von A. Marin
Vom 20.10. bis 26.10.2025 habe ich in Florenz an der oben genannten englischsprachigen Erasmus+-Fortbildung des Landesverbandes der VHS Schleswig-Holstein teilgenommen. Den Lehrgang hat die „Europass Teacher Academy“ mit Hauptsitz in Florenz durchgeführt.
Ich bin mit der Bahn über München an- und abgereist. Dies hat trotz der bahnüblichen Verspätungen gut geklappt. Eine Bahnanreise ist natürlich aus Umweltgründen zu empfehlen. Sie dauert allerdings ziemlich lange und zieht sich über 2 Tage. Ich fand es jedoch sehr interessant, mit der Bahn unter anderem die Alpen zu durchqueren und die norditalienische Landschaft und die Toskana aus dieser Perspektive kennenzulernen.

Das Wetter war während meiner Fortbildung morgens und abends recht frisch, tagsüber konnte man jedoch meist draußen sitzen. Leider gab es auch 3 Regentage.
Die Teacher Academy liegt direkt in der wunderschönen Innenstadt von Florenz in einem beeindruckenden Gebäude im florentinischen Stil. Die Unterrichtsräume sind meist groß und sehr modern ausgestattet. Nicht so glücklich fand ich, dass wir Teilnehmende in Reihen hintereinander saßen.


Montag, 20. Oktober
Heute um 9:00 Uhr ging es los. Beim Betreten des Gebäudes ist mir sehr positiv aufgefallen, dass wir von unserer Trainerin und den Angestellten ganz besonders freundlich empfangen wurden. Der erste Eindruck ist eben sehr wichtig.
Zunächst stellte sich unsere italienische Trainerin Ester Maria vor: Sie kommt aus Turin, hat Erziehungswissenschaften studiert und an Grundschulen in englischer und italienischer Sprache gearbeitet. Weiterhin hat sie sich auf den Einsatz digitaler Medien spezialisiert.
Wir sind elf Teilnehmende, wobei der Altersdurchschnitt eher höher lag: vier Kroatinnen, eine Lettin, eine Schwedin, eine Französin, eine Bulgarin, eine Deutsche, ein Italiener und ich. Anschließend haben wir uns alle kurz vorgestellt, insbesondere unsere Tätigkeiten: Lediglich 2 Kroatinnen unterrichten an Grundschulen, alle anderen sind in der Erwachsenenbildung oder an Gymnasien tätig und unterrichten dort meist Englisch. Ich fand gut, dass die Mehrheit ältere Schüler bzw. Erwachsene – wie ich – unterrichten, da wir so unsere Erfahrungen austauschen und vergleichen konnten. Wir haben alle unseren eigenen Laptop mitgebracht. Einige hatten schon Künstliche Intelligenz kennengelernt und verwendet. Für mich war dies ein neues Gebiet.
Danach sollte jeder seinen Namen vertikal auf einen Zettel schreiben und für jeden Buchstaben eine auf sich zutreffende Eigenschaft in der Erstsprache notieren. Anschließend wurden diese Zettel verteilt und jeder sollte seinen Zettel wiederfinden. Dadurch kamen wir ins Gespräch und wir sollten anschließend über die fotografische Übersetzungsfunktion von Google, die ich nicht kannte, die Eigenschaften übersetzen lassen. So sprachen wir mit mehreren Personen. Diese Kennenlernübung fand ich sehr gelungen.
Danach ging es um die Begriffe Intelligenz und künstlich: künstlich, weil es z.B. kein selbstständiges Denken ist, sondern Gedanken nur stimuliert werden. Wir definierten den Begriff Algorithmus: Computer analysieren große Datenmengen, lernen daraus, und entwickeln so Muster und lösen Probleme. Künstliche Intelligenz liefert dann ein Ergebnis aufgrund ähnlicher Konstellationen.
Beispiele: Spamfilter und Sprach-/Texterkennung.
Wir sprachen über Chat GPT: „Generated Pre-trained Transformer“ und diskutierten unsere Erfahrungen.
Dann haben wir einen abstrakten Begriff gezeichnet und diese Zeichnung mit Hilfe des Programms „Animate your Drawing“ in Figuren verwandelt. Dann sollten wir diese Figur erklären. Für Fortgeschrittene eine gute Übung.

Dienstag, 21. Oktober
Erste Aufgabe war heute, mit ChatGPT ein Bild zu generieren. Dabei ging es um den Begriff „prompt“, nämlich die Instruktionen, z.B. was auf dem Bild sein soll und was nicht, z.B. Person, Tier oder Objekt, den Zweck, relevante Details, Ton und Stil. Wir haben so mit den „prompts“ ein Bild einer Lehrerin in einem modernen Klassenraum erstellt.
Ich kann mir vorstellen, dies mal auszuprobieren. Dies setzt natürlich voraus, dass Teilnehmende dafür Smartphone oder Laptop nutzen möchten.

Als nächstes sollten wir mit ChatGPT anhand von prompts einen Unterrichtsplan generieren und diesen danach in einen Chart verwandeln, Lehrernotizen hinzufügen und in ein Word-Dokument einfügen. Anschließend machen wir dasselbe mit Gemini, einer weiteren KI-Anwendung.
Gemini ist eher besser für Bilder und ChatGPT besser für Texte.
Wir haben mit Gemini eine sogenannte Deep Research über den Dom von Florenz gemacht. Ich fand erstaunlich, wie detailliert das Ergebnis, nämlich der Text, war.
Dann haben wir mit Chat GPT anhand von prompts eine Geschichte geschrieben: wo und wann sie stattfand, welche Personen usw… Danach haben wir diese mehrfach abgewandelt, z.B. haben wir das Sprachniveau verändert. (z.B. von B2 zu A2). Ich fand erstaunlich, wie gut das Ergebnis war und einen interessanten Ansatz, den man ausprobieren kann.
Zum Schluss gab es heute eine Diskussion über Pros und Cons von künstlicher Intelligenz im Unterricht.
Pros z.B.:
motivierend, neu, sofortiges Feedback, spielerischer Ansatz
Cons z.B.:
Gefahr von Hackern, Datenschutz, Anfälligkeit für Fehler, und zwar auch solche, die man schwer erkennt, einige technische Voraussetzungen nötig.
Mittwoch, 22. Oktober
Zunächst gab es heute eine Konversationsübung: gegenseitig Fragen stellen, die auf Kärtchen standen.
Dann erklärte unserer Trainerin, wie man einen QR-Code generiert, was wir kurz übten.
Danach ging es um Chatbots. Wir entwarfen zunächst eine Definition: „Programm, das mit Menschen mittels künstlicher Intelligenz kommunizieren kann“.
Wir lernten den Chatbot Mizou.com praktisch kennen. Dort kann man mit Lernenden online in Kontakt treten, kommunizieren, Aufgaben stellen und Antworten entgegennehmen. Das ist sicher eine gute Sache, aber ich frage mich, ob man das an Volkshochschulen einsetzen kann: Heterogenität und Motivation der Teilnehmenden, zusätzlicher Aufwand und unterschiedliche technische Voraussetzungen.
Anschließend lernten wir das Programm NotebookLM kennen: Eine PDF-Datei mit einem Text sollte hochgeladen werden und wir haben davon eine Audioversion, eine Mindmap und Karteikarten erstellt.
Letztes Thema heute: Wie kann man auf Bildern und in Texten künstliche Intelligenz erkennen? Anhand eines Quizzes stellten wir fest, dass die Unterscheidung sehr schwer ist.
Übrigens fällt mir auch auf, dass unsere Kursleiterin alle Teilnehmenden sehr gut einbezieht und den Lernstoff gut visualisiert. Ich denke, das ist allgemein sehr wichtig und bestätigt mich auch.
Donnerstag, 23. Oktober
Zunächst gab es heute erneut eine Konversationsübung: nach Körpergröße, Augenfarbe, Schuhgröße usw. in Reihe aufstellen und dies diskutieren. Gute Übung, die man machen kann.
Dann haben wir diskutiert, ob künstliche Intelligenz ein „Mitdesigner“ sein kann, wenn man z.B. eine Präsentation entwirft. Dazu haben wir das KI-Programm „Gamma“ kennengelernt. Wir nutzten dabei prompts wie Umriss, Bilder, Karten und ein YouTube-Video einfügen. Wir haben gelernt, dass man so tatsächlich eine Präsentation erstellen kann.
Nächstes Thema war, mit dem KI-Programm Suno Lieder zu entwerfen. Ich fand erstaunlich, dass dieses Programm selbstständig anhand von prompts gute Lieder schaffen kann. Wir haben jeder ein Lied über unsere Heimatstädte geschaffen und ich fand erstaunlich wie gut die prompts in das Lied eingebaut wurden. Das kann man probieren mit interessierten Teilnehmenden.

Dann haben wir Gamma in Dreiergruppen praktisch angewandt: Unsere Gruppe hatte das Thema „florentinischer mittelalterlicher Fußball“. Wir haben dazu Texte aus dem Internet kopiert und in eine PDF-Datei importiert. Gamma hat dann eine einheitliche gute Version erstellt. Das Ergebnis fand ich erstaunlich gut.
Freitag, 24. Oktober
Heute war erste Aufgabe aus kleinen Gegenständen/buntem Papier etwas zu formen, das unsere Stimmung hinsichtlich des Kurses in dieser Woche widerspiegelt. Dies dauerte ziemlich lang und wir haben die Figuren in das KI-Programm Canvas Magic Studio eingefügt und von ihm interpretieren lassen.
Danach haben wir das Programm „Magic School“ kennengelernt.
Jeder hat damit ein Lied zum Thema Past Simple/Present Perfect geschaffen. Es war beeindruckend, wie gelungen und unterhaltsam das Lied war.
Als Nächstes haben wir mit „Magic School“ eine Textzusammenfassung einer ausführlichen PDF-Datei über den Dom von Florenz erstellt. Danach haben wir mit Magic School Fragen und ein Quiz entwerfen lassen.
Anschließend stellte unsere Trainerin das Programm Diffit vor, mit dem wir ebenso eine PDF-Datei bearbeitet haben und ein Multiple-Choice-Quiz erstellt haben.
Zum Schluss gab es eine Feedback- Runde: Wir waren alle sehr zufrieden, uns aber auch einig, dass die KI-Programme Übung benötigen. Es gab dann ein gemeinsames Foto und die Zertifikate.
Im unmittelbaren Anschluss an den Kurs fand um 14:30 eine Halbtags-Exkursion nach Chianti statt. Wir fuhren mit dem Bus durch die sehr schöne Toskana und besuchten zwei Weingüter. Natürlich gab es auch Weinproben der bekannten Chiantiweine. Hierbei hatten wir auch nochmal Gelegenheiten zu Gesprächen über die Fortbildung, die Arbeit und unsere Eindrücke von Florenz.


Samstag, 25.Oktober
Am Samstag war kein weiterer Ausflug angesetzt. Ich habe daher auf eigene Faust zunächst den großen, überwältigenden Dom von Florenz von außen besichtigt sowie den vorgelagerten imposanten Platz. Anschließend habe ich an einer ausführlichen Live-Führung im Dom in Englisch teilgenommen. Eine solche ist unbedingt zu empfehlen, da man Hintergrundinformationen erhält. Dies hat mich alles sehr beeindruckt.
Land und Leute
Florenz, die Hauptstadt der Toskana ist eine tolle Stadt. Sie gilt als Geburtsort der Renaissance, hat etwa 360.000 Einwohner und ist bekannt für Kunst, Architektur und Kultur. Es gibt daher viele grandiose Sehenswürdigkeiten, die jedes Jahr Millionen von Touristen anziehen. Obwohl ich dort in der Nebensaison war, musste man bei vielen Sehenswürdigkeiten lange anstehen, z.B. am Eingang zum Dom.
Auffällig fand ich, dass es an den Haltestellen der Busse/Straßenbahnen keine Überdachung (Regen) bzw. Sitzplätze gibt. Wie mir ItalienerInnen sagten, soll so vor allem das historische Stadtbild nicht beeinträchtigt werden. Das Preisniveau schien mir ähnlich wie in Deutschland. Das gilt auch für Wohnraum. Sehr positiv ist mir die Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft der ItalienerInnen aufgefallen, etwa bei Fragen nach dem Weg. Ich habe bemerkt, dass sie – zu Recht – auch stolz auf ihre Stadt sind.


Resümee
Ich habe einen sehr guten Einblick in das für mich neue Gebiet der Künstlichen Intelligenz bekommen, praktisches Wissen für den Unterricht erworben und viele Impulse bekommen.
Auch habe ich gemerkt, wie umfangreich und komplex Künstliche Intelligenz ist.
Ganz besonders gut hat mir die große fachliche Kompetenz und Freundlichkeit unserer Trainerin gefallen. Auch unsere Arbeitsatmosphäre und der nette Umgang untereinander hat mir sehr gut gefallen. Der fachliche Austausch zum Thema mit den Teilnehmenden aus vielen verschiedenen Ländern war für mich sehr interessant. Unterricht aus der Teilnehmendenperspektive war ebenfalls erneut eine aufschlussreiche Erfahrung, da mir bewusst wurde, was man selber gut und nicht so gut macht.
Lediglich einige Aufgaben zogen sich nach meinem Geschmack manchmal etwas zu lange hin.
Außerhalb des Kurses habe ich viele kulturelle Eindrücke von dieser schönen Stadt bekommen und auch einen Einblick in das Leben in Florenz und Italien gewonnen.
Insgesamt war die Fortbildung eine tolle und sehr wertvolle Erfahrung. Daher möchte ich eine Erasmus+-Fortbildung allen Interessierten ausdrücklich empfehlen.

