Teacher Academy Rom, 28.07. – 02.08.2025
von B. Kirsch
Gemeinsam in einer Gruppe von 12 Teilnehmenden (10 weiblich/ 2 männlich) aus verschiedenen europäischen Ländern (3 aus Lettland, 3 aus Spanien, 1 aus Polen, 1 aus Griechenland, 1 aus Kroatien, 1 aus Ungarn, 1 aus Finnland und 1 aus Deutschland) erkundeten wir in einem 5-tägigen Kurs die Möglichkeiten zu obigem Thema. Angeleitet durch intensiven Input, sowie zur praktischen Erprobungen aller vorgestellten Methoden wurden wir von Frau Marianna Paniagoutoudi. Sie stammt aus Griechenland und lebt in Italien. Der Kurs fand durchgehend auf Englisch statt.
Das Klima und die Kommunikation in der Gruppe war von Anfang an entspannt und freundlich. Die überwiegende Zahl der Kursteilnehmenden unterrichtet in den jeweiligen Heimatländern Kunst in Schulen, an der Universität, im Museum und/ oder bei öffentlichen Trägern wie der Volkshochschule.

Marianna, unsere Dozentin, unterrichtet auch an der Kunsthochschule in Rom. Sie ist sehr kompetent und konnte mit natürlicher Freundlichkeit sowohl vermitteln, als auch auf Bedürfnisse der Teilnehmenden eingehen und trug damit maßgeblich zu einer guten Stimmung innerhalb der Gruppe bei.
Obwohl aus ganz unterschiedlichen europäischen Ländern mit unterschiedlichen Kulturen und Anforderungen, war die Zusammenarbeit in der Gruppe harmonisch und auf Augenhöhe, auch im Hinblick auf Werte und Nachhaltigkeit und einer offenen Auffassung gegenüber Neuem und Anderem. Insbesondere Letzteres ist für die Auseinandersetzung mit dem Fokus des Kurses sehr wichtig.
Der Kurs „Kunst als Therapie, Selbstausdruck und besondere Bedürfnisse einzelner Zielgruppen im Kunstunterricht“ beschäftigte sich damit, wie Kunst genutzt werden kann, um Menschen zu unterstützen, ihre Gefühle und Gedanken auszudrücken, insbesondere wenn sie sich verhaltensauffällig zeigen, um sie nach Möglichkeit in den Unterricht zu integrieren.
Im Mittelpunkt stand die Idee, dass Kunst eine therapeutische Wirkung haben kann, indem sie Menschen hilft, sich selbst besser kennenzulernen, emotionale Belastungen zu verarbeiten oder soziale Kompetenzen zu stärken. Der Kurs zeigte, wie man Kunst im Unterricht gezielt einsetzen kann, um auf die individuellen Bedürfnisse verschiedener Zielgruppen einzugehen, zum Beispiel Kinder mit besonderen Förderbedürfnissen, Menschen mit Behinderungen oder psychisch belastete Personen. Exemplarisch bezogen wir uns hier auf Kursteilnehmende mit ADHS, Autismus oder Depression.
Dabei wurden Methoden und Ansätze vermittelt, wie man kreative Prozesse so gestaltet, dass sie unterstützend wirken, ohne den künstlerischen Ausdruck einzuschränken. Es geht also um die Verbindung von Kunst, Therapie und pädagogischer Arbeit, um Menschen in ihrer persönlichen Entwicklung zu fördern und ihnen einen Raum für Selbstentfaltung zu bieten.
Wichtig war hier die Abgrenzung:
Kunst als Therapie bezieht sich auf die Nutzung von kreativen Aktivitäten, wie Malen, Zeichnen oder Basteln, um das Wohlbefinden zu fördern, Stress abzubauen oder einfach Freude zu erleben. Dabei steht die persönliche Erfahrung und der Spaß am kreativen Schaffen im Vordergrund. Es ist oft informell und kann selbstständig oder in Gruppen erfolgen, ohne dass ein speziell ausgebildeter Therapeut beteiligt ist. Kunsttherapie hingegen ist eine professionelle therapeutische Methode, bei der speziell ausgebildete Kunsttherapeutinnen und -therapeuten kreative Prozesse gezielt einsetzen, um psychische, emotionale oder soziale Probleme zu behandeln. Hierbei wird die Kunst aktiv in den therapeutischen Prozess eingebunden, um unbewusste Gefühle, Konflikte oder Verhaltensmuster sichtbar zu machen und zu bearbeiten. Die Kunsttherapie folgt einem therapeutischen Konzept und wird meist in einem geschützten Rahmen durchgeführt. Während Kunst als Therapie eher eine selbstständige, informelle Nutzung von Kreativität zur Förderung des Wohlbefindens ist, ist Kunsttherapie eine professionelle, gezielte Behandlungsmethode, bei der Kunst als Werkzeug in einem therapeutischen Kontext eingesetzt wird. In unserem Kurs ging es um die Einsatzmöglichkeiten im Bereich Kunst als Therapie.
Hierzu einige Beispiele:
Kunsttherapeutische Tools im Unterricht können sehr vielfältige Zielgruppen unterstützen. Neben verhaltensauffälligen Kindern und Jugendlichen in inklusiven Settings profitieren auch Erwachsene erheblich von diesen Methoden, besonders wenn sie Symptome von ADHS, Autismus oder Depression aufweisen.
Diese Methoden bieten einen niederschwelligen Zugang zur Selbsterfahrung und Selbstregulation, indem sie helfen, die oft komplexen und emotional belastenden Themen kreativ auszudrücken.
- Bei ADHS kann beispielsweise das bewusste, achtsame Zeichnen („Mindful Dooddling“) den Kindern helfen, sich zu fokussieren und zur Ruhe zu kommen.
- Menschen mit Autismus können von strukturierten, repetitiven Aktivitäten wie der Gestaltung von Mandalas und Zendoodles profitieren, die ihnen ein Gefühl von Sicherheit und Ordnung vermitteln.
- Bei Depressionen ermöglicht das Arbeiten an Themen wie dem „Garten des Selbst“ den Betroffenen, ihre inneren Ressourcen und verborgenen Kompetenzen zu erkennen und zu aktivieren:

Diese kunsttherapeutischen Ansätze bieten einen individuell angepassten Zugang, der nicht nur die ästhetische und kreative Auseinandersetzung fördert, sondern auch den emotionalen und sozialen Austausch unterstützt. So trägt der Einsatz dieser Tools im Unterricht dazu bei, einen Raum zu schaffen, in dem sich alle Beteiligten – ob Kinder, Jugendliche oder Erwachsene – auf ihre eigene Art und Weise mit sich selbst und anderen verbinden können.
Eine weitere Wahrnehmungsübung, um die Verbindung zu sich selbst zu fördern, stellte die Erstellung eines privaten ‚SINN‘ – Tagebuchs dar, das sich sowohl täglich der Sinneswahrnehmung ( z.B. Gerüche, visuelle Eindrücke, Geschmack, etc.) als auch dem Sinn einer Aktion ( z.B. Unterricht und dessen Ziel) widmen sollte.
Eine zusätzliche Möglichkeit ergibt sich durch spielerische Paarübungen in Bewegung, bei denen man sich aufeinander einstellt und so einen Bezug zu sich selbst und durch Empathie einen Bezug zum Gegenüber herstellt:

Zur Abrundung unternahmen wir nach Kursende am letzten Tag (neben dem Besuch vom Museum Barberini am Tag zuvor) eine dreistündige Wanderung durch den historischen Stadtteil Trastevere mit einer engagierten Führerin, die uns informativ das jüdische Viertel, sowie Kirchen wie St. Cecilia näherbrachte, unter deren Architektur Gewölbe mit alten Wohnsiedlungen zu sehen waren. Diese repräsentierten die damalige, antike, später zugeschüttete Wohnlage. Eine typische Situation für Rom, welche zur Folge hat, dass sich immer wieder neue Ausgrabungsorte ergeben.

In diesem Kurs hatte ich die Möglichkeit, die Bedeutung von Kunst als Werkzeug zum therapeutischen Einsatz auf dem Weg zum Selbstausdruck kennenzulernen, bzw. auszubauen. Besonders wertvoll war für mich die Erfahrung, auf individuelle Bedürfnisse im Kunstunterricht eingehen zu können und dadurch meine kreativen Fähigkeiten sowie mein Selbstverständnis im Umgang mit auffälligen Zielgruppen weiterentwickeln zu können. Der (Erfahrungs-) Austausch mit Kolleginnen und Kollegen aus verschiedenen europäischen Ländern ist eine sehr wertvolle und verbindende Erfahrung – hier gab es viele Berührungspunkte, Vernetzung ist ein nachhaltiger Effekt. Ich bin gespannt auf die praktische Umsetzung des neu erworbenen Wissens hier vor Ort.


