Florin Feldmann Mai 2025
Die unten beschriebenen, recht verschiedenen Stationen haben meine BNE-Hospitation bei der Federación Española de Universidades Populares (FEUP), dem spanischen vhs- Dachverband, geprägt.

Die Volkshochschulwelt in Spanien
Der vhs-Bundesverband Federación Española de Universidades Populares (FEUP) hat rund 230 Volkshochschulen als Mitglieder (https://feup.org/web/). Anders als in Zwischenstruktur in Form von Landesverbänden (derer es nur zwei gibt: in Extremadura https://www.aupex.org/ und auf den Kanarischen Inseln https://www.upcanarias.com/) sind die Aufgaben und der Arbeitsalltag des Bundesverbandes gut mit denen von uns als Landesverband SH vergleichbar. Manche sogar sehr offensichtlich: so wie wir eine hervorragende Kooperation mit der Verbraucherzentrale sowie das Treibhausgas-Einspar-Projekt „vhsgoesgreen2“ haben, gibt es dort eine enge Kooperation mit den Energieanbietern, die gemeinsam mit den Volkshochschulen Selbstlernkurse anbieten (https://hemera.feup.org/).

SDG 4: Ich erfahre spannende Parallelen und Unterschiede zu unserer Arbeit. Der Dachverband publiziert regelmäßig: In diesem Herbst (2025) wird es eine Publikation über die vhs-Aktivitäten im Bereich Ökologische Nachhaltigkeit geben, die dann auch kostenlos auf ihrer Homepage zum Download zur Verfügung steht.
SDG 3: Aktuell haben sie einen starken Fokus auf Einsamkeitsprävention und ich bin gespannt am Ende des Jahres zu erfahren, wie ihre Ansätze angenommen wurden. U.a. wird mit Apotheken und Hausärzten zusammengearbeitet, um mit von Einsamkeit betroffenen Menschen in Kontakt zu kommen.
SDG 8: Berufsbezug ist finanzierungsbedingt das Querschnittsthema durch fast alle vhs-Angebote. Hier ist es sehr spannend zu sehen, wie die Angebote denen unserer Volkshochschulen sehr ähnlich sind, und dann aber zusätzlich diesen Bogen schlagen.
Escuela Feminista Estatal der FEUP: Feministische vhs in Trägerschaft des Dachverbandes
2019 wurde in Valencia die feministische Volkshochschule eröffnet (https://efe.feup.org/), die bundesweit tätig ist.
SDG 5: eine gesamte vhs, die sich der Frauenförderung verschrieben hat. Und ihren Schwerpunkt hierbei vor allem (aber nicht nur) im ländlichen Bereich setzt ist ein hochinteressantes Konzept!
Unter anderem führte sie ein EU-gefördertes Projekt durch, in dem es darum ging, die klassischen Haushaltskompetenzen von Frauen und vor allem Müttern sichtbar zu machen und so auf den Beruf zu übertragen. Wie auch die generellen vhs-Veranstaltungen sind die der EFE ebenfalls mit einem starken Berufsbezug, der gerade im ländlichen Raum oft auch auf Gründung und Selbstständigkeit ausgerichtet ist.
Meeresschutzausstellung Eco del Oceano: Ozeanausstellung fernab von Küstengebieten
Nach dem offiziellen Programm besuche ich noch das Ausstellungshaus einer anderen großen Stiftung, die keinen allgemeinen BNE-Anspruch verfolgt, aber aktuell eine Ozeanausstellung zeigt: https://espacio.fundaciontelefonica.com/evento/ecos-del-oceano/.
Mir fällt erst hier auf, dass ich bisher nur in Meeresausstellungen war, die sich in Küstennähe befinden. Da Madrid genau im Zentrum von Spanien liegt, ist die Küste in alle Richtungen maximal entfernt. Vielleicht wurde auch deshalb ein so sehr atmosphärischer Zugang gewählt.
SDG 14 und SDG 4: Die Ausstellung beginnt mit einer Klangmeditation und hat somit eine rein sinnliche Eröffnung des Themas. Erst langsam werden im Laufe der Ausstellungsräume Informationen eingestreut, bis es zum Abschluss eine sehr hohe Informationsdichte gibt. Also ein sehr BNE-gerechtes Lernen mit allen Sinnen. Eine gute Anregung für Volkshochschulen, auch mal mutig auszuprobieren, die Wissensvermittlung beim Themeneinstieg aus dem Vordergrund zu nehmen, um anderen Zugang zu schaffen.

La Casa Encendida
Etablierter Dritter Ort: Lernräume, Veranstaltungsräume, Bibliothek, Ausstellungen, Aufenthaltsbereiche, Urban Gardening (https://www.lacasaencendida.es/en).
„Wir demokratisieren die Kultur“, hieß es in der Führung hinter die Kulissen, an der ich teilnehmen durfte. Gemeint ist, dass sie Kultur für alle zugängig und für alle gestaltbar machen. Was auch angesichts der geographischen Lage in der Stadt spannend ist: Dieses Haus liegt genau zwischen einem Museum mit Weltruf (Museo Reina Sofia, in dem u.a. riesige Werke von Picasso zuhause sind) und einem eher armen, migrantisch geprägten Stadtteil (Lavapies), in dem es aktive Stadtteilarbeit betreibt. Spannend waren sowohl das Konzept des Hauses, das extrem gut angenommen wird, als auch einzelne Elemente und Ausstellungen.
Ganz im Sinne von BNE verbindet das Konzept die Dimensionen Gesellschaft, Kultur, Bildung und Umwelt. Mindestens zwei dieser Säulen müssen bei jedem Angebot abgedeckt sein, in der Gesamtsumme müssen alle ausgewogen erkennbar sein.

Gedanken
SDG 4 und SDG 11: Eigentlich führt für Volkshochschulen an dem Konzept der Dritten Orte kein Weg vorbei.
SDG 13 und SDG 15: Könnten Volkshochschulen die Verbindung von Urban Gardening Aktivitäten in SH sein und dadurch die SDGs „Leben an Land“ und „Gesundheit“ noch sichtbarer machen?
SDG 10: Zum einen bekam ich neue, konkrete Anregungen, wie Inklusion an Volkshochschulen realisierbar wäre – wenn denn die Finanzierung einfacher wäre. Zum anderen gab es eine interessante Anregung zur Erreichung und Verbindung von Zielgruppen: Hier werden zum Teil gezielt zwei Zielgruppen in einer Veranstaltung zusammengebracht. Dies mal auszuprobieren und mit dieser Mischung zu arbeiten könnte ein spannender Ansatz sein.

El Maradero
Der ehemalige Schlachthof mit einem Gebäudeensemble von 1924 ist ein riesiges Kulturzentrum mit 3.Ort-Elementen, das laufend weiterentwickelt wird. „Ein offener Kulturort zum Erkunden, Sich-Treffen und Teil-sein“, wie es in der Selbstbeschreibung heißt: https://www.mataderomadrid.org/.
Gedanken
SDG 4, SDG 12, SDG 15 werden hier in das Angebot eines Ortes eingewebt, der in erster Linie Kulturinteressierte anspricht. Auf diese Weise wird auch eine untypischere Zielgruppe für Themen der Ökologischen Nachhaltigkeit erreicht.
Durch die permanente Weiterentwicklung des Ortes wird dieser auch von Personen, die schon oft da waren, als immer wieder neu-interessant erlebt.


