auf die Bedürfnisse der Teilnehmenden eingeht. Das halte ich für eine sehr wichtige Erfahrung, auch diesbezüglich war dieser Kurs eine wertvolle Lektion.

Auch war es interessant, im Sinne von „am eigenen Leib erleben“, in einem Land zu sein, wo man die Landessprache nicht spricht und seine Sitten nicht kennt. Es gab kaum Englisch auf Schildern, alles stand in Flämisch oder Französisch geschrieben, beides kann ich nicht. Jetzt verstehe ich meine Teilnehmer in der vhs sehr viel besser. Es war eine sehr wertvolle Erfahrung für mich, auch diesbezüglich. Eine Sache ist es, theoretisch zu wissen – ja, Migranten haben es schwer in unserer Kultur. Eine ganz andere Sache ist, diese Hilflosigkeit am eigenen Leib zu erfahren – wie geht das? Wo kauft man eine Busfahrkarte? Von wo bis wo kann man damit fahren? Wo kann ich etwas essen?  Es ist erstaunlich, wie viele Dinge man plötzlich nicht weiß, wenn man nicht zu Hause ist.

Einiges über Brüssel

Zuallererst fand ich es richtig toll, so schnell in Belgien anzukommen – von Hamburg aus ist es kaum mehr als eine Stunde! In Brussels Airport angekommen kann man direkt mit der Metro oder auch mit einem Fernzug (vergleichbar mit unserem Regionalexpress) direkt in die Stadtmitte fahren. Ich hatte mir die Verbindungen bereits in Deutschland von Google Maps ausgedruckt.

Leider ist es so, dass man am Bahnhof nicht unbedingt einen Mitarbeiter findet, den man fragen kann. Achtung, die vielen Fahrkartenautomaten können auch Deutsch, man muss nur diese Funktion finden.  Es kostet etwa 9 Euro, vom Flughafen Zaventem in die Stadtmitte zu kommen und dauert etwa zwanzig Minuten. Brüssel ist eine teure Stadt. Verglichen mit Deutschland muss man etwa mit 1,5 bis 2 mal so viel Geld fürs Essen und sonstige Dinge einplanen.

Die Stadt und ihre Organisation sind etwas chaotisch, was aber nicht schlimm ist, denn die Brüsseler sind sehr hilfsbereit und erklären oder zeigen den Weg sehr gern. Richtig witzig fand ich es, dass der Taxifahrer, der mich fahren sollte, gar kein Englisch konnte und die Adresse, die ich ihm gab, partout nicht verstand. Aber er brachte mich zur richtigen Straße.

Einmal unterhielt ich mich langsam und mühevoll auf Englisch mit einer Dame, die eben kaum Englisch konnte. Am Ende des Gesprächs stellte sich heraus, dass Deutsch ihre Muttersprache war…

Wer sich nicht selber versorgt, sollte darauf achten, dass die Gaststätten in der Regel eine für uns ungewöhnliche Pause haben – von 14.00 bis 18.00 Uhr.

Wie jedermann weiß, hat Brüssel sehr viel Sehenswertes. Ich hatte schon zu Hause viel über diese Stadt gelesen, aber dort vor Ort merkte ich, wie sprachlos man angesichts solcher Schönheit und solcher Erhabenheit werden kann. Und dass es kein Buch geben kann, das dieses Gefühl wiedergibt. Kirchen, Paläste, Museen –  viele verschiedene Menschen – alle so anders, als bei uns.