von Hannah Sauer, 20.–26.04.2026
Vom 20. bis 26. April 2026 hatte ich die Gelegenheit, im Rahmen des Erasmus+-Programms an einer einwöchigen Fortbildung zum Thema Künstliche Intelligenz im Bildungsbereich auf Malta teilzunehmen. Der Kurs wurde von der Teacher Academy Malta in der Altstadt von Valetta durchgeführt.

Meine Anreise aus Deutschland mit dem Flugzeug verlief reibungslos und bereits beim Ankommen spürte ich die mediterrane Atmosphäre der Insel, Sonnenschein und Meeresluft, aber auch ein sehr hohes Verkehrsaufkommen.
Montag, 20.04.2026: Ankommen und Kennenlernen
Der Kurs begann um 9:00 Uhr im über 400 Jahre alten Gebäude der Teacher Academy in der Altstadt von Valetta mit einer herzlichen Begrüßung durch den Akademieleiter und Kursdozenten Nikolaus Conrad.
In der Vorstellungsrunde lernten wir uns als bunt gemischte Gruppe kennen. Lehrkräfte und Schulleiter aus Spanien, Bulgarien, Portugal, den Niederlanden und Griechenland: Eine echte europäische Mischung, die den Austausch von Anfang an bereicherte.
Nach einer Ice-Breaker-Aktivität, bei der wir unterreinander ins Gespräch kamen, gab uns Herr Conrad einen Überblick über den Wochenplan und die geplanten kulturellen Aktivitäten. Dann ging es direkt ins Thema:
- Was ist Künstliche Intelligenz?
- Geschichte und Entwicklung der KI
- Verschiedene Modelle und Programme
- Chancen und Gefahren beim Einsatz von KI
- Die eigene Verantwortung im Umgang mit KI-Tools
Besonders eindrücklich fand ich, wie Herr Conrad die Grundlagen verständlich vermittelte und gleichzeitig Raum für unsere ersten Fragen und Bedenken ließ. Viele von uns hatten bereits auf verschiedenene Art und Weise Berührungspunkte mit ChatGPT oder ähnlichen Tools, aber die systematische Einordnung war für alle hilfreich.
Am Nachmittag stand eine geführte Bustour durch Valletta auf dem Programm. Die Hauptstadt Maltas beeindruckte mich mit ihrer reichen Geschichte, von den Spuren der Johanniter bis hin zur barocken Pracht der Gebäude und der Kathedrale. Abends fand zudem ein Feuerwerksfestival am Hafen statt, welches sehr beeindruckend war und sehr viele Zuschauer anlockte.

Dienstag, 21.04.2026: Prompts, Tools und erste Praxisübungen
Der zweite Tag war intensiv und praxisorientiert. Herr Conrad stellte uns verschiedene KI-Tools und Programme vor, u.a.:
- Gemini (besonders stark bei Bildern und Recherche)
- Claude AI (Alternative zu ChatGPT)
- NotebookLM (für Zusammenfassungen, Mindmaps und Audio-Versionen)
Ein Schwerpunkt lag auf dem Verfassen effektiver Prompts. Wir lernten den Unterschied zwischen einem „guten“ und einem „schlechten“ Prompt kennen und wie entscheidend die Formulierung für die Qualität der Ergebnisse ist. Besonders interessant fand ich die Idee, einen eigenen Prompt Coach zu entwickeln, der auf die spezifischen Bedürfnisse der eigenen Institution, der eigenen Arbeitsweise oder für Lehrer auch auf den Unterricht abgestimmt ist.
Wir übten praktisch:
- Prompts für die Erstellung von Podcasts, Präsentationen und Quiz
- Generierung von Tabellen und Newslettern
- Systematische Verbesserung der eigenen Prompts
In der anschließenden Diskussion tauschten wir Erfahrungen über Schwierigkeiten aus, zum Beispiel, wenn KI-Tools plausibel klingende, aber faktisch falsche Informationen liefern. Zudem betonte Herr Conrad immer wieder die Bedeutsamkeit alle KI-generierten Informationen kritisch zu betrachten und stets auf deren Sinnhaftigkeit und Wahrheitsgehalt zu hinterfragen.
Der Nachmittag war frei für die individuelle Erkundung von Valletta. Ich schlenderte durch die engen Gassen, vorbei an den bunten Holzbalkonen, und genoss den Blick auf den Grand Harbour.


Mittwoch, 22.04.2026: Ethik, Recht und der EU AI Act
Dieser Tag war geprägt von tiefergehenden Diskussionen zu ethischen und rechtlichen Fragen im Umgang mit KI:
- Ethische Dimensionen: Wann ist der Einsatz von KI vertretbar? Wo liegen die Grenzen?
- Der EU AI Act: Chancen, Risiken, Risikolevel und konkrete Beispiele
- Ländervergleiche innerhalb und außerhalb der EU
Wir diskutierten intensiv über den KI-Einsatz im Unterricht, insbesondere bei Prüfungen und Bewertungen. Welche Verantwortung tragen Lehrkräfte, wenn SchülerInnen KI-generierte Texte einreichen? Wie können wir als Bildungseinrichtungen sinnvolle Regeln aufstellen?
Zudem disktutiereten wir ein Zukunftsszenario, das viel Gesprächsstoff bot: Kann KI eines Tages Lehrkräfte ersetzen? Die Meinungen gingen auseinander, aber einig waren wir uns, dass die menschliche Beziehung sowie Empathie im Lernprozess nicht durch Algorithmen ersetzt werden kann.
Am Nachmittag unternahmen wir eine Exkursion nach Mdina und Rabat. Mdina, die „stille Stadt“, verzaubert mit ihrer verwunschenen und mittelalterlichen Atmosphäre. Die engen Gassen, die hohen Mauern und die Stille sind ein deutlicher Kontrast zum lebhaften Valetta. In Rabat besichtigten wir die Katakomben, ein eindrucksvolles Zeugnis der frühen Geschichte Maltas.



Donnerstag, 23.04.2026: Vom EU AI Act zur Praxis
Aufbauend auf den Vortag vertieften wir die historische Entwicklung der KI und widmeten uns erneut dem EU AI Act. Heute mit Fokus auf Datenschutz und konkrete Umsetzung:
- Projektplanung zur Auditierung: Wie können Schulen und Bildungseinrichtungen die Regelungen des EU AI Act praktisch umsetzen?
- Entwicklung von KI-Richtlinien für die eigene Organisation
- Führungsverantwortung beim KI-Einsatz
Besonders wertvoll fand ich die Diskussion über Trainingsmöglichkeiten für KollegInnen. Wie führt man ein Team an KI heran, das vielleicht skeptisch oder unsicher ist? Herr Conrad gab uns viele praktische Tipps aus seiner eigenen Erfahrung.
Der kulturelle Höhepunkt des Tages war die Besichtigung des Grand Master’s Palace in Valletta. Die prächtigen Räume und die Rüstungskammer erzählen von der Zeit der Johanniter, die Malta über Jahrhunderte prägten. Anschließend unternahmen wir einen langen Spaziergang durch die Altstadt, wo es immer wieder neue Gassen und Fleckchen zu entdecken gab.

Freitag, 24.04.2026: Best Practices und Abschluss
Am letzten Kurstag ging es wiedermals um die praktische Umsetzung des Gelernten:
- Best-Practice-Beispiele und Tools für die Unterrichtsplanung
- Einführung von KI in Schulen/im Bildungsbereich: Was brauchen KollegInnen? (Akzeptanz, Training, verbindliche Regelungen)
- Herausforderungen beim Einsatz von KI für Bewertungen, Prüfungen
In der Abschlussdiskussion reflektierten wir gemeinsam und konnten noch offene Fragen klären.
Das gemeinsame Abschlussessen bot die perfekte Gelegenheit zum Netzwerken. Es gab traditionelle maltesische Küche und ich probierte die typischen Ftira (maltesisches Fladenbrot) sowie eine mediterrane Platte, u.a. mit Ġbejna (lokaler Ziegenkäse).

