Tag 1 – Ankommen in Helsinki
Der Tag beginnt auf Finnisch: „Hyvää päivää!“ …Was für eine Sprache! Und natürlich mit einem Kaffee. Helsinki macht es Kaffeeliebhabern leicht – guter Kaffee scheint hier wirklich überall zu finden zu sein.
Nach einem Spaziergang entlang des Wassers erreiche ich unsere Schule für die Woche. Dort erwartet uns gleich die erste finnische Besonderheit: „Schuhe ausziehen bitte!“. In der Schule laufen alle in Socken herum. Eine interessante und ziemlich entspannte Art, den Unterrichtstag zu beginnen. Unser Kursraum heißt „Sisu“ – ein finnischer Begriff, der für Ausdauer, Stärke und Durchhaltevermögen steht: das ist mein neues Lieblingswort bekommen. Ein passender Name für einen Kurs, in dem wir uns intensiv mit einem Thema beschäftigen werden, das ständig neue Fragen aufwirft: AI!


KI im Unterricht – mehr als nur ein Tool
Nach einer Einführung in die Schule und in die finnische Bildungslandschaft geht es direkt um KI und ihre Bedeutung für Bildung.
Besonders interessant ist der Austausch mit den internationalen Kolleginnen und Kollegen. Wir kommen aus unterschiedlichen Ländern und Bildungssystemen und stellen schnell fest: Die Herausforderungen sind ähnlich, aber die Lösungen teilweise sehr unterschiedlich.
Für mich wird immer deutlicher, dass KI nicht einfach eine technische Neuerung ist. Die entscheidende Frage lautet: Was verändert sich dadurch für unsere Art zu unterrichten?
Das kulinarische Highlight des Tages ist der Besuch im Mumin-Café. Während andere sich vielleicht mehr für die Architektur oder die Geschichte Helsinkis interessieren, ist die Waffel eindeutig ein Erlebnis für sich.

Tag 2 – Prompting – gute Ergebnisse beginnen mit guten Fragen
Ein großer Schwerpunkt des Kurses ist für mich das Prompting. Wir testen verschiedene Möglichkeiten, wie man KI gezielt anweisen kann, um bessere und passendere Ergebnisse zu erhalten.
Dabei probieren wir zahlreiche Tools aus: Curipod, Twee, Diffit, Napkin, SimpleShow und Ideogram. Einige helfen bei Unterrichtsplanung und Übungen, andere bei der Visualisierung oder bei der Erstellung von Videos und Bildern.
Besonders spannend finde ich, dass die Qualität des Ergebnisses stark davon abhängt, wie wir mit der KI kommunizieren. Ein guter Prompt braucht Kontext, ein klares Ziel und möglichst genaue Vorgaben.
Wir probieren aus, vergleichen Ergebnisse und diskutieren auch kritisch:
Wann spart KI tatsächlich Zeit – und wann produziert sie einfach zusätzlichen Korrekturaufwand?
Natürlich besteht Helsinki nicht nur aus Unterricht. Wir bekommen eine Einführung in die finnische Kultur und lernen Begriffe wie Sisu, Mökki, Marimekko, Salmiakki und Aurora Borealis kennen.
Das berühmte Salmiakki wird selbstverständlich getestet. Mein persönliches Urteil: definitiv gewöhnungsbedürftig und nicht my cup of tea!!



Tag 3 – Assessment
Besonders interessant wird es für mich beim Thema Assessment.
Wir diskutieren darüber, wie sich Leistungsbewertung verändert, wenn Lernende jederzeit auf KI zurückgreifen können. Die einfache Lösung wäre, KI zu verbieten. Aber ist das wirklich sinnvoll?
Wir beschäftigen uns deshalb mit der AI Assessment Scale (AIAS). Sie bietet verschiedene Stufen des KI-Einsatzes – von Aufgaben ohne KI-Unterstützung bis hin zu Aufgaben, bei denen KI bewusst und transparent eingesetzt wird.
Anstatt KI nur als Problem zu sehen, beginnen wir, die Frage anders zu stellen:
Wie müssen wir Aufgaben und Prüfungen verändern, damit Lernen auch mit KI sinnvoll möglich ist?
Diese Perspektive finde ich besonders interessant. Vielleicht müssen wir weniger darüber nachdenken, wie wir KI verhindern können, und stärker darüber, was Lernende durch eine Aufgabe tatsächlich lernen sollen.
Alte Aufgaben, neue Perspektive
Mit der AIAS überprüfen wir anschließend Aufgaben, die wir bereits früher erstellt haben. In Gruppen analysieren wir sie und überlegen, welche Rolle KI bei diesen Aufgaben spielen könnte.
Dabei entstehen interessante Diskussionen: Welche Aufgaben funktionieren noch genauso wie früher? Welche müssen verändert werden? Wo kann KI unterstützen und wo würde sie den eigentlichen Lernprozess ersetzen?
Die Gruppenarbeit zeigt mir, dass Assessment in Zukunft wahrscheinlich stärker auf Prozess, Reflexion, Kreativität und individuelle Entscheidungen ausgerichtet sein muss.
Suomenlinna – Geschichte trifft Natur
Zum Ausgleich zur digitalen Welt besuchen wir Suomenlinna. Die historische Festungsinsel beeindruckt mit ihren Mauern, Tunneln und der Landschaft am Meer.
Zwischen Geschichte und Natur bleibt natürlich auch Zeit für einige Fotos – und für die zahlreichen Gänse, die die Insel offensichtlich genauso gerne besuchen wie wir.



Tag 4- Oodi
Ein Besuch in der Helsinkier Zentralbibliothek Oodi zeigt uns eine andere Seite des digitalen Lernens. Oodi ist nicht einfach ein Ort, an dem Bücher stehen. Es gibt Räume zum Arbeiten, kreative Werkstätten, digitale Technologien und Möglichkeiten, eigene Projekte umzusetzen.
Für mich passt das sehr gut zu unserem Kursthema: Technologie wird dann interessant, wenn sie Menschen ermöglicht, selbst etwas zu gestalten.



Technologie im Alltag
Auf unserem Weg durch Helsinki begegnet uns immer wieder moderne Technologie – manchmal sogar auf vier Rädern. Dieser kleine autonome Lieferroboter von Wolt ist unterwegs, um Bestellungen selbstständig zu den Kundinnen und Kunden zu bringen. Für mich ist das ein schönes Beispiel dafür, wie künstliche Intelligenz und Automatisierung längst Teil unseres Alltags geworden sind. Während wir im Kurs darüber diskutieren, wie KI das Lernen und Arbeiten verändert, begegnen wir draußen ganz praktisch den Ergebnissen dieser technologischen Entwicklung.
Helsinki zeigt damit einmal mehr: Die Zukunft der Technologie findet nicht nur im Klassenzimmer statt – sie fährt manchmal einfach an uns vorbei.

Tag 5- Student contract for A1 generated content
Ein weiterer Arbeitsauftrag besteht darin, einen „Student Contract for AI-generated Content“ zu entwickeln.
Wir beschäftigen uns mit europäischen Empfehlungen und überlegen, welche Regeln für unsere eigene Bildungseinrichtung sinnvoll wären. Dabei geht es nicht nur um Verbote, sondern vor allem um Transparenz und Verantwortung.
Wann muss ein Lernender angeben, dass KI verwendet wurde? Was darf KI übernehmen? Was muss selbst geleistet werden?
Eine klare Vereinbarung könnte hier für alle Beteiligten mehr Sicherheit schaffen.
KI mit Plan statt KI als Zufall
Wir lernen außerdem eine Strategie kennen, wie KI langfristig in einer Bildungseinrichtung eingeführt werden kann.
Dabei geht es um vier Schritte: eine gemeinsame Grundlage schaffen, Mitarbeitende weiterbilden, Lernende und die Gemeinschaft einbeziehen sowie den Einsatz regelmäßig evaluieren.
Für mich ist besonders der letzte Punkt wichtig. KI entwickelt sich so schnell, dass eine einmal erstellte Regelung wahrscheinlich nicht für immer funktionieren wird.
KI-Einsatz muss deshalb ein Prozess bleiben: ausprobieren, bewerten, verbessern und wieder ausprobieren.

Fazit – mit neuen Fragen nach Hause
Die Woche in Helsinki hat mir vor allem gezeigt, dass die entscheidende Frage nicht lautet, ob wir KI im Unterricht einsetzen, sondern wie.
Ich nehme viele konkrete Ideen zum Prompting, zur Erstellung von Unterrichtsmaterialien und vor allem zum AI-Assessment mit. Gleichzeitig nehme ich auch einige neue Fragen mit nach Hause. Und vielleicht ist genau das ein gutes Ergebnis eines Erasmus-Kurses: nicht mit allen Antworten zurückzukommen, sondern mit besseren Fragen.


